aerolith

Laßt uns über Fußball reden! - Saison 2015/16 (I)

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Zu Teil II der Berichterstattung geht's hier lang...

Also, ALLE sind nicht scharf auf Pintol. Nicht jedes Neinchen ist ein Falschgepoltes. Es gibt gute Gründe, diesen Rasenkantenunterlippespieler hier nicht aufschlagen zu lassen. Der Mann paßt charakterlich nicht zu uns, andernfalls hätte er mit seiner Nase nicht unseren maroden Rasen umpflügen wollen - der lag ja mehr, als daß er spielte. Zudem immer dieses weinerliche Gehabe. Da kann er so gut spielen können, wie er's manchmal zeigte, spätestens an dem Tag, an dem es nicht läuft und er das Fallobst spielt, werden sich etliche Klubfreunde auf unseren Rängen regen und den Mann auspfeifen. Da kann Härtel vor der Saison was von Kratzen, Beißen, Spucken erzählen, das tangiert hier die wenigsten: Kämpfen lautet das Zauberwort, nicht schönspielendes Auafußballchen mit Gravitationsbeschleunigung. Das hat sich seit Riedigers Zeiten nicht geändert. Der Ostfale liebt den Kampf, aber nicht das rumlungernde Elfmeterschinden.
Ich denke, so einen brauchen wir hier nicht. Das ist eine Frage der Spielauffassung, die er nicht so leicht wird ändern können. Wäre er ein sehr junger Spieler und hätte diese spielerischen Fähigkeiten, würde ich ja sagen, weil die Mannschaft den Mann dann noch erziehen könnte. Aber Pintol steht im besten Fußballeralter, ist fertig und wird sich charakterlich kaum noch ändern lassen. Meiner Meinung nach ist Ärger vorprogrammiert, wenn er hier aufschlagen sollte, auch in der Mannschaft, denn ich glaube kaum, daß er sich wird hinten anstellen wollen. Vielleicht versucht der Mann sein Glück in Wolfsburg, Halle, Schalke oder in München, da paßt er besser hin. Die haben auch mehr Moos, ohne das bekanntlich nix los.

Der Diskussionshype um Pintol macht aber eine Schwachstelle unserer Verpflichtungspolitik deutlich: Zwar schrieb eine Fußballseite, daß wir nur PUNKTUELL verstärken würden, aber das scheint mir bei bislang sechs neuen Spielern wohl etwas inadäquat ausgedrückt. Es wurden, verglichen mit den abgehenden Spielern, hauptsächlich schwächere nichtdeutsche Spieler geholt. Keine Verstärkung dabei! Die Quote muß stimmen! Also her mit Semiten, Slawen, Schornsteigfegern und Eskimos! Andernfalls könnte ja ein Erfolg der Mannschaft arische "Segensträger" aus Ostelbien ins Stadion locken und deren "Siech Heil!"-Gebrüll dem Ruf des Vereins schaden. Nun, aus schwächeren Spielern können stärkere werden. Die Geholten sind noch jung (zwischen 18 und 24 Jahren alt), vielleicht wird es ja. Sollte mich freuen. Aber wahrscheinlich ist es nicht, denn KEINER der Neuen kann auf Anhieb Stammspieler sein, muß sich also hinten anstellen. Ob das alle tun? Nun gut, kein gravierender Fehler, ein Fehlerchen, das der Trainer durch gute Arbeit wieder ausbügeln kann. Gravierender ist da schon der (aufgrund klammer Kassen vom Kassenregio kolportierte) Verzicht auf einen gestandenen Spieler im Offensivbereich, der nicht nur Beck/Fuchs Dampf macht, sondern Erfahrung mitbringt: der Königstransfer. Und genau das Spüren dieses Mankos erklärt die Pintol-Diskussion bei den FCM-Fans, denn dieser Pintol spielt genau so, wie wir es brauchen - wenn er mal spielt und nicht auf dem Rasen liegt oder sich mit Gegenspielern oder dem Schiedsrichter oder den Zuschauern fetzt. Spätestens an dem Tag, an dem er das in Maghdeburg als Spieler des FCM tut, war's das. Und genau das kennen wir ja in Magdeburg, was das dann für Folgen für den Verein hat. - Nein, danke!

Ich fasse zusammen. Gesucht: ein gestandener Spieler im OM/HS-Bereich, der charakterlich zu uns paßt, wenig kostet und noch mal Gas geben will. Eine eierlegende Wollmülchsau.

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Kommentare

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  1. Avatar von aerolith
    Ich scheine nicht der einzige zu sein, der sich Sorgen um die Qualität unseres zweiten Anzuges macht. Der Nutzer terrier79 fragte im Magdeburger Fußball-Forum nach zwei Königspudeln. Hä? Er meinte damit Spielertypen, die der Mannschaft neue Impulse geben können, also Leithammeln, Kurvenpacern, Stehpinklern oder auch Obergurus - ganz nach Belieben zu bezeichnen.
    Das ist entstehendes Sprachgut, eine Bedeutungsübertragung, Soziolekt und nur Eingeweihten verständlich.
    Die sachlich damit verbundene Fragestellung ist gleichsam als sportliches Paradigma zu stellen:

    Soll die Mannschaft aufgrund ihres innewohnenden Talent- und Mentalitätsvermögens wachsen, behutsam gelenkt vom Trainergespann?
    ODER
    Soll die Mannschaft in ihrer Entwicklung von außen angestoßen werden, indem Spieler verpflichtet werden, die die Hackordnung durcheinanderwirbeln, durch von terrier79 so bezeichnete Königspudel?



    Ich glaube, die Antwort fällt da jedem leicht. :confused:
  2. Avatar von aerolith
    Heute war Trainingsbeginn beim FCM. Leider ohne mich, ich war aushäusig, werde mir aber morgen das Training, vor allem die Neuen anschauen.
    Der DFB hat mal wieder "zugeschlagen". Etwa 7500 € Strafe für den FCM, weil seine Fans feierten und böse Dinge taten, zum Beispiel mit Wattebäuschen warfen und damit die Gesundheit des gegnerischen Pintol gefährdeten, als der vor der Ausführung eines Eckballs auch so lange wartete, bis endlich jemand ein Feuerzeug nach ihm warf. Böse böse böse.
    Ist natürlich eine große Verarsche, das Ganze mit der Bestrafung. Wenn es dem DFB um Bestrafung ginge, würde er sehr viel höhere aussprechen. Das wiederum würde den Verein dazu bringen, sich vielleicht mit anderen in einem neuen Verband zusammenzutun. Also bleiben die Strafen moderat und bewirken nur, daß sich diejenigen, die das verursachten, gebauchpinselt fühlen - sie sind wichtig! Andererseits befeuert das die Stimmung im Stadion, derentwegen etliche Eventis, die mit dem Geld, ins Stadion gehen oder die Glotze einschalten. Fußball ist keine rhythmische Sportgymnastik, wobei schon mal ein Wattebäuschchen fallen kann. Interessiert bloß keinen..
    Schließlich ist die Bestrafung durch den DFB rechtlich wagemutig und nur veritabel, weil der Verein so etwas zustimmt. Der Verein soll scheinbar dazu erzogen werden, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen, resp. sollen die bösen Jungs am Ende die Strafen selber zahlen. Allerdings wird da nicht wirklich was unternommen. In Zeiten, in denen man ein Nummernschild aus dem All entziffern kann, soll es nicht möglich sein, den Urheber eines Böllerwurfes zu ermitteln?
    Nein, für mich sind das win-win-Situationen. Für alle. Also bleibt das System erhalten.

