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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Indien bis zum Eintreffen der Europäer



aerolith
22.05.15, 12:10
Indien, das seinen Namen von der Induskultur herleitet, die sich um 2500 v.Chr. am Indus ausbreitete, hat zwar eine wechselvolle Geschichte (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=geschichte), die jedoch ohne weitreichende Impulse auf weltgeschichtliche Entwicklungen blieb und bleibt. Wir haben Zeugnisse dieser Kultur (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=kultur), Siegeln mit Inschriften in der Indusschrift auf sumerisch (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sumer)-akkadischen Artefakten, gefunden, die auf die Zeit um Sargons (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sargon)Macht verweisen. Daß die Induskultur ein plötzliches und wahrscheinlich gewaltsames Ende fand, ist gewiß, etwa um 1730 v.Chr.. Zu dieser Zeit zerstörten indogermanische (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=indogermanen)Heerscharen, aus Norden kommend, diese Kultur. Sie setzten sich offenbar an die Spitze der indischen Gesellschaft (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=gesellschaft), denn fortan war das indogermanische Sanskrit Hauptidiom. In diesem Sanskrit schrieben indische Gelehrte später die vedischen Hymnen. Neben dieser Herrschaftssprache bestehen bis heute in Indien zahlreiche Sprachen nichtindogermanischer Herkunft, die aber keine Verwendung in philosophischen Werken fanden, also Volksidiome blieben.


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Ziehet aus, ihr Jünger (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=jünger), wandert zum Heil für viele Menschen, zum Glück für viele Menschen, aus Mitleid (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=mitleid)mit der Welt, zum Segen, zum Heil, zum Glück der Götter und Menschen. Gehet nicht zu zwein denselben Weg. Predigt, ihr Jünger, die Lehre, die am Anfang herrlich ist, deren Ende herrlich ist. (aus Mahavagga 1,11.)


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Die Entwicklung der Sprache (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sprache)ist immer Indiz für die Entwicklung des Volkes, denn Sprache drückt das Verhältnis des Sprechenden zu den Dingen aus: je höher die Abstraktionsfähigkeit der benutzten Sprache, desto intensiver die Beschreibung, die Zusammenführung des Verschiedenen, dessen Erfassung und damit auch die Möglichkeit (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=möglichkeit)der Nutzung derselben. In Indien vollzog sich auf religiösem Gebiet der entscheidende Schritt bedeutsamen Wandels bis 600 v.Chr., wonach sich statt des Rituals der Meditation bedient wurde, um dem numinosen Grundgefühl der Lebenswahrnehmung besser entsprechen zu können. Dieser Wandel muß etwas mit dem Eindringen indogermansicher Nomaden in das Indusbecken zu tun haben, denn diese Eindringlinge ließen sich nieder, als Herren. In diesem Aspekt liegt die welthistorische Bedeutung Indiens. Besonders in den 500 Jahren zwischen 334 v.Chr. und 220 war mit der Entstehung des theistischen Hinduismus und des mahajanischen Buddhismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=buddhismus) eine Missionierungstätigkeit verbunden, die Asiens Lebenswelt bis in unsere Tage prägt, zumal diese Religionen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=religion)gesellschaftliche Strukturen benötigen, um zu funktionieren: Kastenwesen, Selbstbezogenheit, moralische Indifferenz, also eine Gesellschaft, die keineswegs ausgreift, sondern in sich bleibt.


