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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arianismus und die Kirchenväter Hieronymos und Augustin



aerolith
16.05.15, 12:03
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Das war mir ein ganzer Kerl, der heilige Georg von Kappadokien, und wer den zum Muster der Rechtschaffenheit nimmt, der wird gut damit fahren. Ich kenne seine Geschichte recht gut und will sie euch, zu eurer Erbauung, mit kurzen Worten erzählen.
Georgios war der Sohn sehr armer großgriechischer Leute und in einer elenden Hütte Siziliens geboren. Er fühlte früh seine Gaben und öffnete sich durch Schmeichelei und Niederträchtigkeit und Kuppelei die Häuser der Großen und Reichen. Das brachte ihn weiter: Er erhielt einen Auftrag und sollte die Armee des byzantinischen Kaisers ausrüsten. Georgios stahl und betrog auf eine so große Art, daß er bald flüchtig werden mußte, um nicht gehenkt zu werden. Er brauchte Unterstützung und schlug sich auf die Seite der Arianer, wobei er sich als offener Kopf bald zum Meister der damals verworrenen Theologie machte. Mal Athanasius und seine Wesensgleichheit, dann Arius mit der Differenzierung zwischen Gott als Vater und Jesus als Sohn.
Um diese Zeit vertrieb der arianische Kaiser Konstantin den gut katholischen und heiligen Athanasius vom bischöflichen Sitze Alexandriens, und der Kappadokier Georgios ward auf einer arianischen Synode auf den bischöflichen Stuhl gesetzt. Hier saß er nun, der Georg, war in seinem Element, schwelgte und ließ es sich gut sein. Da er aber durch Ungerechtigkeit und Grausamkeit die Gemüter seiner Untergebenen zur Verzweiflung trieb, schlugen sie ihn endlich tot und führten seine Leiche auf einem Kamel im Triumph durch die Straßen Alexandriens. Seht, so ward er ein Märtyrer, euer und Engellands Schutzheiliger. (Maximilian Klinger: Doktor Fausts Höllenfahrt. St. Petersburg 1791. S. 114.)


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Der Ägypter Arius (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=arius)war der Kirchenvater für die Germanen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=germanen), überwunden durch die Lateiner Hieronymos (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=hieronymos)und Augustin (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=augustin).
Hieronymos (345-420) schenkte uns die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=bibel). Er legte die Bibel aus, darin liegen seine Leistung und sein Vergehen, denn er interpretierte in seiner für Jahrhunderte maßgeblichen Übersetzung vieles vom Ursprungstext der Bibel so, daß es vornehmlich Priestern resp. der offiziellen Kirche (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=kirche)zugute kam. Es ist ein großer Unterschied, ob man einen Text so übersetzt, wie er dasteht oder so, wie es jemand anderem mit Leseerwartungen gefällt; wer auch immer für einen Auftraggeber schreibt, schreibt tendenziös. In Hieronymus verbanden sich pflichtbewußtes Priestertum und der freisinnige Forscherdrang des Wissenschaftlers. Er behauptete den Frohsinn des Klosterlebens gegenüber den Versuchungen der Welt; damit stärkte er die Weltabkehr des Mönchtums, das sich fortan vermehrt in Klöstern organisierte, statt sein dato praktisches Wirken in der Welt zu pflegen.

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Augustin (-430) schuf die christliche Weltanschauung (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=weltanschauung)und arbeitete ein, was er an Überlieferungen fand. Sein Weltbild bestimmte für Jahrhunderte die Werte der Christen. Die schlechte Welt wird sterben, also entwarf der aus dem Manichäismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=manichaeismus) zum Christentum (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=christentum) konvertierte Augustin ein Programm für die Zukunft, bestimmte die Kirchenhierarchie als bindend für alle Gläubigen, lehrte, daß Jesus Glauben und Gnade (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=gnade)unter die Menschen gebracht habe und beides zusammengehöre. Zudem nahm er die Ergebnisse des dreihundertjährigen Kampfes zwischen der metaphysischen Wahrnehmung der Erscheinung Jesu (als einem aus dem Heilsgeschehen herausgelösten Gesandten Gottes) und der gegenläufigen einer Einbettung im Heilsprozeß (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=heil)auf. Altes und Neues Testament bilden demnach eine Einheit. Moses (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=moses)und die alttestamentarischen (jüdischen) Propheten verlieren zwar ihren Selbstwert, aber ihre Offenbarungen (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=offenbarung)behalten den Charakter derselben, werden also mit Bezug zum Christentum gedeutet, d.i. ein Erbübergang vom Juden- zum Christentum als dem Volk Israel (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=israel)(z.dt. Gott kämpft!). Damit werden einerseits Traditionen behauptet, andererseits aber ekstatische Reform- und Ablösungsbewegungen vom Judentum (Manichäer, Gnossis, Marcion, Montanismus) abgelehnt. Die Annahme des Alten Testaments (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=testament) bettete das Christentum endgültig in ein Heilsgeschehen ein, das Synkretismus (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=synkretismus)unmöglich machte, denn die Wesensgleichheit Jesus‘ mit Gott (ὁμοούσιος) enthebt Jesus der Emanation (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=emanation); daß er zudem Gott und Mensch zugleich ist, macht ihn einzigartig im Heilsgeschehen. Ein Alleinstellungsmerkmal im Kampf der Religionen!
Augustin setzte sich mit drei Jahrhunderten christlicher Theologie auseinander und schuf ein Kompedium, in dem v.a. kirchliche Aspekte formuliert wurden: Er lehrte die Notwendigkeit der Askese und forderte die Abwendung von den Genüssen und Lastern der Welt. Aber er lehrte auch, daß jeder Mensch (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=mensch)seinen Weg finden müsse, also auch Irrwege einschlüge.


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Augustins Konfessionen und seine civita Dei sind für das Abendland (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=abendland)die große Lösung der Frage geworden: was vor dem Gewissen der Gläubigen die Kirche sei und was die Kirche in der irdischen Welt bedeute. (Freyer II, S. 647)

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Die Kirche hülfe bei der Korrektur, so Augustin, womit er ihr ein großes Aufgabengebiet gab. Er gab der Machtinstitution eine soziale Aufgabe, eine Autorität, die erst errungen werden mußte. Zudem legte er den Keim zur Insubordination, zur Freiheit (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=freiheit), denn er billigte jedem Gläubigen das Recht zu, sich zu irren, sich auf dem Wege zu befinden. Das war ein völlig neuer Ansatz, Kirche zu bestimmen. Augustin setzte die Willensfreiheit an den Anfang der Subordination (ganz anders hier der Augustiner Luther (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=luther)!) und bestimmte, daß der Mensch von Natur aus böse und renitent sei und durch das einzige Mittel „Kirche“ (d.i. der Leib Christi) gesellschaftsfähig gemacht werden könne. Damit verbunden ist ein Paradigmenwechsel im Staatsbegriff der Christen, denn der Staat (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=staat)ist nicht länger ein bloßes Werkzeug des Teufels, sondern dazu bestimmt, Gottes Ordnung (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=ordnung)der menschlichen Gemeinschaft zu schaffen. Staat und Kirche sollen die Gewalten sein, die einträchtig miteinander an der Bestimmung des Menschen arbeiten. Das wirkte lang, bis zu Hegel (http://www.vonwolkenstein.de/Datenbank/doku.php?id=hegel).


Aufgabe: Fasse die Auslegungsintentionen Hieronymos' und Augustins unter vergleichenden Gesichtspunkten zusammen! (II)

http://vg06.met.vgwort.de/na/109a4f2219f448af901b9bec9e5a4b7d