    P.S. Die BLÖD hat heute einen 22jährigen ohne nennenswerte sportliche Leistungen als Königstransfer für den FCM bezeichnet. Da fällt mir doch ein Bein ab.
  3. Avatar von aerolith
    Bestes Fußballwetter statt drückender Hitze. Alle Mann an Bord. Kein Ringelpietz, aber auch keine Quälerei. Der Konditionsbolzer sammelte verschossene Bälle ein und verschob dezent einige Hütchen abseits des Geschehens. Seine Arbeit muß wohl zu anderer Zeit stattfinden. Im Zentrum des Übungsplatzes wirbelte Thielemann, Ronny gerufen, scheuchte die Jungs, teilte ein und erklärte, was der Chef gemeint hatte. Die Aktionen wirkten diffundant, wenig koordiniert, aber nicht chaotisch. Ich erspare mir Einzelheiten über die Übungsinhalte und konzentriere mich auf die Neuigkeiten. Das sind zum einen die neuen Spieler: Razeek, Löhmannsröben, Novy, Niemeyer, Pulido und Malone. Razeek fummlig und ungenau; Löhmannsröben, Niemeyer und Pulido nahm ich nicht wahr; Novy mit guter Ballannahme, schnellen Wendungen und guten Zuspielen. Eher klein. Das überraschte mich. Der Ami dagegen groß, kann den Ball aber in der Bewegung verarbeiten. Auch das überraschte mich. Positiv, denn große Spieler haben meist genau damit Probleme. Während aber Novy sogar schon Anweisungen rief, blieb der Ami zurückhaltend und stur auf seiner Position links.
    Beim Kopfballtraining forderte Härtel den Verzicht aufs Abspringen und zugleich zweierlei: mit der ersten Berührung aus dem Lauf heraus annehmen, mit der zweiten präzise zum Mitspieler zurückspielen.
    Interessant war für mich, daß Härtel eine Grundaufstellung formulierte: 4-2-3-1. Es waren genug Spieler da, um diese Grundaufstellung während des Trainings zweifach zu besetzen (20 Spieler stellten sich also quer zum Spielfeld einander gegenüber auf ihre Position, wobei Schlosser wohl nicht genau wußte, wo er hinsollte), wobei er verlangte, daß die Spieler blitzschnell ihre Position einnehmen sollten, was bedeutete, daß Härtel mittenmang pfiff und nun die Spieler aus der laufenden Übung rasch in die Positionen seppeln sollten. Diffussion!
    Bei einem Kleinfeldspiel verlangte er zudem, daß die ballführende (angreifende) Mannschaft ein 4-4-2, die verteidigende aber eine 4-3-3-Aufstellung einnehmen sollte.
    Verwirrend? Ich hoffe, unsere kommenden Gegner werden es auch sein. Unsere Mannschaft aber könnte hierdurch gute Überraschungsmomente schaffen, wenn Härtel es schafft, die Mannschaft zu blitzschnellen Umstellungen zu erziehen. Ich hatte den Eindruck, daß sich die Grundaufstellung erst mal einschleifen soll, bevor er Feinjustierungen vornehmen dürfte.
  4. Avatar von aerolith
    Der MDR berichtet über den einstigen FCM-Präsidenten Kammrad, daß der als IM (inoffizieller Mitarbeiter, d.i. ein Informationszuträger, ein Spitzel) der Stasi nach potentiellen und tatsächlichen Feinden der DDR beim FCM Ausschau hielt und letztlich alle bespitzelte;
    erstellt vom MDR:
    1976 hatte Kammrad das Präsidentenamt beim DDR-Oberligisten 1. FC Magdeburg übernommen. Im selben Jahr verpflichtete er sich laut "Focus" als IM. Präsident des Clubs blieb er bis 1981. Als IM hat er dem Magazin zufolge über Spieler und Trainer berichtet, die aus Sicht der Stasi als unzuverlässig galten. Kammrad sagte dem "Focus", er bereue seine Vergangenheit nicht. Er habe eine Aufgabe gehabt und die habe er erfüllt. Ihm sei es darum gegangen, seinen Club vor dem "Klassenfeind" zu schützen.
    Mein Kommentar: Im Kontext der DDR war jeder potentiell ein Staatsfeind, ergo bestand die Pflicht für alle, einander zu kontrollieren/überwachen. Den ideologischen Vorwand lieferte bereits Lenin mit seinem eigentlich auf wirtschaftliche Planungssicherheit gemünzten Spruch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Dieses Verdikt wurde ausgeweitet, von Stalin zuerst. Da der Sozialismus in der DDR stalinscher Prägung war, wundert es mich nicht, daß auch in Fußballvereinen Staatsfeinde vermutet wurden. Schließlich gehört(e) der Fußball nach marxistischer Lesart zum Oberbau der Gesellschaft, besaß/besitzt also eine gesellschaftliche Relevanz.

    So, wenn ich das alles prüfe und ansehe, dann kann ich nur feststellen: Der Mann tat seine Pflicht. Daß zur Erfüllung dieser Pflicht ein Kameradenschwein benötigt wurde, ist Folge des Systems. Solange er sich an die Gesetze hielt, die zu seiner Verantwortungszeit galten, kann ihm keiner was am Zeug flicken. Ein Staat besitzt das Recht, sich gegen mutmaßliche Staatsfeinde zu wehren, er darf auch Vermutungen äußern und Sicherheitskontrollen machen, um die Sicherheit des Ganzen auch im Inneren zu gewährleisten. Das Problem (für die Bürger, nicht für den Staat) bei der Überwachung der Staatsbürger der DDR bestand darin, daß es keine Überwachung der Überwacher gab. (Gibt es die heute?)

    Daß der MDR das jetzt aufnimmt, liegt wohl zum einen daran, daß zur Zeit saure Gurken statt Kaviar serviert werden und zum anderen daran, daß es immer reißerisch ist, Leute heute für das an den Pranger zu stellen, was sie früher (in Zeiten anderen Rechts) taten oder getan haben sollen. Dabei sollte beim MDR jeder wissen, daß man in einem Rechtsstaat niemanden zur Verantwortung ziehen kann, der seinerzeit gesetzeskonform handelte. Deshalb ist dieser Beitrag des MDR opportunistisch und heischig (sie skandalisieren einen Tatbestand, den es gar nicht gibt, nämlich eine Amtsübertretung des einstigen FCM-Präsidenten).
  5. Avatar von aerolith
    Ich habe mir die Ausschnitte der Frauen-WM angeschaut. Auch vier Jahre nach meinen letzten Erfahrungen mit Frauen-Fußball sehe ich bestenfalls fußballerischen Durchschnitt. Schüsse und Pässe, die unterwejens verhungern, grausame Abwehrleistungen, schwache Torhüter und etliche Machoposen bei den Litfaßsäulen, die irgendwann mal junge Frauen waren.
    Ich erkenne die athletischen Leistungen an, aber als Freund des Fußballs sage ich: das wird wohl nichts mehr mit mir als Fan.

    P.S. Ich hoffe, China gewinnt.
  6. Avatar von aerolith
    Soll noch mal einer sagen, wir hätten KEINEN Kartoffelacker. Beleg:
    Es wird abgerissen, plattgewalzt, Sand dem Rasen untergeholfen und wenig gespritzt. Ich lief barfuß über ausgetrockneten Rasen, zu heiß war's dann, als ich quer über den Kunstrasen lief. Auf der Mitte des Spielfeldes zog ich meine Latschen wieder an, um mir die Sohlen nicht abzubrennen.
    Unsere Jungs trainierten unter Anleitung des Chefs auf dem nordöstlichsten Platz, der nördlich und östlich zwei Aufschüttungen besitzt. Dort setzte ich mich hinauf und betrachtete das anstrengende technische Gespiele.
    Die wichtigste Information: alle wieder an Deck. Die zweitwichtigste: es wird Konterspiel en miniature trainiert. Einer gegen einen, dann zween gegen zween; als ich ging (nach etwa einer Stunde Sonnenbaden, das mir nun einen Sonnenbrand einbrachte), war Härtel bei fünf gegen fünf angelangt. Positiv fielen Schlosser (mit gutem Durchsetzungsvermögen gegen Kruschke), Cichos und Hebisch mit der besten Trefferquote auf; weniger gefielen mir die Leistungen von Wassiem (so wird er etwa gerufen), der wenig Durchsetzungsvermögen auf dem engen Geläuf entwickelte, Pulido (dem einige Bälle versprangen) und Glinker, der wohl noch etwas braucht.
    Alles halb so schlimm und nur Momentaufnahmen. ich bin hier so etwas wie die Wasserstandsanzeige. Morgen geht es gegen BAK (auf dem Kartoffelacker?); danach wissen wir ein wenig mehr, was die Neuen können...
  7. Avatar von aerolith
    Vorbemerkung: Dieser Spielbericht stützt sich auf Mitteilungen anderer. Ich selbst konnte das Spiel nicht vor Ort erleben. Alle Angaben also Hörensagen.

    Das Spiel gegen BAK endete vor wenigen Zuschauern bei schlappen 30° C 2:3. In der ersten Halbzeit setzte Härtel v.a. Spieler ein, die den Stammkräften Beine machen sollen. Aber sowohl Novy, als auch Malone und Pulido versagten, standen schlecht, kamen nicht durch und erspielten nichts. Besonders unser Ami zeigte eine schwache taktische Vorstellung und muß noch viel lernen. Fußball läßt sich nicht auf Athletik reduzieren. Wollen wir hoffen, daß er lernwillig ist. Die deutsche Sprache kann er jedenfalls noch nicht und scheint sich hier auch eher weniger zu bemühen, denn beim Training sucht er sich mit Tarek einen des Englischen mächtigen Partner, mit dem er kein Deutsch sprechen muß. Das ist nur ein Indiz. Tarek seinerseits wurde von den robusten Bärlinern zur Seite gedrängt. Er muß körperlich noch sehr zulegen.
    In der zweiten Halbzeit standen wir defensiv besser (Bankert und Schiller) und spielten die ersten zehn Minuten nach dem Seitenwechsel gut. Dann war wohl die Luft raus.
    Alles halb so wild, wenn die richtigen Lehren aus diesem Spiel gezogen werden:

    • Tarek ist kein LV;
    • Malone hat taktische Defizite;
    • der erste Anzug sitzt immer noch;
    • wir brauchen einen erfahrenen Offensivspieler;
    • Beck ist noch nicht in Form.
  8. Avatar von aerolith
    Die neue Saison wirft ihre Schatten voraus. Der Sportverantwortliche des FCM äußerte sich im hiesigen Amtsblatt über Möglichkeiten, seinen Verein und dessen Anhänger, nein, gleich alle, egal ob Fan oder nur Krawallo, zu bestrafen. Klingt bescheuert, und es ist auch etwas übertrieben, was der gute Mann da von sich gibt.

    Drei Dinge stoßen mich an dieser Argumentation ab:

    1. der erhobene Zeigefinger, der Fußballfans in gute und böse unterteilt und dabei zugleich die guten bestraft, wenn die bösen das nicht machen, was sie machen sollen - das ist die alte Tradition der Sippenhaftung; nö, d.i. sogar noch mehr, d.i. die Anwendung der Kollektivschuld für alle, die eben im Stadion zugegen waren (ich bezweifle, daß das dem deutschen Rechtsverständnis entsprechen kann);
    2. Kalle hat offenbar nicht begriffen, welchen Stellenwert das Kräftemessen mit anderen in Magdeburg besitzt: Der König der Liga ist wieder da. Das ist doch klar, daß die itzigen Stellvertreter sich da auflehnen. Zudem ist es seit den Ottonen gute Tradition in Magdeburg, daß die Mäuse auf dem Tisch tanzen, wenn die Katze aus dem Haus ist. Jetzt ist sie aber wieder da.
    3. das Eiapopeia mitsamt dem vorauseilendem Gehorsam gegenüber den Segensträgern in den Chefetagen des deutschen Fußballs.


