PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rom und seine Herrschaft (Spartakus)



aerolith
25.03.08, 20:47
Gladiatoren lebten nicht so lebensgefährlich, wie uns das Filme (https://www.kino.de/film/gladiator-2000/)wie "Spartacus" weismachen wollen. Nur etwa jeder achte Gladiator kam während seines Dienstes ums Leben. Nicht wenige wurden steinreich. Das ist neu; man nahm bislang anderes an, eine Lebenszeit von maximal fünf Jahren. Die meisten Gladiatoren siegten oder verloren auch gelegentlich. Wie in der Bundesliga. Dadurch entsteht erst Spannung. Das bedeutete damals nicht, daß die Verlierer zwangsläufig zu Tode kamen. In der Arena wurden nur die zum Tode expediert, die feige waren, den Leuten keinen Spaß brachten. - Schlümm genug.

aerolith
14.05.15, 10:01
Der Thraker Spartakus entstammte einem vornehmen Geschlecht, kam nach einer Insurrektion gegen Rom in Gefangenschaft und wurde Gladiator. Die Römer hatten an den für die Akteure gefahrvollen Spielen ihren Spaß. Die Mächtigen benötigten diese Spiele, um die Plebs zu unterhalten, letztlich also diente das dem Stimmenfang für politische Ämter. Für die Sklaven bestand die Möglichkeit, durch gute Arbeit in der Arena die Freiheit zu erlangen und römischer Bürger zu werden. Es ist nicht so, daß die meisten Gladiatoren starben, man rechnet ca. 20% pro Jahr, doch die wenigsten betrieben diese Art des Lebensunterhalts länger als ein paar Jahre, oft wurde ihnen nach einigen wenigen erfolgreichen Kämpfen die Freiheit geschenkt (nicht erfolgreich zu sein bedeutete noch längst nicht den Tod, schließlich war jeder Gladiator eine Großinvestition auf zwei Beinen), und diese Gladiatoren waren dadurch Herr ihrer Entscheidungen. Die Stimmung in den Ausbildungs-Schulen war dennoch mies, denn die wenigsten Schüler waren freiwillig dort. Es kam immer wieder zu Unruhen und Aufständen. 73 v.Chr. fand einer in Capuas Gladiatorenschule statt.



„Die Ursachen, die zu diesen Unruhen führten, hatten einen […] vertrauten Klang: der Zerfall überlieferter Werte, die rapide Umwandlung des Wirtschaftssystems, Massenarbeitslosigkeit, hervorgerufen durch den Import von Sklaven und billigem Korn aus den Kolonien; der Ruin der Bauern und das Anwachsen des Großgrundbesitzes; eine korrupte Verwaltung und eine dekadente herrschende Klasse; abnehmende Geburtenzahl und eine auffallende Zunahme von Scheidungen und Abtreibungen. Nur vor diesem Hintergrund wird es verständlich, daß eine Handvoll entflohener Zirkuskämpfer, nicht mehr als siebzig an der Zahl, innerhalb von einigen Monaten zu einer Armee von siebzigtausend Mann anwachsen und zwei Jahre lang halb Italien unter ihrer Gewalt halten konnte.“ (Arthur Köstler: Frühe Empörung. Zürich 1970. S. 513.)



