PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schiller: Ur-Wallenstein (eine rekonstruktion)



aerolith
19.12.04, 11:48
Vielen Dank für die Anteilnahme, meine Damen. Und so nehme ich denn alle Hinweise dankend an:


1. Der Wallenstein-Text wird in Fraktur gesetzt. Schriftgröße 13p. Groß genug.
2. Die Begleittexte werden in Verdana, so heißt diese Schriftart, Susanna, gesetzt.
3. Ich werde den Text vorsichtig von Orthographiefehlern säubern. So schön sind Schillers Schwäbizismen manchmal auch nit. - Antithese: Das würde den wahren und ächten Text dann aber wieder verfälschen, Mut zur Regionalsprache!
4. Ich werde einige Bilder einfügen. Eins haben wir schon.

ala
19.12.04, 22:59
"lach" jaja - nur her damit. schwäbizismen - was soll ich denn dann mit denen? na - wird mir schon was einfallen, solang die original Schiller sind :) die könnt ich ja dann auch garamondmäßig einmachen "kicher"

ernsthaft: wenn das stimmt, was du sagst, da? dies die urfassung ist, ist das dann nicht eine sensation? war dieser text denn schon bekannt als fragment?
na und mit der numerologie mußt er sich ja vertraut machen für seinen Seni.
262, quersumme 10. soweit ich weiß, beginnt damit eine neue ebene ;) aber eins ist unlogisch: Schiller konnte doch beim besten hellsehen seinen todestag nicht vorhersehen, so expostante also schon die 2062 verse daraufhin konzipieren. klugscheisser! wirst du mir sagen - ich weiß. aber trotzdem: wie soll das denn gehen?

gib uns doch mal ein beispiel für einen unschönen schwäbizismus - kann ich mir jetzt so nicht vorstellen. aber schönheit braucht fehler, eine kleine unregelmäßigkeit, neben der sie erst so richtig schön wird. ist vielleicht barock gedacht, aber keine rose ist schön ohne verwelktes laub, kein echter teppich ohne diese unregelmäßigkeit schön. keine harmonie ohne die sie erst erkennen lassende dissonanz.
außerdem wird uns der Schiller im nächsten jahr eh von fremdbetretungen zugeschüttet werden, weil auch alle, die ihn bis jetzt noch nicht schätzten, sich seiner bemächtigen werden. so ein ganzechtecht auch in seinen unschönsten fehlern wäre mir dabei wertvoll :) außer du könntest mit bestimmtheit sagen, er hätte selbst noch verbessert und ist nur irgendwie nicht dazu gekommen, ein versehen also, das ihm peinlich=schmerzlich gewesen sein würde. dann hast meinen segen zur änderung :)

unsäglich, immer den göten in einem atemzug dazu zu nennen ...

aerolith
20.12.04, 11:02
Sobald mir mal wieder einer über den Weg läuft, ein Schwäbizismus, sollst Du ihn als erste bekommen. Ich schenk' ihn Dir, Verwehrteste.


Ist schon eine verrückte Sache, so einen Wallenstein nachzulektorieren, der 2062 Verse hat (am 26.2. wurde Wallenstein ermordet), ein Vorspiel dazu, das genau 262 Verse hat... Das soll der Wallenstein in der wahren Gestalt sein. Die anderen sind bloß nachgereichte Theater- oder Verlegeradaptionen. Ich muß das noch prüfen und mir gegebenenfalls aus Weimar bzw. Marbach Kopien des Originals zuschicken lassen.

Zum Vergleich: Der Wallenstein, wie wir ihn kennen, hat 1107+2651+3867 Verse, also schlappe 7500 Verse.

aerolith
20.12.04, 19:54
Ich mach' mir an des Illo #einen Stuhl
Deswegen auch zu tun, #o viel ich kann,
Der führt dir gar verwunder#ame Reden.

sagt der vierte Kellermeister im trauten Gespräch zu seinem Kollegen, der ein Böhme sein soll; Ist das nicht herrlich, welche Bolzen unsere Klassiker so abschossen?

Ik mach mir gleich ein!

Allerdings kann ich nichts idiomatisches Korrektes darin sehen, wenn ein böhmischer Bediensteter schwäbelt. Nun ja, er schwäbelt nicht eigentlich, aber er böhmelt jedenfalls nicht.
Klarer schwäbischen Ursprungs sind Regieanweisungen der Art:

Die Bedienten eilen nach hinten, ein Teil der Gä#te kommt vorwärts.

aerolith
23.12.04, 13:02
So einfach geht das dann doch alles nicht.

