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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 1916/17 (i)



aerolith
23.09.07, 09:27
Jetzt hat sich einer den "Roten Baron" vorgenommen und will dem am Zeug flicken. SPIEGEL stellt das auch gleich in seiner Überschrift heraus, kann es dann im Text aber nicht nachweisen. Ja, erwartet denn da irgendjemand, daß der Baron in den Kampf zog, um niemanden zu töten. Es hieß immer noch: er oder ich! Das Verhältnis unserer Kämpfer gegen die Feinde lag nicht bei 1:2, sondern 1:5 und später 1:10. Aber wir haben trotzdem die Front gehalten. Ätsch, ihr linksliberalen Pappnasen! Und es ist immer noch ein Unterschied, ob jemand von jemandem zu seinen Zwecken ausgenutzt wird oder ob er unabhängig davon seinen Mann steht. Und Richthofen mag nicht das hellste Licht auf dem Geburtstagskuchen gewesen sein (wer Flieger ist, muß das auch nicht sein), aber er hat heldenhaft für das Reich gekämpft. Und dafür Hochachtung und größtmöglichen Dank!


erstellt von SPIEGEL (http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,507182,00.html):
[..]
Es wäre ein abgegriffenes und gängiges Unterfangen, den "Helden" Richthofen vom "Sockel" zu stoßen und ihn aus der heutigen Perspektive als einen "hirnlosen" Schießer abzuqualifizieren. Aufschlussreicher ist es, Richthofen und seine Zeit verstehen zu wollen: Richthofen, das ist die Geschichte eines ehrgeizigen Offiziers, der innerhalb kürzester Zeit zum Idol seiner Zeit aufgebaut wurde. Ihm selbst war dabei allerdings der Trubel um seine Person rasch zuwider geworden. Der Luftkampf war ihm sowohl zum Rausch als auch zum Fluch geworden: Bereits Ende 1917 schrieb der Jungheld: "Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute. Wenn ich meinen Fuß auf dem Flugplatz wieder auf den Boden gesetzt habe, dann mache ich, dass ich in meine vier Wände komme, will niemand sehen und von nichts hören. Ich glaube, so ist es wirklich, es ist nicht so, wie die Leute in der Heimat sich das vorstellen, mit Hurra und Gebrüll, es ist viel ernster, verbissener."



Richthofen - das ist eine Figur, über die es sich lohnt, auch heute noch nachzudenken: Inwieweit passen die Begriffe "Krieg" und "Held" zueinander? Aus seinem Nachlass und den Erinnerungen seiner Kameraden wird deutlich, wie sehr sich die Wunschvorstellung eines ritterlichen Kampfs von der verzweifelten Abwehrschlacht in der Luft und der Erfüllung von möglichst hohen Abschussquoten unterschied. Hinter der glatten Heldenfassade verbarg sich ein mutiger, aber auch narzistischer, scheuer und zerrissener Mensch.

ala
23.09.07, 11:07
auch ein beitrag zur psychologischen geschichtsschreibung!
warum soll denn aus einem scheuen jungen kein held werden können?
nein - da muß schon eine gehirnverletzung ihn so mutig gemacht haben.. tststs
mein großvater väterlicherseits ist auch im ersten weltkrieg geflogen, hat ?ber bozen seine taschenuhr aus dem doppeldecker verloren und sie nach dem krieg wieder tatsächlich auf dem acker gefunden - das ist aber eine gar nicht bekannte wahrheit der weltgeschichte. macht aber auch nix.

aerolith
14.06.15, 10:31
Nach dem Sieg der Mittelmächte (v.a. Deutsche, Bulgaren und Kroaten) gegen Serbien im Oktober 1915 war der Balkan in der Hand der Mittelmächte, und das osmanische Imperium konnte mit Kriegsmaterial versorgt werden. Die Entente erkannte ihre hier schwache Position, zog sich aus Gallipoli (am Marmarameer südlich von Istanbul) zurück [1] und verstärkte statt dessen mit elf britisch-französischen Divisionen und versprengten Serben den Druck auf das neutrale Saloniki (Griechenland), aber die Mittelmächte (bulgarische Truppen und deutsche Offiziere) konnten den geplanten Brückenkopf der Entente im eigentlich neutralen Nordgriechenland verhindern. Es schien so, als ob sich, wider alle Erwartungen des Westens, das Blatt zugunsten der Mittelmächte wenden würde.

