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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Keltischer Hilfeschrei... und diesmal ganz ernsthaft



Hannemann
30.05.01, 22:05
Hoch im Wissen eingeschätzte Forumatiker,
für eine Veranstaltung der "InnMusen", ein Euch schon bekannter Kulturverein, dem ich die Ehre habe vor- oder nachsitzen zu dürfen, suche ich die vollständige Übersetzung eines Gedichtes von Taliesin dem Barden mit dem Titel "Der Kampf der Bäume"; manchmal auch als "Krieg der Büsche" bezeichnet. Ich erlaube mir, am Ende meiner Bitte eine Textprobe anzufügen... aber ich habe leider nur Fragmente.
In einer verlassenen, kahlen Kirche wollen wir aus Licht, Musik und dem gesprochenen Wort eine Harmonie des keltischen Zaubers entstehen lassen, und füdas vorgetragene Wort bilde ich mir g'rad eben dieses Epos ein. Wer kennt das Werk und wer kann mir weiterhelfen? Und bitte nicht im stolzen Sinn von Taliesin: "Ich bin ein Barde, ich werde Geheimnisse nicht vor Sklaven ausbreiten."

Der Weißdorn, mit Stacheln bewehrt,
sticht in die Hände,
die zitternde Espe schneidet die Köpfe ab
und wird selbst im Getümmel gelichtet.
Das Farnkraut sieht sich zertreten,
der Ginster allen voran
wurde im Graben verwundet,
der Stechginster nicht verletzt,
wiewohl man ihn überall antrifft.
Das Heidekraut ist indes siegreich
da es sich allseits zu hüten versteht.

Die Glockenblumen, die blauen,
müssen das Schlimmste erleiden.
Zertreten werden die einen,
die anderen völlig geknickt.

Ich bedanke mich schon jetzt für die Mithilfe, vielleicht können wir den Gewinn des laufenden Wettbewerbs, die zehn Tage in Bad Füssing, so legen, daß der Sieger dem Ereignis beiwohnen kann.
Hannemann

Achtpanther
30.05.01, 22:35
viel ist es nicht... Hast Du das Buch „die weisse göttin“ gelesen? Dort soll es eine Erläuterung des Gesanges geben.

