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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Lichtung (Teil IV)



Klammer
01.09.01, 12:57
Die Lichtung - Teil 4.

Unvorsichtig küsste Pendell die sauber ausrasierte Achselhöhle und bereute es sofort. Er hatte den aufregend salzigen Austerngeschmack von frischem Schweiß erwartet und erhielt stattdessen eine unangenehm trockene Seifenbitternis auf die Lippen.
"Ich hätte es wissen müssen, selbstverständlich benützt sie ein starkes Deodorant, das sie auch spät am Abend nicht verlässt. An einer Frau wie ihr ist alles künstlich. Die Haarfarbe, die Wimpern, die Fingernägel." dachte er. Sicher war er unfair, eine Frau in ihrem Alter musste auf sich achten, dennoch ließ seine Erregung wieder nach. Pendell wischte sich angeekelt mit dem Handrücken über die Lippen, richtete seinen Oberkörper auf und löschte das Licht der Nachttischlampe. Erst dann entledigte er sich seines Hemdes, denn er wollte seinen durch Wohlleben schwammigen Bauch verbergen.
Die Frau, sie hatte sich ihm mit dem Namen Mia vorgestellt, seufzte leise. Sie lag in ihrer Wäsche ausgestreckt auf seinem Hotelbett und harrte der Dinge. In keinem Augenblick hatte sie die Initiative übernommen, hatte sich aber auch nicht gesträubt.
Jetzt kam der Moment, die Hose auszuziehen, was Pendell, halb über ihr liegend, zu einer lächerlichen, akrobatischen Körperhaltung zwang. Glücklicherweise rutschte die Unterhose mit. Kurz spielte er mit dem Gedanken, auch die Socken loszuwerden, doch das hätte ihm den kümmerlichen Rest seiner Libido genommen.
Es war an der Zeit, vorwärts zu kommen und er konzentrierte sich auf ihren kleinen, flachen Busen. Pendell zupfte eine Warze vorsichtig mit den Zähnen. Sie richtete sich unter der Berührung auf und Mia seufzte lauter. Der Autor begann angestrengt zu nuckeln, während er eine Hand unter ihren Slip schob. Schnell bildete sich Schweiß auf seiner Stirn. Mias Finger rutschten an seinem Körper herab, über den Bauch, den er einzog, über seinen Hintern, den er spannte, wieder nach vorn. Für einen kurzen Moment hielten beide den Atem an. Er bildete sich ein, trotz der Dunkelheit einen strafenden Blick zu spüren. Resigniert drehte er sich von ihr weg, auf den Rücken, atmete schwer.
"Ich weiß nicht, was mit mir ist." stieß er zwischen den Zähnen hervor.
"Vielleicht... wenn Du ihn in den Mund..."
Mia lachte plötzlich.
"Nicht böse sein, das ist... Ich kann nichts dafür." prustete sie. Pendell hatte große Lust, sie zu schlagen.
Sein Versagen nach einem immerhin hoffnungsvollen Beginn war allerdings nicht nur auf den frustrierend mechanischen Ablauf des Beischlafversuchs zurückzuführen, sondern in der Hauptsache auf eine neuerliche Begegnung mit der lästigen älteren Frau nach seiner Lesung, als er beim Buchverkauf noch schnell ein paar Exemplare seiner Werke signierte. Seine Eroberung Mia hatte sich bereits neben ihn gestellt und himmelte ihn an. Die Aula leerte sich langsam. Nur mehr wenige Gruppen standen herum und unterhielten sich. In eine dunkle Ecke gedrückt hatte die ältere Frau auf diesen Moment gewartet. Nun kam sie unsicher näher. Sie hatte einen kleinen, untersetzten Mann im Schlepptau, der sich in ihren Rücken duckte und sich nur widerwillig von ihr an der Hand führen ließ. Pendell sah eine Konfrontation nahen, der er ausweichen wollte. Er wand sich an Parma, der gelangweilt hinter ihm stand.
"Fahren Sie mich zurück in die Stadt?" Parma nickte. "Dann aber schnell; ich habe es eilig."
"Ich muss hier noch aufräumen und zum Hausmeister. Eine halbe Stunde dauert es sicher noch." zögerte Parma.
"Wenn Sie wollen, kann ich sie doch mitnehmen, Herr Pendell." mischte sich Mia ein. Sie hatte ihr Stichwort nicht verpasst. Der unangenehme Abend würde ein gutes Ende nehmen. Pendell nahm Mia kurzentschlossen am Arm und zog sie zum Ausgang, ohne sich von Parma zu verabschieden. Der sah neidisch hinter dem Autor her. Doch Pendell war zu langsam. Das ältere Paar schnitt ihm den Weg ab; er konnte ihnen nicht ausweichen. Die Frau baute sich wie eine unüberwindliche Festung vor ihm auf.
"Herr Pendell, ich möchte Ihnen meinen Mann Holger vorstellen; er ist ein großer Bewunderer von Ihnen."
Sie zerrte Holger vor den Autor. Der lächelte dumm und Pendell witterte sofort die Gefahr.
"Er hat heute Ausgang." fuhr die Frau fort. "Sie müssen keine Angst haben, er ist ruhig, wenn ich bei ihm bin."
"Bitte?"
"Holger, das Dr. Pendell."
Holger nickte, sah sich aufgeregt um, dann beugte er sich vertraulich vor. Er sah Pendell nicht in die Augen, musterte stattdessen Mia skeptisch.
"Wir müssen reden, aber nicht hier. 'Sie' sind hier. Sie wissen ja."
"Bitte?" wiederholte Pendell. Wollten sich die beiden über ihn lustig machen? Holger kam noch einen halben Schritt näher.
"Ich habe Informationen von höchster Wichtigkeit für Sie. Ich habe eine Verbindung. Aber nicht hier, hier haben die Wände Ohren."
"Wovon reden Sie denn, guter Mann?" fragte Pendell und wünschte sich weit weg. Holger nickte.
"Sie haben recht, wir reden besser nicht darüber. Stellen wir uns dumm, das ist sehr geschickt. Ich sage nur: 'Sie sind unter uns'."
Pendell hob überrascht die Augenbrauen. 'Sie sind unter uns' war der Titel des ersten Buches, mit dem er Öffentlichkeit erreicht hatte, damals noch unter seinem alten Künstlernamen Severin McBain. Er war entsetzt, dass jemand seinen guten neuen Namen mit diesem Titel in Verbindung brachte. 'Sie sind unter uns' war ein reißerisches Machwerk über die überlebenden Nachkommen des verlorenen zehnten Planeten unseres Sonnensystems zwischen Mars und Jupiter, die, nachdem sie ihn selbst zerstört hatten, nun seit Jahrtausenden unerkannt auf der Erde lebten und die Menschheit konspirativ unterwanderten, um sie zu vernichten.
Pendell war sehr jung gewesen, als er dieses Buch geschrieben hatte. Damals war er ein völlig erfolgloser Science-Fiction-Autor gewesen, der nur mal ein paar Kurzgeschichten in verschie-denen 'Fanzines' untergebracht hatte. Mit 'Sie sind unter uns' hatte er umgesattelt, hatte einfach den Plot seines ersten Romanes in einen pseudowissenschaftlichen Reißer verwandelt und was dem Roman versagt blieb,gelang dem 'Sachbuch'. Er war in eine Marktlücke gestoßen und fand einen interessierten Verlag.
