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kls
01.10.01, 19:01
Sorry, aber diese Geschichte musste ich noch haengen. Auch wenn er elend lang ist. Nehmt es einfach als Geschenk, niemand MUSS lesen. Nicht wahr, Geovid?

Ich liebe diese Geschichte einfach. Sie ist wahr, selbst wenn keiner den Blues so schreiben kann, wie er ist. Diijon? Fauser?

DREI TAGE IM HERBST 98

Ich wachte auf. Das war ein Fehler! Ich wusste, daß ich in Schwierigkeiten stecke, noch bevor ich die Augenlider bewegte.



Nein, nicht schon wieder!

Eine wütende, von wahrhaft hammurabianischem Gerechtigkeitswahn befallene Brigade sadistischer Zwerge machte sich zornig an die Arbeit, in den, bis vor einer Sekunde komatös vor sich hin dämmernden Stollen meines Hirns mit Spitzhacken, Presslufthämmern, Drillbohrern und Probesprengungen nach Gedankengut zu schürfen, aber naturgemäss nur Scheisse zu finden.

Werwölfe, O.K., die gipps ja wirklich, aber ein Werkater...?

Das war wirklich kein normaler Kater mehr. Das war ein rasender Puma. Ein amoklaufender Panther. Ein Menschen und tektonische Platten fressender und darüber wahnsinnig gewordener Weltenlöwe. Ein Sternsysteme, Galaxien, ganze Universen vernichtender, dinosauriesker Super-Mega-Meta-Hyper-Säbelzahntiger von der Größe einer mittleren Unendlichkeit. Und diese schrägen Metapher sind nur meinem schrägen Kopf zuzuschreiben. Da war pure Agonie der Synapsen, eine (fast aber beinahe) nekrophile Vergewaltigung der Restganglien. Eine an Kugelblitze erinnernde und notorisches Zentrum lähmende, atomare Spaltung der Neuronen.

Mit Kugeldonner!

Die Zunge: Ein griechischer Hirtenteppich (Vollgeschissen). Die Augen: Kontaktkleberdosendeckel. Der Magen: Ein gespicktes Nadelkissen. Der Rest: Nicht verwertbar. Sondermüll! Sollte schleunigst entsorgt werden.

Als das Zimmer zum zwölften Mal vorbeikam beschloss ich aufzustehen. Das war mein zweiter Fehler!

Ich erspare euch die Einzelheiten, überspringe gnädig die folgenden 2,5 Std., zumal der Ablauf von grösseren Geistern als ich es je sein werde (also heute ganz bestimmt nicht) schon oft beschrieben wurde.

(...)

Ich hing in der Kaffeetasse, Zigarette qualmte - den Job möchte ich nicht haben -, Erde drehte sich langsam weiter - den Job übrigens auch nicht - und der erste Gedanke fiel mich an wie ein losgelassener Kettenhund:

Schattentherapie!!!

Du hast schon richtig verstanden! Die Sonne geht gerade unter! Du bist pleite! Dir geht's einfach nicht gut! Guck mal das Zimmer an! Du bist ein Penner, ein Säufer, ein Arsch!“

Solche Gedanken liebe ich. Die bauen auf, die motivieren. Die haben Poesie und geben Kraft, die erinnern einen daran, daß Er uns nach seinem Ebenbilde geschaffen hat.

Ich war fertig. Ich, die Krone der Schöpfung war einfach fix und fertig.

Die letzten Jahre hatte ich mich in einen Kokon von Selbstmitleid, Drogenexzessen, wüsten Besäufnissen und halbherzigen, zum Scheitern verurteilten Neuanfängen eingesponnen. Ich fand einfach das Fadenende nicht mehr. Keine mitfühlende Muse kam herabgestiegen um mir eine Bedienungsanleitung aufs Auge zu drücken. Ich war alleine in einem, von gleichgültiger Grausamkeit und Kälte erfüllten Kosmos und das Danäergeschenk des Lebens schändete meine Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit. Oder umgekehrt! Ich war Pompeji im August 79, ich war die fleischgewordene Apokalypse, ich war Karl-Ludwig, und das kann man nun wirklich nicht mehr steigern.

Ich setzte mich an den Computer, schrieb diese Zeilen, wusste nicht mehr weiter und beging souverän den dritten Fehler.

