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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geschichten über die Tempelritter



aerolith
05.01.01, 08:36
Wer schreibt mit? Erdachtes und Tatsächliches über diesen faszinierenden Orden:


Text 1:


Die Templer. Die geheimnisumwitterte Kongregation wurde 1119 von Hugo von Payens in Jerusalem gegründet. Die Kirche zog schon früh den Schluß, daß dieser Orden eine Tarnorganisation war.

"Man beschuldigte die Templer, während der langen Zeit in Palästina nicht so sehr das Christentum an den heiligen Stätten etabliert zu haben, als vielmehr selbst vom Islam infiltriert worden zu sein. Die Geheimniskrämerei des Ordens tat das ihre dazu, die wildesten Gerüchte erblühen zu lassen. In den Reihen der Templer, so legten die Anschuldigungen nahe, gedieh der Islam. Der Satan hätte mitten in einer christlichen Bastion sein Lager aufgeschlagen."


Die Templer wurden vor allem in Verbindung mit gnostischen islamischen Sekten gebracht. Nicht nur die Kirche glaubte, sie würden eine Verschmelzung islamischen, christlichen, sowie jüdischen Gedankenguts anstreben.
Bekannt ist, daß viele Templer infolge des gegen sie gerichteten Tribunals in Frankreich später aus ihrem Heimatland flohen, in Spanien und Ägypten Unterschlupf suchten, und dort offiziell zum Islam übertraten.
Es hieß, die Templer hätten eine dämonische Macht namens "Baphomet" verehrt. Bei ihren geheimen Zusammenkünften hätten sie sich vor einem bärtigen Männerkopf zu Boden geworfen. Dieser hätte zu ihnen gesprochen und ihnen okkulte Kräfte verliehen. Tatsächlich erwähnte eine große Zahl von Tempelrittern, von der Inquisition befragt, ein ominöses Etwas, das sie "Baphomet" nannten. Die Tatsache, daß viele Ordensbrüder an verschiedenen Orten gleichzeitig von diesem eigenartigen Gegenstand sprachen, schließt die Vermutung aus, daß dieser, wie es hieß, "sprechende Kopf" lediglich die Erfindung einer Einzelperson oder eines Ordenshauses gewesen sein könnte.
Wer oder was war Baphomet? Etymologisch könnte der Begriff auf eine Verballhornung des arabischen Wortes Abu Fihamet zurückgeführt werden, das von den Mauren Spaniens Bufihamet ausgesprochen worden war und "Vater des Verstehens" oder "Vater der Weisheit" bedeutet. "Im Arabischen wird der Begriff 'Vater' aber auch im Sinne von 'Quelle' verwendet."
In ihrer Schrift "Der heilige Gral und seine Erben" gehen die Autoren Lincoln, Baigent und Leight davon aus, daß der Begriff Baphomet durchaus mit dem Islam verbunden gewesen sein könnte.

"Sollte 'Baphomet' seinen Ursprung tatsächlich im Arabischen haben, so bezöge er sich vermutlich auf ein Göttliches Prinzip."

Gegen diese These wenden sie den Einwand ein:

"Wenn 'Baphomet' für Gott oder Allah stand, warum hätten sich die Templer die Mühe machen sollen, diesen umzutaufen? Stand 'Baphomet' jedoch weder für Gott noch für Allah - wer oder was war er dann?"

Möglicherweise, meinen die Autoren, hätte Baphomet in irgendeiner Beziehung zur Alchimie stehen können, da es im alchemischen Prozeß der geistigen Verwandlung die sogenannte Phase des "caput mortuum" ("Totenkopfs") gibt, der angeblich vor der Präzipitation des Steins der Weisen eintritt. Der Historiker Malcom Barber dagegen vermutet, daß der erwähnte Kopf ein Reliquiar des Hugo von Payens gewesen sein könnte. Die Angaben zum "Kopf" sind jedenfalls strittig.
Die meisten Templer sagten aus, daß es sich um ein männliches Idol (mit Bart) handeln würde. Guillaume Pidoye, der königliche Administrator und Verwalter der Besitzungen der Templer, der beauftragt worden war, das Idol zu beschaffen, präsentierte einen Frauenkopf aus vergoldetem Silber mit einem roten Tuch darüber.

"Wie aus den Prozeßakten hervorgeht, fand sich im Pariser Ordenshaus neben anderen konfiszierten Gegenständen das Kopfreliquiar einer Frau, das folgendermaßen beschrieben wurde:

"Es handelt sich um einen großen Kopf aus vergoldetem Silber, wunderschön gearbeitet und eine weibliche Büste darstellend. In ihm befanden sich zwei Schädelknochen, die in weißes Linnen eingewickelt und dann noch einmal in ein rotes Tuch eingeschlagen worden waren. Daran war ein Schild mit der Aufschrift befestigt Caput LVIIIm."

tomcat
05.01.01, 17:07
Wahrscheinlicher ist, daß es sich bei der überwiegenden zahl der Templer um Katharer handelte. Eine Sekte, die in Südfrankreich verbreitet war und kurz vor dem Ende der Templer das Ziel des ersten modernen Völkermordes wurde. Hintergrund war der Streit mit der Amtskirche: Die Katharer glaubten daran, daß Jesus überlebt hat und seine Familie immer noch existierte.


Aus der Verbindung Templer-Katharer geht der Mythos hervor,die Templer bewahrten ein großes Geheimnis, eben das um das Schicksal Jesu. Dazu paßt, daß die Templer auch Ritter aufnahmen, die zuvor exkommuniziert worden waren. Alles weitere ist bis heute ungeklärt, auch, weil die Amtskirche sorgfältig alle Hinweise vernichten ließ.

aerolith
05.01.01, 17:34
Jesus habe überlebt?


Ich habe davon gelesen. Aber es will mir nicht einleuchten. Das ist dann wahrlich Ketzerei, selbst aus protestantischer Sicht, wenn Jesus - ja, was eigentlich? - überlebt haben soll. Jetzt, da Du das erwähnst, wird mir die Tragweite der Ketzerei der Katharer deutlich.


