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Howah
14.05.00, 13:16
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Ideen als solche sind neutral - oder sollten es zumindest sein. Aber der Mensch haucht ihnen seinen Atem ein, entfacht sie mit seiner Glut und seinem Wahn; unrein, in Glaubenssätze verwandelt, schalten sie sich nun in die Zeit ein, werden Ereignis: der Schritt von der Logik zur Epilepsie ist getan ... Es entstehen Ideologien, Doktrinen, blutiges Possenspiel.
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I.

Die Sonne hat aufgehört, frühlingshaft zu wärmen. Wie hilflos seine große, starke Hand auf den vergilbten Blättern liegt. Schweißtropfen auf seiner blassen Stirn wie Tränen; kraftlos weich der Mund; verhangen die Augen, geblendet, die Sonnenbrille hat er im Auto vergessen. Am Sonntag sei er abgestürzt. Vor vier Tagen. Er habe ihn nicht auslassen wollen, wollte mit ihm sonntäglich Weißwürste essen, da könne man nichts machen. Der Bergkamerad.

Sie aßen, Weißwürste der eine, der andere Regensburger.
"Trink doch auch einen Schluck; ein Schluck kann doch nicht schaden". Der smarte Ministeriale genoss seinen Gast. Der war, hatte er erst das zweite Bier in sich, unterhaltsam, witzig, klug. Irgendwie einmalig, so kreativ. Manche seiner Sprüche musste man sich merken, um sie bei passender Gelegenheit zum Besten zu geben, in Berlin.
Der Bergkamerad hatte die Zeit zwischen den Flügen gut angelegt, die Kosten der Einladung gingen auf Spesen. Satt, amüsiert, ein wenig beschwipst und zufrieden ließ er ein Taxi kommen..

Er blieb, wechselte an den Stammtisch. Sie freuten sich alle, daß er die alkoholfreie Zeit beendet hatte. Nur er konnte ihr dumpfes, mühseliges Besäufnis zu einem lustigen Ereignis machen, mit seinen Geschichten, seinen Einfällen, Kunststücken und Scherzen. Er war etwas, was sonst in ihrer Welt nicht vorkam. Er bot beste Unterhaltung life, besser als Fernsehen, auch wenn man nicht alles verstand; ein intellektueller Spinner halt, aber ein Säufer wie du und ich. Sie spendierten ihm noch ein Bier und noch eines, applaudierten; verabschiedeten sich dann mit einem kameradschaftlichen Schlag auf seine Schulter.

Wut steigt in mir auf, vom Magen mit einem Ruck in die Kehle, würgt dort; das ist wie diese Übelkeit, wenn sie einem das Gift in die Venen pumpen. Er hebt das Glas an die Lippen, Campari-Soda; er werde jetzt sein Auto aus der Werkstatt holen, und morgen sei alles vorbei. Kein Tropfen mehr. Morgen. Nur heute müsse er den Freund treffen, der brauche ihn, er müsse ihm zur Seite stehen.

Der Cappuccino steigt bitter aus meinem Magen hoch, zusammen mit einem heißen Klumpen Mitleid. Aber Mitleid ist unerwünscht, unangemessen, kann nichts ändern. Ein fader weißer Schaum auf einer dunklen Brühe.


II.

Dann sitzen sie wie immer, trinken, sehen sich an, mundfaul: "Na, Alter..."
Sie haben sich nicht, wie pubertäre Knaben, eine Wunde in die Arme geritzt und sich gegenseitig ein paar Tropfen Blut abgenuckelt und geschluckt. Sie sind keine Blutsbrüder, sie sind Brüder im Alkohol und Leiden. Sie wickeln ihren Weltschmerz wie lange Nudeln auf die Gabel, die sich sich gegenseitig in den Mund stopfen, kauen und kauen und kauen, schlucken endlich. Und trinken. Sehen sich an, "na, Alterchen..."

Nein, Blut floss nie. Nicht einmal, als der lange Hagere mit den tiefen Gesichtsfalten mit dem Messer in der Hand im Clo stand. Mechthild ließ sich von dem Szenario nicht rühren und schon gar nicht dazu bewegen, ihren Entschluss rückgängig zu machen. Der Selbstmord wurde trotzdem nicht durchgeführt, nicht einmal richtig versucht. Aber der Bärtige, tief erschüttert, nahm sich eine neue Frau.

