PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ampel des Denkens



Karl Petric
27.08.01, 18:15
Hallo,
Bin schon sehr auf euere Meinungen gespannt.
http://www.literatur.org/dcforum/literatur/User_files/3b92125337676b68.html

Schoener Gruß,
Karl

[Diese Nachricht wurde von Karl Petric am 02. September 2001 editiert.]


Der Abend erstarrt wie ein pulsierender Akzent
lange Lichter verdecken die Blicke aus der Dunkelheit
das frierende Herz benimmt sich wie ein Kontrabass
ein drehender Globus in der unsichtbaren Hand als Last
3* Musik aus der Ferne kündigt eine neue Kurve an
die durch die Nacht schwebende Eule hängt an der Angel dran
in den Werbeplakaten erblickt sich der Sieger
4* aber im Geschäft ohne Uhren verstecken sich verdorbene Leute

Der Schnee fällt ganz zermalmt vom Himmel
der Zersträuber schickt ihn in verschiedene Richtungen
5* wertvolle Erfahrungen besiegten die scheußlichen Bestien
in der Reihe wartend wie ein Knoblauchstrauß
bei den öden Wohnungen sind alle Parkplätze ohne freien Raum
im Februar erwache ich aus meinem Schwarz-Weißen Traum
beobachte die Urkunden durch meinen Dreieckwinkelmesser
1* der Stillstand ist das Echo in meinem Kopf

4* Das Unrecht versuchte ein Bleinetz zu weben
die Maus versteckte sich hinter der lauten Trompete
des Leuchtsdreieckes Rauschen hört man schon aus einer Meile
unter den durchsichtlichen Folien sieht man eine Uhr - sie ist in Eile
6* das Gewebe verbindet sich in klebende Schneeflocken
ein springlustiges Eichhörnchen wünscht sich Frühlings Liebeslocken
unlösbare Enigmen gehen weiter
der Schreibstift ist des neuen Morgens Reiter
3* Oh, die Frauen werden die Menschheit erhalten
um arme Kinder von den schmutzigen Gewässern fern zu halten
unverderbliches Salz in nicht zu großen Mengen gibt uns Kraft
im Kopf und Körper fließt heilsamer Saft

Die Landkarte wirkt so wie eine alte Tapette
für manche Menschen sind Verkehrsschilder das Ende der Welt
5* in weiten Entfernungen verblasst das gute Gedächtnis
irres Geschrei benimmt sich wie ein Thermometer in einer Metallsuppe
das Pflanzensystem fällt zusammen und ersteht wieder auf
1* man sieht wie die Leere ab und zu ohne jegliche Einladung
in das Glas der behaglichen Träume fließt

Gedankenfrequenzen von Morgen sind sehr selten
das Erdbeben von gestern haben viele nicht vergessen
durch Schreckklappen das Dunkel zu kosten bekommen
kommende Sonnenstrahlen zu erblicken - ganz unbeklommen
im festlichen Anzug nicht nur die doppelsinnigen Wünsche erblicken
6* mit hilfe der Zellverbindungen seine Angst in Mut abzuschicken

Viele Ereignisse verstecken sich im Schrank
auf einem Papier das zugleich gesund ist und krank
die Photographie an der Wand ist noch immer sehr trotzig
5* ein klares Gewissen - so ganz langsam entsteht ein Bild
so zahlreich wie die Steine es sind - leuchtet das Schild
neue Konzepte und neue Epochen testieren um etwas zu verstehen
alte Inhälte ändern sich und bleiben bestehen
4* der Spott verankerte sich in Würde einer edelen Gestalt
4* das Gift des Unheils Gefahr hat keinen Erfolg mehr
Kindertrubel umzingelt ohne Trauer den lauten Lastwagen
2* Erwartungen erscheinen wie des Priesters Vollkragen
3* die Erde kämpft - sie hat sich für den Triumpf entschlossen
zyklischer Unsinn wird in die schwarze Höhle abgeschossen

1* Die Dunkelheit ist in einem Käfig ohne Atemzüge eingesperrt
2* die Angst vor des Unwissens Tugend wird nicht mehr geehrt
5* ich bin endlich zu der Ewigkeit des neuen Kreises angekommen
4* Unheil ist ein Fehler der insgesammten Masse - die Urheber schweigen


In Feldern sammelt sich der Strom um das Leben in uns aufzuwecken
5* um Zukunftskräfte in strammen gutherzigen Menschen zu bezwecken
6* Bewegung könnte eine Art des suchens und pumpens neuer Werte sein

