aerolith

Laßt uns über Fußball reden - Hinrunde 2017/18

Bewerten
Das erste Heimspiel der Saison lockte nicht so viele Zuschauer in die Krügel-Kampfarena, wie es angesichts der hohen Erwartungshaltung der hiesigen Eingeborenen vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Das lag zum einen wohl an der saftigen 1:4-Niederlage zum Saisonauftakt in irgendeinem Kaff im Aushämischen, das die meisten Hiesigen nicht mal auf der Landkarte finden würden, wenn man ihnen die nächstgelegene Großstadt nennen würde. Ich auch nicht. Soll wohl Heidelberg sein. Kann mich aber auch irren und bin jetzt zu faul, das näher zu eruieren. Aber so tickt der Ostfale eben: "Verlorn ham se? Wo? Kennich nich. Kann nüscht taugen. Na ja, ich jeh hin, fallse uffsteijn könn'n." So oder so ähnlich blickten sich wohl einige das Ergebnis aus Spiel eins in dieser Saison schlecht. Und Ferien sind ja auch noch. Also kamen nur umme 17000 Zuseher und sahen einen furios startenden FCM, der hinten nichts zuließ, wohltuend flach spielte, Doppelpässe versuchte, zuweilen ansehnliches Dreiecksspiel und eben kein Kleinklein zelebrierte, zudem blitzschnell nach vorn umschaltete. Die Erfurter wußten gar nicht, wie ihnen geschah. Sie hatten wohl auch damit gerechnet, daß die Unsrigen mit Schaum vorm Mund die Schlappe aus dem Ort, der mir eben entfallen ist, wegzumachen gedachten. Aber nach nicht mal einer halben Stunde stand es 0:3. Die Messe war gesungen. Abflug, ihr Ableger-Domstädter. Der Rest war Schaulaufen und Körnersparen fürs Mittwochspiel in Ostfriesland. Schlimm genug, daß wir in solche Gegenden müssen statt nach Mailand oder Moskau. Na ja, Hauptsache irgendwas mit M, würde Andy Möller murmeln. Aber genau in diesem Punkt sehe ich das Hauptproblem für diese Saison, nämlich in einem Mentalitätsproblem.
Nur Zugereisten oder Duckhanseln ist ein 45-Punkte-Ziel zu vermitteln. Die nehmen das eifrig nickend als Lebensweisheit der da oben an und hin, plaudern es jedem ins Ohr, der es nicht hören will und glauben am Ende noch, sie seien damit auf der sicheren Seite des Lebens.
Ob8, Leute, so was überträgt sich aufs Gemüt! Tiefstapelei ist was für Warmduscher und Vomlebengezeichnete, die mit dem Arsch an die Wand kommen wollen. Wenn man das als Strukturelement pflegt, schleicht sich schnell Genügsamkeit ein, Gleichgültigkeit, aber kein Leistungswille. Der aber ist die Basis im LEISTUNGssport.
Ein anderes, sachlicheres Argument für alle, die's gern sachlich haben: Wir haben in den letzten beiden Jahren den 4. Platz erreicht. Schlimm genug, daß es nicht zum Aufstieg reichte, aber immerhin: 4. Wir haben die meisten Anhänger in dieser Liga, wir haben keine Schulden, ein gut ausgebautes Trainingsgelände, wir haben ein tolles Stadion und einen Trainer, der hier seit Jahren in Ruhe arbeiten kann, und wir haben eine Menge Leute mit Geld, die bereit sind, in ein wachsendes Unternehmen zu investieren. Nur muß es eben wachsen und nicht kleine Brötchen für den örtlichen Markt backen wollen.
Wie FRECH wäre es denn nun, NICHT mehr als den 4. Platz zu verlangen? Es wäre dumm, es nicht zu tun, also mit einem status quo ante zufrieden zu sein. Ja, sind wir denn das Reich und wollen einen Frieden, der uns das sichert, was wir vor dem Krieg hatten? Besitzstandswahrung in Liga III? Im Grunde bin ich ja ein Freund der Besitzstandswahrung, aber wenn man sich verbessern kann uind es nicht versucht oder Ausreden vorab formuliert, dann will ich das nicht hören. Also, Klarschiff für den Aufstieg, als Forderung für die Saison. Nix anderes!