Meine Stammkneipe hatte schon noch offen. Am Wochenende sowieso fast rund um die Uhr geöffnet schraubte sich Markus tatsächlich wieder die ersten Biere rein: „Hey, von welchem Kreuz hast du dich denn losgerissen?“, vielleicht konnte ich ihm ein wenig Valoron aus dem Kreuz leiern. Nein, aber etwas Haschisch im Tausch für mein Handy. Haschisch macht mich manisch-depressiv-dumm (Alkohol eher suizidal-scheisse-dumm). Ich quasselte die arme Bedienung dicht und zappelte herum wie ein Internatsschüler, der aufs Klo muss. Frauen wirken immer so auf mich - nur habe ich es sonst etwas besser unter Kontrolle. Allmählich hörte ich auch auf damit die Fehler durchzunummerieren, eine sinnige Massnahme, die das Hirn entlastet, zumal es ja doch Probleme mit dem Startwert gibt.

Abends lag ich zugekifft aber ausnahmsweise unalkoholisiert im Bett, hatte beide Hände über der Decke, und überlegte. Wo nur waren all die Dorisse, Michaelas, Sarahs, Annas, Marions, Özlems, Ullas und wie sie alle hiessen.

Frauen, Bargeld, und Humor: Nie da, wenn man es am nötigsten hat. Ich konnte nicht mehr! Ich wollte nicht mehr! Ich konnte nicht mehr weil ich nicht mehr wollte und ich wollte nicht mehr weil ich nicht mehr konnte. Ist doch immer so.

Den vorherigen Tag hatte ich mir meine Werke von Pauls Computer gezogen um zu Hause ein wenig damit zu spielen. Als Paul in der Türkei war hatte er mir für eine Woche die Wohnung überlassen und ich schrieb wie ein Geisteskranker (Ist es noch Genie oder ist es schon Wahnsinn?). Der Computer, den ich jetzt benutze ist nur zur stationären Behandlung hier eingeliefert worden. So als Grottenolm besitze ich keinerlei weltliche Güter mehr. Bei der Gelegenheit brachte ich Karin ihren Schlafsack zurück. Sie erfreute sich an dem wunderschönen Herbsttag, ich musste an den langen, kalten, einsamen Winter denken, der mir bevorsteht. Karin lachte wirklich mitreissend und wir zogen 1 Std. lang alles durch den metaphysischen Kakao. Rein prophylaktisch...

Am nächsten Tag wachte ich ausnahmsweise ohne Kater auf. Heute; ich sage: „HEUTE!“, gebe ich euch eine letzte Chance.

Gegen 17.30 Uhr schlug die Erkenntnis zu. Nicht wie eine Eingebung, so mit Aha-Effekt und Schaudern vor dem Denkmal der Reinen Offenbarung, sondern eher völlig hinterrücks, schleichend und hoffnungslos deprimierend.

Es war Sarah! Ich konnte es gar nicht glauben. Tatsächlich immer noch Sarah? Trotz allem?

Tatsächlich! Trotz allem! Trotz der hässlichen und brutal durchgezogenen Trennung! Trotz 1,5 Jahre ohne Nähe! Trotz Özlem und Doris! Trotz den kurzen Unterhaltungen am Thema vorbei und der deutlichen Sorgfalt uns nicht noch einmal zu verletzen: „Gefühlsmässig nicht involviert sein“! Obwohl wir es nicht waren, und obwohl wir es gar nicht sein konnten, weil wir es nicht waren, bewiesen durch die Tatsache, daß wir es nicht waren, waren wir es. Ich wusste es mit der untrüglichen Sicherheit eines rheumatischen Beins, welches um den Föhn weiss, egal was der Wetterbericht dazu meint. Ich wusste es mit der selben Bestimmtheit wie Karthago zerstört werden musste: „...und ausserdem bin ich der Meinung...“, was immer auch der Senat davon halten mag!!!

Also war es tatsächlich hoffnungslos. Es gab wirklich keine Notausgänge mehr. Noch nicht einmal mehr die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Obgleich ich seit der unerwarteten Notschlachtung unseren Glücks an meinem Gefühlsleben rumgebastelt hatte wie ein Gebrüder Wright am Aeroplane, gab es keinen emotionalen Neubeginn mehr für mich und würde es wohl auch nie wieder geben. Seit Sarah wiederholt sich das Muster: Frau wahrnehmen, erobern, Kick und wegbeissen. In der Zwischenzeit bin ich so routiniert im Beissen als masochistische Balzvariante, daß die Frauen schon vorher und von selbst weglaufen. Das Tor ist zu, die Zugbrücke oben, Wasser im Graben und die Krokodile freigelassen. Klar doch, die Gegend vor der Burg ist auch nicht unübel um mit minniglichen Gedanken händchenhaltend gemeinsam darin lustzuwandeln oder sogar mal kurz ins Gebüsch zu verschwinden. Aber mit dem was ich meine hat es wenig zu tun!