CAD GODDEU
(Die Schlacht der Bäume)
Ich war in vielen Gestalten,
Bevor ich die passende Form fand.
Ich war die schmale Klinge des Schwerts.
(Ich werde es glauben, wenn es erscheint.)
Ich war ein Tropfen in der Luft.
Ich war ein leuchtender Stern.
Ich war ein Wort in einem Buch.
Ich war zu Anfang ein Buch.
Ich war ein Licht in einer Lampe.
Ein und einhalb Jahr.
Ich war eine Brücke zum überschreiten
von dreimal zwanzig Flüssen.
Ich bin gereist als Adler.
Ich war ein Schiff auf dem Meer.
Ich war der Führer in einer Schlacht.
Ich war das Band an eines Kindes Wickeltuch.
Ich war ein Schwert in der Hand.
Ich war ein Schild im Kampf.
Ich war die Saite einer Harfe,
Verzaubert für ein Jahr
In die Gischt des Wassers.
Ich war ein Schürhaken im Feuer.
Ich war ein Baum im Dickicht.
Nichts gibt es, was ich nicht gewesen.
Ich kämpfte, wenngleich klein,
In der Schlacht von Goddeu Brig,
Vor dem Herrscher von Britannien,
Reich an kämpfenden Rotten.
Mitteltmäßige Barden lägen,
Lügen von einem gewaltigen Untier,
Mit einhundert Köpfen,
Und von einem schrecklichen Kampf
Unter der Zungenwurzel.
Und einem anderen Kampf
Hoch hinter der Stirn.
Eine Kröte, an deren Arm
Einhundert Krallen,
Eine gefleckte, kammbewehrte Schlange,
Die an ihrem Fleisch straft
Einhundert Seelen für ihre Sünden.
Ich war in Caer Fefynedd,
Dorthin eilten Gräser und Bäume.
Wanderer erblickten sie,
Krieger erschraken
über die Wiederkehr der Konflikte,
Die Gwion ausgeheckt.
Es tönt ein Ruf zum Himmel,
Zu Christus, auf daß er
Ihre Erlösung wirke,
Der allmächtige Herr.
Und wenn der Herr antwortete,
Durch Zauber und magisches Wesen,
So nehmt an die Formen der wichtigsten Bäume,
In euren Reihen
Haltet zurück alle,
Die unerfahren im Kampf.
Als die Bäume verzaubert wurden,
Da war Hoffnung für die Bäume,
Auf daß sie die Absicht vereitelten
Der sie umringenden Feuer...
Besser sind Drei im Einverständnis,
Wenn sie sich im Kreis vergnügen,
Und einer von ihnen erzählt
Die Geschichte der Sintflut
Und vom Kreuz Christi
Und vom Tag des Gerichts, das nahebei.
Die Erlen in der ersten Reihe,
Sie führten den ersten Sturm.
Weide und Heckenbusch waren.
Langsam in der Schlachtordnung.
Die Pflaume ist ein Baum,
Nicht beliebt bei den Menschen;
Die Mispel ist von ähnlicher Art,
Und erträgt schwere Mühsal.
Die Bohne birgt in ihrem Schatten
Ein Heer von Gespenstern.
Die Himbeere gibt
Nicht die beste Nahrung.
Im Verborgenen blühen
Liguster und Geißblatt,
Und der Efeu in seiner Jahreszeit.
Groß ist der Stechginster in der Schlacht.
Der Kirschbaum ward getadelt.
Die Birke, obzwar sehr edelmütig,
Trat zu spät in die Reihen;
Es geschah nicht aus Feigheit,
Sondern wegen ihrer Größe.
Das Auftreten des...
Ist das eines Fremden, eines Wilden.
Die Tanne auf dem Hof,
Stark in der Schlacht,
Von mir allzu sehr gepriesen
In Gegenwart von Königen,
Die Ulmen sind ihre Untertanen.
Er weicht keinen Fußbreit zur Seite,
Sondern schlägt mittendrein
Und am äußersten Ende.
Und der Haselstrauch ist der Richter,
Seine Beeren sind Eure Mitgift.
Der Stechginster ist gesegnet.
Starke Häuptlinge im Krieg
Sind die.., und der Maulbeerbaum.
Wohlhabend die Buche.
Die Steineiche dunkelgrün,
Sie war sehr mutig:
Mit Stacheln bewehrt an allen Seiten,
Die Hände verwundend.
Die ausdauernden Pappeln,
Sehr oft gebrochen im Kampf.
Der ausgeplünderte Farn;
Der Besenginster und seine Kinder:
Der Stechginster benahm sich wüst,
Bis er gezähmt ward.
Das Heidekraut spendete Trost,
Die andren versöhnend.
Der Schwarzkirschenbaum nahm die Verfolgung auf.
Die schnell schreitende Eiche,
Vor ihr zittern Himmel und Erde,
Mannhafter Wächter gegen den Feind,
So lautet ihr Name in allen Landen.
Die Kornrade, zum Ballen gebunden,
Wurde dem Feuer übergeben.
Andre wurden abgewiesen
Wegen der Lücken, geschlagen
Durch große Gewalt
Auf dem Schlachtfeld.
Sehr zornig die Grausam die düstere Esche.
Schächern der Kastanienbaum,
zurückweichend vor dem Glück.
Es wird eine schwarze Dunkelheit sein,
Es wird ein Beben der Berge sein,
Es wird ein reinigendes Feuer sein,
Es wird zuerst eine große Flut sein,
Und wenn der Ruf gehört werden wird
Treiben die Wipfel der Birke neue Blätter,
Ihre Form verändernd und
aus ihrem welken Zustand verjüngt;
Verflochten sind die Wipfel der Eiche.
Aus dem Gorchan des Maelderw.
Lächelnd an der Felswand
(War) der Birnbaum, nicht von hitziger Art.
Nicht von Mutter noch Vater
War, als ich gemacht,
Mein Blut oder Körper;
Aus neun Arten von Eigenschaften,
Aus Früchten von Obstbäumen,
Aus Obstbäumen hat Gott mich geschaffen,
Aus der Blüte der Bergprimel,
Aus den Knospen der Bäume und Büsche,
Aus der Erde von irdischer Art.
Als ich gemacht ward
Aus den Blüten der Nessel,
Aus dem Wasser der neunten Welle,
Ward ich verzaubert von Math
Bevor ich unsterblich wurde.
Ich ward verzaubert von Gwydion,
Dem großen Zauberer der Briten,
Von Eurys, von Eurwn,
Von Euron, von Medron,
In Tausende von Geheimnissen,
Ich bin so gelehrt wie Math...
Ich weiß von dem Kaiser,
Als er halb verbrannt ward.
Ich habe Kenntnis von Sternen,
Von Sternen bevor die Erde (gemacht war),
Von wannen ich geboren,
Wie viele Welten sind.
Es ist der Brauch verdienstvoller Barden,
Das Lob ihres Landes zu singen.
Ich habe gespielt in Lloughor,
Ich habe geschlafen in Purpur.
War ich nicht im Burgfried
Mit Dylan Ail Mor,
Auf einem Sitz im Mittelpunkt
Zwischen den Knien des Fürsten,
Auf zwei stumpfen Speeren?
Als vom Himmel
Die Sturzbäche herab
In die Tiefe
Rauschten mit gewaltiger Kraft.
(Ich weiß) vier mal zwanzig Lieder,
Ihnen Vergnügen zu spenden.
Da gibt es keinen, ob alt oder jung,
Außer mir, und ihre Gedichte,
Kein anderer Sänger kennt die ganzen neunhundert,
die mir bekannt,
Betreffend das blutfleckige Schwert.
Die Ehre ist meine Führerin.
Nützlich ist von dem Herrn zu lernen.
(Ich weiß) vom Schlachten des Ebers,
Seinem Erscheinen, seinem Verschwinden,
Seiner Kenntnis der Sprachen.
(Ich kenne) das Licht, dessen Name ist Glanz,
und die Zahl der regierenden Lichter,
Die Feuerstrahlen verbreiten
Hoch über der Tiefe.
Ich war eine gefleckte Schlange auf einem Berg;
Ich war eine Natter in einem See;
Ich war einst ein böser Stern;
Ich war ein Gewicht in einer Mühle.
Mein Mantel ist ganz und gar rot.
Ich künde kein Unheil.
Viermal zwanzig Rauchwolken
Für jeden, der sie forttragen mag:
Und eine Million Engel
Auf meines Messers Spitze.
Gefällig ist das gelbe Pferd.
Aber hundertmal besser
Ist ein milchfarbener Falbe,
Schnell wie die Seemöwe,
Die mich nicht einholen kann
Zwischen dem Meer und der Küste.
Bin ich nicht überragend auf dem Blutfeld?
Hundertmal habe ich Anteil am Raub.
Mein Kranz ist von roten Juwelen,
Golden ist der Saum meines Schildes.
Es ist keiner geboren, so gut wie ich,
Oder je gekannt,
Außer Goronwy,
Aus den Tälern von Edrywy.
Lang und weiß sind meine Finger,
Lang ist es her, seit ich ein Hirte war.
Ich reiste über die Erde,
Bevor ich ein Weiser ward.
Ich bin gereist, ich wanderte im Kreis,
Ich schlief auf hundert Inseln;
Ich wohnte in hundert Städten.
Gelehrte Druiden,
Kündet Ihr von Arthur?
Oder bin ich es, den sie feiern,
Und die Kreuzigung Christi,
Und den Tag des Gerichts, nahebei,
Und einer erzählt
Die Geschichte der Sintflut?
Mit einem goldnen Juwel, gefaßt in Gold
Bin ich geschmückt;
Und ich fröne der Lust
Aus der drückenden Mühsal des Goldschmieds.