    Das paßt aber ins Bild, das der Sportverantwortliche vom FCM entwickelt. Einerseits das Tiefstapeln (Verpflichtungspolitik, niedrige Zuschauerzahlen, sportliches Ausbremsen), dem sich jetzt der pädagogische Dauerzeigefinger kompensierend dazugesellt. So wird das Bild rund. Auf der einen Seite wird der eigene Verein nivelliert und abgeduckt zum Klatschpappenpublikum, auf der anderen werden seine Anhänger (jedenfalls ein guter Teil) schon mal vorab diffamiert und zu gleichgeschalteten Gleichlingen gemodelt - und wehe! wenn sie das Spiel nicht mitmachen!

    Richtig wäre folgende Ansage an die Krawallmacher gewesen: Wagt euch nur ins Stadion! Wenn ihr die Stadionregeln nicht befolgt, werden wir euch jagen und bestrafen.

    Diese Ansage hätte jeder verstanden. Und damit hätte ich auch kein Problem. Ich habe aber ein Problem damit, wenn mir treuem Fan schon mal vorab mitgeteilt wird, daß, wenn sich jemand, den ich nicht kenne, was macht, was ich nicht will, ich bestraft werde, indem man mir ein Stück Lebensqualität schlichtweg wegnimmt. Womit habe ich das verdient?
  9. Avatar von aerolith
    Tag der offenen Türen im magdeburger Stadion, dem HKS. Naiv, wie ich war, hoffte ich auf bauliche Veränderungen im Stadion, auf ein geputztes und sich dem Ansturm bestaussehendst präsentierenden Betonschüsselchen. Tja, naiv bin ich wohl. Ein paar Schnappschüsse:

    Da haben wir eine von mehreren Ecken, in denen die Tauben zu Hause sind. Seit Jahren. Putzen? Warum auch? Wird eh wieder dreckig. Man muß sich auch nicht waschen, weil man eh wieder schmutzig wird; essen? warum denn nur, man wird eh wieder hungrig!

    Das ist oben, wo die Kleinkinder immer herumtollen, weil sie es nicht aushalten, lange still auf ihren Sitzen zu bleiben. Besonders gelungen ist von den Architekten die Anbringung von aus dem Wellblech ragenden Stahlmuttern, glücklicherweise mit abgerundetem Häubchen. Da tut's beim Drauffallen nicht ganz so weh! Gelungen! Auch hier sammelt sich übrigens der Staub der Jahre.


    Ein Stück weiter der Auswärtsfanbereich. Muß man auch nicht säubern oder abtrennen. Vielleicht wird es ja noch gemacht? Warten wir es ab! Zum TdoT jedenfalls sah es hier immer noch aus wie bei Hempels unterm Bett.
    Meine größte Hoffnung richtete sich auf den Austausch des Betonsockels gegen einen weicheren Untergrund. Auf dem nächsten Bild läßt sich erahnen, daß Außenspieler in magdeburg gefährlich leben. Außenspiel also einstellen, sonst Beule oder Schramme. Fußball ist bei uns eben kein Sport für Weichknieler.


    Ich habe so eine Ahnung, warum man das nicht macht. Es liegt bestimmt an diesem Abflußdeckel und dem damit verbundenen Abwassersystem, das bei den immensen Flutungen, die wir hier in Ostfalen regelmäßig haben, sonst außer Kraft gesetzt werden würde.


    Mein Eindruck: Schön kann jeder. Wir sind auch hier besonders. (ist aber kein Alleinstellungsmerkmal)
  10. Avatar von aerolith
    Der Haussegen hängt schief. Mit dem Aufstieg kann die Vereinsführung beim FCM am Image herumpolieren. Professionalisierung bedeutet eben auch, daß die Kanten (die bösen Haudrauffans) abgeschliffen werden sollen. Daß die sich wehren, liegt im Kalkül. Sie, die sich jetzt regenden Fans, werden nichts erreichen. Der eingeschlagene Weg wird von den Vereinsverantwortlichen sicherlich als "alternativlos" verkauft und Kalles Lemminge werden folglich diesen Weg auf der nächsten MV nach kurzem Herummosern abnicken. Wetten?

    Auf der einen Seite stehen die wirtschaftlichen Interessen derjenigen, die den Verein seit Jahren finanziell am Leben erhalten und sich mit dem Aufstieg nun ihren damit verbundenen Zielen ein Stück näher sehen. Diese Ziele werden erreicht über eine Außendarstellung der Stadt und des Vereins, in die Kuttenträger, Haudraufs und damit verbundene Krawallaktionen nicht passen sollen. So betonen sie bei Aktionen derselben immer wieder unisono, daß Aktionen wie Platzsturm, Pyro oder Bedrohung gegnerischer Anhänger NICHT zum Fußball gehören sollen und daß diese Störer ihrer Idyllik den Fußball zerstören würden.
    Das ist natürlich eine Lüge. Nichts würde den Fußball hierzulande schneller zerstören als eine Gemengelage etlicher RB-Vereine. Der Fußball gewinnt seine Bedeutung dadurch, daß ALLE sozialen Gruppen der Gesellschaft in ihm herumwudeln - und eben nicht nur die Reichen und Schönen, sondern v.a. die Häßlichen und Armen. Die Armen und Häßlichen bilden die Substanz und entwickeln die Kreation, für die die Reichen und Schönen bezahlen. Ziehen sich die Reichen und Schönen zurück, stirbt der Verein oder verschwindet in der Bedeutungslosigkeit niedriger Ligen. Ziehen sich die Armen und Häßlichen zurück, bleibt der Verein am Leben. Langweilig zwar, aber am Leben. Und neue "Fans", die die Stimmung im Stadion erzeugen, wachsen schnell nach. - Damit sind die Machtverhältnisse klar.

    Tja, Leute, wären wir in der vierten Liga geblieben, wäre das nicht passiert. So aber...

    In dem itzigen Konflikt zeigt sich auch das Mangelhafte der Satzung des Vereins. Die Mitglieder haben nur eine Stellschraube, an der sie auf die Vereinspolitik einwirken können: die Besetzung des AR. Der AR bestimmt ohne Mitgliedereinwirkung die Exekutive des Vereins, das Präsidium. Auf dieses Präsidium haben die Mitglieder keinen Einfluß. Würden sie ihren Präsidenten selbst wählen dürfen, wie ich es vorgeschlagen hatte, könnten sie jetzt direkt Einfluß nehmen. So aber ist Einflußnahme schwieriger, denn eine Abwahl des AR würde den Verein ins Chaos stürzen, wird also nicht erfolgen. (zumal sich dafür sowieso keine Mehrheit finden würde) Kurzum: Katzengeheul.
  11. Avatar von aerolith
    Die Sommerpause dient immer auch dazu, die Themen durchzureden, die während der Saison eher stiefmütterlich behandelt werden müssen, da sie entweder der Vergangenheit angehören oder schlichtweg im Tagesgeschäft nicht akut geworden sind. Ein solches Thema wurde jetzt von den magdeburger Ultras (Block U) aufgeworfen: Identität der FCM-Anhänger im Kontext der neuesten Vereinspolitik. (siehe oben)

    Zu Ostzeiten waren wir alle Proletariat/Bauern. Es gab die gleicheren Proletarier an der Spitze der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, Schichten (Handwerker, Intelligenz), die Großbauern aus der Börde, die meist ganz genau wußten, woher ihr Reichtum kam, nämlich aus dem Boden.
    Der Fußball aber hat die große integrative Kraft, die alle Bevölkerungsschichten erfaßt. Damals wie heute. Das ist beim FCM nicht anders als andernorts. Wenn es jedoch um die Gründung des FCM geht, dann war das nur die Umsetzung eines Politbüro-Beschlusses, der in JEDEM Bezirk der DDR einen Fußball-Klub ins Leben rief. Eine Ausnahme: Bärlin. Dort gab es den 1. FCU und die Stasitruppe, die eine Art Sammlung der besten Spieler der DDR werden sollte. Meist war die FC-Gründung mit der Bezirkshauptstadt verknüpft: bis auf den Bezirk Gera. Da wurde die Gründung eines FC an Jena vergeben, was allerdings am Kombinat Carl Zeiß hing. Letztlich ist also jeder FC im Osten ein Retortenverein, allerdings auf politischer Ebene, nicht auf kommerzieller. (aus Retortenbabys können aber auch gute Menschen werden) Am deutlichsten wird diese Ebene der Begründung von Tradition bei Hansa Rostock, das nach der Auflösung vom Empor Lauter (!) deren Spieler bekam, um den Fußball an der Küste auf die Sprünge zu helfen. In Leipzig gab es besonders viel Geschrei, als sich LOK gründete, der 1. FCL, weil die Spieler von Chemie Leipzig bekamen. Ironischerweise wurde Chemie Leipzig NACH Abgabe ihrer besten Spieler an das Retortenkind Lok DDR-Meister. Siehste! Noch merkwürdiger war es, daß sich Lok nach der Wende die Meriten des VfB Leipzig anhängte, wodurch man mal wieder sieht, wie wichtig Traditionslinien im Fußball sind.
    Ich muß da schon lachen, wenn heute von TRADITIONSVEREINEN gesprochen wird. Im Grunde braucht man doch, um sich Traditionsverein nennen zu dürfen, den Gewinn von wenigstens drei oder vier großen Titeln und eine über Jahrzehnte (also mind. zwei) gewachsene Vereinskultur. Wer kann das vorweisen? Lok, Dresden, BFC, Aue, Jena? Hm, weiß nicht. Eigentlich hat diese, sich auf Erfolg gründende Tradition von den Ostvereinen nur einer, nämlich der FCM, weil wir als einziger Ostverein einen internationalen Pokal gewinnen konnten. Die internen Pokale und Meisterschaften zählen zwar auch etwas, aber eben nicht soooo viel. Wenn man das so betrachtet und dann fragt, mit welchen Eigenschaften und innerhalb welcher wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wir diesen internationalen Titel gewannen, dann lassen sich zwei Dinge feststellen:

    1. es waren alles Leute aus der Region (Ostfalen, um es genau zu sagen), die das schafften und
    2. es waren hauptsächlich Arbeiter und Angestellte (keine Doktoren, keine Kinder aus reichem Hause, keine politischen Dissidenten...), die sich über den Fußball eine gesellschaftliche Erhöhung verschafften (Westreisen, Hobby zum Beruf machen, sicheres Geld).