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Fürst Bernhard von Bülow: Deutsche Politik, S. XII. Berlin 1916.



Das wäre ein Trugschluß. Die Niederlagen der Entente 1915 veränderten die Konstellation nicht wirklich. Die Mittelmächte standen gegen eine Übermacht, die sich mit der Zeit durchsetzen mußte, wenn nicht ein Sonderfriede mit Rußland oder ein genial geführter Angriff im Westen die Einnahme Parisens und damit den Sieg schaffen würde. Aber auch der unwahrscheinliche Glücksfall einer Eroberung der feindlichen Hauptstadt hätte den Krieg nicht für die Mittelmächte entscheiden können, ephemer, aber nicht dauerhaft, denn es war den Mittelmächten aus Gründen ihres Selbstverständnisses der Selbstbeschränkung unmöglich, sich gegen die imperialen Angelsachsen behaupten zu können, zumal mit den USA und Japan weitere Großmächte nur auf den geeigneten Augenblick warteten, die Scherben des Krieges zusammenzukehren und für sich zu nutzen. Die Mittelmächte besaßen keine Option auf Weltmacht. Der in der vergangenen Forschung oft kolportierte „Griff nach der Weltmacht“ (Fischer), der auch noch verspätet erfolgen sollte… es gab ihn nicht. Die Mittelmächte besaßen schlichtweg nicht die wirtschaftlichen, zahlenmäßigen oder intentiösen Affizierungen nach einer Weltmacht. Ihr Ziel war bis 1916 die Erhaltung des status quo ante bellum, war die Schaffung eines weltweit möglichen Handels, war konservativ, nicht expansiv. Daß Österreich einige Gebiete auf dem Balkan zur Abrundung wollte, daß im Reich manche Stimme sich erhob, um im Baltikum oder in Afrika einiges ans Reich zu binden, bedeutet keinen Weltmachtplan, im Gegenteil: Wie groß sind die Unterschiede hier! Die einen wollen die Vernichtung des Konkurrenten, die anderen Abrundungen ihrer Gebiete, wenn überhaupt.

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Staffel Richthofen (Richthofen links mit Pour le Merite, neben Richthofen drei weitere Pour le Merite - Träger, die drei anderen Piloten seiner Staffel mit dem EK; EK-Träger mußten zuerst gegrüßt werden, es sei denn, sie trafen einen Pour le Merite-Träger, den mußten sie zuerst grüßen, auch wenn sie im Dienstgrad höherstanden)






