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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : nirwana



7schwerter
17.07.00, 20:36
Reif lagen die Zwetschken in der Obstschüssel und die Würmer verständigten sich durch ihre verfaulenden Oberflächen hindurch.
In der Nacht war wieder Schnee gefallen. Das Weiß erhellte das Küchenfenster und ließ die feinen Schlieren auf der Scheibe regenbogenartig schimmern.
Die Comtessa war eine von denen, die nichts vom Putzen hielten.
Sie war nackt bis auf die pelzigen Hausschuhe und einen Anhänger, der an einer Kette zwischen ihren Brüsten lag.
Wenn der Winter kommt, sagte die Comtessa, dann muß ich immer an die Bären denken.
Anatol lenkte seinen Blick auf die Füße der Comtessa und nickte ernsthaft.
Anatol war 17. Er war dabei, sich die Haare wachsen zu lassen.
Die Comtessa war nicht mehr ganz so jung. Sie fröstelte ein wenig. Einen Kachelofen sollte man haben, sagte sie. Mit weißblauen Kacheln. Einen Kachelofen wie einen Zuckerhut.
Anatol spuckte in die Hände und rieb sie an den Gesäßtaschen seiner Jeans ab.
Er ließ den Blick langsam höher wandern, bis er in die Obstschüssel fiel.
Man sollte sie zu Powidl verkochen, sagte Anatol zur Comtessa.
Mit Zimtstangen, Zucker, Nelken und einem Schuß Rum.
Er nahm eine der Zwetschken aus der Schüssel, zerdrückte sie zwischen Daumen und Zeigefinger und ließ dabei den Kern herausflutschen.
Du bist ein besonders feinschmeckerisches kleines Tier, sagte die Comtessa.
Ein dunkelroter feuchter Wurm ringelte sich auf dem Küchenkastl.
Das ist Beelzebub. Vertrieben aus dem Paradies. -
Hinter der Obstschüssel lauerte das Nirwana.
Ich mach uns einen Punch, sagte Anatol, willst du auch einen?
Die Comtessa lächelte auf den Wurm hinunter.
Eine schöne Bescherung, sagte die Comtessa.
Auf den Punch werde ich zurückkommen.
Ich liebe dich, sagte Anatol und trat auf den Hund.
Der Hund hieß Dago, was sich von "Dagobert" herleitet.
Entschuldigung, sagte Anatol.
Er starrte die Comtessa mit großen blauen Augen an.
Und was machen wir jetzt?
Dago lag wie ein großer weißer Bär über den Küchenfußboden gebreitet.
Die Comtessa wußte, was zu tun war.
Die Comtessa und Anatol stöhnten nur ein bißchen.
Nur Dago jaulte hin und wieder ein wenig lauter, aber da er ein gelassenes Vieh war, nahm er die Sache mit Gleichmut.
Nichts, großgeschrieben, fernöstlich "Nirwana", ist jener Ort, wo die Seligkeit am größten sein soll.

Pamina
18.07.00, 00:04
7schwerter, ich liebe deine comtessa-texte!
bienvenue!
(das kleine schwarze hat ihr aber auch gut gestanden)
und der letzte satz.... (wie sagt man bei euch doch gleich zu sahnehäubchen?)


liebe grüße


Pamina

aerolith
18.07.00, 16:16
Hallo Siebenschwert! Dein Text gefällt mir. Er lebt durch die bizarreske Vergegenständlichung einer skurrilen Beziehung. Du schaffst es, die Unumwundenheit des als Du auch personifizierten freundlichen Gestus Deiner Heldin auch im Leser wachzurufen. Dadurch entsteht bei mir Sympathie. Ich möchte auch ein wenig unumwunden sein. Ein Andererseits gibt es auch: Neben all der Angenehmlichkeit eines leichtlebigen Naturells schwebt hier allzuviel Selbstvergessenheit. Aber vielleicht ist das nur so ein vages Gefühl und keineswegs Substanz Deines Schreibens.


Sprachlich müßte noch recht viel gemacht werden, aber die Grundstimmung ist sehr behaglich. Danke.

7schwerter
18.07.00, 17:44
vielen dank für den freundlichen empfang, von wolkenstein.
ich hoffe, deine duldsamkeit nicht zu strapazieren.

sprachlich müßte was ... getan werden?

pamina it

grüße,
7schwerter

aerolith
19.07.00, 19:07
Reif lagen die Zwetschken in der Obstschüssel und die Würmer verständigten sich durch ihre verfaulenden Oberflächen hindurch.


Das ist der Beginn. Reif oder faulig? Ist reif mit Faulsein gleichzusetzen? - So aber beginnst Du. Was soll ich jetzt denken? Ich sehe einen Gleichklang zwischen der in die Tiefe gehenden Schale und dem zweidimensional kriechenden Wurm. Das ist eine Schieflage. Der Anfang ist eine Schieflage. Na, meinetwegen. Weiter.

In der Nacht war wieder Schnee gefallen.
Zwetschgen (ich schreib sie weich) sind Früchte des Frühherbstes, sofern ich mich erinnre. Es sind demnach hier Importzwetschgen, oder aber: Du bist andernorts, wo aber Zwetschgen reifen. Da ist aber auch Winter. Nein, das ist mir alles zu unpräzise. Wo bin ich denn nun? Was sollen die reifen Zwetschgen?, also die Betonung auf reif, was dann Herbst assoziiert, mit dem Schnee, der Winter assoziiert, zu tun haben? Du verwirrst mich hier anfangs völlig. Mehrere Schieflagen.



Anatol war 17. Er war dabei, sich die Haare wachsen zu lassen. Wieder so eine Ungenauigkeit. Anfangsbeschreibungen sollten das Wichtigste zuerst nennen, dann etwas Unwichtiges nachschieben, um nach diesem Aufmerksamkeitstal das Eigentliche zu nennen/anzuzeigen. Die Comtessa ist hier entscheidend, an ihr richtet sich das andere aus, auch die Beschreibung Anatols. Wenn Du bei der Comtessa das Nacktsein betonst, das Angezogensein bei Anatol aber verschweigst, so setzt Du bei mir voraus, daß ich den Anatolschen Normalzustand mit angezogen mir bestimmt habe. Habe ich aber nicht, weil Du mir bei der Comtessa das Nacktsein als Gegebeneheitszustand anzeigtest, weshalb ich davon ausging, daß Anatol ebenfalls nackt ist, was aber nicht der Fall ist, wie sich weiter unten zeigt. Jedenfalls habe ich drei Sätze lang mir vorgestellt, wie die beiden nackten Menschen sich mit den wurmstichigen Zwetschgen ein Stelldichein gaben, bis dann die Hose doch Thema ward. Und jetzt bin ich total verwirrt, weil Du so ungenau die Situation markierst, weil ich jetzt befürchten muß, daß Du es mit dem Anzeigen von Etwas nicht so genau nimmst.


Ich mache jetzt nicht weiter, denn Du wirst verstehen, was ich meinte.

7schwerter
20.07.00, 02:22
nun. es ist spät, mein lieber.
dennoch.


stelle ich fest, dass keines deiner argumente die schwächen der sprache trifft.


seis drum.
ich verstehe, was du meinst.
oder auch nicht.




nicht, dass ich ich kleinlich wäre, wolkenstein.
aber bei uns (du meine güte) werden die letzten zwetschken (und. ich erlaube mir diese diktion) um die mitte des novembers geernet. manchesmal schneit es zu dieser jahreszeit. diese letzten zwetschken sind dann sehr reif. sehr überreif. an der oberfläche abzulesen. hm.


was den haarschnitt anatols betrifft.
mag sein, dass du den blick der comtessa ein wenig pervers findest.
aber.
sie sieht von oben nach unten.


ich denke,
du verstehst?


