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Thema: Romanze in Moll

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  • 31.12.18, 07:41
    resurrector

    AW: Romanze in Moll

    Kassandra möge sich darüber äußern, ob seine "Übung" - im nachhinein betrachtet - erfolgreich zu nennende Folgen zeitigte!
  • 26.06.01, 10:46
    Lester

    AW: Romanze in Moll

    Robbie, das hast du gut geraunt. Ja, Uis, aufs Maß kommt es an, aber wie messen. Wann ist der Verstand gefragt, wann das Herz.
    Und wer entscheidet über das Maß, der Verstand oder das Herz? Da niemand die Antwort weiß, wird man wohl weiter murkeln.
  • 26.06.01, 08:17
    uisgeovid

    AW: Romanze in Moll

    Man lebt mit Herz und Verstand, nicht wahr, die meisten jedenfalls. Wenn Schreiben Leben ist, dann sind immer Herz und Verstand beteiligt, aufs Maß kommt's an.
  • 26.06.01, 07:54
    rodbertus

    AW: Romanze in Moll

    Das hat mich seinerzeit beschäftigt: Wie kann man aus einem Prosa-Text eine poetischen/lyrischen machen? Kassandras Methode ist da zwar ruchlos im Sinne eines übereifrig bohrenden Verstandes, wie es meinereiners nun mal ist, aber - und dies bitte ich in aller Demut zu bedenken -, Lyrik muß singbar sein, eine Tonfolge besitzen. Das gestrichene Wort ist kein Indiz für Geschwätzigkeit. Gebundene Form? Kassandras Texte sind nicht geschwätzig, sie zeichnen sich durch Knappheit aus, aber sie athmen selten Tiefe. Das mag daran liegen, daß sie auf dem Reißbrett entworfen sind.
    Ein Gedicht hat noch kein Reißbrett lebend verlassen, ein gutes jedenfalls nicht, es sei denn, der Dichter nutzt das Reißbrett als Versuchsfeld, dann aber muß er inspiriert sein. Und wann ist ein Reißbrett-Dichter inspirierter zu nennen als an einem Reißbrett?
    Nein, das war ein Scherz.


    Es sind zwei Weltanschauungen, die hier nicht verträglich sind: Schreiben mit Verstand vs. Schreiben mit Herz. Was besser und kommunikativer ist, bleibt ein ewiger Streit.
    Was aber immer bleibt: Dichter ohne Rhythmus-Gefühl bleiben unerhört.

    Abgesehen davon goutiere ich den Versuch, sich über formale Disziplin auch inhaltlicher anzunähern. Doch, wie sollte das funzen? Selten habe ich eine Ballerina nach Gewichthebeübungen filigraner tanzen sehen.
  • 29.06.00, 21:30
    kassandra

    AW: Romanze in Moll

    Nein, das Experiment war, einen Text durch willkürliche Formatierung und Satzverkürzung in Gedichtform zu pressen, dann (während der Arbeit daran) auf überflüssiges abzuklopfen und erst hinterher wieder in die "normale" Prosaform zu bringen.
    Das hat auch einen Hintergrund, nämlich meine ausufernde Geschwätzigkeit bei Prosatexten, die ich mit derartigen Übungen abzubauen suche.


    K.
  • 28.06.00, 19:15
    rodbertus

    AW: Romanze in Moll

    Was da oben steht, das ist aus der ästhetiziden Feder Vischers entflossen. Ästhetik um 1870, dazu ein wenig schmachtender Weltschmerz, ein Bedingen altbekannter und gewusstwie eingestreuter Bedeutungsträger, fertig ist das ungebundene Meisterwerk. Aber nein! da muss erst noch ein Gebundenes hinzukommen, eine Versform mußte her.