Es war Sarah, die mich völlig zerrüttet mit all den Hoffnungen, Träumen und Gefühlen alleine in einem schwarzen Loch zurückliess, als unser Stern explodierte. Nicht daß sie weniger dagelassen hätte als vorgefunden; es war sogar mehr am Lager als vor ihrem Besuch in meiner Eremitage. Ich hatte sie nur zu spät gefunden und sie mich eben bloss virtuell. Und ich habe jetzt 1,5 Jahre damit vergeudet mir diese Katastrophe wegzulügen, weil das so von mir erwartet wird und ich es auch für das Richtige halte. Ich habe alle vorgeschriebenen Phasen eines Verlustes durchlaufen. Fassungslosigkeit, Wut, Akzeptanz, Neuorientierung und bekomme immer noch 2 Tage Durchfall, wenn ich nur mal kurz mit ihr spreche. Sie kann sich mir nicht auf 20 Meter von hinten nähern, ohne daß ich es an den Änderungen in meiner Wahrnehmungen registriere. Ich bin ein Jahr in der Türkei gewesen und habe mich intensiv mit Verdrängungen beschäftigt. Die Zeit heilt alle Wunden? Von mir aus, aber was habe ich denn dann da, wo es so schmerzt wie am ersten Tag? Eine Zwangsvorstellung? Eine chronische Fehlprägung? Ein Trauma? Phantomschmerz? Eine irreversible, unlösbare Gleichung mit zu vielen Bekannten? (Doch, doch, bei mir gibt es auch irreversible und unlösbare Gleichungen mit zu vielen Bekannten)

Mein System führt einfach nicht mehr richtig hoch. Wo sind die Bootdisketten, die Konfigurationsunterlagen für den BIOS, der Virenscanner, das Betriebssystem und der Befehl: DEL SARAH.SYS /U oder noch besser FORMAT C: /S /U AUTOEXEC?

Nein, so etwas ist nicht zu verarbeiten! Das geht gar nicht. Schon der Versuch ist strafbar. So etwas muss man ertragen wie ein ausblutendes Schwein sein Schicksal, nur länger. Viel länger...

Komm mir jetzt bloss nicht abstrakt (Wahrheit ist relativ und eine Frage der freien Entscheidung) oder esoterisch (Orakel hier nicht herum, es könnte wahr werden) oder psychologisch (Na, Verlustängste eines Kleinkindes, wieder mal ein bisschen regressiv, ja?) oder moralisch (Du hast kein einklagbares Recht auf Liebe) oder sozial (Entferne dich nicht zu weit von der Wirklichkeit deiner Mitmenschen) oder so. Ich kenne alle Argumente. ALLE!!! Ich kann sie runterrasseln wie Horrowitz die Pathetique, wie ein Medizinstudent Lateinerwitze: „Mannesmannröhre = Penis Homo Homines, Schwarzwurzel = Penis Lumumba, Gartenschlauch = Penis Hortensis.“; oder ein tibetanischer Mönch sein „Om mani padme hum.“; wie eine Registrierkasse die Tagesendabrechnung.

Seit 1,5 Tagen arbeite ich jetzt an dieser konzeptlosen Geschichte, ein freies Rumassoziieren; eher das Protokoll einer Selbstgesprächstherapie, denn ein, den Leser fesselndes Script. Die Statistik sagt, inclusiv den Angaben über die Statistik wären es 4 Seiten, 32 Absätze, 135 Zeilen, 1.495 Wörter und 9.849 Zeichen.

Nicht schlecht! Macht ca. 1 Wort pro Minute - schon schlechter!

Ich kiffte mir noch einen. Für ein Handy gibt es eine Menge Shit und solange ich am Computer sitze baue ich keinen Scheiss und saufe auch nicht. Morgen ist Abendessen mit Liane angesagt, beim einzigen Italiener, der mir noch Kredit einräumt. Ich hätte kneifen sollen. Aber das kann ich ja immer noch: „Weisst du, echt, hat nichts mit dir zu tun, aber mir geht es einfach Scheisse, ich peile einen Selbstmord durch Verhungern an, nach spätestens 2 Minuten würde uns der Gesprächsstoff ausgehen und dann wär's doch nur rausgeschmissenes Geld, oder?“

Vielleicht könnte ich ja dieses Geschreibsel auseinanderreissen und die nicht zusammenpassenden Glieder anderweitig verwenden. Aus der Beschreibung eines gewaltigen Katers müsste man eine spöttische Satire machen. So mit feinen gesellschaftskritischen Seitenhieben und einer gehörigen Portion Selbstironie. Den Sarah betreffenden Teil würde ich in einer psychologischen Studie über Suchtverlagerung unterbringen und mit dem Rest rufe ich dann eine neue philosophische oder gar religiöse Richtung vor den Augen einer staunenden Masse ins Leben. Möglicherweise bleibt ja sogar etwas für die Heilsarmee übrig.