Ich fragte mich immer, wie sich denn die Ketzerei plausible machen ließe, jetzt ist es klar. JESUS muß für einen Christen gestorben sein, weil sich sonst das Opfer GOttes nicht plausibel machen ließe. Wenn GOtt seinen Sohn nicht sterben ließ am Kreuz, dann ist die ganze Geschichte mit der Wiederauferstehung hinfällig, mit der Wiedergeburt des Menschentums -das Neue Testament basiert auf dem Gedanken der Opferung Jesu-, mit dem Opfer überhaupt. Jesus durfte nicht überlebt haben.


Manchmal sind es Kleinigkeiten, die erst beim fünfundzwanzigsten Lesen klarmachen, worin eine ganze Generation Sinn und Unsinn erfuhr.

Hannemann
05.01.01, 18:56
Überlebt oder gestorben und wiedergeboren? Denkt doch mal logisch. Er war jedenfalls wieder da, die selbe Persönlichkeit... oder auch nicht? Brauchte ER Brimborium? Glauben heißt hier die Devise; zum Glauben verpflichtet, ob protestantisch oder katholisch. Auch gegen alle nicht nachvollziehbaren Wahrheiten und Verfälschungen.


Ich möchte noch einmal auf die Geisteswelt der Kelten hinweisen. Sie hatten keine Bildnisse, denn WER hat GOTT schon jemals gesehen?
"Und es sei ganz wie ein Menschenhaupt (gestaltet) gewesen, mit einem Gesicht und einem langen, fast weißen Bart... Der genannte Lehrer habe, nachdem die erwähnte Aufnahme vollzogen worden sei, dasselbe Haupt in den besagten Schrank zurückgestellt." Andere Aussagen beschreiben das bärtige Haupt mit rot glühenden Rubinen (Karfunkeln) anstelle der Augen, mit mehreren Gesichtern oder als Tierkopf. "Von ihm geht eine so große magische Kraft aus, daß manche Templer sagen, sie seien bei seinem Anblick in tiefste Verwirrung geraten und in Zittern verfallen" (Zacharias).
Offensichtlich waren die Richter der angeklagten Templer bemüht, diese als Satanisten darzustellen, als unter orientalischem Einfluß zu Teufelsanbetern gewordene Abtrünnige vom Christenglauben.
Prof.Dr. Hans Biedermann.


Ich möchte dem nichts hinzufügen und auch angelesenes Wissen nicht groß als mein eigenes interessantes herausstellen.

tomcat
05.01.01, 20:10
Baphomet, ja das ist wirklich eine Überlegung wert.
Die Autoren des zitierten Buches haben es zu augenscheinlich darauf abgesehen, einseitige Mythen zu stricken, aber:
Wenn ich es mal aus der Sicht des Krimi-Autors mit den Augen des Bösewichtes betrachte:


Der französische König will an die Kohle des Ordens. Das einzige Killer-Argument (im wahrsten Sinne des Wortes) der damaligen Zeit war Hexerei. Also lasse ich ein paar Figuren schnitzen, ein paar Vertrauensleute diese dann finden. Wäre Baphomet wirklich angebetet worden, wäre es in jeder Burg und bei jedem Templer gefunden worden (wie das Kruzifix). War aber nix. In Wahrheit sollte wohl dieser Götze vor der Welt die wahren Ansichten der Templer verschleiern. Hat ja auch gut geklappt. Man braucht offenbar das Fernsehen gar nicht, um eine richtig gute Intrige zu spinnen.

Oh, ein fällt mir gerade ein:


Die Legende vom Unglück am Freitag, den 13. geht auf die Templer zurück, gewissermaßen.


An einem Freitag, den 13. im Jahre 1307 wurden alle Templer in Frankreich auf einen Schlag verhaftet. Es war das Ende des Ordens. Seitdem gilt diese Datums-Konstellation als unglückselig.


Wie man sieht, ein prima Beispiel dafür, wie MIT den Templern Legenden entstehen, nicht durch sie oder wegen ihnen. Andere haben immer wieder ein wenig dazugedichtet. Der eigentliche Grund für den ganzen Krawall ist längst verlorengegangen.

rodbertus
07.01.01, 07:54
Vielen Dank den Anwesenden für die Teilhabe in diesem Ordner.


Gehe ich der Reihe nach:
1. Katharer = Templer
Ich glaube nicht, daß man diese eindeutige Wechsel- bzw. Ineinssetzung verifizieren könnte. Es mag Berührungspunkte gegeben haben, allerdings besteht ein grundlegender soziologischer Unterschied zwischen beiden Glaubensausübungen. Die Katharer entstanden zum Großteil aus dem Bürgertum, einem sich im Süden Frankreichs insbesondere entwickelt habenden Bürgertum, sind quasi die Abkehr einer präkapitalistischen Gesellschaftsstruktur, setzten das Armuts- und Aussteigermentalität goutierende Element über das Schaffeschaffe der wirbelnden Nachbarschaft.
Die Templer aber sind ihrer Struktur nach ein Ritterorden, also adliger Herkunft.
Weltanschaulich gibt es Berührungen, die aber gibt es mit marxistischen Aussteigern auch, wie ich unlängst feststellen und erleben durfte.
2. Das ist eine Verschwörungsattitüde, die Sie mit Ihrem Verdacht der sukzessiven Vernichtung von Beweismaterial durch die Amtskirche ins Gespräch bringen wollen. Wenn dem so wäre, so hieße das, daß von Amts wegen Sünde begangen worden wäre. Im Kodex des Vatikans steht ein Passus, der es verbietet, Schriften zu vernichten, die historischen Wert besitzen, der sogenannte Bücherverbrennungskodex. (Dieser Kodex unterscheidet die Katholen übrigens von den Protestanten, die diesen Passus nicht besitzen; vielleicht auch, weil die Amtskirche hier weniger hierarchisch aufgebaut ist.) Ist einen gesonderten Ordner wert, inwiefern sich Schriftlichkeit im Aufheben manifestiert!
3. Jesus kann nicht überlebt haben. Das stellte in der Tat das Christentum in Frage.
4. Zum Glauben läßt es sich nicht verpflichtet sein!
5. Das Chthonische... Das ist eine gute Erklärung. Wobei die Sufi-Legende hier mißverständlich ist. Entscheide Dich mal: Willst Du über chthonische Urgründe oder über erkenntnistheoretische Seinsapplikate sprechen! Das Chthonische und die Existenz des Seins im Dasein sind zwei Paar Schuhe.
Verwirrung kann durch vielerlei entstehen, z.B. durch ausgelatschte Schuhe, schöne Frauen, dicke Bäuche im Fitneß-Raum, alte Männer auf blutjungen Mädchen, dicke Frauen auf knackigen Männern, durchgeknallten Glühlampen... Auch durch ein Skribie, dem man die Blutspuren des durchgeschnittenen Halses noch ansieht, oder von dem man annimmt, daß die Kehle erst jüngst durchgeschnitten wurde. Es gibt dann so Erregungszustände, die das erklären helfen. Das hat dann etwas mit dem Gefühl einer Dazugehörigkeit zum Maßlosen des Seins im Daseins zu tun, was den Kreis hier schließen hilft.
6. Die Kelten lassen wir jetzt mal außen vor. Zu denen kommen wir später.
7. Vulgärmaterialistische Argumentation. Natürlich wollte Philipp der Schöne an die Kohle des Ordens. Aber hat er sie bekommen? Ich glaube, nein. Manche behaupten, sie sei auf dem Wege nach Amerika im Ozean verloren gegangen. Vielleicht, weil die Schiffe an einem Freitag und einem 13. dazu ausliefen? Jetzt wird's mir aber zu mystisch und zu kapitalistisch.
8. Die 13. hat Ursächliches in der Kabbala, da zuerst.