1* ein zu tiefes Loch ist eine Warnung - die Weißheit ohne Wein

rodbertus
27.08.01, 18:18
schön bunt isses
Näheres später, wenn ich die bunten Bilder zur Seite geschoben habe, um zu sehen, was unter den Kieseln so kiest.

uisgeovid
27.08.01, 19:54
Lieber Karl,

ich habe mich näher mit dem link beschäftigt und kann behaupten, dass ich eher schon ein System hinter dem Ganzen vermute.
Die Idee mit dem Würfel finde ich interessant und ausbaufähig, eher aber eine Sache für live performances bei poetry slams.
Geht man in das parent directory, findet man noch andere Spuren von Dir. Ich fänd es gut, wenn Du uns in nächster Zeit mal ein wenig von Deiner Kurzprosa zeigen könntest, denn Du musst zugeben, nicht jede Leserin und jeder Leser möchte immer klicken und von hier weggelinkt werden. Insofern ist Dein Einstand hier schon etwas unkonventionell, aber so herrlich bunte Ampeln gibt's ja auch nicht alle Tage zu sehen.
Also Karl, dann mal munter drauf los!
herzlichst
uis

Kyra
27.08.01, 20:06
Hallo Karl

kennen wir uns nicht von einem anderen Forum????
Bist Du doch meinem Hinweis gefolgt, ein etwas besser besuchtes Forum zu suchen???
Ich glaube ein totes Pferd bekommt man nicht ans Laufen, obwohl Du ja wirklich alles versucht hast.
Willkommen hier

Kyra

Karl Petric
28.08.01, 16:50
Dankschreiben,
Das ging ja blitzschnell! In so kurzer Zeit so viele Meinungen. Ein wenig spaeter werde ich versuchen euch die richtigen Antworten zu geben. Bis dann.

Hallo Robertus,
Vielen Dank fuer deine Aufmerksamkeit und lasse dir ruhig Zeit bei der Interpretation dieses "GEDICHTES?!"
Es liegt mir sehr daran verschiedene Denkperspektiven ueber dieses Werk zu hoeren bzw. zu sehen.

Es war schon ein schon ein schwieriges Stueck Arbeit mit diesem "Gedicht"?! Es entstand auf Grundlage einer introspektiven und extrospektiven Untersuchung, die ich im Jahre 1992-1994 durchfuehrte. Weil ich diese Untersuchung niemals richtig zu Ende gebracht hatte, beendete ich diese als Ampel des Denkens.
Ich bin sehr neugierig, wie ihr den Inhalt und die Form des Gedichtes interpretiert.
Beim Wort "ZIWIL[L]isation" ist mir natuerlich zweimal ein Fehler unterlaufen.
Ich bin sehr positiv ueberascht von der Diskussionsfreude auf dieser Seite.
Schoener Gruss,
Karl

rodbertus
28.08.01, 17:11
Karl, Kerlchen, wir sind nicht diskussionsfreudig, wir haben nur gerne recht und wenn's dann mal mit dem Recht nicht so hinhaut, dann hauen wir eben hin bzw. drauf. Also, mach Dir keinen falschen Hoffnungen. Zu Deiner Seite werd ich heute oder morgen oder übermorgen etwas sagen. Jetzt muß ich nachdenken, warum texte mit dem Runen-S so schwer zu setzen sind.

Karl Petric
28.08.01, 17:14
Es geht wirklich um ein System, dass eine Grundbasis fuer ein poetisches Denkmuster (oder vieleicht auch fuer ein alltaegliches) darstellen koennte.
Dieses sozusagen Gedicht ist naemlich nach einigen introspektiven und extrospektiven Untersuchungen (1992-1994) entstanden, wo ich versuchte die Eindruecke und Ausdruecke von Menschen zu Klassifizieren.
Der Wuerfel ist eigentlich ein geschlossenes System in dem wir uns befinden, aber der Wuerfel ist auch in der Lage sich zu oeffnen und dann kann es zu Zufaellen kommen. Oder anders: "Manches ist voraussehbar und manches nicht".
Irgendwie kommen wir alle Menschen in das gleiche System (natuerlich holistisch betrachtet), aber spaeter kommt es zu verschiedenen Entwicklungen.
Das Schicksal ist sehr stark, aber der Zufall (der mehr oder weniger aus kausalen und etialen Dynamiken besteht) kann das Schicksal veraendern bzw. in eine bestimmte Richtung schicken (Kollektiv und individuel), aber wenn man zu sehr an das Schicksal glaubt, dann sieht man auch nicht neue Alternativen.
Ich bedanke micht recht schoen fuer deine Muehe und fuer deine Aufmerksamkeit.

Auf jeden Fall werde ich in naechster oefter diese Seite besuchen.

