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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Römer und Germanen



aerolith
14.05.15, 19:08
Das Kräfteverhältnis betrug ungefähr 35:1. 70 Millionen Menschen lebten im reichen, infrastrukturell entwickelten römischen Imperium unter Octavius (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=octavius), ca. zwei Millionen Germanen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=germanen)in einer grünen Hölle ohne Straßen.


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Auf den Feldern wurden Hafer, Roggen (Unkraut), Weizen Hirse und Gerste angebaut. Hafer, Weizen und Hirse zum Essen und Gerste zum Trinken. Zum Bierbrauen wurde in das Bier rein gespuckt, um die Gärung in Gang zu setzen. Es war das populärste Getränk aus Weizen und Gerste, ziemlich säuerlich und wurde mit Hilfe von Eschenblättern, Scharfgabe Sumpfporst haltbar gemacht. Der Konsum von Bier war nicht selten, er gehörte zu den Regelmäßigkeiten des germanischen Alltags. Brot konnten sich bis ins Mittelalter nur Adlige leisten, der normale Bauer aß Sauerteig-Brotfladen.
Die normale Größe eines Gehöfts betrug 60-80 Morgen. Zum Ernten gab es keine Sensen, nur Sicheln und es wurden nur die Ähren und nicht die Halme geerntet. Raps, Ackerbohnen wurden mit der Wurzel herausgerissen. Nach dem Einfahren des Getreides wurde es gelagert und entkörnt. Das Getreide wurde mit Holzknüppeln geschlagen auf Tannenholz, daraus entstand der Begriff der „Tenne“. Gegessen wurde an kleinen Gestellen ruhenden hölzernen Tafeln mit langen Bänken, Baumstümpfen oder Hockern. An der südlichen Langwand stand der Stuhl des Hausherrn, er thronte der Sippe vor, daraus leitete sich der Begriff Thron ab. Die Speiseschüsseln waren aus Holz, die Kochtöpfe aus gebranntem unlasiertem Ton. Über dem Feuer hing ein Kessel aus Eisen, gegessen wurde mit Löffeln aus beinernem hörnernem Material. Silbernes Geschirr war nur den Reichen vorbehalten. (Quelle (http://www.fionas-wege.de/alltag/landwirtschaft-und-jagd/))


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Man mag sich heute fragen, warum die Römer (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=römer) in die Lebensräume der Germanen eindrangen. Manche Forscher (u.a. Mommsen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=mommsen)) behaupten, wie die Amerikaner das heute von mißliebigen Völkern und Staaten behaupten, daß diese unterentwickelten Germanen für viele Römer eine Bedrohung, ein Feind gewesen seien, der schon im eigenen Land geschlagen werden müßte, damit er erst gar nicht auf die Idee käme, sich gegen Roms Weltherrschaft zu erheben. Das ist der brutale Herrschaftsgedanke, Imperialismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=imperialismus). Um die Zeitenwende durchzogen römische Legionen das Gebiet zwischen Rhein und Elbe und errichteten da und dort Sommer-Kastelle, die sie zum Winter wieder verließen. Das größte Kastell lag bei Minden.


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Der römische Historiker Tacitus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=tacitus)über die Aufzucht der Germanen: „In jedem Hause wachsen sie nackt und schmutzig zu diesen Gliedern, zu diesen Körpern auf, die wir bewundern. Die eigene Mutter nährt jeden an ihrer Brust, und sie werden nicht Mägden oder Ammen übergeben. Herrn und Knecht kann man durch keine Feinheiten in der Erziehung auseinandererkennen: Unter demselben Vieh, auf demselben Boden leben sie, bis das Alter die frei Geborenen trennt, die Tapferkeit sie bestätigt. Spät lernen die jungen Männer die Liebe (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=liebe)kennen, und darum ist ihre Manneskraft unerschöpft.“ (Übersetzung von Karl Büchner)