7schwerter

Eulalie
20.07.00, 18:53
hi christa!

freu mich sehr, von dir zu lesen

super! ich mag die comtessa sehr
würde mir noch ganz viele geschichten mit ihr wünschen.

und
schöne stimmung, die du gleich am anfang erzeugst

bisschen meckerei:
regenbogenartig - das würde ich anders formulieren.

grüße
e.

rodbertus
20.07.00, 19:03
Laß Schlehen ernten! Dann sehen wir uns mal den Rest genauer an, Spatzl.

7schwerter
20.07.00, 19:13
hi, eulalie.
regenbogenartig wird ersetzt. "artig" ist wirklich kein schönes wort...


schlehen, herr von wolkenstein?
die würden dem text doch die ganze zwetschkenerotik nehmen.
hat er denn gar kein gefühl für die metapher?
und wenn er mich bitteschön nicht spatzl nennen möcht.

rodbertus
20.07.00, 23:19
Das ist ja das Problem, Nichtgesagthabenspatzl.


Schlehen lassen sich im November ernten, Zwetschgen (Ich denk da grad drüber nach, warum man sie auch mit -k- schreiben kann: na klar, wegen des Kerns im Zentrum, zwetsch... das ist weich, sehr weich, wenn alt, wenn reif, -k-, weil doch immer noch ein Festes dahermuß, um Halt zu geben...) nicht. Da schwebt mir bestenfalls der Apfel, der da faul am Stamme hängt, vor. Das aber ist Wagner mit seinem Rheingold.
Mensch, Mädel, nun arbeite doch mal mit den Assoziationen so, wie sie nun mal verstanden werden! Jetzt werd ich aber wild!

7schwerter
21.07.00, 02:08
mensch, wolkenstein!
jetzt werd ich aber wild.
es ist für diesen text in keinster weise von belang, wann die dinger geerntet werden.
und das weißt du so gut wie ich.


ich kann meine geilen zwetschken nicht gegen deine frigiden schlehen eintauschen, zum geier. was soll diese kastrationsforderung.


zornig,
7schwerter

Pamina
21.07.00, 09:02
robert/ed, das nennt man


a. prinzipienreiterei und
b. pfennigfuchserei und
c. sag ich lieber gar nicht erst


mein lieber herr pulverisator.




cheers


Pamina


ps: tallinn hat mich übrigens beauftragt, nicht gar so zimperlich mit dir umzugehen. bei dir wäre ein anderer ton angebracht. ich weiß zwar nicht genau, worauf sie anspielt, aber ich glaub ihr einfach mal.


[Diese Nachricht wurde von Pamina am 21. Juli 2000 editiert.]

7schwerter
21.07.00, 09:49
Reif lagen die Zwetschken in der Obstschüssel und die Würmer verständigten sich durch ihre verfaulenden Oberflächen hindurch.
Die Comtessa hatte sie beim Merkur besorgt.
Der Merkur hatte sie bei einem Bio-Bauern in Tschibuti besorgt.
Die Comtessa würde es in Kürze Anatol besorgen.
In der Nacht war wieder Schnee gefallen...

wolkenstein, dein geworte geht mir auf die nerven.
ich hab auch die anderen ordner ein wenig durchgeblättert:
robortello kriegt eine psycho****onale diagnose, doderer eine religionswissenschaftliche abhandlung und ich diese schrebergartenanalyse.
zudem ist das ganze zeug nicht jahrzweitausendfähig.
wenn du es nicht so zerkauen würdest, bevor dus herauswürgst, könntest du einen ganz guten lebensberater abgeben. am besten in einer frauenzeitschrift.

gruß aus niederösterreich

und halt mir jetzt bitte keinen vortrag über den merkur. ich würde ihn nicht lesen.


naja.
war doch keine so gute idee, pamina

it
21.07.00, 20:25
... und wenn se wech wäre, wärs schade drum, Ed.
Wobei ich Deine genervte Reaktion auch nicht ganz nachvollziehen konnte, 7Schwerter. Immerhin hat Ed den Text aufmerksam gelesen und zwei stichhaltige - wenn auch widerlegbare - Argumente gebracht.
Es gibt schlimmeres.
Ich bin hier dauernd drauf und dran, die weisse Fahne zu schwenken, und allmählich schläft mir der Arm dabei ein.
Ausserdem fange ich an, mich mit mir selbst zu langweilen.
Ich würde gerne noch mehr von Dir lesen.

it

7schwerter
21.07.00, 21:29
hi it. nimm den arm wieder runter, um gottes willen. da krieg ich ja den krampf beim zuschauen.
trotzdem, danke.

ed,
ich bin etwas grantig derzeit, und da vertrage ich es nicht besonders gut, wenn man mich mädel nennt. etc.
mein bedarf an masochismus ist gedeckt.
an demutsübungen bin ich nicht interessiert.
und pflaume bin ich auch keine.
machts dir eigentlich spaß, dir ständig irgendeinen zorn zuzuziehen. fragezeichen entfällt. ist mehr eine feststellung.

zum text:
zu barock, zu metaphernüberladen, zu viele adjektive (eulalie), zuviel hochglanz.

das ganze ist keine erzählung, sondern ein stilleben. jeder satz ist ein element dieses stillebens. jeder satz sollte auch eine eigene kleine geschichte erzählen. die sätze sind nicht beliebig austauschbar, aber vertauschungen sind möglich. wunsch: jeder satz im selben abstand zum mittelpunkt.

die gefahr bei diesem spiel ist, dass es leicht manieristisch wird (siehe oben).

das thema ist sexualität und tod - vanitas, etc.

vielleicht noch eine information:
ich habe den text nicht von oben nach unten geschrieben, sondern wie ein bild gemalt. von den rändern.

es würde mich interessieren, ob irgendetwas von dieser absicht am produkt ersichtlich ist.

(bemüht. konstruiert. blabla.)

gruß
c.

luv
21.07.00, 21:47
Stilleben. Ich hätts nicht so genannt: weil doch etwas geschieht.
Stimmungsbild vielleicht, oder einfach Szene.


Es ist ein Netzwerk, ein Verflochtenes. Requisiten (oder besser: Motive? - ich hab leider viel zu wenig Zeit!) sind kreuz und quer miteinander verbunden, eins steht fürs andere.


Eine Realität, die sich denken läßt ist ebensosehr abgebildet wie aufgelöst: wie die Zeit, die Jahreszeit, die etwas zwischen Herbst und Winter ist oder beides gleichzeitig.


Es ist wie es ist und es ist nicht einmal wichtig: aber von Bedeutung. (En passant: darum ist es nicht manieristisch.)


Was es nicht ist: eine Allerweltsgeschichte, an der Maurerleine entlang erzählt.