    Und heute kann ich zweierlei fragen:

    1. Sind die errungenen Erfolge unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen möglich?
    2. Hat sich die Zusammensetzung der Fans des Vereins verändert (Stichwort: Klatschpublikum)?


    Ich möchte zu beiden Problemkreisen jein sagen. Sicherlich haben sich die Rahmenbedingungen verändert, aber es ist immer noch möglich, mit regional verwurzelten Spielern sportliche Erfolge (gerade auch international) zu erringen. Beste Beispiele der Gegenwart sind Athletic Bilbao, das sich trotz dreier (!) Konkurrenten im Baskenland Jahr für Jahr im internationalen Fußball behauptet, oder Island (das bei etwa gleicher Einwohnerzahl wie Magdeburg) zur Zeit eine erfolgreiche Qualifikation spielt und von Sieg zu Sieg eilt. Fußball ist eben Sport und macht bei guter Arbeit vieles möglich.
    Die Zusammensetzung der Fans hat sich kaum verändert. Die Menschen hierzulande vererben ihre Begeisterung an den FCM. Auch zu Ostzeiten wurde viel gemosert, meist über anderes als heute, aber die Struktur der Meckerei war gleich. Rabiate Fans gab es damals wie heute, auch die Klatschpappeneventis gab es schon zu Ostzeiten.

    Kalle mit seinem Versuch, das Publikum des FCM zu erziehen, die Fans zur Selbsterziehung anzustiften und Disziplin auf die Ränge zu bekommen... ich denke, da ging eben der Preuße in Kalle durch. Soll mal die Füße stillhalten und nicht etwas versuchen, was die Preußen hier in den 250 Jahren ihrer Besatzung nicht schafften: den sturen Ostfalen zu einem der ihren machen. Daß die Spießer da Beifall klatschen, liegt in ihrem Naturell: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. (für den Preußen) Doch eines wird hierbei verkannt: der Fußball besitzt die große integrative Kraft, die ALLE Bevölkerungsschichten zusammenführt. Gleichmacherei funzt da nicht. So was schadet am Ende dem Verein mehr als diejenigen, die man durch solche Ansagen wie Punktewegschenken erziehen möchte.
  12. Avatar von aerolith
    Der Fanabend konnte die Konflikte nicht beilegen. Zudem ist ein (hoffentlich nur kurzzeitiger) Vertrauensbruch zu konstatieren. Wer nun aber glaubt, daß es beim FCM eine Richtungsänderung geben könnte, irrt. Der Professionalisierungsprozeß ist aus Sicht des Präsidiums "alternativlos" und wird auf der nächsten MV eine Mehrheit finden. Die lautstarken Ultras werden zwar für die Stimmung benötigt, im übrigen aber sind sie kein politischer Mehrheitsfaktor im Verein. Auch Fanausschüsse oder -beiräte sind ein zu vernachlässigender Machtfaktor. Anders ist die schäbige Behandlung durch die Vereinsführung nicht zu erklären. Das sind keine Versehen, sondern Kalkül.
    Die Botschaft Kallniks auf dem gestrigen Abend besaß zwei Stoßrichtungen, eine retardierende, eine kompromißlose. Beide waren unklug, sofern es ihm um Kompromißbereitschaft gegangen sein sollte. Er wird dennoch den Ring als Sieger verlassen, sofern die sportlichen Erfolge wachsen, was durchaus möglich ist und ich für wahrscheinlich halte. Kallniks Arbeit benötigt keine Unterstützuing der Basis, sondern nur die des AR, der das blitzsaubere Image will. Retardierend-enervierend waren seine wortreichen Wiederholungen, man möge doch die Stimmung beibehalten, aber auf kriminelle Aktionen verzichten. Dann würde der Verein die Punkte hergeben. Stellt sich die Frage, was im Stadion als kriminell eingestuft wird?
    Kalle hat nicht begriffen - oder es ist ihm egal -, daß eben auch etliche Fußballfans zum Verein gehören, die keine Klatschpappeneventis sind, sondern den Fußball als Lebenselixier benötigen und entsprechend energiegeladen in die Spiele gehen. Das beschränkt sich nicht nur auf Anfeuerung, sondern gleichermaßen auf Auseinandersetzung mit den gegnerischen Fans und der Polizei. Das ist beim Fußball anders als bei anderen Sportarten. Das Argument des Vereinsschadens ist ein schwaches Argument, denn sämtliche Strafen einer Saison wegen Krawalls sind in einem Etat eines Drittligisten eher zu vernachlässigende Größen; zudem kommen wegen der Stimmung, zu der auch Krawall gehört, etliche ins Stadion. Man müßte also eine Gegenrechnung aufmachen, die schwierig wäre, denn wie will man das berechnen? Erzähle mir niemand etwas anderes als das, daß etliche eben auch ins Stadion gehen, weil der Spaßfaktor hoch ist, andernfalls wären bei Hansa oder Gülle eher wenige Zuschauer im Stadion. Eine falsche Entscheidung beim Trikot kostet da sehr viel mehr. Apropos: Warum Bangladesch, wenn man in Magdeburg per Siebdruck Einzelexemplare herstellen kann, die auch nicht teurer im Verkauf sein müssen? Na ja, ein bißchen vielleicht. Warum Produktionsvorläufe von neun Monaten, wenn hier in MD ein Anruf genügt, dann wird das (bei Angabe der Daten) sofort hergestellt? Gibt es hier Knebelverträge? Warum wird ein Jubiläumstrikot ohne Mitwirkung der Fans konzipiert? Muß ich nicht verstehen.
    Zurück zum Kernproblem, dem Punktewegschenkplan:
    Ich entwickle mal folgendes Szenarium: 37. Spieltag. Wir mit einem Heimspiel. Wir stehen auf Platz 3, der Gegner auf Platz 4. Was macht der Gegner? Wenn ich als Gegner wüßte, daß Magdeburg die Punkte bei Krawall wegschenkt, würde ich mir zehn vereinsbekannte Fans kaufen und sie bei Führung des FCM zehn Minuten vor Schluß zum Platzsturm animieren. Tausend € pro Nase, auch zehntausend wären mir das wert, denn der Aufstieg in Liga II ist mehr wert als 100k. Platzsturm ist eine Ordnungswidrigkeit und kein Verbrechen, also müßten die Betroffenen mit keinen drastischen Strafen rechnen, schlimmstenfalls mit Stadionverbot und Sozialarbeit.
    Das ist nur ein Szenarium, das ich eben entwickelte. Ich könnte andere entwickeln, die aber immer auf dem Kallnik-Verdikt des Punktewegschenkens bei Randale basieren. Wer schädigte jetzt dem Verein? Es müßte auch nicht immer ein bezahlter Sponsor sein, der hinter den Kulissen Kallniks Politik ad absurdum führt; es könnten auch schlichtweg feindliche Anhänger sein, die sich tarnen. Wer will da entscheiden? Wenn die FCM-Spieler nach Anweisung den Platz verlassen, schenken sie das Spiel hin. Alle Idioten bei unseren Gegnern freuen sich schon darauf, ihre neue Macht am FCM zu exemplifizieren. Jeder ADS-Krawallbruder wird eingeladen, seine Neigungen in Magdeburg auszuleben und sich in seiner Wassersuppenkraft auszutoben. Er muß sich nur als FCM-Fan tarnen und Unfug machen. Sobald unsere Spieler den Platz verlassen und nicht wieder betreten, schenken wir das Spiel hin. Dank ooch!
    Das nächste Eigentor schoß die Vereinsführung bei der Vorbereitung des Jubiläums. Ist es denn so schwierig, dem Wunsch der großen Fangemeinde nachzukommen und hier ein Spiel im Stadion zu organisieren? Ja, sagen viele, am 22. Dezember wird keiner kommen, jedenfalls keine große Mannschaft. Hat man es probiert? Man hätte europaweit inserieren können: Gegner zum 50. Jubiläum gesucht! Und kleiner drunter: Tut uns leid, wir wissen, der Termin ist Scheiße, aber wir haben uns nun mal als ERSTER DDR-Verein kurz vor Weihnachten gründen müssen.
    Sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich da nicht ein paar lukrative Vereine melden würden, zumal unser Verein inzwischen europaweit Aufsehen erregt. Nein, statt dessen wird eine seit 2013 initiierte Vorbereitungsgruppe der Fanszene mit Beteiligung durch die Vereinsführung unterversorgt und am Ende steht der kallniksche Hilferuf: Wir brauchen Ideen! Das wirkt natürlich verheuchelt und wird von den beteiligten Fangruppen als Verarsche wahrgenommen. Die Fanseele wird von den Vereinsbossen einfach nicht verstanden. Ist doch ganz einfach: Wir wollen im Stadion alle gemeinsam feiern, am besten mit einem Spiel und ein paar Schaueinlagen. Ich mache mal ein paar konstruktive Vorschläge, die hier jeder Fan machen könnte:

    1. 21. Dezember: Spiel gegen eine Weltklassemannschaft mit Schaueinlagen und gemeinsamem Singen. (nicht gratis)
    2. feierlicher Akt im Rathaus am 22. Dezember und Jubel auf dem Marktplatz inmitten des Adventsmarktes (gratis)
    3. Prominentenball mit 1000 Gästen; pro Tisch 1000 € am 22./23. Dezember (das bringt mind. 50 k in die Kasse)
    4. Fanfeier am Jerichower Platz, 22. Dezember (das kostet den Verein nichts)

    Auf diese Weise läßt sich alles miteinander verbinden. Auf eine teure Laserschau kann man verzichten. Das geht auch anders. Abgesehen davon, wie will man mit großen LKWs ins Stadion kommen? Laserschau kann dann was für den Schickimicki-Ball sein.