Grüße an die Beteiligten.

tomcat
07.01.01, 12:52
Gehe ich der Reihe nach:
1. Katharer = Templer
Ein wesentlicher UNterschied ist sicher, daß die Katharer ihre Ansichten von Armut und Demut tatsächlich lebten, die Templer aber schon eine ziemliche Dekadenz zeigten. Beide verband aber auch, daß sie in Zeiten dumpfen Aberglaubens und Unwissenheit fortschrittlich waren, in dem Sinne vor allem, Wissen nicht deshalb abzulehnen, weil es beispielweise vom Feind kam (Araber). Multikulti der ersten Stunde sozusagen. Genau deshalb hatten sie die gleichen Feinde.


2. Im Kodex des Vatikans steht ein Passus, der es verbietet, Schriften zu vernichten, die historischen Wert besitzen


Genau! Der TRick ist: den historischen Wert definiert die Kirche. Dokumente der anderen Art sind "Häresie", wurden also verbrantt wie die Urheber. ZU SChulungszwecken bewahrt Kardinal Ratzinger einige Dokumente im vatikan auf, die berühmte Bibliothek, die nur Eingeweihte sehen dürfen. Wennman bedenkt, wie sehr die KIrche sich in den ersten 4 Jahrhunderten verändert hat, nur um Staatsreligion zu werden, dann sehe ich durchaus die Notwendigkeit, die Spuren der "Wendemanöver" zu beseitigen.


Apropos Verschwörung: was war denn das mit der Konstantinischen Schenkung? Diese kleine Fälschung, die der KIrche den Weg zur Macht ebnete.




3. Jesus kann nicht überlebt haben. Das stellte in der Tat das Christentum in Frage.


Ja. Und?


7. Vulgärmaterialistische Argumentation. Natürlich wollte Philipp der Schöne an die Kohle des Ordens. Aber hat er sie bekommen? Ich glaube, nein. Manche behaupten, sie sei auf dem Wege nach Amerika im Ozean verloren gegangen. Vielleicht, weil die Schiffe an einem Freitag und einem 13. dazu ausliefen? Jetzt wird's mir aber zu mystisch und zu kapitalistisch.


Einspruch, euer Ehren. Philipp war definitiv nicht gläubig, sondern hätte er nicht einen Papst ermorden lassen und den anderen nach Frankreich geholt. Er war der Hauptschuldner der Templer, kurz vor der Pleite. Und zu der Zeit gab es nicht viele Möglichkeiten, sich um die Schulden zu drücken. Ein gewalttätiges Jahrhundert, in dem gleich losgekloppt wurde. DIe Menschen wurden nicht durch die Tagesschau manipuliert, sondern durch grobe Gerüchte. Darf man nicht vergessen.


8. Die 13. hat Ursächliches in der Kabbala, da zuerst. Hatte aber keinen Effekt für das Abendland.


P.S. Beteilige mich an allem, zu dem ich was beitragen kann. Von Lyrik habe ich keine Ahnung, aber das hier, daß ist für einen schlichten Menschen wie mich greifbar.
Tschüsselchen

aerolith
28.01.01, 05:38
Meine Theorie ist die: Die Templer gingen unter, weil sie synkretisierten und ihr Maß an innerer Freiheit sehr begrenzt war. Sie gingen unter, weil sie sich letztlich auf eine Staatsneugründung ausrichteten, was verständlich, aber nichtdestotrotz dem Zeitgeist widerlief. Sie mußten aus Raison zerschlagen werden. mehr Freiheit hatten sie nicht zu bieten, wohl aber die Phantasie des Widerstands. Daher sind sie heute nur dekadenten Geistern eine Herausforderung wert. Eine Beschäftigung mit ihnen kann nur degoutant sein, allenfalls schmackhaft und nahrhaft wie Eierschecke. (Man muß danach noch was Richtiges essen.)