---------------------------
alternatives Fragment:

Ich erinnere mich genau:
In einer Vielzahl von Formen erschien ich,
bevor ich meine endgültige Gestalt annahm.
Ich war eine schlanke, vergoldete Lanze,
ihren Glanz sehe ich noch vor mir,
ich war ein Regentropfen in den Lüften,
ich war der fernste der Sterne,
ich war ein Wort in der Botschaft,
vorher war ich noch Buch,
ich war Licht der Lampe.
Eineinhalb Jahre war ich eine Brücke
über dreimal zwanzig Mündungen.
Ich war Weg,
ich war Adler,
ich war Fischerboot auf dem Meer,
ich war Festmahl,
ich war Tropfen im Regenguß,
ich war Schwert in der Umklammerung der Hände,
ich war Schild in der Schlacht,
ich war Saite einer Harfe,
und das neun Jahre lang.
Im Wasser,
im Schaum war ich Schwamm,
im Feuer war ich Scheit
geheimnisvollem Holz
Auf den Bergeshöhen war
ich eine gesprenkelte Schlange,
ich war Otter im See,
ich war ein Komet
ich habe unter meinen Schenkeln
sechs falbe Rosse niedergeritten.
Aber hundertmal besser ist mein Pferd Melygan:
Es ist sanft wie ein Meeresvogel,
der niemals den ruhigen Strand verläßt.
Ich war der Held mitten unter hundert Anführern.
Rot ist der Stein meines Gürtels
und mein Schild ist goldumrandet
Lang und weiß sind meine Finger.
Die Zeit, wo ich Hirte war,
ist längst vorbei.
Lang irrte ich auf Erden,
bevor ich Wissen erlangte.
Ich irrte umher,
ich schlief auf hundert Inseln,
ich trieb mich an hundert Orten umher
-----------------------------------------

Hannemann
31.05.01, 12:27
Herzlichen Dank für Deine Mühe!, doch ich bin mir nicht sicher, ob es das schon ist - einen Teil kenne ich als "Wanderungen", Seelenwanderungen sind wohl gemeint; ich glaube vielmehr, daß Deine Version eine spätere Aufarbeitung des ursprünglichen "Kampf der Bäume" ist.
Kannst Du mir den Autor der "Weissen Göttin" nennen?

