PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Muß es denn ausgerechnet Marokko sein?



Franziska
10.08.01, 12:49
Hallo, ich bin blutiger Anfänger und würde mir Tips und Kritik in jeder Hinsicht wünschen.Während meiner 2 Marokkoreisen hatte ich unwahrscheinlich schöne, chaotische, lustige und nachdenkliche Erlebnisse und möchte dies anderen näher bringen. Ich denke, daß andere diese Erlebnisse auch zum Nachdenken anregen könnten. Meine Angst vor Afrika und dem Unbekannten war panisch, bis wir Hammou und Magid kennen lernten, die mir ihr Land und die Bewohner näher brachten.
Abends wurden wir also von Magid und Hammou eingeladen ihren Laden ganz unverbindlich zu besichtigen. Es waren dort wunderschöne Dinge ausgestellt, von Waffen, alltäglichen Gegenständen über Kleidung, Schmuck und natürlich, wie konnte es anders sein auch Teppiche. Wir bekamen sofort den obligatorischen Pfefferminztee und da es ja unsere Hochzeitsreise war durften wir einmal in traditionelle Hochzeitskleidung schlüpfen. Ich in der Tracht der Berber, Michael wurde wie ein Tuareg eingekleidet, wobei sie uns dann auch zeigten wie ein Turban gebunden wurde. Es war eine schöne gelöste und sehr freundschaftliche Atmosphäre und wir hatten das Gefühl, daß wir etwas kaufen wollten als Erinnerung an diese wunderschönen Tage in Midelt. Es war wirklich eine Art Freundschaft zwischen uns vier entstanden. Schließlich entschieden wir uns für einen blauen Wandteppich, der angeblich entstand als eine Frau Zwillinge bekommen hatte. Es sei so Tradition in manchen Regionen, in denen nur Dialekt gesprochen wurde, für den es keine Schreibweise gab.Dort, so erklärten sie uns webten dann die Frauen Teppiche um besondere Ereignisse durch Symbole festzuhalten. Der Teppich ist zweigeteilt und wiederholt sich in beiden Teilen. Hammou und Magid malten uns jedes Symbol genau auf einen Zettel und erklärten daneben dessen Bedeutung. Wir wußten, daß man immer Handeln muß um als würdiger Käufer geachtet zu werden, so versuchten wir es auch Doch Hammou erwiderte, daß er uns nachdem wir uns angefreundet hatten schon einen sehr guten Preis gemacht hat und er nicht mehr handeln möchte und kann. Wir waren ziemlich überrascht und überlegten ob dies eine dieser Floskel der Händler war oder ob er die Wahrheit sagte. Wir beschlossen schließlich ihm zu vertrauen und auf unser Gefühl zu hören. Hammou erklärte daß sie uns den Teppich zuschicken würden und wir den Scheck etwas höher ausstellen sollten, um damit gleichzeitig das Porto abzudecken. Hoppala, wir schluckten, sahen uns an und waren jetzt endgültig verunsichert. Eine Chance 50 zu 50. Wir sagten dann auch zu ihnen. „Ja, klar, ihr habt das Geld und verkauft den Teppich morgen noch einmal“ Sie mußten lachen aber verstanden scheinbar unsere bedenken. Sie erinnerten uns daran, daß sie uns ja schließlich wie Familienmitglieder in ihrem Haus aufgenommen hätten und daß sie dies eigentlich sonst nie machen würden. Wir sind Freunde versicherten sie uns. So, was tun sprach Zeuss? Wir gingen das Risiko ein und ob es ein Fehler war würden wir sowieso erst in 3 Wochen zu Hause erfahren. Na hoffentlich geht das gut, wir hatten ein Scheißgefühl, wenn ich das so sagen darf. Nachdem der Teppichkauf abgeschlossen war, bat mich Magid in ein Nebenzimmer, in dem wunderschöner Schmuck aufgebaut war, er gab mir zu verstehen, daß ich mir etwas aussuchen konnte, als ein Geschenk der Freundschaft. Ich war sprachlos, es waren zauberhafte Stücke dabei und ich verliebte mich sofort in einen silbernen Armreif mit türkisfarbenen Steinen. Ich fragte furchtbar schüchtern ob ich den haben dürfte, ich hatte ja keine Ahnung wieviel der Reif wert war. Magid legte ihn mir an das Handgelenk und ich konnte nicht anders ich mußte meinen