PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein Blick um 360°



alex
03.05.01, 15:02
Da ich selbst schon merke, dass es hier ziemlich mau zugeht und ich ja auch zum Moderator ernannt wurde und meiner Pflicht natürlich nachkommen möchte, habe ich mich mir Gedanken gemacht und präsentiere hier nun einen (zumindest aus meiner Sicht) interessanten Ordner. So habe ich mir vorgenommen ein kleines Geschichten zu schreiben, in dem mehrere Personen in einer bestimmten Situation vorkommen. Diese Geschichte werde ich aus der Sicht einer dieser Personen schreiben, zu dem Zwecke, dass hauptsächlich ihre Gedanken zur gegenwärtigen Situation und den anderen Personen dargelegt werden. Dann werde ich es euch überlassen, eine der anderen Personen zu wählen und die Situation aus ihrer Sicht zu beschreiben. Ich wäre gespannt, was dabei herauskommt. Ich werde mich hinsetzten und mir in den nächsten Tagen einen Text ausdenken der dafür geeignet wäre. Inzwischen könnt ihr euch ja zum meinem Vorschlag äußern.
In tiefem Erhoffen von Interesse durch andere,


Alex

rodbertus
03.05.01, 19:28
Ich bin dabei, sofern in diesem ausgesprochen iuvenilen Forum Überdreißigjährige überhaupt verstanden werden wollen.

alex
09.05.01, 20:33
Auch du, Robert, darfst natürlich daran teilhaben. Man muss älteren Leuten schließlich noch eine Chance geben.




Und die Idee... nun ja. Bo hatte mir einen Vorschlag für einen Ordner gemacht. Diesen Vorschlag habe ich etwas abgeändert und meinen Bedürfnissen angepasst. Trotzdem danke, Bo. Jedenfalls weiß ich, wem ich's in die Schuhe schieben kann, falls das Ganze nach hinten losgeht.