Später fand auch der mit dem Messer eine Ersatzfrau, eine, die zuvor vom Freund beschlafen worden war. Jutta; ihm war, als habe er sich dem Bruder vermählt.

Jetzt sind beide Ehemänner, trinken, schweigen, genießen ihr doppeltes Leid. Sehen sich an, verstehen einander und trinken. Männerfreundschaft. Alkoholbrüder. Leidensbrüder. Sie müssen nicht reden. Sie haben sich schon lange nichts mehr zu sagen, "na, Alter", das genügt.

Sie schreiben schon lange nichts mehr, aber nennen sich immer noch Dichter. Der lange Hagere verschenkt Kopien seines Drehbuchs, der mit dem Bart schreibt unleserliche Verse auf Papierservietten, die er dann zusammenknüllt. Sie nennen sich Bergsteiger, bleiben aber den leuchtenden Gipfeln fern im dunklen Tal.

Der Faltige kündigt telefonisch an, aus dem Fenster zu springen, sich die Pulsadern aufzuschneiden, sich mit Tabletten einzuschläfern. Der Bärtige fährt mit dem Fahrrad durch die Straßen, von Kneipe zu Kneipe, und sucht ihn. Der sonst kein Leid versteht, kein Mitleiden kennt, das Leid des Bruders ist sein Leid. Aber wirklich nur das; das ist auch genug.

Er, ein immer noch gut aussehender, kräftiger Mann, er mit seiner lockenden, verführerischen Stimme, die Frauen erregt, findet Helferinnen, Pflegerinnen, Trösterinnen zuhauf. Biggi versuchte, ihn trocken zu legen, indem sie entschlossen jedes vor ihm stehende Glas leer trank, bis er sie zuletzt nach Hause tragen mußte. Annette, die Medizinstudentin stopfte ihn mit Valium voll, versuchte ihn damit ruhig und fest zu halten in ihrer kleinen Dachwohnung. Einer anderen, mit der er nach fünfzehn Jahren in der Kaschemme saß, sagte er, er habe nur herausfinden wollen, wie sie sich verhält, wenn er besoffen war. Ein merkwürdiger Verhaltenstest, fand sie. Sie verhielt sich duldsam wie immer, trank ihm nicht seine Gläser aus, fütterte ihn nicht mit Beruhigungsmitteln. Sie wunderte sich nicht, dass er alle Besäufnisse neben ihr vergessen hatte, auch nicht, daß er sie nicht mehr erkannte.

Alle Frauen sind gleich. Alle Frauen sind schlecht. Frauen sind nicht leidensfähig. Frauen verstehen Männerfreundschaften nicht. Keine, auch wenn er sie noch so gern im Bett hat, kann ihm den faltigen Freund am Tisch in der Kneipe ersetzen. Nur mit ihm, dem immer unglücklichen, leidenden Bruder kann er wirklich den kleinen Tod sterben, die heilige Wandlung feiern, eine wundersame, alkoholsatte Eucharistie.

Männerfreundschaft.

aerolith
14.05.00, 21:24
Ende?
Die Sätze gleichen Peitschenhieben. Stakkato. Da wird nichts im Rhythmus gebrochen; das macht nur Sinn, wenn die Geschichte hier endet, denn sehr viel länger könnte ich diesem Rhythmus nicht folgen. Ich bräuchte dann Brüche. Hast du versucht, anfangs. Da steht die Perspektive im Vordergrund. Aber die Kursivsprache ist der unterbrochenen ähnlich, sehr ähnlich. Ich frage dich jetzt nicht, warum du diesen nüchternen Stil gewählt hast. Offensichtlich scheint mir hier eine Verdinglichung vorzuliegen. Du hältst die Geschichte fest, indem du sie so fest in einen Rhythmus preßt.

Von wem ist das Zitat?

Männerfreundschaft?

Zum Inhalt habe ich jetzt noch gar nichts gesagt. Da muss ich noch darüber nachdenken.

