aerolith

Notizen Oktober 2016

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In Dresden beschimpfen radikalisierte Bürger das Staatsoberhaupt und die Regierungschefin als "Volksverräter", "Kapitalistenknechte" und dergleichen.
Während die Invektive gegen politische Segensträger Volkssport bleiben sollte, darf ein Staatsoberhaupt moralisch und juristisch nicht beleidigt werden, auch wenn man dessen Politik nicht goutiert. Allerdings wird das bundesdeutsche Staatsoberhaupt nicht als gewähltes wahrgenommen und besitzt auch keine Legitimität durch Gottesgnadentum. Das ist ein Makel und dem Webfehler dieser Republik geschuldet, die sich noch um jede demokratische oder sakrale Legitimation herumdrückt. Der Protest wird in den nächsten Jahren zunehmen und köchelt derweil auf Sparflamme, da es den Bundesdeustchen wirtschaftlich gut wie nie geht. Da die hiesigen Eliten auch kein Interesse daran besitzen, die Webfehler dieses Staates zu beseitigen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus einigen Tausend Systemgegnern Hunderttausende geworden sein werden, die sich zunehmend radikalisieren dürften.

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Kommentare

  1. Avatar von aerolith
    Quellenstudium ist immer ergiebig. Lese zur Zeit die Quellen des AA aus der Zeit von 1937 und 38. Im Abschnitt zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen steht Erstaunliches. So gab es in Amerika eine nazinahe Bewegung, den Amerikanischdeutschen Volksbund. Zwar marschierten darin nur etwa 6000 Hanseln, aber die Amerikaner reagierten sehr aggressiv und unterstellten von Amts wegen (Dudd!) der deutschen Regierung, sie wolle Amerika erobern, also erst unterwandern und dann von innen heraus angreifen. In der deutschen Botschaft überlegte man, ob ein Engagement für den "Volksbund" sinnvoll sei. Der Botschafter, Dieckhoff, schrieb einen ellenlangen Bericht über die Kräfteverhältnisse in Amerika und kam zu drei wichtigen Schlußfolgerungen:
    1. Es gäbe in Amerika nur etwa 14 bis 15 Millionen Amerikaner mit deutschen Wurzeln, von denen die meisten assimiliert seien und keineswegs für Deutschland einträten, wohingegen die übrigen 110 Millionen Amerikaner aber zuerst immer für Amerika und nicht für ihr Herkunftsland einträten;
    2. ein diplomatischer Affront gegenüber Amerika würde dieses endgültig in die Liga der Feinde des Reiches expedieren, wo Amerika potentiell sowieso schon stünde, aber aufgrund einer isolationistischen Grundeinstellung (85% der Amerikaner seien Isolationisten) nicht aktiv würde; man dürfe aber diese Ruhe durch Krawall nicht gefährden und
    3. auch Italien pflege bestenfalls Kulturpolitik, was sich das Reich zum Vorbild nehmen sollte.

    Kurzum: Dieckhoff sprach sich klar gegen irgendwelche Einmischungen des Reiches in Amerika aus und forderte sogar, daß die NSDAP (der er seinerzeit nicht angehörte) jedwede logistische Unterstützung für ihr politisch nahestehende Organisationen in Amerika aufgeben solle.

    Kommentar: Vielleicht hätte Dieckhoff die Situation anders bewertet, wenn er die tatsächliche Zahl der deutschstämmigen Amerikaner (etwa 50 Millionen heute, wenn man wikipedia glauben darf) gewußt hätte. Erstaunlich ist jedoch der klare Verzicht auf jedwede subversive Tätigkeit. Ich glaubte, daß es diesbezüglich schon Avancen gegeben haben dürfte.
  2. Avatar von aerolith
    Zum Tag der Republik wird in Magdeburgs Stasisiedlung nach wie vor geflaggt.
    Ich komme langsam in das Alter, in dem ich das verstehe. Irgendwie ist die Zonenflagge doch emotional das gleiche wie die Reichskriegsflagge. Und irgendwann einmal wird die (in nuce großdeutsche) schwarz-rot-goldene ohne Ährenkranz auch historisch sein und nur von einigen wenigen Trutzköpfen mit Stolz verehrt werden.
  3. Avatar von aerolith
    Das Ziel liegt darin, Menschen zu befreien. Das kann nur erreicht werden, indem sie sich in den Verhältnissen, in denen sie leben müssen, gut fühlen und zugleich eine Perspektive für sich zu entwickeln können glauben, die das auch fürderhin gewährleisten mag. Wer also für Menschen etwas erreichen will, darf kleine Wolkenkuckucksheime entwickeln, sondern muß im Spannungsfeld aus Theorie und Praxis etwas entwerfen, das über die Gegenwart hinausreicht, zugleich Vergangenheit und Zukunft verklammert.
  4. Avatar von aerolith
    Alles Gute zum Geburtstag, John!

    Allerdings habe ich im vergangenen Jahr Abstand zu Dir gewonnen. Ich habe Dich im Verdacht, daß Deine Überbetonung der Liebe als Lebenselixier nur einer nch außen getragenen Selbstliebe entsprach. Ich denke da noch ein bißchen drüber nach.
  5. Avatar von aerolith
    Ich glaube, die Anerkennung von Mandschukuo war ein großer strategischer Fehler gewesen. Es wäre aus vielen Gründen klüger gewesen, sich mit China zu solidarisieren. Japan hätte auf uns zukommen müssen, so oder so, denn der Westen war ihm verschlossen. China dagegen besaß die Option, mit Sowjet-Rußland zu koalieren, was nach unserer Hinwendung zu Japan dann auch erfolgte. Antikomintern-Pakt hin oder her. Die Japaner hätten diesen Pakt nie gekündigt.
    Höchstwahrscheinlich wäre uns der Weltkrieg erspart geblieben, zumal Japan sicherlich bei derart unsicheren Verhältnissen in seinem Rücken keineswegs den Angriff auf Pearl Harbor vorgenommen hätte. Andererseits hätte Hitler Rußland dann sicherer angreifen können, da die Chinesen (im Bündnis mit uns) für die Russen eine größere Gefahr geworden wären als die Japaner je werden konnten.
    Hätte, hätte, Fahrradkette.

    Die superklugen Ausführungen des Botschafters in Nanking, Trautmann, zum Thema sind sehr überzeugend.
    Hitler entschied anders, beendete die Neutralität und stellte sich auf die Seite Japans. Er verrat nicht nur sein eigenes Weltbild, denn in seinem Buch "Mein Kampf" hatte er den Japanern nur eine kulturtragende Fähigkeit zugewiesen, die von den Chinesen als einer kulturschaffenden Rasse übertroffen werden würde, sondern stellte so auch Weichen für einen Krieg, verließ also die bis Ende 1937 obwaltende Politik des Reiches, die auf Ausgleich setzte.

    Das sind alles nur Momentaufnahmen, Überlegungen. Ich bin gespannt, wie sich die Darstellung in den Akten des Auswärtigen Amtes weiterentwickelt... Das Ende ist mir ja bekannt: Chaos, Krieg, Tod, Vertreibung und das Ende Europas.