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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mord und Totschlag



it
06.06.00, 21:09
Mal was anderes.
(PS: die politische Aussage des Textes ist natürlich nicht: S c h e i ss Neger.)


Jetzt ist er nichts als ein sich windendes Tier zu ihren Füssen.
Der nächste Tritt zerreisst die Portalvene seiner Leber; das Sterben beginnt. Schweiss streicht einen silbrigen Schimmer auf seine Haut.
Herr, in der Stunde meines Todes....
Sein Mund ist eine schwarz glänzende Grotte. Überall Schmerz.
Blut und Speichel zeichnen abstrakte Muster auf den weissen Boden. In dem haltlos baumelnden Kopf bewegen die Lippen sich von allein.
"Te ofe no he wo lee ye oboa" - Herr aller Dinge, hilf uns und sei unserer Seele gnädig...
"Was sagt er?"
Ein Ohr nähert sich seinem Mund. Er sieht es nicht mehr.
"Kedze efo ko aba wo....."
Der Stiefel reisst ihm den Unterkiefer aus dem Gelenk.
Um ihn ist nichts als weisses Licht. Blendend.


"Eh Sc h e i sse. Schau dir die Sauerei an."
Sie richteten sich auf und traten einen Schritt zurück, bemerkten zum ersten Mal die roten Schlieren auf dem grellen Weiss der Porzellankacheln. Zähes Blut kroch durch die Fugen. Unter ihren Stiefeln nahmen sie es mit.
Sie atmeten schwer, als seien sie gerannt. War die Feuchtigkeit in ihren Gesichtern Schweiss oder Blut? Sie sahen sich nicht an.
"Der sieht nicht gut aus." flüsternd jetzt, fast ehrfürchtig.
"Ach was." Der Zweite trat zurück und wischte sich mit dem Unterarm übers die Augenbrauen. "Der simuliert."
Der Andere schwieg.
"Morgen kannste schon nichts mehr sehen. Das ist das Gute bei diesen schwarzen Arschlöchern."
Er trat um die Pfütze und packte den Mann am Arm, riss ihn hoch. "Steh' auf du Wichser."
Der Kopf fiel zurück und klatschte dumpf auf den Boden.
Der Mann berührte ihn mit der Stiefelspitze, behutsam jetzt. Fast zärtlich. Nichts. Nur die Deckenlampe, die sich in der öligen Blutlache spiegelte, grösser und grösser. Schweigend ging er rückwärts, bis zur Wand.
"Du hast ihn umgebracht!"
"Halts Maul."
Noch einmal fuhr er sich mit dem Ärmel übers Gesicht.
Verdammte S c h e i s s e.
S c h e i s s Neger.

aerolith
07.06.00, 01:41
- zu plakativ
- stereotype Handlung
- blaß gesetztes Umfeld, ohne Eindringlichkeit
- harmonisch klingende Hintergrundsmusik, gelegentlich von einem Crescendo unterbrochen


Ist mir zu mühselig und zu bemüht. Mog i net.

kassandra
07.06.00, 05:52
Vordergründig und politisch wohlfeil.
Wäre aber vielleicht ein guter Einstieg ins deutsche Verlagswesen.


K.

Wolfgang R
07.06.00, 09:04
schon interessant, wie auf gewisse themen reagiert wird. soll jetzt vielleicht eine horder schwarzer skins einen netten deutschen zermantschen, kassandra, nur damit deine politischen empfindlichkeiten berücksichtigt sind? was heisst in dem zusammenhang "politisch wohlfeil"?
davon abgesehen denke ich auch, dein stil, it, wird dem thema nicht gerecht. das ist eine (meist) sehr gekonnte routineschreibe, vom "sich windenden Tier" bis zum "dumpf aufklatschenden Kopf" (dumpfes klatschen scheint mir aber überhaupt daneben...). sehr anschaulich ist das eigentlich beschrieben und trotzdem sträubt sich irgendwas in mir. einen "ärmeren" und zugleich genaueren stil würd ich mir wünschen (nach dem such ich übrigens auch noch...)


wolfgang

it
07.06.00, 10:52
Ich geb's ja zu. Aber mir war gestern nach Mord und Totschlag...

kassandra
07.06.00, 17:18
schon interessant, wie auf gewisse themen reagiert wird. soll jetzt vielleicht eine horder schwarzer skins einen netten deutschen zermantschen, kassandra, nur damit deine politischen empfindlichkeiten berücksichtigt sind? was heisst in dem zusammenhang "politisch wohlfeil"?
Diese Unterstellungen, Wolfgang R., bedürfen nun leider doch eines Kommentars.