Surrend öffneten sich die Fahrstuhltüren. Zusammen mit den anderen vier Fahrgästen drängte ich mich hinein und noch bevor sich die Türen wieder schlossen, fragte der Hotelbedienstete, der für den Fahrstuhl verantwortlich war, jeden von uns, in welches Stockwerk wir denn wollten. Mein Gegenüber, ein großer Kerl in einem grellbunten Anzug, betonte mehrere Male, die Lippen zum einem überbreiten Grinsen verzogen, dass er unbedingt in den obersten Stock müsse, wo seine Suite war.
Reicher Schnösel! Nicht genug, dass die unendlich Geld haben, nein - die müssen sich auch noch so aufspielen, als seien sie eine wichtige Persönlichkeit.
Nachdem er seine Worte gut zwei-, dreimal wiederholt hatte, und sich die Fahrstuhltüren endlich schlossen, ließ er sein breites Grinsen quer durch den Fahrstuhl gleiten, bis seine Augen auf der Schönheit zu meiner rechten hängen blieben. Blondes, nasses Haar hing ihr über die Schultern bis zur Hälfte ihres Rückens hinab. Alles was sie zu tragen schien war ein rosafarbener Bademantel, dessen Kürze ihre glattrasierten Beine zur Geltung brachten, und ein Paar Badesandalen. Sie kam wohl vom Hotelpool, denn auch ein feuchtes Badetuch befand sich in ihrer linken Hand.
Das war wieder mal typisch. Das einzige Bestreben solcher stinkreichen Typen lag natürlich darin, so viele gutaussehende Frauen ins Bett zu kriegen wie nur irgend möglich. Welche andere Lebensaufgabe sollten sie auch haben, sie besitzen ja sonst alles.
Aber das schlimmste war, dass diese Frau auch noch zurücklächelte. Da schien sich der Spruch blond und blöd wieder mal zu bewahrheiten. Ich glaube, bei den meisten setzt das Gehirn aus, wenn es um Geld geht.
Ich dagegen bin meiner Frau treu und sie auch mir. Und unsereins hat für sein Geld auch hart gearbeitet und es nicht irgendwo gewonnen oder glücklich geerbt. Und selbst wenn, so weiß ich, würde ich mich niemals so aufführen wie der Kerl mir gegenüber. Schon sein kindischer Anzug wäre mir peinlich.
Plötzlich wanderten alle Blicke zu dem Jungen in der hinteren Ecke des Fahrstuhls, der laut schniefend die Nase hochzog. Seine langen Haaren hingen ihm quer durchs Gesicht, und seine blaue Jeans warf sich unten in mehrere Falten, da sie viel zu lang war, um ihm zu passen. Auf seinem T-Shirt war eine entstellte Fratze abgebildet, unter der sich eine Reihe von unidentifizierbaren Buchstaben befand. Den Gesichtszügen her zu urteilen war nicht älter als 16 Jahre. Die alte Frau neben ihm - sie hatte ein Katze, die sie an der Leine führte, und die es sich auf dem Boden gemütlich gemacht hatte - schüttelte den Kopf. Der Junge verzog sein Gesicht zu einer wütenden, provozierenden Grimasse und die Blicke aller lösten sich wieder von ihm.
Entweder war er mit seinen Eltern hier, denn ich glaube nicht, dass man ihn in diesem Aufzug in ein so feines Hotel wie dieses gelassen hätte. Oder er war einer dieser jungen, neureichen "Musikstars"; die mit ihrer Krachmusik - Hip Hop und Techno oder so.
Aus dem Fahrstuhllautsprecher tönte gerade leise ein Lied von Elvis, ich glaube I cant help falling in love .... Das waren noch Zeiten, als hinter der Musik noch Persönlichkeiten steckten. Mit der ganzen Computertechnik heute kann doch jeder Idiot solche üblen, nervtötenden Krachlieder schreiben.
Plötzlich spürte ich den Blick der Frau neben mir, der auf mich gerichtet war. Ich schaute sie an und konnte ein Lächeln auf ihren Lippen sehen. Verlegen lächelte ich zurück bis sie mit ihrer rechten freien Hand nach unten auf meine Hose zeigte. Ich blickte an meinem schwarzen Anzug hinunter, den ich für das Meeting vor 3 Stunden angezogen hatte, und entdeckte, dass mein Reißverschluss auf war.
Verdammt! Ich konnte nur hoffen, dass er nicht während des ganzen Meetings offen gestanden, und es jemand bemerkt hatte. Die Frau und der Kerl mir gegenüber begannen zu kichern.
Ha, ha. Sehr witzig.
Ich stellte meinen Aktenkoffer auf den Boden, um meinen Reißverschluss zu schließen, als mein Handy zu Klingeln begann. Ein grässliches Miauen schoss durch den Fahrstuhl, als die Katze der alten Dame vor Schreck aufsprang und sich mit ihren Krallen immer und immer wieder in der Wolljacke ihrer Herrin festhakte. Diese wich vor Schreck einen Schritt zurück gegen die Wand des Fahrstuhls und versuchte ihr entsetztes Tier wieder unter Kontrolle zu bringen.
Verzweifelte zerrte ich mein Handy aus meiner Hosentasche und nahm den Anruf an. Inzwischen hatte sich das wilde Tier wieder beruhigt und kopfschüttelnd trafen mich die Blicke der anderen Fahrstuhlgäste. Unmöglich, entfuhr es der alten Frau, die tröstend ihre Katze streichelte, und mir dabei böse in die Augen schaute.
Es war meine Frau am Handy. Sie schien oben aus dem Hotelzimmer anzurufen und fragte mich, wann ich denn endlich komme. Ich bin gleich bei dir, mein Schatz, antwortete ich leise, während ich mich von den anderen abwendete und legte wieder auf.
Im selben Augenblick hielt der Fahrstuhl an und mit einem Bing öffneten sich die Türen. Der Hotelbedienstete sah mich an und sagte: 12. Stock. Ihre Etage, Sir.
Ich steckte mein Handy zurück, nahm meinen Aktenkoffer und mit einem verhaltenen Danke stahl ich mich aus dem Fahrstuhl. Als sich die Türen hinter mir wieder schlossen, atmete ich erleichtert auf. Ich schloss meinen Reisverschluss und ging zu meinem Hotelzimmer.






>Habt ihr euch für eine der Personen entschieden, so stellt eure Inbesitznahme gleich schriftlich hier dar, damit keine Streitereien entstehen. Wer zurerst kommt malt zuerst.

Noch folgende Hinweise:

- Außer den vier beschriebenen Personen können natürlich auch der Hotelbedienstete und die Katze gewählt werden.

- Die Geschichte endet nicht, als der Geschäftsmann den Fahrstuhl verlässt. Schließlich muss dieser ja noch bis in den obersten Stock. (In diesem Zuge möchte ich bitten, dass derjenige der sich zuerst für eine der Figuren entschieden hat, auch zuerst seinen Text in den Ordner setzt, um vorzubeugen, dass sich handlungsmäßig, die Geschichten zu weit voneinander entfernen. Danach kann sich der, der sich als nächstes gemeldet hatte ans Werk machen, usw. Ich lege vor allem Wert auf die persönliche Meinung der Personen zur Situation. - Sollte allen dieser Vorschlag missfallen und wärt ihr lieber dafür, dass jeder eine eigene Fortführung der Ereignisse schreibt, so widersprecht lautstark und ich überdenke diesen Aspekt nochmal.)

- Die anderen Personen müssen nicht dem Charakterbild des Geschäftsmannes entsprechen, welches dieser sich von ihnen macht. Die Beweggründe und auch Charaktere können ganz anders sein, als von ihm vermutet. Das Ganze ist schließlich Ansichtssache.


Alex