PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Macht des Krüppels



Sueskind
11.11.00, 17:20
Der kleinwüchsige Kalle kniete nackt vor der Couch, den Kopf tief zwischen den Beinen der Chefin vergraben.

Zum ersten Mal hatte sie sich für die Couch entschieden. Sonst hatte sie ausschließlich den Küchentisch bevorzugt, den Kalle für ihre Befriedigung herrichten musste. Zu diesem Zweck faltete Kalle eine Wolldecke und legte sie der Länge nach auf den Tisch. Am unteren Ende des Tisches musste Kalle außerdem ein Kissen so zurechtlegen, dass der Po der Chefin etwas angehoben wurde, sobald sie sich auf den Tisch legte, damit Kalles Zunge besser in die Pospalte hinab gleiten konnte. An das Fußende des Tisches stellte Kalle zwei Stühle, die ihr als Fußstütze dienten. Kalle selbst hatte seinen Platz zwischen den Beinen der Chefin.
Kalle nannte sie „Chefin“. Er nannte sie niemals bei ihrem Namen, auch nicht, wenn er während ihrer Abwesenheit, beispielsweise mit Frank von ihr sprach. Kalle nannte sie stets „Chefin“ und sprach sie auch so an. Das hatte sich vor vielen Jahren so ergeben, als er Aufnahme in dem kleinen Hotel gefunden hatte. Es blieb auch über die Jahre hinweg bei dem förmlichen „Sie“, während die Chefin ihn von Anfang an duzte. Auch Frank nannte sie „Chefin“, obwohl er mit ihr verheiratet war.
Die Chefin sagte nur „Kalle komm!“ und Kalle wusste, was zu tun war. Dann nahm er die Wolldecke aus der Eckbanktruhe und begann den Küchentisch vorzubereiten. Er musste sich beeilen, denn manchmal stand der Küchentisch noch voller Geschirr. Wolldecke, Kissen und Stühle waren aus diesem Grund stets griffbereit.
Kalle blieb bekleidet, während die Chefin sich von den Hüften abwärts entkleidete. Trug sie ein Kleid, behielt sie es an und entledigte sich lediglich der Strumpfhose und des Slips. Manchmal nahm sie sich die Zeit, das Bad aufzusuchen und sich zu waschen, bevor sie sich mit weit geöffneten Beinen auf den Tisch legte.
Die Chefin wählte stets Zeiten zu denen es ruhig war. Spätestens um zehn waren die letzten Gäste aus dem Haus. Vor vier oder fünf trafen keine neuen ein. In den ruhigen Stunden dazwischen beraumte die Chefin kurzfristige, spontane Termine an. Außer Frank, falls der keine Besorgungen im Supermarkt zu machen hatte, waren zu dieser Zeit nur die beiden Zimmermädchen im Haus. Aus diesem Grund blieb auch die Tür unverschlossen. Die Zimmermädchen kamen nicht mehr in die Küche oder zogen sich augenblicklich zurück, sobald sie ihrer Chefin auf dem Küchentisch ansichtig wurden, um deren Beschimpfungen zu entgehen.
Frank war häufig in der Nähe und wurde von der Chefin spätestens hinzugerufen, wenn sie Kalles Zunge überdrüssig war und Frank deren Stelle einnehmen sollte. Häufig wünschte die Chefin Franks Anwesenheit von Anfang an. Sein Platz war dann seitlich des Tisches. Anfangs wünschte die Chefin Franks Küsse, während Kalle das Zungenspiel im Zentrum der Chefin nicht unterbrechen durfte. Doch in den letzten Jahren hatten sich die Gewohnheiten der Chefin gewandelt und sie beschränkte sich meistens darauf, Franks Glied aus der Hose zu befreien, was nie ohne dessen Unterstützung gelang, und dieses vorsorglich mit einer Hand zu stimulieren. Die Intensität ihrer masturbierenden Bewegungen richtete sich nach dem Erfolg von Kalles Bemühungen zwischen den Beinen. Ein einziges Mal hatte sie Franks Glied in den Mund genommen und daran gesaugt. Aber da Frank während dieser unerwarteten Behandlung die Kontrolle verlor und vorzeitig in den Mund der Chefin ejakulierte, wiederholte sie diese Behandlung nie mehr.
Näherte sie sich einem Orgasmus, wurde ihre Hand schneller, bis sie abrupt abbrach und Frank aufforderte, mit dem erigierten Glied den Platz von Kalles Zunge einzunehmen.
Kalle fühlte sich von diesem Moment an überflüssig. Die Chefin machte sich nicht einmal die Mühe, ihn hinauszuschicken. Es konnte allerdings vorkommen, dass sie ihn, nachdem sich Frank aus ihr zurückgezogen hatte und sie sich vom Tisch erhob, fragte, was er denn noch hier wolle.
Das letzte Mal, es lag gerade zwei Tage zurück, war sie Kalle in dessen Zimmer gefolgt, um ihn aufzufordern unverzüglich nach den Zimmermädchen zu sehen, die wieder einmal nicht fertig wurden.
Kalle, der wegen seiner Kleinwüchsigkeit in vielerlei Hinsicht an Ausgrenzungen gewöhnt war, und niemals in seinem Leben eine Frau besessen hatte, stand gerade mit heruntergelassenen Hosen mitten in seinem Zimmer und war dabei, sich seiner angestauten Not zu entledigen, als ihn die Chefin überraschte.
„Kalle, die Zimmermädchen werden nach Stunden abgerechnet...“
Weiter kam sie nicht. Kalle, der sich zwar eilig bemühte, die Hosen hochzuziehen, gelang es nicht mehr rechtzeitig, seine erigierte Blöße zu verbergen. Vielleicht sah es größer aus, als es wirklich war, denn Kalle maß nur Ein-Meter-Siebzehn. Und an einem kleinen Menschen sieht normale Männlichkeit vielleicht mächtiger aus, als sie in Wirklichkeit ist.

