PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Von Nerva bis zu Diokletian



aerolith
15.05.15, 12:25
Das Prinzip (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=prinzip)der Machtübernahme lautete: Selbst (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=selbst)-Kontinuierung. Der Kaiser bestimmte zu Lebzeiten per Adoption seinen Nachfolger, Wahlverwandtschaft. Meist wurden die Anspruch hegenden Blutsverwandten bereits zu Lebzeiten getötet, entweder im Auftrag des Kaisers oder intrigante (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=intrige)Verwandte.


<tbody>
„Zum Segen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=segen)für Senat (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=senat)und Volk der Römer und für mich selbst! Ich nehme den Marcus Ulpius Nerva Traianus als Sohn an, obwohl er selbst Verwandte hat.“ (Nerva)
Denn er war nicht der Mann, der die Verwandtschaft höher gestellt hätte als das Wohl des Ganzen; auch daß Traianus ein Spanier war, kein Italiker, nicht einmal in Italien ansässig, war für ihn kein Grund, ihn geringer zu schätzen, wo doch bis dahin kein Ausländer die Macht in Rom besessen hatte; denn er war der Ansicht, man müsse auf den Wert eines Mannes schauen, nicht auf seinen Herkunftsort. (Cassius Dio (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=dio) 68, 3)

</tbody>

Auch Nerva blieb diesem Grundsatz treu und bestimmte seine Nachfolge durch Adoption des angesehenen Generals Trajan, der 98 den Thron bestieg. Nerva versprach dem Senat, daß er ohne dessen Zustimmung kein Todesurteil gegen einen Senator verhängen würde. Trajan sicherte seine Macht durch einen militärischen Sieg gegen die Daker (Rumänien), deren Gebiet er mit Italikern besiedeln ließ [1] und unternahm einen Zug gegen die Parther, allerdings ohne Erfolg. Rom wuchs nicht weiter.
Dieses Prinzip der Machtübernahme bewährte sich. Erst seit dem dritten christlichen Jahrhundert zerfiel Rom. Der Grund (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=grund)? Die gängigste Theorie (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=theorie)ist, daß Rom alt geworden sei und an innerer Schwäche starb. Das glaubten die Römer selber. Vielleicht ging Rom auch am Blei in seinen Wasserleitungen zugrunde (http://www.fh-lueneburg.de/u1/gym03/expo/jonatur/geistesw/antike/roemer/vitruvb.htm), vielleicht waren es die Christen, die Rom dem Untergang (http://www.meinebibliothek.de/Texte/html/rom10.html)bereiteten [2]. Thesen. Aber kann ein Zeitalter (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=zeitalter)sich selbst beurteilen?
In den ersten drei nachchristlichen Jahrhunderten änderte sich die soziale Zusammensetzung im römischen Imperium (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=imperium). Wurden bis zur Machtergreifung Octavius‘ Eroberungskriege geführt, die viele Sklaven ins Imperium brachten, blieben diese nun aus. Sklavinnen brachten kaum Kinder zur Welt, also entwickelten die Römer das Prinzip des Kolonats, an die Scholle gebundene Pächter (glebae adscribi), Kolonen. Diese Halbfreien kamen früher oder später in die Hand von Wucherern, die sie unbeweglich machten, zu Hörigen, zu Sklaven mit eigener Scholle, die sie gegen Zinszahlungen bearbeiten mußten, entweder für einen Gutsherrn oder für einen Bankier. Der Feudalismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=feudalismus) [3] bildete sich nicht erst nach der Eroberung Roms im fünften Jahrhundert aus, sondern entstand in seinem Bedingungsverhältnis bereits zur Kaiserzeit im ersten Jahrhundert.
Es gab etwas, was dem ursprünglichen Sklaven mit eigener Scholle diese Existenzform schmackhaft machte: er wurde zum Wehrdienstpflichtigen, was bedeutete, daß er Aussicht auf ein Stück größeres Land erhielt, zudem Anteile an der Beute und ihm dafür der Schutz seines Herrn zugesichert wurde. Sklaven war der Dienst (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=dienst)im römischen Heer bis dahin verwehrt. Nun bestanden auch für ihn soziale Aufstiegsmöglichkeiten.
Alles in allem darf behauptet werden, daß sich die wirtschaftliche Lage Roms in den nachchristlichen Jahrhunderten nicht verschlechterte, eher verbesserte. Ein Sklave (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sklave)mit eigener Scholle mit der wenn auch vagen Aussicht steigender Einkünfte ist gegenüber einem völlig besitzlosen Sklaven ohne jede Perspektive jedenfalls eine Verbesserung.