Die deutschen Siege verstärkten die Propaganda der Entente. Der Welt wurde ein friedliebendes deutsches Volk dargestellt, an dessen Spitze sich eine volksfremde Kriegerkaste aus Preußen gestellt habe, die selbst von Unrechtstaten wie dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 oder dem Durchmarsch durchs neutrale Belgien nicht zurückschrecke und die nach der Weltherrschaft strebe. Die Entente trete als Befreier der Menschheit auf. Man müsse den preußischen Militarismus besiegen, dann würde die Welt in ewigem Frieden leben können, ein Commonwealth unter angelsächsisch-französischer Führung garantiere das.
Die Entente arbeitete nicht nur in diesem Propagandafeld erfolgreicher als die Mittelmächte, deren Argumente bei den Neutralen außerhalb Europas nicht verfingen, Südamerika einmal ausgenommen. Diese erfolgreiche Propaganda war wichtig, aber kriegsentscheidend wäre sie nicht geworden, denn die Macht der Presse wird geflissentlich in Demokratien überschätzt. Zudem hatte sich Amerika schon vor dem Krieg festgelegt und mit Britannien die claims abgesteckt. Das Reich war die Konkursmasse, aus der sich die amerikanische Wirtschaft bedienen wollte. Die Entente war keine wirtschaftliche Gefahr für Amerika, zudem konnte man sie als Hauptgläubiger politisch abhängig halten. Die Entente wiederum benötigte die amerikanische Waffenschmiede, was sie mit staatlichen Anleihen und Krediten bezahlte, die irgendwann das Reich als mutmaßlicher Verlierer würde begleichen müssen. Die Amerikaner erhielten ein gigantisches Wirtschaftsprogramm und potente Schuldner, die Jahrzehnte für sie würden arbeiten müssen, außerdem würde der $ zur Leitwährung der Welt werden und damit auf Jahrzehnte hinaus die amerikanische Hegemonie sichergestellt werden.
Ob die Amerikaner wegen dieser sich abzeichnenden Vorteile im Vorglühen des Krieges ihr Scherflein bei der Konstruierung des Kriegsanlasses beitrugen oder schlichtweg abwarteten, um im geeigneten Moment zuzuschlagen, ob sie also mitschuldig an diesem Krieg sind oder sich nur als Nutznießer darstellen lassen, kann heute nicht entschieden werden.
Daß 1915/16 im Reich immer noch etliche an die amerikanische Neutralität zu glauben bereit waren und darauf hofften, es gäbe einen britisch-amerikanischen Weltgegensatz, der stärker sei als die Stammesgenossenschaft beider, oder der gar hoffte, daß sich die zahlreichen (politisch einflußlosen) Deutschamerikaner [2] würden durchsetzen können, ist wohl der Gutgläubigkeit der Deutschen zuzuschreiben. Realistisch war diese Hoffnung nicht.

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Kanzler Bethmann Hollweg vor dem Reichstag am 28. September 1916



1916 sollte das Jahr der Entscheidung werden. Große Schlachten im Westen (Verdun), im Süden (Südtirol) und im Osten (Brussilow-Offensive) brachten kein Vor und kein Zurück, aber Ende 1916 war Rumänien [3] von den Mittelmächten niedergerungen worden. Ein von deutscher Seite vorgebrachtes Friedensangebot, das die breite Zustimmung im Reichstag gefunden hatte, wurde von Briten und Franzosen abgelehnt. Warum sollte die Entente es auch annehmen? Eine Fixierung des status quo ante, wie der Vorschlag assoziierte, hätte in Amerika eine Wirtschaftskrise hervorgerufen, Westeuropa ungeheuerlich verschuldet und dem Reich genutzt, das eh nichts anderes wollte als status quo ante. Eine Annahme hätte den Kriegszielen der Entente nicht entsprochen. Die Folge der Ablehnung war die Erklärung des unbeschränkten U-Boot-Krieges, den Bethmann Hollweg und Vizekanzler Helfferich, die ihn politisch hätten verhindern müssen, gegen den Willen der Parlamentsmehrheit und des OHL nicht verhindern konnten oder wollten, weil man sich nicht nur in der OHL eine Abkürzung des Krieges davon versprach. [4] Das brachte die USA schnell zur Kriegserklärung, wobei man dort nur auf den richtigen Augenblick wartete, der jetzt, zudem nach der Wiederwahl des Isolationismus verkünden Wilson, gegeben schien. Falls Bethmann den unbeschränkten U-Boot-Krieg verhindert hätte, was nur bei einer Verschmelzung aus politischer und wirtschaftlicher Führung bei den Mittelmächten hätte erfolgen können, die strukturell nicht gegeben war, dann hätte es eben einen anderen Anlaß gegeben, denn in Amerika wartete man nur auf den entscheidenden Augenblick, um als Zünglein an der Waage die Scherben des europäischen Großkrieges einzusammeln. Nun also der erklärte unbeschränkte U-Boot-Krieg! [5]
Mit den USA erklärten auch China und Brasilien den Mittelmächten den Krieg und nahmen umgehend deutschen Besitz an sich. Einigen Nationen gereicht heute zur Ehre, sich in dieser Situation neutral verhalten zu haben und nicht der verlogenen anglophonen Propaganda erlegen zu sein: Spanien, die Schweiz, Holland, Skandinavien, Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Venezuela und Chile seien hier genannt.