Heute war alles anders. Als die Chefin nach ihm rief, „Kalle komm!“ und Kalle in die Küche eilte, um den Tisch herzurichten, hielt sie ihn zurück.
„Nein Kalle, der Tisch ist zu hoch für dich.“
Sie nahm ihn beim Arm und zog ihn ins Bad.
„Zieh deine Sachen aus. Wir gehen unter die Dusche.“
Kalle gehorchte. Ach die Chefin entkleidete sich. Noch nie hatte er sie völlig nackt gesehen. Es erschien ihm als Sakrileg, sie anzusehen. Unzählige Male hatten sich ihre Beine vor ihm geöffnet, unzählige Male hatte er sie mit Händen und Zunge liebkost, doch nun bereitete es ihm Scham, ihren Körper anzusehen. Nicht seine eigene Nacktheit beschämte ihn, sondern ihre. Zum ersten Mal entblößte sie ihre Brüste vor ihm.
„Komm unter die Dusche, Kalle.“
Er musste sie einseifen und den Schaum auf ihrer Haut massieren. An den Brüsten solle er lange verweilen. Auch den Schoß bat sie lange zu massieren, während sie den Kopf in den Nacken fallen ließ und die Augen schloss.
Dann seifte sie ihn ein. Ohne Umschweife ergriff sie sein Glied, das sich sofort aufrichtete und begann es zu kneten.
„Wie konntest du diesen Prachtkerl vor mir verstecken, Kalle?!“
Es klang nicht nach einer Frage, sondern nach einem Vorwurf.
Kalle wollte höflich sein und suchte krampfhaft nach einer Antwort.
„Sie haben mich nie danach gefragt, Chefin.“
„Willst du an meiner Brust saugen?“
Sie hielt eine Brust in der Hand und beugte sich ein wenig zu Kalle hinunter, so, als reiche dieser nicht an sie heran. Aber Kalle? Mund befand sich auf gleicher Höhe mit ihren Knospen.
Schließlich ging sie in die Hocke und beugte sich ganz tief zu Kalle? erigiertem Penis hinunter.
‚Nun nimmt sie ihn in den Mund‘, dachte Kalle. Er schloss die Augen und wartete. Aber sie tat es nicht. Sie zog die Vorhaut zurück und unterzog die Eichel einer genauen Prüfung, wusch sie nochmal, spülte die Seife ab, wiederholte die ganze Prozedur und nickte schließlich zufrieden.
„Ich will ja nicht, dass du mir irgendeine Krankheit anhängst.“
Kalle sah sie fragend an.
„Schon gut, Kalle, scheint alles in Ordnung zu sein. Komm!“
Damit zog sie ihn aus der Dusche, warf ihm ein Handtuch zu, wickelte sich selbst in ein Badetuch und verließ den Raum.
„Komm ins Büro, Kalle, auf die Couch.“