Es ist gut.


luv


ps: "Anhänger" würd ich nicht schreiben. Sollte doch etwas kleinodiges sein.

rodbertus
21.07.00, 23:24
Mit Zicken tu ich mich schwer. Ich kann zwei oder drei Mal so tun, als ob. Dann aber sag ich halt, daß es eine Zicke ist, die mir da ins Bier pißt.
Und siehe, kaum nenn ich Dich Mädel, schon schäumt Dein Selbstverständnis. Also lassen wir es gleich sein; ich wär's leid, mich ständig mit Dir anlegen zu müssen. Weil Du gegen meine Natur bist, ich gegen die Deine. Klar, wir könnten uns irgendwie verständigen, aber warum? Ist privat hier. So einfach ist das. Also will ich nicht Deinen Zorn, sondern Dein Fernbleiben. Oder würdest Du ständig gegen Deine Natur leben wollen? Umgibst Du Dich in Deiner Freizeit mit Menschen, von denen Du weißt, daß Du sie nicht leiden kannst?
Wenn Du bleiben willst, dann beschwer Dich nicht über ein Wort wie MÄDEL! Ich würde mich über Bursche oder Kerl auch nicht beschweren. Und falls Du "Mädel" als Beleidigung begreifen willst, so nimm hin, daß im Wolkenstein die gepflegte Invektive zum Grundton der Auseinandersetzung gehört, ähnlich dem Zähneknirschen bei weniger Wortgewaltigen wie unsereiner.

Gruß, Ed.

7schwerter
21.07.00, 23:45
ich andererseits glaube nicht, dass du ein besonderer bock bist, wolkenbübchen


nun, wenn die chemie nicht passt...


danke, luv!

it
21.07.00, 23:50
Über ein Wort wie Mädel würde ich mich auch beschweren, Ed. Klingt ziemlich abfällig.
Macker.
Ausserdem geht es mir nicht in erster Linie um Sympathie (und schon gar nicht um Deine Sympathien), sondern um Texte. Soll ich sie nicht mehr lesen dürfen, weil Du 7schwerter (den Rest lass ich dahingestellt) nicht Mädel nennen darfst?
WAs ist denn das für eine neue Art von Literaturkritik?
Schwenkt Eure *******fahne doch selber. it

PS, 7: von Deiner Absicht war mir nichts ersichtlich.
Ein erfreuliches Stück Text eben. In sich stimmig, egal, von welcher Seite Du kamst. Und Schlehen wären wirklich zu bitter.

7schwerter
22.07.00, 00:00
danke it

rodbertus
22.07.00, 06:28
it, Du bist doch auch eine von denen, die am liebsten das Binnen-I einführen würden. Aber vielleicht befaßt Du Dich erst einmal mit den Rechtschreibregeln, entscheidest Dich für die eine oder andere Variante. Aber weil Du nicht antithetisch denken kannst, sondern nur schwarz oder weiß kennst, wirst Du über kurz oder lang mein Forum auch verlassen. (Übrigens fehlt nach dem Danke, 3zahnstocher, auch ein Komma.) Es fehlt an intellektueller Spannkraft und an dem Willen, sich intensiv mit etwas auseinanderzusetzen. Es soll hier bloß freundliches Blabla ausgetauscht werden - und um Gottes Willen soll man bloß nicht persönlich werden. Oder um Gottes Willen soll hier kein böses Wort gesprochen werden, weil das doch immer ein Kennzeichen von Verklemmtheit ist. Und so verklemmt wollen wir doch dann auch nicht sein, gelle?


Spatzl, nun bin ich gar nicht dazu gekommen, Deinen Text zu loben. Es sei hiermit getan. An Deiner Ernsthaftigkeit zweifle ich nicht. An Deinen Fähigkeiten auch nicht. An Deiner Intelligenz auch nicht. Aber ich muß dann doch an meiner Lauterkeit und Demut arbeiten, wozu ich Jasager benötige, nicht aber kritische Geister wie Deinereiner. Und so geh denn hin in Frieden! Für uns beide gilt: deinde quasi in insaniam versi se aeternatim dentibus corrodendo lacerabant


Und das wollen wir uns dann doch nicht antun.

7schwerter
22.07.00, 08:40
vW, du bist verrückt wie ein hutmacher.
schade eigentlich, dass du nur jasagerInnen gebrauchen kannst.

na dann, hinterlass ich noch ein langsam verblassendes

it
22.07.00, 10:39
7Schwerter, wir sind auch noch da.
Noch.
Könnt ihr Euch nicht einfach ignorieren und uns anderen den Spass lassen (sprich: Deine Anwesenheit?) vW ist schliesslich immerhin allenfalls ein Primus inter Pares. Pares, wohlgemerkt.

it

zwiehaehnchen
22.07.00, 10:41
Da hockt er mal wieder reichbetreßt auf seinem Thron und wird immer wütender, weil ihm einer seiner brokatenen Pantoffeln entglitten ist und er mit den Füßen nicht bis zum Boden reicht. Seine debilen Schleppenträger, Kronenputzer, Vorkoster, Zofen, Schranzen, Hofnarren, Haarbürster, Windelwechsler fangen schon an zu gackern. Sie sehen alle den Schuh und wie er mit dem dickbesockten Fuß erfolglos danach angelt. Darauf haben die doch bloß gewartet. Und jeden Augenblick kann ja der Staatsbesuch kommen, und der wird auch sofort im BILDE sein und die Hand über die Oberlippe halten, wie man das manchmal beim Lachen zu tun pflegt.


Also steht er auf und schlenkert provozierend mit seiner Männlichkeit.


Also nimmt er Haltung an und klirrt.


Hirnloses Gestell.


O, diese entsetzlichen Momente, wo jemand biervoll und ungeschlacht seinen stumpfen Krummdolch zieht und dem Gegenüber unter die erschrocken verstopfte Nase hält, und alles lacht und war das nicht ein netter Abend und ich zwinkere, das zu verstehen.


Hier führt ein eitler bartzwirbelnder Impresario das dramaturgische Zepter, das paßt mir überhaupt nicht.


Ist privat hier.


Gebongt, Eddie. Tu ich mir rein. Hab ich gerafft, Alter. Find ich super. Wow.

Als psychologisch Amüsiertem kann einem natürlich nicht entgehen, daß sich hier ein innen Zitternder mit Kindproblemen gegen die Flutrichtung des Fruchtwassers freizuschwimmen und vom turmhohen, keinen Widerstand bietenden Plumeau der Mutterbrust wegzustemmen trachtet (trachtet!). Viel Erfolg dabei.


zwiehaehnchen

kassandra
22.07.00, 13:14
Vielleicht sollte man den Ordner besser Hysteriker(innen)-Ordner nennen?


Ich kann überhaupt nicht verstehen, weshalb ein Zwetschgen-Schlehen-Mißverständnis zu einer derart unfairen und überzogenen Auseinandersetzung führen muß.


Und noch etwas zu Deinem Stilleben, c., ich finde Würmer, noch dazu rote (!) ausgesprochen unerotisch. Außerdem ist die Ausrede, was die Haare anbetrifft, hinfällig, da Anatol (noch) Jeans trägt.


Nur so angemerkt


K.

