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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Liebesgedichte - schlecht, aber gut



kls
31.12.01, 15:12
LOVE OF MY LIFE


Als Michaela ging konnte ich zwei Jahre nichts mehr schreiben. Dann traf ich auf einen wundervollen Menschen: Sarah [hebräisch Fürstin], meine ganz persönliche Eva, und nachdem die ersten Bauchschmerzen überwunden waren, sprudelte ich förmlich über. Ich besorgte mir ein angemessenes Einkommen, hörte mit dem Saufen und dem Kiffen auf und lustwandelte im Sonnenschein ihrer Liebe. Sarah war meine Inspiration, meine Leinwand, mein Katalysator und mein Motiv. Sarah, du fehlst mir! Ohne dich ist das Leben ein einziges Schattenspiel. Unsere kleine gemeinsame Weile dauerte nur 14 Tage - wir hatten nicht den Hauch einer Chance.


SARAH I


(Dieses Gedicht schwirrte zwar schon eine Zeitlang im Raum, aber ich habe es trotzdem Sarah gewidmet; - ich darf sowas.)


Sie kommt wenn nicht nach ihr gerufen
Sie kommt als ungebet'ner Gast
Andere sie ewig suchen
- hat mir stets den Blues verpasst.


Ich war bestimmt nicht am Warten
- Offen und bereit, doch im Nu
Während ich noch am Rätseln war und am Raten
schlug sie unerbittlich zu.


Sie nennt sich Liebe, - doch mir scheint
Sie verschweigt den hohen Preis
Viele Nächte viel geweint
später bist du wie aus Eis.


Dennoch - wenn sie endlich käme;
würd' ich sie nicht weiter lästern,
nicht daß ich mich der Schwäche schäme...
- der Schnee von heute ist morgen der Schnee von gestern!


SARAH II (um 3.45 Uhr morgens, beknackt wa'?)


Bestimmt darf ich Gedichte schreiben,
sogar schlechte - über Liebe,
muss sie ja nicht jedem zeigen.
Nenn's Kultivierung meiner Triebe.


28 Jahre, ist das echt zu jung für
einen alten bösen Mann?
Ein Junkey gar, - und voller Gier
nach Leben, das er nicht finden kann.


Seit wann ist Schönheit oder Jugend
ein Verdienst? Worauf bist du denn so stolz?
Naivität ist eine Tugend?
DIE Wege sind aus Eichenholz!


Du sagst: "Ich nicht - und du nicht."
Ein Orakel? Heisst du gar Sibylle?
Und sind Orakel ewiglich?
Bei mir zählt meistens nur der Wille!


Ich jedenfalls bin nicht versessen
zu wissen um der Zukunft Gang.
Viel lieber würde ich vergessen.
Nicht hören der Sirenen Sang.


Lass uns weiter Grenzen zieh'n.
Schnurgerade mit Verstand
weiter von einander flieh'n.
Die Tritte löscht die Flut im Sand...


SARAH III (also ich habe keine Berührungsängste, wenn es um Schmalz geht, ausserdem ist es wahr...)


Hab' drei Nächte durchgemacht
ernährte mich von Nikotin.
Was hast du mit mir gemacht?
Wie heisst der Film, wo führt das hin?


Bist du Schlüssel, - ich das Schloss?
Bin ich Äther, - du die Erde?
Bist du Reiter, - ich das Ross?
Du der Schäfer, - ich die Herde?


Du kannst zaubern - Wunderzeit,
kennst den Weg ins Leben.
Die Schatten der Vergangenheit
hören auf ihr Netz zu weben...


Ich war im Nichts - ich war verlor'n
- du hast mich zurückgebracht.
In Liebe werd' ich neu gebor'n.
DAS hast du mit mir gemacht


SARAH IV


Wann endlich wirst du mich erkennen?
Wie ich dich gefunden hab.
Das Spiel beim wahren Namen nennen?
Ich warte auf dich - Tag um Tag...


Diese Mauer in den Augen;
Bitte Sarah, reiss sie ein
trau dich doch an uns zu glauben
Sage: "Ja!" und lass' mich rein.


Diese Angst in deiner Stimme,
dieses Zittern ist nicht richtig.
Wenn ich dieses Spiel gewinne
sind nur noch wir beide wichtig.


Ich fühle dich - mit allem Recht
der Liebe - ist kein Wahn
Ich bin's wirklich - ich bin echt,
genügend Zeit sinnlos vertan...


SARAH V


Die Nächte voller Zärtlichkeit
mit dir gemeinsam ohne Schlaf
in meinem Arm - geträumte Wahrheit
- daß ich dich erleben darf...


Welcher Gott war gut gelaunt
und hat dich Engel mir geschickt?
Wie ein Kind hab' ich gestaunt
als ich dir ins Herz geblickt.


Ach ja, (erinner) die Liebe. Ein echter Hammer...kls...

rodbertus
31.12.01, 17:07
is das schlecht; da wird mir ja noch vor dem Silvestersaufkonzert schlecht

traumtänzer
02.01.02, 18:43
hallo kls,


wenn etwas aus liebe geschieht, sollte es verziehen werden, auch schlechte gedichte. ich hab grad auch sone phase, wo ich wieder mal sentimental werd. darf ich ein paar drunter setzen? eins hab ich schon ins andere forum gesetzt. ich will es aber nicht als literatur verkaufen. es gibt nichts schöneres und grauslicheres als die liebe.


melancholische grüße
tt

kls
02.01.02, 19:01
Logisch. Liebesgedichte sind romantisch, böse, klagend, verklaerend, realitaetsfern. Aber Eratio lebt! (Muse der Liebesdichtung)

traumtänzer
02.01.02, 19:18
für eine liebe aus ganz alten zeiten:


gedankenspiele


jeder sandte einen gedanken


sie schwebten frei
schwirrten durch den raum
trafen sich
tanzten miteinander
umarmten sich zärtlich
küssten sich innig
versanken in liebesspielen
verschmolzen ineinander


trennten sich
und gingen ihren weg
zurück zum ausgangspunkt


dann taten wir
was die gedanken taten




jetzt folgen welche, wo die tränen noch nich ganz getrocknet sind:


gedicht
nur für dich


was uns trennt
sind unsre träume.
weit weg
sind deine welten.
und ich,
ich träum von dir.


was uns trennt
ist liebe.
du teilst
dies gefühl.
und ich,
ich trag den schmerz.


was uns bindet
ist wahrheit.
ich gab dir
mein innerstes.
und du,
du gibst mir deins.


was uns bindet
ist vergebung.
ich beichtete dir
mein gefühl.
und du,
du bist ein freund.