Gefühlen freien lauf lassen. Ich sagte zu ihm:" Ich möchte mich bei dir bedanken wie ich es zu Hause bei einem Freund machen würden. Darf ich dich in den Arm nehmen?" Er öffnete die Arme und wir drückten uns ganz fest, was wirklich von Herzen kam. Wir gingen zurück zu Michael und Hammou, ich erzählte Michael was soeben geschehen war und zeigte ihm meinen schönen Armreif. Nachdem Michael und ich uns zuvor schon darüber unterhalten hatten, ob wir Hammou nicht den Walkman schenken sollten, er war ja so verrückt danach. Es sollte ein Dankeschön für diese interessanten und schönen Tage in Midelt sein. Michael zögerte nicht lange und gab Hammou mit ein paar netten Worte des Dankes den Walkman. Bei Magid entschuldigten wir uns daß wir im Moment nichts für ihn hatten, wir versprachen ihm aber daß wir ihn, zurück in Deutschland, nicht vergessen würden. Anschließend gingen wir noch in ein Cafe aber schon bald waren wir alle sehr müde und schließlich wollten wir am nächsten Tag in die Bibliothek und dann endlich weiter durch Marokko ziehen.
Am nächsten Morgen frühstückten wir zusammen mit Hammou und Magid in einem Cafe und anschließend trafen wir uns nicht weit von dem Cafe mit Driss vor der Bibliothek. Wir freuten uns unheimlich so eine Gelegenheit zu haben, da wir beide Bücher, Büchereien und vor allem deren historische Atmosphäre liebten. Es war ein schönes altes Gebäude, mit großen Treppen. Es war dort kühl und unsere Stimmen und Schritte hallten nach. Außer uns war dort niemand zu sehen. Driss zeigte uns verschiedene Räume und Nischen mit wunderschönen gebundenen und teilweise auch sehr alten Büchern. Er erklärte uns gelegentlich welche Bücher es waren und ich war wieder einmal furchtbar enttäuscht die Sprache des Landes nicht zu beherrschen. Ich hätte für mein Leben gern stundenlang in den Büchern geschmökert aber so war es eigentlich „nur“ beeindruckend und wir gingen bald wieder. Driss erzählte uns natürlich wie so viele Marokkaner, die wir kennenlernten, daß er gerne in Deutschland studieren oder arbeiten möchte und daß wir unbedingt in Kontakt bleiben müßten. Eigentlich haben wir Driss nur flüchtig kennengelernt, er war derjenige der sich um unser Hotelzimmer bei unserer nächtlichen Ankunft in Midelt gekümmert hatte und wir wunderten uns immer wieder weshalb wir das Angebot von Driss und auch von Hammou und Magid bekommen hatten. War es reiner Eigennutz von ihnen um Kontakte nach Deutschland zu knüpfen oder waren sie einfach wißbegierig aus europäischen Ländern mehr zu erfahren, genauso wie wir von ihnen mehr erfahren wollten. Eines stellten wir immer wieder fest, bei den jungen Marokkaner war es oft so, daß sie einen unendlichen Drang hatten soviel wie möglich zu erfahren und zu lernen. Vielleicht war es aber wirklich nur reine Sympathie, aus der ziemlich schnell Freundschaft wurde, soweit man nach dieser kurzen Zeit von Freundschaft sprechen konnte.
Nach dem wir uns von Driss verabschiedet hatten gingen wir zu Magid ins Haus, packten unsere sieben Sachen auf die Maschinen, umarmten uns herzlich, tauschten noch Adressen aus und Hammou gab uns eine Visitenkarte ihres Geschäftes mit Telefonnummer.
Mit gemischten Gefühlen fuhren wir los. Zum einen war ich traurig diese netten Menschen und dieses sehr intensive Erleben der Menschen dieses Landes zurücklassen zu müssen und auf der anderen Seite war ich nun sehr neugierig wie ich mir alles weitere von Marokko vorstellen mußte, natürlich nicht ohne wieder Magenkrämpfe und eine furchtbare Nervosität zu bekommen.