it
16.05.00, 11:05
Auch ich verstehe, ähnlich wie Robert, den Sinn der typographischen Unterschiede nicht.
Erster und zweiter Teil unterscheiden sich dagegen sehr. (Im ersten Teil wird ein Ich-Erzähler eingeführt, Konjunktive geben Dialoge (?) wieder). Dann der sehr deutliche Perspektiv- und Tempowechsel im zweiten Teil.
Der erste Teil gefällt mir besser, er ist behutsamer geschrieben, bezieht das gesellschaftliche Umfeld mit ein (einer kann doch nicht schaden..), sieht Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln. Mit den Rechtfertigungen und Entschuldigungen (Morgen sei alles vorbei, aber der Freund brauche ihn, und das sonntägliche Weisswurstessen) - da habe ich das Gefühl, dass Du nah dran bist, den Sprung in den Kopf des Protagonisten schaffst, sozusagen.
Leider verlierst Du das im zweiten Teil.
Ich kann es nicht genau fassen, aber irgendwo schleicht sich für mich ein verletzter, beleidigter Ton ein, der sich nicht zu erkennen gibt und gleichzeitig Objektivität vorgaukelt.
Du fängst an zu urteilen, und zwar von oben weg:
"Sie haben sich nicht, wie pubertäre Knaben, eine Wunde in die Arme geritzt und sich gegenseitig ein paar Tropfen Blut abgenuckelt ..."
Pubertäre Knaben bringen bei sowas grossen Ernst und Glauben auf: die Angst vor dem Messer, dem bewusst zugefügten Schmerz, die Wahl der Waffe, das Blut, dass nicht fliesst, weil man nicht fest genug zugestochen hat, das vorwurfsvolle Gesicht dessen, der sich bereits geschnitten hat, während der Andere zögert...
Natürlich wolltest Du darauf nicht hinaus, und es würde den Rahmen Deiner Geschichte sprengen, aber all das mit dem Wort: "abgenuckelt" abzutun - das ist für mich symptomatisch für Deinen zweiten Teil.
Du gehst über zu viel zu schnell hinweg. Dann eine schnelle Aneinanderreihung von "Highlights", und dann der abschliessende Satz: Männerfreundschaft. Da ist das Urteil vollstreckt.
Schade drum... meint: it

aerolith
16.05.00, 18:02
Hallo Howah! Du wirfst ein großes Thema auf.
I. Ich möchte zwei Gedanken in die Diskussion einstreuen:

Aus welcher/n Perspektive/n wird geschrieben?
Welche Bedeutung hat das Zitat und die darin aufgeworfenen Sinntr?ger? Bilden sie einen Sinnzusammenhang, stehen abseits, initiieren sie das Getexte?


II. Antwort auf Diskussionsbeiträge:

Die Sprache ist sorgfältig gewählt, nichts ist überhastet oder schematisch. Nein, doch kein Stakkato, eher vivace molto.
Wo ist der beleidigte Ton? Sagt sich der nur mit? Die Täuschung wartet nicht, sie gibt ihrem Wesen nach, dieses ist die Enttäuschung.

Aber es sind die vielen Kleinigkeiten, die nur genannt, nicht aber beschrieben sind, bei denen schon gar nicht verweilt wird, die dem Text eine Geschwindigkeit geben, die it mit "zu schnell hinweg" charakterisiert. Dem würde ich bedingt zustimmen, aber hastig ist der Text nicht.

Howah
16.05.00, 22:14
Wenn ich Sätze wie Peitschenhiebe schreibe, Robert, dann knallt's richtig. Würde ich mich im Forum gar nicht trauen. Molto vivace kann ich voll akzeptieren, und ein bisschen treibend. Hältst Du Orff aus?.

Der typographische Unterschied in Teil 1: ja, richtig, könnte man auch weglassen. Ich wollte die beiden Absätze absetzen, weil sie nicht vom Protagonisten erzählt werden, sondern nur angedeutet, sich aber erfahrungsgemäß und in meinem Kopf genau so abgespielt haben. Die Ich-Erzählerin kennt alle beteiligten Personen, z.B. den Ministerialen, der den Bärtigen vollaufen lässt und sich dann davon macht. Ich kenne auch aus anderen "Alkoholikerkarrieren" vielerlei Stammtische, die alles daran setzen, einen Trockenen wieder unter Alkohol zu setzen.
It, Deine Ausführungen über den Ernst der pubertären Knaben kann ich nicht nachvollziehen. Diese Rituale sind Auswüchse einer lächerlichen altdeutschen Nibelungenideologie, die zuletzt in der ****zeit glorifiziert wurden Heutzutage machen es nur noch wenige. Heldisch ist es keinesfalls, denn ein Messerritz am Arm tut nicht besonders weh..
Das Zitat ist aus einem Essay des Bärtigen aus voralkoholischen Tagen. Passend, glaubte ich, zur Idee der Männerfreundschaft, der die Freunde ihren alkoholischen Atem einhauchen...etc.
Enttäuschung ist im Text, nicht beleidigter Ton.
Zum "zu schnell hinweg": im ersten Entwurf habe ich mehr beschrieben und erklärt, dann habe ich gelöscht. (Panische Angst vor zu langen Texten.) Ich fand, dass alles gesagt ist - aber wenn man nacherklären muss, stimmt das wohl doch nicht. Grübelgrübel.