Bigvogel
22.07.00, 16:17
haben wir uns jemals über die selbstherrlichkeit mancher moderatoren beschwert? haben wir das?
sollten wir vom regen in die traufe geraten sein? erbsenzählereien der art wie die reifezeit der zwetschk/gen unter besondere berücksichtigung des wintereinbruchs in niederösterreich gehören zu meinen dunkelsten erinnerungen im litcaf, allerdings waren die ohne autoritäre untertöne. wobei ich nicht andeuten will, daß es so etwas im litcaf jemals gegeben hätte. naja. die pferde stehen noch an der wasserstelle, fast kein problem.
es ist schon zum verwundern.
bigvogEl


bigvogel

rodbertus
22.07.00, 16:33
Zwiehähnchen, der war gut. Ich danke Dir für diese reinigenden Worte. Manchmal muß ich an mich erinnert werden.
Ich möchte hier ausdrücklich betonen, daß ich kein Problem mit Zwetschken habe, vielleicht werde ich meine Schreibwiese durch diesen Ordner sogar umstellen. Das harte -k- macht mich ganz glücklich. Ist besser als dieses vermaledeite -g-. Aber daß der schneeumwehte November mir da Ernte hielt, das wollte ich nicht verstanden haben. Doch, meinetwegen. Ist sie eben eine vollreife Frucht. Gibt ja auch einen Sinn. Nichts gegen vollreife Pflaumen, wenn sie auf jungherrliche Anatolier trifft. Christas Beitrag in bezug auf die anstehenden Pogrome in Niederöstreich. Ist doch nett. Die Deutschen sind Novembermenschen, jung ist nur ihre Erinnerung an einstige Völlerei, die sie mit den vor den Toren der Stadt umhergetriebenen Turkvölkern eint. Erinnerung, Andacht und ... Stille: Ein Blubb. Er ist verwegen.


Ich denke auch, daß es ausreicht, einmal in jedem Ordner etwas zu meiner Person, die beinahe jeder (it ausgenommen) kennt, zu sagen. Ich weiß, daß ich ein Hutmacher und selbstherrlicher..., was weiß ich. Und dem Federvieh sei mitgeteilt, daß dieses Forum immer noch eine Privatveranstaltung ist, die ohne jede öffentliche Förderung auskömmt. Ergo bin ich hier niemandem mehr als der Wahrheit Wort verpflichtet. Und das teile ich gern in großen Portionen aus. hic rhodus hic salta

buh
22.07.00, 19:06
7Schwerter,
ich verstehe ja, dass Du wieder gehst, finds aber jammerschade! Hab Deinen Beitrag schon vor ner Woche zum meinem Favoriten des Monats vorgemerkt!
Und Edgar, warum vergraulst Du so viele? jetzt bereits Frauen? :keks:
Wers versteht-----ich nicht
noch geneigt
buh

7schwerter
22.07.00, 21:10
ed, ich bin gerührt.
von den zwetschken und sonst auch.
vielleicht fällt mir ja auch ein comtessa-text mit schlehen ein.
(lukas 17, 3/4 ist eine gute adresse :liebe:


liebe grüße an alle

Sissy
22.07.00, 21:53
Ich liebe dich, sagte Anatol und trat auf den Hund.



da spritzt mir das lachen ausm zwerchfell.
herrlich!




ein sehr sinnlicher text, finde ich.
meine verehrung, lieblichste.


und: es würde mich interessieren, wie du ihn technisch zustande gebracht hast. ist das teil eines schreibwerkstatt-projekts?
-------------------------------------------


und dann noch:
ich bin bekennende zicke.
und ich möchte nicht mädel genannt werden. auch nicht spatzl und sangerl.
wer in diskussionen versuchen muss, die position des anderen zu schwächen, indem er ihn verniedlicht, kann nicht allzuviel drauf haben, oder? und wenn das hier von den moderatoren weiterhin so gehandhabt wird, werd ich mich, was die benennungen meiner gesprächspartner in diesem forum angeht, ebenfalls entsprechend hartnäckig gehenlassen. sowas kann ich gut!

7schwerter
23.07.00, 00:28
nochwas von der comtessa
(lc-lern schon bekannt)


Die Comtessa hängt die Wäsche auf die Leine.
Unterwäsche Oberwäsche Bettwäsche,
alles Weiß vor verschlossenem Grün.
Wolfslicht am Nachmittag.
Im Zitronenglas schimmert ein Augenfleck,
morsche Kristalle, verblassender Schnee im Glasauge.
Noch ein Campari-Soda.
Der Wind klatscht die Wäsche auf.
Eine Botschaft?
Tränenpfeile und Lichtpawlatschen.
Der gelbe Vogel ist heute morgen steif vor der Gartentür gelegen.
Die Comtessa, im schwarzen Cocktailkleid,
hat ihn in die hohle Hand genommen.
Leichtgewicht.
Schlüsselbein zu Schlüsselbein.
Eine durchlöcherte Münze werfen,
Kopf oder Adler.
Verschlossenes Grabwurzelgrün.
Die Comtessa schluckt den Campari.
Viermal vier rote Pfeile werfen
ein zackiges Rosenlicht über den Himmel.
Regenkristalle trommeln die Wäsche.
Flieg gelber Vogel, sagt die Comtessa.




[Diese Nachricht wurde von 7schwerter am 23. Juli 2000 editiert.]

rodbertus
23.07.00, 07:58
Sissy, zwerchfelldegoutante bbz (blonde bekennende Zicke), dann machen wir doch einen Ordner auf, in dem wir uns nach Herzenslust beschimpfen! Werfen wir einmal im Monat die Tassen durch den virtuellen Raum, stoßen uns die Nasen am Bildschirm wund, schreien alle im Raum Befindlichen darnieder um uns dann in einem anderen Ordner mit der Liebe höchstem Ton zu loben! - Im Ernst, da ich nicht weiß, ob sich hinter dem Nick "Sissy" nicht eine drei Zentner schwere Dampframme namens Eduard verbirgt, werde ich, wenn mir das in den Kram paßt, den Nick "Sissy" "Mädel" oder "Bärenmops oder "Bergaufbremser" nennen, je nachdem... Wenn Dir das schon apriori nicht paßt, such Dir ne andere Spielwiese. Das erspart uns beiden Streß.


7schwerter scheint eitel zu sein. Nun, ich bin es auch, aber ich darf das. quod licet Iovis, non licet bovis


Habt ihr lieben Leut denn noch nicht vernommen, dass hier die Gleichheit abgeschafft ward, dass hier hierarchische Ordnung waltet? Und so sag ich dem gemeinen Volk: Knieet darnieder und übt Euch in Erwartung der Huld, nicht aber reißt das Maul auf zur Beschwerung desselben!


Der Eingangstext des Ordners ist gelungen. Er strahlt aber nicht. Ein Textchen, das schnell vergessen wird, weil es nicht enthusiastisch genug zuspitzt, weil es auf halbem Wege stehen bleibt und sich selbst begafft. Inhaltlich möchte ich Bedenken anmelden, denn die Verwahrlosung unseres Blutes durch Dahergelaufene kann ich nicht hinnehmen, nicht in dieser arg dekadenten Form. Ich würde sie, die "Verwahrlosung", begrüßen, wenn Liebe beider Pforten weit aufstieße. Andernfalls haben wir Menschen des Geistes Verantwortung und dürfen uns nicht mit jedermann paaren. Nennt mich keusch! - Das Spiel mit dem Diminutiv soll Abstand und Nichtallgemeingültigkeit vorgaukeln, aber letztlich will die Autorin einem abgrundtiefen Haß gegen das Bestehende dadurch Nahrung verschaffen, indem sie diese Ordnung durch fremdes Blut pöppelt. Das ist so, als ob man dem Egel am Beine dadurch wegschafft, indem man ihm das andere darreicht.