1. Schiller hat das Original verbrannt. (Ich habe das nicht richtig verstanden, warum er das machte. Herr Golz von der Stiftung Weimarer Klassik Tel. (0 36 43) 545-240 erklärte es mir, aber ich habe das nicht verstanden.) Es gibt also kein Original-Manuskript des Wallenstein.
2. Schiller hat drei Jahre an dem Text herumgeschrieben und in dieser Zeit vornehmlich durch die Lektüre Shakespeares und Sophokles' neue Horizonte bei der dramaturgischen Umsetzung des Stoffes gewonnen.
3. Das mir vorliegende "Original" kann also keines sein, sondern ist selbst eine Bearbeitung.
4. Anhand des Briefwechsels mit Körner, Humboldt und Goethe läßt sich vielleicht eine Ur-Fassung rekonstruieren.
5. Schiller verzichtete anfangs auf bestimmte Komplexe. So spielten der Max-Thekla-Komplex keine Rolle, war das astrologische Motiv bestenfalls akzidentiell (muß ich noch am Text prüfen), gab es keine Kapuzinerpredigt, keine Dreiteilung und keine Jamben.
6. Die Trilogie ist episch (unnötig) ausgedehnt - das "dritte Bein des Dramas" - und besitzt Fehler in der Ökonomie des Stückes, wie eine Rezension von 1801 bemerkt.


In einer Rezension der FAZ zur neusten Ausgabe des Wallenstein im Klassiker Verlag (2000) bemerkt der Rezensent:

Das zeigt etwa der Motivkomplex der Astrologie, die für Schiller anfänglich nichts als eine "Fratze" war, welche er gerne aus seinem Drama verbannt hätte, die sich dann aber mehr und mehr - und zu einem guten Teil auch hinter dem Rücken der "Autorintention" - zu einem vieldeutigen symbolischen Kosmos entwickelte. Goethe hat Schiller gegenüber geäußert, daß die Astrologie "auf dem dunkeln Gefühl eines ungeheuren Weltganzen" beruhe. Durch sein Quellenstudium erfuhr Schiller zudem, daß sich mit dem Sternenglauben die alteuropäische Tradition der Humoralpathologie, der Temperamentenlehre verband. Wie sehr das Porträt Wallensteins von ihr geprägt ist, hat zuerst Thomas Mann erkannt. Er beschreibt zumal die saturnisch-melancholischen Züge und weist auf die erstaunliche Übereinstimmung dieses Charakterbildes mit dem von Kepler gestellten, Schiller noch unbekannten Horoskop des kaiserlichen Generalissimus aus dem Jahre 1608 hin. "Saturn: das ist brütende Melancholie, es sind die abseitigen und im Verborgenen gärenden Gedanken, das selbstherrliche Sich-Erheben über menschliche Gebote, die skeptische Indifferenz in religiösen Dingen, dunkle Verträumtheit, Ehr- und Machtbegierde, Phantastik und nachtwandlerische Verwegenheit." So Thomas Mann.

Wallenstein selbst hält freilich nicht das Melancholiker-Gestirn Saturn, sondern den Sanguiniker-Planeten Jupiter für seinen Stern und sich selbst demgemäß für ein "heiteres Joviskind". Diese Selbsttäuschung läßt ihn aus dem Planetenstand genau die falschen Konsequenzen ziehen. Das ist die tragische Ironie des Stücks, die Wallenstein in die Nähe von Ödipus bringt: Die Sterne - dem doppelsinnigen antiken Orakel gleich - lügen nicht, aber ihre Wahrheit ist eine andere, als der Auslegende wähnt. Das hat als erster der "Wallenstein"-Bewunderer Richard Wagner bemerkt, der sich gar mit dem Gedanken trug, Schillers Trilogie bei den Bayreuther Festspielen zu inszenieren. In einem Gespräch mit Cosima am 24. Mai 1870 bringt er die Gestalt Wallensteins auf die Formel: Obgleich "unter Saturnus geboren", liebäugelt der Generalissimus mit Jupiter, doch dieser - das ist seine Tragödie - "hält ihm nicht Stich".

Die melancholische Abgründigkeit Wallensteins steht im Kontrast zu der "olympischen" Klarheit, Lichtheit und Heiterkeit, die wir so gern mit dem Begriff der Klassik verbinden. Und doch kreisen die beiden Zentralwerke der Weimarer Klassik um eine Gestalt, die von Saturn, dem in die Unterwelt verbannten Gegengott der etablierten olympischen Ordnung, gezeichnet ist: Faust und Wallenstein, geniale Melancholiker, deren geistige Wurzeln tief in eine voraufklärerische, dem achtzehnten Jahrhundert schon weithin entfremdete, ja beinahe verschollene Vorstellungswelt hinabreichen.

Schiller und Goethe haben an ihren Hauptwerken fast gleichzeitig gearbeitet und sich immer wieder wechselseitig inspiriert. Als poetische Brüder hätten die beiden großen dramatischen Dichtungen in der Bibliothek Deutscher Klassiker eine gleichrangige Kommentierung verdient. Wie "Faust" jedoch dem "Wallenstein" in unserer Zeit den Rang abgelaufen hat, so Albrecht Schönes Kommentar demjenigen von Frithjof Stock. Damit werden wir uns leider abfinden müssen.

