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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die andere Möglichkeit



Mr. Jones
16.07.02, 00:02
die andere möglichkeit:
sie sitzt da, im blutroten slip,
und wartet.
verständlich,
nach mondalter suche.


sie ist schön, stimmt schon,
aber ich rühre sie nicht an -
diese sehnsucht, die kenn ich,
die ist mir nicht unsterblich genug.


ich habe papier und bleistift
und nichts weiter zu tun,
alles andere sucht das weite
zwischen mitternacht
und morgengrauen.


und ich bringe euch liebe.
ich rauche eure zigaretten.
ich setze alles auf euer spiel
und nehme die verlorenen wetten.
hämmere euch ein paar zeilen ins blaue
und vergesse, was ohnehin gegangen ist,
bis ich aufwache, vielleicht
hier oder auch dort -
so oder so in verschwitzten betten
und immer ohne den engel, der kommt,
mich zu retten.


nur sie in ihrem slip ist noch da.
und wenn sie geht, kommt sie wieder.




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Mr. Jones

Hannemann
16.07.02, 00:09
Habe im Urlaub sehr liebenswerte Schweizer kennengelernt, im Slip, kann Dein Zögern nicht verstehen.
Oder bist Du aus Basel?

Mr. Jones
16.07.02, 00:57
nein. wenn ich mich aufschwinge übern berg, seh ich den zürisee, links ist der säntis und an meine schulter gelehnt ist immer sie und sie ist immer liebe, und ich überleg mir gerade, ob ich vielleicht heute nacht einen kreis ziehen soll in meine melancholie, um einen platz zu markieren, wo ein engel landen könnt und mit mir wegfliegen dann, weisst du, ich treib dieses mädchen noch in den wahnsinn, oder sie mich, sie ist liebe, verdammt, verstehst?

rasputin
16.07.02, 12:04
Hallo Mr. Jones, Dein Gedicht gefällt mir sehr gut. Es paßt glaube ich auch zu anderen Gedichten hier im Forum, etwa flügelschlag von taba blick, einigen Gedichten von Paul und anderen, die ich gern, als andere Möglichkeit, in einem Gedichtband Eures Verlages lesen würde.

aerolith
23.07.02, 06:44
Das Wägen aber ist alles. Das Wägen beinhaltet schon das Tun, denn was wär es für ein Wägen, wenn das Tun nicht bekannt wäre. Darum ja das Wägen. Oft genug sagt sich der einst Unwägende: Ich hätt es doch lieber nicht getan... Und wägt nächstmals ein bißchen länger. Schließlich hat einer, der mit Blauem spielend Buchstaben in Weißes ritzt, nichts Besseres zu tun, was getan werden sollte.
Wägen ist jedenfalls vorzuziehen.


Und das sagst Du hier nicht, das denkst Du nicht einmal. Du gefällst Dir da im Vorhof, aber im Hofe mit einem kreisenden Blick bist Du nicht. Paßt nit immer.