ungerecht


was geht bloß in dir vor!?
du vergötterst diesen mann
der teufelshände hebt
und dich nur allzu gern
in den abgrund stößt
"Du Schlampe!" schreit er
und bedeckt dich mit seinem seelenschutt


und hier ein mann
der wie einst schon mal
dir blumen klauen würde
dir sterne pflücken würde
den teufel ficken würde


nur für einen kuß




minenfeld


zwei wege
einer fährt ins niemandsland,
ich erkenne nichts


der andre ist ein minenfeld
und ich sehe dein gesicht


ich laufe los
explosionen, schwarzer nebel,
seh' nichts mehr
lauf weiter, immer weiter
verliere arme, beine, alle glieder
sterbe...


zwei wege
einer fährt ins niemandsland


der andre ist ein minenfeld
und ich sehe dein gesicht...




eine träne


ich fing
eine träne
von dir


du gingst,
sie blieb,
in mir




dia-log zu dritt


ver-binden
einloggen


ich seh aus weiter ferne
deine tiefen augen nicht
kein heben, senken deiner stimme
nur noch worte
im virtuellen raum
spür' ich deine angst nicht mehr


in friedlicher absicht
entflammt die wut
hinter-mann!
schreit der vert-eidiger
deine worte
biegen balken lügen,
so das sich
die wahrheit dreht


ausloggen
ver-bindung trennen




dein bild


meine augen zeichnen
deine augen
mein blut befärbt
deine lippen
licht lackier' ich
dein lächeln
transparent tön' ich
deine seele


gemalt von meinem herzen
dein bild


pinselstriche meiner liebe


überschmiert mit
deiner lüge




und so wird es immer wieder kommen, lieber karl-ludwig:


zärtlich


erst liebt' ich ein mädchen;
umarmte das dunkel;
streichelte träume;
schmuste mit leere;
küsste den rausch;
schlief mit der sehnsucht;


jetzt lieb ich ein mädchen...


bis denne
tt

kls
02.01.02, 19:27
traumtänzer: gedankenspiele, gedicht nur für dich, ungerecht (...)


Du hast ja so was von Recht. Sagte ich nicht: Die Liebe ist ein echter Hammer?


Es gibt ein Buch: "Aber besoffen bin ich von Dir", mit (sehr) schlechten Liebesgedichten. Liebesgedichte sind auch leicht zu zerfetzen, aber fühlen: "Wie sich etwas nach innen und nach aussen stülpt, wie die Zeit einen Schluckauf bekommt, wie die Widersprüche verschmelzen... -WOW-

traumtänzer
02.01.02, 20:59
kls: Die Liebe ist ein echter Hammer?


Yep. Dieser süsse Schmerz, diese kalten Tränen, diese bittere Wut...


kls: -WOW-


genau. wir verstehn uns.

Trist
07.01.02, 23:53
Es gibt sie, die guten Liebesgedichte. Mein Gradmesser dafür ist der Pegel, mit dem sie mich peinlich berühren. Je stärker ich mich als Voyeur fühle, umso schneller schaue ich wieder weg. Und umgekehrt, je treffender sie meine Sicht vom Wesen der Liebe beschreiben, umso schneller schmelze ich dahin.


Lieben Gruß von
Trist

kls
26.11.08, 00:25
Sie sah aus wie eine Zigeunerin. Lange, krause, schwarze Haare, die einer ungebändigten Aura gleich, medusakesk ihren Kopf umwirbelten. Dunkle Haut, die ihr irgendein Vorfahre aus Italien, Sizilien oder anderweitigem Kuffnuckien eingebracht hatte, dazu eine Nase, welche den Hauch einer Ahnung zu breit war, sie scharf geschnitten zu nennen, 28 Jahre alt mit einer Wahnsinns Figur. Flache ‚evrery thing over a mouthfull is wasted’ Brüste und verblüffend langen Beine. Und mit einer Ausstrahlung, ne, so was von unverfickt…


Sie machte ein Praktikum bei der Drogenhilfe im Nachbarort und verdiente sich etwas Geld dazu, indem sie in meiner Stammkneipe montags und am Samstag die Tresenbeauftragte machte. Ein Freund kaute mir am Ohr herum:


„Hast du schon die neue Tante im ‚Blöden Egon’ gesehen?“


„Nö, zurzeit ist Schlafmohnernte. Das beißt sich mit Saufen.“


„Geh mal wieder hin. Lohnt sich. Bekommt man ganz verträumte Augen von.“


Am nächsten Tag gleich - ‚A Man Is Allways A Hunter’ – stehe ich 3 Minuten nach 17.00 Uhr vor der Eingangstür meiner Stammkneipe, als ob ich es nötig hätte, ziehe mir Hemd und Unterhemd aus der Hose, wir jungen Leute dürfen das machen, wir sind nämlich so und zerzausel mir wilddekorativ das Haar. Ich bin zwar erst süße 48 Jahre alt, aber pssst, da kann man schließlich auch drum herum reden. Dann lege ich den gefederten Schlurfgang ein und betrete ein Revier, in welchem ich eine, nun, nicht gerade untergeordnete Rolle spiele. Soll heißen, dass ich nach dem dritten Bier ziemlich lustig werde und natürlich auch laut.


Zwei wunderbraune Augen, leicht angeschnitten, blicken von einer Zeitung auf, in welcher sie ein Kreuzworträtsel nachdenklich betrachtet hatten. Die Erfahrung zeigte, dass die ersten Gäste erst gegen 18.00 Uhr aufzutauchen pflegten, das war mein Situationsvorteil. Brauche ich denn viel länger, jemandem klar zu machen, warum ich ‚the hunkiest hunk in town’ bin?


Nachdem ich auf ziemlich raumfüllende, aber unnachahmlich charismatische Art Besitz von 3 Hockern genommen hatte, einen für den Arsch, einen für die Füße, einen für die Lederjacke, uralt, aus einer Zeit, als der Mensch noch wusste, wie man echte Lederjacken hinkriegt, bestellte ich mir einen heißen Kakao. Auf Deckel von ‚kls’, und jawollja, der wäre ich, gerührt, bloß nicht geschüttelt aber mit einem Stück Sahne dabei und lächelnd serviert…


Sie lachte leise. Schon mal ein gutes Zeichen. „Ich heiße Eva.“ Sie ging, nein, sie begab sich irgendwie in die kleine Küche und warf irgendeine Maschine an: „So, das dauert jetzt erst mal 10 Minuten. Spielst du solange ‚4 gewinnt’ mit mir?“


Das war stark. Hier fährt mir jemand voll in die Parade. Die Spielregeln sollten doch stets von mir definiert werden, denn wer die Initiative verliert, der verliert. Aber woher so schnell einen unerwartet originellen Konter nehmen? Und was überhaupt ist eigentlich ‚4 gewinnt’? Ich mache den Mund auf, muss wohl ausgesehen haben wie ein Guppy, sage erst so etwas Weltbewegendes wie: „Äh“, verliere dann den Faden, werde womöglich auch noch rot - keine Ahnung was ich jetzt machen werde - und stoße ein trotziges: „Mit dir würde ich doch jedes Spiel spielen. Was zum Teufel ist ‚4 gewinnt’?“ hervor.