Ich gucke auf die Uhr: „Es war an einem Mittwoch, morgens um halb zehn. Gekämmt, rasiert, gewaschen und so weiter, bereit auf die Strasse zu geh’n, wurde mir auf einmal klar, daß dieser Tag von vorne rein total im Eimer war...“ (H.Waader)

Wo, verdammt, bleibt die Rahmenhandlung?

O.K., O.K. Kommt schon! This is the Story of ein zeitgenössischen Lebemann, der die besten Jahre seines Lebens hinter sich hat. Jemand, der schreibt. So um die 48. Ein Typ, der den Fehler gemacht hat anzunehmen, daß durch Verweigerung die Wahrheit hinter dem Offensichtlichen zwangsläufig erkennbar werden müsste. „Wenn ich zu allem, was es nicht ist „Nein“ sage, muss es das sein was übrig bleibt.“. Eine Variante der Sherlock Holm'schen Logik, die nicht funktioniert, weil dann nämlich gar nichts mehr übrig bleibt. Ein Typ wie ich und ich halt. Völlig normal.

So, das war die Rahmenhandlung, jetzt kommt der Spannungsbogen: Der Held rollt sich another Joint! Und kommt prompt ins Grübeln: Menschen! Pah! Alle mit vergleichbaren Bedürfnissen, alle nach dem selben schlichten Muster gestrickt. Ausgestattet mit genetischen Imperativen und Träumen, alle verwundet, alle sterblich. Kleines Bühnenspiel gefällig?

Erster Sprecher (deklamierend): „Ich denke, also bin ich!“ Trommelwirbel.

Zweiter Sprecher (flüsternd, ihr wisst schon, so ein Theaterflüstern bis in die hinteren Ränge): „Ich träume, also bin ich!“ Sphärischer Harfensound.

Dritter Sprecher (Wuchtig): „Ich handele, also bin ich!“ Zehn Takte aus „Also sprach Zarathustra“.

Vierter Sprecher (schmachtend): „Ich liebe, also bin ich!“ Bob Dylans „It aint me Baby“.

Schauspieldirektor (Stürzt brüllend aus der Dekoration): „Am Anfang war das Wort!“ Lichtblitze, Posaunen und Trompeten.

Alle durcheinander: „Am Anfang war der Wille! Nein, die Tat! Der Traum! Der Glaube! Die Kraft war zuerst! Das Nichts! Es war die Liebe! Am Anfang war der Anfang! Quatsch, Alles war! Die Energie! Ein Ungleichgewicht zu allererst! Die Ursuppe! Das Chaos, Gott, der Rausch, die Hoffnung (...) !!!“, die Kontroverse steigert sich zu einer Kakophonie von unverständlichen Worten und Schreien, Schlachtengetümmel, Schiffshörnern, Geräuschen fallender und explodierender Bomben.

Aprupte Stille.

Alle gemeinsam: „Am Ende ist es die Illusion!“ A Capella als Kanon.

Vorhang. Leise verklingendes Hyänengelächter.

Deprimierend nicht wahr? Für so was gibt's bestimmt keine Zielgruppe...

Eine Frau (Natürlich eine Frau, ein Mann formuliert das anders, z.B.: „Du Spinner!“) hat mal gesagt: „Du bist eine tragische Gestalt. Du bist so tief, daß es dir selber am meisten weh tut...“; seitdem sind wir nie wieder ins Gespräch gekommen.

Guck, da ist Sarah schon wieder. Sie konnte mir nämlich immer bis ans Ende meiner wirren Gedanken folgen und sogar noch darüber hinaus, bis unsere Unterbewusstseins einen fröhlichen und heilsamen Disput mit einander führten. Sie hatte so eine Art, durch meine 100 Zimmer zu eilen um mich dann im Besenschrank zu finden - nur ein Junge der sich verlaufen hat -, daß zeitlose Momente von schwerelosem Gleichgewicht entstanden. Teufel auch und Haare raufend, wie soll man davon nicht süchtig werden? Vielleicht war das ja ihr Job gewesen: Meine Gier nach Junk in eine Gier nach Liebe zu verwandeln. Schönen Dank aber auch. Beförderung, Prämie, Gehaltserhöhung, eigener Parkplatz usw. War das wirklich der Sinn? Dann hätte sie es mir aber irgendwann einmal sagen müssen! Egal! Absolve sunt!