Das Buch verkaufte sich ordentlich. Pendell fand Obhut bei einem intelligenten, ausreichend skrupellosen Lektor, der sein Nestor wurde, mit ihm arbeitete und aus ihm Dr. phil. Eraban Severin Pendell machte, den bedeutenden populärwissenschaftlichen Sachbuchautor. Den Dr. hatte er übrigens vom Searscollege in Milwaukee/Wisconsin gegen eine üppige Spende verliehen bekommen.
Plötzlich mit seiner unrühmlichen Vergangenheit konfrontiert zu werden, passte dem Autor nicht. Sollte er abstreiten, dieses Buch geschrieben zu haben? Holger nickte ihm verschwörerisch zu und nahm wieder demütig seinen Platz im Rücken seiner Frau ein. Pendell öffnete den Mund, um etwas Geistreiches zu sagen, aber ihm fiel nichts ein. Mia, seine attraktive Begleiterin, lachte auf, doch ein böser Blick der älteren Frau ließ sie verstummen.
"Da sehen Sie, was Sie und ihre Kollegen aus ihm gemacht haben." Sie strich Holger zärtlich durch das schüttere, wirre Haar. "Er war zwanzig Jahre lang ein guter Mann. Dann hat er dieses Buch von Ihnen in die Hände bekommen; und dann noch viele weitere von Ihnen und von Däniken und Buttlar. Ich dachte, das ist nur eine Marotte und vielleicht nicht die Schlechteste. Ich dachte, Lesen bildet. Dann hat er sich verändert. Zuerst habe ich es nicht bemerkt. Er wurde krank, konnte nicht mehr arbeiten. Er zog sich von mir zurück. Dann hat er versucht, unsere Tochter zu töten. Er war der Meinung, ein Wesen aus einem UFO hätte ihren Geist durch seinen ersetzt; er wollte sie erwürgen."
Eine längere Pause entstand.
"Das ist ja schon furchtbar, aber..."
"Seit damals ist er in der Anstalt. Es war eine schlimme Zeit." Sie schob Holger wieder nach vorn. "Da sehen Sie, was Sie aus ihm gemacht haben. Schauen Sie ihn sich an."
Holger lächelte höflich.
"Sie sind unter uns." flüsterte er. Pendell schloss die Augen und wünschte sich erneut an einen anderen Ort. Die Teleportation gelang ihm nicht. Ein Loch der Peinlichkeit tat sich vor ihm auf. Der Zeitpunkt für einen schnellen Entschluss war gekommen.
"Das ist zwar höchst ärgerlich..." sagte er. Aber nicht für mich, zitierte er Wilhelm Busch in Gedanken weiter. Er fuhr allerdings anders fort:
"Für die psychische Labilität Ihres Mannes ist jedoch nicht meine Literatur verantwortlich zu machen." Er zog Mia mit sich zur Seite.
Diesmal wollte sich die ältere Frau nicht abschütteln lassen. Sie machte die Bewegung mit, ihren Mann stehenlassend, der ein paar unverständliche Worte murmelte.
"So kommen Sie mir nicht schon wieder davon! Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?"
Pendell atmete scharf aus und sah sich hilfesuchend um. Mia legte den Kopf schief und beobachtete ihn aufmerksam. Sie erwartete offenbar gespannt seine Entscheidung. Parma näherte sich aus einer Ecke des Saales. Er hatte endlich bemerkt, dass sein Autor in Unannehmlichkeiten geraten war. Pendell winkte ihm und der Vertreter der VHS beschleunigte seinen Schritt.
"Ich werde belästigt, würden Sie bitte...?"
Beflissen drängte sich Parma zwischen die beiden Paare, die Arme beschwichtigend ausgebreitet. Diese Geste stand dem großgewachsenen Mann gut. Er wirkte einschüchternd. Pendell nutzte Parmas Rücken zur Flucht. Er vermied es, sich noch einmal umzusehen, obwohl er hörte, wie die ältere Frau nun zu weinen begann.
Er ließ sich von Mia in ihrem Combi in ein Nachtcafe fahren. Während er flirtete, trank er zu seinem Espresso drei Cognac, um die unerfreuliche Szene zu vergessen. Es gelang ihm nicht.
Jetzt, spät in der Nacht, lag er neben Mia in seinem Hotelbett und hatte das verhärmte Gesicht der älteren Frau vor Augen, in deren Blick nicht nur der verzweifelte Wunsch nach Hilfe stand, sondern auch Zorn und Hass. Aber er konnte nicht helfen, er trug keine Verantwortung. Dennoch nagten Gewissensbisse an ihm.
Pendell ballte eine Faust. Er wusste, gleich würde es Mia leid sein und gehen. Ihm musste schnell etwas einfallen, um auf Touren zu kommen. Doch sie überraschte ihn: Er spürte plötzlich, wie die Frau ihn auf den Bauchnabel küsste, mit nasser Zunge nach unten rutschte. Scheinbar hatte sie sich doch dazu durchgerungen, auf seinen Vorschlag einzugehen und die Initiative zu ergreifen. Sie begann sich intensiv mit seinem schlaffen Geschlecht zu befassen, aber ihr Erfolg war nur gering. Pendell krallte die Hände in den Bettbezug. Wo war sie hin, seine Lust vom Abend, als er das Gemälde auspackte?
Siedend heiß fiel ihm das Bild ein, wie eine Vision leuchteten die Farben vor seinem inneren Auge. Gleichzeitig kehrte die Lust mit Macht zurück und Mia bekam plötzlich einiges zu schlucken. Mit einer hektischen Drehung entkam er der zärtlichen Umklammerung.
"Warte!" rief er erregt.
"Warte!" und stürzte aus dem Zimmer. Mia sah ihm verständnislos hinterher.
Euphorisch trug Pendell sein Ölgemälde wie im Triumph in den Raum, machte mit dem Ellenbogen Licht, stellte den Rahmen auf das Bett. Mia setzte sich blinzelnd auf und sah ihm schweigend zu. Sie mochte einiges gewohnt sein, denn Pendells Verhalten schien sie nicht aus der Fassung zu bringen.
Nichts erschien dem Autor nun an seiner nur mit Socken bekleideten Erscheinung und seinem Wohlstandsbauch lächerlich, viel zu beschäftigt war er mit seiner Idee. Stark erregt richtete er das Bild günstig gegen einen Bettpfosten, dann kniete er sich hinter Mia, betrachtete das Gemälde, während seine Hände wanderten und an ihrem Slip zerrten.
"Merkst Du es?" keuchte er ihr ins Ohr. "Fühlst Du diese Ausstrahlung!"
Er drängte sie nach vornüber in die Hocke, schob ihr energisch den Slip herab. Es war nicht gerade Mias bevorzugte Stellung beim Geschlechtsverkehr, aber sie war viel zu erstaunt, um sich zu wehren. Sie sah verblüfft auf die belanglos bunte Waldlandschaft, während Pendell gierig in sie drang und überstürzt zu Ende kam.
"Merkst Du es?" ächzte er. "Das Bild!"
Mia war versucht, mit den Schultern zu zucken, doch in ihrer Stellung war ihr das nicht möglich. So schüttelte sie nur sanft und enttäuscht den Kopf.