Sie lacht mich aus, nein, sie lacht vor sich hin? Kichert womöglich gar in sich hinein? Oder lacht mich doch eher an? Ja! Lacht mich AN! Und zwar so was von Nett. Von einem Könner ausgeleuchtet und gemalt. Ich bin beeindruckt.


„Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“ und nach 2 Sekunden: „Du kennst ‚4 gewinnt’ nicht?“


„Nein. Ich bin Schachspieler.“ (Dieses Spielchen funktioniert auch andersrum, Baby, nicht nur du schlau, ich auch viel schlau)


Ich verlor zwei Spiele, dann hatte ich es raus.


„Das war aber gemein von Dir.“


„Ich habe mich noch zurück gehalten.“


Es war Sommer, sie hatte nur ein T-Shirt an und keinen Büstenhalter. Sie holte den Kakao aus der Küche und stellte ihn mir hin. Dann bückte sie sich und holte die Sprühsahne aus dem Kühlschrank.


„Oha. Da kriegen meine Augen aber feuchte Finger, Mädchen. Wenn du dich vorne über beugst kann ich durch den Ausschnitt deine Gürtelschnalle sehen. Hier werden nachher etliche besoffene Männer rumtaumeln. Willst du die alle in den Wahnsinn treiben?“


Nun lachte sie aber wirklich laut. „Ach was. Es ist Sommer. Ich bin eine Frau. Na und?“


„Das kann man doch nicht einfach mit ‚Na und’ abtun. Ist dir nicht klar, was du den Säufern hier antust? So was Leckeres möchte sich doch jeder normale Mann einpacken und mit nach Hause nehmen um es dort nur für sich alleine auszupacken.“


Da wurde sie ganz langsam und sprach die, inzwischen als Klassiker bewerteten Worte: „Kls, ich lebe in einer glücklichen Beziehung…“


„Ja und? Würde mich wundern, wenn nicht. Soll ich dich nachher abholen und du erzählst mir ein wenig von deiner ‚Glücklichen Beziehung’?“


Lieber Leser. Beide Protagonisten wussten sofort und genau worum es ging. Eva wusste es, weil sie bestimmt nicht zum ersten Mal angegraben wurde, und kls wusste es sowieso. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelungen ist, in diesen Dialogen das Hintergründige zu umschreiben. Aber ich weiß noch, dass wir uns so, oder wenigstens fast so ähnlich, kennen lernten und sofort auf Teufel komm raus zu flirten anfingen. Nun, deswegen war ich schließlich auch dort.

„Meine Güte. Kls, du bist bei ‚Z’ wenn andere noch bei ‚B’ sind. Ich habe gehört, du wärst ein Junkie, aber ein sporadischer und netter.“


„Jeah? Is'n Kaff. Hat wohl noch nicht mal zum Alltagsjunkie gereicht bei mir. Und du, du Florence Nightingale der kleinen schwarzgekleideten Scheißerchen? Brauchst du diese Blödmänner nicht mehr als die dich?“


Das saß. „Woher weißt du das?“


„Ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“


(…) (Eine halbe Stunde später)


„Alles mögliche. Aber keine Liebe.“


Da wusste ich, dass ich sie hatte. So fing es an. Wie es aufhörte verschweige ich an dieser Stelle. Ich glaube, es waren die glücklichsten 3 Wochen meines Lebens. Der Preis wurde bezahlt…

xray
26.11.08, 12:22
ich bestelle den geschichtenband "meine evas" von kls. wann hab ich den in der post?


hier bin ich hängen geblieben:


... So was Leckeres möchte sich doch jeder normale Mann einpacken und mit nach Hause nehmen um es dort nur für sich alleine auszupacken.


"Ja und? Würde mich wundern, wenn nicht. Soll ich dich nachher abholen und du erzählst mir ein wenig von deiner 'Glücklichen Beziehung'?"




sind das etwa originalsätze, die im echten leben genau so gesprochen worden sind?


falls ja, ein perfektes beispiel dafür, dass wahre dialoge für prosa nicht unbedingt druckreif sind!

kls
26.11.08, 20:34
Na gut. Bei den Monologen habe ich gemogelt. Ich habe einfach die aufgeschrieben, an welche ich mich noch erinnern kann. Bestimmt sind solche Worte nicht gleich am ersten Abend gefallen, aber wie sonst kann ich diese Spannung beschreiben, die einerseits zu ungeahnten geistigen Höhenflügen führen kann, doch andererseits gleichzeitig saudumm macht.


Soso, aber der Schweinskram, den ich unbedingt unterbringen musste, hat die Damen nicht weiter abgestoßen? Unverficktes Junggemüse mit flachen 'everything over a Mouthfull is wasted' Brüsten?

ala
26.11.08, 21:24
außer den feuchten fingern ist da doch weit und breit kein schweinkram! "kicher"


und schriebst du nicht, sie sei 28? knabenhafte 30jährige, ja, die können schon zu so "ungeahnten geistigen höhenflügen" führen wie "4 gewinnt".


aber ich will mal nicht so streng sein, jeder körper kann lust und drei glücklichste wochen schenken, wenn er zum eigenen passt :liebe:


und jetzt bitte die schweinskram-version, aber ohne schweinskram-wörter!:schreiben::schreiben:

xray
27.11.08, 00:38
kls, ich habs getan. war mir ein vergnügen. wir wären ein bestsellerteam. deine geschichten, mein schleifen :mua: was sagst du zur textarbeit?

Eva I. - eine süße Erinnerung

Sie sah aus wie eine Zigeunerin. Lange, lockige, schwarze Haare, die einer ungebändigten Aura gleich, um ihren Kopf wirbelten. Dunkle Haut, die ihr die Vorfahren aus Italien, Sizilien oder anderweitigem Kuffnuckien eingebracht hatten. Eine Nase, die den Hauch einer Ahnung zu breit war, um sie scharf geschnitten zu nennen. Flache ‚evrery thing over a mouthfull is wasted’ Brüste und lange Beine. Süße 28 Jahre. Ihre Ausstrahlung war so was von unverfickt!