Dickes Beh
21.01.03, 12:51
Habe noch etwas zur obigen "Baphomet"-Diskussion gefunden:

"Alles, was wir über die Gemeinschaft von Qumran herausfanden, festigte unsere Überzeugung, daß die Qumraner die geistigen Erben der ägyptischen Könige und die Vorläufer der Tempelritter und Freimaurer waren. Ein wichtiger Hinweis kam dank eines anderen Forschers bei der allerersten Auswertung der Schriftrollen vom Toten Meer ans Tageslicht. Dr. Hugh Schonfield entdeckte in vielen der Schriftrollen einen hebräischen Code, den er den "Atbasch-Code" nannte und der dazu benutzt wurde, die Namen von Personen zu verschlüsseln. Das beschrieb er in seinem Buch "The Essene Odyssey". Kurz vor seinem Tod im Jahre 1988 machte Schonfield noch eine weitere verblüffende Entdeckung - er fand heraus, daß Schlüsselworte, die sowohl bei den Templern als auch bei den Freimaurern benutzt werden, Atbasch-Code sind, die eine geheime Bedeutung haben, wenn man sie entziffert. Zum Beispiel standen die Tempelritter in dem Ruf, etwas mit dem komischen Namen "Baphomet" anzubeten. Man verstand die Bedeutung nicht, bis man es auf Hebräisch schrieb und den Atbasch-Code anwandte. Heraus kam das Wort "Sophia" - das griechische Wort für "Weisheit". " (Knight/ Lomas. Unter den Tempeln Jerusalems. Knaur. München. 2000. S. 311)


Da fragt man sich allerdings tief besorgt, warum der Templer ein an sich so hehres Ziel wie die Weisheit unbedingt verschlüsseln zu müssen glaubt. Es sei denn, damit war die (weitere) Erforschung der urchristlichen Wurzeln gemeint, was den römischen Katholen wohl kaum ins Konzept gepaßt haben dürfte.

aerolith
21.01.03, 15:16
Dickerle, ick freue mir, dat Du Dein Scherflein beitraren willst.

An die Stillhalte der katholischen Kirche in bezug auf "neue" Entdeckungen in jahrtausendealtem Hohlraum will ich mich getrost erinnern. Wissenschaft und Glaube sind zwei Paar Schuhe. Es kann nicht Ziel und Selbstverständnis der Kirche sein, sich stets und immer durch wissenschaftliche Untersuchungen (Wir alle wissen, daß drei Wissenschaftler zu einem Sachverhalt vier Meinungen besitzen.) bestätigen lassen zu müssen. Das papa dictat ist okay, es hat die Kirche durch zwei Jahrtausende gebracht und ist meinesteils ein akzeptables Ordnungsprinzip. (Oder wollen wir über Grundwahrheiten jetzt abstimmen?)


Mir würde es in der Tat jedoch hinreichen, wenn ich das Wort Christi hätte. Allein eine Stelle wie Mt 21,43 (https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus21%2C43) könnte hinreichend genug dafür sein, die Observanz des germanischen Kaisertums über die Kurie zu erklären, mithin dem ganzen Mittelalter eine Erklärung zu geben, die heute bestenfalls fragwürdig erscheint.
Andererseits frage ich: who cares? Selbst mit dem Bewußtsein der größten Verbrechen in der Geschichte... Es würde doch nichts am Grundprinzip meines Selbstverständnisses ändern? Ich will die doch nicht durch mich ersetzen!


Bei Deiner historischen Einteilung hab ich allerdings meine Zweifel: Die Templer würd ich nicht mit den Essenern zusammenbinden wollen. Entschlüsselungssysteme sind das, was sie eben sind: ein Mittel, Verwirrung zu stiften. Wie die Numerologie. Man kann alles damit belegen.


Aber Spaß macht das.

Weiter im Text: Die Templer waren quasi die ersten christlichen Multis, erfanden den Scheck und bildeten einen Staat im Staate, verliehen Geld, nahmen Zinsen, buddelten im Tempelberg herum und besaßen so an die 2000 Pferde allein in Jerusalem. Ihr Auskommen war mit dem der Assassinen (Haschischiyin) verbunden; man arbeitete zusammen!
Das magisch-rituelle Gebaren erinnert nicht an die Essener, schon gar nicht an die Urchristen, denen solche Beschwörungsformeln, wie sie die Templer entwickelten, ziemlich fremd gewesen sein dürften. Jesu Wort ist klar und allegorisch zugleich, es wird symbolhaft aufgehoben im Ewigmenschlichen. Mantraeske oder gar mystisch-spirituelle Verdichtung war nicht Jesu Sache. Wohl aber die der Templer, die mit morgenländischer Gottesanrufung mehr gemein hatten als jeder andere christliche Orden. Die nach Jesus lebten haben das "Mystische" zum Mittel erkoren, sich dem Heiligen Geist zu nähern, besser, sich in ihm zu versenken. Aber, dort angekommen, sollte alles klar und logisch (bitte mit kurzem o denken) sein.


Also, die Templer waren schon ein - im Sinne des Urchristentum, als die ich die Essener jetzt eben kurz abfeiere, auch wenn sie zum Teil vor Christi Erscheinen existiert haben mögen - hart an der Grenze des urchristlichen Verständnisses wesendes Selbstverständnis des Wortes Christi. Bestenfalls geadelt durch ihre Grabungen im Tempelberg, denn solche Dinge wie Schutz von Pilgern oder dergleichen war ihre Sache nicht.


Ich möchte auch behaupten, daß sie sich der Verfolgung durch Philipp IV. hätten entziehen können, wenn sie gewollt hätten. Sie hätten ihn bekriegen dürfen und bekriegen können, denn sie waren reich und Philipp war arm. Aber sie hatten andere Pläne, sattelten um, weg von der offensichtlichen, hin zur heimlichen Politik; die verspricht in der Regel erfolgreicher zu sein.

Dickes Beh
24.01.03, 11:27
Das magisch-rituelle Gebaren erinnert nicht an die Essener, schon gar nicht an die Urchristen, denen solche Beschwörungsformeln, wie sie die Templer entwickelten, ziemlich fremd gewesen sein dürften.


Keiner hat behauptet, daß die Essener mit dem, was die Templer so trieben, irgendetwas zu tun hatten. Wie auch. Die von mir genannten Autoren gehen bei ihren (zumeist leider etwas sehr laienhaften) Untersuchungen zur Geschichte der Freimaurerei eigentlich doch auch nur davon aus, daß die Templer unterm Berge halt die Rollen von Qumran fanden - in der damaligen Zeit sicherlich erheblicher politischer Sprengstoff.



Jesu Wort ist klar und allegorisch zugleich, es wird symbolhaft aufgehoben im Ewigmenschlichen. Mantraeske oder gar mystisch-spirituelle Verdichtung war nicht Jesu Sache.


