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Miranda
31.12.00, 20:17
die loge (nach max beckmann)




das spiel ist alles vielleicht
greife ich meinen fächer
etwas zu fest du stehst
hinter mir ich rieche dein
eau de cologne und spüre wie
du suchst das haus - nach engeln? - ab
mit deinem lächerlichen feldglas
du bist teil des bogens der mich
fesselt hier um dir zu gefallen
trage ich mein pailettenkleid meine augen
sind finsternisse unter den halbmonden
meiner lider du siehst
gar nichts meine freie hand
liegt lässig auf dem rand der loge
wo ich mich mit beiden unterarmen stütze
und wenn ich mich nach vorne beuge
nach vorn damit ich besser sehen kann
das spiel ist aus und kippt ins schwarze

iodin
01.01.01, 22:26
das ist schön, glaube ich, nach zweimaligem lesen. die zeilensprünge - ich bin kein freund von so was. müssen die sein? hier müssen sie wohl sein. sei's drum.
das bild von beckmann, auf das du anspielst, ist mir nicht vor augen. eine theaterszene?

aerolith
01.01.01, 23:03
Ja, diese expressionistische Affinität ist schon berückend und verrückend. Ich lese immer weiter und falle am Zeilenende nicht mehr herunter als daß ich in den Himmel stolziere mit meinen Gedanken.
überhaupt: Die Gedanken selbst sind nicht nur formal unausgegoren, sondern egomanisch. Beugungen des Ichs spazieren durch die aufgeklappte Seele. Das bedarf eines gehörigen Maßes an Demut, um hier aequivalent hauszuhalten, die Seele auszubaumeln.

Lester
02.01.01, 07:26
https://static2.mainpost.de/storage/image/1/0/1/9/4699101_detail-16-9_1qjUZj_ZR39Ru.jpg

andrea
03.01.01, 07:35
gefällt mir sehr das gedicht in seiner mischung aus distanziertheit und engagement, was sich schon in dieser "ich-besiedelung" ausdrückt und auch sonst weitergeführt wird. ist sehr eigenwillig und passt (danke lester!) feinst zum bild.
bissl gemecker doch? - wäre "nachlässig" nicht besser als "lässig" ("lässig" hat jargon-konnotationen)


grüße von
andrea

Miranda
03.01.01, 12:26
danke alle.
ja, die zeilensprünge, so 'ne macke von mir. sie kommen - ähm - intuitiv?
lester, danke für den link - weißt du, ich hatte gesucht und gesucht im netz...
das bild ist in der staatsgalerie stuttgart.
andrea werd's mir überlegen

liebe grüße

miranda

aerolith
13.12.02, 17:41
Ich korrigiere: Text ist grottenschlecht, aber Leicester gab sich hier Mühe bei der Materialbeschaffe und andrea lag voll daneben.

Warum ist der Text schlecht?



keine Entwicklung der tragenden Ichs;
Formlosigkeit und gespielte Manierismen ohne Rückbindung ans Inhaltliche und
ich, mich, mein und dein überlasten in ihrer Häufignennung das notwendige Gleichgewicht zwischen Sachaussage und persönlicher Rückbindung - expressionistische Affinität hin und her.