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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Ende und die Zerstörung Karthagos als Folge der römischen Hegemonie



aerolith
11.05.15, 19:25
Karthago (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=karthago)konnte sich nach dem Kriegsende 201 v.Chr. wieder erholen und genas an Volkszahl und Reichtum (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=reichtum). Die Handelsbeziehungen wurden fortgesetzt und ausgebaut, die Oligarchie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=oligarchie)zugunsten demokratischer Elemente erweitert.


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Livius (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=livius)(34, 5) charakterisiert Cato (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=cato)als typischen römischen Staatsdiener, der zum Vorbild zahlreicher Beamter wurde: „Catos Begabung und Energie waren so groß, daß er sich auch bei niedriger Geburt eine hohe Stellung verschafft haben würde. Für private und öffentliche Angelegenheiten standen ihm alle Kenntnisse zu Gebote, als Geschäftsmann wie als Landwirt war er gleich tüchtig. Für andere ist entweder Rechtskenntnis oder Beredsamkeit oder Kriegskunst der Weg zu den höchsten Ämtern, sein bewegliches Talent eignete sich zu diesem allen. Was er in die Hand nahm, dazu schien er geboren. Er war ein tapferer Soldat, ein großer Feldherr, im Frieden ein gleich ausgezeichneter Rechtskenner wie Redner. Und seine gewaltige Sprache ist nicht mit ihm gestorben, denn noch jetzt bewundern wie seine vielfältigen Schriften. Er sprach für sich, für andere und gegen andere. In der Verteidigung wie in der Anklage war er ein gleich gefürchteter Redner. Mit gar zu vielen Feinden plagte er andere und andere ihn. Es läßt sich nicht sagen, ob ihn der Adel mehr drückte oder er diesen mehr reizte. Ohne Frage war sein Sinn hart, seine Zunge bitter und über die Maßen rücksichtslos, aber die Begierden bewältigten seinen Geist nicht, und seine Redlichkeit war makellos; er war ein Verächter von Gunst und Reichtum. In Sparsamkeit, im Ertragen von Strapazen und Gefahr war ihm Leib und Seele wie von Eisen. Das Alter selbst, das alles mürbe macht, hatte ihm nichts an, der noch im 86. Lebensjahr einen Prozeß (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=prozeß)führte, eine Verteidigungsrede für sich schrieb und sprach, ja im 90. den Servius Sulpicius vor dem Volke verklagte.“