Sie machte ein Praktikum bei der Drogenhilfe im Nachbarort und verdiente sich etwas Geld dazu, indem sie in meiner Stammkneipe montags und am Samstag hinterm Tresen stand. Ein Freund kaute mir am Ohr herum:
„Hast du schon die neue Tante im ‚Blöden Egon’ gesehen?“
„Nö, ist gerade Schlafmohnernte. Das beißt sich mit Saufen.“
„Geh mal hin. Lohnt sich. Bekommt man ganz verträumte Augen von.“


Bereits am nächsten Tag - ‚A Man Is Allways A Hunter’ – stand ich vor der Eingangstür der Kneipe, als ob ich es nötig hätte, zog mir Hemd und Unterhemd aus der Hose und fuhrwerkte mir wilddekorativ durch das Haar. Ich war in Jahren gerechnet zwar schon scheintot, sah aber verdammt gut aus, wenn es sein musste. Heute musste es sein. Im gefederten Schlurfgang betrat ich mein Revier.


Zwei wunderbraune Augen blickten von der Zeitung auf. Die Erfahrung zeigte, dass die ersten Gäste erst abends aufzutauchen pflegten. Das war mein Chance! Der letzte Depp hätte sofort geschnallt, dass ich ‚the hunkiest hunk in town’ war!


Auf reichlich raumfüllende, aber unnachahmlich charismatische Art, besetzte ich gleich drei Hocker, einen für den Arsch, einen für die Füße, einen für die Lederjacke, uralt, aus einer Zeit, als der Mensch noch wusste, wie man echte Lederjacken hinkriegte. Ich bestellte heißen Kakao. Auf Deckel von ‚kls’, und jawollja, der wäre ich, gerührt, bloß nicht geschüttelt, aber mit einem Schuss Sahne und lächelnd serviert …


Sie lachte leise. Schon mal ein gutes Zeichen.
„Ich heiße Eva.“
Eva verschwand in der kleinen Küche und warf irgendeine Maschine an:
„So, das dauert jetzt erst mal zehn Minuten. Spielst du solange ‚4 gewinnt’ mit mir?“
Das war stark. Sie fuhr mir voll in die Parade. Die Spielregeln wurden sonst stets von mir definiert. Denn wer die Kontrolle verlor, der war ein lonesome looser. Aber woher so schnell einen originellen Konter nehmen? Und was the hell war ‚4 gewinnt’? Ich machte den Mund auf, musste wohl ausgesehen haben wie ein Guppy, sagte so etwas Weltbewegendes wie:
„Äh“, verlor den Faden, wurde rot – null Check, was ich machen sollte - und stieß ein nicht besonders souveränes: „Mit dir würde ich doch jedes Spiel spielen. Was zum Teufel ist ‚4 gewinnt’?“ hervor.


Sie lachte mich aus. Nein, sie lachte vor sich hin? Kicherte womöglich gar in sich hinein? Oder lachte sie mich doch eher an? Ja! Lachte mich AN! So was von Nett. Von einem Könner ausgeleuchtet und gemalt. Ich war spontan verknallt.


„Das ist doch nicht dein Ernst, oder? Du kennst ‚4 gewinnt’ nicht?“
„Nein. Ich bin Schachspieler.“
Dieses Spielchen funktionierte auch andersrum, Baby. Nicht nur du schlau, ich auch viel schlau. Ich verlor zwei Mal, dann hatte ich es raus.
„Das war gemein von Dir!“
„So bin ich.“


Es war Sommer. Ein T-Shirt und keinen Büstenhalter. Sie stellte den Kakao vor meine Nase. Dann bückte sie sich und holte die Sprühsahne aus dem Kühlschrank.
„Oha. Da kriegen meine Augen aber feuchte Finger, Mädchen. Wenn du dich vorne über beugst kann ich durch den Ausschnitt deine Gürtelschnalle sehen. Hier werden nachher lauter Besoffene rumtaumeln. Willst du die alle in den Wahnsinn treiben?“
Sie lachte laut.
„Ach was. Es ist warm. Ich bin eine Frau. Na und?“
„Das kann man doch nicht einfach mit ‚Na und’ abtun. Ist dir klar, was du den Säufern hier antust? Ich werde dich beschützen.“
Man, wenn Sie wüsste, wie ich mich als Held fühlte.
„Kls, ich lebe in einer glücklichen Beziehung!“
„Aber nicht mit mir!“


Lieber Leser. Beide Protagonisten wussten, dass es passieren würde. Eva wusste es, weil sie nicht zum ersten Mal angegraben wurde, und kls wusste es sowieso. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelungen ist, unsere Dialoge von damals wortgetreu widerzugeben. Aber ich weiß noch genau, dass wir uns so, oder wenigstens so ähnlich, kennen lernten und sofort auf Teufel komm raus zu flirten anfingen. Deswegen war ich schließlich dort.


„Meine Güte, kls, du bist bei ‚Z’ wenn andere noch bei ‚B’ sind. Ich habe gehört, du wärst ein Junkie, aber ein sporadischer und netter.“
„Jeah? Is'n Kaff. Hat wohl nicht mal zum richtigen Junkie gereicht bei mir. Und du, du Florence Nightingale der kleinen schwarzgekleideten Scheißerchen? Brauchst du diese Blödmänner mehr als die dich?“
Das saß.
„Wie kommst du da drauf?“
„Ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“
Es dauerte nicht lange und ich hatte sie am Haken:
„Alles mögliche. Aber keine Liebe.“


So fing es an. Wie es aufhörte verschweige ich an dieser Stelle. Ich glaube, es waren die glücklichsten drei Wochen meines Lebens.

kls
27.11.08, 09:43
Ach, ich weiß nicht. Mein Manager meint zwar, dass es ihm egal sei, aber der hat gut reden, wo er doch 98 % der Tantiemen einsackt. Ich müsste Dich von meinen 2 % bezahlen und ich brauche doch die 2,50 € für den Nagellack.

Ich fuhrwerkte nicht dekorativ durchs Haar, sondern ich fuhrwerkte durchs Haar, welches anschließend dekorativ zerzauselt war.

Es gehört eine kleine Pause zwischen "Das ist doch nicht dein Ernst" und "Du kennst 4 gewinnt nicht?" Erster Satz bezog sich vage auf mein "Mit dir würde ich jedes Spiel spielen" Damit entfällt auch die anschließende spontane Verliebtheit - ich war auf der Jagd.

"Ich werde dich beschützen.“ Man, (schreibt man mir 2 'n') wenn Sie wüsste, wie ich mich als Held fühlte. So denkt kls nicht. Hm. Nur: "Und später muss dich dann wer beschützen? Vielleicht sogar vor mir?"