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hks

Hannemann
01.09.01, 23:42
Ich weiß nicht, etwas ist anders geworden. Weil der Standard in den Abschnitten zuvor so hoch war, bin ich vielleicht jetzt ein wenig enttäuscht...kann aber auch an meinem nahrhaften Wasser liegen.
Den Austerngeschmack, obwohl bei einer Frau eindeutig tiefer anzusiedeln, hätte ich noch verknust. Dann wurde es jedoch zu langatmig, streichbar, weil immer noch das Rätsel Lichtung drängt. Auch die Wirkung des Bildes war nicht mehr neu...doch wenn sich das erst einmal herumspricht.
Trotzdem, mach weiter, mach bitte bald weiter!

Lieber Klammer, Post erhalten, Bestätigung in den nächsten Tagen.

uisgeovid
02.09.01, 11:09
Hab's verschlungen, Klammer, ist aber jetzt zu spät schon, qualifiziert etwas zu sagen. Ich verspreche es für den morgigen Tag, küsse jetzt Mond und Sterne und werd dann träumen...

später...


Ja, Klammer, das ist gut!
Dass Du erzählen kannst weiß ich, dass Du saugut erzählen kannst, stelle ich hiermit fest. Ich hab's grad noch ein drittes Mal gelesen, hier den vierten Teil, und meine, dass ein wenig Textarbeit hier nicht unangebracht wäre. "Ausreichend skrupelloser Lektor" hihi, ist gut, hihi...ja so sind die wohl, aber nicht alle. Aber Spaß bei Seite, in der Liebesszene müsstest Du einige Wörter vielleicht austauschen. Manches wirkt verkrampft. Klar, ich weiß, Pendell ist ja verkrampft, aber "nuckeln" hört sich relativ unpassend an, allein schon semantisch gesehen kann es kein Nuckeln sein, sondern eher ein Saugen. Aber für die Feinheiten der Textarbeit haben wir ja auch noch Robert. Bin mal gespannt, was er zu dieser Szene sagt. Liebesszenen sind immer schwierig zu gestalten, wenn sie "echt" erscheinen sollen, Du hast es ein wenig einfacher, weil Dein Pendell ohnehin schon eine gravierende Macke zu haben scheint, da kann dann auch die Liebesszene etwas verschroben wirken, aber grade das sollte dann sitzen und nicht unbedingt an Situationskomik erinnern, denn in Slapstick machst Du hier ja weißgott nicht. Und dieses "Glücklicherweise rutschte die Unterhose mit" trägt ein wenig dazu bei. Ich glaube, Du willst hier etwas anderes sagen, etwas von Pendells innerer Unruhe transportieren.
Es sind immer mal wieder kleinere Ausdruckssequenzen, die man getrost überarbeiten könnte, doch will ich auch vorsichtig sein in einer kritischen Bewertung dieser Passagen, denn noch kenne ich ja nicht das Gesamtwerk. Womit ich beim nächsten Stichwort bin. Ich bin mal gespannt, an welche Länge Du so gedacht hast. Es mausert sich zu einer novellistischen Form, wenn nicht schon zum ersten Kapitel eines Romans.
Eine Herabwürdigung Deines Motivs bedeutete es, bezeichnete man es als Viagra für Intellektuelle, aber so in dieser Richtung hat es eine eigentümliche Faszination und trägt als Motiv gut.
Weißt Du, Klammer, manchmal meine ich, dass es sauschade ist, dass viele große Verlage keine Kurzgeschichten und Bände mit Erzählungen von Autoren als Erstlingswerk annehmen. Da sind die rigoros gewesen in den letzten Jahren. Die spinnen, die Lektoren, haben ihre Stapel Manuskripte mit sogenannten Romanen auf dem Tisch, die sie von Agenten bekommen haben, und suchen nur Romane, alles nennt sich Roman heutzutage, aber die Kunst, eine wirklich interessante Geschichte kurzweilig und kurz genug zu erzählen, die wird dadurch nicht gefördert. Du, Klammer kultivierst für Dich diese Kunst, und für uns... jetzt mach bloß weiter und lass uns mal nicht mit Pendell hängen.
herzlichst uis