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Wir können im Verhalten Roms gegenüber dem besiegten Karthago ein strukturelles Verhalten imperialer Mächte erkennen: Heuchelei (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=heuchelei). Rom (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=rom)tat so, als ob es zwischen Massinissa (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=massinissa)und Karthago auf der Grundlage eines allgemein anerkannten Rechts entscheiden wollte, hatte dies aber nie im Sinn. Es wollte Karthago kleinhalten und mit einer balance of power-Politik Zünglein an der Waage spielen. Da Karthago wider Erwarten nicht zusammenbrach, sondern sich erholte, mußte Massinissa gestärkt werden. Das bedeutete, daß Rom zwar so tat, als ob es Schiedsrichter bei den Grenzstreitigkeiten spielen wollte, tatsächlich jedoch war der „internationale“ Gerichtshof in Rom nur ein Mittel zur Durchsetzung römischer Politik (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=politik). Was hätte Karthago auch dagegen tun können? Es beschwerte sich darüber, daß Massinissa eins ums andere Gebiet stahl – also etwas tat, was Karthago in früheren Zeiten ebenso gestohlen hatte – und forderte Gerechtigkeit. Welche oder wessen Gerechtigkeit? Rom entschied jedes Mal zugunsten Massinissas, wenn es überhaupt entschied und die Klage nicht einfach abwies oder formaljuristische Gründe vorgab.
Am entschiedensten vertrat Marcus Cato die Verfolgung Karthagos; sprichwörtlich wurde sein carthaginem esse delendam, das er ans Ende jeder seiner Senatsreden anhängte. Karthago sollte vollends zerstört werden, so die Auffassung der meisten Senatoren, sonst hätte Rom keine Ruhe. Daß Karthago eine Kaufmannstadt mit minderem militärischen Charakter war, geschweige denn imperiale Träume hatte, wollte in Rom nur eine Minderheit um den Scipionen Nasica glauben, deren politisches Gewicht schwand. Den Imperialisten (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=imperialismus)in Rom leuchteten die Talente schon in den Augen; sie würden im Falle einer Auslöschung der karthagischen Konkurrenten deren händlerische Nachfolge antreten. Also war die Vernichtung der 700000-Stadt beschlossen. Man benötigte nur einen Grund, einen moralischen, damit Gegner und Freunde nicht erbittert würden, die römische Politik nicht ihr wahres Gesicht zeigte. Eben deshalb war ein Bundesgenossenstatus für Karthago auch nicht möglich; es war zu reich und zu tüchtig, um das hätte sein zu dürfen.
Ein Grund fand sich. In Karthago hatten diejenigen rasch Stimme gefunden, die nach Massinissas Rechtsverletzungen und Roms entsprechender Tatenlosigkeit Taten forderten. Hasdrubal und Karthalo führten die karthagische Patriotenpartei an und waren entschlossen, Massinissa mit Waffengewalt nach Numidien zurückzutreiben. Sie griffen sich Anhänger Massinissas und verbannten sie aus der Stadt. 156 v.Chr. bildeten sie unter Syphax' Enkel Arkobarzanes ein Heer, um die Friedensbedingungen zu umgehen. Sie unterstützten Massinissas innenpolitische Feinde. Massinissa war klug genug, sich an die Römer zu wenden. Die Römer hatten ihren Vorwand einzugreifen und verlangten die sofortige Einstellung karthagischer Rüstungen. Ein Treffen mit Massinissa endete mit einer vernichtenden Niederlage. Hasdrubal und Karthalo wurden enthauptet. Die Römer erklärten bald auch förmlich den Krieg und sandten zwei Legionen mit dem Befehl, die Stadt zu zerstören und den Karthagern zu gestatten, mindestens zwei Meilen außerhalb ihrer alten Stadt neu zu siedeln. Als die Karthager das vernahmen, erwachte in ihnen der Kampfgeist. Sie ordneten ihre Angelegenheiten, ließen ihre Sklaven frei, baten um dreißig Tage Rüstungszeit und um die Rückkehr ihrer versprengten Emigranten, dann verschanzten sie sich hinter den Stadtmauern und nahmen den aussichtslosen Kampf auf. Die Römer lagerten bei Utica und ließen das geschehen.
Als sie angriffen, standen sie vor 15 m hohen Mauern, die zwei Meter dick waren. Ein Berg im Norden schützte die Stadt, die sich von außerhalb versorgen konnte. Es gab ein Trinkwasserproblem bei den Belagerern, auch griffen aus umliegenden Ortschaften ständig Verbände die Belagerer an. Diese suchten die Schwachstellen in der Stadtmauer. Erste Angriffe wurden leicht abgeschlagen. Die Folgen der Sommerhitze richteten im römischen Lager große Schäden an: Seuchen und Entkräftigung forderten Tribut. 149 v.Chr. starb neunzigjährig Massinissa. Nun war an ein offensives Belagern nicht mehr zu denken, da die Unterstützung durch numidische Reiterei ausblieb.

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Rom siegte durch Verrat. Der junge Offizier Scipio Aemilius konnte einen numidischen Fürsten namens Himilkon mitsamt seinen 2200 Reitern zum Übertritt in römische Dienste überreden. Cato lobte ihn noch kurz vor seinem Tode, erlebte den Fall Karthagos jedoch nicht mehr. Die Belagerung nahm auch im nächsten Jahr ihren Lauf. Es gelang den Römern, einen Vorstadtposten zu überrennen und schließlich die Vorstadt zu besetzen, aber trotz Seeblockade konnte die Versorgung Karthagos nicht verhindert werden. Also ließ Scipio einen Damm ins Meer bauen, wodurch er handelswillige Schiffe beschießen konnte. Glaubte er. Kaum war er fertig, segelten 50 neue Schiffe aus dem Hafen, beschossen die Römer und zerstörten den Damm. Außerdem hatten die Karthager einen Tunnel in östliche Richtung unterhalb der Hafeneinfahrt getrieben, der sie unterirdisch versorgte. Scipio plante neu und verlegte sich auf Brandbomben, die ihr Werk taten. Im Frühling 146 v.Chr. war Karthago vollends eingeschlossen. Scipio wartete jetzt, daß Hunger und Seuchen ihr Werk täten. Dann befahl er das Planieren, Plündern und Töten der Bevölkerung, Straße für Straße, Haus für Haus. Mehr als 500000 Karthager wurden in den nächsten Wochen erschlagen, lebendig begraben oder verbrannten, mehr als 100000 waren in den zwei Jahren zuvor schon durch Hunger, Seuchen oder im Kampf umgekommen. Auf der Burg fanden sich die letzten 50000 Menschen ein und bettelten um ihr Leben. Sie wurden versklavt. Karthago war vernichtet und zerstört.



Aufgaben:



Differenziere zwischen Kriegsgrund und Kriegsursache am Beispiel des dritten Krieges gegen Karthago! (II)
Erkläre das Vorgehen der Römer unter politischen Gesichtspunkten! Wende das MINK (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=mink)-Verfahren an! (II)
Gib den Verlauf der Ereignisse in fünf Stichpunkten wieder! (II)
Diskutiere, ob die Auslöschung Karthagos ein Völkermord war! (III)




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