aerolith

Notizen Juni 2017

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Nach dem Kommunikationswissenschaftler Kolb folgt jeder Nachrichtenzyklus fünf Phasen. Anlehnung an Aristoteles rein zufällig.


  1. Das öffentlich aufgeworfene Thema (Nachricht) wird in sog, Frames (einzeln) abgebildet, also als Thema aufgenommen, auch "geteilt".
  2. In der steigenden Zahl der Frames werden keine Lösungsansätze genannt; man staunt und schwatzt, aber weiß eigentlich nicht, wie man mit den aufgeworfenen Problemen umgehen soll. Die Spannung sinkt, das Interesse nimmmt ab.
  3. Einzelne Begabungen nehmen den Diskurs wieder auf, haben nunmehr aber Lösungen anzubieten. Relevanz durch sog. Akteursbezug. Je nach Anerkennung/Respektabilität der Akteure wird das Thema entschieden, ein moralischer Bezug deutlich, eine gesellschaftlich weitgehende Akzeptanz deutlich. Die Sache entschieden.
  4. Der Abschwung setzt ein. Die Sache ist entschieden, woran auch vereinzelt auftretender Widerspruch nichts ändert.
  5. Das Thema verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung.



Es ist also so, daß ein brisantes Thema nach diesem Muster die Medien durchläuft. Sind es derer mehr als fünf Phasen? Gut denkbar, denn manches Thema kocht immer wieder hoch, wird durch neue Ereignisse/Nachrichten zur Multiperspektivität getrimmt. Doch das Muster bleibt, am Ende setzt sich das als Deutung durch, was dem Selbstverständnis des Establishments entspricht. Das nicht darin Verortbare verschwindet, wird nur als Phänomen wahrgenommen, als Randmeinung als Glosse, bestenfalls kabarettistisch aufgearbeitet, dringt jedoch nie wieder in die Kernmeinungsbildung der ausdifferenziert-öffentlichen Medien.

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Kommentare

  1. Avatar von aerolith
    Langeweile, Ekel, schlechte Laune heißt der Ordner, den Susanna NICHT (!) begonnen hatte, der aber dennoch auf 187 Einträge kam, bevor er starb. Ha! 187, der Code für einen Mord bei der amerikanischen Polizei. Dinge jibt's!
  2. Avatar von aerolith
    Na, gucke mal: Johannes Schlaf und Hermann Conradi, zwei Gleichgesinnte zur gleichen Zeit an einem Ort: Magdebuirg. Da bin ich gespannt, ob und was ich aus ihren Werken im Geschichtsbuch werde unterbringen können...
  3. Avatar von aerolith
    In einem Artikel aus dem Jahre 1910 - Viktor Eschbach über Elsaß-Lothringen in "Hochland", S. 68 ff. - behauptete der Autor, es gäbe keine Weltkultur, sondern nur nationale. Es gäbe KEINE Realisationsmöglichkeit für eine allgemeine Menschheitskultur, vielmehr müsse man das Umgekehrte annehmen. Das Umgekehrte: es gibt nur nationale Kulturen, eine griechische, eine römische, eine französische oder auch eine deutsche. Als "national" wird das konkrete Verwirklichen eines abstrakten Kulturideals bezeichnet, das aber zugleich wegen "seiner Abstraktheit niemals verwirklicht werden kann".

    Das führt in einer Zeit, in der die Lebensphilosophie ihren Höhepunktn besaß, zu ff. Interpretation: Das Leben greift in ein Gedankengebilde, in ein formuliertes Ideal, prägt es aus oder ignoriert es, da die Vitalität des Lebens selber sich um Theorien nicht kümmert, sondern diese aus dem Leben greifen müssen, gelegentlich als Entwürfe, niemals aber umgekehrt ein Abstraktum das Leben selber formt.

    Oder?

    Ließe sich nicht eine Liste erstellen, Kriterien, die bei einem (analysierten) Ist-Stand dann unweigerlich den Schluß zulassen müßten: Kultur!

    Halt, da wehrt sich etwas in mir. Wird jetzt nicht Kultur mit Zivilisation verwechselt?