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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : einem katzenartigen menschen



Paul
03.06.00, 17:35
im glanze des feuers
ent-decke
den gipfel des wahnsinns
im gemeinsamen glosten -


irdisch glimmen
frißt sich durch die nacht -
tanz den teufel
tanz den tod -


hexe mir und engel -
über meiner seele
sanfter hauch -
wir schließen gut und böse
aus!




[wieder einmal die gaballte ladung bedeutungsschwangerer sinnwörter, die protzend lyrik zu sprengen droht - doch wenn die tinte glüht, ist's höchste zeit, das blatt zu benetzen, zu hetzen die buchstaben durch zentrifugen... - hochachtungsvoll etc etc etc...]

rodbertus
03.06.00, 21:32
Stereotype, dazu ein beliebiger Rhythmus, keine antithetischen Wendungen, nur Nennungen ohne Fleisch und Saft, geradezu langweilig.


Du hast Schwung, versackst aber. Bist Du ein wenig unausgefüllt? Ich frag ja nur. Weil, ich spür schon länger, daß Du immer sehr viel Kraft in das Geworte steckst, aber so recht die Handbremse Deines Daseins nicht aufzugeben bereit bist. Und daraus läßt sich eben nur texten, nicht aber worten, nicht aber Gehalt geben. Aber Du hast soo viel Kraft, da müßte doch was zu machen sein.

Paul
04.06.00, 14:11
unausgefüllt? -
eher im gegenteil, es quillt mir zuweilen aus den ohren - und mäßigung war nie meine stärke... - mag sein, das zuweilen (oder gar zu oft???...) etwas überkocht und -schäumt, was noch gar nicht gar und fertig - das liegt an der zu großen hitze des herzens - will sagen des herdes... - das mit der handbremse des daseins wäre damit ebenso beantwortet, im freien fall schrei man, schreibt man lauter - soll aber nicht heissen, dass ich nur zugucke - mittendrin stecken aprioritäten im kern - soll aber auch nicht heissen, dass ich das spiel der oberflächlich wellen nicht schätze - zumal wenn sonne ihrer glitzernd widerfährt - in jedem manne steckt ein kind - buchstabenbauklötze... - stiltänzer... -
- reiche mir die feile, bin bereit zu schaffen! - ("eile mit feile, eile mit feile"... - e. jandl.)
sich inzwischen hier suhlend und wohlig dir zugrunzend :augenbrauen:

paulchen

rodbertus
22.06.00, 06:07
Ein Kind wohl, aber das Kind muss umgrenzt und abgegrenzt werden, damit es für sich Freiräume entwickeln kann. In diesem Getexte vollzieht sich da keine Abgrenzung, sondern nur eine Benennung. Das ist wie in der Schule, in der ersten Stunde zum Thema Lyrik. Man macht bekannt mit der Aufgabe von Lyrik, aber die Uninteressierten nehmen nur auf, dass sie Wörter aneinandersetzen müssen, die sich reimen, dann glauben sie gedichtet zu haben.

Paul
22.06.00, 10:11
pfffft, was is das denn... -
schul-lyrik mag für den zeitgeist "besser" erscheinen -
bauch-lyrik scheint mir beständiger... -


da schmollt der panther hinter den stäben :kotzsmilie:


paulchen

aerolith
22.06.01, 06:43
Wenn wir diesen Text mit dem letzten Paulchens vergleichen, dann ist wohl leicht eine Änderung in seinem Schreiben festzustellen. Aus dem stakkato des mutmaßlichen Augenblickhaschens ist ein Ruhen im Betrachten geworden, zumindest tendentiell. Der Panther jagt nicht mehr nach Schmetterlingen hinter Gitterstäben; er ist in den Wiesen Absurdistans gewesen und weiß jetzt um seine Bezüglichkeit. Oh, aber will er denn hinter dem Stabe jetzt nur ruhen, fragt ich. Er will wohl kaum.
Hier ist aneinandergereiht ein stigmatisiertes Wort ans andere, neulich war's, da schlugen Kinder an die Stäbe, doch Paulchen wußte einen Reim. Er lächelte und jagte nicht mehr, wildgeworden, "Über meine[r] Seele" Schatten.
Aber eines ist geblieben: die Ehrfurcht vor dem Augenblicklichen. Vielleicht macht die den Tenor eines Dichters. Und der will Paul doch immer sein und wird er wohl immer bleiben.
Und das WOrt: ist ewig.

Bleib uns gewogen, Paul!

Lester
22.06.01, 11:43
...aber mit dem 'feuer' hat ers immer noch. Seltsam, wie man beim Schreiben immer wieder bei den selben W?rtern bleibt. In Wahrheit schreibt man immer das Gleiche.


Nicht? Wozu spreche ich denn mit dir, wenn nicht, um dich zu verändern, du bestehst nur aus Grenzen, aus Ufern, in denen du mäanderst, du bist Schlick, Fischfutter bist du, ein Sack. Willst du jeden Morgen, jeden Abend, jedesmal, wenn du vom Klo austehst und in den Spiegel siehst, denn ich nehme an du wäschst dir die Hände danach und dabei siehst du deine Nase, den schiefen Mund, den Backenbart, die Augenbrauen, das Lid, siehst du das Lid?, genaugenommen siehst du es nicht, du siehst dich darin, wie du dich spiegelst in deinem eigenen Auge, dein Auge in deinem Auge. Und das immer wieder. Willst du das? Du wärest der Erste, der das wollen würde. Ich helfe dir, das zu sein, was du eigentlich bist, wenn du ganz in dich hineinspürst, dir auf den Fersen bist, schneller bist als dein Nichtgesehen werden wollen, da, ganz da, wo es brodelt und es sich wurzelt in der Tiefe, beim Kot und wo Gold ist, wenn du da bist und da weißt du, was du sehen willst im Spiegel beim Händewaschen danach, da steht es so klar vor dir, dass du es nicht fassen kannst - aber ich fasse es und dann schenke ich es dir. Glaubst du das?

rodbertus
24.01.03, 20:16
Sicherlich hat jeder Dichter sein Thema. Es ist gerade das Wie... halt, mehr! Entwicklung ist alles, die Ansichten, der Wechsel der Perspektive.
Alle Dichtung ist das Wiederkehren, meinetwegen Harken. Du st?lpst und drehst, drehst dich im Kreise, drehst und wendest den Kehrrichthaufen, der da eben liegt.


Und ich entdecke da in Pauls Dichtungen den Hang zum Bewußtsein des Ewiggleichen. Daher die Bedeutung des Feuers, leicester. Das Schöne an meiner Entdeckung ist, es ist nicht das Wort, sondern der Inhalt, ist die Bewußtwerdung des einst gesagten Wortes. Manifestation und Verdinglichung in neuem Gewande.


Und insofern gefällt mir das schon sehr, was Paulchen da so macht.


P.S. Für alle, die es noch nicht mitbekamen: das ist eine kleine Laudatio auf Paul.