Klammer
04.09.01, 14:26
Du hast recht, uis, dass man hierzulande keine Kurzgeschichten in einem Verlag unterbringen kann. Das ist ein typisch deutsches Problem. Es liegt, denke ich, weniger am Verlag als am Leser, der nach Romanen schreit. Die Leute glauben, dass kürzere Geschichten schlechter sind. Da hat sich der Autor einfach nicht angestrengt. Die Leser wollen mehr Text für ihr Geld.
Noch schlimmer geht es den Novellen, wie "Die Lichtung" eine ist. Als Zwitterding zwischen kurzer Erzählung und Roman findet sie überhaupt keine Leser. Dabei ist m. E. die Novelle gerade noch das Format, bei dem ein Autor es schafft, sein Niveau zu halten. Bei längeren Sachen rutscht auch immer wieder das Niveau sprachlich und inhaltlich in den Keller.

Dieser Teil der Geschichte, ihr habt jetzt etwa zwei Drittel kennengelernt, gefällt euch also am wenigsten? Das ist interessant, denn ich glaubte diesen Teil sehr gelungen. Vor allem dachte ich, dass nach der vielen Reflexion am Anfang es nun an der Zeit war, die Sache langsam ins Rollen zu bringen und Pendells Chararakter handelnd darzustellen. Hier muss ich noch mal stark überarbeiten.

Hannemann: Findest du, dass nur eine Körperstelle der Frauen Anrecht darauf hat, wie eine Auster zu schmecken? Ich finde, dass diejenige, auf die du anspielst, so zumindest meine Erfahrung, nicht nach Auster schmeckt. Hier hat eindeutig der optische Eindruck den geschmacklichen beeinflusst.

Gruß, Klammer

Hannemann
04.09.01, 18:06
Widerspruch Klammer, das Auge steht der Zunge nach, wenigstens bei mir. Eine Auster, die Salze des Meeres zu schmecken war mir oft genug schon vergönnt. Gewiss gibt es eine Skala, doch da kommen wir zusehr ins intime Detail. Doch vielleicht wollte ein zwinkernder Schöpfer auch optisch einen Zaunpfahl geben, Verwandtschaft aufzeigen.
Grüße ins Schwabenland.

uisgeovid
04.09.01, 19:54
Lieber Klammer,
nur mal eben so: Nein, es stimmt nicht ganz, wenn Du den Eindruck hast, dass mir dieser Teil nicht besonders gefällt. Es ist nur halt so, dass ich bei der Lektüre dieses Teils aufmerksamer an die Textanalyse gehe und nicht einfach sage "geile Liebesszene".
Nimm einmal den Satz "Unvorsichtig küsste Pendell die sauber ausrasierte Achselhöhle...": Hier suggerierst Du, hier bist Du als Erzähler viel weiter als Dein Leser, denn wer küsst schon "unvorsichtig", ich jedenfalls nicht. Du meinst eindeutig etwas anderes, was sich natürlich auf Pendells spätere Reaktion bezieht, das ist klar, aber der Vorgang des Küssens geschieht doch bewusst und zunächst versuchsweise genussreich, eben solange, bis Pendell den Geschmack auf der Zunge hat. Klar das ist widerlich, vielleicht aber auch nur, weil er es dann in dem Moment auch so bewusst empfinden will, weil ihn sein ganzes Tun höchstwahrscheinlich anekelt. Aber deshalb küsst er ja nicht "unvorsichtig". Vielleicht meinst Du
hier "leidenschaftlich", "wild", "kinskihaft" oder sonstwas. Du raubst dem Leser die Leerräume, glaube ich, und das ist grad bei sexuellen Darstellungen sehr schwierig. Ähnlich ist es ja auch mit der Unterhosenszene. Szenische Darstellung, klar, das ist ja das Schwierige und auch der Wechsel zum Panorama dann wieder. Natürlich muss hier Szene erfolgen, aber halt Dich noch etwas mehr zurück, lass doch Pendell einfach sein Ding tun, er wird es schon merken danach, und dann schreibst es halt auf, ganz einfach, oder?
herzlichst uis

Klammer
05.09.01, 12:12
Lieber Hannemann,
ich gebe mich geschlagen. Wer bin ich, der ich es wage, mich mit einem Koch über Geschmack zu streiten? Dazu kömmt, dass ich seit über zwanzig Jahren Vegetarier bin und seit damals keine Auster mehr versucht habe. Kann man das Zeug eigentlich ohne dominanten Weißwein ernsthaft genießen? Ich habe es als einen Schluck brackigen Hafenwassers in Erinnerung.

Lieber uis,
"unvorsichtig" stellt hier die Frage nach dem Erzähler. Nicht Pendell erzählt diese Geschichte, sondern der berühmte allwissende Erzähler, der sich hier und an anderen Stellen nicht zurückhalten kann, seine Meinung über den Autor, dem er nicht allzuviel Symphatie entgegenbringt, kundzutun. Deshalb gibt er Pendell auch der Lächerlichkeit preis.
Du hast allerdings recht: Die Liebesszene ist nicht ganz geglückt, hier und an einigen anderen Stellen muss ich nacharbeiten. Um zu erkennen, wo die Geschichte hakt, setze ich sie ja auch ins Forum und ich bin froh, dass sich zwei, drei Leute bereitfinden, mir zu folgen.