Zur Einzelkritik:
Glinker hatte nicht viel zu tun. Abschläge okay, aber nicht umwerfend. (3)
Schiller souverän. Schaltete ab und an den Turbo an und schaltete sich ins Angriffsspiel ein. So will ich das sehen. Klare Ansagen, diesmal nicht zum Schiedsrichter, sondern dahin, wo's hingehört: zum Mit- und Gegenspieler. (2) Hammann souverän. Hatte eine gute Länge in seinen Bällen und wirkte nicht übermotiviert mit 40m-Pässen in den Fuß, sondern soliden 20m-Bällen, meist mit Innenrist. Ich sah ihn auch in Aspach schon nicht so schlecht, wie es manche schön wieder behaupteten, aber heute war er gut. (2) Butzen mit einigen Unsicherheiten, die er meist selber wieder ausbügelte. Kaum verbessert im Offensivspiel. Aber seine Seite war nach hinten zu. (3) Rother staksig, aber angenehm in seinem Auftreten. Muß sich noch in die Mannschaft hineinspielen, aber das wird. Ich sah einige Unsicherheiten, die er mit großem Einsatz kaschieren könnte. Lernwillen vorhanden, wenn ich das richtig deute. Gut so. (3,5) Handke solide, aber ohne irgendwelche positiven oder negativen Auffälligkeiten. Ein Dreier-Schüler. Wenn ihm das reicht... (3,5)
Ludwig zuweilen eine Augenweide. Gute Technik, Auge für die Spielsituation. Aber auch ein Leichtgewicht, das merkwürdig unverbandelt in der Mannschaft wirkt. Muß stärker eingebunden werden. (3,5) Sowislo mit guter Partie. Sehr pragmatisch spielend. Etliche Ungenauigkeiten beim Paßspiel, aber er weiß, wann er wo hinlaufen muß, auch wenn's wehtut. Damit prägt er unser Spiel zuweilen entscheidend. (3) Türpitz mit zwei schönen Toren. Im Unterschied zum spielterisch stärkeren Ludwig eher der dynamische Typ. Kann passen, muß aber nicht. Dynamische Spielertypen haben zu oft Hochs und Tiefs. Ich warte hier noch ab, ob ich seine Verpflichtung begrüße. Heute jedenfalls war er gut, nicht nur bei den beiden Toren, sondern überhaupt in der Umschaltung aus dem MF in die Angriffszone. (1,5) Niemeyer mit starker Anfangsphase. Fühlt sich auf unserer linken Seite sehr wohl und nimmt jeden mit, der mit ihm spielen will. So will ich das auch sehen. (2,5)
Beck wirkte in dem neuen Breitbandfußball deplaciert. Muß hier seine Funktion noch finden, denn ich glaube nicht, daß Härtel den eingeschlagenen Weg zurückgehen wird, also hin zu einem MS-zentrierten Angriffsspiel über die Flügel. Heute ein Spiel der Findungsphase. (4,5)

"Laßt uns über Fußball reden - Hinrunde 2017/18" bei Digg speichern "Laßt uns über Fußball reden - Hinrunde 2017/18" bei del.icio.us speichern "Laßt uns über Fußball reden - Hinrunde 2017/18" bei StumbleUpon speichern "Laßt uns über Fußball reden - Hinrunde 2017/18" bei Google speichern

Kommentare

  1. Avatar von aerolith
    Wir gewannen das Spiel, weil wir einmal von einem Patzer in Würzburgs Innenverteidigung profitieren konnten und zudem einen Elfmeter bekamen, den man auch hätte nicht pfeifen müssen. Im übrigen schmeckte das, was wir spielten, wie gräßliche grüne Grütze. Wir bekamen keinen Zugriff im Mittelfeld, es gab keinen Spielfluß, kein Außenspiel (die ersten Flanken kamen in Halbzeit durch den eingewechselten Sowislo), kein Flügelspiel, keine Spielberuhigung, kein Dreiecksspiel, keine Ballstaffetten und keine Distanzschüsse. Nix. Nado. Nothing. Auch unsere Verteidigung schwamm. Ich würde gern etwas Lobendes sagen... Ach ja, der Spielstand war gut. Modus tractandi (Variante I): Ball erkämpfen, Ball nach vorn, Ball weg, Ball erkämpfen, Ball nach vorne, Ball weg... Variante II: Kopfball, Kopfball, Kopfball und, ja, richtig... Kopfball. Ball weg. Dann wieder Variante I.