    Genug geschimpft. Das alles wird in den Hintergrund gerückt werden, wenn wir am Freitag Erfurt schlagen. Das Stadion ist ausverkauft.

    Alsdann!
  13. Avatar von aerolith
    Freitag geht's los. Die Ostfalen freuen sich wie Bolle und bescheren dem Verein schon zum Saisonauftakt ein ausverkauftes Stadion. (Unfähigkeit der Stadionbetreiber, die Pufferblöcke nicht beseitigt zu haben. Das kostet den Verein im ersten Spiel gleich mal 80000 € - wir hams ja.) Das gab es gegen Erfurt nicht mal zu DDR-Zeiten, denn Erfurt war zwar keine Badelatschenkundschaft, aber doch so was wie eine graue Mauß aus den Niederungen der Tabelle.
    Der Kapitän spricht im Vorabinterview von Demut.
    Das gefällt mir. Ohne Demut können keine Berge versetzt werden. Ohne Demut fehlt es an Gemeinsinn. Ohne Demut steht der Eigensinn vor dem Gemeinsinn. Demut bedeutet kein Kleinmachen vor jedwedem, sondern bewußte Umsetzung der Erkenntnis eigener Begrenztheit. Wer aber seine Grenzen kennt - und sie überwinden will -, der kann wachsen, nicht ins Irgendwo, sondern zielgerichtet.
  14. Avatar von aerolith
    Sieg! Verdient.
    Härtel mußte Puttkammer ersetzen. Das fiel auf. Im DM-Bereich bekamen der nervöse Sowislo und Löhmannsröben die quirligen Thüringer nicht in den Griff. Schiller und Handke spielten ein wenig zu defensiv, mußten dabei aber etliche Male in höchster Eisenbahn retten. Das Spiel von hinten heraus ungenau und alibimäßig. Pulido außen spielte grottenschlecht: paßte, wenn er hätte gehen können und dribbelte, wenn es unnötig war. Niemeyer sah anfangs schlecht aus, Butzen bekam selten Zugriff zum Mann. So sah das dann aus. Man könnte von einem nervösen Beginn sprechen, aber es lag schlichtweg am schlechten DM-Spiel, daß wir nicht ins Spiel fanden und den kämpferischen Beginn nicht zu unseren Gunsten entschieden. Die Führung für die Thüringer, die keineswegs abgezockter waren, sondern einfach die bessere Grundaufstellung besaßen - mehr Ordnung! - fiel zwar aus einem Standard, hätte aber auch aus dem Spiel heraus fallen können. Doch dann kippte das Spiel. Härtel nahm Pulido heraus und brachte Razeek. Eine gute Entscheidung. Wir hatten zwar immer noch unsere DM-Kalamität, aber Sowislo biß sich von Minute zu Minute besser ins Spiel und auch Löhmannsröben wurde (merkwürdigerweise NACH seiner Gelben) besser, nahm sich ein paar Meter zurück und spielte nun in der Puttkammer-Position, ohne allerdings dessen spielgestalterische Fähigkeiten einbringen zu können. (kömmt vielleicht noch, denn Ansätze sah ich schon) Die besten Ansätze allerdings über den wieselflinken Razeek, der zwar oft schlecht gegen den Mann stand, aber mit immensem Aufwand Unruhe in Erfurts linke Abwehrseite brachte. (Es ist völlig richtig, daß Schlosser den Diagonalpaß zu Razeek sucht.) Die Erfurter legten die Füße hoch - zu groß war ihre spieltaktische Überlegenheit in Halbzeit I -; nicht mit uns! Nach dem Ausgleich durch einen Standard (wir hatten zirka zehn Ecken, was gegen uns wenigstens ein Tor bedeutet) wurden wir besser und besser, hatten zwar auch zwei, drei Mal (!) Glück, daß die Thüringer ihre Chancen nicht nutzten, aber so ist das dann im Fußball. Am Ende jubelten wir, weil Fuchser einen versenkte. Spitzenreiter. Aufsteiger. Wir sind da!

    Zum Umfeld:
    Etliche Eventis nervten mich. Ständig mußten die während des Spiels irgendwas machen und verlangten, daß ich die Füße hochnehme. Penner! Nach der Halbzeit stellte ich mich oben in die Taubenscheiße. Da nervte mich keiner und wir schossen zwei Tore. Ergo: Das nächste Mal stelle ich mich gleich dort oben hin.
    Lob an die Polizei, die die Ampeln am Hellweg (Reichsstraße 1) durchstellte. Abtransport der Massen wie zu Ostzeiten. Besser is.
    Gute Ansage von Block U in Minute 74 an die Klubleitung: Wir wollen KEIN Premiumprodukt namens FCM. Ich will das auch nicht. Premiumprodukt bedeutet weichgespülten Schickimickifußball mit braven Klatschpappeneventis. Ich sah heute schon viel zu viele im Stadion. Aber es liegt auch an Block U, solche Entwicklungen bei der MV abzubiegen. Anträge und Abstimmungen können Richtungsentscheidungen des Vereins bewirken. Fragt sich natürlich, ob es eine Mehrheit für das Fatum "Arbeiterverein" gibt. Ich bezweifle es.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker unsicher. Muß sich steigern. (3,5)
    Niemeyer anfangs indisponiert und stets nur zweiter Sieger. Ohne Präzision im Spiel nach vorn. Nach dem Wechsel besser, bissiger am Mann und mit einigen guten Szenen. Muß einen Partner finden, um das Spiel von hinten besser aufzuziehen. (3,5) Handke mit den bekannten Böcken. Unnötiges Foul vor dem Gegentor, das aus einer solchen Unsicherheit entstand. Wegen der schlechten DM-Arbeit mußte er öfter ran, als es für uns gut war. Zu viele Alibipässe auf seinen Kumpel Beck. (3,5) Schiller (Kante) nicht mit der aus dem letzten Jahr bekannten Präsenz. Muß sich den neuen Anforderungen stellen. Das wird er schaffen. (3) Butzen unsicher, im Laufe des Spiels besser. Braucht wie sein Pendant links einen verläßlichen Doppelpaßpartner, mit dem er das MF rocken kann. (4)
    Sowislo anfangs ein Totalausfall. Da sprang ihm noch jeder Ball vom Fuß, war er zu langsam, zu vorsichtig, zu uninspiriert. Im Laufe des Spiels besser - das kennen wir ja. Am Ende richtig gut. (3,5) Löhmannsröben ist kein Puttkammer, auch kein Brandt. Ist mir ein wenig zu affektiert. Die Gelbe war unnötig wie ein Kropf. Doch plötzlich, danach, wurde er besser, spielte ein wenig zurückgezogener und bekam Zugriff, wie man so schön sagt. -Ich bin nicht von ihm und seinen Potenzen überzeugt, auch wenn das jetzt ein wenig schräg klingt. (3,5) Hebisch stolperte durchs Spiel. Das war heute nichts. Ich sehe ihn dennoch gern in unserer Mannschaft, weil er eine sympathische Art besitzt. Seine Spielauffassung gefällt mir. Außerdem glaube ich, daß er Vertrauen braucht, um dann Tore zu schießen. (4,5) Pulido muß seine gesamte Spielweise ändern. So wird das nichts. Er muß begreifen, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Hechelte hinterher, stand falsch und spielte eigensinnig. So wird er Telmo II. (5,5)
    Fuchs mit viel Schatten und viel Licht. Klingt merkwürdig. Er ließ den einen oder anderen Knaller los, von denen schon einer vor seinem fulminanten Torschuß in Minute 90 hätte hängen können. Ungenau aber im Zuspiel. Ich glaube, er muß in dieser Saison wieder umdenken und sich aus dem ZM-Bereich verabschieden. Wir brauchen ihn als Wühler im HS-Bereich. Also, Fuchser, zehn Meter weiter nach vorne, bitte! (3,5) Beck mit guter Gesamtleistung. Machte ein Tor und war anspielbereit. (3)

    (Wie gewohnt bespreche ich nur die Spieler der Anfangsformation.)

  15. Avatar von aerolith


    Aus diesem Spiel sollten drei Lehren gezogen werden:

    1. Wir dürfen uns im MF nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und müssen hier Dominanz entwickeln wollen;
    2. Auf unseren Außenpositionen besteht Handlungsbedarf, entweder in Form von Neuverpflichtungen oder durch taktische Umstellung auf eine Dreier- oder Fünferkette und
    3. Nach einer herausgespielten Führung muß eine solide Konterstellung (schnelles Umkehrspiel) zu Chancen führen.