Gruß, Klammer

[Diese Nachricht wurde von Klammer am 05. September 2001 editiert.]

aerolith
13.10.01, 08:39
Unvorsichtig küßte Pendell die sauber ausrasierte Achselhöhle und bereute es sofort. Er hatte den aufregend salzigen Austerngeschmack von frischem Schweiß erwartet und erhielt statt dessen eine unangenehm trockene Seifenbitternis auf die Lippen.
"Ich hätte es wissen müssen, selbstverständlich benützt sie ein starkes Deodorant, das sie auch spät am Abend nicht verläßt. An einer Frau wie ihr ist alles künstlich. Die Haarfarbe, die Wimpern, die Fingernägel", dachte er. Sicher war er unfair, eine Frau in ihrem Alter mußte auf sich achten,Das läßt sich besser gestalten; abgesehen davon ist die Schilderung des Künstlichen bestenfalls durchschnittlich zu nennen. Hier ist Phantasie gefragt und Einblick ins Triebleben eines gesunden Präsumptiven.
dennoch ließ seine Erregung wieder nach. Pendell wischte sich angeekelt mit dem Handrücken über die Lippen, richtete seinen Oberkörper auf und lüschte das Licht der Nachttischlampe. Erst dann entledigte er sich seines Hemdes, denn er wollte seinen durch Wohlleben schwammigen Bauch verbergen.DENN-Satz streichen
Die Frau, sie hatte sich ihm mit dem Namen Mia vorgestellt, seufzte leise. Sie lag in ihrer Wäsche ausgestreckt auf seinem Hotelbett und harrte der Dinge. In keinem Augenblick hatte sie die Initiative übernommen, hatte sich aber auch nicht gesträubt.
Jetzt kam der Moment, die Hose auszuziehen, was Pendell, halb über ihr liegend, zu einer lächerlichen, akrobatischen Körperhaltung zwang. Glücklicherweise rutschte die Unterhose mit. Kurz spielte er mit dem Gedanken, auch die Socken loszuwerden, doch das hätte ihm den kümmerlichen Rest seiner Libido genommen.Guter Gedanke. Über Socken und Libido ist wahrscheinlich noch keine Abhandlung geschrieben worden.


Es war an der Zeit, vorwärts zu kommen und er konzentrierte sich auf ihren kleinen, flachen Busen. Pendell zupfte eine Warze vorsichtig mit den Zähnen. Sie richtete sich unter der Berührung auf und Mia seufzte lauter. Der Autor Warum betonst Du hier seine Funktion, nicht seine Tatsächlichkeit? Handelt hier der Autor oder der Mann, handelt vielleicht das Tier im Mann?
begann angestrengt zu nuckeln, während er eine Hand unter ihren Slip schob. Schnell bildete sich Schweiß auf seiner Stirn. Mias Finger rutschten an seinem Körper herab, über den Bauch, den er einzog, über seinen Hintern, den er spannte, wieder nach vorn. Für einen kurzen Moment hielten beide den Atem an. Er bildete sich ein, trotz der Dunkelheit einen strafenden Blick zu spüren. Resigniert drehte er sich von ihr weg, auf den Rücken, atmete schwer.
"Ich weiß nicht, was mit mir ist", stieß er zwischen den Zähnen hervor.
"Vielleicht... wenn Du ihn in den Mund..."
Mia lachte plötzlich.
"Nicht böse sein, das ist... Ich kann nichts dafür", prustete sie. Pendell hatte große Lust, sie zu schlagen. Diesen Impuls vor dem Denken könntest Du stärker thematisieren, dann müßtest Du aber hinführen.
Sein Versagen nach einem immerhin hoffnungsvollen Beginn war allerdings nicht nur auf den frustrierend mechanischen Ablauf des Beischlafversuchs zurückzuführen, sondern in der Hauptsache auf eine neuerliche Begegnung mit der lästigen älteren Frau nach seiner Lesung, als er beim Buchverkauf noch schnell ein paar Exemplare seiner Werke signierte. Das ist kein schöner Satz. Mach drei daraus und gib der alten Frau eine Chance.
Seine Eroberung Mia hatte sich bereits neben ihn gestellt und himmelte ihn an. Jetzt hab ich den Anschluß verpaßt. In welcher Erzählebene sind wir augenblicklich?
Die Aula leerte sich langsam. Nur mehr wenige Gruppen standen herum und unterhielten sich. In eine dunkle Ecke gedrückt hatte die ältere Frau auf diesen Moment gewartet. Nun kam sie unsicher näher. Sie hatte einen kleinen, untersetzten Mann im Schlepptau, der sich in ihren Rücken duckte und sich nur widerwillig von ihr an der Hand führen ließ. Pendell sah eine Konfrontation nahen, der er ausweichen wollte. noch mehr Impulsinvarianten...
Er wand sich an Parma, der gelangweilt hinter ihm stand. Wie sieht das aus?

aerolith
19.10.01, 09:52
"Fahren Sie mich zurück in die Stadt?"

Parma nickte. "Dann aber schnell; ich habe es eilig."

"Ich muß hier noch aufräumen und zum Hausmeister. Eine halbe Stunde dauert es sicher noch", zögerte Parma. zwei NOCH, außerdem scheint mir das Pferd falsch aufgesäumt.
"Wenn Sie wollen, kann ich Sie doch mitnehmen, Herr Pendell", mischte sich Mia ein. Sie hatte ihr Stichwort nicht verpaßt. Der unangenehme Abend würde ein gutes Ende nehmen. Pendell nahm Mia kurzentschlossen am Arm und zog sie zum Ausgang, ohne sich von Parma zu verabschieden. Der sah neidisch hinter dem Autor her. Doch Pendell war zu langsam. Es geht durcheinander. Die Persdpketiven verschwimmen, die Handlungsstränge disparat in ihrer Klebrigkeit. Sie hängen aneinander, gehen aber doch ausienander, ohne es wirklich zu können. Im Ergebnis bleibt ein Rhizom, ein Gedankenlabyrinth. Willst Du hier nicht mehr Klarheit schaffen? Wer geht mit wem warum wohin, wie schnell, welche Motive könnten angezeigt werden, welche typischen Merkmale tragen Deine Figuren bei ihren Handlungen, welche Reaktionen zieht das nach sich? - Das bleibt alles in der Schwebe, wird nicht genannt oder ist nicht zu erkennen, vielleicht zue rahnen, aber nicht zu erkennen.
Das ältere Paar schnitt ihm den Weg ab; er konnte ihnen nicht ausweichen. Die Frau baute sich wie eine unüberwindliche Festung vor ihm auf.