Wir verließen Midelt in Richtung Zebzat und wollten nach Boumalne Dade`s in die Dade`s-Schlucht. Schon bald nach Midelt ging es durch steinige Täler des Hohen Atlas. Es war kaum Grün zu entdecken und nach und nach zog uns eine Gewitterfront über den Paß entgegen. Das Licht am Himmel erschien grün und unheimlich, eine Stimmung, die ein reinigendes Gewitter voraussagte und doch eine Gänsehaut und Unbehagen verursachte. Langsam fielen die ersten dicken Tropfen auf unsere Lederkleidung und man konnte auf dem schwarzen Leder sehen wie der Staub weggespült wurde und wie unter dem Staub die ursprüngliche Farbe des Leders wieder hervorkam. Ich genoß diese Stimmung und die kühle, frische, mit dem Geruch des feuchten Staubes durchtränkte Luft, die durch mein halb geöffnetes Visier kam. Als wir auf der Höhe des Passes waren, kam auch noch ein furchtbarer Sturm hinzu und man konnte wirklich nachvollziehen was man unter einer Endzeitstimmung verstand. Nach und nach hörte der Regen auf und übrig blieb der grüne Himmel und der Sturm. Die Straße war sofort wieder trocken und Michael fuhr ziemlich schnell. Wir wollten nur weiter, endlich zu den verschiedenen Zielen, die wir uns gesetzt hatten. Wir wollten weiter in den Süden, schöne einsame Strecken durch das Hinterland fahren und natürlich auch besondere Sehenswürdigkeiten Marokkos bestaunen. Ich war gedanklich immer noch bei Magid und Hammou, ich hatte in mir immer noch die Gefühle und die Gedanken, die diese Menschen in mir ausgelöst hatten, ich versuchte mir vorzustellen, was wir diesen Urlaub noch alles erleben würden. Plötzlich wurde ich abrupt aus meinen Gedanken gerissen, was war das? Die Maschinen schlickerte bei einem Tempo von 120 km/h und ich merkte daß Michael zu tun hatte die Tenere unter Kontrolle zu halten. Ich bekam Panik, umklammerte Michaels Taille als mir plötzlich klar wurde was passiert war. Ich wußte nicht sollte ich lachen oder weinen. Ich klemmte meine Beine stärker um Michaels Hüfte um ihm zu zeigen daß ich wußte was los war, irgendwie wußte Michael bei solchen Gesten immer was ich dachte. Endlich kam er zum stehen. Wir stiegen ab, zogen die Helme aus und sagten beide :“Scheiße, das darf doch nicht wahr sein, schon wieder einen Platten.“ Michael fluchte, ich lachte und brach innerlich doch in mir zusammen, es war wohl eine Art Galgenhumor.
Wir zögerten nicht lange, packten sofort unsere scheinbar etwas störrische Tenere ab, Michael holte das Werkzeug heraus und baute inzwischen mit der Geschwindigkeit eines Mechanikers beim Boxenstopp das Rad aus. Er löste den Mantel und stellte fest, daß der neue Schlauch völlig kaputt war und es wenig Sinn hatte ihn zu reparieren. Scheinbar war er zu klein. Es war uns eine Lehre, wie konnten wir so dumm sein und keinen Ersatzschlauch mitnehmen. Wir waren stink sauer auf uns, verzweifelt und überlegten, was wir jetzt machen sollten und was es für Konsequenzen für unseren weiteren Urlaub hat. Wir setzten uns erst einmal an den staubigen Straßenrand und überlegten. Der Himmel am Horizont schien immer noch grün, doch inzwischen wurde er von einzelnen Sonnenstrahlen durchzogen. Irgendwie gab uns dieses Szenario das Gefühl wir sollten es anpacken, es hält uns zwar jetzt wieder auf und wir werden von Marokko leider nicht soviel sehen wie wir eigentlich wollten aber wie war doch unser Motto? „Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung“ und da fiel mir auch unser zweites Motto ein „Der Weg ist das Ziel“. Also, los geht’s, was war zu tun. Uns fiel ein, daß wir Hammous Visitenkarte in der Tasche hatten. Wir waren etwa 25 km von Midelt entfernt, so wollten wir versuchen Hammou irgendwie um Hilfe zu bitten. Wir stellten uns an den Straßenrand und warteten ein paar Minuten bis ein Auto kam. Mit ein paar französischen Wörtern und der Visitenkarte machten wir dem Fahrer des Autos klar, daß Hammou unser Freund sei und er ihn für uns um Hilfe bitten sollte. Er nickte und gab uns zu verstehen, daß er versuchen würde Hammou zu finden.

