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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unser Hölderlin!



Robert
20.03.01, 08:23
DES VATERS STRAHL, IHN SELBST, MIT EIGNER HAND
ZU FASSEN UND DEM VOLK I N S L I E D
G E H Ü L L T DIE HIMMLISCHE GABE ZU REICHEN


Dich kennzeichnete, was wenigen Künstlern möglich gewesen: eine Synthese aus Licht und Medium zu schaffen. Das Störende der Sprache ist ihr Dasein; denn wie sagte es der große Bruder Friedrich: "Spricht die Seele, so spricht, ach, die Seele schon nicht mehr." Und wenig später fügte ein zuweilen vorlauter Adliger hinzu: "Das Wesen der Sprache muß Stille sein."
Du hattest das Störende und zugleich als sinnliches Mittel unabwendbare der Sprache in Deinem Herzen umgriffen; und nur selten entließest Du Brosamen für uns Durstende, die wir dies nur dem Intellekt nach begreifen, aber das Gefühl nicht worten, wohl aber erkennen können. Ja, eben ERKENNEN! Dieses ist durchs Licht nur möglich, das Ausgestanzte, das Instrument, das Stimmung deutet und das Herz eben diesen Spalt weit öffnet, der es dem Nächsten ermöglicht, zu dem ANDEREN zu schlüpfen. Wahrheit. Dichtung. Ideen.


Ich liebte Dich zeitlebens. Du erinnerst mich, daß ich hören und lesen kann, an meine herzgeborene Phantasie.


Leb recht wohl, wo immer auch Du jetzt sein mögest.

Dein Freund Robert.

Lester
20.03.01, 09:19
Vollendung! Vollendung!
Der Geister heiliges Ziel!
Wann werd ich siegestrunken
Dich umfahen und ewig ruhn?

rodbertus
20.03.01, 16:37
Recht so, lester.


Doch die passende Stelle lautet:



VOLL HOHER EINFALT

EINFÄLTIG STILL UND GROSZ

RANGEN DES SIEGS GEWISZ

RANGEN DIR ZU DIE VÄTER.


Wem gewidmet? Dem geistigen Vater des Knaben, der er war, als er schrieb dies und großen Herzens voll und wagemutig die Aeonen umflirrte. Ein Wandgestell schrieb sich in seinem Herzen an, ein Wahn, doch welch ein Wahn! Zerstreute Gedanken umfingen die Lockenpracht, eingegangen zu ihm, ein Beginn des Letzten, des größten .. Sprungs in die Ewigkeit. Darin Vollendung. Gewiß! Gewißheit, Wissen.


Wie fremd doch diese Sprache heut sich liest, wie weit der Weg dorthin sich unsereinem nie erschließt.

aerolith
20.03.02, 09:08
Ein lieber Mensch, ein garstig Mensch, einer, der sich um die eigene Achse dreht, der anderen zu Hülfe kommen will, weil er sich sonst verliert in angeschautem Heilignüchternem, der kann doch nur ein Widder sein. Und stolz verträgt er Worte, stelzt im Garten ungetrübter Sehnsucht nach ihr, Diotima, der Weisheit Künderin.

Ich hab dich lange Jahr geliebt, mein lieber Fritz. Doch salzbedeckt jetzt ist meine Haut durch Orte, die Du nie sahst.

Ein Glas auf Dich, den Sucher ohne Heimathafen.

asmodai
21.03.02, 08:49
das kann einen glatt zum assoziieren bringen, immer auf der suche nach dem zusammenhang. mit dem schwarzen pferd, das nicht mit hafer gefüttert werden darf, wird das thema vorgegeben: nahrungsaufnahme und verdauung. dazu passen korinth und die korinthen, dann dreht sich ein mensch um die eigene achse, kein wunder, korinthen machen druck, dann sucht dieser mensch einen hafen - ein wahrhaft tragischer und tragisches moment - ich als oberdeutscher sprecher verstehe natürlich unter hafen ein gefäß, einen becher oder topf. ein nachthafen ist ein nachttopf. hat also hölderlin vergebens unterm bett seinen heimatlichen hafen gesucht, nachdem er sich - ohne witz - mit korinthen den magen verdorben hatte? ogottogott, wo soll das alles enden?

aerolith
29.11.02, 01:11
Eins in allem zu sein, das lebt.


