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aerolith
10.05.15, 09:38
Athen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=athen)war zum Mittelpunkt der ionischen Welt geworden. 200 Städte zogen es vor, jährlich eine Matrikularumlage zu zahlen, statt im Kriegsfall Hopliten oder Schiffe zu schicken. Die Athener stellten die Soldaten, sie wurden aus der Bundeskasse bezahlt und waren verpflichtet, die Ägäis von Piraterie freizuhalten, Abtrünnige zu disziplinieren und den Handel zu sichern. Die Bundeskasse wurde von Delos nach Athen verlegt, und in Athen bediente man sich. Athen baute. Athen feierte. Athen wurde zum Mittelpunkt der griechischen Welt, eine reiche Stadt (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=stadt), zentral gelegen und Anziehungspunkt von Künstlern, Philosophen und Baumeistern. Und sie kamen. Herodot, Thukydides, Aristophanes, Polygnot von Thasos, Äschylus, Euripides, Phidias... Die Liste der eingewanderten oder auch nur durchwandernden Künstler mit neuen Ideen ist lang. Aber in einem wichtigen Punkt blieb alles beim alten: Die Athener wollten unter sich bleiben, ein Herrenvolk.


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„Die antike Kultur (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=kultur)ist Sklavenkultur. – Von Anfang an steht neben der freien Arbeit der Stadt die unfreie des platten Landes, neben der freien Arbeitsteilung durch Tauschverkehr auf dem städtischen Markt die unfreie Arbeitsteilung durch Organisation der eigenwirtschaftlichen Gütererzeugung im ländlichen Gutshof – wie im Mittelalter. […] Auch im Altertum bestand der naturgemäße Antagonismus beider Formen des Zusammenwirkens menschlicher Arbeit. Der Fortschritt beruht auf fortschreitender Arbeitsteilung. Bei freier Arbeit ist diese identisch mit fortschreitender Ausdehnung des Marktes, extensiv durch geographische, intensiv durch personale Erweiterung des Tauschkreises: daher sucht die Bürgerschaft der Stadt die Fronhöfe zu sprengen, ihre Hintersassen in den freien Tauschverkehr einzubeziehen. Bei unfreier Arbeit vollzieht sie sich durch fortschreitende Menschenanhäufung; je mehr Sklaven oder Hintersassen, desto weniger Spezialisierung der unfreien Berufe ist möglich. […] Der Krieg des Altertums ist zugleich Sklavenjagd; er bringt fortgesetzt Material auf den Sklavenmarkt und begünstigt so in unerhörter Weise die unfreie Arbeit (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=arbeit)und die Menschenanhäufung. Damit wurde das freie Gewerbe zum Stillstand auf der besitzlosen Kunden-Lohnarbeit verurteilt...“ (Max Weber: Universalgeschichtliche Analysen. Stuttgart 1992. S. 6.) und somit die Basis der antiken Gesellschaft geschwächt. Das mußte früher oder später zum Untergang der Sklavenhaltergesellschaft führen.


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Erst stellten sie die Anführer, dann die Herren der Verbündeten im Attischen Seebund (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=attischer seebund), wie sie ihn nannten. Die anderen Bündner kamen über ein Periökendasein (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=periöke)nicht hinaus; sie mußten Steuern zahlen, erhielten dafür Schutz, aber kein Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen. Das ist die athenische Variante des Kolonats. Die Macht besaßen die attischen Demokraten, die ihren Wohlstand nicht mehr aus ihrer Hände Arbeit, sondern aus den Steuern der Bündner bezogen. Zudem wuchs der Anteil der Sklavenarbeit in Attika, Sklaven, die von den Athenern von ihren Strafexpeditionen, mit denen sie sich das Frühjahr über beschäftigten, mitgebracht wurden. Und so zog Athen die Griechen an, wuchs und wurde immer größer. Mancher Grieche zog es vor, in Athen als Metöke (wie man dort die Periöken nannte) zu leben. Sie stellten ein Viertel des Hoplitenheeres, kamen aber nicht in die Bürgerschaft. Sie mußten die Pflichten der Bürger übernehmen, bekamen aber nicht die Rechte. Es sollte ihnen reichen, in Athen zu leben. Schließlich war das ihre Entscheidung gewesen, ihre Insel oder kleinere Stadt zu verlassen, um in Athen das Glück zu versuchen. Manche hatten das Glück (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=glück), wegen eines Volksbeschlusses Bürger Athens zu werden. Sie konnten reich werden, aber Rechte hatten sie, die Neuen, nur wegen dieses Volksbeschlusses. Eine schöne Demokratie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=demokratie)ist das, in der drei Viertel der Bevölkerung schon mal vorab von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen blieben, weil sie die falsche Blutgruppe, die falsche Rasse, das falsche Geschlecht oder schlichtweg ein paar Kilometer zu weit nördlich oder südlich geboren worden waren.
Athen nahm jährlich ca. 1000 Talente Steuern (ca. 18 Millionen €) von seinen Bundesgenossen ein. Es ist nicht zu viel, aber eine ansehnliche Menge, zumal sie Jahr für Jahr kam. Und wie wir bereits wissen, ist der Bau einer Triere (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=triere)nicht übermäßig teuer, etwa 2000 Drachmen resp. 8000 €. 200 Trieren kosteten seinerzeit jeden Athener 10 Drachmen, d.s. ca. zwanzig Tagessätze eines Tagelöhners. Das bedeutet, Athen nahm Geld für 600 Trieren ein, baute aber nur 200 – und das nicht einmal jährlich. [1]