Der letzte Depp hätte sofort geschnallt, dass ich ‚the hunkiest hunk in town’ war! Nee! So! Nicht!

xray
27.11.08, 10:10
moin, mann :mua:


"... und zerzausel mir wilddekorativ das Haar."
nee, kls, zersausel ist uncool. das passt überhaupt nicht zum hunk! auch, wenn kls hunk als eigenverarschung meint.


ok, wenn beschützen schräg ist, dann muss es wieder raus.
klar, auch beschützen vor dir. so sollte es rüberkommen. wenns das tut. ist doch alles im lack.


nicht dein ernst .... 4 gewinnt. hab ich so nicht verstanden. d. h. das muss klarer rüber kommen, finde ich.


wieso schließt sich das aus, auf der jagd und spontan verknallt sein (ist ja nur die light-version von verliebt)?

Brauche ich denn viel länger, jemandem klar zu machen, warum ich "the hunkiest hunk in town" bin?
-> spricht da der erzähler zum publikum, so wie zum schluss?
falls ja, find ich, ist das nicht klar.


ich lese es als selbstgespräch in der erinnerung.


dein satz ist irgendwie verquer. krieg den nur so hin, wie ich schrieb. oder ohne depp ->


Ich brauchte nie viel länger, um jedem klar zu machen, warum ...

ala
27.11.08, 10:38
xray ebnet alles ins gleiche muster: ein paar eingeflochtene sprachnudeln, überkorrekte zeiten, aber keinen sinn für karlchens sprachmelodie, seine jugend, seinen schwung, seine farbtupfer, seine musik.
meiner meinung nach wäre eure zusammenarbeit eher kontraproduktiv. xray hat keinen sinn für musik. keinen sinn für inszenierung und den spannenden wechsel in die gegenwartsform.


bitte karlchen: nicht einebnen lassen in son einheitsbrei.

kls
27.11.08, 11:50
Suz, ich bearbeite meine Texte andauernd, nicht immer zum Besten. Die vor 'Kraft strotztenden karlismen' dürfen nicht in schlechtes Deutsch ausarten. Ein wenig unbeholfen mag ja charmant sein, stammeln hingegen ist mir beschämendes Unvermögen. Da gab es doch mal einen Maler (Namen vergessen), der seine Bilder ständig nachbesserte, selbst wenn diese schon im Museum hingen. Ideen, die Gnade vor meinem Auge finden, dürfen auch externer Natur sein. Keine Sorge, an meiner Ignoranz ist schon ein Robert gescheitert, was ich zwar schade finde, aber nicht ändern kann.


Sie sah so aus, wie man sich eine Zigeunerin vorstellen mag. Lange, lockige, schwarze Haare, die einer ungebändigten Aura gleich, ihren Kopf umwirbelten. Dunkle Haut, welche ihr wohl die Vorfahren aus Italien, Sizilien oder anderweitigem Kuffnuckien mit gebracht hatten. Eine Nase, die den Hauch einer Ahnung zu breit war, um sie scharf geschnitten zu nennen. Flache ‚evrery thing over a mouthfull is wasted’ Brüste und elend lange Beine. Süße 28 Jahre alt und mit einer ungewohnt unverfickten Ausstrahlung gesegnet.


Sie machte ein Praktikum bei der Drogenhilfe und verdiente sich etwas Geld dazu, indem sie in meiner Stammkneipe montags bis Samstag abends hinterm Tresen stand. Ein Freund kaute mir am Ohr herum:
„Hast du schon die neue Tresentante im ‚Blöden Egon’ gesehen?“
„Nö, ist gerade Schlafmohnernte. Das beißt sich mit Saufen.“
„Geh mal hin. Lohnt sich. Bekommt man ganz verträumte Augen von.“


Bereits am nächsten Tag - ‚A Man Is Allways A Hunter’ – stand ich um 17.00 Uhr vor der Eingangstür der Kneipe, als ob ich es echt nötig hätte, zog mir Hemd und Unterhemd aus der Hose und fuhrwerkte mir so lange durchs Haar, bis es dekorativ meiner angeborenen Wildheit entsprach. Ich war in Jahren gerechnet zwar schon in der Menopause, sah aber immer noch verdammt gut aus, wenn es sein musste. Heute musste es sein. Im gefederten Schlurfgang betrat ich mein Revier. (gefederter Schlurfgang ist gut, gelle?)


Die langjährige Praxis zeigte, dass die ersten Gäste erst in einer Stunde aufzutauchen pflegten. Das hatte ich vor, weidlich auszunutzen: Here Comes The Hunkiest Hunk In Town!


Zwei wunderbraune Augen blickten von einer Zeitung hoch, als ich auf reichlich raumfüllende, aber unnachahmlich charismatische Art, gleich drei Hocker besetzte, einen für den Arsch, einen für die Füße, einen für die Lederjacke, uralt, aus einer Zeit, als der Mensch noch wusste, wie man echte Lederjacken hinkriegt. Ich bestellte heißen Kakao. Auf Deckel von ‚kls’, und jawollja, der wäre ich, gerührt, auf keinen Fall geschüttelt, aber mit einem Stück Sahne und natürlich lächelnd serviert …


Sie verzog nicht eine Mine. Schon mal ein gutes Zeichen.
„Ich heiße Eva.“
Eva verschwand in der kleinen Küche und warf irgendeine Maschine an.
„So, das dauert jetzt erst mal zehn Minuten. Spielst du solange ‚4 gewinnt’ mit mir?“
Wer die Initiative verliert, der verliert. Aber woher so schnell einen originellen Konter nehmen? Und was zum Teufel war ‚4 gewinnt’? Ich machte den Mund auf, musste wohl ausgesehen haben wie ein Guppy an Land, brachte erst einen rhetorischen Hammer: „Wie?“, gefolgt von einem weltbewegenden „Äh“, verlor dann aber den Faden, wurde womöglich auch noch rot und stieß ein: „Mit dir würde ich doch jedes Spiel spielen. Was zum Teufel ist ‚4 gewinnt’?“ hervor.


Sie lachte mich aus. Nein, sie lachte vor sich hin? Kicherte womöglich bösartig in sich hinein? (vergesst nicht: Sie sah aus wie eine Zigeunerin und denen wäre so was zuzutrauen) Oder lachte sie mich doch eher an? Ja! Lachte mich AN! So was von Nett. Wie von einem Könner ausgeleuchtet und gemalt. Hey, welcher Gott hat dir diesen Mund geschenkt? Und hast du überhaupt einen Waffenschein für diese Augen?


„Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“, und nach einer kleinen Pause, die dem Zuhörer die Möglichkeit geben sollte, nachzudenken, ob sich dieser Unernst auf meinen ersten oder zweiten Satz bezog, „Du kennst ‚4 gewinnt’ nicht?“
„Nein. Ich bin Schachspieler.“
Baby. Nicht nur du schlau, ich auch viel schlau. Ich verlor zwei Runden, aber dann hatte ich den Trick raus.
„Das war aber gemein von Dir!“
„So bin ich.“


Es war Sommer. Ein T-Shirt und keinen Büstenhalter. Sie stellte den Kakao vor meine Nase. Dann bückte sie sich und holte die Sprühsahne aus dem Kühlschrank.
(e2 – e4) „Oha. Da kriegen meine Augen aber feuchte Finger, Mädchen. Wenn du dich vorne über beugst kann ich durch den Ausschnitt deine Gürtelschnalle sehen. Hier werden nachher lauter Besoffene rumtaumeln. Willst du die alle in den Wahnsinn treiben?“
Sie lachte laut.
(b7 – b6) „Ach was. Es ist warm. Ich bin eine Frau. Na und?“
(Sb1 – c3) „Das kann man doch nicht einfach mit ‚Na und’ abwinken. Ist dir eigentlich klar, was du den Säufern hier antust? Und später muss dich dann wer beschützen? Womöglich sogar vor mir?"
Da blickte sie mich ganz langsam an:
(Lc8 – b7) „Kls, ich lebe in einer glücklichen Beziehung!“
(b2 – b3) „Aber nicht mit mir! Erzähl mir mehr über deine glückliche Beziehung. Vielleicht kann ich was lernen?“
(g7 – g5) „Meine Güte, kls, du bist schon bei ‚Z’ wenn andere erst bei ‚B’ sind. Ich habe während einer Besprechung gehört, dass du ein Junkie wärst, aber ein sporadischer und meistens ein netter.“
(d2 – d4) „Jeah? Is'n Kaff. Hat wohl nicht mal zum richtigen Junkie gereicht bei mir. Und du, du Florence Nightingale der kleinen schwarzgekleideten Scheißerchen? Brauchst du diese Blödmänner nicht dringender als die dich?“
Das saß. Immer auf die Schwächen hacken und wer Junkies mit zusätzlichem Methadon versorgt hat es nicht besser verdient. Solche Fragen über den Sinn ihrer Arbeit muss sie sich bestimmt schon selber gestellt haben.
(f7 – f6) „Wie kommst du da drauf? Woher weißt du, was ich beruflich mache?“
(Dd1 – h5# Matt) „Ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“
Sie saß schon am Haken und konnte es gar nicht glauben.


Es kamen die vielleicht schönsten 3 Wochen meines Lebens bei rum.

xray
27.11.08, 12:40
freut mich, kls, dass ich dich nicht ganz und gar missverstanden habe -> dialog.
der schluss kommt mit dem letzten satz auf den punkt. und kein satz folgt, der das wieder relativiert. bravo für deine einsicht!!


ich find besser! aber ;) noch nicht gut genug *sturbin*


du wechselst die zeiten wie offenbar die frauen :cheers: entscheide dich!


elend lange beine - find ich gut so.


dann lieber im original: Und mit einer Ausstrahlung, ne, so was von unverfickt …


Tresentante -> wiederholung zu kurz vorher.


entweder tante oder wahlweise - torte, schnitte, oder was sagen männer?


genaue uhrzeiten anzugeben ist spießig interssiert keine sau.


bis es dekorativ meiner angeborenen Wildheit - dekorativ würde ich streichen, klingt jetzt neu ohne besser und mit albern.


gefederter schlurfgang - yepp!


blickten .... auf.


wieso "stück" sahne?
so?: aber mit Sahne und lächelnd serviert (natürlich = überflüssig)


Mine - *räusper* jetzt sind wir quitt, mann


Wer die Initiative verliert, der verliert. hm.
wer die führung verliert, verliert (?)


rethorischer hammer *gröhl* gut!!


wurde rot (ohne womöglich auch noch gedöns!)


stieß ein ... hervor. find ich nicht so prickelnd. mir fällt aber gerade nix ein dazu.


(vergesst nicht: Sie sah aus wie eine Zigeunerin und denen wäre so was zuzutrauen) ->


ohne klammer, ohne vergesst nicht.


.... für deine Augen?


... und machte eine kleine Pause, die mir die Möglichkeit gab, durchzuatmen (?) ... Bezog sie sich auf meinen ersten oder auf den zweiten Satz?




E2 – E4
„Oha. Da ...
-> schachzug auf extra zeile oder wie könnte es sonst noch gehen? in klammern davor liest sich optisch blöd.




Da blickte sie mich ganz langsam an: -> wie geht das?




Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass du ein Junkie ...


versorgt hat -> versorgte, hatte


musste sie sich




„Wie kommst du da drauf? Woher weißt du, was ich beruflich mache?“
-> besser (?): Woher weißt du, dass ich in der "Junkie Tanke" arbeite?




Sie saß schon am Haken und konnte es gar nicht glauben.


das kannst du nicht wissen. -> perspektive.


Sie saß schon am Haken und ich konnte es noch gar nicht glauben.

kls
27.11.08, 12:46
Eva. Eine süße Erinnerung.


Sie sah so aus, wie man sich eine Zigeunerin vorstellen mag. Lange, lockige, schwarze Haare, die einer ungebändigten Aura gleich, ihren Kopf umwirbelten. Dunkle Haut, welche wohl die Vorfahren aus Italien, Sizilien oder anderweitigem Kuffnuckien mitgebracht hatten. Eine Nase, die den Hauch einer Ahnung zu breit war um sie scharf geschnitten zu nennen. Flache ‚evrery thing over a mouthfull is wasted’ Brüste und elend lange Beine. Süße 28 Jahre alt und -, ne aber auch, - sowas von unverfickter Ausstrahlung...


Sie machte ein Praktikum bei der Drogenhilfe und verdiente sich etwas Geld dazu, indem sie in meiner Stammkneipe montags bis Samstag zapfte. Ein Freund kaute mir am Ohr herum:
„Hast du schon die neue Tresentante im ‚Blöden Egon’ gesehen?“
„Nö, ist gerade Schlafmohnernte. Das beißt sich mit Saufen.“
„Geh mal hin. Lohnt sich. Bekommt man ganz verträumte Augen von.“


Bereits am nächsten Tag - ‚A Man Is Allways A Hunter’ – stand ich drei Minuten nach offen vor der Eingangstür meiner Stammkneipe, als ob ich es echt nötig hätte, zog mir Hemd und Unterhemd aus der Hose, damals war das unter uns jungen Leute modern, und fuhrwerkte mir so lange durchs Haar, bis es höchst dekorativ meiner angeborenen Wildheit entsprach. Ich war in Jahren gerechnet zwar schon in der Menopause, sah aber immer noch verdammt gut aus, wenn es sein musste. Heute musste es sein. Im gefederten Schlurfgang betrat ich mein Revier.