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Die Germanen schienen sich nicht sehr daran gestoßen zu haben. Neueste Ausgrabungen belegen sogar einen regen Warenaustausch. Als die Römer jedoch Steuern erhoben und Nichtzahler bestraften, erwachte der Volkszorn. Zuerst vereinzelt, dann unter der Führung eines mitteldeutschen Fürstensohnes namens Armin verstärkt und organisiert im Stamme der Cherusker (Hirschleute), die zwischen Weser und Mittelelbe im mittleren Germanien lebten. Die Römer reagierten, wie sie es immer taten, sie schickten Legionen, um die Aufständischen zu stellen und zu töten. Doch die ließen sich auf keine Schlacht ein, sondern lockten die Römer immer weiter nach Norden, in Sümpfe und kaum durchdringbare Mischwälder. [1] Da und dort griffen sie an, zogen sich aber schnell zurück, bevor die Römer eine Schlachtordnung bilden konnten. Guerillataktik. Es gab keine Fluchtpunkte für das römische Heer (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=heer)in diesen Wäldern; es gab keine germanischen Städte, in die sie sich hätten zurückziehen können, es gab keine Kastelle in diesem Teil Germaniens (Gegend beim heutigen Osnabrück), die Römer mußten ihre Verpflegung mitschleppen, denn wie sollten sie sich sonst hier versorgen? Die Germanen kamen aus dem Hinterhalt, meuchelten und mordeten, wen sie einzeln aufgreifen konnten, und zogen sich zurück in ihre Bäume, ihre Schlupfwinkel, Höhlen und versteckten Behausungen sonstwo. Für die Römer war das unheimlich. Drei Legionen gingen verloren. Der römische Anführer Varus nahm sich das Leben. – Durch Germanien erscholl der Siegesruf.
Erstaunlich ist die Reaktion der Römer. Octavius unternahm nichts, diese Niederlage zu rächen. Erst nach seinem Tod (14) schickte der neue Kaiser Tiberius acht Legionen, um Germanien zu unterwerfen. Auch er scheiterte. Nach einigen fruchtlosen Feldzügen durch Germanien, wobei die Germanen auf ihre bewährte Taktik zurückgriffen und jede offene Feldschlacht mieden, erging der Befehl an die Truppen, sich zurückzuziehen. Germanien blieb auch unter Tiberius selbstbestimmt. Die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück und überließen die Germanen sich selbst.
Das ist ein welthistorischer Augenblick. Roms Ausdehnung nach Norden wurde damit fürs erste beendet. Daß die Germanen nicht nachstießen und nun ihrerseits Rom attackierten, mag an ihrer Zerstrittenheit gelegen haben, die ihren Anführer Arminius (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=arminius)das Leben kostete, der einem Mordkomplott zum Opfer fiel.


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Treubund und Menschenpflicht bei den Germanen: „Außerhalb der Sippe steht eine Reihe von Pflicht-, Treu- und Neigungsverhältnissen. Sie ruhen alle auf dem gegebenen Wort; es sind mehr oder weniger förmliche Verträge, geheiligt durch die Sitte (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sitte).
Allgemeine Menschenpflichten kennt der heidnische Germane nicht. Wo kein Vertrag ist, da schuldet er keinen 'Frieden' (wohlwollende Schonung), auch keine Wahrhaftigkeit. In der Heldendichtung hilft Siegfried (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=siegfried)die fremde Jungfrau, Brünhild, hintergehn und bleibt dabei der Held ohne Arg und Falsch; der Gefolgsmann Hagen begeht keine Ehrlosigkeit, als er seinen Herren zuliebe Siegfried verrät, – oder nach der nordischen Fassung; als die Schwäger der Sigurd verderben wollen, da schicken sie ihren jüngsten Bruder vor, denn der 'steht außerhalb der geschworenen Eide, der geleisteten Sicherheiten'.“ (Andreas Heusler: Germanentum. Heidelberg 1934. S. 24.)

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Die Germanen kamen also nicht, und die Römer gingen nicht hin. Lange blieb das so. Die Intrigen in Rom gingen indes weiter, aber keiner der zahlreichen Intriganten hatte Germanien auf der Speisekarte; es blieb Nebenkriegsschauplatz. Es war eben ein armes und eher unbedeutendes Gebiet, dafür gefährlich. Der wilde Norden! [1]


Aufgaben:



Beschreibe und begründe die Taktik der Germanen! (I)
Wer war im Recht? Besaß Rom eine Pflicht, Germanien zu erobern resp. das Recht, es vorbeugend anzugreifen? (II)



[1] Neueste Forschungen ergaben, daß diese Wälder sich erst durch den Einfluß der Germanen gebildet haben sollen. Ihr Jagdverhalten soll zum Aussterben von Großhirschen und Wisenten geführt haben, den Vertilgern des Unterholzes, so daß sich der Wald ungehinderter entfalten konnte.

[2] Eine andere Erklärung für den Aufstand in Germanien: Der Aufstand könnte seinen Grund darin gehabt haben, daß die Folgen der bereits unter Caesar (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=caesar)begonnenen und unter Marcus Agrippa fortgesetzten Landvermessung zu Aufständen an sämtlichen Peripherien des Römischen Reiches führten, vom Vorderen Orient bis nach Germanien. Die später so genannte augustäische Reichsvermessung begann am miliarium aureum, dem goldenen Meilenstein auf dem Kapitol, und wurde von vier griechischen Vermessern in den verschiedenen Reichsteilen durchgeführt, an deren Ende nach Agrippas Tod die Weltkarte des Agrippa stand. Nach der Landvermessung konnten die römischen Magistrate in den eroberten und besetzten Gebieten die Steuer nach Grundbesitz einführen, was eine Umstellung von der pauschalen Steuererhebung nach Volksgröße auf konkrete Steuerlasten für die einzelnen Untertanen bedeutete, die für dieselben eine bis dahin nicht gekannte Belastung darstellten, was noch durch das gleichzeitige Einführen des römischen Strafrechts verstärkt wurde. Die Angelegenheit ist in der Forschung umstritten. Ein wichtiges Indiz für die Richtigkeit dieser Zusammenhänge kann Varus liefern: Er war als Verwaltungsfachmann Statthalter in Syrien und löste im Jahre 7 den Militär Sentius Saturnius in der Germania Magna ab. Warum wohl? (Felsche)


http://vg06.met.vgwort.de/na/181ab9339fee43ae8de872d00fe1fbc9