• Christliche Nächstenliebe³

    In den letzten Monaten brachen verstärkt junge Menschen aus Nahost und Afrika auf, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Die meisten von ihnen, junge kräftige Männer, entflohen mit Hilfe international tätiger Schlepperbanden, denen sie viel Geld für ihre illegale Ausreise aus ihrer Heimat zahlten. Sie kamen nach etlichen Strapazen in Europa an und beantragten Asyl. Die meisten werden es nicht bekommen, weil die Asylgesetzgebung zwischen politischer und wirtschaftlicher Not unterscheidet und nur politisch Notleidenden uneingeschränktes Aufenthaltsrecht konzediert.
    Mit der neuen Völkerwanderung, die sich in den nächsten Jahren verstärken wird, sind Fragen verbunden, die auf die (christliche) Selbstbestandheit des Europäers zielen. Die wichtigste Frage lautet: Sind wir verpflichtet, fremden Menschen zu helfen, ganz gleich, welche Motive sie antreiben?
    Wer Christ ist, der muß nicht nur seinem Nächsten (Familie, Freunde, Nachbarn, Nation) helfen, sondern auch seine Feinde lieben. Das ist ein universaler Anspruch, ein aufs Universum zielender Anspruch. Gruppenfremde besitzen demnach ein Asylrecht und einen Anspruch darauf, daß ihnen geholfen wird, ganz gleich, was es kostet und welche politischen Folgen das haben könnte. Wer es ernst meint mit der christlichen Nächstenliebe, der kann hier nicht partitivieren, der muß universell moralisch handeln, also so, daß seine Handlung eine allgemeine werden könnte. Selektion, gar Differenzierung der Asylsuchenden nach guten, brauchbaren und weniger guten und weniger brauchbaren ist demnach UNchristlich.
    Allerdings ist das Christentum hierzulande auf dem Rückzug. Statt dessen regiert die Vernunft (gemeint ist jene Vernunft, die Auschwitz erst möglich machte: die Aufklärungsphantasten glauben, daß es möglich sei, Menschen so zu erziehen, daß Auschwitz unmöglich sei). Vernünftig ist das selbstbezogene Handeln (Idiotie), vernünftig ist das Handeln, das den Nächsten dem Fremden vorzieht, das Eigene dem Fremden, die Nation der anderen, den einen Fußballverein dem anderen. Vernunft zeigt sich in der Selbstbezogenheit politischen Handelns, v.a. dann, wenn soziale Ansprüche gestellt werden. Solange das Leben in einem Sozialverbund über die Leistungen des einzelnen hinausreichen, er also im Blut seiner Ahnen ein Erbe antritt (antrat) und das zur gängigen Praxis der Lebensleistung zählt, solange hat der Asylant schlechte Karten, wenn er ein Recht aufs Bleiben und zu erteilende Sozialleistungen fordert. Es werden ihm diese Leistungen allerdings gewährt werden - im Namen der Vernunft und nicht im Namen der Barmherzigkeit, DENN es kochen in diesem Völkerstrom viele Köche mit und verdienen nicht wenig mit dem Austausch der Bevölkerung, wie Zuwanderungsfeinde das nennen.
    Vorteilshaftlinge: Da ist die Industrie, die auf diese Weise billige Arbeitskräfte bekommt und zugleich die Löhne der hiesigen Beschäftigten drücken kann; da ist die Stiftungs- und Sozialindustrie, die auf diese Weise ihre milliardenschweren Hilfsprogramme für Gegenwart und Zukunft rechtfertigt und zugleich ihre Machtpositionen in der Lobby ausbauen kann; da sind die vielen Kleinunternehmer, die auf diese Weise billige Arbeitskräfte bekommen und da sind die Bilderberger am werkeln, die im universalistischen Nichtnationalstaat ihre politische Fixion feiern und alles tun, um existente Nationalstaaten auszuhöhlen und zu nivellieren, da sie auf diese Weise die beste Garantie für ihre errungene Position zu erkennen glauben. Substanzlose, sich ähnelnde Stätlein sind leichter zu beherrschen als auf sich selbst besonnene starke Individuen - das gilt für Menschen wie für Staaten.
    Vielleicht aber ist alles auch ganz anders und am Ende lacht über allen die Sonne?
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    resurrector 20.01.20, 09:34 Gehe zum letzten Beitrag