aerolith
10.08.01, 13:11
Hallo Franziska!

Das Schreiben ist schwer. Ich bin schwierig. Wenn Du schreiben willst und hier schreiben lernen willst, dann mach Dich auf einen erneuten Ritt durch die Wüste gefaßt.
Ich denke, daß Du viel erlebt hast und diese Erlebnisse


anderen mitteilen möchtest;
für Dich selbst konservieren möchtest, um gelegentlich daran zu schleckern und jedes Mal eine neue Nuance zu schmecken;
vielleicht Deine Erlebnisse verkaufen möchtest, irgendwann

.

Wo wollen wir einsteigen?

Vielleicht klären wir die Perspektive!
Du hast hier mehrere Möglichkeiten, die Du dann durchhalten solltest. Unschön wird es für den Leser, wenn Reflexion und Erlebniswiedergabe durcheinandergehen, wenn das Ich zum Er, das Man zum Du wird, wenn also Unklarheiten in den Beziehungsgeflechten bestehen.

Ich schlage Dir vor, daß Du aus obigem Text zuerst alle Empfindungen streichst und nur NACKT den Ablauf wiedergibst.
Keine Bange! Für Deine Empfindungen wird dann noch genug Raum veranschlagt, die sind das Salz in der Suppe.

Franziska
10.08.01, 14:42
Hallo Robert,
ich danke dir für deine sehr feinfühlige und ehrliche Antwort.
Leider mußt du mir näher erklären, was du mit deinen Aussagen meinst.
Ich bin jemand der stark mit dem Gefühl liest und ich möchte schreiben lernen. Leider fällt es mir deshalb sehr schwer erst ein mal eine logische Struktur in den Texten zu erkennen.
- Wie kann ich später meine Empfindungen in einen "nackten" Text einbinden ohne sie wieder zu vermischen?
- Kannst du mir ein Beispiel für das unklare Beziehungsgeflecht in meinem Text geben, ich kann leider nicht erkennen, was du damit meinst.

Vielen, vielen Dank. Ich bin froh, daß sich überhaupt jemand mit meinem, für einen routinierten Autor oder Lektor, mit Sicherheit grauenvollen Text beschäftigt.

Gruß, Franziska

aerolith
13.08.01, 20:38
Liebe Franziska! Dein Wille ehrt Dich. Ich will einmal sehen, wie weit er Dich trägt. Also laß uns Textarbeit machen. Ich gebe Dir immer einen vor, Du mußt nachziehen. Okay?

Erstes Beispiel:
Zitat:erstellt von Franziska: Meine Angst vor Afrika und dem Unbekannten war panisch, bis wir Hammou und Magid kennen lernten, die mir ihr Land und die Bewohner näherbrachten. Rechtschreibunikate nehme ich aus dem Text.
Frage: Gestaltung trägt sich durch Worte, vielleicht, wahrscheinlich aber durch Zwischenzeiliges, generiert durch Worte, also: Was ist panisch? Wie äußerte sich diese Angst? Welche Bedeutung hat die Farbe blau? Welchen Sinn hatte die Reise? Wer erzählt? Wer ist ein/dieses Ich?

Bekommen wir den Anfang etwas mehr in die Richtung, die er unbedingt haben sollte, die subjektiv verhaftete?

Franziska
14.08.01, 12:58
Hallo Robert,

der Text den ich hier in das Forum gesetzt habe ist nur ein Auszug aus meiner angefangenen Geschichte. Ich denke daß ich dir den Anfang des Textes noch zeigen sollte.
Ich gehe im Text immer ein Stück mehr auf meine Panik ein, das liegt daran, daß ich eigentlich selbst sehr lange nicht wußte, wovor ich Angst hatte.