Das alles bringt mich zu der Auffassung, daß die mir vorliegende "Ur-Fassung" auf den hiesigen Bühnen willkommen geheißen werden dürfte. Sie ist so ganz anders als die Trilogie.

ala
24.12.04, 16:12
den herrn golz werde ich nach den feiertagen anrufen. das möchte ich schon verstehen, warum schiller die urfassung verbrannt hat.

die rezension finde ich nicht sehr gelungen. klingt ja so, als habe sich wallenstein in seinen sternen geirrt. tatsächlich war er von lauter verrätern umgeben, denen er vertraute. die ans licht zu bringen ist eine originäre aufgabe saturns, der deshalb aus der unterwelt kommt, um alles zu fall zu bringen was nicht trägt und platz für das haltbare zu schaffen. er zerstört nicht, was nicht auch von selbst zerfallen würde. er ist kein gegenspieler jupiters, sondern arbeitet ihm zu, ist der wegbereiter für dessen glücksgaben. der gegenspieler ist neptun, der einen schein und täuschungen aufrechterhält noch weit über die zeit hinaus, zu der sie hätten fallen müssen.
die verbindung mit der temperamentenlehre scheint mir auch zweifelhaft, trotz thomas mann. wallenstein ist nie ein melancholiker gewesen, sondern ein macher von welt. daher sein ruf. als er, selbst verraten und fallengelassen, alles auf eine karte setzt, erschauert er natürlich und zweifelt. die größte entscheidung seines lebens zu treffen, die ihn einsam macht, weil sie von den anderen nicht getragen wird, die bislang gut von ihm lebten und keine änderung wünschen, erschüttert ihn natürlich. aber er bleibt ein macher und handelt.
das würde ein melancholiker nie. das ist ein jupiterschaden.
ich weiß auch nicht, ob die einordnung von faust und wallenstein in die klassik passt oder nicht doch eher dem sturm und drang zuzuordnen. ich bin kein germanist der jahreszahlen, aber faust I zumindest scheint mir sehr genialisch. auch die grundfrage des wallenstein ists.
der große unterschied in den dramen ist doch der fehlende verrat bei faust, die wesentlich breitere fächerung des ganzen stücks. ein uranier erobert sich dort die welt, wenn er auch letztendes zu den müttern regrediert.
wallenstein blieb sich immer treu, traute seinem eigenen weg mehr als dem falschen herrn in wien (oder einem mephistopheles), der ihn bereits zum abschuß freigab. das ist die kenntnis, die saturn aus der unterwelt hat und die ihn aufs tapet bringt. von dort aus wird alles falsche aufgerollt. die wahrheit geht mit wallenstein unter und alle leben wieder ihren neptunschwangeren jupiter. bis auf die tochter, die saturn an der hand hält.

es wäre nun wirklich äußerst interessant, wie dies alles in der urfassung gesehen wurde. eine rekonstruktion, so sie wirklich möglich wäre, hätte, gerade weil von den sternen abgesehen wurde, die kernfrage zum ausgangspunkt: hat der mensch einen irdischen herrn oder ist er frei? das war ja auch ein lebensproblem des schiller, dem er sich, im gegensatz zu goethe, gestellt hat.

ich wünsche mir deshalb sehr, die urfassung einmal lesen zu können.
also ob einfach oder nicht, auch wenn nur eine bearbeitung statt des verbrannten originals: bitte mach weiter!

aerolith
19.01.05, 06:54
Hier werde ich über den Stand der Arbeiten berichten.

Gestrige Erkenntnis: Die erste publizierte Form des Lagers hatte 1126 Verse, was auch anders gelesen werden kann 262, Wallensteins Todestag.

Die dato existierende Ur-Fassung besitzt einige entscheidende Schwächen, die Schiller so nicht akzeptieren konnte:




Die dramatische Handlungsaktivität liegt zu sehr auf den Schultern Butlers.
Das astrologsiche Motiv erscheint als Posse.
Der Vater-Sohn-Konflikt zwischen den Piccolominis besitzt akzidentiellen Charakter.
Das Drama bleibt auf die Staatsaktion beschränkt. Wallenstein kann kaum den Herzen nähergekommen sein, also besitzt keine Fallhöhe, aus der der Autor seinen Helden fallen lassen könnte.
Die numerologischen (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=numerologie)Spielereien entarten den Text, schlimmer noch: sie wirken gewollt. Das aber ist der Tod der Kunst (ars), wenn sie gewollt wirkt.


Aus diesen und anderen Gründen entschloß ich mich, im Prolog auf die Verszahl 262 zu verzichten und statt dessen aus der frühesten bekannten Version den Teil zu übernehmen, in dem ein Vater mit seinem Sohn (2. Auftritt im Lager) die Handlung betritt und dem Sohne Arges schwant. Diese Ahndungen fungieren fürs Stück betrachtet expositionell.