Nach Sarah konnte ich keine Gedichte mehr schreiben. Vor ihr allerdings auch nicht, wegen dem Post-Michaela-Syndrom. Gedichte sind für mich die mystischen Äquivalente einer Geisterbeschwörung und ohne eine Adresse sinnlos. Folgendes ist das Resultat einer krampfhaften Bemühung im Alleingang dieser Stelle, wo Gedichte entstehen ein neues Leben einzuhauchen. Entsprechend das Ergebnis:

Jo-Jo

SCHICK MICH DRAUF ODER HOL' MICH RUNTER
MACH MICH MÜDE ODER MACH MICH MUNTER
MACH MICH AN ODER MACH MICH AUS
SCHUBS MICH REIN ODER ZIEH MICH RAUS

REFRAIN: MACH'S MIR SO RUM ODER SO
ICH BIN BLOSS DEIN JO-JO.

SCHWEIG MICH AN - FANG AN ZU SCHREIN
TAU MICH AUF ODER FRIER MICH EIN
MACH MICH HUNGRIG ODER SATT
MACH MICH HEKTISCH ODER MATT

REFRAIN: MACH'S MIR SO RUM ODER SO
ICH BIN BLOSS DEIN JO-JO.

LAß MICH SCHMOREN ODER NICHT
MACH‘S IM DUNKELN, MACHS IM LICHT
MACH DEN TIEGER, MACH DIE MAUS
ZIEH DICH AN ODER ZIEH DICH AUS

REFRAIN: MACH'S MIR SO RUM ODER SO
ICH BIN BLOSS DEIN JO-JO.

PUMP MICH FETT - LASS MICH KNALLEN
HEB MICH AUF - ODER LASS MICH FALLEN
MACH MICH TRAURIG, MACH MICH HEITER
HÖR DOCH AUF, MACH NUR SO WEITER...

REFRAIN: MACH'S MIR SO RUM ODER SO
ICH BIN BLOSS DEIN JO-JO.

Gräßlich, ist das nicht wirklich grässlich...?

Mein letztes Gedicht an eine Adresse hatte gelautet:

DU BIST GEGANGEN - MIT DIR MEIN LICHT
ICH SCHREIB' NIE WIEDER EIN GEDICHT...

Und das meinte ich, als ich von Geisterbeschwörung schrieb. Selbsterfüllende Prognosen und mehr! Es war die Wahrheit! Alle meine Verse sind verkappte Zaubersprüche. Es ist tatsächlich dunkel und ich schreibe keine Gedichte mehr. Eigentlich schade. Einige hatten so eine klitzekleine, zauberhafte Prise Ewigkeit. Aber Prosastücke konnte ich noch verfassen. Und dies hier ist immerhin mein erster Versuch die Ereignisse und die dazugehörigen Gedanken „On Line“, also fast in Echtzeit niederzuschreiben.

Sarah, weiche von mir! Ich bin die Verpflichtung eingegangen meine Kunst der Bezauberung nicht mehr an dir auszuüben. Ich kann, darf, will und werde keine weisse Magie einsetzen um zu diesem Durchgang zu gelangen, den du blockiert hast. Denn falls ich absichtlich, unabsichtlich, bewusst oder unbewusst doch wieder etwas heraufbeschwören sollte zwischen uns, müsste ich erneut schwarze Höllenformeln aussprechen und dann wird's unangenehm, wie wir beide wissen. Gib das Tor frei und ich werde..., ja, was werde ich denn dann wohl tun?

Abends beugte sich der Betreiber meiner Stammkneipe vertraulich über den Tresen und machte mir die bedauerliche Mitteilung, daß mein Deckel gesperrt sei. Hm? Beihilfe zum Selbstmord durch Verdursten? Aber bei 900,00 DM minus ist das irgendwie nachvollziehbar. Der „Blöde Egon“ ist ja sonst wie eine Mutter zu mir, mit dem Unterschied, daß ich hier keine emotionalen Verpflichtungen eingehe sondern bloss finanzielle. Es war erst der 21'ste, die letzten Wochen hatte ich mich tagsüber in der Kneipe aufgehalten, ein sozialer Vampir und emotionaler Blutegel, der sich an der Lebenslust und Unschuld der Jugend, Schachspielen, Bieren und Tortelloni labt.

Liane erschien nicht. Aber der Besitzer von diesem Computer. Nachdem ich ihm versichert hatte, daß seine Kiste wieder ordnungsgemäss laufen würde, (Er hatte sie sich so abgeschossen, daß niemand mehr rein kam) fragte er mich ob ich heute schon Liane gesehen hätte. Nö, wieso? Ja, er hätte letzte Nacht bei ihr geschlafen, er wolle nur, daß ich das weiss...