Robert, was Jesu Sache war oder ist, bleibt doch völlig im Dunkeln. Kein gesunder Mensch kann sagen, was der Kollege wann und wo in welcher Absicht von sich gegeben hat. Zuviele Leute hängen in dem Konglomerat namens Bibel schreibtechnisch drin. Nimm es hin. Es liegt mir völlig fern, Deinen Glauben an irgendetwas zu bewerten. Von mir aus glaube an die Schönheit Deiner Nachttischlampe oder die Heilwirkung von Schilf. Solange Menschen da sind, wird auch immer an die tollsten Sachen geglaubt. Mir egal.
Was mich aber nervt, ist die Tatsache, daß, wenn durch Forschung in die Enge getrieben, die geliebte Mutter Kirche sich immer wieder auf die meines Erachtens unglaubliche Position zurückzieht, daß man Glauben nicht beweisen kann. Toll. Da wird einerseits seit Jahrtausenden mit Glocke, BUCH und Kerze (und nicht vergessen: besonders mit dem Schwerte) missioniert, was das Zeug hält, wird Menschen in der Tat das Blaue vom Himmel versprochen, damit Macht und Einfluß ja nicht verschwinden - und wenn dann berechtigte Zweifel sowohl an der Sinnhaftigkeit von Gottes Wort wie auch an seiner Authentizität auftauchen, wird alles glattgebügelt. Verständlich, wenn die Alternative in Selbstauflösung bestünde.
Robert, ich will Dir, wie gesagt, nicht zu nahe treten, aber mich erinnert das alles doch in ekelhafter Weise an die gute DDR-Heuchelei.


Wir alle wissen, daß drei Wissenschaftler zu einem Sachverhalt vier Meinungen besitzen. Das papa dictat ist okay, es hat die Kirche durch zwei Jahrtausende gebracht und ist meinesteils ein akzeptables Ordnungsprinzip. (Oder wollen wir über Grundwahrheiten jetzt abstimmen?)



Tut mir leid, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Also, ich kann ja verstehen, daß Du, wenn auf der Suche nach Halt im Leben, gerne auf unumstößliche, festgemauerte Wahrheiten zurückgreifen möchtest, obwohl ich glaube, Dich anders kennengelernt zu haben.
Aber eine der nobelsten Eigenschaften eines Wissenschaftlers ist nun mal der Selbstzweifel. Anders geht Forschung nicht. Daß Du Dich nach Unterwerfung unter arrogante, diktatorische Ordnungsprinzipien sehnst, enttäuscht heftig.

rodbertus
28.01.03, 11:45
Äpfel und Birnen, mei Dickerle.

Wenn Kirche forscht, dann nur, um ein Dogma zu erhärten. Das Dogma ist vorgegeben. Es wird aber gelegentlich geändert, eventuell auch, weil einer etwas fand, dem das Dogma nichts erwidert/erwidern kann oder die Apostel des Dogmas... Aber Kirche ist eben Dogma, jede hat ihren Katechismus. Wenn es das Dogma nicht gäbe, wäre Kirche sinnlos. Kirche ist Körper des Glaubens, der Gläubigen. Dogma ist Hinleitung zur Ausübung des Glaubens, denn Glauben ist Gemeinschaft, Gemeinschaft aber benötigt Ordnung. Das ist so. Und manche Menschen (ich zwar nicht, aber es gibt sie eben) benötigen diesen gemeinschaftlichen Rahmen, um sich selbst zu definieren. Und deshalb ist der Begriff mitsamt seinem Inhalt namens KIRCHE sinnvoll, mithin das Dogma.


Verlang von einem Dominikaner nicht, daß er Bier braut, da er sich das doch nie traut. (Aber ich hab schon Pferde kotzen sehen.)


Ein Wissenschaftler aber hat die Pflicht zur Selbstreflexion, nicht bei allem, nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. Klar, denn ihm zählt nicht das Dogma eines seiner Kollegen, sondern nur der Tatbestand. Allerdings jedoch stellt jeder Wissenschaftler das auf, was er Theorie nennt. Diese sucht er zu erhärten.


Ich könnte also jetzt meinen dürfen, daß die Kirche und den (normalen) Wissenschaftler nicht sehr viel trennt, jedenfalls nichts Substanzielles.


Jetzt komme ich wieder auf die Templer zurück: Sie laufen mir jetzt ungefähr zehn Jahre lang mehr oder weniger ständig durchs Bild. Irgendwas erinnert mich an sie, irgendwer schreibt über sie, irgend jemand denkt sich Computerspiele zum Thema "Baphomet" aus, deren Faszination ich mich kaum entziehen kann - ich liebe bunte Bilder und billige Liebesgeschichten -, und schließlich krame ich dann in meinen Büchern herum, bis ich was finde.
So mote I do.


Mein erste Konrektor zum Thema hieß Ernst Sommer und beschrieb den Untergang der Templer aus der Sicht eines an tiefe gesellschaftliche Zusammenhänge glaubenden Paranoikers, der Philipp IV. als Initiator eines ungerechten Vorgangs brandmarkte, dem der Papst (weil in der Hand des franz. Königs) ausgeliefert war und der sich vollzog, weil es im Mittelalter sowieso kein Recht und keine Ordnung gab, weil sich der Stärkerere eben nahm, wessen er bedurfte... So in diesem Stil. Ach ja, die Templer waren selbstredend unschuldig, weil die Inquisition von Hause aus böse und ungerecht sein mußte. Und ich Trottel stimmte dem Sommer Ernst auch zu. Nicht, was die Gründe anbetraf, wohl aber in der Hauptsache, daß nämmich die Templer unschuldig gewest, also keine Ketzer... waren.


Sie waren es eben doch. Und aus politischen und selbsterhaltungshygienischen Gründen mußten sie ausgemerzt, zumindest in ihrer Wirkungsmacht ausgebremst werden. (Was aber nicht gelang, wie jeder heute weiß.)


Einzelheiten zur Sache morgen. Jetzt mu? ich erst einmal ein bißchen forschen. In diesem Kontext eine kurze Replik auf Hannemann: Wissen ist immer mehr als Angelesenes. Ohne die Aufnahme des Wissens der Altvorderen allerdings müßten wir das Rad immer wieder neu erfinden. Wer liest und rezipiert, durchläuft einen Entdeckungsprozeß, der sich mit eigenen Weltanschauungen verbindet und ihn, so er denn ein Ohr dafür hat, zu neuen Erkenntnissen bringt, die entweder ihm selber oder auch anderen zum Vorteil gereichen.