1. Die Verurteilung von menschenverachtender Gewalt (unabhängig, ob sie nun von "rechten" Skinheads, "linken" Anarchisten oder von türkischen/albanischen/sonstigen Jugendbanden ausgeübt wird) sollte unter erwachsenen Menschen Allgemeingut sein. Das hat auch nichts mit "politischen Empfindlichkeiten" zu tun. In meiner Kritik ging es um einseitige, plakative Schwarz-Weiß-Malerei im reziproken Wortsinn.

2. Was "(kultur-)politisch wohlfeil" ist, kann ich Dir gerne erklären. In unserer von lernunfähigen 68ern geprägten Kulturlandschaft wird jedes noch so unsinnige und handwerklich miserable Machwerk gefördert, solange nur die politische Richtung stimmt. Ein Autor/Drehbuchregisseur kann also gar nichts falsch machen, wenn er als positive Helden/Opfer diverse Minderheiten (bevorzugt farbig) wählt und als finstere Gegenspieler alte oder neue ****s, wobei gewisssenlose faschistoide Sektenführer mittlerweile auch eine gute Chance haben. Vollends glaubwürdig wird ein derartiges Werk allerdings erst, wenn sich herausstellt, daß der Anführer/Anstifter der Schurken ein ehemaliger SS-Mann ist, der gerade aus Südamerika zurückgekehrt ist. Kunstwerke dieser Art sind dann faktisch nicht mehr "ablehnungsfähig" und überschwemmen sowohl unser öffentlich-rechtliches Fernsehen als auch den deutschen Buchmarkt. Mich erinnert das ganze arg an die Kulturlandschaft in der ehemaligen DDR. Der sicherste Weg, gedruckt zu werden, war damals die "literarische" Beschäftigung mit der von Entbehrungen und selbtslosen Heldentaten geprägten Jugend von Ernst Thälmann oder anderen kommunistischen Gallionsfiguren (gern auch sowjetisch). Ich habe die Leute, die sich zu so etwas hergaben, immer verachtet, und deshalb schmerzt mich die offenkundige Verlogenheit unserer Kulturszene besonders.

3. Wenn sowohl die offizielle Geschichtsschreibung als auch die staatlich geförderte Kulturpolitik keinerlei Beziehung mehr zu den persönlichen Erfahrungen und Gefühlen des überwiegenden Teils der Bevölkerung hat, dann ist die Demokratie - zu der es in der Tat keine erträgliche Alternative gibt - auf Dauer nachhaltig gefährdet. Wahlbeteiligungen von 50% und weniger beweisen das nachdrücklich.

K.

ghg
07.06.00, 21:07
guten abend kassandra
ich gebe dir recht, natürlich muss man auch im westen wissen, was gewollt ist, wenn man verkaufen will. in basel wird ein stück uraufgeführt, dessen inhalt das elend des sich verkaufenden dichters ist, anhand von kotzebue, gemeint noch für die ddr. warum wird dieses schöne stück, radikaler Abrechnung] mit diesem vergangenen staat, in der schweiz uraufgeführt? und nicht in leipzig? jetzt passt es aus anderen gründen nicht, aber es passt nicht!
vorsichtiger wäre ich aber mit den dichtern in der ddr. ein sehr geringer bruchteil von denen verdiente sein geld via thälmann. wobei natürlich auch genau geschaut wurde, was man anbot. ob es passte. zu diesem thema setze ich in den nächsten tagen einen kleinen text hier herein, der aber noch schliff braucht, damit die gestrengen herren hier, nicht soviel zum hacken haben.