    Die Ausschnitte verdeutlichen jedem, daß die Gegner durch den DM-Bereich marschieren konnten, sich über Doppelpaßspiel über Außenpositionen in unseren Strafraum vorarbeiteten und dort Chancen kreierten. Schiller hat sein Glück erst einmal verbraucht; beim nächsten auch nur mutmaßlichen Handspiel dürfte jeder Schiedsrichter der Liga auf den Punkt zeigen. Im DM-Bereich muß schärfer zugepackt werden, gerade gegen die quirligen Zweitmannschaften. Es fehlte an Gegenspiel; gerade gegen Zweitmannschaften darf es nicht dazu kommen, daß die ins Spiel finden, was bedeutet, die muß man mit Defensivarbeit beschäftigen. Eine 2:0-Führung sollte nicht dazu führen, nun selber in die Defensive zu gehen, wenn man in diesem Bereich noch nicht hunertprozentig fit ist. Andererseits ist eine Mannschaft wie Maniz II für ihr schnelles Umkehrspiel bekannt, also befand sich unser Trainer in einer schwierigen Situation. Wenn er Mainz II hätte kommen lassen, hätten die sich in einen Spielrausch gespielt; läßt er selber angreifen, kontert Mainz, was sie sehr gut können. Vielleicht hätte ein systematisches Bällewegdreschen Abhilfe geschaffen? So was zerstört den Spielfluß und nervt den Gegner. (hinterher ist man immer schlauer)
    Ich sehe aber auch das Positive dieses Spiels: Wir haben einen Punkt. Man darf auch nicht vergessen, daß sich die jungen Mainzer derzeit in einem Motivationshoch befinden: die BUndesligamannschaft ihres Vereins befindet sich noch in der Vorbereitungsphase und wird sicherlich das eine oder andere Plätzchen noch bereithalten. Auch sollte ich mich doch sehr wundern, wenn das nicht auch umgekehrt usus ist, daß also der Trainer der Bundesligamannschaft den einen oder anderen jungen Spieler in die Zweite schickt, um ihm Spielpraxis zu geben. Eine bessere Möglichkeit, Wettkampferfahrung zu sammeln, gibt es derzeit nicht.

    Ich bin itzt gegen eine Neuverpflichtung. Ich traue unserem Trainer und der Mannschaft zu, daß sie von Spiel zu Spiel dazulernen. Sollte es zum Winter nicht reichen, wir im November erkennen, daß das Potential erschöpft ist, kann immer noch nachgelegt werden. Wir dürfen diesbezüglich auch nicht vergessen, daß wir gegen eine Bundesliganachwuchsmannschaft spielten, der höhere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Jetzt aus diesem Spiel den Schluß zu ziehen, daß wir noch jmd. verpflichten müßten, halte ich für falsch. Unsere Mannschaft kann mithalten; die Fehler aus dem Mainz-Spiel sind erkannt und werden vom Trainer beseitigt werden. Für uns gilt es, jetzt das Leistungsniveau zu stabilisieren und systematisch zu verbessern. Ein neuer Leistungsträger würde dieses Konzept über den Haufen werfen, weil sich neue Hierarchien in der Mannschaft bilden würden, die sich eher schädlich als nützlich auf die Leistungen auswirken dürften, DENN wir sind weiter ungeschlagen und müssen jetzt keine grundlegenden Änderungen vornehmen.

    Das jetzt zur Verfügung stehende Geld sollte in den Ausbau des Stadions investiert werden. (Stichwort: Beseitigung der Pufferblöcke) Schon gegen Halle in zwei Wochen könnten wir 40000000 Karten verkaufen, vermute ich :wasgeht?: - verkauft werden bei einer Kapazität von 27500 (doch!) schlappe 19000, befürchte ich. :confused:
  16. Avatar von aerolith
    Das ostfälische Drittligaduell zwischen Magdeburg und Halle endete mit einem verdienten 2:1-Sieg der Reichshauptstädter. Das Spiel hätten gern mehr als die anwesenden knapp 21000 Zuschauer gesehen, aber Mißmanagment, opportunistische Katzbuckelei gegenüber den politisch-administrativen Segensträgern (vier Pufferblöcke!) und schlichtweg Fehlkalkulation (völlig überraschend ist das Spiel gegen Halle zwei Wochen vor dem Spiel ausverkauft), dazu ein schwach gestarteter HFC verringerten den Zuspruch.
    Das Spiel begann und endete wie ein Krimi: Die Hallenser gewannen die Seitenwahl, während rot-weiße Pyromanen den Gästebereich in Nebel hüllten. Die Seiten mußten getauscht werden, also unser Glinker sich in die Nebelwand stellen. Kaum hatten die Saalestädter den Ball gewonnen, schlugen sie ihn blind auf unsere linke Abwehrseite, wo Hennecke (dazu später mehr) mit seiner ersten Ballberührung ein Luftloch schlug, sein Gegner durchging, nach innen paßte und irgendwer das 1:0 markierte; wer, konnte ich nicht sehen. Nebel.
    Genialer Plan, wenn es denn so geplant war.
    Unsere Antwort ließ nicht auf sich warten. Wir versuchten es über unsere rechte Angriffsseite, wo zwei Giftzwerge aufeinanderstießen. Razeek und Halles neuer LV. Gelb lautete die Antwort des schwachen Schiedsrichters. Den Freistoß spielten die Glauchaer schnell aus ihrer Hälfte, unser Razeek, wahrscheinlich immer noch mit Schaum vorm Mund, seppelte zurück und nietete kurz vor unserem Strafraum den ballführenden Roten um. Dumm, weil Butzen u.a. bereitstanden. Das zweite Gelb für ihn innert neunzig Sekunden. Ich hoffe, er lernt daraus. Niete nie eine Niete um, wenn ein eigener Mann bereitsteht! Nach sechs Minuten stand es 0:1, und wir waren nur noch zu zehnt. Da konnten einem schon ein Zweifelchen kommen.
    Härtel stellte um: statt einer Viererkette spielten wir nun mit drei IVs, dazu Fuchs als LOV (!) und Butzen als ROV. Das war ein genialer Schachzug, mit dem Halle nicht zurechtkam. Wir standen in leichter Konterstellung und brachten unsere Angriffe gut durch. Fuchs und der Schieri werden zwar keine Freunde fürs Leben mehr, aber eine Situation pfiff er dann doch mal genau da, wo Fuchs die Molle haben wollte, etwa fünf Meter hinter der Mittellinie auf der Halblinken. Unser Sturmführer schnitt den Ball mit dem Innenrist vom gegnerischen Tor weg, so daß der Stürmer den Ball mit mehr Druck aufs Tor bringen könnte, so er denn an den selben käme. Nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit, denn wir haben vorn Beck. 1:1.
    Danach hätte eine taktisch klug opierierende Mannschaft in Unterzahl schlichtweg einen Gang zurückgeschaltet und den überzahlig operierenden Gegner kommen lassen. Genau das taten wir. Die Grenzsachsen waren trotz ihrer numerischen und transfermarktaffininen Überlegenheit nicht in der Lage, das auszuspielen. Sie erzeugten wenig und wenn etwas aufs Tor kam, hieß Glinker Hase und war schon da da.
    In Halbzeit II zogen wir uns zurück und setzten auf Konter. Richtig so. Die Preisgabe der Außenpositionen brachte unseren Gegner vermehrt dazu, im Rücken des schwer schuftenden Fuchs die RA-Position anzuspielen, was für Hennecke bedeutete, aus der Mitte herauszurücken. Löhmannsröben machte seine Arbeit im DM-Bereich so gut, daß dort wenig geschah. Blieb noch der negride Außenstürmer der Elbenebenflußanrainer, der zwar von Schiller inner ersten Halbzeit eine Ansage bekommen hatte, aber immer wieder für Unruhe sorgte, allerdings leicht zu stellen war, denn er führte den Ball immer links, auch, wenn er rechts anzog. Auch seine Mitspieler hätten wohl noch eine Stunde spielen können; sie waren nicht in der Lage, ihre numerische Überlegenheit spieltaktisch umzusetzen. Glücklicherweise hatte zudem Handke einen goldenen Tag erwischt und konnte durch sehr gutes Stellungsspiel Schnelligkeitsnachteile wettmachen. Einer unserer Konter führte zu dem verdienten Siegtreffer, der von Beck genau so erzielt wurde, wie er sich das wohl gedacht hatte. Mit ein wenig mehr Mannschaftsdienlichkeit hätte der eingewechselte Hebisch den dritten Treffer vorbereiten können. Entweder macht er ihn selbst oder er gibt zu einem der zwei freien Mitspieler im gegnerischen Strafraum... Vorbeischießen aber ist Mist.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker mit einigen schwachen Abschlägen. Gutes Stellungsspiel; zwei, drei gute Paraden. (2,5)
    Butzen ist unser neuer Decker. Ging quer und stand hinten gut. So will ich das sehen. (1,5) Handke mit einer sensationellen Leistung: stand immer dort, wo er stehen mußte, war Prellbock, spielte aggressiv gegen den Mann und gab mit seiner Körpersprache zu verstehen: hier kömmt keiner durch! Auch sein Paßspiel war heute von ungewöhnlicher Präzision: da kam ja fast jeder Ball zum eigenen Mann! Bin schwer begeistert. (1,5) Schiller mit genau der richtigen Ansage an den südostostfälischen Unruheherd, als er ihn in unserem Strafraum nach der eigentlichen Aktion energisch wegräumte. So was hinterläßt mentale Blessuren - beim Gegner (2,5). Hennecke. Hainault (mit stummem L) ist die französisierte Form des burgundischen Hennegau. Aber Gau scheint mir etwas zu viel des Guten, also ein Eck, kurzum nenne ich ihn nach dem Mädchennnamen meiner Mutter: Hennecke. Anfangs sehr nervös, schuld am Gegentor. Die Mitspieler suchten ihn. Hat einen guten Fuß und kann scharf und präzise zuspielen. Nicht der Schnellste und beinahe mit dem steten Wechsel zwischen IV- und LV-Stellung überfordert, aber mit großem Einsatz und etlichen Balleroberungen. Im Spiel nach vorn verbesserungsbedürftig. (3)
    Tarek mit gutem Einsatz und etlichen Ballgewinnen, die ihm der schwache Schiedsrichter wieder wegnahm. Kein Unruheherd für den Gegner, aber immer anspielbar. Bin ganz zufrieden mit seiner Entwicklung - er ist ja noch jung. (3) Löhmannsröben mit der obligaten Gelben. (drei aus drei) Im übrigen mit seiner bisher besten Leistung. Bärig stark am Mann und auch gutem Spiel nach vorn. Spielte aus dem DM-Bereich gut zum eigenen Mann und nahm es mit den (!) Gegnern auf. Starke Entwicklung. (2,5) Sowislo heute von Anfang an präsent. Mußte er auch. Guter Kapitän, der taktisch und spielerisch zulegte. (3)
    Fuchser mit dem Job des Tages. Aus dem tiefen Raum die Pässe bringen, selbst hinterher, dann wieder zurück... Das hält kein Aas lange durch. Nach 66 Minuten war er platt. (2,5) Beck mit zwei Toren. Dank ooch! (1)