Hallo Kyra,
Lange nicht mehr miteinander "geschrieben".
Ich muss sagen, dass ich von den Meinungen angenehm ueberascht bin.
Es ist sehr nuetzlich sich mehrere Literaturseiten anzusehen, um damit auch verschiedene Autorinen/-oren kennen zu lernen bzw. deren Meinungen.
Die Seite LITERATUR.ORG gefaellt mir sehr gut und ist nach meiner Meinung in manchen Elementen besser als diese Seite es ist, aber wie man schon zu sagen pflegt: "NICHTS IST PERFECT!"
Man kann aber voneinander lernen um die schlechten Eigenschaften zu mindern oder sogar abzuschaffen.
Kennt du vieleicht das Projekt der VIRTUELLEN SOZIALISATION?

Vielen Dank Kyra fuer deine Aufmerksamkeit und schreib tuechtig weiter.

Schoener Gruss,
Karl

Gast
28.08.01, 17:34
Warum hoppelt eigentlich der erste Würfel anders als die anderen sieben ... ???

Fragen über Fragen ...

Hannemann
29.08.01, 00:03
Karl, Schlitzohr, willst Du uns veräppeln? Würfelspiele? Zusammengezählt ergeben Vorder- und Rückseite eines Würfels 7 (Sieben!), Zahl Gottes.
1 + 6, Tod und Leben ist Gott...oder Ausgleich?
2 + 5, Zukunft und Vergangenheit ist Gott...oder Ausgleich?
3 + 4, Liebe und Feindschaft ist Gott...Gott ist auch Feindschaft? Oder Ausgleich?

Okay, würfeln wir Gott aus. Was aber, wenn der Würfel - Möglichkeit hoch x, nix ist unmöglich - auf einer Kante zu liegen kommt?
Dann kichert Gott...wahrscheinlich.

der würfler
29.08.01, 12:11
cyklischer Unsinn wird in die schwarze Höhle abgeschossen

wie wahr !

Karl Petric
29.08.01, 17:38
Hallo Hannemann,
Deine Interpretation finde ich recht interessant, nämlich an das Addieren der Würfelseiten habe ich überhaupt gar nicht nachgedacht, obwohl ich mich vor ungefähr 15 Jahren auch mit der Nummerologie ein wenig beschäftigte.
Als du die Würfel, das Kreuz bzw. den geometrischen Mantel des Würfels sahst, so wie auch die Ampeln, die vielmals an Straßenkreuzungen zu sehen sind, kam dir im Nu die Assoziation "GOTT"!
Also junger Mann, deine Interpretation ist hier wirklich FEHL AM PLATZ! Schau dir bitte (wenn du Lust hast), die Antwort, die ich dem Mitglied HANSDAMPF gegeben habe, der mit seiner Vermutung sehr nahe dran war.
Ansonsten geht es hier vorsätzlich um das dialektische Denkmuster der Menschen, die Gutes oder Schlechtes auf Grund verschiedener Begebenheiten (z.B. Erfahrungen, Wünsche, Ängste, Zufällen, Konstanten, usw.) vernehmen und es verarbeiten.
Es geht hier auch um eine neue Form des Dichtens (also keine "Veräppelung", für den passenden Ausdruck, frag bitte deinen Professor, denn bei Literarischen Kritiken sind solche Wörter unerwünscht und als nicht ernst zu nehmen), die Fortentwicklung der konkreten Poesie, die zwar Gedichtsformen veränderten, aber dabei den Inhalt vernachlässigten.
Der Mensch sehnt sich ständig nach Idealen und Gott bedeutet das größte Ideal, zu dem wir aufblicken KÖNNEN und DÜRFEN (ich empfehle dir das Buch Victor Hugo - Contemplations zu lesen. Ein tolles Werk)!
Vielen Dank für deine Antwort.

Hallo Gast,
Du hast mir zweimal dieselbe Frage gestellt, die man verschiedentlich interpretieren kann und darum werde ich dir zwei verschiedene Antworten geben:
1.) Vielleicht siehst du den ersten Würfel ein wenig anders?!
2.) Es bestehen viele Daseins, die sich nach unseren Sinnen, Gefühlen und Gedanken fast identisch benehmen, aber "ETWAS" kann anders sein.
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

Hallo Würfler,
Was stellst du dir denn unter dem cyklischen Unsinn vor?
Deine Meinung interessiert mich sehr!

Ein schöner Gruß,
Karl

uisgeovid
29.08.01, 18:23
Siehste wohl, Hannemann, ich war näher dran.
Übrigens, so als junger Mann solltest Du Dir schon mal überlegen, was Du die nächsten vierzig Jahre so treiben willst ... immer nur am Fluss spazieren gehen bringt's ja auch nicht.