Des weiteren muß Octavio mit Questenberg sprechen. Die Handlungen des Piccolomini entstehen sonst wie die Kais aus der Kiste.

Und schließlich muß das astrologische Motiv bedeutsamer werden. Die Bedientenszene bietet sich hier an. Bei dieser habe ich allerdings Bedenken, denn Schiller dürfte erst sehr spät hier seine Auffassung gegenüber der Astrologie geändert haben. Wahrscheilicher ist es, daß das Astrologische im Ur-Wallenstein eine Fratze bleiben muß, also so bleibt, wie ich es jetzt rekonstruierte.

aerolith
20.01.05, 12:10
Vergleicht man die neueste Wallenstein-Ausgabe (Klassiker-Verlag 2000, von F. Stock besorgt) mit den von Schiller autorisierten Abschriften für die Uraufführung 1799 in Weimar - mir liegen hier Kopien aus der Weimarer Bibliothek vor -, so läßt sich feststellen, daß der Herausgeber nicht immer dem handschriftlichen Original folgte und etliche Ungenauigkeiten in der Interpunktion bestehen ließ.

So änderte er das handschriftliche Uhlanen in Ulanen, ließ aber den Vers 64 falsch. Heißt es nun

Sind einheimische, geborne Böhmen ODER

Sind Einheimische, gebor'ne Böhmen

?

Dergleichen Ungenauigkeiten durchziehen den Text. Mal wird Schillers Handschrift "korrigiert", dann wieder beläßt man das Original.

Ich habe mich entschlossen, in den Regieanweisungen quasi Schillers heute zum Teil absonderliche Orthographie beizubehalten, im gesprochenen Text dann allerdings eine nach heutigen Maßstäben korrekte Schreibung zu verwenden. Das beinhaltet allerlei Korrekturarbeit.

aerolith
21.01.05, 19:10
Schiller wollte für seinen Wallenstein die Nemesis (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=nemesis)und Wallenstein aufs Deckblatt. Er spricht in einem Brief von einer Nemesis-Vignette. Kein Mensch weiß heute, was er damit meinte, zumal Schillers Verleger sich nicht an Schillers Vorgabe hielt. Ha ha. Damals wie heute!

Ich vermute nun, daß Schiller eine Vignette des berühmten Dürer (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=duerer)-Bilders meinte, zumal Wallenstein mit Nürnberg (Lebensmittelpunkt Dürers) zu verbinden ist. Dazu paßt dann Wallenstein in Feldherrnpose. Ich dachte mir als drittes Konterfei Schiller selbst. Aber wie auf dem Deckblatt anbringen?

293

aerolith
23.01.05, 23:57
Jetzt haben wir den Mist. Wie soll ich im Ur-Wallenstein eine wirkliche Katastrophe vorbereiten, wenn ich den Vater-Sohn-Konflikt zwischen Octavio und Max außen vor lasse, also den Abend der Unterschrift nicht auswerte? Der fünfte Akt der Piccolomini hat expositionellen Charakter für Wallensteins Tod. Keine Frage, auch peripetische Momente haben dort ihren Platz. Soll ich drauf verzichten und mich aufs Staatsaktionistische beschränken? Die Handschriften von 1800/02 besitzen alle diese Momente. Aber ich muß sie tilgen, sie wurden erst später eingesetzt, lange nach 1798 und entspringen Schillers Bedürfnis, die alten Fehler doch wieder zu tun, einen wichtigen aber zu tilgen. War im Karlos noch das Sprachrohr Schillerscher Ideen vorhanden (Posa), so fehlte diese Figur in der Konzeption des Wallenstein. Max (Kunstfigur) trug diese Züge, aber Schiller wollte da nicht so richtig ran. (Wer macht schon gerne die gleichen Fehler zwei Mal?) Statt dessen eben die Beschränkung auf die Staatsaktion und die Betonung des Philosophiegeschichtlichen, der Nemesis, des shakespearschen Geistes in der Figur des welthistorischen Charakters Waldstein.

Ich denke, je länger ich darüber nachdenke, daß ich die Max-Octavio-Sequenz draußen lasse.
Es bleibt aber das Problem bestehen, ob der Brief (Buttler) hier alleiniges peripetisches Moment bleibt.

Kleines Nebenergebnis der Forschungen: Buttler wird auch in den frühen Schriften bereits mit Doppel-T geschrieben, zumeist jedenfalls. Ich ändere also hier meine ursprüngliche Auffassung und schreibe ihn fortan mit Doppel-T.

aerolith
31.01.05, 17:30
Sollte ein Anhang erstellt werden, in dem erläutert wird, in dem Wörter wie "Kolletter" (Vorspiel, Vers 134) erklärt werden?
Schwierig gestaltet sich das Setzen des Textes. Da die Angabe der Versnummer nicht umgehbar ist, stellen sich hier zwei Unterfragen:



Soll die Größe auf zwei Dritteil der Schriftgröße reduziert werden?
Soll bei der in der Spalte korrespondierenden Seitenzahl eine andere Schriftart benutzt werden?