  17. Avatar von aerolith
    Dampfhammerkost in Bremen. Erste Halbzeit mau, zweite besser. Sollte die Viererkette jetzt ausgespielt haben? Das war nicht das erste Mal, daß wir mit der Viererkette in dieser Liga schlechter aussahen als mit der Dreierkette.

  18. Avatar von aerolith
    Sieg! Spitzenreiter! Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ich ging glücklich, aber argwöhnisch nach Hause. Glücklich über den Sieg, das Tor Brandts und die stabile Abwehrarbeit. Argwöhnisch allerdings bin ich ob einiger Verschleißerscheinungen im Mannschaftsgefüge und v.a. bei der sportlichen Tendenz. Fußball als Mannschaftssport benötigt Substanz und stäte Erweiterung: Entwicklung des in den Spielern liegenden Potentials. Vor einem halben Jahr stimmte die Tendenz, jetzt stimmt sie nicht mehr. Wir fahren dieser Tage nur das ein, was vor einem halben Jahr auf den Weg gebracht worden ist. Jetzt muß ein neuer Entwicklungsschub erfolgen, damit wir auch in einem halben Jahr noch Erfolge erzielen.
    Ja, spinnt denn der Aerolith, werden jetzt einige fragen, sich die Augen reiben und fragen, ob sie im richtigen Film seien. Getrost, Freunde des runden Leders, ihr seid es! Das Gute zuvörderst: Die Abwehr stand. Das meine ich wörtlich. Da kam kein Sachse durch. Weder der Artenschutz genießende RGB000er der Sachsen (der auch nach dem fünften oder sechsten Foul keine Karte sah) noch der Bayer Cappek im Sachsendreß sahen Land: ein ostfälisches Bein war immer dazwischen. Niemeyer machte sein bestes Spiel auf links und dem Kanadier "Hennecke" merkte man im Abwehrverhalten an, daß er einfach ein Internationaler ist: ne abgeklärte Sau ist das. Weiter so! Sowislo zog die Fäden gut, Fuchs brachte ein bißchen Spielkultur und Beck zerrte an den Ketten. Die anderen fielen gegen die Vorgenannten ab: Pulido nickelte, gab den sterbenden Schwan, Wassim seppelte zwar, nickelte aber ebenfalls und Löhmannsröben wollte heute partout keine Gelbe kassieren, jedenfalls brachte er nichts nach vorn und kam oft nen halben Schritt zu spät. Aber er nickelte nicht. Damit wir uns hier richtig verstehen: Ich bin ein Freund des harten und körperbetonten Spiels, aber ich hasse Fallsucht, Kleinklein und Nickelei. Einen Nickler verträgt jede Mannschaft, aber wenn dann beide Flügelspieler immer erst mal den Weg zum Boden suchen, geht mir die Hutkrempe. Und das genau scheint mir aber die Tendenz zu sein, die Härtel jetzt einschlägt: Statt eines geradlinigen Konterspiels soll es fortan um nicklige Zweikämpfe gehen, herauszuholende Standards und gelbe Karten durch Provokation? Genau das war aber das Signal, das unser Trainer gab, wechselte den gut spielenden Fuchs aus und ließ die nickelnden Spieler drin! Verwunderlich, zumal Wassim zurecht eine Gelbe gesehen hatte, nachdem er wiederholt unfair gegen den Mann gegangen war. Da paßte es auch ins Bild, daß wir nach dem 2:0 die Bälle nur noch herausschlugen und kein Gegenspiel mehr versuchten. Ich mag diese Mentalität nicht und nenne das Verwaltungsfußball. Auch nach einem 2:0 stellt man sich NICHT hinten rein, sondern versucht, weitere Tore zu erzielen. Das ist eine Charakterfrage. Ich bin gespannt, ob diese heute von mir beobachtete Tendenz anhält oder ob Härtel den Weg zurück zum geradlinigen, rhythmuswechselnden Fußball findet, mit dem er mich bis vor kurzem begeisterte.

    Zur Einzelkritik:
    Glinker heute tadellos. Mußte aber keinen Unhaltbaren halten. (2)
    Handke wieder Leuchtturm I. Schlechteres Paßspiel als zuletzt. (2) Schiller Leuchtturm II, zudem mit koordinierender Ansage. Kein Spiel nach vorn. (2) Niemeyer solide, leichtfüßig und immer Herr der Lage auf seiner Seite. Versuchte sich auch im Offensivspiel. (2) Hennecke mit sehr guter Abwehrleistung, aber schlechtem Offensivspiel. Ich kann mich an keinen Vorstoß erinnern. (2,5)
    Löhmannsröben heute ohne Schaum vorm Mund. Sicherheitspässe und keine Impulse für die Offensive, defensiv aber solide. (3,5) Sowislo mit sehr gutem Beginn, nach dem Foul zurückhaltender. Gutes Stellungsspiel. (3) Fuchs im OM-Bereich mit guten Aktionen, einmal stand einem Tor der eigene Mann im Weg. Gute Defensivarbeit. Eckbälle heute schlecht. (3)
    Wassim nicklig. Auch heute wieder ohne Torschuß (aber mit einem Ball, der drüber ging, das war schon mal eine Steigerung gegenüber den vorigen Spielen). Seine Schnelligkeit ist schön anzusehen, aber ich kann den Nutzen nicht erkennen, zumal am Ende fast jeder Aktion ein Foul steht. (4,5) Beck mit Glückstor, aber so ist das, wenn ein Stürmer einen Lauf hat. Lief viel und war für die Sachsen nicht einzufangen. Gute Leistung. (2,5) Pulido zwar mit Leistungssteigerung, aber letztlich fruchtlos und ungefährlich: kein Torschuß, keine Vorlage (Brandt nahm ihm den Ball vom Fuß vor seinem Tor). (4,5)

    Nachbereitung und Tore:
  19. Avatar von aerolith
    Dem Schiedsrichter aus dem Rheinland, der das Spiel der Rheinländer aus Kölle gegen uns pfeifen durfte (Dank ooch, DFB!), schicken wir ein Physiklehrbuch und ein Winkelmaß, zudem ein Grammatiklehrbuch mit einem Merkzettel auf der Seite "Aktiv und Passiv". Vielleicht rafft er dann, daß Handke gefoult worden ist und nicht selbst foulte, denn der Ball bewegte sich in eine Richtung, in die er unmöglich vom foulenden Spieler gespielt worden sein konnte.
    Zwei Leute verletzt, davon einer schwer. Wassim jubelt nicht, wenn wir ein Tor schießen. Die Mannschaft hat einen mentalen Hänger und muß aufgerichtet werden.

    Erkenntnisse aus einer Niederlage.

    Weiter geht's!
  20. Avatar von aerolith
    Ein Blick nach England, dem Mutterland des schönsten Sports. Ein offener Brief an deutschen Freunde des runden Leders, zuvörderst an die Bundesligaverehrer, denke ich. Nichtsdestotrotz will ich mich als Drittligistenanhänger damit befassen, weil es auch bei meinem Lieblingsverein unschöne Entwicklungen gibt, die geändert werden müssen.

    erstellt von englischen Freunden in einem offenen Brief an ihre deutschen Kollegen in ELFFREUNDE

    Werdet nicht wie wir!

    Die Bundesliga eifert der Premier League nach. Das versetzt die deutschen Fans in Sorge – und auch die englischen. Ein Appell von der Insel an die DFL und die deutschen Kurven.

    imago Tom Reed ist einer der Initiatoren der englischen Fan-Organisation »Football Action Network« (F.A.N.). Über 11freunde.de wendet er sich mit einem Schreiben an die deutschen Fans und Funktionäre. Weitere Infos bei Twitter unter: @thefan_uk oder @tomreedwriting

    Englische und deutsche Fans pflegen, wenn auch insgeheim und manchmal widerwillig, einen lang anhaltenden Respekt füreinander. Lassen wir mal 1966 beiseite, dann konntet ihr Deutschen auf dem Platz immer auf uns herunter schauen wie die Sachsen-Coburger vom Buckingham Palace. Ist in Ordnung, wir schätzen Talent, wenn wir es sehen.