Rom organisierte den Aufbau der eroberten Länder, das nennt man Latinisierung. Ausgehend von der lateinisch sprechenden Oberschicht griff das allmählich auch auf die eroberten Völker über. 212 war dieser Prozeß so weit fortgeschritten, daß der Kaiser Caracalla (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=caracalla)der gesamten freien Einwohnerschaft seines Imperiums das römische Bürgerrecht verleihen konnte. Caracalla auch nahm den Sklavenbesitzern das Recht über Leben und Tod ihrer Sklaven. Die Sklaverei wurde zwar als Wirtschafts- und Umgangsform nicht angezweifelt, aber somit in einem wichtigen Punkt sozialer Sprengstoff entschärft.
235 endete die gute Zeit des fortgesetzten Ausbaus der römischen Macht mit der Ermordung des Kaisers Alexander Severus. Die nächsten 50 Jahre gelang es keinem der Nachfolger, sich dauerhaft zu etablieren. Rom war krank, hatte kein Ziel mehr. Die Gesundheit eines Staates basiert nicht auf dem Stand seiner höchsten Machtentfaltung, sondern auf dem Gleichgewicht lebendig wirkender Kräfte. Je breiter dieses Gleichgewicht in den verschiedenen Bestrebungen des Volksganzen verwurzelt ist, desto fester und dauernder ist der Staat. Im Imperium wurden die Fliehkräfte stärker und stärker, Rom verlor zunehmend die Kontrolle über die Provinzen, die latinisiert waren und ein eigenes geistiges und politisches Leben ausbildeten. Rom war auf eiserne Disziplin gegründet, auf dem Selbstbewußtsein (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=selbstbewußtsein) seiner Bürger, anderen überlegen zu sein, einer Idee zu dienen, in einem Gemeinwesen zu Hause zu sein, das Schutz und Auftrag gleichermaßen beinhaltete. Die Söldner, allerdings, aus denen das römische Heer zunehmend bestand, besaßen diese innere Disziplin nicht. Als man dazu überging, aus den Soldaten der straff geführten Legionen an den Grenzposten des Imperiums familiär lebende Wehrbauern zu machen, die statt ihres Soldes einen Gutteil in Land ausgezahlt bekamen, war es mit der Disziplin vollends vorbeI.
Parallel dazu vollzog sich eine schleichende Verknappung der Edelmetalle, auf deren Umfluß die römische Wirtschaft angewiesen war. Neue Bergwerke kamen nicht hinzu, die alten lieferten zu wenig, um wenigstens den Verschleiß an Edelmetallen auszugleichen. Zudem floß viel Geld nach Indien und China, woher Gewürze und Seide geholt wurden, ohne dafür eigene Produkte gegen Gold zu tauschen.
Mit der Wahl des Kommandanten der Leibwache, Diokletian, zum neuen Kaiser 286 begann ein letzter Konsolidierungsversuch. Diokletian verteilte die Macht auf vier Häupter, zwei Kaiser und zwei Cäsaren, die den Kaisern quasi untergeordnet waren und nach zwanzig Jahren Dienst selbst zu Kaisern werden sollten, wobei sie sich zwei Cäsaren zu Nachfolgern bestimmen hatten, die nicht aus ihrem Blut waren. Es gelang Diokletian, die Grenzen zu stabilisieren. Es gelang nicht, die Expansion der Germanen zu unterbinden, aber es gelang, Aufstände in Gallien und im Osten des Imperiums niederzukämpfen. Er teilte das Imperium in Bezirke und differenzierte zwischen ziviler und militärischer Regierung. Die Regierungen waren keine Privatpersonen mehr, die die Provinz gegen ein Entgelt ausbeuteten, sondern Staatsdiener mit Gehalt. Parallel dazu verschlechterte sich das Geld, das nur noch 2% des Silbergehaltes aus Octavians Zeiten besaß. So glitt das Imperium allmählich aus der Geld- in die Naturalwirtschaft zurück. Der Vorteil dabei lag in der Sicherheit der Versorgung. Die Abgaben mußten abgeliefert und folgend aufbewahrt werden, was umfängliche Logistik benötigte. Diokletian ließ Höchstpreise festlegen, die in Stein gemeißelt ausgestellt wurden. Wer den Zins nicht zahlen konnte, mußte statt dessen arbeiten: Frondienst.


Aufgaben:



Erkläre die Ausprägung des Feudalismus in Roms Spätzeit! (II)
Entwickle eine These zu den Gründen von Roms Untergang und belege sie! (III)
Liste die Maßnahmen Diokletians auf, womit er den Untergang des Imperiums aufhalten wollte! (I)



[1] Das Rumänische blieb die einzige romanische Sprache (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=sprache)auf dem Balkan.


[2] Dieser Auffassung widersprach Friedrich Engels: „Das Christentum (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=christentum)ist am allmählichen Aussterben der antiken Sklaverei völlig unschuldig.“ (Vom Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates. 1884.)


[3] Feudalismus ist ein Rechtssystem, das entstand, weil die wirtschaftlichen Grundlagen und die daraus resultierende Sozialstruktur durch persönliche Bindungen (Lehnsverhältnis) zu einem System (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=system)rechtlich abgesicherter gegenseitiger Abhängigkeiten verwandelt wurde. Gegenseitige Abhängigkeiten!

http://vg06.met.vgwort.de/na/0c328254ba3a46b2bfa2b3a011afac87