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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Waldszene II



Hans-Karl
03.07.02, 23:49
-Aus dem Wald tretend, las ich zwischen den
Saatzeilen die Ansichtskarte, die
Eine Wolke mit Taubenfedern geschrieben hatte: "Sorg
Dich nicht um vergebliche Liebe." Ich streifte
Den Schatten düstrer Fichten
Aus dem Genick, ging
Talabwärts, meine Füße
Wurden dabei so leicht, daß ich am Hang
Gegenüber die Hühner aufflattern sah, als hingen
Sie in den Klauen der Luft. Die Maibäume stocherten
Den Himmel ab, in den Klapprige Scheunen hochstiegen,
Als Drachen festgezurrt. Der Brennesselbach neben mir
Stolperte zu langsam für eine
Forelle, die im Gras
Zappelte wie auf dem
Anrufbeantworter eine stumme
Stimme. Die Familien der Kuckucke waren mit
Handys versorgt: ihr Echo verhieß, daß sie nicht
Drin in sich waren. Da ich aufstampte, hoben sich
Auch die murrenden Ställe, die Höfe, die
Stets so gut gegen den Wind
Zusammengestanden hatten und rührten sich in die
Wolken. Nichts mehr, was ich hätte auf den
Boden heften können, denn ich war wieder ins
Ganze Leben verliebt.

H.-K.

Hoppla
04.07.02, 00:48
he,he... meine Augen fangen an zu strahlen... leuchten... oder so was... ich nehm mir ein Stückchen vom Stoff...

rodbertus
04.07.02, 01:02
wirkt interpoliert, pardon

nicht mein Fall, sollen andere sich dran erfreuen

frager
05.07.02, 00:25
ich werde nachfragen. es steht da tatsächlich SAATzeilen. und ich habe gelesen, daß da eine wolke ungeheuerlich oben drüberflog. daher das federleichte. vielleicht auch, weil das "sorge dich nicht" auch leicht daherkommt. aber ich werde nachfragen.

aerolith
07.05.18, 07:30
Nun, so schlecht scheint mir der Text dann doch nicht zu sein, als daß er so einfach in den Tiefen des Forums verschwinden dürfte. Mein anfänglicher Verdacht, der Text sei interpoliert, will heißen auf der Basis eines anderen Textes aufpoliert worden, scheint sich nach Recherche nicht zu bestätigen, was nicht viel heißen mag, da diese nur einfach durchgeführt wurde. Nehme ich dennoch einmal an, der Text sei einem autonomen Geist entsprungen:
Die Kernbotschaft muß "Verlust" heißen. Da hat jemand jemanden verloren und sucht nun nach Entsprechungen. Er läuft jeder hinterher, die ihn erinnert; er glaubt in jedem Lebensmoment sie zu erkennen, er schlemihlt (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=schlemihl). Da er in der Natur lebt, sind seine Lebensaugenblicke dort auch zu Hause. Ein Großstadtmensch spräche hier anders, aber nicht weniger impulsiv. Die ungebundene Form lockert das vertrackte Suchen ein wenig auf.
Doch, es ist literarisch, es athmet.