Noch eine Textprobe:

Alsbald sind sie in Bäume verwandelt.
Voll Sehnsucht wieder zu Menschen zu werden,
erheben sie ihre Stimme
in schwebender Harmonie
inmitten der Kämpfe.

Die Erlen an der Spitze der Truppe
bilden die Vorhut,
Weiden und Ebereschen
mischen sich im Gefolge.
Die Pflaumenbäume, die raren,
erstaunen die feindlichen Mannen.

Hannemann

rodbertus
05.06.01, 17:26
Wie wollt ihr diese Aneinanderreihung mystischer Vorstellungen heute verständlich machen?

Manchmal dürfte weniger mehr sein. Besteht nicht die Gefahr, daß es heillos wird?

aerolith
12.06.01, 20:16
Nanu, keine Keltomania?
ich liefre mal ein paar Worte, die ich fand bei McManus (1991): a guide to Ogam (maynooth monographs, 4)



beithe - Birke
luis - Flamme; auch Pflanze
fern - Erle
sail - Weide
nin - Gabel, auch Speicher
hUath - Angst
dair - Eiche (?)
muin - Hals; auch Liebe und List
gort - Feld; auch Garten
nGetal - Tötung
tinne - Spitzbarren
coll - Haselstrauch
qCert - Busch; Eiche (?)
zStraif - Schwefel
ruis - Röte
ailm - Alpha (ein Baum)
onn - Esche
ur - Erde; auch Lehm


Dient der Urbarmachung neuen Gewortes. Vielleicht schreibt einer ein Gedicht?!

Achtpanther
02.07.01, 14:27
Ein bißchen neugierig bin ich ja doch - Hannemann, welche Fortschritte macht Dein Projekt?

Hannemann
02.07.01, 15:59
Ich hab die Musik und das magische Licht. Was mir noch fehlt, ist die geeignete Kirche ohne Säulen, und das vollständige Gedicht. Doch erst einmal Urlaub, und dann wird sich alles fügen. Danke Dir für die Anfrage, ich werde das Forum selbstverständlich auf dem laufenden halten.

Blaue Blume
02.07.01, 16:59
Männertreu...

Hannemann
05.07.01, 00:51
Männertreu? Das ist nicht schwierig: Röte der Gemütsruhe, Spitze im Fleisch, Tilgung der Scheu, Nahrung der Dichtung, Schmeichel der Wissenschaft, Kunst für jeden Mund, Verbreitung der Erkenntnis, Entsagung des Wortes in einem kleinen Zimmer, Vieh des Weisen, Fülle der Lehre, Köstlichkeiten des Königs, gut bearbeitete Legenden.....und das Wissen, wo Hannemann abschreiben muss.

aerolith
16.07.01, 11:06
Buchtip: Friedrich Schlette: Kelten (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=kelten)zwischen Alesia und Pergamon

- fiel mir beim Umzug in die Hände und wird ins wiki eingearbeitet


Der stilisierte Diskurs der keltischen Barden nach Poseidonius (V,31):
Wenn die Kelten zusammenkommen, sprechen sie wenig mit Worten und in Rätseln, indem sie meist dunkel auf Dinge hinweisen und ein Wort verwenden, wenn sie ein anderes meinen.

Das kennen wir doch von einigen Nichtregistrierten!

Um sich selbst zu erhöhen und alle anderen herabzusetzen, lieben sie es, in Superlativen zu sprechen. Sie sind ruhmredig und drohen gern und lieben eine bombastische Sprache.

Hannemann
07.08.01, 17:37
Der fleißigen Sekretärin Charlotte meinen unterschwellig schuldigen Dank. Süße gälische Laute klingen und schwingen in meinem bescheidenen Haus, finden ihren Widerhall in dem unversuchten, unversauten Jünglingsherz! des geneigten Lauschers.
Dir, Lottchen, zur Freude ein Poem des liederlichen Barden Dafydd ap Gwilym:

Gott gab dir eine blütenweiße Stirn
und rotgoldenes Haar
wie züngelnde Flammen.
Dein schlanker Hals, dein Busen,
rund und voll, deine Wangen,
sonnig gerötet.
Brauen hast Du Londonschwarz,
Augen voller Licht,
eine süße Mädchennase
über deinem Lächeln der fünf Freuden -
und dein lieblicher Körper,
der meinen Glauben versucht...

Komm in die Berge, meine Schöne,
wo unser Bett sein soll, hoch droben
unter den jungen Birken
auf einem Teppich von grünem Laub,
umrahmt von schimmernden Farnen,
sicher vor dem Regen
unter einer Decke aus Ästen.



