Kommentare

  1. Avatar von aerolith
    FCM vs. Paderborn 1:0
    Tor: Beck
    Zuseher: 16800, 10° C, klar

    Es gibt Gegner, die einem liegen. Paderborn beispielsweise. Dabei scheint es gleichgültig zu sein, wie beide Mannschaften personell besetzt sind. Scheint so. Die Spiele ähneln einander. Bei uns sitzt seit Jahren Härtel auf der Bank, bei Paderborn wechselt das immer mal, aber sie spielen den gleichen Stiefel. Schnelle und technisch starke Spieler, die aber den Ball ins Tor tragen wollen und in Schönheit sterben. Wir halten dagegen, lassen kommen, ziehen den Zahn und schlagen dann zu. Okay okay, wir standen anfangs fünf Meter zu tief, waren bei der Doppel-6 schlecht organisiert und ließen Beck vorn ins Leere laufen. Hammanns unterschnittene Vollspannpässe blieben zu lange in der Luft, so daß sich die Verteidiger postieren konnten - und hatten wir dann mal den Ball im MF, gaben wir ihn schnell wieder her. Egal, denn Paderborn gefiel sich offenbar in der Rolle des technisch überlegenen Spielmachers. Wie dümmlich! Haben wir das bei uns nicht schon zig Mal gesehen? Ein Muster. Ich habe die Pressekonferenz jetzt nicht gesehen, aber ich vermute mal, daß uns (vom gegnerischen Trainer) wieder erklärt worden ist, die bessere Mannschaft habe verloren. Natürlich hat sie das nicht. Die bessere Mannschaft hat gewonnen. Wie fast immer.
    Mir gefällt das. Ich bin so gar kein Freund des Ballbesitzfußballs, sondern ein Freund des preußischen Kirchgangs: Rin, stilles Jebet bis fuffzehn - und dann nüscht wie raus. Anders gesagt: Irgendwann auf Außen durchbrechen, den MS suchen, abschließen und dann wieder zurückziehen und lauern.
    Schwierig wird es für uns nur, wenn wir auf Kloppertruppen treffen und dann auch noch so aufstellen, daß wir das Spiel machen wollen. Zwickau zum Beispiel. Das müssen wir noch lernen, daß man Zwickau das Spiel machen lassen muß, denn das können die gar nicht, um sie dann auszukontern. Aber da beißen sich unsere Spieler schon in den Allerwertesten, denn sie müßten über ihren Schatten springen - oder Härtel, um sich so zu verleugnen. Aber ist es nicht das, was einen Ligakönig auszeichnet, daß er mit den anderen Mannschaften spielt und sie jeweils mit den geeigneten Mitteln schlägt?

    Zur Einzelkritik:
    Glinker spielte heute mit und zeigte in der 59. Minute atemberaubend guten Fußball, um kurz darauf wie ein Siebtligist den Ball sonstwohin zu dreschen. Eine sehr gute Parade, etliche gute Aktionen. (2,5)
    Butzen heute weiter vorne postiert, was seinem Spiel bekam. Mußte gegen den wieselflinken Gegner höllisch aufpassen, der zudem Fallsucht und einen hypersensiblen Gerechtigkeitssinn besaß, dem man nur beikommt, indem man ihn auflaufen läßt. Das tat Butzen mit zunehmender Spielzeit und konnte auch nach vorn Impulse setzen. Wenn er jetzt noch flanken könnte, wäre er auch in Liga II ein passabler Mann. (3) Hammann anfangs schlecht postiert und mit etlichen Fehlpässen. Im Verlaufe des Spiels, auch deshalb, weil er mehr Luft bekam, denn die DM-Spieler rückten etwa fünf Meter weiter vor, wurde er besser und las das Spiel gut. (3,5) Schäfer staksig und mit Glück, daß er für eine Attacke kein Rot bekam. Kein Spiel nach vorn. (4) Weil ohne gravierende Fehler, aber mit wenig Präsenz. Solide auf gutem Drittliga-Niveau, aber nicht so, daß ich Potential entdecken könnte. (3,5) Niemeyer anfangs ohne Esprit. War v.a. defensiv beschäftigt. Im Laufe des Spiels besser. Wieder am entscheidenden Tor maßgeblich beteiligt. Dann platt. (2,5)