Ich habe mich jetzt allerdings dazu durchringen müssen, den Text in Tabellen zu setzen, da sonst korrekte Abstände nicht einzuhalten sind. Aber keine Bange: Im Druck wird man die Tabellenlinien nicht sehen. Allerdings bedeutet das einen großen Aufwand, den Text hier Seite für Seite einzusetzen. Die Versnummer mu? außen stehen, also muß das auf jeder Seite neu formatiert werden.

aerolith
31.01.05, 21:33
Wie soll ich das interpunktieren:


Recht! Über der Be#chreibung da, vergeß ich

Den ganzen Krieg –

oder

Recht! Über der Be#chreibung da verge##e ich

Den ganzen Krieg –

oder

Recht! Über der Be#chreibung, da vergeß ich

Den ganzen Krieg –

aerolith
31.01.05, 21:58
Das Deckblatt sollte ursprünglich ein Stich von Clemens Kohl (Wien) zieren. Aber Kohl war Schiller/Cotta dann offensichtlich zu teuer - oder Kohl lieferte nicht. Auch das werde ich rekonstruieren.


Vorgeschmack? Ein Stich Kohls:


http://www.vonwolkenstein.de/images/kohlimschlosz.jpg

aerolith
09.02.05, 13:54
Habe noch einmal von vorn begonnen. Jetzt benutze ich drei Spalten. (bisher zwei) Eine Spalte für die Versnummer, eine für die Figur und eine für den eigentlichen Sprech- und Regieanweisungstext. Dadurch spare ich zwanzig Prozent Platz und gewährleiste, daß die Halb- und Dritteilverse leserlicher sind.


Das hätte ich mir auch früher überlegen können. :wasgeht?:

aerolith
14.02.05, 00:18
Die eigene Rekonstruktionstätigkeit stößt in einer Frage an ihre Grenzen: Eines ist nicht zu rekonstruieren: die Sprache des Ur-Wallenstein. Schiller schrieb der Ur-Wallenstein in Prosa und erst nach 1798 in Jamben um. Allerdings ist das zu vernachlässigen, weil es in dieser Rekonstruktion vornehmlich um konstruktionstechnische Fragen geht, nicht um sprachliche.Sicherlich könnte ich mich darum bemühen, aus Jamben Prosa zu zaubern, aber in puncto Authentizität wäre das waghalsig.

aerolith
14.02.05, 20:20
weitere setztechnische Überlegungen:


In Cottas Erstausgabe wurde persona dramatis kopfan gesetzt. Cotta folgte da dem Handschriftlichen von Schillers Abschreibern. Schiller selbst, wenn er denn schrieb (und nicht diktierte), schrieb kreuz und quer, meist mit einem ziemlich breiten Korrekturrand rechts, manchmal aber auch bis an den Rand des Bogens.
Das Kopfgesetze hat viel für sich, kostet aber mindestens zwanzig Seiten, also einen Haufen Geld. Wenn ich die persona dramatis allerdings vornan stelle, so ergibt sich eine konzertiertere Beziehung des Lesers zum Text, denn dieses Vornanstellen strukturiert den Text besser. Und ich spare mindestens zwanzig Seiten.

aerolith
15.02.05, 17:22
POTZ WETTER! sagt der Wachtmeister im Prolog und hämmert mit diesen Worten, die ganz am Ende eines nun überhaupt nicht fünffüßigen Jambus stehen, die Seitenbreite auf 15,1 cm. Ich könnte den Vers natürlich auch brechen, die Schriftgröße verringern oder zur kopffüßigen Darstellung übergehen. Will ich das? Nein. Was soll der Geiz! Also 15,1 cm nun. Ich hoffe, mir begegnet nicht noch ein weiterer Monstervers.


Der ganze Vers lautet:

Warum #chmei?en #ie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!

