aerolith

Notizen Mai 2015

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Es hat lang gedauert, aber nun reifte der Entschluß: Begrenzung statt Erweiterung. Das neue Forum ist vorerst ein begrenztes. Es soll erweitert werden. Und das kann es. Es besitzt alle Voraussetzungen für den Erfolg:

  • eine lange Tradition;
  • viele (potentielle und tatsächliche) Leser;
  • eine leicht zu handhabende Software;
  • Erweiterungsmöglichkeiten;
  • eine klare Struktur;
  • eine angenehme Optik.


Doch oft genug kam bei besten Voraussetzungen am Ende nur Verdruß heraus. Bleiben wir also wachsam, vor allem aber: Sorgen wir dafür, daß alles an seinen Platz kömmt.

In diesem Sinne ein Hoch auf das Neue. Es lebe!

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Kommentare

  1. Avatar von aerolith
    25000 € hat jemand für den Spickzettel Schabowskis gezahlt, auf dem nicht viel stand. MiRa für Ministerrat und allerlei Quark. Andererseits war es dieser Zettel, der bei Schabowski das berühmte "Meiner Kenntnis nach sofort!" auslöste, nachdem ein italienischer Journalist gefragt hatte, wann denn der Beschluß des MIRa in Kraft träte, der es DDR-Bürger gestattete, ins westliche Ausland zu reisen.
  2. Avatar von aerolith
    Neuerdings wird qualitativ zwischen "weißem" und "nichtweißem" Hate Speech (neudeutsch für Haßtiraden) unterschieden. Die Nichtweißen werden zwar auch ausfallend gegenüber Weißen (was auch immer das ist, denn wer ist schon weiß oder farblos?), aber deren Invektiven sollen ohne "gesellschaftliche Dimension" sein, da diesen Beschimpfungen die Konsequenzen fehlten. Der weiße Gedankenverbrecher hingegen besäße die Macht, den Beschimpften nicht nur mittels sprtachlicher Invektive zu beleidigen, sondern auch gesellschaftlich zu stigmatisieren resp. auszugrenzen.



    Nachzulesen ist dieser Quatsch in einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung namens "Geh sterben - Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet".

    Lessing würde sich im Grab herumdrehen. Gerade die Invektive ist es doch, die Widersprüche stärkt und schmorende Konflikte zum Ausbruch bringt. Unterdrückung, Nichtdenken oder schlichtweg das Denkverbot durch Tabuisierung sind nicht nur Akte der Gewalt, sondern mit Faschistuierung verbunden. Das Problem, sofern es überhaupt eines ist, beginnt damit, daß Menschen sich über andere setzen. Das wird es aber immer geben, sei es nun aus rassischen, intellektuellen oder sozialen Gründen. Menschen sind so. Wer sich für den gesellschaftlichen Diskurs einsetzt und das ernst meint, der darf nicht ein Denken ausschließen, nur weil es nicht dem eigenen entspricht. Er muß es gelten lassen und sich damit auseinandersetzen, nicht aber es verdammen und ausschließen.
  3. Avatar von aerolith
    Neulich suchte jemand auf diesen Seiten nach einer Erklärung für "sittliche Freiheit".
    Dem Manne kann geholfen werden!

    Die Definition Kants ist etwas sperrig. Populärer ausgedrückt besagt sittliche Freiheit das Vermögen des Menschen, sich über seine Körperlichkeit hinwegzusetzen, die Begrenztheit desselben, indem er einem Gesetz folgt, das er sich selbst so setzte, daß es es ein allgemeines sein könnte. Sittliche Freiheit kann nur im Kontext der Allgemeinheit bestehen, ist also nur bedingt ein Akt des Willens. Freiheit ist sowieso immer begrenzt, eingebunden in Möglichkeiten und Wirklichkeitsbestand.