    Erdmann mit zuviel Theatralik und vielen kleinen Fehlern und Ungenauigkeiten. Gutes Stellungsspiel im Laufe des Spiels. Anfangs stand er zu tief und zu eng bei seinem Pendant. Daß er fürs erste Foul gleich eine Karte bekam, hatte er sich selber zuzuschreiben, denn der Schieri hatte kurz zuvor die nicklige Ballherausgabe sehrwohl notiert, denke ich. Durch solche Aktionen schadet er uns. (4,5) Rother relativ auffällig. Seine Körpersprache hat sich verändert. Er wirkt selbstbewußter als noch vor Monatsfrist. Sein Stellungsspiel nicht gut, aber ohne gravierende Fehler. Sollte sich eher VOR Erdmann oder Sowislo postieren, denn sein Paßspiel ist gut. (3,5) Schwede verbessert. Nahm den Kampf besser an als zuletzt. Brachte eher wenig zustande, war aber knapp dran. Das kennzeichnet sein heutiges Spiel: knapp dran, um Großes zu leisten. (4) Türpitz quirlig. Dreieckspiel vorn üben. (4,5)
    Beck anfangs eine Katastrophe. Da gelang gar nichts. Nachdem unser MF ein paar Meter aufgrückt war, kam er näher ans Geschehen, was auch sein Spiel vérbesserte. Nach seinem Tor stark verbessert. (2)
  2. Avatar von aerolith
    Das Duell zwischen den Nord- und Mitteldeutschen endete mit einem verdienten Sieg der Mitteldeutschen. Die Multikultitruppe aus Mecklenburg spielte so, wie das von einer gerade zusammengewürfelten Truppe eines eher armen Vereins erwartet werden kann: ehrheischig und mentalitätsschwach. Soll nicht unser Problem sein, aber es wundert mich schon, daß es da in Rostock offenbar keine Leute gibt, die eine Truppe auch nach charakterlichen Kriterien zusammenstellen, so daß ein Rückstand nicht stupend-stoisch hingenommen wird.
    Der Stadionbesuch begann ärgerlich. Diejenigen, die den Einlaß kontrollieren, sind sicherlich niemals die hellsten Kerzen auf der Torte gewesen, aber sie befolgen Anweisungen. Die Anweiser sollte man mal anweisen, daß sie zwischen dem Geist einer Verordnung und dem Buchstaben zu unterscheiden lernen, andernfalls dürften sich etliche Zuschauer gegängelt fühlen, wenn sie partout einen anderen Eingang benutzen sollen, um zu ihrem Platz zu gelangen, damit meine ich jetzt nicht die auch strittige Sektorentrennung außerhalb des Stadions, sondern die Torwacht innert des Stadions. Wie sinnvoll soll es sein, daß jemand mit einer Karte für Block 10 am Durchgang 9 weggeschickt wird? Gängelei. Nichts anderes. Zumal, wenn sonst niemand Einlaß begehrt, weil alle schon drin sind.
    Und dann war ich drin, mehrfach kontrolliert, höre es knallen und pyrofeiern. Ja, gängelt nur die Durchschnittsbesucher, laßt aber all diejenigen durch, die Pyrotechnik und Knallkörper ins Stadion schmuggeln. Oder seht ihr über so etwas hinweg und konzentriert euch auf diejenigen, die plus 25 € zahlen?

    Zum Spiel: Wir verschoben gut, spielten miteinander, halfen einander und verstanden es, die entscheidenden Pässe zu spielen. Zudem widerstanden unsere Spieler der Versuchung, wie die selbstverliebten Darsteller auf der Gegnerseite, den Ball zu Mitspieler tragen zu wollen. Das gab den Ausschlag. Einmal kamen wir auf der Niemeyer-Seite durch, Beck lief zum kurzen Pfosten und zog die gegnerischen Verteidiger mit, Türpitz lief zum langen Pfosten, der Ball kam durch und unser Admiral wuchtete ihn in die Maschen der Kogge. Das zweite Tor war aus der Kategorie: "Nimm du ihn, ich habe ihn auch nicht". Der gerade eingewechselte Lohkemper nutzte die Abwehr-Unordnung bei der Zuweisung der Angreifer, erwischte einen Abpraller nach Standard und konnte einen Aufsetzer placieren.
