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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : in den Wind



Paul
27.01.03, 20:43
in den Wind


ausgeschlachtet bis auf
die Innereien
den Augenblick bis auf
den letzten Tropfen
das Blut noch aus
dem pulsierend Herz
getrunken bis
nichts mehr
über
war -


ein Presche geschlagen
in den ewgen Wald
gefällt den Baum der Zeit
gehackt an seiner Wurzel
grob gerodet und
gewundert
über
weißes Reh
des nachts im Mondschein
auf der Lichtung -


gepflügt den Acker
die Furche durchwühlt
wie die Laken und
Schweiß und Blut und
Samen in die Erde
die da nackt und bloß
empfängt was nicht
der Wind
und spült der Regen
hinfort -


einen Fisch gefangen
weit auf hoher See
im Sturm die Netze
gerafft
geschafft
was unmöglich schien und
doch mußt ich hinaus
das alte Lied -
einen Fisch gefangen für Dich
bald komm ich heim!

uisgeovid
27.01.03, 21:01
Guter Pawel Iwanowitsch, hast am Ende glücklich, wenn auch windgebeutelt, die Kurve gekriegt und machst ein bildreiches Erlebnis aus dem einfachen Fischfang. Naja, so einfach wohl doch nicht. In diesem Text, das erfährt man am Schluss, läuft alles auf ein Ende, das Ende?, zu. Und schön auch, dass das Ich der Windsbraut dann den Fisch widmet. Oder ist der in den Wind nur geschrieben? Alles doch für die Katz... und das schöne weiße Reh, extra gesehn auf der Lichtung im Monde, alles nix? Und die Bresche extra heftig mit "p" geschlagen und doch alles vielleicht nix? Man wird es niemals erfahren...vielleicht musst Du den Fisch selber essen...


herzlichst uis

Paul
27.01.03, 21:24
wohlwahr -
wollen zunächst mal hoffen, daß der wellengang sich legt, der sturm verebbt und das ruder hält -
dann erst sprechen wir über den anker... -
rauh ist die see!
ich werd ihn salzen, selbst freß ich ihn nicht!
noch gibt es genügend ratten...

rodbertus
27.01.03, 23:53
Eigentlich will ich ja nicht den Nölsack spielen. Nö, will ich nicht. Es ist ein muntres Treiben da auf dem See; und Du, lieber ferner Freund, Du stillst die Sehnsucht nicht.


Wußtest Du, daß die Bresche kein deutsches Verb besitzt, preschen dagegen kein nomen; jedenfalls ist mir keines bekannt.

Trist
28.01.03, 00:12
Muß ein Mann tun, was ein Mann tun muß?


In dieser Richtung habe ich deinen Text gelesen, lieber Paul. Ich stelle es mir anstrengend vor Mann zu sein in der Welt deines Textes. Frausein ist es auch, aber auf eine ganz andere Weise.


Lieben Gruß von
Trist

aerolith
28.01.03, 10:38
Ich hab seit Jahren keine Frau gesehn. Bis auf die eine, die weiß es nicht, daß sie's ist, die EINE Frau.


Eine Textzeile wie
das Blut noch aus
dem pulsierend Herz
getrunken kann nur ausgesprochen quicklich vorgestellt werden. Dracula läßt grüßen.
Und eine "Versgruppe" wie
ausgeschlachtet bis auf tut's nicht minder.


Paul, bist unter die Metzger gegangen?

bernouilly
03.02.03, 22:12
überzeugt mich auch nicht.


in der ersten strophe fehlt mir ein bezug, so bleibt es eine, wohl recht hübsche, aneinanderreihung von einfällen und bildern, aber ohne eine verwebung zappeln diese in einer "wortreichen selbstgefälligkeit".


verzeih, aber es wirkt wie ein wortgewaltiges stakkato eines besoffenen, welcher zwischen pompösigstem "geschliere" (ewgem wald, gefällt den baum der zeit u.ä.) auch ein paar perlen vom stapel lässt aber sich eben doch im undurchsichtigen gefällt und im leichthergesagten eine theatralische gewichtigkeit unterzubringen versucht, die nicht, oder eben nur in sequenzen vorhanden ist. nichts für ungut.


amicalement b.

Mr. Jones
11.02.03, 16:14
fisch


einen Fisch gefangen
weit auf hoher See
im Sturm die Netze
gerafft
geschafft
was unmöglich schien und
doch mußt ich hinaus
das alte Lied -
einen Fisch gefangen für Dich
bald komm ich heim!




>>>


no words anymore.
but greetings.


Mr. Jones

resurrector
03.01.19, 10:01
Ein Mann muß tun, was ein Mann tun muß, wenn er ein Mann sein will. Will er es nicht sein, also ein Mann, tut er das, was ihm seine Frau sagt. Oder sein Hund. Oder ein Leiterwagen.
Eine Frau, um in dieser Ebene zu bleiben, tut dagegen das, was sie für nützlich hält.