Dieses Gedicht wurde am 07.08.2001 von Hannemann, Wiedergeburt des Barden Taliesin, für Charlotte zur Leier gesungen.

Paul
07.08.01, 21:58
Robert von Ranke-Graves, übrigenz,
rororo,
S.33... -
Sprache des Mythos...
hat ich heut schon in den händen, wat ein zufall...

aerolith
10.08.01, 16:58
Liste der heroisch-kriegerischen Namenwelt der Kelten:

keltische Bezeichnung deutsche Entsprechung
Ande-broci-rix Großkönig des Gaues
Atepo-maros der groß an Pferdestärke ist
Bio-tekos der beim Zulangen schön ist
Brogi-maros der im Gau Große
Cata-mantal-oedes der, dessen Größe in der Schlacht liegt
Cato-mocus Kampfeber
Cluto-maros der groß an Ruhm ist
Cobro-mara die groß in der Hilfe ist
Dago-durnus der gut mit der Faust ist
Ec-ritu-rix der den Angriff führt
Eni-boudios den Sieg in sich habend
Ex-obnos ohne Furcht
Litu-maros groß an Festen
Magu-rix Herr der Jungkrieger
Meddu-gnatus der mit Met Vertraute
Miletu-maros der groß in der Zerstörung ist
Namanto-bogios Vernichter der Feinde
Nerto-valos durch Kraft mächtig
Orgetu-rix Der Feind-Totschläger
Rectu-genus der Rechtmäßige
Sego-maros der groß an Sieg ist
Seno-condus der den Verstand des Alten hat
Teuto-boduus der fürs Volk kämpft
Touto-divix das Volk rächend
Uro-geno-nertus stark wie ein Auerochsenabkömmling
Ver-cingeto-rix oberer König der Krieger
Ver-com-bogios Großvernichter


Hatten und haben wir nicht immer noch dieses Problem mit den fakes? Hier ist eine Liste, die neue Namen fürs Forum birgt. Wer wollte nicht wenigstens einmal heißen wie Eni-boudios ? Wenigstens furchtlos streiten wir wider den Tod in uns..

aerolith
03.10.01, 22:13
Ergänzung keltischer Bardenkunst durch Benjamin Britten in einem Singsang namens marsh flowers
erstellt von Benjamin Britten:Hier schlägt der kräftige Eibisch seine schleimige Wurzel.
Hier läßt die matte Tollkirsche ihre tödliche Frucht hängen.
Auf den Sandhügeln ist das ausgeblichene Grün des Bilsenkrauts zu sehen, mit seiner Blume von widerwärtig süßem Duft.
Hier, auf drahtigem Stiel, wächst der salzige Lavendel ohne Duft.
Unter der Mauer springt die feurige Brennessel hervor,
mit runden Früchten und giftigen Stacheln.
In jeder Spalte wächst das Farnkraut gern,
mit glänzenden Blättern und gelbbraunen Blüten darunter;
die wenigen matten Blumen, die hier verteilt sind,
sind eines Wesens mit ihrem sumpfigen Bett -
Diese, zusammen mit dem Seetang,
der mit den Wellen auf und ab geht,
bilden die eingeschränkte Flora unserer Stadt.

Hannemann
04.10.01, 00:00
So ein feurig Mann Kümmernisse mit dem Betragen seines nackig Weib hat, gebe er reichlich Samenkörner vom Bilsenkraut in heißen Wasserdampf und soll die Nackige darüber husten lassen. Er wird alsbald zufrieden sein.
Na dann gute Nacht.

hootch
10.10.01, 19:43
Auch ein Sud von Blättern der Belladonna, auf die Schöne gerieben, ließ Nacktschatten schon transzendieren - was man im Botanischen Garten zu Highdelberg so alles lernt!

Marina
16.10.01, 16:25
Gleichermaßen kann eine Gazellenfrau eine Mischung aus Honig, den geriebenen Wurzeln des blauen Lotos, der Krapp-Pflanze und der Shorea Robusta verwenden, um für eine Nacht einen Hengst in sich aufzunehmen.

Hannemann
16.10.01, 18:28
Ein Hengst, ein Pferd!
Wird das nicht zu schwer?

Obwohl, ein Pferd heißt Pferd, weil es abfährt...auf der blauen Lotosblume.