Heute war alles anders.
Nie zuvor hatte sie mit ihm gemeinsam geduscht. Nie zuvor hatte sie die Couch gewählt. Und noch etwas war anders: Frank war nicht da.
Als Kalle ins Büro kam, lag sie bereits auf dem Polster. Ein Bein lag hoch über der Rückenlehne, das andere war angewinkelt, auf dem Boden abgestützt, die Scham weit geöffnet.
„Stell dich vor mich... Komm näher...Ja so!“
Er war zwischen ihren Schenkeln dicht an sie herangetreten und dachte sie wolle ihn unverzüglich in sich haben. Aber sie nahm nur Maß. Sie kontrollierte die Höhe von Kalles Glied über den kurzen Beinen.
„Nun leck mich zuerst! Ich liebe deine Zunge.“
Er tat es. Kalle kniete vor ihr nieder und begann die Scham seiner Chefin zu liebkosen, wie er es immer getan hatte. Zum ersten Mal vernahm er ein leises, zaghaftes Stöhnen, das ihn beflügelte. Ihr Becken begann sich zu bewegen, die Scham vollführte vor ihm wollüstige, kreisende Bewegungen.
„Ja, Kalle. Jaaa...“, stöhnte sie, „komm, Kalle, jetzt komm!“
Kalle erhob seinen Kopf und sah sie einen Moment fragend an.
„Ich soll Sie....?“
„Ja, Kalle, du sollst! Fick mich! Komm endlich!“
Kalle drang langsam in ihr feuchtes, warmes Zentrum. Er wunderte sich, wie leicht und einfach es ging. Er stand aufrecht vor der Chefin und bewegte sich langsam in ihr hin und her.
‚Das erste Mal‘, dachte er, ‚das ist das erste Mal!‘
Draußen hörte Kalle Geräusche. Frank kam zurück. Er suchte sie in der Küche.
„Niemand da“, rief er.
„Wir sind im Büro!“, rief die Chefin, „Mach weiter Kalle! Mach weiter! Fester!“
Frank kam herein. Kalle sah über die Chefin hinweg, hinüber zu Frank. Ihre Augen trafen sich. Frank sah mit erstaunten Augen auf die Szene und wollte sich wieder abwenden. Doch die Chefin hatte ihn bereits entdeckt.
„Komm, Frank. Lauf nicht weg. Komm, gib mit die Hand.“
Frank zögerte einen Moment, tat dann aber was sie verlangte. Er ergriff ihre Hand und sah zu ihr hinunter.
„Was tut ihr?“
Das war vermutlich die blödeste Frage, die Frank stellen konnte, schoss es Kalle durch den Kopf. Aber Frank war etwas durcheinander.
„Wir vögeln, Frank. Das siehst du doch. Wir vögeln! Sags ihm Kalle.“
Kalle sah etwas ratlos von der Chefin zu Frank, während er mit seinen gleichmäßigen Bewegungen fortfuhr.
„Kalle, sag ihm, was wir machen“, wiederholte die Chefin.
Kalle sah zu Frank hoch:
„Wir vögeln. Ich vögele deine Frau, Frank.“
Kalle erkannte erst hinterher, was er gesagt hatte. Er wunderte sich, wie leicht ihm „deine Frau“ über die Lippen gekommen war.
„Er macht das ganz fantastisch. Ganz fantastisch, unser Kalle!“, fügte die Chefin hinzu, und drückte Franks Hand, „mach schneller Kalle, schneller! Fester!“
Kalle stieß fester zu, schneller. Er spürte keinen Widerstand und drang bis zum Anschlag ein.
„Er hat einen Riesenschwanz, Frank! Einen Riesenschwanz!“
Sie stöhnte und kam Kalle bei jedem Stoß entgegen.
Kalle spürte die Erregung emporsteigen, wie Wellen, die über ihm zusammenschlugen. Bruchteile einer Sekunde dachte er noch einmal daran, dass dies sein erstes Mal war, dann dachte an die merkwürdige Situation, in der sie sich befanden und er dachte daran, dass er gerade dabei war, seine Chefin zu vögeln, deren Mann ihr dabei die Hand halten musste. Die Explosion kam wie ein Blitz. In mehreren Schüben entlud er sich in ihr.
„Kalle! Bist du gekommen?! Aber ich bin noch nicht so weit!“
Die Chefin bäumte sich ein wenig auf, hob ihren Oberkörper einige Zentimeter und fiel wieder zurück, als Kalle seinen Penis aus ihr zog. Sie sah ihn enttäuscht und vorwurfsvoll an.
Kalle sah hinunter auf das geöffnete, erregte Zentrum, aus dem sein Saft quoll. Von nun an würde es ihm gehören, dachte Kalle. Er würde es mit Frank teilen. Ja, aber ihm würde es von nun an gehören.