zum text selbst: den ersten teil mag ich. sterben in den bildern der anatomie ist eine lösung. vorsicht aber mit der perspektive. hals blick von innen, portalvene von aussen.
aber gute sprache!
der zweite teil ist wie kino.
es war mir ein vergnügen

ghg

Gast
08.06.00, 08:16
Kassandra! In welcher Welt lebst Du eigentlich? Vor 10..15 Jahren, mag ja sein - aber heute? Sicher, in den Theatern muffeln die Traditionsaltlinken68er vor sich hin - aber wen interessiert das denn noch? Nimm Dir doch nur ein Fernsehprogrammheft, schau in eine Zeitung. Willst Du z.B. Stern und Spiegel noch als linke Kampfpresse bezeichnen? Politisch wohlfeil sind doch eher der arabische Drogendealer, die Russenmafia, die AIDS-verseuchten Afrikaner.
Und mit Blick auf die Reaktionen zu its Beitrag: wir wollen nicht über sowas reden- wir wollen wegschauen dürfen- all das Elend auf der Welt ist auf Dauer auch nur langweilig.
Erstaunlich nur, wieviel in einem Literaturforum über political correctness (was unangenehm ist darf nicht ausgesprochen werden) geredet wird - und wie wenig über literarische Aspekte. Ich finde den Text beachtlich trotz seiner Skizzenhaftigkeit- er weckt Gefühle und Assoziationen, auch kommt (ohnmächtige?) Wut des Autors (der Autorin?) auf seine/ihre Umwelt gut zum Ausdruck.

Wolfgang R
08.06.00, 13:12
Original erstellt von kassandra:
Vordergründig und politisch wohlfeil.
Wäre aber vielleicht ein guter Einstieg ins deutsche Verlagswesen.
K.


da du schon von unterstellung schreibst ....


ich denke aber, es ergibt sich ganz allgemein die frage, ob und in welcher form heute überhaupt noch von menschenrechten bzw. deren verletzung, sozialen missständen u.dgl. geschrieben werden.
fallen gewisse themen automatisch unter den bannfluch des umgedrehten "political correctness"-verdikts ("betroffenheitslyrik" ist auch so ein lieblingsvokabel)?
ok, die übersättigung durch "engagierte" literatur ist ja tatsächlich schon vor geraumer zeit eingetreten, aber ich hab halt das gefühl "pc" wird heute nur von denen in den mund genommen, die auch von "altachtundsechzigern, linkslinken, gutmenschen und der faschismuskeule" lamentieren, um auf abweichende meinungen, texte, etc. nicht eingehn zu müssen.
das alles hat mit its text nur am rande zu tun, meine vorbehalte gegen die art der darstellung bleiben aufrecht.
wollte nur darauf hinweisen, dass der anti-pc reflex mindestens so unsinnig ist wie eine falsch verstandene pc.


wolfgang

luv
09.06.00, 20:15
Zu der sattsam bekannten Stereotypensammlung von kassandra (die sich darauf zu kaprizieren scheint, daß nur der Ex-Ossie ein guter&wahrer Wessie sein kann) nur soviel:

meine spontane Assoziation war nicht "Skin" oder "Anarcho" sondern der Zellentrakt in einem großstädtischen Polizeirevier.


Ich glaube, kassandra, es hat in der BRD seit Mitte der Sechziger Formen der politischen Sozialisation gegeben, die dir bisher schlichtweg verborgen geblieben sind. Das macht ja nix. Ärgerlich ist nur die selbstherrliche Arroganz eines Schreibers, der alles auf sein Readers-Digest-Niveau drücken will und sich dabei noch erhaben vorkommt.


Nur noch zu dem immer wieder gern angeführten SS-Mann, der angeblich dem Künstler die Türen öffnet: Im Westen hat eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (die auch eine Auseinandersetzung mit den Vätern war) seit 1968 durchaus stattgefunden. In der DDR gab es ja keine ****s, kassandra? War's halt nicht so wichtig: der GenerationenStreit. Heute findest du die Reibungspunkte von damals nicht wieder, obwohl du sie brauchst, wenn du wirklich etwas nachholen wolltest, was du in der DDR gar nicht konntest. Macht ja auch nix. Aber den Wert von Texten ständig an einer vermuteten politischen Haltung des Autors festmachen zu wollen: das ist doch wirklich kaderdumm.


Ach, und für das Asterisken-Quartett bin ich wirklich dankbar! Ich bin zensiert worden! Erstmalig! Wow!


(Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob ich gleich "****iert* lesen darf. Ich schreibs mal so: censiert).