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Die indische Liebeslehre (kamasutram), wie sie den Indern seit ca. 400 v.Chr. bekannt und geläufig ist. Hier wird erklärt, wie ein junger Mann sich der Geliebten nähern soll: „Mit einem Mädchen, das er als ihre Vertraute kennt, soll er feste Freundschaft schließen und vertrauten Umgang pflegen. Ihre Milchschwester [beste Freundin] soll er mit außerordentlich viel Liebe und Fürsorge behandeln. Denn wenn diese ihm geneigt ist, kann sie, sobald sie den Stand der Dinge erkannt hat, ihn und sie vereinigen, ohne ihn abzuweisen. Auch wenn sie nicht darum angegangen wird, kann sie als Lehrerin handeln: Denn selbst wenn sie den Stand der Dinge nicht kennt, kann sie doch aus Zuneigung seine Vorzüge ins rechte Licht setzen, so daß die Umworbene Zuneigung empfindet.
Wonach die Umworbene auch immer Verlangen zeigt, das möge er ausfindig machen und ihr verschaffen. Seltsame Spielzeuge, auch wenn man sie nur selten bei Mädchen findet, mache er ihr leicht zurecht. So macht er ihr einen mit vielen Streifen versehenen und mit kleinen Linien verzierten Ball, ferner Puppen aus Garn, Holz, Büffelhorn und Elfenbein, aus dem Überrest von Honig, Mehl und Ton. Er zeige ihr seine Kochkunst, indem er Essen kocht. Er bringe ihr zwei aus Holz gefertigte Schafe, die miteinander verbunden sind, ein weibliches und ein männliches; Ziegen und Schafe; Gotteshäuser aus Ton, gespaltenem Rohr oder Holz; Käfige für Papageien, Nachtigallen, Liebespredigerkrähen, Reiher, Hähne und Rebhühner; Wassergefäße von seltsamer Form; Amulette und zierliche Lauten; Toilettegefäße, Lack, roten und gelben Arsenik, Zinnober; ferner Sandel [wohlriechendes, wertvolles Holz für Möbel und Kunstschnitzereien] und Safran; Betelfrüchte und Blätter, je nach der Zeit. Er schenke je nach Möglichkeit, heimlich oder offen.“ (Kamasutram. München 1989. S. 168/169.)

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Indiens politische Gestalt prägte sich im frühen Mittelalter (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=mittelalter)unter einem Herrschergeschlecht namens Gupta aus. Diese Gupta, tolerante brahmanische Hindus, waren in der Lage, weite Teile Indiens unter ihre Herrschaft zu bringen. Sie herrschten autoritär, ließen aber das Bürgertum das tun, was es am besten kann, Geld verdienen. Die Hindu-Religion kam achthundert Jahre nach dem Tode Buddhas durch die Gupta erst zu ihrer bis heute andauernden Bedeutung (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=bedeutung)für den gesamten asiatischen Raum. Als im späten 6. Jahrhundert Einfälle aus dem Norden (Hunnen) die Macht der Gupta zerstörte, zerfiel Indien in kleinere Reiche und wurde Beutepotential des bald eindringenden Islam (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=islam). Im 11. Jahrhundert war Indien weitgehend islamisiert. Der Islam wirkte auf die indische Kultur ein und veränderte sie nachhaltig, konnte aber den Hinduismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=hinduismus)und v.a. die diesen lebenden Mönche und Fürsten nicht besiegen. Kulturkampf. Der Hinduismus behauptete sich und erstand im 16./17. Jahrhundert wieder neu, um sich dann in Zentralindien vollends durchzusetzen.
Als die Briten in Indien ihre Kolonialpolitik begannen, ließen sie die religiösen Streitigkeiten der Inder außen vor und stützten sich auf die kleine indische Oberschicht, wie es sie allerorten in Indien gab, Führer, die sie entweder bestachen oder gegeneinander ausspielten. Zur britischen Kolonialpolitik später mehr.
Ein Ausgreifen Indiens in die Welt ist nicht zu finden, wohl aber ideologisch-gefärbter Parteienstreit. Beides hat seine Ursachen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=ursache)in der indischen Religion resp. Philosophie, die bis in unsere Zeit bedeutsam ist. Die indische Philosophie besitzt einige Schulen, die Lehrmeinungen ausformulierten und bis heute sowohl erkenntnistheoretische als auch logische Probleme behandeln und ethischen Fragestellungen nachgehen. Erstaunlich genug für Europäer ist das Fehlen politischer Folgerungen aus den philosophisch erkannten Problemen des Menschseins. Es gab in Indien bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein keine politischen Konzepte, was erklärt, warum die indische Geschichte letztlich keine Geschichtsphilosophie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=geschichtsphilosophie)hervorbrachte oder Geschichtsschreibung (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=geschichtsschreibung)betrieb, also auch keine Idee, mit der sie andere Völker missionieren könnte resp. sich selbst über das Getane Rechenschaft gab. So wird die indische Geschichte nur dann datierbar, wenn sie mit anderen Völkern in Berührung kommt. Politik war den Indern, wie allen andern Völkern auch, Kampf um Macht, aber daneben gab es ein besonders starkes Interesse für das Problem des einfachen Daseins – und das wurde für die Inder vom politischen Geschehen losgelöst und aufs rein menschlich Existenzielle transzendiert. Erlösung sollte und würde sich nicht in etwas vollziehen, das durch Arbeit an sich selbst und mithin an der zu bearbeitenden Welt herbeigeführt werden könnte. Nein, das Ideal in Indien, wie es in vielen Schulen gelehrt wurde, war nicht in der Welt zu finden, sondern in der Verneinung des Strebens nach Gütern, die allesamt vergänglich, nämlich Schein seien. Wer sein Leben darauf lenkt, wird leiden, wer aber diesen Fehlweg erkennt und sich darauf besinnt, den Dingen die Namen zu geben, die sie verdienen, wird den rechten Weg gehen und die Kraft finden, sich nicht nur von ihnen zu befreien, sondern die Welt auch in sich aufzulösen.
Es wird deutlich, daß das indische Denken auf Belehrung ausgerichtet ist. Glück ist machbar. Verstand ist zu gewinnen. Dinge zu erlernen. Die Welt kann verstanden werden. Alles dient dazu, das Leiden (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=leiden), mit dem Mensch in die Welt kam, zu mindern und den Pfad der Tugend zu finden.
So etwa bauen sich indische Weisheitsschulen auf. Manche besitzen einen stärkeren praktischen Bezug, indem sie Vergangenheit (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=vergangenheit)und Zukunft (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=zukunft)als Modifikationen der Gegenwart lehren und entsprechende Übungen anbieten, diese Brücke in sich selbst zu schlagen (das Bewußtsein eines Nacheinanders von Gegenständlichem), was psychohygienische Auswirkungen besitzt: Yoga. Schließlich – und das ist wohl die wichtigste Erkenntnis, die im indischen Selbstbewußtsein tief verankert ist – gibt es den Kreislauf des ewig Einen, Wiedergeburt und Karma. Das alles ist sehr viel greifbarer für den Inder als ein sonstwie geartetes politisches Konzept, denn er weiß auch, daß die Erkenntnis (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=erkenntnis)seiner selbst (des Subjekts (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=subjekt)) keinen Gegenstand der Erkenntnis (ein Objekt (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=objekt)) haben kann, politisches Handeln also überflüssig ist.