Paul
17.10.01, 17:50
das klingt mir verdammt nach katharina II., wars nicht jene, die sich für den hengsten extra ein begattungsgestell anfertigen ließ?
schätze den lotos muß sie in rauhen mengen...

hootch
17.10.01, 22:59
Verzeiht den erneuten Zwischenruf eines Unbehuften, aber das Pferd heißt so, denn es weilt auf der Erd', weil sonst würde es Pfluft heißen, das weiß ich. Ich passe aber fein auf, Marina.

aerolith
20.10.01, 18:06
Möchte magischen Käse essen:

FESTKALENDER, bäuerlicher
- steht in Irland im Ggs. zum druidischen Coligny-Kalender
- der Jahreskreis wird durch vier wichtige Feste gegliedert
imbolc (31.Jänner)
beltaine (30.April)
lugnasad (31.Juli)
samuin (31.Oktober)
- für diese Feste stellte man den magischen Käse her, der vor den fairies (?) schützte, und mit deren Hilfe man prophezeite

Hannemann
20.10.01, 22:45
Samuin or Samain, Edddy? That's the question!
Steht kurz bevor, Halloween, short before, verbunden mit einer geradezu magischen Buchvorstellung.

aerolith
01.11.01, 19:46
Jetzt ist es raus: Wir nehmen diesen Ordner auf die Startseite bei Newcomer, der demnächst Wolkenstein-Verlag heißen wird.

Weil doch mein Freund Achtpanther immer behauptet, Kelten und Germanen würden sich nicht sonderlich unterscheiden, von anderen schon gar nicht als Disparates wahrgenommen worden sein, so will ich hier im weiteren sammeln, was sich so an Unterschieden, vielleicht nur marginal, doch nichtsdestotrotz dispratem Geiste entspringt (entsprungen auftun tut):

ad 1: Bis in Caesars Zeiten unterschied sich das Gemache nicht sehr, doch dann rissen die Flanken und die grauharsche Menge im Zentrum der Welt dislozierte, wurde zunehmend fremdseienden Charakters, fiel auseinander; nichts aber renkte sich seitdem ein, bis der gute Adenauer beschloß, Deutschland und Frankreich zu einem zu machen... :mua:
Also, nach Caesars letztendlichem Sieg über die Kelten (nicht die Germanen!) war deren Lebenswillen gebrochen, die Römer nahmen fortan keine keltischen Söldner für schwierige Aufträge in Sold, sondern germanische, weil die "riesenhafter, trutziger, kampfrasender, treuer" waren als die Kelten.

Hannemann
06.11.01, 01:24
Das stimmte nicht ganz, sie, die Seher, prophezeiten in Trunkenheit.

Wir auch.

Doch wer von uns Sehenden ist schon jemals von Deutschem Käse trunken geworden?

rodbertus
15.11.01, 17:48
etwas über keltischen Käse:

KÄSE
- der beste Käse Galliens kam zu PLINIUS' Zeiten aus der Gegend von Nimes, aus den Dörfern Lesure (Gegend um La Lozere (https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A9partement_Loz%C3%A8re)) und Gabalicum (Gevaudan (https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A9vaudan)) - er wurde nach Rom exportiert

rodbertus
23.06.05, 19:23
Da stand ich heute vor dem Käseregal und überlegte, was ich mir antue. Dänischer Käse aus einem Kaff namens Wohlmirstedt? Hm. Portugiesischer Käse mit nur einem Zuckerersatzstoff? Hm. Dann doch lieber den guten aus Irland.

Das Gift
05.10.05, 18:11
Robert erwähnte gerade "beltaine" ...

"Beltane" ist die indogermanische (?) Bezeichnung für den in der Nacht zum 1. Mai anstehenden Hexensabbat uffm Brocken ...

"Ficken macht Spaß! Auch mit Ausländern."

(Ein Freund auf einer Antifa-Demo einem Nazi entgegenbrüllend ...)

Schnob van Quittenlauch
06.10.05, 09:35
ausländer rein sozusagen! :liebe:

Ikarus
06.10.05, 10:56
Und wieder raus und wieder rein...

Herr Augenring (Das Gift) vielleicht bin ich was die Mystik und den Traditionalismus betrifft nicht ganz auf dem neuesten Stand aber immerhin hab ich in meinen zarten Jugendjahren "die Nebel von Avalon" gelesen. Die Nacht vor dem 1. Mai nennt man die Valpurgisnacht und tatsächlich ist dies ein Urdeutscher Brauch der aber nix mit Beltane zu tun hat.
Beltane ist ein auf keltische Wurzeln zurückzuführender Brauch, den man, wären da nicht die die tatsächlichen orgischen Ausschweifungen - im Sinne einer Opfergabe an die Götter - einfach nur als Winter- bzw. Sommersonnenwende bezeichnen kann - gibts gleich zweimal im Jahr.
Weitere Infos seien erwünscht also nachforschen!!!