Gruß, besonders an Edgar, den ich schon ganz gut verstehen kann.


luv

kassandra
09.06.00, 21:09
Nur noch zu dem immer wieder gern angeführten SS-Mann, der angeblich dem Künstler die Türen öffnet: Im Westen hat eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (die auch eine Auseinandersetzung mit den Vätern war) seit 1968 durchaus stattgefunden. In der DDR gab es ja keine ****s, kassandra? War's halt nicht so wichtig: der GenerationenStreit. Heute findest du die Reibungspunkte von damals nicht wieder, obwohl du sie brauchst, wenn du wirklich etwas nachholen wolltest, was du in der DDR gar nicht konntest.
Was weißt Du, luv, schon über uns?
Doch nichts, außer dem, was Du im "Readers Digest" und in der "taz" gelesen hast.
Die Zone war doch für Euch Elfenbeinturm-Demokraten ebenso weit weg wie Ruanda oder die Fidschi-Inseln.
Was weißt Du schon über die Auseinandersetzungen zwischen Vätern und Söhnen, die allerdings weniger heuchlerisch und oberflächlich abliefen als bei Euch Pseudo-Revoluzzern?
Nichts.
Heute ziehen selbstgerechte Schwachköpfe wie Du durchs Land und verleumden Menschen, die zu 99% selbst nichts anderes waren als Opfer.
Und Ihr merkt nicht einmal, daß ihr selbst die willfährigen Opfer eines kulturellen Morgenthau-Planes geworden seid.
Gegen Eure Heuchelei und Verlogenheit waren Moskaus Statthalter in der Zone in der Tat beinahe Ehrenmänner.


K.

rodbertus
09.06.00, 21:19
Hallo Gast!


Manchmal bist du arg blauäugig. Was du nicht alles nicht der Literatur zu subsumieren gedachtest. Literatur ist Leben, sofern das Leben angetroffen wird im Getexte. Also kann alles L. sein. Nur eine meiner kleinen und so unbeliebten Belehrungen.


Kassandra: Wehr dich! Ich bin den 68er Kulturverweigerern und Kriegstreibern auch nicht gewogen und glaube, daß einer der größten Irrtümer im westdeutschen Selbverständnis darin liegt, daß sie allesamt weichgespülte Heuchler sind und nur manche den Kopf aus der Brühe heben, dennoch unfähig, neue Lebensmuster für unser Vaterland zu entwickeln. Das müssen schon wir Mitteldeutschen machen!


Gast: Und der SPIEGEL ist doch links: Wenn da eine Überschrift steht:
Ist es ausländerfeindlich, von radikalen Muslimen Respekt vor dem Grundgesetz zu erwarten? (23/2000, S. 66), dann geht das von der strammdankbarantideutschnationallinken Thesis aus, daß die Deutschen allen anderen deren Grundrechte zu verstatten hä, man selber aber die Schnauze zu halten habe. Das sei eine Lehre aus der Geschichte. Alles Weitere ist dann nur akzidentiell, um ein in diesem Forum so gern strapaziertes Wort zu benennen.


Nur so ein Einwurf. Vielleicht kommen wir hier noch in Schwung.

Eulalie
09.06.00, 22:13
hallo it,

den ersten teil mag ich überhaupt nicht.
die brutalität, wie du sie beschreibst, beeindruckt mich fast gar nicht. andeutungen, die mich "alleine ließen", wären "wirkungsvoller.

der 2. teil ist gerade zu unheimlich echt angekommen. klischee wie es doch jeden tag vorkommt, egal wo auf der welt.
by the way, was ist ein klischee?

grüße

e.

luv
09.06.00, 22:23
Schöne Rede, die die kassandra da führt. Leider völlig unbrauchbar. Vermutungen, Unterstellungen: du scheinst ja meinen Lebensweg klarer vor Augen zu haben als ich? Du kennst den Inhalt meines Briefkastens? Also, ich schlag dir mal eine Alternativ-Vita vor, ganz hypothetisch:


luv, 1961 aus der DDR geflohen, nicht mehr mitgenommen als eine DDR-Schulbildung mit dem üblichen Pi-Pa-Po dabei. Vater vom Oberförster zum Altglas-Sortierer befördert, weil er nicht in die Partei wollte: Moped statt Dienst-Trabant: Rheuma. 1967 Mitglied bei den Jusos, 1967 Parteiausschluß wg. Aktivitäten im SDS. Wasserwerfer in den Bauch gekriegt, Springer-LKWs umgestürzt und in Brand gesetzt; u. a. wg. DDR-Verhetzung in BILD, WELT undsoweiter. Vietnamdeserteure nach Schweden geschleust:


Beweise(!) mir, daß das nicht stimmt.


