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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weltbild und Sprache in der Frühneuzeit



aerolith
23.05.15, 21:50
Nikolaus Köppernig oder Köppernick, latinisiert Copernicus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=kopernikus), lebte und studierte in Krakau, Bologna, Padua und Thorn. Der Zweifel (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=zweifel)trieb ihn an, hemmte aber auch das Erkannte, das Kopernikus immer wieder prüfte. Erst im Todesjahr kam es zu einer ersten Publikation, ironischerweise in Wittenberg, wo Luther (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=luther)lebte und Kopernikus‘ Ansichten mißbilligend aufnahm, wohl deshalb, weil Kopernikus sein Buch (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=buch) dem Papst widmete. Das Buch fiel durch, die Lehre nicht. Die Inquisition (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=inquisition)setzte die Kopernikanische Lehre bis ins Jahr 1757 auf den Index, d.i. die Liste für nicht mit der Bibel (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=bibel)übereinstimmende Schriften.


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„Darum wisse du, lieber Christ (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=christ), daß du keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=juden), der mit Ernst (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=ernst)ein Jude sein will. Es mögen wohl unter ihnen sein, die da glauben, was die Kühe oder Gänse glauben, doch hängt ihnen allen das Geblüt an. Daher gibt man ihnen oft in den Historien Schuld, daß sie die Brunnen vergiftet, Kinder gestohlen und zerpfriemt [geschlachtet] haben. Sie sagen wohl nein dazu. Aber, es sei oder nicht, do weiß ich wohl, daß am vollen, ganzen, bereiten Willen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=willen)bei ihnen nichts fehlt, wenn sie mit der Tat, heimlich oder offenbar, dazu kommen könnten.“
„Moses (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=moses)schreibt, daß man eine Stadt (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=stadt), wenn sie Abgötterei triebe, man sie mit Feuer ganz zerstören und nichts davon übrig lassen sollte. Und wenn er jetzt lebte, so würde er der erste sein, der die Judenschulen und –häuser ansteckte, denn er hat gar hart geboten, sie sollen nichts zu- oder abtun von seinem Gesetze, und es sei Abgötterei, Gott nicht gehorchen. Nun ist der Juden Lehre jetzt nichts anderes als eitel Zusätze der Rabbinen und Abgötterei des Ungehorsams, gleichwie bei uns unter dem Papsttum die Bibel unbekannt geworden ist.“
„Ja, wie wollen wir nun handeln? Wenn wir gleich den Juden ihre Synagogen verbrennen und ihnen verbieten, öffentlich Gott loben, beten, lehren, seinen Namen zu nennen, usw., so werden sie es doch heimlich nicht lassen. Und weil wir wissen, daß sie es heimlich tun, so ist's ebensoviel, als täten sie's öffentlich. … Meines Bedünkens will's doch darauf hinaus, sollen wir der Juden Lästerung rein bleiben und nicht teilhaftig werden, so müssen wir geschieden sein und sie aus unserem Land vertrieben werden. Sie mögen in ihr Vaterland gedenken; dann dürfen sie nicht mehr vor Gott über uns schreien und lügen, daß wir sie gefangenhalten, wir auch nicht klagen, daß sie uns mit ihrem Lästern und Wuchern beschweren. Dies ist der nächste und beste Rat, der beide Teile in solchem sichert.“ (Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=lüge). 1543.)

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Ergänzung: Es muß hier erklärt werden, daß in der Bibel nirgendwo die Rede davon ist, daß die Erde (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=erde)eine Scheibe sei.

Die Kunde von Kopernikus‘ Ansichten drang bis zum Vatikan. Vatikanische Wissenschaftler ließen bei Kopernikus anfragen – man redete also miteinander! –, ob es nicht ein Widerspruch sei, daß der Mensch sich als transzendentales (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=transzendenz)Wesen begreife, aber auf einem durchschnittlichen Planeten lebe. Das war der wunde Punkt, den Kopernikus nicht entkräften konnte. Die Folge des Disputs: Kopernikus' Schriften landeten auf dem Index, d.i. eine Liste der Schriften, die nicht mit dem Dogma (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=dogma)in Übereinstimmung zu bringen sind und dementsprechend vom Vatikan abgelehnt wurden, was für den Autoren bedeutete, daß er sich katholischen Gebieten besser fernhalten sollte, falls ihm an Leib und Leben gelegen sei. Das ist nicht mit dem Schicksal (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=schicksal)heute politisch-unkorrekter Autoren zu vergleichen, die keine Gefahr laufen, auf dem Scheiterhaufen zu landen, aber vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleiben, diffamiert werden und mit einem halben Bein im Gefängnis stehen.

Sprache: Verkehrssprache der Gebildeten war Latein. Die einheimischen Sprachen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sprache)galten als Dialekte. Die mittelalterliche deutsche Dichtung (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=dichtung)ist Dialektdichtung: Heinrich von Veldeke (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=heinrich#heinrich_von_veldeke) dichtete im Idiom seiner Heimat genauso wie Hartmann von Aue (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=hartmann) oder Gottfried von Straßburg (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=gottfried). Als Luther die Bibel übersetzte, benutzte er seinen ostmitteldeutschen Dialekt, aber im Mitarbeiterstab befanden sich neben Mitteldeutschen auch Schwaben, Schlesier, Schweizer, Elsässer und Niederdeutsche. Darum wirkte die Bibelübersetzung wie ein Akt der Verschmelzung vieler deutscher Idiome. Damit war noch keine Standardisierung verbunden, aber doch ein diesbezüglich irreversibler Prozeß in Gang gesetzt worden. Luther versuchte, die verschiedenen Dialekte gleichsam zu benutzen, übersetzte so, daß Nieder- und Oberdeutsche gleichermaßen verstehen konnten, was er schrieb. Schwierig blieb die Aufnahme Bayerns in die deutsche Kulturentwicklung, denn die dort vorherrschende Neigung zu Doppelvokalen verursachte große Verständigungsprobleme mit dem übrigen Reichsgebiet. Vielleicht ist auch das eine Erklärung dafür, daß Bayern Jahrhundertelang von der deutschen Geistesentwicklung ausgeschlossen, rückständig und katholisch blieb.


Aufgaben:



Setze dich argumentativ und deskriptiv mit Luthers Invektiven gegen die Juden auseinander! Binde sie an Luthers Theologie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=theologie)! (III)
Erkläre die Funktion des Dogmas im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Weltbild! (II)
Stelle in einer Tabelle die Paradigmenwechsel in bezug auf die Vorstellungen der Erdgestalt auf! (I)




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