Paul
15.02.05, 17:44
potz is nicht.
verkant und immerhin ein schwäbischer freigeist odawas?
schon schön.
schon schlimm.
seien wir auf behuf und nüsternd.

potztausendsassa und
vehement:

gehotzt,
wer hier nicht an räuber denkt!

aerolith
15.02.05, 18:21
Vielleicht hatte Schiller doch mehr von einem Barockdichter, als man allenthalben glauben will! Sein Einsatz dieses Alexandriners könnte jedenfalls dafür sprechen. Ich glaube hier nicht an Zufälle.

ala
17.02.05, 01:00
zufälle gibts nicht. das ist genau der punkt am schiller und ich hätts nicht benennen können: das barocke.
jelinek hat sich in einem beiheft zu literaturen mit schillers wortmacht auseinandergesetzt, der sie schweigen urteilte. aber das stimmt nicht, diese wortmacht ist, egal welcher zeit genosse man ist, die alles in allem berücksichtigende barocke, weil krankheit und tod, selbst grenzen, keine anderen grenzen anerkennen und so über allen inneren reichtum borden.

aerolith
17.02.05, 20:45
Das Lager und der erste Akt sind gesetzt. 871 in der rekonstruierten Ur-Fassung statt wie in der allseits bekannten Buchfassung 1713 Verse. - Man kann das nicht so einfach vergleichen, weil die Exposition von Schiller weit in den vierten Akt der Piccolomini hinausgeschoben wurde, aber ungefähr wird deutlich, wie sich das Verhältnis entwickelt.

aerolith
20.02.05, 19:57
Nach langem Hin und Her habe ich die Klimax auf 315 Verse reduziert. Allerdings trägt diese wallensteinsche Klimas eindeutig expositionelle Grundzüge. Aber das hatte Schiller selbst schon an Goethe geschrieben.

aerolith
24.02.05, 08:45
Gestern stand in der WELT ein Interview mit dem berühmten Regisseur Peter Stein, der im Herbst im Rittersaal von Ulrichshusen (Mecklenburg) den ganzen Wallenstein vorlesen möchte. Stein behauptet in dem genannten Interview:
erstellt von Peter Stein in WELT (23.2.2005, S. 28): Den Nemesis-Gedanken hat Schiller forciert, weil er aus dramentheoretischen Gründen nach Elementen suchte, die dieses Stück, das ihm immer in Gefahr schien, ins sozusagen Volkshochschulhafte abzugleiten, zu einer "richtigen" Tragödie machen konnten. Daher das Insistieren auf dem schicksalhaften Einfluß der Sterne usw. All das ist für uns heute weniger entscheidend.

Selbstredend hatte Schiller eher weniger Angst, daß sein Wallenstein ins Volkshochschulhafte abgleiten könnte. Barocke Staatsaktion kann das wohl kaum. Eher das Gegenteil ist hier der Fall. Volkstümlicher Aberglauben erst bringt Wallenstein dem Herzen näher. Das ist ein Aspekt des Einrückens des Superstitiösen. Aber meine Antwort an die Welt sah dann doch anders aus:


Verehrte Damen! Geehrte Herren!

DIE WELT vom 23.2.2005, S. 28:

Herr Stein irrt, wenn er Schiller eines langwierigen Zusammenhangs zwischen dem Nemesis-Gedanken und dem schicksalshaften Einfluß der Sterne zeiht. Ich habe vielmehr bei meiner Rekonstruktion des Ur-Wallenstein feststellen dürfen - das diesbezüglich fertige Buch soll noch in diesem Jahr erscheinen -, daß Schiller die Astrologie als Fratze betrachtete und sie als solche auch eher als ironisierendes Stilmittel einsetzte. In dem 1796 fertiggestellten Ur-Wallenstein hat sie jedenfalls keine motivische Bedeutung.

Es mutet beinahe schon possierlich an, wenn kurz vor dem Ende im Ur-Wallenstein dessen Astrologe Seni erscheint und ahnungslos in bezug auf die bereits so gut wie vollzogene dramatische Lösung des Knotens mitteilt, daß Gefahr im Verzuge. Schiller muß in der bekannten Affinität seines Titelhelden zum Superstitiösen (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=aberglaube)beinahe einen diebischen Spaß verspürt haben, diesen HIER, als alle Messen gesungen, mit einer solchen Nachricht auftreten zu lassen.
Erst durch Goethes Anmerkung hinsichtlich der eigentlichen Bedeutung der Astrologie hat der Dichter wohl umgedacht und die Fratze in ein Motiv verwandelt. Goethe gab in einem Brief vom 8.Dezember 1798 zu bedenken, daß Orakelglauben oder astrologisches Spintisieren dem tiefen und dunklen Gefühl eines ungeheuren Weltganzen entstamme und somit zu allen Zeiten zum Bestand menschlichen Sehnens und Suchens gehöre. In der Wallenstein-Trilogie verstärkt Schiller den Aspekt des zu spät handelnden Titelhelden durch die Fratze der Astrologie. Dieser Aspekt und die Befasse mit Sophokles' Trachinierinnen und Philoktet ließen Schiller hier umdenken, so daß er die in der Ur-Fassung kaum erkennbare Motivik der Astrologie späterhin stärker funktionalisierte und zu einem tragenden Motiv machte, das Schillers Gedanken der schicksalshaften Verschränkung zwischen eigener Überhöhung und historischem Zwang dunkel-tief erlebbar machen wird.