Warum wirst, nein, besser: bist du so unsachlich? Soviel hats ja gerade noch mit Diskussion am und über Text zu tun: da? Du dich wenigstens einmal bemühen könntest, von dieser Was-wißt-ihr-schon-Schiene herunterzukommen. Die ist weiner- und lächerlich.


Ob der Spiegel links oder rechts oder, wie ich glaube gar nix ist als ein Klatschblatt: mir doch egal. Was hat das mit its Text zu tun? Der ist politisch insofern, als er eine Situation schildert, wie sie sich tatsächlich zutragen kann, ähnlich zugetragen hat, ob die Gewalttäter Neo****s in Magdeburg oder Bullen in Sonstwo sind, ist für den Text völlig unerheblich.


luv


Gegen die Verflachung der Literatur in Ost und West!


(müßt ich heute sagen, wenn mir die Wörter von damals noch zur Verfügung stünden, hehe!)

kassandra
10.06.00, 10:21
Nein, luv, hier geht es nicht um Persönliches. Ich habe mir nie ein Urteil über persönliche Lebenswege angemaßt.
Wenn ich "Ihr" schreibe, dann meine ich "Eure" politische Klasse, die keineswegs die herrschende ist, sondern die der erfolgreich depatriierten Marionetten, die das Lied derer singen, die Ihnen einst mit dem Marshall-Plan (scheinbar) aus der Patsche geholfen haben.


Mit "Ihr" meine ich diejenigen, die begeistert das Gequatsche von einer imaginären "europäischen Identität" aufgenommen haben und als eigene Kreation weiterverkaufen. Was von dem "gemeinsamen Haus Europa" zu halten ist, würde man sehr schnell feststellen, wenn Deutschland seine Zahlungen in die EU-Kasse einstellen würde ...


Mit "Ihr" meine ich diejenigen, für die die deutschen Opfer von Krieg und Vertreibung entweder nicht oder nur als Opfer III. Klasse existieren (selber schuld, die Vertriebenen und Bombenopfer),


Mit "Ihr" meine ich diejenigen, die glauben, durch monumentale Mahn-Installationen an möglichst vielen Orten, könnte man die Achtung des Auslandes und die Vergebung der Opfer erlangen (in Wahrheit erntet man damit nur Überdruß und Unverständnis im eigenen Lande und macht sich im Ausland verächtlich),


Mit "Ihr" meine ich diejenigen, die (berechtigterweise) die brutalen Übergriffe fremdenfeindlicher Schläger beklagen, bei ähnlich motivierten Straftaten ausländischer Jugendbanden aber gnädig die Augen verschließen (schließlich sind die Opfer ja bloß Deutsche, und deshalb besteht wirklich kein Anlaß, publikumswirksame Menschenketten zu bilden. Schon allein, weil die New York Times wohl kaum darüber berichten wird).


Somit wären wir wieder am Ausgangspunkt (its Beitrag) angekommen, und da Ihr ohnehin nicht begreifen werdet, daß 2000 nicht 1968 ist, war vermutlich jedes Wort umsonst.


K.

Schwarzes Pferd
10.06.00, 10:25
liebe it,




leider sind hier einige unstimmigkeiten.
wer professionell neger aufklatscht, macht das nicht so dilletantisch auf weißen fliesen und fugen. wer ein diesem bereich ein anfänger ist, quatscht nicht so überlegen daher.
leider habe ich nach sedimentation des textes festgestellt, daß wenn ich ein paar worte eliminiere, ich gespannt auf den satz warte, harry hol schon mal den wagen.