Die langjährige Praxis zeigte, dass die ersten Gäste erst in einer Stunde aufzutauchen pflegten. Das, so mein vorläufiger Plan, hatte ich vor, weidlich auszunutzen: Here Comes The Hunkiest Hunk In Town!


Zwei wunderbraune Augen blickten von einer Zeitung zu mir hoch, als ich auf reichlich raumfüllende, aber unnachahmlich charismatische Art, gleich drei Hocker besetzte, einen für den Arsch, einen für die Füße, einen für die Lederjacke, uralt, aus einer Zeit, als der Mensch noch wusste, wie man echte Lederjacken hinkriegt. Ich bestellte heißen Kakao. Auf Deckel von ‚kls’, und jawollja, der wäre ich, gerührt, auf keinen Fall geschüttelt, aber mit einem Stück Sahne und natürlich lächelnd serviert …


Sie verzog nicht eine Miene. Schon mal ein gutes Zeichen.
„Und ich heiße Eva.“
Eva verschwand in der kleinen Küche und warf irgendeine Maschine an.
„So, das dauert jetzt erst mal zehn Minuten. Spielst du solange ‚4 gewinnt’ mit mir?“
Wer die Initiative verliert, der verliert. Aber woher so schnell einen originellen Konter nehmen? Und was zum Teufel war ‚4 gewinnt’? Ich machte den Mund auf, musste wohl ausgesehen haben wie ein Guppy an Land, brachte erst einen rhetorischen Hammer: „Wie?“, gefolgt von einem weltgewandten „Äh“, verlor dann aber den Faden, wurde womöglich auch noch rot und stammelte ein: „Mit dir würde ich doch jedes Spiel spielen. Was zum Teufel ist ‚4 gewinnt’?“.


Sie lachte mich aus. Nein, sie lachte vor sich hin? Kicherte womöglich bösartig in ihr schwarzes Herz hinein? Vergesst nicht: Sie sah aus wie eine Zigeunerin und somit wäre ihr das durchaus zuzutrauen. Oder lachte sie mich doch eher an? Ja! Lachte mich AN! So was von Nett. Wie von einem Könner ausgeleuchtet und gemalt. Hey, welcher Gott hat dir diesen Mund geschenkt? Und weißt du auch, was man damit alles anstellen kann? Und hast du überhaupt einen Waffenschein für diese Augen?


„Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“, und nach einer kleinen Pause, die dem Zuhörer die Möglichkeit geben sollte, nachzudenken, ob sich dieser Unernst auf meinen ersten oder zweiten Satz bezog, „Du kennst ‚4 gewinnt’ nicht?“
„Nein. Ich bin Schachspieler.“
Baby. Nicht nur du schlau, ich auch viel schlau. Ich verlor zwei Runden, aber dann hatte ich den Trick raus.
„Das war aber gemein von Dir!“
„So bin ich. Und bei Vollmond mit Reißzähnen.“


Es war Sommer. Ein T-Shirt und keinen Büstenhalter. Sie stellte den Kakao auf den Tresen. Dann bückte sie sich und holte die Sprühsahne aus dem Kühlschrank.
(e2 – e4) „Oha. Da kriegen meine Augen aber feuchte Hände, Mädchen. Wenn du dich vorne über beugst kann ich durch den Ausschnitt deine Gürtelschnalle sehen. Hier werden nachher lauter Besoffene rumtaumeln. Willst du die denn alle in den Wahnsinn treiben?“
Sie lachte laut.
(b7 – b6) „Ach was. Es ist warm. Ich bin eine Frau. Na und?“
(Sb1 – c3) „Das kann man doch nicht einfach mit ‚Na und’ abwinken. Ist dir eigentlich klar, was du den Säufern hier antust? Und später muss dich dann wer beschützen? Womöglich sogar vor mir?"
Da blickte sie mich ganz langsam an:
(Lc8 – b7) „Kls, ich lebe in einer glücklichen Beziehung!“
(b2 – b3) „Aber nicht mit mir! Erzähl mir mehr über deine glückliche Beziehung. Vielleicht kann ich ja was lernen?“
(g7 – g5) „Meine Güte, kls, du bist schon bei ‚Z’ wenn andere erst bei ‚B’ sind. Die Spatzen pfeifen hier von den Dächern, dass du ein Junkie wärst, aber ein sporadischer und meistens ein netter. Stimmt das?“
(d2 – d4) „Ach ja? Is'n Kaff. Hat wohl nicht mal zum richtigen Junkie gereicht bei mir. Und du, du Florence Nightingale der kleinen schwarzgekleideten Scheißerchen? Brauchst du diese Blödmänner etwa nicht dringender als die dich?“
Das saß. Immer auf die Schwächen hacken und wer Junkies mit zusätzlichem Methadon versorgt, verdient es auch nicht besser. Solche Fragen über den Sinn ihrer Arbeit musste sie sich bestimmt schon selber gestellt haben.
(f7 – f6) „Wie kommst du da drauf? Woher weißt du, dass ich in der 'Junkie Tanke' arbeite?“
(Dd1 – h5# Matt) „Ich habe schließlich meine Hausaufgaben gemacht.“
Aber da saß sie schon am Haken fest und konnte es gar nicht fassen.


Nein, glatt gelogen. Es war völlig anders. Wir verließen gemeinsam auf der Stelle den Boden jeglicher Gewissheit und sprangen mit einander Händchen haltend in diese archaische Anarchie zweier Seelen, die wider Erwarten doch noch zu einander fanden; obwohl wir es beide hätten besser wissen müssen. Aber es kamen die vielleicht schönsten 3 Wochen meines Lebens bei rum.

kls
27.11.08, 13:23
du wechselst die zeiten wie offenbar die frauen. Das ist Absicht.


dann lieber im original: Und mit einer Ausstrahlung, ne, so was von unverfickt. Meinetwegen.