    Sag mal, Kassandra, willst du mich verarschen? Das ist kein Gedicht, sondern eine beliebige Tonfolge. Sehr beliebig, um freundlich zu bleiben.
  • 28.06.00, 19:15
    aerolith

    AW: Romanze in Moll

    Was da oben steht, das ist aus der ästhetiziden Feder Vischers entflossen. Ästhetik um 1870, dazu ein wenig schmachtender Weltschmerz, ein Bedingen altbekannter und gewusstwie eingestreuter Bedeutungsträger, fertig ist das ungebundene Meisterwerk. Aber nein! da muss erst noch ein Gebundenes hinzukommen, eine Versform mußte her.


    Sag mal, Kassandra, willst du mich verarschen? Das ist kein Gedicht, sondern eine beliebige Tonfolge. Sehr beliebig, um freundlich zu bleiben.

    Der Prosatext dagegen ist nicht mißlungen. Er hat sogar Verve. Doch durch die formale Bearbeitung ist er nicht besser geworden, vielmehr hast Du die semantischen Leerstellen, die ja zumeist durch die Phantasie ausgefüllt bzw. die Lesegeschwindigkeit nicht wahrgenommen werden, durch das Aufbrechen und Nichtabbinden im Formalen kenntlich gemacht, was dem Text diese von mir konzedierte unbefriedigende Ausstrahlung verschafft. War das das Experiment?
  • 28.06.00, 17:55
    kassandra

    AW: Romanze in Moll

    Wölki, Dir fehlt der Sinn für Experimente.
    Auch die "Romanze" dient ausschließlich dem Ziel der poetischen Verkürzung.
    Sie ist kein Gedicht. Hier die Prosaversion:


    Romanze in Moll


    Als das Glas in seinen Händen zersprang, war die Musik im Tal längst verstummt, die Lichter erloschen. Die schmale Mondsichel versank kraftlos im Nebel über der stillen Bucht.
    Splitter bohrten sich in seine Haut, und er genoß die Kraft und die Klarheit des Schmerzes.
    Sie würde nicht kommen, nicht heute, nicht später.
    Nie.
    Er lauschte dem Klang des Wortes nach und lächelte.
    Als sie ihn fanden, waren die Möwen erwacht und stürzten sich kreischend in den Wind. Das Meer atmete ruhig und träumte vom Sommer, dem ersten ohne ihn.


    Auch Pfusch?


    K.
  • 28.06.00, 15:26
    Paul

    AW: Romanze in Moll

    hm, mir gefällts!
    diese sprache verstehe ich,
    auch sehe ich das bild,
    auch spüre ich das kribbeln im bauch,
    auch windet sich eine träne aus dem augenwinkel -
    was mehr?
    das meer...
  • 28.06.00, 15:02
    aerolith

    AW: Romanze in Moll

    gut:
    Fehlanzeige.
    (poetischer Realismus?)


    schlecht:
    - saftige Selbstgefälligkeit
    - Aneinanderreihung von klischeelastigen Atavismen
    - sprachliche Hundsrückung
    - Spannungsbogen?
    - kraftlose Syndetik
    - Titelgleichheit zu einem poetisch-realistischen Hoppe-Film von 1943

    Kassandra, das ist ein grottenschlechter Text. Belehr mich eines Beßren, aber das dürfte Dir schwerfallen!
  • 28.06.00, 12:22
    kassandra

    Romanze in Moll

    Romanze in Moll


    Als das Glas zersprang,
    war die Musik im Tal verstummt,
    und Mondlicht floß still
    über silberne Hänge.


    Er griff in die Scherben,
    und spürte die Kraft
    und die Klarheit
    des Schmerzes.


    Sie würde nicht kommen,
    nicht heute, nicht später.
    Nie.


    Er lauschte dem Klang
    des Wortes nach
    und lächelte.


    Als sie ihn fanden,
    waren die Möwen erwacht
    und stürzten sich kreischend
    in den Wind.


    Das Meer atmete ruhig
    und träumte
    vom Sommer,
    dem ersten ohne ihn.

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