    Das nervöse Spiel plätscherte dann dahin, wir ließen Hansa kommen, die aber keinen Plan hatten, wie gesagt, Einzelkämpfer. Wir hatten hinten Glinker, der die wenigen brenzligen Situationen für uns entschärfen konnte. Mit etwas Glück machen wir noch ein drittes Tor.
    Eine Sache noch, die mir mißfiel: Ich möchte es nicht sehen, daß unsere Spieler für gegnerische Kollegen eine Karte fordern. Das ist nicht nur unmännlich, um dieses schöne alte Wort zu benutzen, sondern auch unsportlich. Abgesehen davon bringt es Gift ins Spiel, unfruchtbares Gift, das die eigenen Kräfte nicht entwickelt, sondern eher lähmend wirkt. Bei Schiedsrichtern kömmt das auch gar nicht an, habe ich mir sagen lassen.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker gut. Verbessert in der Strafraumbeherrschuing. Nach wie vor (eher) schwache lange Bälle. Stand gut und strahlte Sicherheit aus. (3)
    Butzen mit einigen guten Szenen. Ließ wenig zu, stand gut und besaß heute Vorwärtsdrang, wenngleich unsortiert. (3,5) Hammann stand gut, brachte etliche Zwanzigmeterpässe zum Mann und hielt die Hanseaten auf Distanz. Kein Vorstoß! (3,5) Handke mit einigen ungestümen Aktionen. Am Rande des Platzverweises. Ließ aber nichts zu. (3) Niemeyer mit einigen starken Szenen. Entwickelt sich prima. Hinten gut, nach vorn sehenswert. (2) Weil mit gutem Laufspiel. Gute Absprachen mit Hammann. Einige Fehler im Spiel nach vorn, meist durch Taktprobleme. Der berühmte halbe Schritt. Vielleicht erlebe ich es noch, daß wir uns mal von hinten spielerisch nach vorn bewegen. Am ehesten traue ich das Weil zu. (3,5)
    Schwede mit angezogener Handbremse. Ich hatte das Gefühl, daß er heute so spielte, als ob er Angst vor einem Fehler hätte. Zwei, drei gute Aktionen, sonst aber viel Abduckerei. Sein Spiel definiert sich über Sympathetie, also muß er sich in das Spiel hineinbeißen; erst dann blüht er auf und befruchtet unser Spiel. Lief heute nur mit, meist jedenfalls. Machte aber keine graviernden Fehler. Immerhin! (4) Türpitz sehr hibbelig, aber das ist Teil seiner Jobbeschreibuing, denke ich. Immer nah dran, die gegnerischen Ballpassagen zu unterbrechen. Gut so! Im Zuspiel oft zu ungenau. Taktgefühl hat er nicht, dafür aber weiß er, wann er wo hinlaufen muß. (2,5) Erdmann mit starkem Anfang. Ließ dann nach und spielte nickliger, was aber nicht falsch war. Muß eben besser aufpassen, wann er das Spiel verzögert. Es ist KEINE Leistung, eine Gelbe zu bekommen. Brachte auch einige Pässe nach Ballgewinn zum eigenen Mann. Wird kein systematischer MF-Mann mehr werden, leistet aber in seiner gegenwärtigen Form gute Dienste im DM-Bereich. (3) Rother kam oft einen halben Schritt zu spät, brachte auch wenige Bälle zum eigenen Mann und mußte sich zurücknehmen, da früh gelbbelastet. Sein Spiel allerdings verträgt behutsamen Einsatz nicht. (4,5)
    Beck eher glücklos, aber immer im Brennpunkt des Geschehens. Einige Male schlecht angespielt. Dennoch wichtig für unser Angriffsspiel, wie man vor unserem 1:0 sehen konnte. Die gegnerischen Verteidiger konzentrieren sich auf ihn, so daß die anderen (Lohkemper und Türpitz) profitieren, da sie zum Schuß kommen. Ich befürworte seinen nächsten Einsatz. (3)
  3. Avatar von aerolith
    Wir Dichter haben keine Ahnung, wie das mit der Liebe läuft.