"Herr Pendell, ich möchte Ihnen meinen Mann Holger vorstellen; er ist ein großer Bewunderer von Ihnen."
Sie zerrte Holger vor den Autor. Der lächelte dumm und Pendell witterte sofort die Gefahr.
"Er hat heute Ausgang", fuhr die Frau fort. "Sie müssen keine Angst haben, er ist ruhig, wenn ich bei ihm bin."
"Bitte?"

"Holger, das Dr. Pendell." Das Fehlen des Tätigkeitswortes ist hier eine Möglichkeit, einen Menschen vorzustellen. So meine ich das, wenn ich von gestalten spreche. Also, so geht das. Doch jetzt muß der Leser mitbekommen können, warum HOLGER keine Verben braucht, um sich ins Gespräch einbringen zu können, und sei es passiv!
Holger nickte, sah sich aufgeregt um, dann beugte er sich vertraulich Vertraulich?
vor. Er sah Pendell nicht in die Augen, musterte statt dessen Mia skeptisch.

"Wir müssen reden, aber nicht hier. 'Sie' sind hier. Sie wissen ja."
"Bitte?" wiederholte Pendell. Wollten sich die beiden über ihn lustig machen? Holger kam noch einen halben Schritt näher.
"Ich habe Informationen von höchster Wichtigkeit für Sie. Ich habe eine Verbindung. Aber nicht hier, hier haben die Wände Ohren." Wenn H. so spricht, dann benutzt er sogar mehr Verben, als er es eigentlich müßte. Hab ich mich wohl zu früh gefreut. [/quote] "Wovon reden Sie denn, guter Mann?" fragte Pendell und wünschte sich weit weg. Holger nickte.
"Sie haben recht, wir reden besser nicht darüber. Stellen wir uns dumm, das ist sehr geschickt. Ich sage nur: 'Sie sind unter uns.'"

Pendell hob überrascht die Augenbrauen. 'Sie sind unter uns' war der Titel des ersten Buches, mit dem er Öffentlichkeit erreicht hatte, damals noch unter seinem alten Künstlernamen Severin McBain. Er war entsetzt, daß jemand seinen guten neuen Namen mit diesem Titel in Verbindung brachte. 'Sie sind unter uns' war ein reißerisches Machwerk über die überlebenden Nachkommen des verlorenen zehnten Planeten unseres Sonnensystems zwischen Mars und Jupiter, die, nachdem sie ihn selbst zerstört hatten, nun seit Jahrtausenden unerkannt auf der Erde lebten und die Menschheit konspirativ unterwanderten, um sie zu vernichten. [/quote] Nicht sehr erfolgreich, wie mich dünkt, wenn sie in Jahrtausenden noch nichts erreichten.
Pendell war sehr jung gewesen, als er dieses Buch geschrieben hatte. Damals war er ein völlig erfolgloser Science-Fiction-Autor gewesen, das GEWESEN überdenke
der nur mal ein paar Kurzgeschichten in verschiedenen 'Fanzines' untergebracht hatte. Mit 'Sie sind unter uns' hatte er umgesattelt, hatte einfach den Plot seines ersten Romanes in einen pseudowissenschaftlichen Reißer verwandelt und was dem Roman versagt blieb, gelang dem 'Sachbuch'. Er war in eine Marktlücke gestoßen und fand einen interessierten Verlag.

Das Buch verkaufte sich ordentlich. Pendell fand Obhut bei einem intelligenten, ausreichend skrupellosen Lektor, der sein Nestor wurde, mit ihm arbeitete und aus ihm Dr. phil. Eraban Severin Pendell machte, den bedeutenden populärwissenschaftlichen Sachbuchautor. Den Dr. hatte er übrigens vom Searscollege in Milwaukee/Wisconsin gegen eine üppige Spende verliehen bekommen.
Plötzlich mit seiner unrühmlichen Vergangenheit konfrontiert zu werden, paßte dem Autor nicht. Sollte er abstreiten, dieses Buch geschrieben zu haben? Holger nickte ihm verschwörerisch zu und nahm wieder demütig seinen Platz im Rücken seiner Frau ein. Pendell öffnete den Mund, um etwas Geistreiches zu sagen, aber ihm fiel nichts ein. Mia, seine attraktive Begleiterin, lachte auf, doch ein böser Blick der älteren Frau ließ sie verstummen. HATTE in einem oberen Satz; die Idee mit dem skruopellosen Autoren gefällt mir, doch machen Lektoren so etwas nicht, wohl aber Agenten; Lektoren lesen nur und mäkeln, haben aber in der Regel keine marktorientiert ausgerichteten Ambitionen, in der Regel → dafür gibt es Verleger und anderes Kroppzeug

Wir sind bald durch!
erstellt von Klammer: "Da sehen Sie, was Sie und Ihre Kollegen aus ihm gemacht haben." Sie strich Holger zärtlich durch das schüttere, wirre Haar. "Er war zwanzig Jahre lang ein guter Mann. Dann hat er dieses Buch von Ihnen in die Hände bekommen und dann noch viele weitere von Ihnen und von Däniken und Buttlar. Ich dachte, das ist nur eine Marotte und vielleicht nicht die schlechteste. Ich dachte, Lesen bildet. Dann hat er sich verändert. Zuerst habe ich es nicht bemerkt. Er wurde krank, konnte nicht mehr arbeiten. Er zog sich von mir zurück. Dann hat er versucht, unsere Tochter zu töten. Er war der Meinung, ein Wesen aus einem UFO hätte ihren Geist durch seinen ersetzt; er wollte sie erwürgen."
Eine längere Pause entstand.
"Das ist ja schon furchtbar, aber..."
"Seit damals ist er in der Anstalt. Es war eine schlimme Zeit." Sie schob Holger wieder nach vorn. "Da sehen Sie, was Sie aus ihm gemacht haben. Schauen Sie ihn sich an."
Holger lächelte höflich.
"Sie sind unter uns", flüsterte er. Pendell schloß die Augen und wünschte sich erneut an einen anderen Ort. Die Teleportation gelang ihm nicht. Ein Loch der Peinlichkeit tat sich vor ihm auf. Der Zeitpunkt für einen schnellen Entschluß war gekommen.
"Das ist zwar höchst ärgerlich...", sagte er. 'Aber nicht für mich', zitierte er Wilhelm Busch in Gedanken weiter. Er fuhr allerdings anders fort:
"Für die psychische Labilität Ihres Mannes ist jedoch nicht meine Literatur verantwortlich zu machen." Er zog Mia mit sich zur Seite.
Diesmal wollte sich die ältere Frau nicht abschütteln lassen. Sie machte die Bewegung mit, ihren Mann stehenlassend, der ein paar unverständliche Worte murmelte.
"So kommen Sie mir nicht schon wieder davon! Ist das alles, was Sie dazu zu sagen haben?"
Pendell atmete scharf aus und sah sich hilfesuchend um. Mia legte den Kopf schief und beobachtete ihn aufmerksam. Sie erwartete offenbar gespannt seine Entscheidung. Parma näherte sich aus einer Ecke des Saales. Er hatte endlich bemerkt, daß sein Autor in Unannehmlichkeiten geraten war. Pendell winkte ihm und der Vertreter der VHS beschleunigte seinen Schritt.
"Ich werde belästigt, würden Sie bitte...?" Bis auf einige Rechtschreibschnitzer hab ich an diesem Ausschnitt nix zu bemängeln; vielleicht könntest Du einige Adversativa streichen bzw. durch Umschreibungen ersetzen, dann wäre ich schon ein sehr viel glücklicherer Mann.