aerolith
12.11.00, 09:55
Hallo Sueskind! Ein herzhaftes Hallo Dir, der Du aus irgendeinem mir nicht näher bekannten Grund unser Forum mit diesem text beglückst.

Dem Text fehlt es an einem: Esprit. Ich bin nun keiner, dem es so sehr aufs Thema ankömmt, auch der dramaturgische Aufbau ist mir ehrlich gesagt schnurz, aber wichtig ist mir, wie der Sachverhalt dargestellt und vermittelt wird/wurde.
Dein Sachverhalt besteht in zweierlei Vorurteil:

1. Begrenzung Kleinwüchsiger und
2. Macht und (fehlende) Masse.

Und dazwischen erzählst Du eine Geschichte, eigentlich ist es keine Geschichte, sondern nur ein Vorfall, eine Veränderung, eine eigentlich im Quasistatus kaum auszumachende Veränderung, will man einmal ehrlich und genau sein. Denn was ändert sich letztlich? Nichts.
Ein oberflächlicherer Zeitgenosse würde maßregeln, daß dem Kleinen jetzt etwas Großes geschah, etwas, wofür er Handlung nicht ordinierte. Ich zähl' mich aber nicht dazu. Die Charaktere sind mir allzu schematisch angesetzt, so daß ich nicht in Frank oder die Befugnishaftigkeit der CHEFIN hineinsehen kann. Warum gestaltest Du nicht deren Motivationen? Sie sind gesetzt, worauf also kömmt es Dir an? Auf den Vorgang als solches? Weißt Du, wie man das nennt, wenn nur der Vorgang als solches im Mittelpunkt der Handlung steht, nicht aber der Mensch (die Menschen), die handeln? Das ist ein Vorgang der Verdinglichung der Welt, der Permutabilität von Menschen. Ich will das jetzt nicht vertiefen, aber genannt soll es schon sein.

Ach, weißt Du, Sueskind, ich finde Deinen Text ziemlich grottig. Er ist sprachlich nicht interessant; er quakt sich so mit Manierismen und Dingwörtern, die beschrieben, aber nicht genannt werden müssen, herum.

iodin
12.11.00, 14:22
einspruch! ich finde den text ziemlich gelungen. ich hatte das gefühl, die manierismen transportieren gut die kalte stimmung. dass die figuren ein bisschen schematisch sind, stimmt zwar, aber wie will man sie schon zum leben erwecken auf so einer kurzen strecke.
dieses kalte, zynische des ganzen vorgangs finde ich gut eingefangen. ein abstossend-faszinierender text. (für die meisten wohl nur abstossend, an der zahl der reaktionen gemessen.)

aerolith
12.11.00, 15:20
Ja, iodin, der Text erreicht den Leser nicht. Das Kalte und Zynische ist aber auch nicht derart thematisiert, daß Interesse an einem Vorgang dieser spezifisch postpostmodernen Zwischen(un)menschlichkeit gefunden werden könnte.

Das ist mir auch zu einfach festgestellt, daß im Aufzeigen der angesprochenen rationaliziden (versuchen wir's mit diesem Suffix) Kommunikationsebene schon ein Thema vorgegeben wurde.

Und Zeit, Zeit hat der Autor, so er sie sich nimmt. Mit mangelnder Zeit -auf die Kürze berechnet- läßt sich's schlecht hausieren.