"Sie richteten sich auf und traten einen Schritt zurück, bemerkten zum ersten Mal die roten Schlieren auf dem grellen Weiss der Porzellankacheln. Zähes Blut kroch durch die Fugen. Unter ihren Stiefeln nahmen sie es mit. Sie atmeten schwer, als seien sie gerannt. War die Feuchtigkeit in ihren Gesichtern Schweiss oder Blut? Sie sahen sich nicht an."



lieber herr ghg,


von apfelsaft bzw. (-matsch) mögen die eidegenossen ja was verstehen, aber kotzebue den armen politisch diskriminierten zu nennen ist hieße extrem an elektrolytmangel zu leiden.
mensch der wollte doch nur verkaufen und hat das hinreichend getan. glauben sie , daß herr simmel oder konsalik darunter leiden, eine halbwertzeit von zwei jahren zu besitzen.




...dessen inhalt das elend des sich verkaufenden dichters ist, anhand von kotzebue, gemeint noch für die ddr...



und jetzt noch das hämmerchen.
niemand will mit der ddr abrechnen. jedenfalls niemand, der wirklich in ihr gelebt hat.
das war wirklich keine qual, glauben sie uns. Haben sie schon mit ihren eltern abgerechnet? darauf kommt doch kein normaler mensch.
abrechnen kann man nur mit einer sache, die substanz hat. diese sogenannte substanz der ddr, können sie jetzt im bundestag, bei ikea und in den irrenhäusern dieses landes bewundern.
nein nein mein freund, darum ging es nie. es geht darum das zwei politische analphabeten, die die beiden deutschen staaten ja nun mal sind, endlich lernen, sich erwachsene zu benehmen, denn nur dann wird ihre umgebung sie auch wirklich ernst nehmen und nicht wie den großen onkel behandeln, der immer seine dicke börse zücken muß.
glauben sie mir, das ist das wahre problem.
sollte dieser zustand irgendwann erreicht sein, entfällt die gefahr, permanent und langweilend aneinander vorbeizureden.


mit sozialistischem gruß


sp

asmodai
10.06.00, 10:50
ein plakat in schreienden farben ist es. ja. und? plakate in schreienden farben sieht man besser als zarte pastellbilder mit fein ausgemaltem hintergrund. und dieses plakat hier sollte man ruhig sehen, auch wenn es - in kassandras sinne - nicht politisch korrekt ist. ich mag solche plakate, zumal wenn sie handwerklich so gut gemacht sind wie dieses hier von it. nennt es meinetwegen gebrauchskunst, wenn ihr mehr nicht gelten lassen wollt. nur - trampelt nicht immer nur selbstverliebt darauf herum.


kassandra, den vergleich mit thälmann-heldenbildern finde ich übrigens hundserbärmlich. etwas weniger klitterei dürfte es schon sein, oder meinst du nicht?

ghg
12.06.00, 10:24
sehr geehrtes pferd,
ha, das sehe ich jetzt erst. und wieder eine wahl zur miss verstand.
ich schrieb im zusammenhang mit august v. kotzebue vom elend "DES SICH VERKAUFENDEN DICHTERS!". darum ging es doch thomas brasch in seinem stück. thomas brasch ein dramtiker ausd er ddr der sich nicht der sich eben nicht verkaufte und die konsequenzen augenscheinlich bis heute zu tragen hat. das meinte ich. das mit dem apfelsaft und den eidgenossen verstehe ich nicht. aber bin ja auch erst anfänger.


Original erstellt von Schwarzes Pferd:


niemand will mit der ddr abrechnen. jedenfalls niemand, der wirklich in ihr gelebt hat.
das war wirklich keine qual, glauben sie uns. Haben sie schon mit ihren eltern abgerechnet? darauf kommt doch kein normaler mensch.
abrechnen kann man nur mit einer sache, die substanz hat.



hochverehrtes pferd,
das es keine qual war, das leben in der ddr, glaube ich nicht nur, ich weiss es. und finde darin antrieb zum schreiben: wir lebten in einer diktatur ohne es als qual zu empfinden. das macht mich heute unruhig. das ist politik und die eltern sind privat. und in der exddr stimmt eben das nicht. meine eltern waren politische menschen und deren tun wirkt bis zum heutigen tage in mein leben. natürlich habe ich mit meinen eltern abgerechnet und ihnen vergeben. das setzt abrechnung mit sich selbst voraus, ohne vergeben. herr von pferd, ich halte jemanden der nicht mit seinen eltern abrechnet, für nicht normal. mit den eltern abrechnen, aber gleichzeitig wissen, das man ähnliche fehler an anderen stellen machen wird. ich freue mich auf den tag wenn meine töchter mit mir abrechnen. da werde ich viel erfahren über sie und über mich.


gruss ghg

it
16.06.00, 09:06
Na, das ist ja doch noch ein interessanter Ordner geworden, wer hätte das gedacht.