Die Gänse ziehen wieder. Sie kommen vom Norden, ziehen an der Elbe entlang nach Süden, finden Rast in den Auen, die unbereitet sind durch etwelchen Ausbau. Und hatte sich das Führungstrio verflogen, das Geschrei der Wartenden zog sie hinab zu den Ihren, Rast und Kraft zu schöpfen für das Ausweiten ins Ferne, den Süden. Sie fliegen und steuern ihren Weg durch Vorreiter, Vorflieger.
Ihr Geschnatter erinnert mich an etwas. War ich selbst einst einer dieser Zugvögel, die nicht wußten warum sie etwas taten?


Der Himmel war grau, das Geschnatter lebendig. Der Himmel klarte auf, und sie fragten mich nicht nach dem Weg. Ich bin da rauf. Als ob sie das nicht wüßten!

rodbertus
28.12.02, 15:59
Teil des Ganzen, der auf das Ganze hinleiten will: Psychologie des Wortes. Schweigen ist Verwerfung, unwesentlich. Ausdruck ist hingeworfen, zweirangig. Wichtiger ist Generat, Bezugspunkt zum Ewigen. Denn ist das gegeben, so erzeugt sich Neues immerfort.


H. hatte das begriffen. Das macht einen nicht unwichtigen Bestandteil seiner fortdauernden Größe aus.
Die Neuen kennen das nicht, es sind ihnen böhmische Dörfer; sie gefallen sich in abgespreizter Diktion, nennen das Pferd einen Esel und finden sich schlau.

aerolith
13.02.05, 19:48
Wiedergefunden!

1993 übersetzte ich während der Recherche-Arbeit zu meinem Hölderlin-Buch (zusammen mit Tino Strempel) - Bestellungen für 6 Euro je Exemplar (buecherei@vonwolkenstein.de) - die Habil-Schrift Niethammers (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=niethammer-dissertation), eines Fichte-Schülers aus Jena. Es ging um die Grenzen der Erkenntnis von Offenbarung. Das war ein schönes Stück Arbeit.

aerolith
20.03.16, 18:17
Trennen wollten wir uns, wähnten es gut und klug...

Niemals! In ewiger Liebe steh' ich bei Dir, mein Freund, aber Zweifel, sie bleiben immer in meinem rastlosen Herzen. Und sie, die Liebste, sie kehrt zurück auf wackligen Beinen. Sie weiß es nicht anders. Wie auch? :knutsch:

aerolith
20.03.17, 19:52
Ihr Städte des Euphrats!
Ihr Gassen von Palmyra!
Ihr Säulenwälder in der Eb’ne der Wüste,
Was seid ihr?

Palmyra (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=hoelderlin)in Flammen. Der Haß aufs Andere, Geißel für Menschen, denen doch Menschliches nicht fremd ist, er zerbricht und zernichtet unseren Glauben an die ewig schöpferische Wirkung der Kunst. Eros (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=eros)tobt im schwarzen Gewande der Haßversenkten. Und Adrasthea (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=adrasthea)weint.

rodbertus
20.03.19, 18:55
Tag- und Nachtgleiche in einer halben Stunde. Ich geh' mit einer Freundin etwas essen, meiner Diotima. Dir zu Ehren stoßen wir an, wir werden ein Gespräch sein.

aerolith
02.07.19, 17:11
Ich plane für den 20. März 2020 eine besondere Geburtstagsfeier in der Kammerspielen zu Magdeburg. Man ist interessiert, dort einen Abend Hölderlins zu Ehren zu gestalten. Ich werde Gäste einladen, die Hölderlin den Interessierten näherbringen sollen, alte Freunde aus Jena und Rostock. Aus meinem Buch "Hölder in Jena" werde ich eine Szene proben, außerdem sollen Texte Hölderlins vorgetragen werden. Wer sich von den Wolkensteinern einfinden möchte, möge mir das mitteilen.

robert@vonwolkenstein.de

aerolith
11.10.19, 11:44
Gestern fand das Gespräch mit der Chefdramaturgin des hiesigen Schauspielhauses statt. Frau Gabriel zeigte sich interessiert. Die Veranstaltung am 20. März 2020 wird im Kontext der Reihe "Zugabe" (https://www.theater-magdeburg.de/spielplan/extras/weitere-zugaben/) im Foyer des Schauspielhauses stattfinden. Sobald ich Zusagen der geplanten Mitwirkenden habe, stelle ich das Programm hier vor. Heute muß ich für die Dramaturgin ein paar Texte aus "Hölder in Jena" zusammenstellen.