auf zum kühnen Rest, den mach ich tun:
erstellt von Klmmer: Beflissen drängte sich Parma zwischen die beiden Paare, die Arme beschwichtigend ausgebreitet. Eignet sich hier nicht. Die Schärfe wird nicht geschmort, die Tatsache des Ausdriftens nimmt den Leser hier auf die welken Schwingen. Der Mann sollte belassen, nicht bewertet sein.
Diese Geste stand dem großgewachsenen Mann gut. Er wirkte einschüchternd. Pendell nutzte Parmas Rücken zur Flucht. wohl kaum
Er vermied es, sich noch einmal umzusehen, obwohl er hörte, wie die ältere Frau nun zu weinen begann. Er ließ sich von Mia in ihrem Combi Hat das irgend eine Bedeutung, daß es ein Combi ist? Wenn ja, dann möchte ich das wissen. [/quote] in ein Nachtcafe fahren. Während er flirtete, trank er zu seinem Espresso drei Cognac, um die unerfreuliche Szene zu vergessen.[/quote] Du neigst zu überflüssigem Erklären. Laß dem Leser eine Chance. Er muß Spielraum bekommen, sich in Deinem Text versenken, sich in Deinen Text versenken zu können.
Es gelang ihm nicht.
Jetzt, spät in der Nacht, lag er neben Mia in seinem Hotelbett und hatte das verhärmte Gesicht der älteren Frau vor Augen, in deren Blick nicht nur der verzweifelte Wunsch nach Hilfe stand, sondern auch Zorn und Haß. Aber er konnte nicht helfen, er trug keine Verantwortung. Dennoch nagten Gewissensbisse an ihm.
Pendell ballte eine Faust. Er wußte, gleich würde es Mia leid sein und gehen. Ihm mußte schnell etwas einfallen, um auf Touren zu kommen. siehe vorige bemerkung; außerdem mißfällt mir hier eine Verplattung des Inhalts
Doch sie überraschte ihn: Er spürte plötzlich, wie die Frau ihn auf den Bauchnabel küßte, mit nasser Zunge nach unten rutschte. Scheinbar hatte sie sich doch dazu durchgerungen, auf seinen Vorschlag einzugehen und die Initiative zu ergreifen. Sie begann sich intensiv mit seinem schlaffen Geschlecht zu befassen, aber ihr Erfolg war nur gering. Pendell krallte die Hände in den Bettbezug. Wo war sie hin, seine Lust vom Abend, als er das Gemälde auspackte?
Siedend heiß fiel ihm das Bild ein, wie eine Vision leuchteten die Farben vor seinem inneren Auge. Gleichzeitig kehrte die Lust mit Macht zurück und Mia bekam plötzlich einiges zu schlucken. Mit einer hektischen Drehung entkam er der zärtlichen Umklammerung.
"Warte!" rief er erregt.
"Warte!" und stürzte aus dem Zimmer. Mia sah ihm verständnislos hinterher.
Euphorisch trug Pendell sein Ölgemälde wie im Triumph in den Raum, machte mit dem Ellenbogen Licht, stellte den Rahmen auf das Bett. Mia setzte sich blinzelnd auf und sah ihm schweigend zu. Sie mochte einiges gewohnt sein, denn Pendells Verhalten schien sie nicht aus der Fassung zu bringen. Die Szene hat schon etwas Makabres. Ich seh einen Haufen traumatischen Rests die Wände beflecken. Mehr nicht. Leidenschaft? Kaum. Streich diese Szene! Sie ist nicht zu retten, die Konstruktion ist mißlich.
Nichts erschien dem Autor nun an seiner nur mit Socken bekleideten Erscheinung und seinem Wohlstandsbauch lächerlich, viel zu beschäftigt war er mit seiner Idee. SCHIEN? Die Sonne scheint. Einem Autoren erscheint etwas, aber beschieden ist dem Geiste nur die Einfalt. Amen.
Stark erregt richtete er das Bild günstig gegen einen Bettpfosten, dann kniete er sich hinter Mia, betrachtete das Gemälde, während seine Hände wanderten und an ihrem Slip zerrten.
"Merkst Du es?" keuchte er ihr ins Ohr. "Fühlst Du diese Ausstrahlung!"
Er drängte sie nach vornüber in die Hocke, schob ihr energisch den Slip herab. Es war nicht gerade Mias bevorzugte Stellung beim Geschlechtsverkehr, aber sie war viel zu erstaunt, um sich zu wehren. Sie sah verblüfft auf die belanglos bunte Waldlandschaft, während Pendell gierig in sie drang und überstürzt zu Ende kam.
"Merkst Du es?" ächzte er. "Das Bild!"
Mia war versucht, mit den Schultern zu zucken, doch in ihrer Stellung war ihr das nicht möglich. So schüttelte sie nur sanft und enttäuscht den Kopf. Der untere Teil ist besser; vielleicht ziehst Du die beschreibung vor und läßt das Eigentliche im Dunklen.