    Der Teufel steckt hier NICHT im Detail, denn die Prüfung darüber, ob sein Handeln sittlich freien Grundsätzen folgt, mag jeder vornehmen, der überhaupt einem Sittengesetz folgt. Er braucht sich nur zu fragen, ob das, was er tut, auch andere an ihm tun mögen, ohne ihm zu schaden.
  4. Avatar von aerolith
    Den 8. Mai einen Tag der Befreiung zu nennen, ist in mehrfacher Hinsicht historisch bedenklich. Zum einen waren die Deutschen 1945 zum überwiegenden Teil keineswegs Feinde Hitlers oder des Nationalsozialismus, zum anderen haben auch die in Deutschland gebliebenen Feinde des Nationalsozialismus bei den Alliierten keineswegs eine moralische Überlegenheit festmachen können, im Gegenteil: man lese die Tagebücher der kritischen Hierbleiber Ricarda Huch oder Gerhard Nebel, die die Alliierten als Räuber und Mordbrenner bezeichnen und auch den Vergleich taugen so wenig wie die Schinder in den KZs nicht scheuen. Da ist von den Massenvergewaltigungen noch gar keine Rede, sondern geht es lediglich um die Erfahrungen in den letzten Kriegstagen, als Phosphor über Frauen und Kinder ausgeschüttet wurde, Tiefflieger tausende Flüchtlinge abknallten oder Brandbomben wehrlose deutsche Städte zerstörten und nur Terror und Mord im Sinn hatten.
    Kurzum: der 8. Mai 1945 wurde von beinahe allen Deutschen NICHT als Tag der Befreiung empfunden. Erst später erklärten Nachgeborene ihn dazu, meist im Brustton der Überzeugung, daß ein deutscher Sieg 1945 für die Welt sehr viel schlimmer gewesen wäre, als es eben der der Alliierten war.

    Ich halte das Prinzip für falsch, historische Ereignisse im nachhinein mit einem wertenden Begriff zu versehen. Befreiung enthält eine wertende Komponente. Wenn man dieses Prinzip auf etliche andere historische Ereignisse anwendet, dann könnte man die amerikanische Unabhängigkeitserklärung als Putsch weißer Sklavenhändler gegenüber der Krone bezeichnen; man könnte die Hinsichtung Marie Antoinettes als Justizmord und das Attentat vom 11. September 2001 als Befreiungsfanal der unterdrückten Muslime gegenüber dem angloamerikanischen Imperialismus bezeichnen. Was die Interpretation von Ereignissen betrifft, so mag man das fuglich so beschreiben, ABER die Fixierung der historischen Ereignisse sollte die Interpretation nicht vorwegnehmen, denn das hieße, eben das Ereignis zu interpolieren, also es nicht als Ereignis betrachten, sondern im Kontext einer wie auch immer vorgeschriebenen historischen Kontinuität, die zu dem führen mußte, was heute politisch-korrekt ist. Mit anderen Worten: Vormundschaft.
    Es soll ja Leute geben, die genau das tun. Ich bleibe bei dem, was am 8. Mai 1945 geschah: die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.
  5. Avatar von aerolith
    Die Invektive (Beleidigung) besitzt eine gewaltige poetische und politische Potenz.
    In der BRD nicht.
    Hier gibt es den Volksverhetzungsparagraphen (§ 130), der u.a. (öffentlich geäußerte) ordinäre Redensarten unter Strafe stellt: bis zur Gefängnisstrafe.
    Das bedeutet schlichtweg eine Aushöhlung der Meinungsfreiheit, denn letztlich kann man alles unter Volksverhetzung subsumieren, wenn es jemandem nicht paßt, der eine Lobby hinter sich weiß.

    Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, diese Paragraphen aus dem Gesetzbuch zu streichen. Sie mögen ihre historische Relevanz besessen haben (v.a. während der Zeit des Aufbaus), aber die BRD sollte im Inneren und Äußeren gefestigt genug sein, um sich mit jedweder Meinung wohltuend auseinandersetzen zu können. Nach ihrer Streichung würde eine ehrliche Diskurskultur entstehen und nicht länger diese verheuchelte Taburhetorik die Öffentlichkeit vergiften, die jeden, der Zweifel an den offiziösen oder halboffiziösen Darstellungen historischer Vorgänge besitzt, unter Generalverdacht stellt und damit eine einäugige Forschung befördert, die noch nie gut für das Geschichtsbild war.
    Meine Hoffnung liegt darin, daß sich das Einäugige, das Dogma, das Scheuklappendenken noch nie dauerhaft etablieren konnte und früher oder später selbst vernichtet, zernichtet, wie Hölderlin das nennte.
  6. Avatar von aerolith
    Folgt man dem Bericht von "Reporter ohne Grenzen", so tut die attestierte Lügenpresse der Meinungsfreiheit in der BRD nicht ungut. Die BRD liegt auf Platz 12, die BRÖ sogar auf Rang 7. Alles also bestens!
    Die interessanteste Bewertung: die USA kommen auf Platz 49, nur fünf PLätze vor der Mongolei.