Zuerstmal: am nächsten lag luv mit seiner Interpretation von zwei Bullen (es sollte billiges Wachpersonal in einem Einkaufszentrum sein), an Skin habe ich nie auch nur gedacht.
Wahrscheinlich ist meine Biographie der luvs dann noch am ähnlichsten. Ich finde es aber bemerkenswert, wie Lebensläufe hier zwischen den Zeilen hochkriechen - denn es sind unsere Biographien und politischen Überzeugungen, die diesen Ordner prägen, und nicht der Text.


Vielleicht dazu mal ein eigener Ordner? Wo sind die Texte zu diesem Thema?


Gruss, it

willieh
17.06.00, 14:29
Was ist Qual?


Kann man Halbwertszeiten mit Verleugnung gleichsetzen?


Vergessen mit Verbiegen? Die Gewalt muss ja nicht poltern, sie kann auch schleichen!


Was Sie meinen, Rappe, kommt von der ewigen Grammatikisterei hier: dass man in der DDR das Rot-Grün verlassen konnte, wenn man genug hatte; nur das ist ein Irrtum, und Kneipen gibts viele!

Schwarzes Pferd
17.06.00, 17:01
sehr geehrter herr ghg,


lassen sie uns genau hier weitermachen. das dürfte ein kondensationspunkt sein. wenn sie bereit sind diesen kontext zu reflektieren , werde ich die oberflächkeit dieses ordners verlassen und etwas tiefer eintauchen.


sie sind genau am punkt.


drei fragen zum beginn:


1. womit sollten wir ddr abrechnen,
politisch, theoretisch, persönlich?


2. womit sollten die brd abrechnen,
politisch, theoretisch, persönlich?


0. jetzt kreuzen wir die dopplungen raus.


3. womit sollte das Neue Deutschland abrechnen?


X. was wäre deutschland europa anzurechnen?




letztlich streichen wir die literarisch irrelevanten bereiche und gießen das ganze in ein hyperfictionforum.


sie haben meine hand.




mfg


sp

ghg
17.06.00, 18:25
gute abend pferd
unverhofft kommt oft und das am siebzehnten juni! ganz so logisch geh ich nicht an die fragen die mich umtreiben. und womit man in der brd abrechnen müsste? schwierig für mich. von der europafrage mal ganz zu schweigen. an der ddr interessiert mich eben, wie die theorie sich im täglichen politischen leben niederschlug und wie sie, bis heute und sicher noch über viele jahre in unsere leben wirkt. das wäre die persönliche sicht. und keine andere kann ich bedienen. darum schreibe ich. ein hyperfiktionprojekt zum thema würde mich sehr interessieren.
was da 1990 eigentlich abging, habe ich bis heute nicht ganz gerafft, auch wenn ich selbst feurige reden in den kirchen hielt, damals. tief in der provinz und weit nachdem es gefährlich war. so lief übrigens ein grossteil dieser friedlichen "revolution" ab. passsieren musste es. stellen sie sich mal vor: die ddr und das internet! na das wär was geworden!

schönen abend

ghg

resurrector
12.08.18, 08:44
Kein unflotter Ordner, in dem aber nach anfänglichem Wiehern doch nicht dazu übergegangen werden wollte, die Kuh auch vom Eis zu ziehen. Das lag aber nicht nur am Rappen.
Ich glaube, eine anschaulichere Geschichte des deutschen Volkes als die seiner Einzelbausteine kann kaum geschrieben werden. Mein Geschichtslehrer nannte das "oral history".

anderedimension
13.08.18, 19:48
Die DDR wurde niemals wirklich...sondern nur historisch aufgearbeitet...und das wiederum ist ein historischer Fehler...der sich als solcher aber erst noch herausstellen wird.