Tresentante -> wiederholung zu kurz vorher. Berücksichtigt.


tante oder wahlweise - torte, schnitte, oder was sagen männer? Ich sage Tante, so nenne ich auch die Dame im Schachspiel.


genaue uhrzeiten anzugeben ist spießig interssiert keine sau. Ist aber wichtig, weil ich diese Zeit nutze.


bis es dekorativ meiner angeborenen Wildheit - dekorativ würde ich streichen, klingt jetzt neu ohne besser und mit albern. Hmmmmm.


blickten .... auf. Blickten zu MIR auf. Kls ist doch im Balzwahn...


wieso "stück" sahne? Weil es keine Sahne am Stück gibt. Kls ist doch umwerfend originell.
so?: aber mit Sahne und lächelnd serviert (natürlich = überflüssig) Nein, es ist ihr Job zu lächeln.


Mine - *räusper* Haste Wahr.


Wer die Initiative verliert, der verliert. hm. Bleibt so! Das ist ein Spruch aus dem Klapphülleninnentext 'Militärische Taktik für den Alltag' Liebe IST wie Krieg.


wurde womöglich auch noch rot bleibt. Kls hat nur eine große Schnauze, dahinter ist er unsicher.


stieß ein ... hervor. find ich nicht so prickelnd. mir fällt aber gerade nix ein dazu.


(vergesst nicht: Sie sah aus wie eine Zigeunerin und denen wäre so was zuzutrauen) meinetwegen auch ohne Klammer


.... für deine Augen? Für diese Augen. Sonst zu oft du und dein und dir etc.


... und machte eine kleine Pause, die mir die Möglichkeit gab, durchzuatmen (?) ... Bezog sie sich auf meinen ersten oder auf den zweiten Satz? Bleibt so!




E2 – E4
„Oha. Da ...
-> schachzug auf extra zeile oder wie könnte es sonst noch gehen? in klammern davor liest sich optisch blöd. Macht nix. Ist nur ein kleine Extravaganz.




Da blickte sie mich ganz langsam an: -> wie geht das? Tja, das muss man gesehen haben, dann weiß man, wie das geht.




Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass du ein Junkie ... Gut!


versorgt hat -> versorgte, hatte Hast nicht unrecht. Präsens: versorgt.


musste sie sich Nein, genau so unbedarft, wie ich durch die Zeiten springe, wechsel ich Perspektiven. Das ist gewollt.




„Wie kommst du da drauf? Woher weißt du, was ich beruflich mache?“
-> besser (?): Woher weißt du, dass ich in der "Junkie Tanke" arbeite? Hier gehört so ein Mittelding zwischen Deiner und meiner Wortwahl hin.


Sie saß schon am Haken und konnte es gar nicht glauben. das kannst du nicht wissen. -> perspektive. Absicht!


Mein Gott, ich wusste gar nicht, was ich alles berücksichtige, wenn ich auch nur einen kleinen, harmlosen Text auswerfe. Und was ich alles übersehe.

xray
27.11.08, 13:39
ok, also absicht. welche absicht verfolgst du mit dem verwirrenden zeitenwechsel und wechsel der perspektive, der nur diese 1 x erfolgt?
ich sags dir, stilschlamperei ist das


wenn du es sinngemäß beibehalten willst, dann gehört es z. b. so, finde ich:


Sie saß schon am Haken und konnte es gar nicht glauben. Das konnte die Honky Tonk vor one and only kls Hunk nicht verbergen.


blickten zu mir auf. ja-ha!!


stück sahne ist also ein oller kalauer. weg damit!


diesen mund ... diese augen. deswegen -> deine augen.




ich habe gerne meine zeit an deinen text verschwendet!

ala
27.11.08, 16:34
zugzwang e4 e5, hm?
da kann man nix machen :augenroll:
es sind halt die synkopen nicht mehr da:
süße 48 für einen mann ist witzig; süße 28 für eine frau übergestanden, da kenn ich nur süße 17
es ist sommer - ich bin eine frau; ist auch völlig anders als: es ist warm, ich bin eine frau.
aber entweder man fühlts, oder eben nicht. vom gefederten schlurfgang ist nicht viel geblieben, viel zu verkopft, statt aus der hüfte geschossen. das deutsch ist dennoch nicht besser geworden.
vielleicht schreibt ihr eure weltbestseller in zukunft gemeinsam vor und stellt dann erst das ergebnis ein? dann würde man nicht mitleiden, sondern stumm die letzte fassung erdulden. und mit etwas glück, freute man sich, weil man die urfarbige nicht kennt

kls
27.11.08, 16:45
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob sich diese ganze Arbeit gelohnt hat. Das ruppigunbeholfendurchdenPorzelanladenaufElefantenf üßen geht in der Tat verloren, je mehr ich an dem Text feile, da hat Susanna nicht unrecht, auch wenn Ihr Euch noch so sehr gegenseitig lieb habt. Die letzte Version ist in sich verständlicher als die erste, doch nicht so sehr, als dass es eine Kosten/Nutzen Rechnung in den Bereich der schwarzen Zahlen verschieben würde. Ich glaube auch fast, dass ich eher durch eigenen, denn perfekten Stil den Leser packen muss. Nicht dass die letzte Version Weltliteratur wäre, ein Robert könnte sie bestimmt problemlos zerfetzen. Einen guten Flirt zu texten ist eine weit unterschätzte Herausforderung.

xray
27.11.08, 16:49
kls, ich finde, du verschlimmbesserts gerade. lass den text erst mal liegen.

ala
27.11.08, 16:53
ich liebe seelenfrische erste fassungen und die deine traf die atmosphäre perfekt und du konntest ganz ohne das häßliche wort tresen eine so schöne bargeschichte schreiben. ich hab ja auch schon zwei und die dritte und vierte werden folgen
um dein deutsch mach dir doch keine sorgen, da stehst du mit der umgangssprache gut im zeitgeist und neben pati. aber was dein deutsch so auszeichnet, ist eben die musik, die schlaglichter, die synkopen, ohne die es keinen guten jazz und keinen guten blues und keine süßen erinnerungen gibt.


den bücherklub-lesebrei erkennst du daran, daß du schon drei zeilen vorher weißt, daß jetzt waffenschein für diese süße kommt. das ist eben sonst bei dir nie so. da ist immer eine überraschende und damit trendy gute unterhaltung. es genügt auch nicht, in staubigen satzfluss jetztsprech künstlich und gehäuft einzufügen. das ist nicht deine zeit und kommt nicht mehr authentisch rüber.

rodbertus
27.11.08, 17:58
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob sich diese ganze Arbeit gelohnt hat. Das hör auf zu betteln! deine texte haben charme, jedenfalls in dem milieu, in dem der kaiser zu fuß geht. textarbeit kann hier nur zerstören. allerdings muß man dich richtig herum aufs pferd setzen, bevor man ihm einen klapps gibt.