Diese Aspekte sind allerdings erst nach Goethes Brief in den Text eingeflossen und waren lange Zeit kein Schiller beschäftigendes Thema, auch nicht in einem dramentheoretischen Grund, wie Stein in Ihrem Interview vom 23.2.2005 behauptet.

Gruß, Robert Knorr.

aerolith
24.02.05, 09:42
Habe mich entschieden, die Seitenzahlen nicht in eine Spalte mit der Versnummer zu stellen, sondern mittig am Seitenende, auch um 2 pt größer als eben die Versnummer.

aerolith
25.02.05, 10:07
Die Peripetie ist gesetzt, 1454 Verse sind es jetzt insgesamt.

aerolith
06.03.05, 19:56
Zufall? Der vierte Akt ist nach meiner Rekonstruktion genau 500 Verse lang. Bin jetzt bei 1954 Versen.

aerolith
14.03.05, 15:46
Text fertig gesetzt, 2419 Verse sind es geworden.Jetzt geht es ans Nachwort, dann die Nachkontrolle, dann an die Gestaltung des Covers. Einige Vorschläge sind dazu schon gemacht. Gut.

aerolith
19.03.05, 13:56
Nachwort fertig geschrieben. 2976 Wörter. Reicht.


Probleme bei der Endkorrektur. Schiller oder einer seiner abschreibenden Diener setzt bei Vergleichen das Komma, wo nach Duden-Regel 422 keines hinkömmt. Ich tilge diese Kommas. Außerdem neigt Schiller dazu, den Dativ einfach abzuschneiden

DEM BAUER statt dem Bauern

Mir ist auch schleierhaft, wann Imperative, wann Aussagen formal angezeigt werden müssen. Ich habe es einfach immer auch einen Imperativ sein lassen, wenn das Wort so gebeugt wurde, also haufenweise Ausrufezeichen gesetzt.
Allein im Vorspiel mußte ich so 18 orthographische Änderungen gegenüber der Handschrift vornehmen.
Uhlanen behielt ich bei, setzte hier aber eine erklärende Fußnote.

Ich befürchte, daß immer noch Fehler im Vorspiel sind. Aber irgendwann ist gut.

aerolith
19.03.05, 14:33
Als Seine Maje#t?t
Der Kai#er ihren mutigen Armeen
Ein ruhmgekröntes, kriegserfahrnes Haupt
Ge#chenkt in der Per#on des Herzogs Friedland,
Ge#chah's in froher Zuver#icht, das Glück
Des Krieges #chnell und gün#tig umzuwenden.



Was soll ich denn von diesem Konstrukt denken? Als Seine Majestät - ist klar, Seine großgeschrieben ist der majestatis pluralis. Aber worauf bezieht sich IHREN ARMEEN kleingeschrieben? Muß es nicht heißen Seinen Armeen oder Ihren Armeen, dann auf Wallenstein/Gesprächspartner gemünzt? Und wenn ihren auf den Kaiser gemünzt sein soll, dann ist da auch eine grammatikalische Schieflage, Anrede und dann erst die eigentliche Zuweisung durch IHRE? Quatsch. Ich gebe zu, daß ich hier nicht weiter weiß? Weiß jemand weiter?

aerolith
22.03.05, 10:12
Ich will ja nicht die eigene Lektoratsleistung bemäkeln, aber aber...


Nach der ersten Endkontrolle fanden sich

Vorspiel: 18 Fehler
Akt I: 35 Fehler
Akt II: 31 Fehler
Akt III: 24 Fehler
Akt IV: 37 Fehler
Akt V: bin noch dabei

Vergaß ich zu erwähnen, daß ich das Nachwort völlig umkrempelte?

Das bedeutet, daß meine These: "Kein Buch ist fehlerfrei!" höchstwahrscheinlich auch auf meinen Ur-Wallenstein zutrifft. Sollte ich es noch einmal endkorrigieren - und dann noch einmal endkorrigieren?

aerolith
22.03.05, 20:16
erledigt


141 Seiten sind es geworden

im V. Akt fanden sich noch einmal 53 (!) Fehler :traurig:

jetzt warte ich auf das okay des fachwissenschaftlers, dann wird gedruckt

vorbestellungen können bei sandra@vonwolkenstein.de abgegeben werden. für wolkensteiner gibt es das buch für 30 euronen, inclusive versand; im handel wird es 39 euronen kosten

ich glaube, ich bin heute ziemlich stolz :gurke:

aerolith
03.03.06, 19:09
schiller auf einem esel

http://www.vonwolkenstein.de/images/Schillermitrotemhut.jpg

aerolith
22.12.07, 15:09
2007 brachte drei Aufnahmen Wallensteins an großen deutschen Bühnen: Leipzig, Berlin und Wien. Nirgendwo wurde sein Charakter in den Mittelpunkt gestellt. Die entscheidenden Aspekte spielten Modernismen oder politische Gegenwartsbezüge. Man ergötzte sich an greller Kleidung, schnoddrig vorgebrachter Klassikdepravation oder technischen Details eines meist karg gehaltenen Bühnenbilds.
Etikettenschwindel.
Schillers größte tragische Figur hat das nicht verdient. Deutschlands wohl bekanntester Feldherr (neben Hindenburg und Rommel) auch nicht. Daß Wallenstein in seinem Zaudern deutsche Größe und Tragik aufs entschiedenste verkörpert, dieses Lauern im Sichzeigen, dieses Spiele mit Möglichkeiten, um es dann doch nicht zu tun und zu passivieren, dieses Kokettieren mit der Macht, um dann doch in kleinbürgerlicher Selbstbeschauung enden zu wollen... Das kennzeichnet Schillers Wallenstein. Ob es dem historischen gerecht wird, mag dahingestellt sein. Doch wer "Wallenstein" aufführt, der hat sich an Schillers Intentionen zu halten, ohne die sein Stück zerstört wird. Dann, bitte schön, möge man doch einen neuen "Wallenstein" konzipieren und dem Volke zeigen.

aerolith
18.12.10, 15:20
theo modes schrieb 1930 in leipzig eine dissertation zum thema. habe sie mir besorgt und werde sie prüfen.

aerolith
29.05.17, 22:05
Habe den verloren geglaubten zweiten Ordner zum Wallenstein (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=schiller#wallenstein)gefunden und heute eingefügt. Freue mich sehrlichst! Itzo ist das hier vollständig. Werde eine zweite Auflage des Buches in diesem Jahr veranlassen. Ein erfolgreiches Projekt!

aerolith
10.09.17, 13:33
Gedanken zu einem Vortrag von Stephan Jaeger, Winnipeg, gehalten bei einem Colloquium in Leipzig 2015.

Jaeger behauptete, Schillers "Wallenstein" stünde nicht in der Zeit, wohl aber sein historisches Vorbild, der Mensch Wallenstein. Dieses Paradox führe dazu, daß man den Text als ein Kunstprodukt auffassen müsse, um Schillers Intentionen zu erfassen. Schiller konfrontiere seine Helden mit ihrer Zeitlichkeit, zugleich aber handelten seine Figuren als historische Gestalten. Dieses paradoxe Herangehen führe u.a. dazu, daß die drei Teile unterschiedliche Tempi besäßen. Der Epiker in Schiller neige dazu, das Vergangene lang und breit wiederzugeben. Der Dramatiker dagegen strecke diese Angaben gern zugunsten sich zuspitzender Handlung. Er bevorzuge die (Erzähl)-Gegenwart. Wallenstein stünde somit zwischen Hamlet (der ewige Zauderer) und Godot (das Warten der Lebendigen auf den Tod). Das entspräche der zu konstatierenden Krise des Theaters um 1800, die durch zaudernde, wartende Helden gekennzeichnet sei, die den epischen Raum zerdehnen und ein unsichtbares Theater erzeugen, wie es u.a. in Goethes Vorwurf an Kleist offenbar wurde, der eben dessen Schaffung des unsichtbaren Theaters kritisierte. Das Nichthandeln - was ist das?: das Zaudern, das Zögern, das Aussitzen - muß demnach ein Handlungsmuster des nachklassischen Theaters sein, könnte man schlußfolgern.
Aber weiter im Text des Vortrages von Herrn Jaeger: Das Zaudern Wallensteins erklärt der Vortragende als eine Folge der Fokussierung seines Umfeldes auf eben den Generallisimus, als einen Funktuationspunkt der vielfältigen individuellen, aber keineswegs nationalen Interessen der aushämischen Unterfeldherren Terzky, Gordon oder Piccolomini. Wallenstein habe darauf gebaut, als er sich mehr und mehr in dem Gedanken der Rebellion gefiel, will heißen, als er sich selber zum König, vielleicht sogar zum Kaiser zu machen dünkt. Das sei ein kurzsichtiger Plan gewesen, dessen factum est das Warten, gespeist von der Erwartung, d.i. das providere, das Sehen eines Künftigen vor dem geistigen Auge.
Gut.
Der Schriftsteller habe keine Freude an einem Erwarter, es sei denn, dieser würde aktiv. Er eigne sich die Geschichte episch an, denn Geschichte könne nur als Geschichtetes, als Sichüberlagerndes zu begreifen sein. Diese Zusammenhänge in einen dramatischen Text zu binden, das mußte Schillers Interesse wecken. Der Dramatiker stellt Handlung vors geistige Auge, das dann weiterdenkt, weiter jedenfalls als es jede historische Darstellung vermag.

Der Titelheld binde seine Soldaten, wie ausführlich in "Wallensteins Lager" dargelegt, durch gegenseitige Vorteile an sich, was keine labile Situation sei, solange Wallenstein lebe.