Klammer
28.10.01, 11:40
[..]

du arbeitest jetzt weiter am Text? Es soll mir recht sein[..] Für die meisten Bemerkungen bin ich natürlich dankbar.
Aber du konfrontierst mich auch folgerichtig wieder mit deinem Lieblingsargument gegen meine Texte, nämlich dem, ich würde zu viel beschreiben und dem Leser zu wenig eigenes Denken und Vorstellen übrig lassen. Nun, das mag vielleicht wahr sein. Ich habe auf dieses Argument schon häufig hier im Forum geantwortet. Von den meisten Mitgliedern höre ich keine Kommentare zu meinen Texten, deshalb weiß ich nicht, wie subjektiv dieses Empfinden ist. Kyra und Uisgevoid zumindest waren in Gegensatz der Auffassung, ich würde in dieser Geschichte zu wenig beschreiben beziehungsweise ausmalen.
Dann fragst du mich nach dem Combi von Pendells blonder Versuchung. Er steht hier unbeschrieben, weil ich dem Leser eigenes Denken und Vorstellen übrig lassen wollte. Einen Combi fahren heißt unter anderem, denn er spiegelt auch eine Lebenseinstellung wieder: Mia ist verheiratet, sie hat mindestens ein Kind, sie wohnt nicht in der Stadt.
Also traue ich dem Leser mal zu wenig und mal zu viel zu. Nun, was zu beschreiben ich für notwendig erachte, ist immer das, was ich selbst gerne erklärt bekäme, wenn mir jemand diese Geschichte erzählt. Und genau das mache ich übrigens, wenn ich schreibe: Ich erzähle mir selbst diese Geschichte und ich bin dann mit ihr zufrieden, wenn ich die Personen und die Handlung begriffen habe.

Gruß, Klammer

Sehen wir uns näWochenende in Bad Füssing?

uisgeovid
28.10.01, 12:13
Hochinteressant! Ich dachte bei Combi auch an folgende Konstellation: Mia ist, wie alt auch immer, Single oder so, fährt einen sportlichen kleinen Combi, weil sie die extra Ladefläche für ihre Golfutensilien braucht und manchmal auch legt sie den Sattel für ihr Pferd dort hinein, wenn er zur Reparatur war.
Ich will damit sagen, dass es höchst willkürlich mir erscheint, was ich bei Combi denke. In Deinem Fall, lieber Klammer, habe ich, ehrlich gesagt, bei Combi erstmal an gar nichts Besonderes gedacht, weil es mir nicht wichtig erschien.
Nun zu Deinem letzten Beitrag auf etwas allgemeinerer Ebene. Ich verstehe Deine Argumentation nur zu gut, lieber Klammer. Ich möchte auch nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt mehr an Deinem Erzählstil bezüglich der Ausschmückungen oder Weglassungen herummäkeln, ganz einfach weil Du beispielsweise die Pendell-Geschichte für meinen Geschmack noch gut erzählt hast. Ich glaube schon, dass Du ein relativ sicheres Gespür für Dein eigenes Erzählen hast. Das hindert Dich natürlich nicht an Weiterbildung, das ist klar. Deshalb hab ich mich sozusagen schon in Deinen Stil eingelesen und nehme Dir das erstmal so ab. Wenn es natürlich zu grob und heftig kommt, dann kannst Du Dich darauf verlassen, dass ich schon noch meckern werde.
Noch etwas zum Thema Erzählen und Beschreiben:
Ich habe gerade "Ein Regenschirm für diesen Tag" von Genazino gelesen. So kann man auch erzählen! Spannende Genauigkeiten gelingen ihm, die anderswo als gähnende Langeweile sich darstellen müssten. Warum ist es ein gelungenes Werk? Verdammt, der Mann kann schreiben. Bei Genazino wird aus Einfachem Komplexes und Komplexes stellt er einfach dar. Der Leser wird zusätzlich fast auf jeder Seite von sprachlichen Bildern gefesselt und mit ihnen belohnt.
Im übrigen schicke ich mehrere meiner alter egos auf die Reise, also uis kommt, -ge- auch und ovid erst recht. Wir sehen uns.
herzlichst uis

Klammer
28.10.01, 18:56
Das war mal eine wirklich interessante Antwort, mein lieber uisgeovid.
Sich mit den Anonyma dieses Forums zu unterhalten, ist schwer. Ich weiß nie, mit wem ich spreche... ich sollte mich auch mal unter einem anderen Namen anmelden und vielleicht mal die Sünde begehen und ein Gedicht setzen. Mich würde interessieren, ob man mich entlarven würde.

Also Genazino...
Ich kann mich erinnern, dass ich vor etwa zehn Jahren einen Roman von ihm gelesen habe, der "Abschaffel" hieß und sich um die Leiden eines Büromenschen drehte. Ich weiß nicht mehr, worum genau es in dem Buch ging, ich habe die Handlung vollkommen vergessen. Ich weiß aber noch, mir gefiel das Buch und nicht zuletzt die Sprache. Ich kann mich an die Emotionen erinnern, die das Buch in mir erzeugte. (Vielleicht ist dies das höchste Kompliment, das man einem Text machen kann.) Ich fühlte damals eine Seelenverwandschaft und wünschte mir, ich könnte ähnlich schreiben.
Es ist mir sehr interessant, ihn jetzt wieder mit mir im Zusammenhang gebracht zu sehen. Genazino ist ziemlich genau zwanzig Jahre älter als ich. Ich hoffe, wenn ich sein Alter erreicht habe, kann ich auch solche Geschichten schreiben ("Eismann" war ein Versuch in diese Richtung, "Freunde wie Feinde" ebenfalls).
Tatsächlich und das wird dich jetzt sicherlich nicht überraschen, lese ich aus Überzeugung praktisch keine Zeitgenossen mehr. Vielleicht ist das falsch, ich mache es in erster Linie deshalb, weil ich mich nicht von ihnen beeinflussen lassen will und weil ich festgestellt habe, dass ich sie nicht vorurteilsfrei (Ein Schriftsteller ist des anderen Wolf) lesen und genießen kann. Wenn ich meine "Kollegen" lese, bin ich wie ein Koch, der isst.

Bis bald,
Klammer