Kriegswirtschaft und ihre sozialen Folgen: Das Reich hatte 1914 keinen Plan, wie es wirtschaftlich und finanziell mit einem Krieg umgehen müßte. [6] Der jüdische Industrielle Rathenau regte beim Kaiser an, die Rohstofffrage zu klären. Er klärte die Frage in einer dafür vom Kriegsministerium eingerichteten Abteilung selbst und stellte fest, daß das Reich beim gegenwärtigen privaten Verbrauch ein Jahr würde überleben können. Daher wurde in dreierlei Richtung reagiert:



Einschränkung des privaten Verbrauchs: Die Auswirkungen dieser neuen Direktive sicherten zwar den Heeresbedarf und erfüllten damit ihre vorrangige Aufgabe, führten aber auch zu Not, Hunger und Krankheit. 1914/15 sammelte man noch Messingtürschilder, Türklinken, Kessel, Schuhbeschläge und dergleichen; bald aber reichte das längst nicht mehr aus. Kirchenglocken wurden eingeschmolzen; Fahrräder fuhren ohne Gummireifen; Pappsohlen ersetzten die aus Leder; Sägemehl streckte Getreide; Kohlrüben ersetzten Fleisch; Brennessel-, Ginster- und Bastkleidung statt Baumwolle. Hanf. Bezugsscheine statt freier Markt.
Umstellung der privaten Wirtschaft auf eine dem Kriegsbedarf unterworfene halbstaatliche: Dem Kriegsamt stand General Groener vor, der Arbeiter zuwies, Bekleidungs- und Munitionsproduktion koordinierte, außerdem Fragen des stark eingeschränkten Imports regelte. Eigentlich unterstand Groener der Regierung, aber letztlich entschied er, was er für richtig hielt. Groener wiederum hielt für richtig, was Hindenburg und Ludendorff ihm mitteilten. Es gab zahlreiche Mißstände (Kriegsgewinnler, Reklamierungswesen, geringe Besoldung an der Front, dagegen hohe Verdienste für die heimgebliebenen Facharbeiter), aber die Front wurde mit Soldaten und Ausrüstung ausreichend versorgt, um die Verteidigung des Reiches zu gewährleisten.
Erforschung von Ersatzstoffen: Die deutschen Chemiker entwickelten Verfahren, Schießpulver aus dem Stickstoff der Luft und Gummi ohne Einsatz von Kautschuk herzustellen, Öl wurde aus Schiefer gewonnen, Glyzerin aus der Zuckerrübe, Schwefel aus Gips.




[1] Der türkische Kriegsminister Enver Pascha hatte seine neue 5. Armee dem deutschen General Liman von Sanders überantwortet, der kurz nach Dienstantritt daran ging, die Transportwege auszubauen und seine Truppen neu zu organisieren. Unfähige alliierte Truppenbewegungen und eine fehlerhaft eingesetzte Artillerie halfen zum Sieg über die Truppen der Entente im April 1915. Zudem glänzte als Kompanieführer der 19. Kompanie der in vorderster Front kämpfende spätere Erneuerer der Türkei, Atatürk (Mustafa Kemal), und konnte den Vormarsch der überlegenen Anzac-Verbände (Australier und Neuseeländer) aufhalten, bis Verstärkungen im Landegebiet, ein paar Kilometer südlich der Suvla-Bucht (westlichster Zipfel der Halbinsel Gallipoli), eintrafen.

[2] Über 50 Millionen Amerikaner gaben in der 2010 durchgeführten Volkszählung „German“ als ihre Hauptabstammung an. Damit sind die Deutschamerikaner die größte Bevölkerungsgruppe in den Vereinigten Staaten. Der Anteil der „Deutschen“ in den USA dürfte um 1914 höher als heute gelegen haben. Der Grund: Die süd- und mittelamerikanische Immigration in den letzten dreißig Jahren veränderte die ethnische Zusammensetzung der US-Amerikaner zugunsten des lateinamerikanischen Anteils.

