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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Am Ende nur Dreck



Florian
02.11.02, 19:02
__Am Ende nur Dreck__


Hast dich jahrelang
nicht mehr gesehen
bist nicht mehr
in alter Form
verlogen, gebrochen
Du Mörder
bist längst
bürgerlich rehabilitiert
einer von ihnen


Sie schreiben:
"B.s Lügen"
kennen die andere Seite
Ein liebes Hundegesicht
Ein totes Hirn
erzeugt Kriminalromane
ohne Farbband
am Ende der "revolutionären Kampfphase"
immer gewesen
immer los - gelöst
von Fragmenten Roter Arme : F.R.A.
hast deshalb nicht gelernt
hast nie politisch relevante
und notwendige Fragen gestellt


Wer stirbt
ist abgeworben
nicht für
neue Ziele
am Ende jeder Bewegung


(Nicht für die RAF)
(Nicht für Boock)


__Schriftbeteiligung von Karl Rosenstein__Juli 1990__

aerolith
03.11.02, 11:28
Darüber läßt sich inhaltlich sicherlich vieles sagen. Aber beginnen wir mit formellen Fragen:



Interpunktion? Ja oder nein?
Logische Schlüssigkeit: Ja oder nein?
Das Du oder das Sie als Bewegpunkt für den Leser setzen: Ja oder nein?
Wie viele abstrakte Begriffe verträgt ein Gedicht?



Vorerst genug gefragt. Stell Dich!

Florian
12.11.02, 15:04
1. Interpunktion gibt es bei derlei texten definitv nicht, die würden nur verwirren. Also muss das einzige komma eliminiert werden.
2. Logik und Schlüssigkeit? Würde voraussetzen, dass der Leser etwas verstanden hat und ihm jetzt die Verbindung zwischen zwei Teilen nicht klar wird. Ich gehe mal davon aus, dass der Leser etwas nicht verstanden hat und es deshalb unlogisch wirkt. Bei Konkretisierung des Hinweises würde ich eine weitere Klärung versuchen.
3. Die Frage nach dem Bewegungspunkt? Naja, es wird jemand angesprochen (Du) und es wird jemand zitiert (Sie). Die Aussage von Ihnen (Sie) dient der Konkretisierung der Ansprache des Du, wenn sie denn etwas konkretisiert.
4. Ich habe kein Problem mit abstrakt. Es ist Reduktion und Verdichtung. Niemandem soll in prosa ausführlich erklärt werden, worum es geht, sondern abstrakte begriffe bringen etwas auf den punkt, fassen zusammen, sind für insider (Zielgruppenansprache), deshalb ist die publizierung von derartigen Texten ein "Problem". Die Zielgruppe ist keine Allgemeinheit, sondern einer kleiner Kreis.
Aber: soviel ist es nun auch nicht. Im ersten Absatz finde ich nichts. Was ist denn abstrakt. Bitte um Textstellen!

aerolith
12.11.02, 16:55
Bekommst Du. So ein wenig textarbeit ist immer bekömmlich, sie schult den Geist und schärft den Verstand. Der aber ist alles. Oder doch nicht? Zählt das Gefühl auch etwas, gerade in Gedichten, gerade in abstrakten Gedichten, Sinngedichten? Wie wäre es mit etwas Sinnlichkeit?


Interpunktion: Ich seh da noch einiges an Strichen, die man streichen könnte.
logischer Aufbau: nach FORM folgt Unverständliches


Du hast... Bruch, dann VERLOGEN und GEBROCHEN; wenn hier ein neuer Gedanke, zudem der des Gebrochenseins, dann muß da auch eine äußere Brechung erfolgen; REHABILITIERT ist schlecht, es klingt hier gar nicht und zerreißt den text ein zweites Mal. (Und das in der ersten Strophe!) Okay, nehme ich das als ästhetisches Muster, daß die Sprache eben nicht gradaus geht, sondern zerrissen werden muß. Dann aber frage ich Dich, warum Du überhaupt strukturierst. Oder anders, wie Achtpanther jetzt sagen würde: Dann bau erst ein wenig Spannung auf, um sie dann bösartig zu zerstören. Das wäre doch mal eine Herausforderung!


Ich denke, wir sollten diesen text zu retten versuchen, indem wir ihm eine Form geben, in der sich die Inhalte wirklich austoben können.