    Wir haben nun erfahren, welche Nachwirkungen der Premier-League-TV-Deal auf unsere alten Feinde oder eben neuen Freunde hat. Sagen wir es offen: Ihr könnt nicht zulassen, dass euren Fußball das gleiche Schicksal ereilt wie unseren. Es ist leicht, geblendet zu werden von den Science-Fiction-Summen der Premier League, aber ihr solltet es vermeiden, eben diese Liga nachzuahmen oder mit ihr mithalten zu wollen – und zwar um jeden Preis.

    Ein großer Schwindel

    Wir haben Kommentare aus den Chefetagen der DFL gehört, von »unpopulären Maßnahmen« war da die Rede, von »Traditionen«, die es zu ändern gilt, um mit dem Markt mitzuhalten. Glaubt uns, wir haben die gleiche Rhetorik hierzulande zu Beginn der neunziger Jahre gehört. Was wir bekommen haben, ist der Verkauf des Fußballs, er wurde aus den Händen der Arbeiter gerissen, die diesen Sport erst geformt haben. Das Ganze war ein lange vorbereiteter Schwindel, um nicht zu sagen: ein kultureller Diebstahl.

    Wenn ihr es nicht glaubt, dann schaut euch doch diese Zeilen aus dem »Entwurf für die Zukunft des Fußballs« des englischen Fußballverbandes aus dem Jahr 1991 an. Zu einer Zeit, als die Premier League gegründet wurde und der erste TV-Vertrag bevorstand:

    »Die Folge ist, dass schwere Entscheidungen für das Segment der Konsumenten getroffen werden müssen, an das sich das Angebot und dessen Bestandteile richten. Wie oben erwähnt, ist die Antwort auf viele Problematiken die Bewegung hin zur gehobenen Kategorie, also zur reichen Mittelklasse mit all ihren Betätigungen und Ansprüchen. Wir weisen eindringlich darauf hin, dass darin eine Botschaft für den Fußball liegt.« (FA, The Blueprint for the Future of Football 1991. Seiten 8-9)

    Gentrifizierung des Fußballs

    Also da habt ihr es, ein expliziter Plan für die Gentrifizierung des Fußballs während der Vorbereitungen für die Premier League, über die der englische Verband dann relativ schnell die Kontrolle verlor. Ein zweites Beispiel:

    »Zuerst erwarten wir einen Wirtschaftswachstum in einem nachhaltigen, wenn auch nicht spektakulärem Maße. Der durchschnittliche Konsument wird also effektiv reicher werden. Zweitens haben – trotz kurzzeitiger Einbrüche – die Einnahmen aus Immobilien einen stabilen Wohlstand für eine spezielle Gruppe der Bevölkerung erbracht, was die Bereitschaft für Ausgaben weiterhin stützen wird.« (FA, The Blueprint for the Future of Football 1991. Seite 7)

    Es ist, als würden die Fans ohne Einfluss ihre überteuerten Plätze anmieten. Eine Gentrifizierung, die aus all den angeblich »alternativlosen« Entscheidungen für den »Wirtschaftswachstum« des Fußballs durchschimmert. Wenn einmal der Geist des »Lass sie mal machen« aus der Flasche ist, kann man ihn nicht mehr bändigen. Und die Opfer sind immer: die Fans und der Sport an sich.

    Nehmt nur mal die veränderten Anstoßzeiten in Deutschland, hin zu Sonntagnachmittag- oder neuerdings Montagabendspielen. Man muss schon ziemlich naiv sein, um zu glauben, dass dies das Ende der Fahnenstange sei. Vor allem die Montagsspiele werden all den Auswärtsfahrern da draußen das Leben noch schwerer machen als ohnehin schon.

    Vielleicht mag der Satz von Karl-Heinz Rummenigge stimmen: »Mehr Anstoßzeiten bringen nicht das große Geld, wohl aber der Wettbewerb.« Doch die Kunden, sprich hier die Fans an den Bildschirmen, zahlen auch hier die Zeche. Sky und BT, die beiden übertragenden Sender, haben direkt nach dem TV-Deal flugs ihre Preise erhöht. Den Anzugträgern des Ligaverbandes ist das egal, sie sagten bereits, dass sie keine »Wohltätigkeitsorganisation« seien. Wir hätten schon vor langer Zeit einen Boykott des Pay-TV durchziehen sollen.

    Verteidigt 50+1!

    Das Pay-TV entzieht der Öffentlichkeit den Fußball und leitet ihn in die abgelegenen, privaten Räume der Reichen. Der englische Supercup, also das Spiel zwischen dem Meister und Pokalsieger, heißt »Community Shield«, doch wurde nur im Bezahlfernsehen übertragen. Damit schließen sie genau die »Community«, also (Fußball-)Gemeinde aus, die sie vorgeben zu repräsentieren.

    Wir sehen, dass in Deutschland die 50+1-Regel mehr und mehr ausgehöhlt wird. Dem sollten deutsche Fans entgegentreten. Wenn du ihnen einen Zentimeter lässt, nehmen sie einen Kilometer. Wir haben eine Sache gelernt: Sponsoren sind genau da empfindlich, wenn du ihre vergiftete Beziehung zum Fußball nachweisen kannst (deswegen zieht sich Barclays Bank gerade zurück).

    Was wollt ihr von der Premier League übernehmen?

    Es wird nicht lange dauern, bis die deutschen Funktionäre mit den englischen das lustige Spiel »Hippo Flip« in der Goldgräber-Version spielen. Sie werden sich hinstellen und sagen: »Der Einfluss von Fans hält die Entwicklung des Fußballs auf.«

    50+1 ist eine großartige Sache und sollte unantastbar sein. Ohne diese Regel sprießen die Ticketpreise in die Höhe wie beispielsweise bei Arsenal. Dort halten sie es für normal, wenn die günstigste Dauerkarte 1000 Pfund kostet. Und bei Sheffield Wednesday verlangen sie 17 Pfund Eintritt für ein Kleinkind.

    Die Frage bleibt also: Was wollen die Deutschen so unbedingt übernehmen von der Premier League? Einer Organisation, die von allem den Preis kennt, aber von nicht den wahren Wert. Eine Liga, die das englische Nationalteam zerstört hat, indem es kein einziges Talent zum Zug kommen ließ. Ein Wettbewerb, der Geld eintreibt und den echten Amateurfußball ausmergelt. Eine Liga, in der die Stadien voller lustig-dumm-klatschender Touristen sind, die wie beim Wrestling darauf warten, dass die »Big hitters« erwartungsgemäß den Sieg davon tragen. Die Premier League ist die berechenbarste Liga Europas trotz all der Botschaften ihrer PR-Abteilungen und der ihr in Treue verbundenen Boulevardpresse.

    Eine Milliarde Schulden

    Habt ihr schon von dem Eine-Milliarde-Schuldenberg gehört, den die zweite englische Liga angehäuft hat, weil sich zu viele Vereine suizidale Kapriolen leisteten, um an das große Geld zu kommen? Nein, habt ihr nicht? Nun, sie reden nicht gerne darüber.

    Natürlich gibt es das Argument, dass Spieler wie Schweinsteiger, Firmino und vielleicht bald Müller die Liga aufgrund der 50+1-Restriktion verlassen. Das ist leider unvermeidbar. Der deutsche Verband sollte daher jene Nationalspieler einfach ausschließen, die dem Geld der Premier League hinterher rennen, so wie es das englische Rugbyteam mit Spielern macht, die nach Frankreich gehen. Die größte Waffe der Bundesliga bleibt nun mal das Modell der Fanvereine. Die DFL sollte Schulungsprogramme geben für die englische Premier League.

    Wir hörten zuletzt von einem Zitat des DFL-Bosses Christian Seifert: »Wir dürfen nicht blind der Karotte hinterherlaufen, die England vor uns her baumeln lässt.«

    Vergesst die Karotte, der deutsche Fußball und seine Fans sollten selbst den Stock in die Hand nehmen und diejenigen in die Flucht schlagen, die dieses bösartige englische Modell der Premier League vertreten.
    Katzengeheul. Fußball ist Geschäft. Auch die Bundesligen werden sich nicht vor englischen Verhältnissen verschließen können. Sie werden es mehrheitlich auch nicht wollen; die Zahlen sind für Geldorientierte einfach zu verlockend. Es ist auch nicht der Einfluß der Fans, der hier eine Entwicklung aufhält, sondern Kalkül bei der Mächtigen. Sie würden ihre errungenen Positionen aufs Spiel setzen, wenn sie den Markt "Bundesliga" dem Ausland öffneten, ergo die 50+1 Regelung abschafften. Zudem wäre das mit Änderungen im deutschen Vereinsrecht verbunden, die rechtlich schwierig durchzusetzen wären, zumal die jetzige Regelung den bundesdeutschen Vereinen auch großes Spiel ermöglicht.
    Ich kann hier nur für mich sprechen, aber mich interessieren diese großen Entwicklungen nicht sonderlich, weil ich dagegen nichts unternehmen kann. Ich beschränke mich auf das, wo ich etwas beeinflussen, wenngleich nicht bestimmen kann. Wahrscheinlich werde ich an dem Tag mein Interesse am Fußball verlieren (jedenfalls am Profifußball), an dem mein Lieblingsverein ein Premiumprodukt geworden ist. Die Entwicklungsrichtung "Premiumprodukt" steht ja mit großen fetten Lettern schon auf der Stirn der Verantwortlichen. Eine widerliche Tendenz. Aber dazu später mehr.
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