aerolith
23.11.07, 11:16
Die keltische Nation hat von der gemeinschaftlichen Mutter gegenüber Italikern, Hellenen oder Germanen eine andere Ausstattung empfangen. Es fehlt ihr die tiefe sittliche und staatenbildende Anlage. Dem freien Kelten war es unmöglich, einer Ausdauer erfordernden Tätigkeit nachzugehen. Es galt als schimpflich, einen Acker zu bestellen. Man ließ statt dessen durch Sklaven diese Arbeit verrichten. Sie betrieben allerdings Schweinezucht in ausgedehnten Eichenwäldern, wo sie Tag und Nacht beim Hüten ihrer wühlenden Säue und Keiler verweilten. Den Kelten fehlt die Anhänglichkeit an die eigene Scholle, sie leben in Städten beieinander. Zu einer staatlichen Organisation sind sie dennoch nie gekommen; es fehlt den einzelnen Gemeinden an einem einigenden Band, an Eintracht und Bürgersinn, auch an zielgerichtetem Streben. Nur für Eroberungszüge fanden sie zu einer militärischen Ordnung. Der Historiker Thierry nennt die Tapferkeit als die hervorstechendste Charaktereigenschaft der Kelten, einen freien Sinn für Eindrücke, Intelligenz und Beweglichkeit in den Anschauungen, dahingegen Prahlsucht, Zwietracht und grenzenlose Eitelkeit stehen. Cato sagte über die Kelten: Pleraque Gallia duas res industriosissime persequitur: rem militarem et argute loqui. (Etwa: Auf zweierlei legen die Kelten größten Wert: auf das Militärische und auf den Witz des Wortes.)
So ist es nicht verwunderlich, daß die Kelten alle großen Staaten der Antike erschütterten, aber keinen eigenen Staat aufbauten, der andauerte. Sie wanderten und verheerten das Land, sie legten Wert auf bewegliche Habe, Gold statt Land. Sie beherrschten ihr Waffenhandwerk und auch die Herstellung der Waffen, was der römische Historiker Sallust zu loben wußte. Die großen, nicht sehnigen, dafür fleischigen Kelten mit dem Zottelhaar, einem ausgeprägten Sinn für Haartracht und Haarschmuck, Tätowierungen und kurzzeitiger Hautmalerei, bunt gekleidet, warfen diese Kleidung beim Kämpfen nicht selten ab und stürzten sich schreiend mit Schild und goldbesticktem Schwert auf ihre Gegner. Die meisten kämpften zu Fuß, nicht so gern zu Pferd, denn Pferde bedeuteten ihnen zu viel, als daß sie es in der Schlacht riskierten. Auch kannten sie Streitwagen. Jedem Kämpfer waren zwei Sklaven als Hilfen zugeordnet. Sie liebten den Zweikampf, nicht die Ordnung der Phalanx. Verhöhnung des Gegners gehörte zum Ritual, Todesverachtung. Nach der Schlacht prahlten sie mit ihren Wunden. Sie zechten, bis keiner mehr stand.

Achtpanther
25.11.07, 18:41
... und glichen damit den Germanen (ihrer Zeit!) bis aufs Haar! :idea:

resurrector
22.11.17, 18:56
...einer der langlebigsten Ordner des Forums, über die Jahre immer mal wieder mit neuen Erkenntnissen gefüllt.

Michael
23.11.17, 13:49
Die Sprache der Zweige will gehört werden wollen.
Die Schlachten der Bäume sind Mittler der Träume.

Betrachten wir jeden einzelnen Vers für sich als einer Art Leitgedanken zur Ansprache an eine Baumart, könnten viele Zweige uns ihre Geschichte erzählen. An sich fast eine keltische Baum-Meditationsschule für Menschen...

Bäume sind die Mittler, das wurde oft vergessen. Eine keltische Lesemeditation, für den, der sich auf die Gedanken darin einlassen kann und offen für die Resonanz der Bäume bleibt. Was könnten uns denn die Bäume sagen wollen, in der Sprache ihrer Zweige?

Wir kennen die Antwort. Dass CHRISTUS in diesem keltischen Hilfeschrei angerufen wird, würde, wenn es historisch belegt wäre, bedeuten, dass schon die Kelten Christen waren. Auch wenn es wohl gedauert haben mag, bis sich diesem im Bewusstsein bemerkbar machte. Und es würde ebenso erklären, warum die Kirche wie besessen darauf versessen war, die Mittler zwischen den Reichen, die alten Bäume und "ihre Geschichten" zu Kleinholz zu machen.

Vor der Hexenverfolgung wurden die Bäume schon verfolgt. Wohl, weil die Kirche wusste, was die Bäume antworten würden, stünden sie noch dort, wo sie einst verehrt wurden. Wir sehen nicht mehr, was uns die Bäume daher nicht mehr antworten könnten, würden wir sie "anrufen". Gibt es da noch keine keltische Notfall-App fürs Smart-Phone?