Krixos und Önomaos, desertierte keltische Auxiliarsoldaten, konnten mit 72 anderen Gladiatorenschülern entfliehen. Darunter war auch Spartakus. Sie zogen plündernd und mordend durch die kampanische Landschaft. Ein Konzept gab es nicht, sie einte der Haß auf Rom und die Sehnsucht nach ihrer Heimat. Sie brauchten Geld für die Überfahrt auf einem Piratenschiff, das sie zurück in ihre Heimat bringen würde. Also plünderten sie die reichen Landhäuser der kampanischen Ebene. Rom schickte Clodius Glaber mit 3000 Soldaten. Clodius Glaber versäumte es, die Entlaufenen zu stellen und verlor Tag für Tag an Macht, denn zahlreiche Unzufriedene mit den Zuständen in der römischen Provinz fanden den Weg zu den Gladiatoren. Clodius bemerkte das und veränderte die Taktik: Er ließ die Zugänge zum Vesuv besetzen, wo sich die ehemaligen Gladiatorenschüler verschanzt hatten. Doch Spartakus fand die geeignete Antwort, stellte kleine Trupps zusammen, die in einer Art Guerillakrieg die römischen Truppen angriffen und Verwirrung stifteten. So reihte sich Sieg an Sieg für die entwichenen Gladiatoren, die im Einzelkampf überlegen waren.
Rom schickte den Prätor Publius Varinius, der aber auch nichts ausrichtete.
Inzwischen waren schon 40000 Sklaven und arme Bauern auf Seiten Spartakus', der sich im Kräftespiel der Gladiatoren durchzusetzen wußte, zudem war Önomaos in einem der ersten Gefechte gefallen. Das Morden nahm kein Ende. Die Entflohenen mordeten jeden, der sich nicht für sie aussprach. Die Römer nagelten jeden gefangenen Sklaven ans Kreuz. Die entlaufenen Gladiatoren verfolgten unterschiedliche Ziele: Krixos war nach Norden gegangen, wollte nach Hause. Der Konsul Lucius Gellus stellte ihn in Apulien und verhinderte das. Doch Spartakus siegte mit seiner Schar, allmählich nahm dessen Brandschatzung Italiens hannibalische Züge an. Spartakus besaß weder eine Strategie noch ein politisches Konzept, aber er besaß taktisches Geschick. Ein dauernder Erfolg war deshalb nicht zu erwarten. [1] Nach Hause zu wollen, ist ein Vorhaben, mehr nicht.
Allerdings war Spartakus lernfähig und wuchs an seinen Aufgaben. Neben dem notwendigen Mut besaß er auch Organisationstalent. Dem großen Nachteil einer fehlenden Reiterei sollte durch den Kauf von Pferden und einer Schulung durch übergelaufene römische Kavalleristen abbeholfen werden. Piraten schafften die Pferde, außerdem hielt sich Spartakus den Hafen von Thurii frei; eilig hatte er es mit der Überfahrt in seine Heimat Thrakien jedoch nicht. Die Entlaufenen zwangen Spartakus zum weiteren Räuberleben.
Es schlug die Stunde des Crassus. Crassus dezimierte zuerst seine acht Legionen: er ließ jeden zehnten Mann wegen Feigheit vor dem Feind hinrichten. Beim nächsten Treffen kurz vor Rom siegte Crassus. Spartakus zog nach Süden. Crassus folgte, konnte aber nicht erwarten, daß seine Legionäre nochmals den Sieg im offenen Gefecht davontrügen. Also ließ er sie schanzen, einen Bogen von 50 Kilometer um Rhegion schlagen, in diesem Kessel sollten die Entlaufenen getötet werden. Doch Spartakus durchbrach den Wall und stand plötzlich im Rücken Crassus', auf halbem Wege nach Rom. Crassus verlangte vom Senat die Rückbeorderung zweier weiterer Legionen, doch dies war nicht mehr nötig, denn die Entlaufenen zerstritten sich. Die Gallier und Germanen hatten eigene Anführer gewählt, Gannicus und Castus, und ritten getrennt vom Hauptheer nach Norden. Es gelang Crassus, sie einzeln zu stellen und zu besiegen. Spartakus konnte sich nun nicht mehr lange behaupten. Er fiel 71 v.Chr.; sechstausend der Seinen säumten an Kreuze genagelt den Weg von Capua nach Rom. Italien war wieder befriedet. Die Probleme allerdings blieben.


Aufgaben:



Erkläre einem Achtkläßler die Gründe des Scheiterns der Anhänger Spartakus'! (II)
Versetze dich in die Lage der entflohenen Gladiatoren. Was hätten sie tun können, um mit dem Leben davonzukommen? (II)
Begründe Roms Härte gegen die entlaufenen Gladiatoren! (I)




[1] Spartakus‘ historischer Erfolg liegt in der Erstprägung eines Nimbus‘: Aufbegehren gegen einen übermächtigen Feind, der das Recht des Menschen, frei zu sein, beschränkt. In der Gewährung überindividuellen Freiheitsdrangs kann kein politisches System bisher dauernden Erfolg für sich beanspruchen, auch nicht das demokratische System des Westens dieser Tage, denn es begrenzt alle, die gegen es opponieren und eine Freiheit suchen, die gegen das von Plutokraten und Bilderbergern propagierte liberale System der nominalen Mehrheitsfindung gerichtet ist.