Das mit der bösen Inquisition habe ich noch nie richtig glauben können. Das mit dem bösen französischen König glaubte ich da schon eher, DENN französische Könige sind von sich aus böse. :augenbrauen: Und die handfesten wirtschaftlichen und politischen Interessen sind ja nun einmal nicht von der Hand zu weisen.
Was mich aber damals schon fuchste war diese....

aerolith
13.05.03, 10:55
Der Orden der Tempelritter wurde im 14. Jahrhundert zerschlagen, sein Besitz unter verschiedenen weltlichen und geistlichen Machtgruppen (König von Aragonien, König von Frankreich, Hospitaliter, Papst...) aufgeteilt. Von den ca. 5000 Templern (wahrscheinlich waren es eher nur 3000) tötete die weltliche Gerichtsbarkeit mindestens zwei Dritteil. Wer von den Templern fliehen konnte, der tat es, zum Teil nahmen Verwandte in Spanien und Portugal einzelne Brüder auf. Aber in diesem Falle brachen die Aufgenommenen ihr Gelübde, niemals einem anderen Orden beizutreten; zum Teil trafen sie sich geheim und bildeten sich allmählich zu den Freimaurern um oder gingen in diesen auf.
Zwischen Freimaurern und Templern besteht ein enger Sinnzusammenhang. Es geht um die Errichtung, die Manifestation der Herrschaft Gottes auf der Erde, symbolisch im Tempel zu Jerusalem ausgedrückt.


Und das ist der Schnittpunkt aller Geheimbünde. Weil eben der offene und direkte Weg zur Herrschaft nicht gelang, bedienen sich die Nachfolger der Templer verschlungenerer Wege. Aber ihre Macht und Strenge in der Durchführung ist so groß nicht, wie dies für gewöhnlich weisgemacht werden soll. Sie sind eine Gruppierung von vielen, nicht sonderlich rein geblieben, sondern eher eklektizistisch und unwägbar in den Wurzeln. Daraus kann keine weltumspannende Macht erwachsen.

Dickes Beh
15.05.03, 16:28
Sie sind eine Gruppierung von vielen, nicht sonderlich rein geblieben, sondern eher eklektizistisch und unwägbar in den Wurzeln. Daraus kann keine weltumspannende Macht erwachsen.

Weiß nicht, Bert. Was ist mit der freimaurerischen Gründung USA?

rodbertus
15.05.03, 19:28
Gute Frage, mein Lieber. Gestern schenkte ich einem mir bis heute freundlich gesonnenen Menschen ein dickes Buch mit vielen Grundriß- und Reißbrettskizzen über die Architektur des Salomonischen Tempels. Sein erster Kommentar war: "Den hat es nie gegeben."


Mit den USA und den Templern ist es ähnlich: Einst gab es wohl beide. Schlimmer noch: Einst wird es beide gegeben haben. Und manch einer fragt sich, ob es jemals so etwas wie Gummibärchen gab. Oder Deutschland.


Die USA mögen eine freimaurerische Gründung gewesen sein. Das spielt aber keine Rolle: Der Wille, der hinter der Gründung steht, ist entscheidend, es war ein utilitaristisch-fiskalischer: die amerikanischen Kolonisten wollten ihr Geld lieber im Lande behalten und nichts ans ferne London übergeben, das sich einen Dreck um die Amerikaner kümmerte. Das ist Substanz des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes; Akzidenz (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=akzidenz)ist, daß etliche Freimaurer unter den Gründungsvätern waren.
Der Zweck, auf den Templer, Freimaurer, CFR u.ä. abzielen, was ihre Politik grundiert und ihre weitere Vorgehensweise. Das Schildchen hänge ich aber denen nicht unbedingt um. Dafür ist mir die Chose zu diffus, diffundent. Schönes Wort. Damit ende ich.

ala
10.05.05, 22:08
nun ja. maria magdalena soll von jesus eine tochter sara gehabt haben, deren nachkommen ins merowingergeschlecht nachweisbar sein sollen dank einer abstammungsrolle, die in der priorie de sion verwahrt wurde, aber verschwunden ist ("sakrileg")
der da vinci code führt dorthin zurück, weil im bild abendmahl nicht johannes neben Jesus sitzen soll, sondern eine frau, maria magdalena nämlich, und das zwischen ihnen ausgesparte "V" die weibliche scham symbolisiere. in diesem zusammenhang fiel mir übrigens die eigenartige heiligenscheingestaltung aus, bei der das kreuz aus luft, seine segmentzwischenräume aber aus stein sind.


der hintere templer dürfte danach nicht der teufel sondern eine frau gewesen sein. oder der vordere?
na jedenfalls stützt das meine theorie, daß nur das paar den gral finden kann. dieser soll nach sakrileg die nachkommen-jesu-stammrolle sein.

Gast
17.12.05, 23:09
Bin hier nur grade mal vorbeigesurft. Aber das Thema ist interessant.
Deshalb mal mein Senf dazu...Merowinger und Jesus...
Als erstes fränkisches Königsgeschlecht unter deren Herrschaft die Franken zum Christentum muss es für die Merowinger ein berechtigtes Interesse gegeben haben weiterhin für Ihr Volk als Träger göttlichen Blutes zu gelten.
Da Wodan und Konsorten politisch nicht mehr korrekt war...man spinne den Gedanken mal weiter....
Daß Jesus um das Jahr 33 herum ins damals wilde Germanien gezogen sein soll, noch dazu zu einem Stamm der damals noch nicht einmal an der Grenze des Reiches lebte sondern wohl irgendwo zwischen Skandinavien und Schwarzen Meer herumzog. Mehr als nur unwahrscheinlich.
Noch unwahrscheinlicher ist ja nur noch die These daß er dort bei einem wildfremden Volk ein Königsgeschlecht begründet haben soll. Hätte er dann nicht auch wenigstens ein paar jüdische Einflüsse auf diese frühgermanischen Stämme hinterlassen? Meine Meinung...einfach eine frühe Art von PR. Siehe Rom und Troja...es war einfach üblich in der Antike sich und seinem Volk eine glanzvolle Herkunft zu erdichten.

rodbertus
17.12.05, 23:55
zum zusammenhang zwischen den germanen und jesus möchte ich auf die bereits von mir zitierte stelle aus matthäus verweisen, Mt. 21,43

Basti
18.12.05, 00:11
da ich die Story zur Genüge kenne mit den Merowingern wollte ich gar nicht so detailiert drauf eingehen. Ich halte sie für geschichtlich einfach nicht mal für diskussionswürdig. Sollte ich deshalb auf die Schnelle ein paar Dinge zu sehr verallgemeinert haben bitte ich um Verständnis. Bei Interesse liefere ich aber gerne die Geschichte des fränkischen Königshauses genauer nach. Aber ist ja nichts dabei was ein interessierter Mensch nicht innerhalb von Minuten selber erlesen könnte in den Grundzügen.


