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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein braver Beamter - Kurzgeschichte



Karl Petric
07.09.01, 17:17
Ein braver Beamter
Voller alltäglicher Kleinmütigkeit saßen die Beamten an ihren Schreibtischen und so manch wertvoller Mensch öffnete seinen Mund und gähnte faul. Aber in der Masse dieser Aktenhengste und - Stuten erblickte ich einen wohl kröftigen beleibten Mann, der nicht abgespannt und des Lebens überdrüssig aussah. Nein - gerade im Gegenteil. Er war voller Frische und sein Blick war alles andere als trübe. Er war pflichtbewußt gekömmt, rasiert, gekleidet und auf den ersten Blick würde man von ihm behaupten, daß dieser Mann für alle Mitmenschen ein wahres Vorbild darstellt. Wöhrend andere Leute fluchten, als würden sie bei einem Fluchwettbewerb teilnehmen, war unser Edi in diesem Sinne ein ganz anderer Mensch. Er war sozusagen ein Lömmlein. Wenn er jedoch an Wochenenden nach Hause kam, riß er sich den sorgfältig gebügelten Anzug fast vom Leibe, zerzauste sich sein pedantisch gekämmtes Haar, zog sich seinen liebsten Trainingsanzug an und zischte dann gewöhnlich seine Gemahlin mit gebieterischen Tönen an, denn das Mittagsessen müßte ja schon längst fertig auf dem Tisch stehen sein. Seine Frau traute sich nicht ihm zu widersprechen, den schon öfter geschah es, daß sie von ihm verprügelt worden war, wenn sie sich nur ein wenig aufgelehnt hatte. Nachdem Edi seine Lieblingsspeise verschlungen hatte, schlug er seiner Frau kräftig mit der flachen Hand aufs Hinterteil, nahm sich seinen Geldbeutel und verließ dann pfeifend seine Wohnung. Er ging so ungefähr hundert meter zu Fuß und bog in eine kleine Kneipe ein. Als er eintrat, küßte er zuerst die Kellnerin, bestellte sich ein Bier und setzte sich dann an einen Tisch, wo seine alten Freunde gewöhnlich saßen. Meist verwickelten sie sich sofort in angeregte Gespräche über Frauen und Raufereien. Auf diesen Gebieten waren alle drei Freunde immer unschlagbar. Für sie gab es keine größere Schande, als ein Rauferduell zu verlieren oder von der auserwählten Frau eine Backpfeife zu kassieren. Genaugenommen war Edi eher ein Raufbold als ein Schürzenjäger. In dieser Disziplin war er einfach unschlagbar, denn in den letzten drei Jahren hatte er überhaupt kein Duell verloren und Jahr für Jahr verbesserte er seine Resultate. Das Jahr wendete sich schon dem Ende zu und Edi brauchte noch drei "planlose" Opfer. Edi führte ansonsten eine Statistik über seine Tätigkeit, aber er dachte nicht einmal im Traum daran, irgendwelchen Plan zu schmieden, wem er eine Tracht Prügel vergönnen sollte. Edi liebte die Improvisation, den er war ein Verehrer des Unbekannten und Unvorraussehbaren. So verließen dann diese drei Männer an diesem Abend die Kneipe und schlenderten in eine andere.Weil dort nichts interessantes geschah, verließen sie auch diese und gingen woandershin. So tranken sie, sprachen sehr laut miteinander und warteten darauf, daß etwas geschehen würde. Endlich erblickte Edi einen Halbstarken, der sehr betrunken war und mit schleimigen Mündelein die Kellnerin belüstigte. Gerade so etwas aber konnte unser Edi nicht ausstehen, denn solche Unhöflichkeiten machten ihn rasend vor Wut, obwohl er sich manchmal ähnlich benahm und dabei nicht einmal unter Alkoholeinfluß stand. Aber das war ihm ganz und gar gleichgültig. Jetzt zählte nur das, das er endlich einen gefunden hatte, und dabei war es ganz egal, ob es ein Halbstarker, ein alter Mann, ein Betrunkener oder Nüchterner war. Edi war überhaupt nicht wählerisch. Eigentlich war jeder für ihn der Richtige, mit der Ausnahme seiner Freunde. Außer seiner Frau verprügelte er auch keine Frauen.
Er trat zum Jüngling, verbeugte sich vor ihm und fragte ihn dabei, ob vieleicht dessen Uhr zu langsam gehen würde. Der junge Mann verstand ihn nicht sehr gut, darum lachte er laut auf. Aber plötzlich schlug ihn Edi so stark ins Gesicht, daß dieser wie ein voller Kartoffelsack zu Boden fiel. Sichtbar zufrieden marschierte Edi zu seinen Freunden zurück. Die zwei ermunterten ihn und riefen erheitert laut auf, daß er seine Sache sehr gut gemacht habe. Er selbst war allerdings der Meinung, daß er den ersten Schwinger noch ein wenig verbessern müßte. Er zwinkerte den beiden zu und lud sie in ein anderes Lokal ein. Er bezahlte Essen und Trinken. Seine Trinkerfreunde lobten und lobten seine Fähigkeiten über alle Maßen. Edi beteuerte den beiden, daß dieser Abend noch etwas besonderes werden würde. Aber Michael hatte irgendwie keine Lust mehr, darum schlug er vor, nach Hause zu gehen. Edi wollte jedoch nichts davon hören, denn er sollte auf jeden Fall seinen vorjährigen Rekord verbessern. Michael bestand hartnäckig auf seinem Vorschlag. Er hatte so sehr überzeugend argumentiert, daß sich noch der Franz auf seine Seite stellte. Edi war deswegen sehr beleidigt und wurde obendrein auch noch fuchsteufelswild. Irgendwie schwankte er zwischen beiden Gefühlen. Der anfangs noch freundliche Diskurs verwandelte sich langsam in einen stürmischen Wirbel von Gebärden und uferte in einem Schwall schlimmer Beleidigungen aus, die Michael mit einem gekonnten Ausholer bekräftigen wollte. Weil Edi schon ziemlich umnebelt war, vergaß er vollkommen auf sein Freundschaftskodex und verpaßte Michael einen solchen Schlag, daß dieser vom Stuhl flog und sich mit dem Kopf in die weiche Humuserde hineinbohrte, die im Blumentopf war. Franz wollte Edi beruhigen, aber dies gelang ihm nicht, denn er bekam etwas Hartes auf das rechte Ohr, so daß er aus dem Lokal rausflog. Der Flug wäre vieleicht bis zu jenem Standpunkte noch angenehm gewesen, wenn auf dem Gehsteig nicht die Kanallisation offen gewesen wäre und so flog der Franz mitten in das stinkende und stockdunkeles Reich der braven MitBürger hinein. Er fing an zu schreien, nämlich anscheinend hatte er sich verletzt. Die Kellnerin nicht faul rief sofort den Rettungswagen an. Edi wünschte es nicht, auf den weiteren Verlauf dieser Geschichte abzuwarten. Darum lief er schnell nach Hause, und war so geschwind, als ob er hundert Verfolger hinter sich hätte. Beim Laufen wiederholte er die ganze Zeit den Gedanken, daß er zwanzig Strafpunkte bekommen hatte. Als er in seine Wohnung kam, setzte er sich auf die Kücheneckbank nieder. Dort fand er sein Heft, in dem alle seine Raufermeisterschaften notiert waren.
An diesem Abend gab es keinen Grund zur Feier, denn er hatte ja seine besten Freunde verdroschen. Gerade diese Tatsache brachte ihm eine gehörige Summe von Minuspunkten ein, weil ein solches Benehmen nach seinen Schlägerregeln ordnungswidrig war. Seufzend mußte er sich selber gestehen, daß er in diesem Jahr disqualifiziert war und darum der erwünschte Rekord nicht mehr durchführbar ist.