    Glücklicherweise bekam Würzburg das Spiel ebenfalls nicht in den Griff. Bei denen gab es auch kaum besseres Zusammenspiel, aber es war besser als bei uns, die wir doch eigentlich mit dem 2:0 im Rücken ein komfortables Katz- und Maußspiel hätten aufziehen können. Ham wir nich. Statt dessen drehten sich unsere Angreifer, nachdem es ja einmal klappte, in ihre Gegenspieler und fielen wie reife Früchte vom Baum. Früchtchen. Ich will so was nicht sehen. Wir spielen geradeaus und den ehrlichen Ball und mimen keinen frühen Herbst. Ich erwarte eine grundsätzlich andere Spielgestaltung, nämlich die aus einem stabilen Deckungsverbund sich allmählich nach vorn schiebende MF-Arbeit über eine Doppel-Sechs oder klassisches Konterspiel über die Flügel. Alles andere ist nur Fußball.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker nicht sehr souverän. MIt Raumordnungsproblemen, nicht aber immer schuld daran, denn zuweilen verlangten seine Vorderleute einen schnelleren Schritt, als Glinker zu leisten imstande oder bereit zu tun ist. (3,5)
    Schiller mit gutem Auftritt als Rechtsaußen, mäßig gutem Stellungsspiel im Defensivverbund, Stärken am Mann, zugleich aber auch Schwächen bei der Ballbehauptung im Defensivverbund. Also schön durchwachsen. (3) Weil mit einigen Unsicherheiten, auch im Stellungsspiel. Abstimmungsprobleme. Gute Pässe nach vorn, aber kein initiierendes Aufbauspiel durchs MF. (3,5) Hammann mit etlichen Fehlpässen. Keine Diagonalpässe, was wohl auch daran lag, daß er zentral spielte. Halte ihn dann für stark im IV-Bereich, wenn er der einzige Spielertyp mit Langpaßspiel ist. Andernfalls außen stärker, weil das Schräggehen resp. -spielen unsere Gegner eher verwirrt. (4) Butzen mit zahlreichen Problemen. Heute ohne Vorwärtsdrang und etlichen Schwächen am Mannn. (4,5) Türpitz ohne Bindung zum Spiel. Fallitis. (5) Rother spielte unauffällig, aber passabel. Hielt die Würzburger von unserem Tor weg und gewann viele Zweikämpfe. Kein Spielaufbau, aber das war wohl heute auch nicht seine Aufgabe. (3) Schwede mit Biß und Schaum vorm Mund. Wollte heute viel und zeigte manches. Ich mag diesen Biß, aber Präzision ist wichtiger. (3) Erdmann ohne Laufwegekenntnis und Spielverständnis. Zeigte Präsenz, aber so schnell er Bälle gewann, so schnell waren sie auch wieder weg. Ist mir zu wenig. (5) Niemeyer heute amissa est: verloren gegangen. Ich nahm ihn wohl ein- oder zweimal während des Spiels wahr. Kein gutes Zeichen. Ging irgendwie unter. (5)
    Beck mit Präsenz, aber erst mit Chancen, als Sowislo auf dem Feld stand. Er sucht immer noch seinen Platz im System Härtels, das zudem von Spiel zu Spiel verändert wird. Aber als Profi muß er das bringen, also Anpassungsfähigkeit zeigen. (4)
  2. Avatar von aerolith
    Magdeburg vs. Augsburg 2:0. Wann? Egal. Wo? Egal. Wer? Egal. Was? Nicht egal. Wir siegen. Besser is.