  7. Avatar von aerolith
    Die Zerstörung der in der Klassik gewonnenen Freiheit erfolgte aus drei Richtungen:

    1. durch den Kapitalismus, der funktionierende Rädchen im Wirtschaftskreislauf braucht und keine selbstbewußten Humanisten, deren liederlicher Lebenswandel nicht nur Spießer aufregt;
    2. durch den Sozialismus, dessen Kulturmarxismus bis in unsere Tage wirkt und zu Masseneinwanderung (drückt die Löhne), Lobbypolitik für Minderheiten (höhlt das Nationelle aus), Genderismus (zerstört das natürliche Geschlechterverhalten) und v.a. zur Zerstörung der Denk- und Redefreiheit unter dem Banner der politischen Korrektheit führt(e); schließlich durch den
    3. Nationalsozialismus, dessen Rassismus Menschen der Freiheit, sich selb zu bestimmen, beraubte, den Rationalismus des Kapitalismus und den Gleichheitswahn des Sozialismus gleichermaßen aufnahm und gegen das Individuum wendete, ihm statt dessen Freiheit nur im Kontext des Führerwillens ordinierte.
  8. Avatar von aerolith
    Man munkelt, daß Lucke (AfD) hinschmeißen wolle.
    Das wäre konsequent. Die AfD wurde von ihm als liberale Entsatzpartei in einem Land gegründet, wo die FDP doch die Funktion wohlstandsbürgerlicher Politik besaß und im Schattenwurf der christdemokratischen Niederwalzmama jedes liberale Profil verloren hatte. Jetzt ersteht die FDP wieder, da sich der € als unerwartet widerstandsfähig erweist. In der AfD stärkt das die Position der kleinen Leute, der nationalkonservativen Liberalen, deren Potential, wie Gauland ins Feld führt, ungleich größer sei als das Protestwählerpotential im FDP-Suhlenkamp.

    Ich erkenne hier zwei Möglichkeiten:


    1. Lucke führt die liberalen Anteile der AfD in eine neue Partei, die sich früher oder später mit der FDP vereinigen wird oder
    2. dieser kapitalistisch-liberale Teil geht mit den Nationalliberalen/Konservativen der Partei eine Allianz ein.


    Aufgrund des Peter-Prinzips, des ehernen Gesetzes der Oligarchie und der Ereignisse in den letzten Monaten ist von einer Auflösung der AfD auszugehen. Die Konservativen werden gewinnen, denn hier liegt das ungleich größere Wählerpotential, das ich bei 10-15% ansetze. Mit dem liberalen Anteil bliebe die AfD unter 10%, da sie sich hier mit dem linksliberalen Zeitgeist und den sich neu aufstellenden FDPlern herumschlagen muß, wobei das gesamte liberale Potential wohl kaum über 15% liegen dürfte und keineswegs RECHTS der Mitte liegt, denn es ist die Mitte und eher links davon.
  9. Avatar von aerolith
    Man feiert derzeit die Kapitulation der Wehrmacht vor 70 Jahren. Vor 75 Jahren stand sie auf Sieg. Scheinbar. Daran erinnert der französische Publizist Brunet. Zugleich macht er darauf aufmerksam, daß der schnelle Sieg der Wehrmacht gegen die französischen Truppen mit Hilfe linker (französischer) Saboteure errungen worden war, die in der Zerschlagung ihres Staates einen Hilfsdienst für das mit dem kommunistischen Rußland verbündete Reich sahen. Die Resistance dagegen gründete sich aus nationalistischen und konservativen (französischen) Kreisen. Diese Republikfeinde der französischen Republik - sie waren wie die Linken Feiunde der französischen Republik - taten ihren erst den von der gehaßten Republik befohlenen Waffendienst gegen den Erb-Feind, um dann aus dem Untergrund heraus an der Befreiung Frankreichs zu arbeiten. :wasgeht?:

    Bizarr und so ganz gegen die offiziöse Lesart geschrieben.
  10. Avatar von aerolith
    Daß die Annahme, PEGIDA werde durch Kapital und Establishment gelenkt, nicht aus der Luft gegriffen ist, legt die Logik nahe. Einerseits kann so der Unmut rechts von der MItte desavouiert werden (man denke nur an die Selbstentblödungen Bachmanns), andererseits läßt sich so von der linksliberalen Politschickeria leicht die eigene Bedeutung (und daraus folgende staatliche Förderung) erhöhen, zuletzt wird damit jede wertekonservative Bewegung von unten lenkbar. Das paßt alles. Die ins Land geholten Hunderttausenden bilden eine billige Arbeitskraftreserve, die sich gut gegen die hiesige Bevölkerung einsetzen läßt und setzt zugleich die in Lohn und Brot stehenden Arbeitnehmer unter Druck. Bei PEGIDA werden leicht lenkbare Protestpotentiale gebunden, zugleich diffamiert, während der gesamtgesellschaftliche Diskurs in den Bahnen verläuft, die dem Bisherigen nützen.

    mehr zu diesem Thema in den Marxistischen Blättern 2/15 des Neue Impulse Verlages
  11. Avatar von aerolith
    Drei Beobachtungen heute:

    Laulichkeit ist ein heute kaum mehr benutztes Wort. Aber auch seine eingedeutschte Entsprechung Indifferenz wird kaum noch benutzt, was wohl daran liegen mag, daß es heute aus dem Stadium des Modewortes längst herausgekommen ist und zum Standard der Weltwahrnehmung ward.


