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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fahrten



allerleirau
08.09.00, 02:00
unter dem Großen Bären fahrend
am fuße der reise nach New York
kalkige wogengebirge
maisstroh in walfontönen eingeschweißt
in einem tonkrug
seidenblüten auf plastikstielen
rosa und weiße nelken
miserere

andrea
08.09.00, 03:22
Das gefällt mir! gefällt mir sogar sehr!
"am fuße der reise nach New York" - meine lieblingszeile.
die sprache ist hier eigenwillig, besonders (aber nicht krampfhaft gesucht), das von mir (an anderer stelle) eingeforderte widersätzliche ist fast heimlich - als ob es sich ungesehen eingeschlichen hätte - vorhanden: das eingeschweißt, die plastikstiele.


nur mit dem letzten wort komm ich nicht zurecht. ich verstehe weder seinen sinn (in dem zusammenhang), noch (und das hängt ja damit zusammen)diese prominente stelle als einzel- und letztes wort des gedichts.


andrea

aerolith
08.09.00, 06:06
Ein steter Wechsel der Perspektiven, dazu ein Wirbel, akrobatisch ausgehalten und verdichtet in einem Ausruf des Entsetztseins, das Ganze gut durchgerührt. Fertig.
Bist Du damit zufrieden?
Immerhin hast Du den Anschein gegeben, hier fertiggeworden zu sein.
andrea, mit dem Aufdecken der Schwäche des letzten Verses (?) hast Du recht. Eindeutig ein Manko. Denn damit wird die Vorstellungswelt gebrochen, unsanft hatte man sich eingerichtet in dieser etwas diffusen, aber dennoch transparenten Sprachwelt, angezeigt durch verschiedene und trotzdem verträglich seiende Gedankenpaare.
Die Technik Deines Zusammenbauns mußt Du mir mal erklären!

P.S. Sitzt ihr nebeneinander? Eure IPs unterscheiden sich nur in der letzten Ziffer.

confusius
08.09.00, 22:02
miserere bringt mich erst auf die Spur.

allerleirau
11.09.00, 03:09
meine liebe andrea,
ich hab noch nie irgend etwas krampfhaft gesucht im verbalen. sonst vielleicht die wohnungsschlüssel oder den führerschein.


im fahrten-text kehrt sich schon das unterste zu oberst und das innere nach außen. obwohl ich es lieber ruhig und geklärt hab.


miserere... das große kotzen


a.

aerolith
22.11.02, 15:22
Das große Kotzen liegt im Inneren? Und es wurde nach außen gekehrt, bei der Ankunft nach dem langen Warten?


AM FUSZE? Gut, ein Dreiangel, Wasser - Schiff - Himmel mit Gestirn. Die Richtung ist nur West, nicht Nordnordwest, wo der Große Bär, die Große Bärin (!?) west. Fehler? Oder kömmst Du von Afrika?


Das letzte Wort ist schlecht. Es verdirbt den Brei. KALKIG steht hilflos. Das andere paßt, gibt schöne Antinomien.