Ich nenne das eine Denkoption, letztlich aber ist das natürlich jedem seine Sache, wie es so schön heißt. Ich habe aber auch das Recht, meinen Widerwillen zu äußern. Das hat nicht mit dem Anatol als Anatolier zu tun, sondern richtet sich gegen diese grundsätzliche Hurraaufnahme des Fremden. Man sollte abwägen, bevor man sich öffnet. Nicht alles auf dieser Welt ist gut. Manches ist auch einfach nur böse.
Das gilt im übrigen auch umgekehrt. Wer sagt denn, daß Anatol hier der Böse ist? Ebenso, und das denke ich, trifft es hier noch eher, scheint mir das Comteßchen nicht alle Tassen im Schrank zu haben.
Und drittens wiederum könnte man auch anführen, daß die Welt vielleicht gerade dadurch gewinnen tät, wenn man ihre Regeln ändern würde, ergo Regeln überhaupt abschaffte. Doch so redet einer nur dann, wenn ihm Regeln heilig sind. Doch wie will das ein Comtäßchen verstehen?

luv
23.07.00, 08:12
Hast du Macht, Robert?


Autorität hast du nicht. Nicht jedenfalls die Autorität, die im Getexteten Fuß faßt. Keine Sprachmacht. Keine Machtsprache. Da helfen keine blutigen Kraftwörter.


luv

marth
23.07.00, 08:34
Angesichts des Schwachsinns, den diese Knorrbremse verbreitet, verschlägt es mir geradezu die Sprache. Sicher ist, dass ich in diesem Forum nicht alt werde. Inkompetenz gepaart mit der Attitüde des Allwissenden Überfliegers alleine wäre schon ärgerlich genug, aber die dummdreisten Frechheiten dieses Heinis gehen entschieden zu weit.


marth

kassandra
23.07.00, 09:22
Nun, marth, ich sag's nicht gerne, aber das hier ist NICHT das LC.
Und ich muß weiter anmerken, daß ich mit dem gelegentlich rauhen Ton der Betreiber weit besser zurechtkomme, als mit den "fest geschlossenen" Reihen einer bestimmten Clique.
Man schaue sich dazu nur die völlig unangemessenen Lobpreisungen dieses belanglosen Textleins aus einer bestimmten Ecke an.


K.

luv
23.07.00, 11:29
kassandra, deine Paranoia treibt Blüten.


Der Unterschied ist doch einfach: 7schwerter (z. B.) könnte mit links einen Text nach deiner Art schreiben. Du nach ihrer Art: niemals. Du willst es gar nicht? Ist doch in Ordnung. Aber dann bleib auf deiner Baustelle. Denk drüber nach.


luv

kassandra
23.07.00, 11:39
7schwerter (z. B.) könnte mit links einen Text nach deiner Art schreiben.


Nicht einmal in 100 Jahren, luv, Selbstherrlichkeit ist noch lange kein Talent.


K.

7schwerter
23.07.00, 15:01
robert / ed, das war als versöhnungsgeste gedacht.
und ja, natürlich bin ich eitel. wie alle anderen auch. selbstherrlich bin ich nicht.
was du da in mein ausgangstextchen hineininterpretierst, vermag ich nicht nachzuvollziehen. "denn die Verwahrlosung unseres Blutes durch Dahergelaufene kann ich nicht hinnehmen"????
das wars dann. an dieser art von textbehandlung bin ich nicht interessiert.


kassandra, ich mag deine texte. ich hab keine ahnung, warum du mich immer so angeiferst.
das ist der grund, warum ich dir aus dem weg zu gehen versuche.


vielen dank it, eulalie, pamina, marth, sissy, luv, buh, auch für die aufforderung zu bleiben.


robortello, ich hab dir eine kritik zu deinem gedicht geschrieben.
stells in mein blaues forum, wenn du möchtest.


liebe grüße,
christa

oh. zwiehähnchen.
hab sehr gelacht.


gruß auch an dich!
:liebe:

luv
23.07.00, 21:44
Original erstellt von Robert:
Inhaltlich möchte ich Bedenken anmelden, denn die Verwahrlosung unseres Blutes durch Dahergelaufene kann ich nicht hinnehmen, nicht in dieser arg dekadenten Form.


wenn dieser satz so gemeint ist, wie er hier steht, ist das hier kein platz für uns.
schade.
falls da nicht was grundlegendes geklärt wird, erklären wir uns mit christa solidarisch und meiden dieses forum künftig.


Sissy&luv

zwiehaehnchen
23.07.00, 21:50
ich empfehle dir, edgar, dein forum vorübergehend zu schließen. manchmal wirken solche maßnahmen wunder.

buh
23.07.00, 23:38
soll das nu ein Fake sein? :idea:
aber stimmt: manche Sätze haben eingebaute Selbstschließung


buh

rodbertus
23.07.00, 23:59
Viele werden gehen, was schade, doch notwendig scheint. Stillstand würd es geben mit Pappnasen, die nur ihre Befindlichkeit pflegen, nicht aber ihren Kopf gebrauchen zu bilden ein eigenes Wort, einen eigenen Gedanken. Ich hab genug von dieser Bussy-Knuddelei, die oberflächlich und unehrlich ist. Also weg mit diesen Abklatschtanten und -onkelz.


Wir haben hier gute Arbeit geleistet im letzten Jahr. Es wird weiter gehen, wenn auch mühsam. Wer bleiben will, der kann zwischen Schein und Seyn differenzieren und weiß, hier gibt es nur eines: Arbeit und Gewinn von Lebens-Zeit. In der Tat.


Lebt wohl und in Frieden, die ihr geht!

Nun ja.


marth: Zick nicht rum! Stell Texte rein und schreib Kritiken!


zwiehähnchen: Herzlichen Dank für den Rat. Ich werde ihn nicht berücksichtigen. Damit werden wir schon fertig.


luv&sissy: Geht doch endlich! Eure Jammerei geht mir auf die Nerven. Ein Grund läßt sich immer finden. Oder bleibt und arbeitet mit. Wir haben hier viel vor - und es an allen Mitstreitern, sich konstruktiv einzubringen.

zwiehaehnchen
24.07.00, 13:52
your words still are


http://www.missingbrain.de/animation/mbrotschraeg.gif

it
24.07.00, 15:55
Robert,
"Inhaltlich möchte ich Bedenken anmelden, denn die Verwahrlosung unseres Blutes durch Dahergelaufene kann ich nicht hinnehmen, nicht in dieser arg dekadenten Form."


Nur mal ganz langsam zum Mitsprechen: von welcher Verwahrlosung wessen Blutes sprichst Du?
Rassen kann ich in diesem Text nicht erkennen (falls wir nicht vom Hund sprechen. Da würde ich Deine Bedenken in gewissem Mass teilen, wobei das mit dem BLUT dann nichts zu tun hätte)- es gibt einen Anatol und eine Comtessa, über deren Nationalität und Rasse nichts näheres gesagt wird.
Hm.
Oder sprichst Du von Ständen - Adel contra Anatol (wobei mir schleierhaft wäre, was das dann mit den Juden, Indianern etc zu tun hätte)?
Und was denkst Du dann bitte über die Produkte verwahrloster Gene?
Und was wäre, wenn der Hund einen Stammbaum hätte?
Meint ja nur: it

kassandra
24.07.00, 17:15
Naja, ich glaube, daß der Text keineswegs die Intention hatte, eine derart hanebüchene Diskussion auszulösen.
Roberts Beitrag war sehr wenig hilfreich, und die Pawlowsche Reaktion von sissy&luv vorhersehbar.
Könnt Ihr Euch nicht über Texte unterhalten, anstatt fortwährend Eure weltanschaulichen Grundsätze zum besten zu geben?
"Anatol" ist ein griechischer Name, und ich wüßte nicht, was daran auszusetzen wäre, ihn in einem Text zu verwenden. Ich bin gern in Griechenland. "Comtesse" ist lat.-frz. Ursprungs und somit ebenfalls an keine Nation gebunden.
Also worüber redet Ihr hier überhaupt?
Erst wollen sie gemeinsam ein Sommerfest veranstalten, jetzt reden sie nicht mehr miteinander. Idiotisch,
meint
K.

it
24.07.00, 17:26
Danke, kassandra, Du hast es etwas eleganter ausgedrückt als ich.


it

aerolith
24.07.00, 21:50
Wenn der Hund einen Stammbaum hätte, dann würde er Dir ans Bein pinkeln, it. Aber er hat nicht. Also kuscht er.
Der Hund erklärt auch nicht. Er bellt. Das ist eben seine Natur. Er würde auch bellen, wenn er ausgeschimpft ward.
Liebt mich, wie ich's bin!