So allmählich vermute ich ja eine Verschwörung. Warum erzählt er mir das? Will er damit sagen er hätte sie gevögelt wie ein Könner und sie wäre nun so satt, daß sie nichts mehr essen mag? Ich müsse erst an ihm vorbei? Sie dürfe nicht mit fremden Männern ausgehen? Oder will da jemand einen Karl-Ludwig aus der Fassung bringen? Oder bloss angeben? Ich verschob meinen Selbstmord durch Verhungern auf einen geeigneteren Termin, ging alleine essen und dachte über die Verschwörungstheorie nach.

Zu viele Zufälle! Die Frage lautet nur: „Wer, verdammt, ist dafür verantwortlich?“

Wenn ich alle bedeutsamen Ereignisse der letzten Jahre vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, erkenne ich eine Art Logik, etwas Gemachtes. Ein Muster, ein ordnendes und lenkendes Element, eine, mir unbekannte, massivsten Einfluss nehmende Grösse. Wer aber zieht hier an den roten Fäden und wenn ja, warum? Ehrlich gesagt traue ich es keinem zu, ausser vielleicht Rudi, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Einerseits, niemand sonst hätte das Geld, genügend Menschenkenntnis, die Zeit und auch die Beziehungen. Andererseits, - Rudi hat kein Motiv! Für ihn bin ich lediglich ein Missverständnis, ein Fehler. Ein lebender Anachronismus aus längst vergangenen Tagen. Oder? Er war vor 1,5 Jahren innerhalb von 30 Min. bei mir, als ich ihm die Diagnose ins Telefon geheult hatte. Er beteiligte sich mit 600,00 DM an dem „Karl-Ludwig-will-nochmal-in-die-Türkei-bevor-er-stirbt-Fond“. Und immerhin hatte er schon einmal versucht die Interaktion in meinem Bekanntenkreis zu koordinieren, damit ich die einzelnen Leute nicht manipulieren, verarschen kann. So etwas ist nämlich nur ihm gestattet.

Dennoch und bei aller Polemik: Rudi ist es nicht und auch niemand anderes. Da spielen einfach zu viele Leute zusammen, Leute die einander nicht kennen, als daß dahinter eine Absicht stehen könnte. Ausserdem habe ich keinen Bock auch noch paranoid zu werden.

Oder ist es einfach nur so, daß ich, wenn die Zeit dafür gekommen ist, meine Energien in eine notwendige Richtung so stark und penetrant fokusiere bis etwas passiert? Und auch nur den mich betreffenden Teil wahrnehme. Dann müsste ich ja einen ganzen Harem williger Huris besitzen, berühmt sein, weise und geläutert (mir ist schon klar, daß sich Weisheit und Dünkel gegenseitig völlig ausschliessen). Oder gibt es doch so etwas wie Kismet und Karma? Einen Gott gar? Vielleicht ein ganzes Rudel davon? Oder ist der Mensch evolutionsbedingt davon besessen ein übergeordnetes System zu vermuten? Kann sich ohne Hoffnung kein Bewusstsein entwickeln, und nimmt dieses nun Aufgrund seines Wesens leicht höhere Grade von Ordnung in der Wirklichkeit an, als dort tatsächlich vorhanden sind?

Da seht ihr mal, mit welchen Problemen ich zu kämpfen habe!

Ich liess mir noch eine Portion Rindersteak mit Kapern, Tomaten etc. einpacken, morgen zumindest würde ich noch kein rituelles Sepuko begehen.

In dieser Nacht träumte ich von Hinrichtungen. Das sagt doch wohl alles. Der Scharfrichter war freundlich aber sehr bestimmt und die Exekutionen spielten sich in der Abflughalle des Flughafen Hannover ab, sehr professionell, immer mehrere auf einmal, gehängt und geköpft; ich diskutierte noch mit den Schergen über das Missverständnis, welches mich hierher gebracht und hatte hundserbärmlichen Schiss, als die Reihe an mich kam. Aber dann wachte ich auf und dachte nur: „Nein, nicht schon wieder!“

Rosi hält mich für cool. Michael für sein Vorbild. Meine Kinder für einen Vater. Etliche halten mich für einen Penner. Mein Bruder hat es schon immer gewusst; - ich halte mich an die Tagesform, ich bin viele: „Mein Name ist Legion!“. (Wer hat das eigentlich gesagt? In welchem Zusammenhang. Und passt das als Zitat hierhin?) Meine Tagesform ist seit einiger Zeit immerhin so beständig, daß man sie schon Jahresform nennen darf; - Jeden Morgen geht die Sonne auf und Karl-Ludwig denkt sich „Nein, nicht schon wieder!“

Irgendwie ist mir danach Karin einen Ausdruck von diesem Skript zu schenken. Also doch! Selbst meine Geschichten brauchen eine Adresse. Aber Karin ist doch ungefährdet und auch ungefährlich. Oder?