Robert
16.05.00, 22:29
Wir haben Zeit, Howah. Zeit und Muße. Laß mich die


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Zitat Howah: Zum "zu schnell hinweg": im ersten Entwurf habe ich mehr beschrieben und erklärt, dann habe ich gelöscht. (Panische Angst vor zu
langen Texten.) Ich fand, dass alles gesagt ist - aber wenn man nacherklären muss, stimmt das wohl doch nicht.
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versteckten und gestrichenen - ja, glaubst Du denn, daß Du den Text dann von den Inhalten befreist, die Du löschend mutmaßt? Irrtum! Kein Text streicht sich raus. Das Gehaltle teilt sich dann irgendwie mit, drängelt sich rein. (Und das sagt ein Lektor!) Also, laß es mich wissen, was Du da mittellosen Worten gestrichen hast.

P.S. Frage an einen, der mit der neuen Orthographie sich streitet: Wird volllaufen nicht mit drei l geschrieben? Nun, wir müssen es aufreißen, das Vollgelaufene, womit's dann wieder unvoll sein dürfte.

P.P.S. Orff ist fein, der treibt mir aber heute nur den Schweiß aus den Poren. Ich hörte und sah Carmina in einem alten Wassergraben. Da waren ringsum derbgekleidete Bauern, rülpsten und spein den Seim ins Gras; aber schön war das Feuerwerk nach dem Laternenumzug. Ich schwätze.

howah
16.05.00, 23:11
Gelöschtes kann ich leider nicht nachreichen, ist alles in dem Festplattenhades, wo nur BKA-Spezialisten rankönnen. Solche kenne ich nicht. .
Aber ich sehe schon, auch an der zweiten Kritik von It, dass ich diesen Text nochmal anpacken muss, mit Ziet und Muße.. Aber nicht jetzt gleich, auch nicht morgen...

Ich grüße Euch,

Howah

it
16.05.00, 23:44
Ganz kurz: die Blutsbrüderschaft hatte ich nicht mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht, sondern mit indianischen Ritualen. Aber ob es nun zweckentfremdete Auswüchse sein mögen oder nicht, es ändert nichts am Gefühl der handelnden Personen. Gerade in der Pubertät ist man so anfällig für derartige Zweckentfremdungen - aber die Emotionen sind echt. Ob sie sinnvoll sind, lasse ich dahingestellt.
Vielleicht liegt es am plötzlichen Perspektivwechsel, am Verlust der Empathie: "Der sonst kein Leid versteht, kein Mitleiden kennt, das Leid des Bruders ist sein Leid. Aber wirklich nur das; das ist auch genug" - da blitzt es noch einmal auf. Davon abgesehen werde ich das Gefühl nicht los, dass Du Deine Protagonisten im zweiten Teil menschlich im Regen stehen lässt.

Nun, es ist ein haariges Thema, vielleicht bin ich zu voreingenommen.-

aerolith
16.05.00, 23:44
Hallo Howah!
Bin gespannt auf deine Entgegnung. Versuch es ohne Reue; Gelöschtes ist immer im Kopf und schreibt sich immer wieder in neues Getexte. Ich kann ein Lied davon singen.

Hallo it!



erstellt von it:
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Gerade in der
Pubertät ist man so anfällig für derartige Zweckentfremdungen - aber die Emotionen sind echt. Ob sie sinnvoll sind, lasse ich
dahingestellt.
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Was meinst du denn damit? Wirfst du hier nicht Äpfel und Birnen durcheinander? Seit wann zählt für die Emotion der Sinn? Das hieße, sie als unecht und gemacht zu bestimmen.

it
17.05.00, 00:17
Meine Rede, Robert, meine Rede.
Die Sinnfrage hatte Howah oben gestellt, nicht ich. Ich denke ja auch, dass sie damit nichts zu tun hat.
Ach....Schwamm drüber meint: it

Robert
17.05.00, 00:46
Nicht alle Frauen sind schlecht. Nicht alle. Was müßte jetzt kommen? Ein ABER? Mitnichten, geneigte Leserschaft. Es dümpelt nur, das Aber. Also wollen wir es im Unterbewußten weiter dümpeln lassen und schreiten zum Text selbst:


Zitat:
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Nein, Blut floss nie. Nicht einmal, als der lange Hagere mit den tiefen Gesichtsfalten mit dem Messer in der Hand im Clo stand.
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Greifen wir nur diesen Satz heraus. Unschwer läßt sich erkennen, daß Howah hier versucht, mit unseren abstrusen Empfindungen zu spielen. Wir stehen im Blute, wir waten in der Notdurft, wir gehen dem Speicheln nach und reizen die Falten aus. Nur eines irritiert mich, das Messer. Die Funktion wird auch nicht wieder aufgenommen.