    Härtel wählte die Harakiri-Variante mit fliegendem MF-Spiel ohne Absicherung. Die Pokalvariante. Wir sind ne Pokalmannschaft. Augsburg nicht. Also sollten DIE bei uns vor dem Spiel mal schauen, wie man es machen muß und nicht glauben, daß ihre "individuelle Klasse" den Ausschlag geben würde. Macht eben nicht den Unterschied. Vielleicht eine Gehaltsklasse höher, so ab Leverkusen. Vielleicht. Mal sehen, ob gegen so einen Gegner unsere Pokaltaktik auch verfängt oder ob Härtel da was Neues aus dem Hut zaubert. Von der heutigen Wahl der Mittel war ich jedenfalls begeistert. Ich hatte bis auf die paar Minuten nach der Pause auch nie das bange Gefühl, wir könnten verlieren. Zeitweilig schnürten wir den Zweiklassenüberunsspielenden sogar in seiner Hälfte ein und erspielten uns ein gefühltes Dutzend Eckbälle. Die bringen bei uns zwar nicht wirklich was, aber das Gefühl war schon okay. Wir waren am Drücker. Dabei waren die Einzelleistungen nicht wirklich überragend, wobei ich die mannschaftsdienlich spielenden Sowislo und Beck mal herausheben möchte. Aber auch Seidel gefiel mir sehr gut in seiner ruhigen und nonchalanten Art. Und so was kömmt aus Aue? Alle Achtung! Da lerne ich noch dazu. Am Ende purzelt so ein 60-Meter-Geschoß an den feindlichen Torpfosten und der bltzschnelle Schwede rast heran und versenkt die Molle zum 2:0. Bravo! Jetzt wünsche ich mir Schweinfurt, den mutmaßlich leichtesten Gegner aus dem Lostopf. Weiß itzto gar nicht, wie die Pokalmodalitäten sind. Dürfen wir gegen die überhaupt spielen? Falls nicht, wünsche ich mir Gülle. Die sind mal wieder dran mit Haue!

    Zur Einzelkritik:

    Seidel mit Souveränität. Gutes Raumgefühl, gute Abstöße, schnell unten und locker-flockig mal den Ball mit einer schnellen Bewegung gegen den eigenen Pfosten gelenkt. Und so richtig gefordert war er noch nicht mal. - Warum spielt der nicht? (2)
    Handke souverän, sachlich und (beinahe) immer im Bilde. Ohne Vorwärtsdrang. (3) Schiller spürte den Klassenunterschied, blieb aber weitgehend cool. Vorn ein paar Mal mit Pech, hinten bei gegnerischen Standards souverän. (2,5) Butzen so, wie ich ihn gern öfter sehen möchte. Immer am Mann, bissig in den Zweikämpfen und mit zeitweilig gutem Vorwärtsdrang, wenngleich ohne Sturmattacke. Verbessert. (3) Hammann prima. Drang nach vorn, wenn die Situation sich anbot, paßte gut und abwechslungsreich und stand schlichtweg gut. (2)
    Sowislo ein Allrounder, wie man so schön sagt. Vogelwilde Verteidigungsarbeit paarte sich mit Aufbauspiel ohne Konkretation, also war Verwirrung das Signalwort. Unser heutiger Schlüsselspieler. Bin schlichtweg begeistert von seinem heutigen Spiel. Wenn er jetzt noch ein Tor gemacht oder vorbereitet hätte, müßte ich ihm ne glatte Eins geben. So aber...(1,5) Ebenso vogelwild agierte Türpitz, allerdings auf niedrigerem Niveau, weil fast ausschließlich mit Offensivaufgaben betraut. Das tat er gut, wenngleich ich mir den einen oder anderen Paß mehr schon zum eigenen Mann gewünscht hätte. Muß präziser passen lernen. Fällt mir immer noch zu schnell, wenngleich es heute schon weniger oft als im letzten Heimspiel war. (3,5) Rother unauffällig, aber mitverantwortlich dafür, daß Augsburg das typische Bundesligaspiel des Ballbesitzfußballs nicht aufziehen konnte. Dafür ein . Unser Aufbauspiel konnte er nicht befruchten. Dafür ein . macht zusammen (3,5). Niemeyer beinahe ein Ausfall. Da gelang nicht viel. (4,5) Schwede mit einigen guten Szenen. Dribbelte passabel und paßte auch gut. Empfahl sich für weitere Auftritte in der Startelf. Alles wirkte aber wie brotlose Kunst, wenn da nicht das 2:0 gewesen wäre. (2,5)
    Beck mit einem guten Spiel. Lief ab, stand immer bereit und versenkte, als es darauf ankam. Am Ende groggy. (1,5)
  3. Avatar von aerolith
    Das Duell zwischen den Nord- und Mitteldeutschen endete mit einem verdienten Sieg der Mitteldeutschen. Die Multikultitruppe aus Mecklenburg spielte so, wie das von einer gerade zusammengewürfelten Truppe eines eher armen Vereins erwartet werden kann: ehrheischig und mentalitätsschwach. Soll nicht unser Problem sein, aber es wundert mich schon, daß es da in Rostock offenbar keine Leute gibt, die eine Truppe auch nach charakterlichen Kriterien zusammenstellen, so daß ein Rückstand nicht stupend-stoisch hingenommen wird.