    Brückentage, wie man diesen Freitag im Amtsdeutsch zuweilen nennt, wirken keineswegs so, daß man Dienstleistungen erhält, die man an gewöhnlichen Freitagen sonst erhält. Weder wurde meine Tintenpatrone nachgefüllt, noch meine alten Forumdaten fertiggestellt. Der Montag soll es jetzt richten.

    Es gibt Leute, die geben tausende Euronen für die morgendliche Sonne auf dem Urlaubs-Balkon in einem engen Neubau aus. Andere setzen sich in den Bauch eines Ozeanriesen und lassen sich mit Vogelgezwitscher vom Band den schönen Schein der Natur vorgaukeln. Auch dafür bezahlen sie viel Geld.
    Dritte wiederum haben das jeden Tag beinahe umsonst. Die wohnen in einer billigen Mietwohnung, aber die Sonne lacht durchs ungeputzte Fenster, während die Katze im Garten eine Mauß quält.
  12. Avatar von aerolith
    Wohnungssuche ist enervierend, aber auch anregend. Das Neue lockt, zugleich soll das angenehm erlebte Alte erhalten bleiben. In dieser Spannung bleibt jede Betrachtung des Neuen, das ungleich schlechter bleibt. Auf der anderen Seite wirkt Not: Änderung. In dieser Woche wird es sich wohl entscheiden, ob das Neue oder das Alte bedeutsamer für die Bewertung des Angebotenen wirkt.
  13. Avatar von aerolith
    Ein allegorisches Tanzspiel. Klinger exemplifizierte es in seinem Faust. Gute Idee. Paßt immer, denn offenbar verändern sich Strukturen im politischen Geschehen nicht, ganz gleich, wie das Kind nun heißt, in dem sich die Akteure bewegen. Ich werde das adaptieren.
  14. Avatar von aerolith
    Je weiter ich in Klingers Romanwerk von 1791 komme, um so mehr erinnert mich doch fatal viel an Goethes "Ur-Faust". Besonders enervierend ist diese Szene, in der Klinger die Perspektive gegenüber der Ur-Faust-Szene dreht: Wir blicken nicht mit Faust auf den aus den Tiefen erscheinenden Erdgeist, der da antwortet: "Wer ruft mir?", sondern aus Sicht der Hölle auf den rufenden (beschwörenden) Faust.

  15. Avatar von aerolith
    Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs befindet sich die öffentliche Moral in der Hand des Journalismus, der an der moralischen Entwertung der Gegner arbeitet, nicht aber an der Erhöhung der eigenen Moral.
    Das betrifft die meisten Journalisten, ganz gleich, welche politische Ausrichtung sie besitzen.
  16. Avatar von aerolith
    Nachforschungen über die Farben Ostfalens enden vorerst. Heraldik prägte sich erst im 13. Jahrhundert aus, zwei Jahrhunderte nach dem Aussterben der Liudolfinger. Der Rest bleibt Interpolation, die zu folgender Überlegung führt:

    Die Ottonen übernahmen den Reichsgedanken (translatio imperii), damit den Reichs-Adler, damit die Farben schwarz und gelb. Das Herz, das rote, prangt auf dem Sachsenroß (Niedersachsen hat das Roß im Wappen), ergo muß der Ostfale dieses Roß als Wappentier zurückgewinnen, stattet es aber mit dem schwarz-gelb aus, das Sachsen-Anhalt (zufällig?) als Landesfarben benutzt.

  17. Avatar von aerolith
    Es ist neuerdings von Schuldrückzahlungen an Griechenland die Rede. Ich weiß nicht, welche Bedingungen im letzten Krieg in Griechenland zwischen einer deutschen Bank und einer griechischen ausgemacht worden sind, aber wenn wir schon beim Aufrechnen vergangener Schulden sind, dann möchte ich geltend machen, daß wir Deutschen den Griechen durch großen finanziellen, militärischen und organisatorischen Einsatz erst ihre Freiheit ermöglichten. Ohne uns wären sie immer noch unter der osmanischen Knute!

    siehe hier