Machen wir, jetzt, da die lästige Autorin weg ist, noch ein wenig Textarbeit:



erstellt von Christa aus Vienna: Reif lagen die Zwetschken in der Obstschüssel und die Würmer verständigten sich durch ihre verfaulenden Oberflächen hindurch. IHRE muss sich auf OBSTSCHÜSSEL beziehen. Allerdings irritiert der Plural. Soll sich also auf die PFLAUMEN beziehen. Die Pflaumen dienen als Sammelpunkt thematisierter Würmer. Die WÜRMER sind umsponnen, sie sind der Handlungsträger, sie tun etwas. Das Liegen ist passiv, das Verständigen aktiv, also sind die nicht näher (sprachlich) ins Zentrum gesetzten Würmer doch entscheidend. Aber sie sind versteckt, sie liegen unter, in den Pflaumen. Man sieht sie nicht, doch aber verständigen sie sich. Sicher scheint mir, dass sich die untergründigen Pflaumen, die sich (wahrscheinlich) durch die Pflaumenschüsselwand miteinander und darüber hinaus mit ihrer Umwelt verständigen, Indiz für einen hintergründigen Text sein sollen. Wahrscheinlich wird er ein wenig morbid ausfallen, zumal dies angezeigt wird durch die Reife, die andererseits auf die Würmer nährenden Einfluss haben dürften. Also, die Würmer, Aasfresser!


Den Schnee lassen wir jetzt außen vor.



erstellt von Christa aus Magendarmbruch: Die Comtessa war eine von denen, die nichts vom Putzen hielten. Sie war nackt bis auf die pelzigen Hausschuhe und einen Anhänger, der an einer Kette zwischen ihren Brüsten lag.


Eine Zweithandelnde, die näher vorgestellt wird. Sinnzusammenhang zwischen der NACKTHEIT und dem Putz. Frauen neigen wohl dazu, da einen Zusammenhang herstellen zu muessen. Unbedarftheit des Augenblicks. Darniederliegen, wieder ein Liegen als Ausdruck der Passivität. Da versteckt eine Etwas, ein Etwas, vielleicht ein Stück Seelenmüll. Mit ihr scheint jetzt etwas zu geschehen. Ein Motiv muss her! Es ist die Nacktheit, die ein Nichtstun assoziiert. Sie wird getan/gehandelt/... Ich verlier die Lust.


Gruß, Dein Freund aus Nimmerland.

it
24.07.00, 21:59
Danke, Robert, das wars.
Ich kann es auch nicht mehr mit Humor sehen. Deine Launen, Deine Selbstgerechtigkeit und, ja, Dein beschissener Rassismus -
ich will nicht mehr. it

Pamina
24.07.00, 22:13
wenn der hund keinen stammbaum hätte, dann hätte er dich längst ins bein gebissen, robert. in echt.


hätte - hätte. dafür hätte ich in deutsch seinerzeit eine sechs bekommen. so einen deutschlehrer hatten wir. nur hat er uns nicht beigebracht zu begründen, warum wir einen text gut finden. vielleicht kann man das auch gar nicht beibringen. und dann weiß man natürlich auch nicht, wie man auf solche ergüsse antworten soll. denn eigentlich möcht ich was darauf erwidern. allein - mir fehlen die worte. schadeschadeschade. wurmt mich selbst ein wenig. und dann hab ich das gefühl, ich würde mit dir durch die verfaulenden oberflächen hindurch kommunizieren. was ich aber eigentlich gar nicht will. aber so ist das eben mit den würmern. sie lieben den verfall.


gruß


Pamina

rodbertus
24.07.00, 22:37
Pamina, Mäuschen, das ist doch ganz einfach ein Aufgeschriebenes zu loben. Ich weiß, daß Du möchtest, daß ich glaube, ich sollte glauben, daß ich jetzt loben mueßte. So will ich es dann -aus Hochachtung vor Dir, die Du mich falsch zitierst - tun.


Der Autor versteht es meisterhaft, ein Spannungsgefüge zwischen zwei Poden zu initiieren. Da sind die Gegenstände der Maßhaltung ausgelesen und ins Bild gerückt, außerdem steht und fällt die Handlung über die Skurrilität der Szenerie. Das macht neugierig, da will man in die geschaffene Welt eintauchen und mittun. Ja, man fühlt sich veranlaßt, an den Gestalten herumzumäkeln, so plastisch und greifbar nah wurden sie vom Autoren geschaffen. Und was will ein Geschriebenes mit literarischem Anspruch mehr als dass die Leser mittun wollen?


Abgesehen davon sind zwei aufeinander bezügliche Konjunktive durchaus statthaft. Ich nehme einmal an, Du hast im Unterricht nur genauso zugehört, wie Du hier anderer Geschreib wiedergibst, nämlich rumpumpelmäßig. Wahrscheinlich erzählte Dein Deutsch-Lehrer, sofern er nur halbwegs so gebildet war wie meinereiner, daß es um 1800 üblich war, Konjunktive ohne Hilfsverbkonstruktion zu gebrauchen, um 1900 hielt sich der Gebrauch beider Formulierungsvarianten die Waage, um heutzutage in den fast völligen Gebrauch der Hilfskonstruktionen umzukippen. Was das bedeutet, erkläre ich Dir, wenn Du einen Stammbaum aufweist., also neben einem hübschen Äußeren auch ein wenig Empathie für die Sorgen und Nöte robertii mitbringst.

it, sagte ich nicht kürzlich, daß Du hier auch bald "raus" bist. Freut mich, daß die Entscheidung so schnell fiel. Auf halbgewalgte geschlechtslose Viertelstreiter kann ich getrost verzichten.

Pamina
27.07.00, 00:53
oh

:keks:

rodbertus
27.07.00, 01:11
und ich bin jetzt raus?

Pamina
27.07.00, 01:14
als unfähiger exquisitor bist du doch schon längst gekennzeichnet, auch ohne angabe.
so, und jetzt bin ich dran


raus da

rodbertus
27.07.00, 01:15
unfähig?


komm in mein forum, da gibt's haue


hier hast du jetzt zwar das sagen, aber ich werde mit ed el loco sprechen, der schimpft mit mir

Pamina
27.07.00, 01:17
ed el loco ist schon längst eliminiert


@narchie

rodbertus
27.07.00, 01:19
element of crime ist tot; es lebe Pumuckl das grünhäutige monster


zieht euch warm an, jetzt wird hier intellektuell gequatscht

robortello
27.07.00, 03:34
in der tat, mynher peperkorn, es ist einsam, nachts im walde, wenn man sich an der hand nehmen muss...

7schwerter
27.07.00, 05:26
bitteschön.


wiegeln sie ab, meine damen und herren.
draussen wird es langsam licht.


guten morgen

rodbertus
27.07.00, 05:51
Ich mach den Laden jetzt zu.