    Der Stadionbesuch begann ärgerlich. Diejenigen, die den Einlaß kontrollieren, sind sicherlich niemals die hellsten Kerzen auf der Torte gewesen, aber sie befolgen Anweisungen. Die Anweiser sollte man mal anweisen, daß sie zwischen dem Geist einer Verordnung und dem Buchstaben zu unterscheiden lernen, andernfalls dürften sich etliche Zuschauer gegängelt fühlen, wenn sie partout einen anderen Eingang benutzen sollen, um zu ihrem Platz zu gelangen, damit meine ich jetzt nicht die auch strittige Sektorentrennung außerhalb des Stadions, sondern die Torwacht innert des Stadions. Wie sinnvoll soll es sein, daß jemand mit einer Karte für Block 10 am Durchgang 9 weggeschickt wird? Gängelei. Nichts anderes. Zumal, wenn sonst niemand Einlaß begehrt, weil alle schon drin sind.
    Und dann war ich drin, mehrfach kontrolliert, höre es knallen und pyrofeiern. Ja, gängelt nur die Durchschnittsbesucher, laßt aber all diejenigen durch, die Pyrotechnik und Knallkörper ins Stadion schmuggeln. Oder seht ihr über so etwas hinweg und konzentriert euch auf diejenigen, die plus 25 € zahlen?

    Zum Spiel: Wir verschoben gut, spielten miteinander, halfen einander und verstanden es, die entscheidenden Pässe zu spielen. Zudem widerstanden unsere Spieler der Versuchung, wie die selbstverliebten Darsteller auf der Gegnerseite, den Ball zu Mitspieler tragen zu wollen. Das gab den Ausschlag. Einmal kamen wir auf der Niemeyer-Seite durch, Beck lief zum kurzen Pfosten und zog die gegnerischen Verteidiger mit, Türpitz lief zum langen Pfosten, der Ball kam durch und unser Admiral wuchtete ihn in die Maschen der Kogge. Das zweite Tor war aus der Kategorie: "Nimm du ihn, ich habe ihn auch nicht". Der gerade eingewechselte Lohkemper nutzte die Abwehr-Unordnung bei der Zuweisung der Angreifer, erwischte einen Abpraller nach Standard und konnte einen Aufsetzer placieren.
    Das nervöse Spiel plätscherte dann dahin, wir ließen Hansa kommen, die aber keinen Plan hatten, wie gesagt, Einzelkämpfer. Wir hatten hinten Glinker, der die wenigen brenzligen Situationen für uns entschärfen konnte. Mit etwas Glück machen wir noch ein drittes Tor.