Die vier Seiten der Kommunikation: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Appell und Beziehungsaspekt. Oder die vier Ohren für diese Anteile. Mal sehn, wie sich dieses hier mit den vier Ohren einer Frau liest. Ich kann's nämlich ein wenig wie Frau, nicht viel, sehr verschwommen, aber in mir sind ja all die Dorisse, Michaelas, Sarahs, Annas, Marions, Özlems, Ullas und wie sie alle hiessen. In mir sind sie, womit auch eine der weiter oben stehenden Fragen beantwortet wäre, jedenfalls partiell!

(...), (...), (...); (Moment noch, ich lese gerade)

Also, diese 22.249 Zeichen sind echt ein Appell der Sonderklasse. Das geht weit über den legalen Wunsch hinaus den Leser nur zu berühren. Das ist ein voller Griff in den Urschlamm des Seins, aus dem einst kaltblütig unsere Vorfahren gekrochen kamen. Das ist ein Notruf an die Instinkte der Brutpflege, ans Stammhirn. Das darf ich keiner Frau zu lesen geben!

Morgen, (mit fester Stimme) jawoll, morgen, wenn der Shit verraucht, das Bisteka Fournaris gegessen, der Tabak aufgebraucht ist, dann... dann...

...halte ich die Luft an bis ich bekomme was ich will... genau!

Juleika
01.10.01, 22:30
lieber kls

hoffe auf noch mehr allerletzte beiträge.
warte grade auf irgendwelche wörter um meinen eindruck zu schildern, doch mein kontigent ist für heute ausgeschöpft.
vielleicht morgen. auf jeden fall bin ich fasziniert.

gute nacht :knutsch:

Hannemann
01.10.01, 23:58
Ich vermute, zu wissen: Der Fehler lag in der Taufe. Karl-Ludwig......mit Bindestrich. Schlimmer ging es nicht. Die Ursache, Dein restlich Leben nur die Wirkung. Verklag Deine Eltern.....auf diesen Bindestrich.

Es geht doch noch schlimmer, ich heiße Hans-Dieter!

bibi
02.10.01, 00:56
oh, eine geschichte von hyänen, tiegern und mäusen...

rodbertus
02.10.01, 08:24
Du selbstverliebter Popanz: Hör auf, die Menschen zu beleidigen! Wie wär's mit einem Griff in die Scheiße, nicht mit einem Trunk?
Empfehle außerdem den Griff zur Spitzhacke und den Aufstieg auf einen hohen Berg. Aussicht und Weitsicht, dann Absturz. Absturz ist so ein schöner Schmerz!
Aber vielleicht bist Du auch hier mit 80% zufrieden und bleibst, wie wohl bei allem in Deinem Leben, auf halbem Wege stehen.
Wieviel zählt Dein Wort?

kls
02.10.01, 11:56
Du selbstverliebter Popanz: Hör auf, die Menschen zu beleidigen!

Oh, ich habe nur versucht mich dem Stil hier anzupassen. Oller Gniffelkopp.


Wieviel zählt Dein Wort?

Das Wort zählt nix. Nur die Tat ist!

Seltsam erscheint es mir, wenn ich von etlichen Seiten Zuspruch bekomme, die Platzhirsche aber hemmungslos runtermachen. Könnte es sein, dass hier eine extrem dogmatische Grundstimmung vorherrscht, bezüglich der Definition, was Literatur kann, darf oder soll? Oder, noch schlimmer, dass zwei Profilneurotiker ihre Überheblichkeiten und miesen Launen an ihren Gästen austoben? Nichts für ungut, aber Robert und Uisgeovid haben mit den Beleidigungen angefangen. Nachzulesen in der Doku.

Eines jedenfalls weiß ich. Literatur soll auch Spaß machen. Und ich habe meinen Spaß beim Schreiben und mit Ausnahme gewisser Egomanen haben meine Leser auch meistens Spaß beim Lesen.

Vielleicht solltest Du auch mal etwas selbstverliebter sein. Vielleicht würdest Du dann nicht darauf angewiesen sein, Menschen zu verletzen, die Dir nichts Böses getan haben, sondern Dir eher eine Freude bereiten wollten.

Weitermachen!

