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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abbau



Trist
23.01.03, 18:31
Abbau


Aus dem Wasser meiner Ahnen
Schneide ich Worte heraus.
Schmelze sie sorgsam
Im Tiegel meines Wesens;
Forme daraus eine Gültigkeit
Und lege sie für meine Erben
Zum Trocknen in die Sonne.








[Diese Nachricht wurde von Trist am 23. Februar 2003 editiert.]

uisgeovid
23.02.03, 20:13
Liebe Trist,
hier ist alles zu kurz agekommen. Gedrängte Fülle der Metaphern. "Wasser meiner Ahnen", aus dem man auch noch Worte "schneiden" kann. Ich muss kapitulieren zunächst bezüglich einer Sinnkonstitution im analytischen Sinne. Helfen würde mir dabei, wie immer ein Hinweis, den ich bei solchen Gedichten im Titel erwarte, erwarten muss von einem Autor, der verstanden werden will irgendwie. Aber "Abbau"...? Kohle wird abgebaut, Jahrmarktsbuden auch, bleiben wir bei Bodenschätzen...gut, dann passt irgendwie auch "Tiegel"; werden die Bodenschätze, die abgebauten, halt eingeschmolzen. Also hast Du Bodenschätze im Wasser Deiner Ahnen gefunden in Form von Worten und tust Deinerseits etwas Schönes, damit Deine Erben es leichter haben und sich nicht erkälten müssen oder nasse Füße fürchten müssen, denn Du trocknest "Gültigkeit". Puhhhhhhhh...hier hakt es wieder ein wenig. Ich bin dafür, jemand anders, Jones vielleicht..., macht mal weiter. Und wie wär's vielleicht mit einem etwas epischeren Titel, so eine Art Gebrauchsanweisung für die Metaphernentschlüsselung. Ich mein ja nur...


herzlichst uis

Hannemann
24.02.03, 00:27
Aber Trauerklößchen,


Wenn die Ahnen Wasser lassen,
kann der Enkel dies nicht fassen.


Wie, bitte sehr, schneidest und schmilzt Du Worte aus Wasser, es sei denn aus gefrorenem, aus Schnee? Selbst das schärfste Messer... Doch das ist es nicht, was ich hier anlaste.


Anmaßung: Du formst Gültigkeit? Du magst Regeln formen, dies sei Dir unbenommen. Doch Geltendes? Wer, außer mir, darf das von sich sagen?

Trist
24.02.03, 08:21
Ich bitte die beiden Herren freundlichst um etwas mehr Sorgfalt beim Lesen. Wenn dies zur Zeit aufgrund einer Flutkatastrophe andernorts nicht möglich ist, so bitte ich zumindest um Zurückhaltung.


Abbauen läßt sich viel: Schuld, Erbschuld, Familienschuld. Da läßt sich sicher noch mehr rausholen mit einem anderen Titel. Die Jahrmarktsbude ist frech, uis, sowas lass doch stecken.


Wasser das sich schneiden läßt, nennt sich wohl Eis, Hannig, das läßt sich übrigens auch klasse schmelzen und trocknen. Wie ich die Worte aus dem Eis heraus bekomme, laß man mein Problem sein, ich schreibe nicht womit ich das tue.


Und EINE ist nun einmal EINE und nicht DIE!!!


Wollt ihr mich verkackeiern???


Ehrlich, das ist hier Lese-Schlamperei!! Ich will mein Geld zurück...

Dickes Beh
24.02.03, 17:39
Tut zwar absolut nichts zur Sache, ich weiß, aber: Vor Jahren gab es mal im Niedersächsischen einen sog. "Ahnenwasser-Fall". Bei diesem hatte ein Dorf sich zur Bestattung seiner Toten einen nebenan befindlichen Berg ausgesucht, wohl wegen des guten Ausblickes. Am Fuße des Berges hingegen befand sich die örtliche Trinkwasserentnahmestelle. Infolge der geologischen Eigenschaften des Berges sammelte sich nun das gesamte Regenwasser, das auf den Berg fiel, an der Trinkwasserentnahmestelle, was so ungünstig nicht zu sein schien. Zumindest nicht auf den ersten Blick.
Bis den Leuten eine gewisse Geschmackvielfalt ihres Wasser auffiel, die in direktem Zusammenhang mit dem Datum der letzten Beisetzung.....
Wie gesagt, ich bin schon still, aber der erste Satz hatte etwas in meinem Hirn ausgelöst.

Hannemann
24.02.03, 23:12
Bravo, Beh, für diese Beobachtung.

Und Trauerklößchen, ich rätsel an Deiner Behauptung, geschmolzenes Eis ließe sich auch klasse trocknen. Mit Himbergeschmack, und danach ins Poesiealbum?
Wie Worte aus dem Eis zu lösen, das wüßte ich allerdings schon: Nimm einfach Deine scharfe Zunge!

Trist
25.02.03, 23:05
Liebes Dickerchen, das passt vorzüglich zu meinem Text. Ich lebe im Niedersächsischen, die sind so krank, verrätst du mir wo das gewesen ist, ich pilgere glatt hin.

Hannig, da staunste, gell?

Lieben Gruß von
Trist

aerolith
06.01.19, 13:46
Die bizarre Handlungsebene des Textes hat uis schon als fragwürdig, bestenfalls semantisch herausfordernd, vorgetragen. Ich gebe hier zu bedenken, daß Lyrik oftmals logischen Abläufen nicht folgt, dennoch aber ein Sinnganzes geben kann. So auch hier. Die Substanz des lyrischen Ichs scheint mir Wut zu sein. Hinzu tritt ein Gutmaß Ironie, gespeist aus einer Distanz, die zwar empfunden, zugleichen aber jederzeit überwunden werden könnte. Dünkt mich.