Mein Gott hatte ich Angst. Es sollte unsere Hochzeitsreise werden und mein Mann Michael wollte unbedingt nach Nordafrika. Ich konnte ihn ja verstehen, nachdem ich die Dias von Algerien gesehen hatte, aber alles was ich bisher kannte war Italien, Österreich und Korsika. Von Italien kannte ich nur den Gardasee, Bozen, Meran und so weiter, einmal war ich mit der Jugendgruppe in Rom. In Österreich bin ich als Kind mit meinen Eltern immer in den Bergen gewesen, wobei wir dort immer in einer Pension übernachtet hatten. Mit Michael war ich einmal zwei Wochen auf Korsika mit dem Motorrad auf Campingplätzen unterwegs. Aber Nordafrika, das war etwas ganz anderes. Wie mußte ich mir das alles vorstellen? Ich wußte nur von Michaels ersten Afrikatrip mit seiner Ex-Freundin, daß es für sie immer viel zu heiß war, und das obwohl sie im Oktober gefahren waren. Scheinbar war der Urlaub für sie nichts woran sie lange zehren konnte und wohl viel zu anstrengend. Ich muß gestehen, die Faszination war schon groß, aber für mich, die irgendwie immer ein Stück Sicherheit um sich brauchte, war Afrika doch ziemlich unheimlich. Wenn ich mir vorstellte, daß ich den ganzen Urlaub im Freien übernachten sollte, ohne Dusche, nur auf dem Motorrad, ohne einen Winkel, und wenn es nur das Zelt auf einem Campingplatz wäre, wo ich mich zurückziehen konnte. Manchmal, wenn mir alles zuviel wird, möchte ich gerne alleine sein oder mit vertrauten Personen an einem vertauten Ort.
Ich kannte Afrika nur von Berichten im Fernsehen oder von Michaels Erzählungen. Einmal konnte ich die Dias eines Bekannten sehen, der mit Freunden in Libyen war. Das was ich sah und hörte sprach mich sehr an und mahte mich neugierig. Die Natur und die Menschen in Afrika schienen einen ganz anderen Rhythmus zu haben als wir. Konnte auch ich damit umgehen? Ich lernte auch nie einen Afrikaner kennen, ich kannte sie nur von Orten wie Münchens Fußgängerzone in dem sie mir teilweise anzügliche Blicke zuwarfen, ich bin blond.
Aber gut, ich liebte es bei Michael auf der Enduro mitzufahren und je schwieriger und chaotischer es wurde um so mehr Spaß hatten wir dabei. Irgendwie war ich schon ein Haudegen. Staub und Dreck machten mir nichts aus. Als es in der Realschule darum ging vom Arbeitsamt Bögen auszufüllen um einen eventuellen Berufswunsch zu finden, war bei mir das Ergebnis Stahlbetonbauer. Ich hatte eben angegeben, daß mich schwere und schmutzige Arbeit nicht stört.
Wir fuhren jedes Jahr an Pfingsten voller Begeisterung mit unserer Clique mit den Enduros zum Gardasee um schöne Geländestrecken zu fahren. Klassische Strecken wie den Tremalzopaß, der sehr bekannt ist. Viele weitere Routen haben wir selbst erkundet, die teilweise auch in irgendwelchen Eselspfaden am Abgrund eines Berges endeten. Entweder fuhren wir getreu unserem Motto "Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung" fort oder wir mußten die Maschinen irgendwie wenden, was bei der Tenere`gar nicht einfach war. Aber wir hatten immer unseren Spaß dabei und abends wurden natürlich bei einer Pizza und ein paar Bier noch mal so richtig über jeden gelästert. Vor allen Dingen mußte Jürgen daran glauben, unser treuer Freund. Jürgen wurde immer gehänselt, er sei zu langsam, hätte in all den Jahren noch nicht gelernt, wie man Kurven fährt und vieles mehr. Ich hoffe er nimmt mir dies nicht übel, aber das konnte ich mir nicht verkneifen. Jürgen ist einer der gutmütigsten Männer, die ich kenne aber in seiner dreckigen Motorradkluft, groß, breit gebaut, sah er immer aus wie der wildeste Rocker. Sie wissen schon, so einer bei dem manche Mütter ihre Kinder zur Seite ziehen, weil sie Angst haben. Sie lachen? Das haben wir wirklich schon erlebt.
Am Gardasee schliefen wir auch immer im Freinen, teilweise neben einem alten Militärbunker in den Bergen und manchmal auf Parkplätzen, an denen die Surfer morgens ihre Autos abstellten, noch ehe diese mit ihren ordentlich, gewienerten Autos ankamen, waren wir wieder weg. Es war immer total abenteuerlich und lustig. Morgens gingen wir bewaffnet mit unserer Zahnbürste in ein Kaffe zum Frühstücken und nach dem Essen verschwand einer nach dem anderen auf der Toilette um eine kleine Katzenwäsche vorzunehmen.
Also chaotisch und unkonventionell liebte ich das Leben schon, aber mußte es denn ausgerechnet Nordafrika sein? Was sollte ich darüber denken, ich wußte nur, ich hatte furchtbare Angst, aber wovor? Ich verdrängte es und dachte mir, Michael war ja schon in Algerien und ich wußte, ich konnte ihm vertrauen. Na gut, wir einigten uns auf Marokko. Marokko war noch relativ stark europäisch orientiert und wir mußten durch Spanien. Sollte ich unterwegs noch kalte Füße bekommen wären die Pyrenäen sicherlich eine Alternative. Wir waren uns in einem Punkt immer einig. Wir wollten vom Land und den Leuten, wie sie wirklich waren so viel wie möglich sehen. Das ganze ließ sich wunderbar verbinden. Wir fuhren über irgendwelche Geländestrecken, auf denen sonst kaum jemand fuhr, erreichten so kleine einsame Dörfer in denen die Menschen noch ursprünglich wohnten und lebten.
Also gingen wir die Sache an. Als erstes mußten wir.......