Aber Howah ist uns eh noch eine Antwort, mehrere Antworten schuldig.

Schwarzes Pferd
21.05.00, 22:50
-zu bedeutungsschwer
-viele Substantive erschweren mein Verst?ndnis
-Struktur unklar

Frauen sind gleich. Alle Frauen sind schlecht. Frauen sind nicht leidensfähig. Frauen verstehen Männerfreundschaften nicht. Keine, auch wenn er sie noch so gern im Bett hat, kann ihm den faltigen Freund am Tisch in der Kneipe ersetzen. Nur mit ihm, dem immer unglücklichen, leidenden Bruder kann er wirklich den kleinen Tod sterben, die heilige Wandlung feiern, eine wundersame, alkoholsatte Eucharistie.


Kann ich nachvollziehen. besonders gefällt mir die Eucharistie. Ich hatte eine katholische Freundin. Hör mir auf, Howah!

walfisch
01.06.00, 12:04
sehr sehr geil.
praezise beobachtet.
klare und schnoerkellose sprache
die mitreisst.

bitte um mehr!

Howah
16.06.00, 12:40
uupps!
"Aus welcher/n Perspektive/n wird geschrieben." Aus der Perspektive der Frau(en), die mit
den beiden/einem von ihnen zu tun haben/hatten. Vielleicht.

"..das Messer. Die Funktion wird auch nicht wieder aufgenommen." Aber doch das Motiv der Selbstmorddrohungen? Sie sind typisch für den Faltigen. Mechthild blieb ungerührt, aber den Freund kann er damit immer wieder "rühren", für sich interessieren, an sich binden. Eine Frau, die sich derartige Drohungen erlaubte, würde der Bärtige mit Sicherheit Hysterikerin oder Erpresserin abtun.


Ich habe ein ungutes Gefühl; sollte ich jetzt einfach mal sagen, dass der Text weder frauen- noch männerfeindlich gemeint ist, sich, denke ich, auch nicht so gibt? Es ist ein Text über zwei Typen, zwei Alkoholiker.

PS: Die Antwort fiel wahrscheinlich meinen Einlog-Schwierigkeiten damals zum Opfer.
Sorry.

aerolith
16.01.01, 18:40
Dieser Text besitzt Charme, aber er ist nicht geradeheraus geschrieben. Zwischenteile fehlen dennoch. Das Ambiente ist mit Schlagworten umgrenzt, wobei nicht sehr sorgfältig gearbeitet wurde. Aber dieser Makel wird beinahe dadurch wettgemacht, daß die Psychologisierung der Personen rundum gelungen ist: Man muß schon einen tiefen Schluck vom Leben genommen haben, um zu verstehen, was eine in sich zugewandte, aus sich abgewandte Beziehung (Fachleute nennen das wohl komplementär) ausmacht? Und dies ist Howahs Thema. Die Männer haben sich verbunden, im Schick-Sal (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=schicksal) getroffen und gestalten es; sie beugen sich nicht in Demut, sie beugen sich voreinander und lächeln. Das ist der Kern. Das andere ist Beiwerk, zuweilen etwas zu drastisch; ich wünschte mir hier mehr Rankung. Aber Howah hat da eine sehr moderne Antwort gegeben: Sie hat "panische Angst vor zu langen Texten".
Was vieles entschuldigen mag.

aerolith
25.05.17, 08:30
Howah war seinerzeit eine der ersten Aktivistinnen im Wolkenstein-Forum. Sie lebte in München und hatte mach eigener Auskunft als Jornalistin u.a. für den SPIEGEL geschrieben, was ich seinerzeit goutierte, heute aber eher als Makel ansehen würde. Das leider nicht vollends durchgeführte Hyperfiction-Projekt ging auf sie zurück. Der walfisch in diesem Ordner war ihr Enkel.