Viele Grüße
Basti

Achtpanther
18.12.05, 16:04
In Flavius Josephus "Geschichte des Jüdischen Krieges" ist (neben drei Legionen (also zu dieser Zeit gebürtigen Römern)) lediglich von "zahlreichen syrischen Hilfstruppen" die Rede. Auch in Mommsens "Römische Geschichte" (Achtes Buch, Abschnitt Iudaea) werden neben aus durch Samaritanern und syrischen Griechen gebildeten Hilfstruppen lediglich noch (allerdings wohl erst später) spanische und thrakische Hilfstruppen erwähnt.


Von germanischen Hilfstruppen ist - korrigiere mich - in keiner der historischen Quellen die Rede. Und auch Matthäus erwähnt sie nicht.

aerolith
18.12.05, 16:41
Ja, diese Geschichte mit Mt. 21,43 ist eine sehr interessante Sache, die den Stoff für manchen okkulten Spinner abgab und -gibt. Ich habe deswegen sogar den Dompfarrer Quast befragt, so daß mir diese Stelle original übersetzt wird. Der konnte mir aber nicht wirklich helfen, denn seine Übersetzung kannte ich schon. Habe ich also diese chose auf den Haufen der unerledigten Dinge gelegt.

Vielleicht läßt sich in historisch weit zurückliegenden Verhältnissen auch nur vermuten und eine Wahrheit selbst ist nicht rekonstruabel. Und sicherlich geht es bei der Beforschung der Vergangenheit auch darum, für sich Lösungen zu finden, die aber keine festen sind, sondern eben Zwischenlösungen. Ich nehme nicht in Anspruch, korrekt oder richtig zu liegen; es sind immer Zwischenabschnitte meines lebenslangen Weges. Vielleicht ist das die Wahrheit und das, was uns der Menschensohn an kryptischen Bemerkungen auf den Weg geben wollte, daß wir niemals glauben sollten, etwas wirklich zu wissen und deshalb der Glaube das Sicherste und Menschlichste sei, ein lebenslanger Irrtum am Altar des Herrn. ;)

Mommsen oder Josephus sind unsere Fragestellung, ob eben Mt 21,43 auf die Germanen zu münzen sei, kaum ernstzunehmende Koryphäen. Mommsen schöpfte aus dem ihm zugänglichen Teil der Kirchenakten. Ich glaube nicht, daß der Vatikan sämtliche Giftschränke öffnete, als Mommsen um Einsichten bat. - Josephus ist Jude und wird seinem Volk kaum das absprechen, was es für sich genommen definiert, die Auserwähltheit. Aber wer weiß? Vielleicht war ja alles ganz anders und Monty Python hat recht? Ich will das heute nicht festschreiben.

Als Christ interpretiere ich die genannte Stelle Mt 21,43 so, daß damit das Volk Gottes gemeint ist, also alle Menschen, die an Jesus glauben wollen. Für die Juden muß das ein Schock gewesen sein, denn bislang verstanden sie sich als das Volk Gottes. Nun sollten es alle Menschen sein, die... Daß Leute wie Sebottendorf u.a. Thule-Leute die Germanen als dieses Volk wähnten, weil in der römischen Legion, die zum Gutteil die Zuhörerschaft Jesu in dieser Situation abgaben, eben v.a. Germanen Dienst taten, liegt in der Natur der Sache, beweist aber gar nichts. Mich würde hier eine Stellungnahme von Exegeten interessieren. Vielleicht schreibe ich mal an eine Theologische Fakultät und bitte um Aufklärung.

rodbertus
07.10.07, 20:01
sie sind nun keine Ketzer mehr, wie DER SPIEGEL (http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,509859,00.html) berichtet:

" für die Katholische Kirche sind die Tempelritter seit dem 14. Jahrhundert nur eins: Ketzer. Sie sollen auf das Kreuz gespuckt und die Existenz von Jesus geleugnet haben - ihr Orden wurde darum 1314 von Papst Clemens V. brutal aufgelöst. Hunderte wurden gefoltert und getötet.

Diese historische Gewissheit wird nun von höchster Stelle erschüttert - durch ein Buch aus dem Vatikan. Das am 25. Oktober erscheinende Werk "Processus contra Templarios" basiere auf neuen Dokumenten aus dem Geheimarchiv des Vatikan und wasche die Tempelritter von allen Vorwürfen rein, berichtet der britische "Daily Telegraph"."700 Jahre lang haben wir geglaubt, dass die Tempelritter als verfluchte Menschen starben. Dieser Fund spricht sie frei", sagte Professorin Barbara Frale, Angestellte des Geheimarchivs, der Zeitung.
Das Buch basiert auf dem "Chinon-Pergament", benannt nach dem französischen Ort Chinon..."

ala
07.10.07, 20:59
ich skate ja auf der da vinci schiene, deren vorbild-buch (gral und seine erben) robert seit 2001 bekannt ist, mir erst seit 2 jahren.

von da aus betrachtet ging jesus nicht zu den germanen und sagte skol!, sondern seine nachfahren wurden über das mittelmeer in einem ruderlosen boot bis nach südfrankreich wunderbar errettet, gingen dort ins liliengeschlecht der merowinger ein und über lothringen bis ins habsburgische.
die ketzerei war kein fehlender jesustod am kreuz, sondern die paargottheit jesus-magdalenerin, eine schwarze oder dunkelhäutige frau, wenn man den südfranzösischen madonnen vertraut. dies wäre in der tat eine gänzlich andere und neue religion, die sich das schöpferische nur aus mann und frau gemeinsam vorstellen kann, obwohl man das ja täglich vor augen hat, betrachtet man sich auch nur einen menschen als liebesprodukt seiner eltern.