Jürgen beschreibe ich deshalb etwas ausführlcher, weil er uns bei unserer 2. Marokkotour mit unseren 3 Kindern begleitete.
Ich hoffe ich bin hiermit etwas auf deine "Aufgabe" eingegangen.
Sollte ich bei deiner Aufgabe eine "Themaverfehlung" begangen haben, bitte sag es mir. Hätte ich den von dir ausgewählten Satz umformulieren sollen, werde ich es noch machen.

Grüße Franziska

aerolith
15.08.01, 08:11
Liebe Franziska! Nicht immer gleich soviel! Kleine Schritte.
Du mußt sagen, was Du willst! Willst Du einen Reisebericht schreiben? Wenn ja, dann nimm Dich als Menschen aus den Texten raus und stell die anderen Menschen und Landschaften ins Zentrum Deiner Schilderungen. Wie der Name schon sagt: Schildern, also die Gegend mit Schildern versehen, auf denen etwas steht, was Vorbeikommende verstehen, in diesem Fall, was der ortsunkundige Leser antrifft und mit dem Bekannten in seiner Welt zusammendenken kann.
In beiden Texten geht es munter durcheinander. So geht das nicht.

Ich mach Dir heute Abend ein bißchen Textarbeit; vielleicht verstehst Du dann besser, was ich meine.

Hannemann
15.08.01, 13:22
Okay, liebe Franziska, Du bist also blond. Ein Rat für Zukünftiges von einem Vielreiser: Überall auf der Welt gibt es Coca-Cola und Hamburger. Kein Grund also, um bei schwarzen Mitgliedern unserer Erdbevölkerung (Negers) mulmige Gefühle zu hegen. Eher umgekehrt, denn besagte Mitglieder haben auch schon festgestellt, dass Frikadellen besser schmecken als die schönsten, auf Äste gespiessten und gebratenen Europäer...nebenbei erwähnt,in einigen Regionen Afrikas nicht mehr gern gelitten.

Franziska
15.08.01, 20:15
Hallo Hannemann, Robert,
Ich merke schon, es ist Hopfen und Malz verloren, vielleicht bin ich ja noch blonder als ich dachte!
Ich möchte eigentlich keinen reinen Reisebericht schreiben. Vielmehr möchte ich meine Geschichte erzählen. Wie ich langsam meine Angst überwinden konnte und dieses Land und die Menschen lieben gelernt habe. Es wurde ein Teil von mir und hat meine ganze Lebenseinstellung geändert. Es gibt bestimmt Menschen die Denken und Fühlen wie ich, eventuell kann ich ihnen Mut machen. Ich möchte aber auch den Lesern einen Eindruck von dem Land und den Menschen geben. Ich möchte, daß sie meine Erlebnisse nachvollziehen können. Vielleicht so gar erreichen, daß der eine oder andere neugierig auf Marokko wird oder zumindest Fernweh bekommt.
Bitte habt etwas Geduld mit mir, ich möchte es wirklich lernen.
Ein Wort noch: Ich wurde in einem anderen Forum angegriffen, weil ich keine Antworten auf andere Texte gegeben habe. Ich denke der Beweis liegt hier vor. Ich bin einfach noch nicht fähig dies zu tun. Bevor ich unqualifizierte Kommentare los lasse, halte ich lieber meinen Mund.
Bitte habt etwas Geduld mit mir.
Franziska