Pamina
27.07.00, 08:29
so, werd ich doch gleich mal hier wiedereröffnen. das hast du nun davon, ed.


ein erholsames wochenende wünscht dir


P@mina (hemdsärmel hochschiebend)

robortello
27.07.00, 09:05
du brauchst jetzt die flatrate, meine liebe!

Daphne
27.07.00, 10:17
Hab nun den Text ausführlich gelesen, weil Buh meinte ich solle es tun, aber auch so.
Ich hatte ihn schon mal überflogen und die Stimmung kam mir penetrierend vor. Fasste einen an. Was die Würmer betrifft:
Sie vegetieren in reifer ALS AUCH in fauliger Obstbeschaffenheit. Und wieso Schieflage? In die Tiefe gehende Schale blablabla. Frag mich wer hier die Schieflage hat?
Zwetschgen (sie werden mt "g" geschrieben!) erntet man zwischen Juli und Oktober. Es gibt keinen Grund sich an der Verknüpfung Zwetschgen-Winter zu stoßen. Denn es könnten genausogut Äpfel, Birnen, Kirschen etc. für diese Frucht herhalten. Importiert, warum nicht?
Die Comtessa kommt mir bizarr rüber, ihr Verhältniss zu dem Epheben...sie führt ihn ins Verbot zurück? Zum Lustparadies, finde die Assoziation im Wurm "Beelzebub", den der Jüngling aus der Frucht gequetscht hat (im Hunsrück sagt man übrigens Quätschen zu Zw.)
Und Dago! Begreif ich es richtig, daß er wie ein Bärenfell da ausgestreckt liegt? "Wenn der Winter kommt, dann muß ich immer an Bären denken." Er nahm die Sache mit Gleichmut? Wie die Comtessa den Jüngling?


Der Text ist gut inszeniert. Nur mir gefallen die Umstände nich so, also die unsaubere Comtessa, die Würmer in den Früchten. Der Hund als Bärenfell. Klingt so nach schmuddelsex, verzeih. Und irgendwie reduziert sich die Handlung im Text, baut aber wieder auf in Konnotationen, die mir aber Gänsehaut bereiten.
Hat der Text eine Fortsetzung? :fies:

Pamina
27.07.00, 11:41
nun, daphne, man merkt, daß du mit der comtessa so deine probleme hast. ist ja auch keine einfache frau.
als ich sie kennenlernte, hatte sie einen kleinen gelben toten vogel in der hand, und irgendwie war die szenerie in unwirkliches licht getaucht, so als ob hagelkörner durch die luft flögen und zugleich die sonne schiene. eiskaltes blau contra camparirot.
und die comtessa tat mir weh in jenem augenblick, weil sie sowohl eine unendliche zärtlichkeit für diesen gelben vogel hegte, ihr aber auch zuzutrauen war, daß sie ihn mit einer hand zerdrückte. und es ist ihr herz, das die roten pfeile über den himmel schießt.
so lese ich das, daphne, und es ist schon klar, daß die comtessa keine ist, die sich herzlich in die herzen aller drängt. spröde ist sie und kalt und verletzlich und ... man muß sie nicht mögen, um sie liebevoll betrachten zu können.


Pamina


ps: ich kann diese zwetschgen/zwetschken- und erntedebatte nicht mehr ertragen, sorry.

ach ja, schroedinger, licht..., das haben sie aber schön gesagt.
da möchte man fast auf die exegese zurückgreifen und zitieren.


ach ja,und rob. *lol*, nur, wenn ich ein kindermädchen hätte. und wenn ich mir ein kindermädchen leisten könnte, bräuchte ich auch keine flatrate mehr. *ggg*

Tigerlilie
27.07.00, 17:45
Original erstellt von Pamina:
... man muß sie nicht mögen, um sie liebevoll betrachten zu können.



was für ein misston, liebe Pamina... wie gut... dass es nicht ein mensch ist... von dem du sprichst...

Bigvogel
27.07.00, 18:09
das is kein mißton, denk ich. wenn man das kann .. ich glaube, daß pamina recht hat. und daß sie über einen menschen spricht, jedenfalls über einen homo fictus.

meint bigvogel

7schwerter
27.07.00, 19:29
was für ein bleischwerer ordner für das bisschen zwetschgenmarmelade...


danke, daphne.
schmuddelsex? hm.


pamina, das war sehr sehr schön.
hi tigerchen.
danke bigvogel.


wollen diesen ordner jetzt langsam absinken lassen?

Pamina
27.07.00, 19:57
wie du meinst christa, allerdings fängt es jetzt gerade an, interessant zu werden...*g*.


nur noch schnell eine antwort an tiger.




lieber tiger,


misston? weißt du, das lustige an der sache ist dies, daß ich da im grunde über mich selbst spreche.
ich als leserin dieses textes erfahre ihn auf diese weise, denn was ich darin erkenne, steht ja so nicht geschrieben. wenn ich also sage, daß man die comtessa nicht mögen muß, um sie liebevoll betrachten zu können, dann meine ich damit, daß der text, wie auch die fiktive figur der comtessa, mich in irgendeiner weise berührt haben. in mir liegen diese wesenszüge versteckt. und ich mag diese wesenszüge vielleicht nicht. erkenne vielleicht sogar dadurch eine schwäche in mir. die ich (persönlich) aber - wie alle menschlichen schwächen - dennoch liebevoll betrachte. so in etwa.


ich sprach mit christa auch schon darüber. ich kann nicht jeden text "kritisieren" (wobei kritisieren auch das falsche wort ist). ein text muß etwas in mir ansprechen, vielleicht einen punkt, mit dem ich mich in gewisser weise identifizieren kann. und darüber kann ich sprechen, dh. dann kann ich den text besprechen. ja, das ist vielleicht das richtige wort dafür. besprechen.
und zugleich spreche ich dann über mich. also, nicht nur der autor stellt eine persönliche weltsicht dar (nicht verwechseln mit selbstthematisierung), sondern auch der leser als rezipient stellt dem seine eigene weltsicht gegenüber. so daß ich manchesmal vor einem text stehe, und nur sagen kann: "ich kann damit nichts anfangen, dazu kann ich nichts sagen". und tus auch nicht. denn das würde dem text dann nicht gerecht.
und das alles hat noch gar nichts mit der sogenannten qualität des geschriebenen zu tun. mit dem literarischen anspruch. das ist dann wieder ein ganz anderer diskurs.


grüße


Pamina


ps: für dich, tiger, habe ich was schönes gefunden. hab nur das buch gerade nicht bei mir. dieser tage.

Tigerlilie
28.07.00, 01:30
liebe Pamina,


dein letzter absatz in deiner bewertung, also in deinem vorvorletzten text, der sprang mich so an... also eigentlich der letze satz, und da besonders das betrachten... und da war das gefühl, dass ich einfach nicht abschütteln konnte... dass da ein monster in einem glaskasten betrachtet wird... und das liebevolle daran war einfach nur ein kleinmachendes... und das betrachtete war ein objekt...


so wie du es jetzt sagst... muss ich es noch einmal überlegen... aber auf jeden fall hab ich mich gefreut über deine antwort... und muss sie jetzt noch ein bisschen kauen...


und dann bin ich gespannt... was du mir... gefunden hast...???... :schulterklopfer:


liebe grüße...
Tiger im Park








[Diese Nachricht wurde von Tiger im Park am 28. Juli 2000 editiert.]

strega
28.07.00, 22:49
selbstherrlichkeit ist keine tugend. überheblichkeit ist kein verdienst. mannsein ist nur zufall. also, lieber wolkenstein, wieso nimmst du dir soviel heraus?