    Eine Sache noch, die mir mißfiel: Ich möchte es nicht sehen, daß unsere Spieler für gegnerische Kollegen eine Karte fordern. Das ist nicht nur unmännlich, um dieses schöne alte Wort zu benutzen, sondern auch unsportlich. Abgesehen davon bringt es Gift ins Spiel, unfruchtbares Gift, das die eigenen Kräfte nicht entwickelt, sondern eher lähmend wirkt. Bei Schiedsrichtern kömmt das auch gar nicht an, habe ich mir sagen lassen.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker gut. Verbessert in der Strafraumbeherrschuing. Nach wie vor (eher) schwache lange Bälle. Stand gut und strahlte Sicherheit aus. (3)
    Butzen mit einigen guten Szenen. Ließ wenig zu, stand gut und besaß heute Vorwärtsdrang, wenngleich unsortiert. (3,5) Hammann stand gut, brachte etliche Zwanzigmeterpässe zum Mann und hielt die Hanseaten auf Distanz. Kein Vorstoß! (3,5) Handke mit einigen ungestümen Aktionen. Am Rande des Platzverweises. Ließ aber nichts zu. (3) Niemeyer mit einigen starken Szenen. Entwickelt sich prima. Hinten gut, nach vorn sehenswert. (2) Weil mit gutem Laufspiel. Gute Absprachen mit Hammann. Einige Fehler im Spiel nach vorn, meist durch Taktprobleme. Der berühmte halbe Schritt. Vielleicht erlebe ich es noch, daß wir uns mal von hinten spielerisch nach vorn bewegen. Am ehesten traue ich das Weil zu. (3,5)
    Schwede mit angezogener Handbremse. Ich hatte das Gefühl, daß er heute so spielte, als ob er Angst vor einem Fehler hätte. Zwei, drei gute Aktionen, sonst aber viel Abduckerei. Sein Spiel definiert sich über Sympathetie, also muß er sich in das Spiel hineinbeißen; erst dann blüht er auf und befruchtet unser Spiel. Lief heute nur mit, meist jedenfalls. Machte aber keine graviernden Fehler. Immerhin! (4) Türpitz sehr hibbelig, aber das ist Teil seiner Jobbeschreibuing, denke ich. Immer nah dran, die gegnerischen Ballpassagen zu unterbrechen. Gut so! Im Zuspiel oft zu ungenau. Taktgefühl hat er nicht, dafür aber weiß er, wann er wo hinlaufen muß. (2,5) Erdmann mit starkem Anfang. Ließ dann nach und spielte nickliger, was aber nicht falsch war. Muß eben besser aufpassen, wann er das Spiel verzögert. Es ist KEINE Leistung, eine Gelbe zu bekommen. Brachte auch einige Pässe nach Ballgewinn zum eigenen Mann. Wird kein systematischer MF-Mann mehr werden, leistet aber in seiner gegenwärtigen Form gute Dienste im DM-Bereich. (3) Rother kam oft einen halben Schritt zu spät, brachte auch wenige Bälle zum eigenen Mann und mußte sich zurücknehmen, da früh gelbbelastet. Sein Spiel allerdings verträgt behutsamen Einsatz nicht. (4,5)
    Beck eher glücklos, aber immer im Brennpunkt des Geschehens. Einige Male schlecht angespielt. Dennoch wichtig für unser Angriffsspiel, wie man vor unserem 1:0 sehen konnte. Die gegnerischen Verteidiger konzentrieren sich auf ihn, so daß die anderen (Lohkemper und Türpitz) profitieren, da sie zum Schuß kommen. Ich befürworte seinen nächsten Einsatz. (3)
  4. Avatar von aerolith
    FCM vs. Paderborn 1:0
    Tor: Beck
    Zuseher: 16800, 10° C, klar

    Es gibt Gegner, die einem liegen. Paderborn beispielsweise. Dabei scheint es gleichgültig zu sein, wie beide Mannschaften personell besetzt sind. Scheint so. Die Spiele ähneln einander. Bei uns sitzt seit Jahren Härtel auf der Bank, bei Paderborn wechselt das immer mal, aber sie spielen den gleichen Stiefel. Schnelle und technisch starke Spieler, die aber den Ball ins Tor tragen wollen und in Schönheit sterben. Wir halten dagegen, lassen kommen, ziehen den Zahn und schlagen dann zu. Okay okay, wir standen anfangs fünf Meter zu tief, waren bei der Doppel-6 schlecht organisiert und ließen Beck vorn ins Leere laufen. Hammanns unterschnittene Vollspannpässe blieben zu lange in der Luft, so daß sich die Verteidiger postieren konnten - und hatten wir dann mal den Ball im MF, gaben wir ihn schnell wieder her. Egal, denn Paderborn gefiel sich offenbar in der Rolle des technisch überlegenen Spielmachers. Wie dümmlich! Haben wir das bei uns nicht schon zig Mal gesehen? Ein Muster. Ich habe die Pressekonferenz jetzt nicht gesehen, aber ich vermute mal, daß uns (vom gegnerischen Trainer) wieder erklärt worden ist, die bessere Mannschaft habe verloren. Natürlich hat sie das nicht. Die bessere Mannschaft hat gewonnen. Wie fast immer.