Aufgaben:



Fasse die Entwicklung der indischen Geschichte in drei Stichpunkten zusammen! (II)
Erkläre einem Außenstehenden die Grundzüge indischer Weisheitslehre! (III)
Setze dich mit der im Text (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=text)gemachten Auffassung auseinander, wonach die Inder ein minderes Interesse an politischen Vorgängen haben sollen! (II)



Hinterindien: Das Wissen über die vorkoloniale Zeit Hinterindiens ist nur in Grundzügen vorhanden. Es ist davon auszugehen, daß indische Fürstengeschlechter diese Gebiete beherrschten, aber, wie in Indien, keine Geschichtsschreibung betrieben. So haben wir unser Wissen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=wissen)nur aus zweiter Hand und können die Ergebnisse archäologischer Grabungen dazu nutzen, etliches zu rekonstruieren, haben aber keine unmittelbaren literarischen Zeugnisse aus dieser Zeit, die uns dabei helfen könnten, eine Geschichte zu schreiben.
Berühmt wurde seinerzeit die 100000-Einwohner-Stadt Angkor am Mekong im heutigen Kambodscha, die 1177 zerstört wurde, wiederaufgebaut, wieder zerfallen... Wir haben Kenntnisse hinterindischer Staaten vom chinesischen Reisenden I-tsing, der 672 von reichen und schönen Städten erzählte, die er auf Sumatra und Java, aber auch Vietnam fand. Ein arabischer Reisender singt um 900 ein begeistertes Loblied auf diese Kultur. Frühere Zeugnisse sind nicht bekannt.

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