[3] Ausführungen des Reichskanzlers Bethmann Hollweg über die politische Entwicklung Rumäniens im Reichstag. Rumänien hatte die knappe Rückendeckung der Mittelmächte ausnutzen wollen, indem es, Gebrauch von seiner geographischen Lage machend, im Rücken der Ostfront in die ungarische Tiefebene eindrang, was den Krieg entscheiden hätte können. Allerdings unterbanden drei von der Westfront abgezogene deutsche Divisionen den Vormarsch der Rumänen rasch.

[4] „Der Hauptausschuß des Reichstages ließ durch den so vielfach tätigen und geschäftigen Zentrumsabgeordneten Erzberger der Regierung erklären, daß ein Reichskanzler, der nicht die durch die Not der Zeit gebotenen und die von der Obersten Heeresleitung geforderten letzten Mittel des Krieges einsetze, nicht mehr das Vertrauen des Reichstages besitze. Das bedeutete den uneingeschränkten U-Bootkrieg. Deutlich zeichnete sich hier ein fast unbewußtes Bündnis zwischen Oberster Heeresleitung und parlamentarisch-demokratischer Opposition gegen die Reichsregierung ab.“ (Helmut Göring: Krieg und Nachkriegszeit. Berlin 1935. S. 790.)

[5] Der uneingeschränkte U-Bootkrieg war ein unmoralisches Mittel und verstieß damit gegen die Grundlagen der deutschen Politik und des deutschen Selbstverständnisses, eben nur moralische Mittel anzuwenden, auch im Krieg. Bis zu dieser Ankündigung war das Reich die moralische Kraft im Weltkampf, weil es eben auf unmoralische Mittel verzichtet hatte, wie das Kanzlerwort in der Rede vom 28.September 1916 noch einmal ausdrücklich belegt. Als die OHL den Einsatz des uneingeschränkten U-Bootkrieges durchsetzen konnte (Ludendorff und Hindenburg), war damit nicht nur das politische Schicksal Bethmann Hollwegs entschieden (der das verhindern wollte), sondern das Reich zu einer x-beliebigen imperialen Macht geworden, die auch nichts anderes tat als ihre Gegner. Der Zweck heiligte jetzt die Mittel.

[6] Das Prinzip der Finanzierung lautete: Schulden machen. Der Reichstag gewährte dem Staat das Recht, Kredite aufzunehmen, Anleihen. Der Staat holte sich das Gold der Deutschen und gab ihnen dafür Anteile an künftigen Einnahmen, die auf der Siegeszuversicht basierten. Er richtete Darlehenskassen zur Überwindung der Kreditbedürfnisse der Bevölkerung ein. Darlehenskassenscheine, die wie Banknoten gehandelt wurden und keinen augenblicklichen Gegenwert besaßen, sondern die Zukunft belehnten. Die Reichsbank gab Schatzanweisungen mit dreimonatiger Laufzeit heraus und kaufte sie am Stichtag mit Zins zurück, was entweder durch erhöhte Steuern oder durch langfristige Staatsschuldpapiere gegenfinanziert werden mußte. Höhere Steuern kamen nicht in Betracht. - Inflationspolitik. Das in die Wirtschaft gepumpte Geld wiederum wurde durch die halbjährlich ausgerufenen Kriegsanleihen (insgesamt neun) wieder vom Markt genommen und als langfristige Schuldverschreibungen des Staates an die Gläubiger zurückgegeben. Ein autarkes System, das solange funktionierte, wie es autark blieb, allerdings verschuldete sich der Staat bei den Zeichnern der Anleihen auf 60 Mrd. Mark (etwa 650 Mrd. €). Da die Anleihen nicht in Gold zurückgegeben werden mußten, blieb alles virtuell. Das Reich gab 147 Mrd. Mark (etwa 1,6 Billionen €) in Umlauf, nahm aber nur 6 Mrd. (64,6 Mrd. €) an Steuern ein. Der Krieg kostete allerdings weit mehr als diese 147 Milliarden.