    Mir gefällt das. Ich bin so gar kein Freund des Ballbesitzfußballs, sondern ein Freund des preußischen Kirchgangs: Rin, stilles Jebet bis fuffzehn - und dann nüscht wie raus. Anders gesagt: Irgendwann auf Außen durchbrechen, den MS suchen, abschließen und dann wieder zurückziehen und lauern.
    Schwierig wird es für uns nur, wenn wir auf Kloppertruppen treffen und dann auch noch so aufstellen, daß wir das Spiel machen wollen. Zwickau zum Beispiel. Das müssen wir noch lernen, daß man Zwickau das Spiel machen lassen muß, denn das können die gar nicht, um sie dann auszukontern. Aber da beißen sich unsere Spieler schon in den Allerwertesten, denn sie müßten über ihren Schatten springen - oder Härtel, um sich so zu verleugnen. Aber ist es nicht das, was einen Ligakönig auszeichnet, daß er mit den anderen Mannschaften spielt und sie jeweils mit den geeigneten Mitteln schlägt?

    Zur Einzelkritik:
    Glinker spielte heute mit und zeigte in der 59. Minute atemberaubend guten Fußball, um kurz darauf wie ein Siebtligist den Ball sonstwohin zu dreschen. Eine sehr gute Parade, etliche gute Aktionen. (2,5)
    Butzen heute weiter vorne postiert, was seinem Spiel bekam. Mußte gegen den wieselflinken Gegner höllisch aufpassen, der zudem Fallsucht und einen hypersensiblen Gerechtigkeitssinn besaß, dem man nur beikommt, indem man ihn auflaufen läßt. Das tat Butzen mit zunehmender Spielzeit und konnte auch nach vorn Impulse setzen. Wenn er jetzt noch flanken könnte, wäre er auch in Liga II ein passabler Mann. (3) Hammann anfangs schlecht postiert und mit etlichen Fehlpässen. Im Verlaufe des Spiels, auch deshalb, weil er mehr Luft bekam, denn die DM-Spieler rückten etwa fünf Meter weiter vor, wurde er besser und las das Spiel gut. (3,5) Schäfer staksig und mit Glück, daß er für eine Attacke kein Rot bekam. Kein Spiel nach vorn. (4) Weil ohne gravierende Fehler, aber mit wenig Präsenz. Solide auf gutem Drittliga-Niveau, aber nicht so, daß ich Potential entdecken könnte. (3,5) Niemeyer anfangs ohne Esprit. War v.a. defensiv beschäftigt. Im Laufe des Spiels besser. Wieder am entscheidenden Tor maßgeblich beteiligt. Dann platt. (2,5)
    Erdmann mit zuviel Theatralik und vielen kleinen Fehlern und Ungenauigkeiten. Gutes Stellungsspiel im Laufe des Spiels. Anfangs stand er zu tief und zu eng bei seinem Pendant. Daß er fürs erste Foul gleich eine Karte bekam, hatte er sich selber zuzuschreiben, denn der Schieri hatte kurz zuvor die nicklige Ballherausgabe sehrwohl notiert, denke ich. Durch solche Aktionen schadet er uns. (4,5) Rother relativ auffällig. Seine Körpersprache hat sich verändert. Er wirkt selbstbewußter als noch vor Monatsfrist. Sein Stellungsspiel nicht gut, aber ohne gravierende Fehler. Sollte sich eher VOR Erdmann oder Sowislo postieren, denn sein Paßspiel ist gut. (3,5) Schwede verbessert. Nahm den Kampf besser an als zuletzt. Brachte eher wenig zustande, war aber knapp dran. Das kennzeichnet sein heutiges Spiel: knapp dran, um Großes zu leisten. (4) Türpitz quirlig. Dreieckspiel vorn üben. (4,5)
    Beck anfangs eine Katastrophe. Da gelang gar nichts. Nachdem unser MF ein paar Meter aufgrückt war, kam er näher ans Geschehen, was auch sein Spiel vérbesserte. Nach seinem Tor stark verbessert. (2)