Kyra
15.08.01, 20:28
Hallo Franziska,

keine Bange, hier im Forum hat man Geduld...sonst hätte ich es Dir nicht genannt. Ich kann Dich gut verstehen, Du hast eine Erfahrung gemacht die wichtig war, jetzt willst Du sie anderen Mitteilen, und zwar so, dass sie es so empfinden und sehen wie Du. Also willst Du eigentlich keinen Reisebericht sondern einen Entwicklungsroman schreiben - in Form einer Reise. Ich denke das ist nicht schlecht. Wichtig wäre es erst mal wirklich zu verstehen warum Du diese Ängste hattest und vor allem wie. Ich meine nicht psychologisieren, sondern schildern. Was löst die Angst vor dem schwarzen wilden Mann aus? Die Schilderung wird dann interessant wenn Du darstellen kannst wie du Dich verändert hast im Laufe der Reise, was sich verändert hat, vielleicht gefielen Dir Dinge die Du vorher abgelehnt hast? Letztlich willst Du Dich schildern, also musst Du Dich mit mehr als "ich hatte Angst" und "jetzt habe ich keine Angst mehr" einbringen. Also nicht nur die Orte beschreiben sondern vor allem Deine Gefühle. Du musst als enger Mensch ankommen und als geöffneter abfahren. Sollte Robert dies aber völlig anders sehen als ich, hör auf ihn.

Ich habe mich nicht sehr gut ausgedrückt, aber Du wirst es schon verstehen.

Viele Grüße

Kyra

Franziska
15.08.01, 21:13
Hallo Kyra,
du schreibst mir aus der Seele, genau das ist es. Ich habe bisher 50 Seiten (so wie es aussieht völlig chaotisch) Text geschrieben. Im Laufe dieses Textes kann man auch erkennen, wovor ich Angst hatte. Es ist nicht die Angst vor dem schwarzen Mann. Es ist die Angst vor dem Unbekannten. Die Angst vor der eigenen Courage.Meine Einstellung änderte sich nach und nach über 7 Jahre hinweg.
Grüße Franziska

aerolith
15.08.01, 23:00
Zitat: erstellt von Franziska: Mein Gott, hatte ich Angst.Kein schlechter Anfang, obwohl er vielleicht zu viel vorwegnimmt.
Zitat: Es sollte unsere Hochzeitsreise werden, und mein Mann Michael wollte unbedingt nach Nordafrika.Es-Konstruktion sind selten gut. Diese Wertung ist überflüssig vorgreifend, außerdem stören mich die beiden Hauptsätze, die das Stakkato Deines Schreibstils noch unterstreichen. Ich empfehle Dir hier, Deinen Mann rauszulassen, statt dessen nur Dich selbst zu inszenieren, zumindest am Anfang.
Zitat:Ich konnte ihn ja verstehen, nachdem ich die Dias von Algerien gesehen hatteunklarer Bezug
Zitat: aber alles, was ich bisher kannte, waren Italien, Österreich und Korsika. Von Italien kannte ich nur den Gardasee, Bozen, Meran und so weiter; einmal war ich mit der Jugendgruppe in Rom. In Österreich bin ich als Kind mit meinen Eltern immer in den Bergen gewesen, wobei wir dort immer in einer Pension übernachtet hatten. Zu viele Hilfsverb-Konstruktionen, zumal auch dieses ominöse HATTE am Ende steht. Bleib beim Präteritum, durchgehend.
Zitat:Mit Michael war ich einmal zwei Wochen auf Korsika mit dem Motorrad auf Campingplätzen unterwegs.bitte?
Zitat: Aber Nordafrika, das war etwas ganz anderes.[/b]
Da sind die Campingplätze wohl größer? - Viel zu ungenau, geradezu monströs-plakativ.

Hannemann
15.08.01, 23:20
Liebe Franziska, das einzig Unbekannte steckt in Dir! Suche es, finde es und versuche es zu schildern.Ich kÜndige Dir Schweinearbeit an, doch wenn Du willig, wird es sich lohnen. FÜr Dich! Au?erdem, wer hat schon Angst vor dem schwarzen Mann?

Schreiblaune
17.08.01, 13:33
Ich möchte mal etwas in diesem Zusammenhang fragen.
Ich möchte auch Reiseimpressionen niederschreiben. Doch wie gehe ich dabei mit meinen Eindrücken um, meinen Empfindungen und Gedanken und dem Wissen?
Sie sollen auf das Land bezogen sein und kein Reiseführer werden, sondern eher Lust machen das Land selbst zu entdecken?
Vorerst habe ich nur hingeklierte Tagebuchnotizen die lesbar bewahrt werden wollen.