Es ist heute möglich, das Licht zu messen, das Pflanzen in der Dunkelheit emittieren. Mit nur 50-zigfach empfindlicheren Augen könnten wir die Pflanzen um uns herum in der Dunkelheit leuchten sehen. Da "früher" weniger Lichtverschmutzung in der Nacht herrschte, könnte ein Wald nachts von innen leuchten. Was wir nicht mit unseren Augen sehen, ist ja deswegen nicht nicht vorhanden...

Sie standen sich halt noch zu, diese Energie auch aufnehmen und annehmen zu können. Wir müssen die offene Verbindung zu den Bäumen verleugnen, denn wir sind es, die sich wie die Axt im Walde verhalten. Wie könnte dann eine Bedeutung in den obigen Versen liegen?

Wie kann die "Axt im Walde" offen auf das blicken, was dem "inneren Leuchten des Waldes" angetan wurde?

Ach ja, weil es im Ordner angesprochen wurde: Das Fest am Vorabend des ersten Mai ist Beltane gewidmet. Anlass ist, dass die Jungfraugöttin erwachsen wird. Ein zweites Fest, Beltane zu Ehren, habe ich noch nicht gefunden. Vollmondfeste standen hingegen im Jahresverlauf unter einem eher fruchtbaren Stern.

Und schon im Hexenkalender wird der 23. Dezember als Tag der Befreiung, als Tag der göttlichen Kinder oder als Tag des Narren beschrieben. Ein zweites Beltane-Fest hab ich jedoch nicht gefunden. Aber heißt ja nicht, dass es ihn nicht gibt. Am 13.12. findet sich ein Fest zu Ehren Belisamas, der Göttin des Lichtes. Das einzige Vollmondfest im Herbst, dass nach obiger Vorstellung orgiastisch gefeiert wurde, bliebe dann der 26. Oktober und wäre zu Ehren Hathors begangen worden, der ägyptischen Göttin der Produktivität. Und da die Germanen nach wie vor recht produktiv sind, könnten wir weiter hoch in der Gunst der Göttin Hathor stehen, würden wir übersehen wollen, was darüber in obigem Lerngedicht gesagt wurde.

Der keltische Hilfeschrei ging an Christus und nicht wir sind die, die den Zauber bewirken, sondern ER ist DER, dem die "Götter jeweiiger Tage" gern zu Diensten sind. Bei uns, den Kelten oder den anderen "Kulissenschiebern" und "Illusionisten" ist ein Preis zu entrichten. Tun durch Nicht-Tun ist jedoch nicht Tun durch Nichtstun. Und etwas tut sich im Geist, gönnt sich der Mensch die Zeit, die Zeilen nicht nur zu überfliegen.

Sind sie ohne Grund "so" geschrieben? Kaum anzunehmen...


Und wieder raus und wieder rein...

Herr Augenring (Das Gift) vielleicht bin ich was die Mystik und den Traditionalismus betrifft nicht ganz auf dem neuesten Stand aber immerhin hab ich in meinen zarten Jugendjahren "die Nebel von Avalon" gelesen. Die Nacht vor dem 1. Mai nennt man die Valpurgisnacht und tatsächlich ist dies ein Urdeutscher Brauch der aber nix mit Beltane zu tun hat.
Beltane ist ein auf keltische Wurzeln zurückzuführender Brauch, den man, wären da nicht die die tatsächlichen orgischen Ausschweifungen - im Sinne einer Opfergabe an die Götter - einfach nur als Winter- bzw. Sommersonnenwende bezeichnen kann - gibts gleich zweimal im Jahr.
Weitere Infos seien erwünscht also nachforschen!!!

Als Nicht-Vollmondfest kommen Winter- und Sommersonnenwende nicht wirklich in Betracht.

Und zum "Käse" zurück, der 31. Oktober wird nach meiner Quelle mit der Neujahrsfeier der Hexen verbunden, ein Tag, der darin Hallowmass genannt wurde und eine Feier zu Ehren der heiligen Alten war, die den zersörerischen Aspekt der Göttin repräsentiert, der für künftiges Leben notwendig ist.

Wer meint, Schutzrituale zu brauchen, bestellt die Erfahrung, Schutz zu brauchen. Angst mehrt Angst. Alle Aspekte zusammen sind notwendig. Wir sehen im Herbst nicht den neuen Frühling, um in der Sprache der Zweige zu bleiben.

Gut, ein zweites Beltane-Fest war auch nicht gemeint. Weder Winter- noch Sommersonnenwende haben was mit Beltane zu tun. Wir beurteilen die Dinge eben immer so, wie wir sie haben wollen. Was Ikarus haben wollte, ist eher bei Vollmondfesten angesagt gewesen, doch auch nicht bei jedem. Und die verschieben sich eben im Jahresverlauf entsprechend der Mondphasen.