Tigerlilie
29.07.00, 21:57
liebe Pamina,


ich melde mich noch einmal. ich habe getastet, gefühlt und überlegt. aber ich muss dabei bleiben... das nicht-mögen und das liebevoll-betrachten geht nicht zusammen.
ich will dir dabei ja nichts unterstellen oder dich angreifen. es geht ja ums wort. aber ich kann das so nicht annehmen. zunächst einmal weiß ich nicht, ob es überhaupt einen menschen gibt, an dem ich gar nichts mag. und wenn, dann akzeptiere ich ihn. achte ihn. aber ich betrachte ihn nicht liebevoll. das wäre, als ob ich mich auf eine höhere stufe stellen würde. ihn belächeln.
und würde ich es auf mich selbst beziehen, so würde es wahnsinnig weh tun.


der comtessa-text selbst kann ja nur ein herausgerissenes stückchen haut sein. und einen tiefen schmerz habe ich beim lesen des ersten comtessa-textes* auch verspürt. allerdings spüre ich dort auch das liebevolle lächeln der autorin, die dieses stückchen haut präsentiert. und es ist dieses lächeln, das mich anzieht. allerdings kann ich die dargestellten eigenschaften nicht für sich bewerten. nur betrachten. denn wäre es zum beispiel ein stückchen zerknitterte pergamenthaut, so würde ich eben zerknitterte pergamenthaut sehen. furchen und falten. vielleicht ein haar, einen fleck. trügest du aber diese pergamenthaut in deinem gesicht, so würde ich ja jede einzelne falte lieben, weil jede eine geschichte über dich erzählen würde.


hmm... und grüße vom
Tiger im Park


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*gemeint ist der 'kleine gelbe vogel - comtessa - text'... den auch ich ja als erstes kennengelernt habe... hier im ordner allerdings als zweiter 'comtessa-text' vorgestellt... (auf Seite 2)...
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aerolith
29.07.01, 20:07
Es gibt in jedem Text so etwas wie ein Zentrum, einen Kern, um den herum das Akzidentielle gruppiert ist. Im folgenden NIRWANA-Text 7schwerters liegt das Zentrum in den Zwetschgen (ich hoffe, Du verzeihst mir meine norddeutsche Diktion des Wortes), in einer Aussage über die Zwetschgen:
erstellt von 7schwerter:Hinter der Obstschüssel lauerte das Nirwana. Das ist der Kern. Hingeleitet wurde über die Attribute eines jungen Menschen, im Gegensatz dazu die Verfaultheit und tragisch angelegte Dekadenz des hinter dem lyrischen Ich lauernden schreibenden Es', dann wird ein wenig retardiert (Wörter wie was machen wir jetzt?, ein bißchen, ein wenig...), um schließlich in einer orakelnden Epiphora (NICHTS, NIRWANA) zu enden.
Das ist gelungenes Spiel mit Inhalten, Selbstreferenz und einem Spielbereich der Literatur: Wortung des Eigenen im Fremden, wobei das Fremde zum Eigenen wird.
Was der Autorin leider nicht gelang war die Straffung des Textes. Vielleicht drohte ihr zwischenzeitlich die Luft auszugehen, vielleicht wollte sie nur eine Idee nicht verkommen lassen, vielleicht hatte sie gerade ein halbes Stündchen Zeit und brannte sich Reste von der Seele.
Das wird ihr Geheimnis bleiben. Nicht von ungefähr jedoch blieb 7schwerters Eingangstext umstritten, weil er Stilelemente des Unsäglichen gleichermaßen wie Daseinsformen des Alltäglichen beinhaltet, was mit einem Menschen in einer Lebenskrise so alles geschehen kann.

rodbertus
23.02.03, 12:36
Der Thüringer permutiert die Buchstaben innerhalb des Wortes Zwetschge und nennt sie Kwetsche.

willieh
24.02.03, 13:55
Was du meinst, ist, dass die Kinder nich mit vollem Mund sprechen sollen. Der Thüringer kennt keine Zwetschgen, er klatscht Gelatine auf den Pflaumenkuchen, stopft Bratwurst in sich rein, und man weiss nie, warum er so guckt: meint er, einen zu kennen, will er einen kennenlernen, oder iss ihm einfach nur schlecht..

ala
24.10.05, 09:51
da gibts also tatsächlich einen anatol, was mir nur als alter österreichischer name bekannt ist. den führe ich seit ende 2004 bei den illuminaten zum lokalkolorit.


der eingangstext ist lustig eingefärbt, aber so recht steht auch wieder nicht viel drin, aber das in skuriler sprache. laß mich erinnern, ob ich nicht als anatol dort vorkomme...


zum dank erzähle ich dir nun eine geschichte. eine wahre geschichte, denn die vorkommenden personen muß ich, außer meiner selbst, nicht mehr schonen. ich habe ein großes skizzenbuch über heutige geschichten, welches aber der lebenden personen wegen unter verschluß ist.


nun hier, eine schale marzipanmithonig-tee, die shisha und höre:


ich war sehr jung als mein vater starb. eine erschütterung, wie du mir zugeben wirst. das machte mich verliebt in einen schwulen jüngling. so zog ich meines vaters rosenfarbene westen-anzüge an, seine für mich ausgestopften schuhe, band mir die brüste nach hinten und schnitt mir das haar. ich stülpte mein geschlecht nach außen, wie du weißt besitze ich einen aus- und einstülpbaren schwanz. kajal umrandete meine augen, ein hauch rose beglänzte die lippen.
so nahm mich mein freund mit in ein hinterhaustreppenkino, wo unsere freunde einen film zeigten, in dem sie selbst auftraten und das drehbuch geschrieben hatten. eine literaturverfilmung von hanns-henny jahnns narrenschiff. es waren nur männer zugelassen und du kannst dir denken, welch unruhe mich befiel.
ich fiel nicht auf.
eine undeutliche auseinandersetzung eines zornigen jungen mannes mit seiner mutter durchquerte den ganzen abend und ich beschloß, jahnn niemals zu lesen.
sp?ter fanden wir uns am großen holztisch einer kneipe im gärtnerplatzviertel.
elia, jan und stefan und ich. wir blickten tief ins holz.
zu der zeit begab es sich, da? ein alter fraumann namens Nachtigall durch die nüchtlichen wirtshäuser flatterte und diese hinreißend kitschigen lieder sang, zu denen schwule menschen alkoholisiert glänzende augen bekommen.
nun kam sie an unseren tisch, sah mich, liebte mich sogleich. leise flehen meine lieder. sie sang das schubertsundminherzergreifend, auf ein schlichtes mit tiefer stimme vorgetragenes "bitte weiter!": schuberts "ave maria" noch.
ich schenkte ihr meinen grünen ring. ich sah sie nie wieder. eine comtessa, weißt du.


laß uns in den rauch der wasserpfeife starren. den tee gieße ich neu auf.

sollte doch nicht zu faul sein, mich einzuloggen:


"rosenholzfarben" waren seine anzüge mit silbernem schimmer.

resurrector
08.01.19, 09:18
Das war einer der Ordner mit den heftigsten Ausschlägen. Und es fing alles so harmlos an. Aus leichtem Unbehagen aufgrund mutmaßlich sprachlicher Insuffizienzen entwickelte sich ein weltanschaulicher Grundsatzstreit, wie er unter Schriftstellern häufig vorkömmt, solange sie einander noch halbwegs zuhören, einander also noch nicht gut kennen.