PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beim Betrachten einer Katze



Lester
10.09.02, 07:44
Zierliches Stück auf
dem Klavierstuhl und
mich betrachtend grünen Auges.


Sie schließt sie, wenn ich ihr zunicke und
öffnet sie wie Zustimmung zu einem Wunsch,
den sie mir glaubt.


Ein Blick, der wohl weiß
von Sternen über und in uns,
verrät nicht die Gier,
mit der sie dem Tod aufsitzt
bei Nachtdingen, und
niemals blickt sie sich um
nach Anderer Leidenschaft.


Zierliches Stück dort. Wie sie,
auch so hemmungslos.

bernouilly
10.09.02, 12:09
hab es grad meiner katze vorgelesen, und obwohl sie schnurrte, überschlich mich ein gefühl, mich an eine frau zu wenden.


das partizip in der ersten strofe - meine katze schaute mich da fragend an und ich lächelte. ich wünscht mir schon einen "behenderen" einstieg in das gedicht.


wunderbar dann die zweite!


Ein Blick, der wohl weiss
von Sternen und
nicht die Gier verrät,
und es wird wieder wunderbar! aber schwatz nicht zuviel (über und in uns) wenn schon sterne vorkommen sollen, dann sollte diesen auch etwas zugetraut werden.


auch der schluss ist sperrig. vielleicht:


Zierliches Stück, dort.
So hemmungslos auch,
wie sie.


ich hoffe lester, du findest dies gedicht auch noch nicht so ganz fertig. ein schönes wird es allemal.


amicalement b.

rodbertus
11.09.02, 07:09
Mein lieber Leicester! Nun spreiz Dich nicht übermäßig. Auch wenn Katzen das gelegentlich tun, so verfolgen sie doch zumeist ein Ziel (einen Zweck?) damit. Dein Anfangspartizip hat keinen; es steht eben so rum und stellt den Leser auf einen ästhetischen Berg, der manchem nicht bekömmt. Und schließlich weißt Du, daß 94% aller Leser nach zwei Sätzen entscheiden, ob sie weiterlesen werden. Ich glaube in diesem konkreten Fall, daß 92,3% hier nicht weiterläsen. Das bringt mich zu einer ganz anderen Frage: Wollen wir (Dichter) nun nur auf diese 7,7% rekurrieren, die weiterlesen?


Bern., vielen Dank für Deine Textarbeit.


Willst, Leicester, Du eine zweite?

Kyra
11.09.02, 07:55
strofe


lieber Himmel, schreibt man das jetzt so? Oder ist das ein Scherz? Das sieht ja so hässlich aus, da möchte doch keiner mehr ein Gedicht schreiben.

Hannemann
11.09.02, 08:17
Katzen mögen, fressen Mäuse. Ich nicht! Ausnahmsweise.

Achtpanther
11.09.02, 08:52
Die Maus dient nur der Zerstreuung, nach bis zu 6 Stunden der grausamsten Folter wird das meist durch Herzschlag oder Streß erlöste Opfer "gnädig" dem Lieblings-Büchsenöffner überlassen. So etwas würde Frau Katze nur in der allergrößten Not fressen - Katzen sind anspruchsvolle Feinschmecker.

Lester
11.09.02, 11:47
..ja, bernouilly, die letzte Strophe (so ists besser, Kyra) war zu hastig, da ist noch dran zu tun. Und der Anfang? Das, Robert, ist der Rausschmeißer für Leute, die eh nichts mit Lyrik am Hut haben und das sind wohl so um die 90 %.


Aber im Ernst, ich bastel noch ein wenig weiter.

rodbertus
11.09.02, 19:48
Warum nicht Strove? Warum sollte -ph- durch -f- ersetzt werden? Was spricht dafür? Was unterscheidet viel von Fiel, was Fonologie fonn Vohnologie? Warum überhaupt Regeln, wenn sie eh unsinnlich-nichtabstrakt-nichtnachvollziehbar?

amygdala
18.09.02, 11:45
lieber lester,
ich mag dieses "zierliche stück" sehr und die "nachtdinge" sind einfach spitze!
die vorgeschlagene änderung der letzten strophe find ich auch besser.


lieben gruß


amygdala

aerolith
26.09.02, 09:47
Strophe 1: vergibt sich durch das Partizip viel; wenn Du es nicht setzt, drängt sich das andere stärker ins Zentrum des lesenden Auges
Strophe 2: vier SIE, wobei das erste ohne Bezug ist, nur durch die Titelaussage ein Türchen öffnet
Strophe 3: der Blick der Katze gibt den Titel des Textes zurück, VERRÄT ist zu stark für eine Kammerdichtung; sprich vom Tod auf Samtpfoten, nicht abstrakt-unsinnlich von VERRAT und DINGEN; ANDERER klein
Strophe 4: muß an 1 anknüpfen, was zumindest äußerlich geschieht; HEMMUNGSLOS halte ich für wenig bedenklich

resurrector
30.06.18, 09:40
Klarerweise mag ich Katzentexte - meist. Auch diesen hier. Aber meine Textarbeit dankte der Autor nicht. Was mich wieder zur Beziehung Mensch-Katze zurückbringt. Wer von Katzen etwas erwartet, wird meist enttäuscht. Das bedeutet jedoch keineswegs, daß sie nichts zu geben bereit seien. Oh ja, sie wissen schon zu geben.

anderedimension
01.07.18, 08:37
"geben" im Sinne von "das (ihre Gegenwart) gibt mir etwas" - dabei gibt die Katze nicht wirklich...

Wenn sich eine Katze verläuft und woanders ein lauschiges Plätzchen findet...dort auch gut gefüttert und gut behandelt wird...zieht es sie nicht zu Herrchen oder Frauchen zurück. Nicht so der Hund..der sehnt sich nach seinem Herrchen...egal wie gut es ihm woanders geht. Deshalb bin ich eher der "Hundetyp"....ich mag sein Wesen...seine treue Seele...seine bedingungslose Loyalität. Diese Attribute kann eine Katze nicht vorweisen - sie ist einfach nur da. Für mich kein Zufall, dass vor allem Frauen gerade solche Tiere (Katzen, Pferde, Delphine....) mögen...die einen ähnlichen Charakter wie sie selbst haben.

Das Wildpferd war übrigens die Hauptnahrung des frühen Homo Sapiens

Mir gefällt die dritte Strophe am besten