die kunsthistorisch gängige gärnterszene der stabübergabe, ubi lis est (heute noch im wort "übelst") und auch das achterkreuz als zweiblütige unschuld, bzw, - und das kam mir heute - kreuz und schwert auf- und übereinandergelegt mit entgegengesetzter zielrichtung und den doppelspitzen. die beiden reiter, der zweite war wohl der von der kirche verteufelte: die frau.

baphomet_mahomet gleichzusetzen ist unsinnig, da der islam ein abbildverbot kennt (sonst hätte sich arabische hochkunst nicht in der ornamentik erschöpft). sophia ist von meinem skateboard aus logischer: die von der amtskirche verschwiegene, verteufelte, mutierte, zur hure gemachte und schließlich amputiert integrierte frau.

das mag eine romaneske spekulation sein, wem sich der blick auf diesen fleischknochen aber einmal öffnet, der sieht ihn überall :liebe:

aerolith
15.12.12, 10:42
in dem zuweilen lesenswerten buch "franz helbing: die tortur; lichterfelde 1912. s. 96/97." wird über die templer berichtet:

DER ORDEN DER TEMPLER

„Ein Staatsgebiet hatten sie sich nicht zu verschaffen gewusst, denn das Königreich Aragon mit Nevarra, welches ihnen 1131 König Alfonso I. vermachte, konnten sie, mit Ausnahme einiger fester Plätze nicht gewinnen, da das Testament nicht vollzogen wurde, und die Insel Cypern, die sie 1191 dem König Richard Löwenherz, der sie erobert hatte, um 100000 Goldbyzantiner [Anm.: ca. 45,9 Millionen €, wenn man 64 Goldmark auf den Byzantiner rechnet] abkauften, verloren sie infolge ihrer Gewalttätigkeit gegen die Bevölkerung durch einen Aufstand derselben.
Besser verstanden sie das Geld zusammenzuhalten; im Jahre 1307 bezog der Orden, der damals 20000 Ritter zählte, sechzig Millionen Mark heutigen Geldes (der König von Frankreich nicht ganz zwei Millionen!). [1 Mark zu 0,3584 g Gold ist nach heutigem Goldpreis ca. 7 € wert) Die Templer trieben Handels- und Wechselgeschäfte, liehen den Fürsten grosse Summen, vermieteten ihre Flotten und wagten Spekulationen aller Art. Aber weder für wohltätige Zwecke verwendeten sie ihre Kapitalien, noch für Gastfreundschaft, ausgenommen gegen hohe Personen, die ihnen von Nutzen sein konnten, ja nicht einmal, wenn sie nicht dazu gezwungen wurden, zu Gunsten des heiligen Landes. Das Gold war ihr Gott! Im Besitze solcher Macht strebten die Templer nach keinem geringeren Ziele, als nach einer Art von Weltherrschaft, die sie mit Hilfe des Papstes zu erreichen hofften, dessen Garde sie zu bilden, den sie aber in Wahrheit cur als ihr Werkzeug zu betrachten dachten.
Durch diese Tendenzen wurde der Orden eine Gefahr für die Staaten; er wurde aber auch eine solche für die Kirche, mit deren Hilfe er emporsteigen wollte, denn er war, wenigstens in seinen Hauptteilen, besonders in Frankreich, wo er mächtiger war als anderswo, nicht nur picht kirchlich gesinnt, sondern geradezu kirchenfeindlich. Die Misserfolge ier Kreuzzüge trugen vorzugsweise dazu bei, dass er diese aufgeben und sich in das Abendland zurückzuziehen wünschte, um hier seine Reichtümer zu geniessen. War schon dies dem päpstlichen System wieder, so war es noch bedenklicher, dass in manchen Teilen des Ordens eine mit dem kirchlichen Christentum durchaus unvereinbare, onfromme, ja frivole Gesinnung Platz griff, die in einer geheimen Lehre and einem geheimen Kultus Ausdruck fand."
Die Vergehen, die den Templern vorgeworfen wurden und die sie teilweise auch eingestanden haben, unter dem zarten Zwangsmittel der Folter natürlich, mit der man, wie viele Beispiele beweisen, jedes gewünschte Geständnis zuwege bringen konnte, diese Vergehen also stellen in der Tat die Templer als Ketzer, Gotteslästerer und sonst noch alles mögliche Sündhafte und Schlechte hin. Indes, wenn man aber in Betracht zieht, dass diese Beschuldigungen von Gegnern ausgingen, die sich die Güter der Templer aneignen wollten, dass diese Geständnisse, die in manchen Fällen nach der Tortur wieder zurückgenommen wurden, durch die Art und Weise, wie sie zu Stande gebracht wurden, völlig wertlos waren, so geht man wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dass die grösste Schuld der Templer ihr Reichtum war, mag ihr Gebahren auch in manchen Fällen wirklich auch unsittlich und verächtlich gewesen sein."


ein paar anmerkungen dazu.
1. löwenherz wurde zu zahlung dieses betrages vom österreichischen herzog leopold nach seiner gefangennahme vor wien genötigt, was eine wiedergutmachung für das vordrängeln bei einer schlacht bei aleppo sein soll.
2. nicht die juden zahlten die ablöse für löwenherz, wie uns zahlreiche robin hood-filme verklickern wollen.
3. die templer waren etliche male reicher als ganz frankreich. das sollte einem schon zu denken geben.
4. auch 1912 gab es etliche vollidioten, die das ß tilgten und so modern wirken wollten.
5. die anschuldigungen gegenüber den templern bleiben vage, nichtempirisch. was haben sie denn nun konkret böses getan?

resurrector
28.01.19, 21:06
Das war seinerzeit einer der zugriffsstärksten Ordner. Muß an der Zeit um die Jahrtausendwende gelegen haben. Heute ist das Thema nicht mehr so präsent und diskutabel. Man weiß wohl Bescheid. Die armen Irren.