...kls...

rodbertus
20.08.11, 08:19
2001: der ALLLERLETZTE beitrag.
2011: warum ich nicht mehr schreibe.

aber auch nicht weniger.

pflege deinen narren, karlchen. wer spinnt, hat mehr vom leben. willkommen zurück.

kls
20.08.11, 11:58
Hast ja Recht. Irgendwie bin ich wirklich nicht besonders konsequent. Trost: An den Rändern ist es halt immer etwas unscharf.

Klar, aber das war kein Witz. Ich schreibe tatsächlich nicht mehr. Ich habe auch nicht vor, jemals wieder zu schreiben. Selbst wenn ich fleißig Deinen Bemühungen, aus mir einen besseren Wortnutzer zu machen, gefolgt wäre, hätte ich immer noch das grundlegende Problem der sinnigen Verwendung.

Z.B.: Nehmen wir das Wort "Fleiß". Positiv besetzt. Fast eine Religion, ein goldenes Kalb, aber bestimmt eine Lebenseinstellung, die garantiert gut ist. Wirklich? Ist Fleiß nicht etwas Negatives? Steckt die Welt nicht genau wegen all diesen fleißigen Leuten in dieser Scheiße?

Wie also kann ich solch Wort noch neutral verwenden?

Ich versuche es noch mal: Meine Worte wurden von Anderen mit einem Bezug versehen. Ich operiere mit Begriffen, die ein Dummhaltesystem definierte. Wie kann ich mit diesen Worten beschreiben, wie wir Menschen wirklich sind, jenseits von Zeitgeist, Kapitalinteressen, Begriffsverhunzung? Wie kann ich mit den Werkzeugen der Unterdrückung die Freiheit predigen?

Man bekommt keine Wahrheit beim Tanz um goldene Kälber. Man bekommt dieses seltene Element nur im abenteuerlichen Alleingang in Form von sprechenden Dornbüschen, vorausgesetzt man verkostet vorher einige sonderbare Pilze, haha...

Wenn ich in meinen Texten den Leser nicht näher an das heran führen kann, worauf es meiner Meinung nach ankommt, egal mit welcher Technik, dann kann ich mir diesen ganzen Quatsch auch sparen und statt dessen ein Pfeifchen rauchen und meine Mohnpflanzen hegen. Da kann ich mir jedenfalls beeindruckender Ergebnisse sicher sein.

saul
17.09.11, 22:16
"Ich versuche es noch mal: Meine Worte wurden von Anderen mit einem Bezug versehen. Ich operiere mit Begriffen, die ein Dummhaltesystem definierte. Wie kann ich mit diesen Worten beschreiben, wie wir Menschen wirklich sind, jenseits von Zeitgeist, Kapitalinteressen, Begriffsverhunzung? Wie kann ich mit den Werkzeugen der Unterdrückung die Freiheit predigen?"

vielleicht solltest du zu jedem text ein glossar, eine wortsammlung mit ganz eigenen definitionen herausgeben.
oder du fängst ernsthaft an zu komponieren oder zu zeichnen, zu malen. es gibt doch schließlich viele möglichkeiten der kommunikation. worte sind nur EIN mittel.

edit: ausdruckstanz, wunderbar!

kls
18.09.11, 06:09
aber mein Kokettieren mit den angeblich unzureichenden Werkzeugen soll nur kaschieren, dass ich KEIN Künstler bin. Das Sein findet statt zwischen Werden und Vergehen, so was erzeugt natürlich Frust. Den schreibe ich manchmal hin. Bzw. ab.

Natürlich kann man mit den Begriffen der Unterdrückung auch die Freiheit predigen. Welcher Idiot hat denn je etwas anderes behauptet? :Akademiker:

aerolith
21.10.17, 14:55
Das Sein findet immer mehr auch vor dem Sein statt - und auch danach. Das ist es, was das Sein ausmacht, eben ein ewig Werdendes zu sein, dem Wesen nach. Was heute gut, wird morgen vergessen SEIN, was gestern schlecht, kann auch im Heute ein Gutes geworden SEIN, vielleicht morgen ein noch Beßres SEIN, vielleicht sogar schon wieder gewesen SEIN. Das Sein - ein Buch ist darüber zu füllen, ein anderes als das von Martin H., unserem Gottsucher.

Fleiß als Signalwort der Unterdrückung zu bezeichnen, ist arg. Das wäre ja so, als ob man das Feuerlieschen schmähte. Na ja, dergleichen Entgleisungen waren die Schattenseite unser aller Karlchens, dessen wirklich Allerletztes nun tatsächlich Wirklichkeit geworden ist. Langen Anlauf hat er genommen. Er ruhe in Frieden!

saulchen
23.10.17, 14:01
das tut mir leid, es ist traurig. ich mochte ihn. er wird hier fehlen...