Karl Petric
30.08.01, 10:55
Hallo,
Wie denkst ihr über die verschiedenen Formen der Gedichte nach?
Könnte man eventuell auch andere Formen anwenden?
Schöner Gruß,
Karl

uisgeovid
30.08.01, 13:49
Lieber Karl, ich will mich heut nachmittag mal an die Auslegung und Beantwortung Deiner Fragen begeben, aber tu mir doch die Liebe und eröffne hier mal einen neuen Ordner mit einem Deiner Texte, dann muss man nicht soviel klicken und für die andern ist das Nachvollziehen dann wesentlich einfacher.
herzlichst uis

Robert
06.09.01, 08:39
Böse Zungen würden es hochtrabendes Geschwätz nennen, liebevollere wie ich nennen es gewollt. Da steckt vieles in den Kinderschuhen. Meinetwegen. Dann zieh sie über und behalt sie auch an. Mach ich doch, sagst Du. Einverstanden. Beginnen wir beim einfachsten: Orthographie. Es gibt Regeln. Du solltest Dich dran halten. Ordnung der Dinge: Du solltest nicht alles auf einmal beantworten wollen. Satzbau: Ein Satz muß nicht unbedingt einen Nebensatz aufweisen. Erklärungen: Können mir gestohlen bleiben. Wer will denn schon alles erklärt haben? Ich jedenfalls nicht.

Karl Petric
09.09.01, 11:22
Hallo Robert, :augenroll:
Endlich habe ich ein wenig Zeit gefunden, um eine Antwort zu verfassen. Ich kann einfach nicht den komischen Eindruck los werden, daß du mich vieleicht nicht richtig verstanden hast, darum möchte ich dir in ganzer Kürze mitteilen, worum es mir auf der Suche nach einer neuen Form des Gedichtes geht:



Die äußere Form des Gedichtes hat sich in all den vielen Jahrhunderten kaum geändert. Ich frage mich WARUM, obwohl doch die Zahl der äußeren Formen im alltäglichen Leben enorm empor gestiegen sind?
Der Poet handelt zwar auch nach den Regeln, aber in erster Hinsicht versucht er die Regeln zu erforschen oder sich nur zu fragen, was die Regeln für IHN SELBER, für die GESELLSCHAFT und für die NATUR bedeuten bzw. was für Effekte diese hervorrufen können?
Heutzutage existieren in unseren Gesellschaften millionen und noch hundert millionen und soweiter begabte Dichterinnen/-er, die sich eigentlich von den Spitzenreiterdichtern kaum unterscheiden. Vorige Woche nahm ich bei einer Sitzung eines Literaturclubes teil. Drei Autorinnen/-oren erfreuten uns Zuschauer mit herlichen poetischen Beiträgen. Zwei von diesen begabten Menschen waren Pensionistinnen und der dritte war ein Bauarbeiter.


Warum sollte die moderne Poesie nicht die herlichen äußeren Formen, die im alltäglichem Leben häufiger oder auch weniger häufiger vorkommen, die nebenbei erwähnt auch unser DASEIN kreieren, nicht benutzt werden? Dabei denke ich an Formen z.B. Schachspiel, Science Citation Index, Enquetten, Thesaurus, Monopolyspiel, usw. Das Gedicht Ampel des Denkens benutzt die äußere Form des Würfelspiels, wobei sich der Würfel letzendlich in ein Kreuz transformieren kann. Es gibt soviele Möglichkeiten, um das Gedicht des heutigen Tages den vielfältigen Ausdrücken unserer Ziwilisation zu rechfertigen, denn die Kunst ist neben der Wissenschaft ein sehr bedeutender Barometer der Gesellschaft.

Schöner Gruß,
Karl

Robert
10.09.01, 22:58
Das ist eben nicht so, Karl. Bei der von Dir angesprochenen Art von Literarisieren steht das Gefühl für die Form, der Inhalt wird so Mittelpunkt, das ist bestenfalls ein Königsweg zum moralinen Aufdeneindruckhauen, aber ein Spiel des Wortes wird's nicht, es wird auch keine Tiefe erreicht werden, es wird alles in einem mitunter selbstgefälligen Plauderton vermittelt, mittelmäßig verstaltet.
Da bist Du bei mir falsch.

Karl Petric
11.09.01, 17:27
Hallo Robert,
Vielen Dank fuer deine Antwort. Vieleicht lesen wir uns in einem Monat wieder (viel Arbeit erwartet mich).

Schoener Gruss,
Karl