Überzeug mich, daß hier nicht geschludert wurde!

it
12.11.00, 16:18
Kalle war früher ein "Zwerg". Daran erinnere ich mich noch (LC).
Insofern hat eine Überarbeitung stattgefunden, ich denke nicht, daß Schluderei hier das Thema ist.
Machtkonstellationen (und übrigens auch eine starke, wenn auch unsympathische Frau, zur Abwechslung).
Aber doch sehr grob gezeichnet.
it

Sueskind
12.11.00, 16:48
Hallo it,
er war ein Zwerg und ist es noch immer. Der Text beginnt mit folgenden Worten:
"Der kleinwüchsige Kalle kniete..."

it
12.11.00, 18:39
Schon klar, Sueskind, deshalb die Anführungszeichen (Aero erwähnte es auch auch noch mal). Umbenannt hast Du ihn trotzdem. Warum eigentlich?
it

Miranda
12.11.00, 20:30
es gibt allerdings einen unterschied zwischen zwergen und kleinwüchsigen. wobei darauf einzugehen wäre unwichtig für den text. und der text scheint mir auf effekt aus zu sein, und die beteiligten menschen bleiben links liegen. ja, entpersönlichung, verdinglichung. ich frage mich nur: was willst du damit sagen? ist dies teil von einem längeren text? falls ja, dann hoffe ich, daß ein gleichgewicht erreicht wird, um die etwas karge eintönigkeit in diesem abschnitt auszugleichen.

it
13.11.00, 21:43
houellebecq?
iodin, man kann viel gegen ihn sagen, aber seine texte mit diesen kleinwüchsigkeiten hier auf eine ebene stellen - sicher nicht.

dieser text hier ist nicht schlecht gemacht, aber klappernd mechanisch. bei houellebecq merkst du in jedem satz (na gut, in fast jedem absatz) eine obsessive kraft, unheimlich, alles andere als sublim, aber er ist ein schmerzensmann, seine texte wirken nie wie kaltgelötet.

dieser text hier kommt mir dagegen kalt wie asche vor. wäre die "interessante" komponente des zwergs nicht, das ratata der maschine wäre noch viel deutlicher zu hören.

gruß, it

Sueskind
14.11.00, 10:21
Hallo von Wolkenstein,
ich bekomme langsam Probleme mit deinen Vorurteilen, nicht nur, weil du mir dergleichen unterstellst:


... Dein Sachverhalt besteht in zweierlei Vorurteil:
1. Begrenzung Kleinwüchsiger und
2. Macht und (fehlende) Masse...

Der kleinwüchsige Außenseiter Kalle bietet beste Voraussetzungen, das Wechselspiel von Sex und Macht zu beleuchten. Er hat nie eine Frau besessen - das klingt für den Leser glaubhaft und bedarf keiner weitschweifigen Begründung - er wird aufgrund dessen von der Chefin als regelrechter Sexsklave missbraucht. Die Gründe, weshalb Kalle dies geschehen lässt, müssen nicht langatmig erklärt werden.
Das Eingangsbild spiegelt eine eindeutige Machtkonstellation wieder, die sich am Ende der Geschichte um 180° gedreht hat: Der Kleinwüchsige erkennt seine Macht über die Chefin.
Schade, dass man sowas auch noch erklären muss...
Von meinen grottigen Texten wurde gerade einer unter 1100 für eine Anthologie mit 25 Beiträgen ausgewählt. Da scheint jemand anderer Ansicht zu sein?

Hallo Miranda,
stimmt, was du zu Kleinwüchsigen und Zwergen schreibst. Aber in der Tat ist das nicht relevant für den Text.
Nein, der Text steht nicht in einem größeren Zusammenhang. Er war ursprünglich als Fingerübung gedacht und sollte in einem bewussten Kontrast zu "Nach der Strandfete" (erosa) stehen. Während der Strandfete zu große, emotionale Nähe und teilweise kitschige Formulierungen nachgesagt werden, wird dieser Text als "zu kalt", zu distanziert empfunden. Ich hielt jedoch genau diese Distanz bei der Thematisierung von Sex und Macht für angebracht - völlig losgelöst von Liebe und damit verbundenen Emotionen.

Hallo iodin,


... dieses kalte, zynische des ganzen vorgangs finde ich gut eingefangen. ein abstossend-faszinierender text. (für die meisten wohl nur abstossend, an der zahl der reaktionen gemessen..)...