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Die attische Demokratie funktionierte jetzt vollends, denn die Bundesgenossen bezahlten sie. Die Beteiligung der Bürger an öffentlichen Angelegenheiten war gegeben. Die Athener delegierten viele ihrer täglichen Arbeiten und bekümmerten sich mehr ums öffentliche Ganze als ihre griechischen Landsleute, sie nahmen an vom Staat bezahlten Volksversammlungen teil, erhielten Geld für jeden ihrer Theaterbesuche oder für jede besuchte Volksversammlung, sie waren großkopferte Kleinbürger und wußten alles besser. Jeder wußte alles besser. Aristophanes (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=aristophanes)hat 422 v.Chr. diesen Spießern ein literarisches Denkmal in den „Wespen“ gesetzt.
Sie waren ein unruhiges, ein lebendiges Völkchen, diese Athener. So war auch ihre Kunst: Bewegung. Die Ägypter standen starr, die griechischen Skulpturen scheinen sich zu bewegen, sie sind ein Fluß. panta rei - ein Lebens- und Weltwahrnehmungsprinzip, wie Heraklit (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=heraklit) dies bereits hundert Jahre zuvor beschrieben hatte. Nicht nur die Figuren schienen sich zu bewegen, vor allem in geistiger Hinsicht bewegte sich allerlei. Der gesamte griechische Kosmos, dieses kunterbunte Mit- und Durcheinander sich scheinbar ausschließender politischer Konzepte, war in beständigem Fluß. Der Grieche schaute an, was er sah, mußte schön sein, damit es ihm gefiel. Schön war, was ihn in Schwingung brachte, ihn erregte, ihn befreite oder seiner Sehnsucht Flügel verlieh. Unendlicher Reichtum der Bewegung. Die Griechen waren jeden Tag etwas anderes. Sie beobachteten, zuerst die Natur, dann die Menschen, schließlich die Gesellschaft, den Staat, Ideale, Leben, Mensch, Natur, Ackerbau und Wirtschaftskreisläufe. Aber sie bauten keine guten Straßen. Ihre Straße war das wildbewegte Meer. Sie bauten weder Aquädukte noch entwickelten sie eine funktionierende Entsorgungsindustrie für die Abfälle ihres überaus geselligen Lebens. Sie delegierten. Ein Wink dem Sklaven, der sich darum zu bekümmern hatte, daß die Reste des letzten Symposiums verschwanden.
Thukydides (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=thukydides)nennt als Ursache (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=ursache)die Wesensunterschiede zwischen dem emporstrebenden Athen und dem älteren Machtfaktor Sparta (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sparta). Die Verschiedenheit der beiden Kontrahenten ließ von Anfang auf eine längere Auseinandersetzung erwarten. Wären sie gleich gewesen, hätte schnell bei gleichbleibenden Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft einer den anderen geschluckt, so aber deutete vieles auf einen grundlegenden Wandel der Geschicke Griechenlands hin. Einer von beiden mußte der Sieger sein und fortan bestimmen, die Oligarchie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=oligarchie)Spartas mit ihrer Selbstbeschränkung und Autarkie oder das demokratische und gleichzeitig paralytisch-imperiale Athen.

Kriegsgründe:



Spartaner trugen Sorge vor Machtzuwachs der Athener → die Athener bedrohten die Freiheit, Libertät, der griechischen Stadtstaaten
prinzipielle Auseinandersetzung zwischen inkompatiblen Staatsformen



Der große griechische Bruderkrieg (Peloponnesischer Krieg (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=peloponnesischer_krieg)) tobte 27 Jahre und endete mit einem Sieg Spartas.


Aufgaben:



Sammle Fakten über Leistungen des Perikleischen Zeitalters! (II)
Belege imperial motivierte Auswüchse Athens! (I)


[1] 170000 attische Vollbürger erhielten 21,3 Tonnen Silber im Jahr zu ihrer zusatzlichen Verfügung. Nach damaligen Preisen entspricht das ca. 20 Millionen Schafen oder anders gesagt 117 Schafe pro attischem Vollbürger/Jahr. Das ist kein schlechter Nebenverdienst, wenn jeder Athener quasi ein Drittel seines Jahresbedarfs geschenkt bekommt!

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