Das Wochenende verging und der Montag purzelte hinein. Am Ende des Flurs erblickte ich einen sorfältig gekämmten Mann, prächtig gekleidet, im großen und ganzen machte er einen sehr ordentlichen Eindruck. Es sah so aus, als wäre er sehr guter Laune. Mit einer beamtlicher Freundlichkeit begrüßte er mich wohlwollend. Dabei dachte ich mir: Ein richtiger braver Beamter!

Ina
26.08.10, 19:25
Hm. Der Ich-Erzähler zum Schluss passt nicht. Vielleicht hätte Edi selbst am Ende des Flures jemanden erblicken sollen, der wie ein braver Beamter aussieht - ein neuer Mitarbeiter, oder noch besser: neuer Vorgesetzter -, aber beim näheren Hinschauen als ein ihm bestens bekannter und gefürchteter Pöbler wiedererkannt wird.
Vielleicht sollte statt der körperlichen Untersuchung ein Wesenstest eingeführt werden? :cool:
Die gesamte Geschichte halte ich für (zu) fern der Wirklichkeit. Vermutlich hat der Autor keine eigene Erfahrung als Beamter.

Ralfchen
31.08.10, 22:34
ein sich zäh wälzender text, den ich nach 15 zeilen verliess. ohne spannung und überraschungen.


Er war sozusagen ein Lämmlein.


Seine Frau traute sich nicht ihm zu widersprechen, den schon ?fter geschah es, daß sie von ihm verprügelt worden war, wenn sie sich nur ein wenig aufgelehnt hatte. Nachdem Edi seine Lieblingsspeise verschlungen hatte, schlug er seiner Frau kräftig mit der flachen Hand aufs Hinterteil, nahm sich seinen Geldbeutel und verließ dann pfeifend seine Wohnung.

quargel über quargel.