Gut beobachtet, finde ich, und übrigens, wer ist Houellebecq

Hallo Julkin,


... dieser text hier kommt mir dagegen kalt wie asche vor. wäre die "interessante" komponente des zwergs nicht, das ratata der maschine wäre noch viel deutlicher zu hören...

Interessantes Urteil. Danke für dein Lob!

Sueskind

Julkin
14.11.00, 10:21
Wer ist Houellebecq?

da muss ich mein "lob der asche" wohl doch noch mal überdenken?

patrick!

it
14.11.00, 11:08
Die Kälte und Verdinglichung des Textes, die hier mehrfach erwähnt wurde, scheint gerade sein herausstechendes Merkmal zu sein.
Was bleibt, wenn man die schematische Charakterisierung der Personen aufdröselt und dem Text "Wärme" gibt?
("Er macht das ganz fantastisch. Ganz fantastisch, unser Kalle!", fügte die Chefin - die in ihrer Freizeit gern alte Meister für die Eingangshalle stickte - hinzu, strich sich eine Strähne aus der bleichen Stirn und drückte Franks Hand, "mach schneller Kalle, schneller! Fester!"
Mögen muß ich den Text nicht. Aber interessant ist er.
findet: it

Sueskind
14.11.00, 11:45
Hallo it,
ich bin dir noch eine Erklärung schuldig:
Der Kleinwüchsige hatte in der Urfassung einen anderen Namen, den er auch wieder zurückerhält. Nur hier heißt er Kalle.
Gruß
Styx

aerolith
14.11.00, 16:20
Sind wir ein wenig empfindlich, Pjotr? Was Deine Erfolge betrifft: Du bist mein Held!

Hier ist nicht von Vorurteilen (praeferentia) die Rede, sondern von unabdingbaren Hintergrundbeobachtungen des Autoren hinsichtlich der Stimulanz des Motivischen.

Deinem Gewort ermangelt es an ebenjener Inszenierung. Das wirkt wie Stegreifkomoedie. Und Deine Argumente in der Diskussion belegen diese These, daß Du im Namen und äußeren Gesetztheit schon alles mitzusagen glaubst. Da ist der Zwerg, also ist seine Geschichte so und so, da ist die Chefin, also ist ihre Geschichte so und so, da ist der Gehörnte, also ist seine Geschichte so und so.

Und eben diese Klischeesierung ist Dir hier zum Vorwurf zu machen. Daß Du Dich dann aber auch nicht entblöden kannst, Dich selbst zu loben... tztztz Das grenzt an Pfaunerie.

Du wirst hier nicht alt. Ich sage Dir: Du bist schon als Dichter gestorben, wenn Du so denkst.

Und damit... ab in den Orkus!

allerdings:...

Man könnte diesen Text auch parabolisch lesen, also als Gleichnis, das sich vor der Vernunft verantwortet (Benjamin (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=benjamin#walter_benjamin)). In diesem Kontext ist auch die fehlende Ernsthaftigkeit verortbar. Es sind Gestalten mit einer Geschichte, die sich durch ihre Funktionalität im Getexte mitteilt. Das kann so gemacht werden, in dieser gerafften Form.

Mir aber ist es lieber, wenn ich sanft herangeführt werde. Mehr Brokat! sag ich gerne.

Und, Süskind, was interessiert es mich, ob Du irgendwann und irgendwo mal in eine Anthologie aufgenommen worden bist: Wie pflegt mein Freund Achtpanther immer zu sagen: Scheiße muß schmecken, Millionen Fliegen können sich nicht irren!

Also, mehr Demut vor dem Herrn, mein Lieber!

it
15.11.00, 12:34
Lassen wir jetzt die Fliegen entscheiden?

Basic
16.11.00, 01:28
Zum Glück gibt es hier ja nur ein paar Fliegen, die sich an ihrer eigenen Scheiße laben - und die könnten sich sehr wohl irren

rodbertus
16.11.00, 09:57
it, manchmal flattert Dein Gewort auf meinen Dung: Genau das sage ich Achtpanther auch immer: Man muß die Stimmen wägen und nicht zählen, gelle?

Das Forum muß untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

ceterum censeo: Schlagt die Fliegen tot!