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Thema: Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht

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Wie heißt die größte deutsche Insel?

 

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  • 27.11.21, 11:19
    aerolith

    CXXI: Polen entschied sich für die Entente

    These CXXI: Die Polen (einen Staat "Polen" gab es 1914 nicht) entschieden sich mehrheitlich für die Entente.

    Interessante These. Ich möchte ihr zustimmen, aber noch einiges dazu sagen.
    Polen war zerrissen. Die Landbevölkerung wünschte keinen polnischen Nationalstaat, weil sie ihren eigenen Eliten nicht trauten. Sie wollte aber auch keine russische Knute. Die Deutschen sollten Herren bleiben. Andererseits war das für die meisten polnischen Bauern nebensächlich. Ihr eigentliches Oberhaupt war der Papst. Die deutschen Herren waren meist protestantisch. Ein Gegensatz. Im russisch regierten Kongreßpolen waren die Herren Russen, zudem griechisch-orthodox. In diesem Teil gab es nicht wenige, die lieber von den Deutschen regiert werden wollten. Bauern. In den polnischen Städten sah es anders aus. Dort bildeten die Arbeiterschaft, Intellektuelle und auch einige Adlige polnischer Herkunft nationalistische Ideen aus, die im Weltkrieg die Chance erkannten, Polen zu einem Nationalstaat zu machen, einen modernen Nationalstaat nach westlichem Muster. Das konnte sich nur gegen das Reich und Rußland gleichermaßen richten. Diese Kräfte setzten sich durch, nicht weil sie zahlreicher waren (mehr als 70% der Polen waren Bauern), sondern weil sie lauter waren - und reicher.
    Für das Reich bedeutete das eine Enttäuschung. Nach anfänglichen Bemühungen (1914), die Polen mittels eines (souveränen) Pufferstaatsversprechens (ohne die polnischen Teile Preußens) gegen Rußland zu insinuieren, verhielt man sich diesbezüglich bald schon neutral. Das war nicht kriegsentscheidend, aber doch eine Schlappe für das Reich.
  • 19.11.21, 11:30
    aerolith

    CXX: Das Reich betrieb demokratisch-sozialistische Politik für die Ukraine

    These CXX: Das Reich betrieb seit 1914 eine aktive Politik zur Abspaltung der Ukraine vom russischen Imperium. Dazu wurden die (ukrainischen) Bauern im Sinne einer Agrarbefreiung und dem Versprechen auf eigenes Land im Sinne der Sozialdemokratie agitiert. Man trennte ukrainische Kriegsgefangene von den russischen und agitierte diese in diesem Sinne. Österreich-Ungarn hielt sich, nach anfänglicher Begeisterung für diese Idee, zurück. Der sozialdemokratische Aspekt dieser Agitation war den galizischen Großgrundbesitzern nicht zu vermitteln.

    Ich stimme dieser These zu.
  • 31.10.21, 08:49
    aerolith

    These CXIX: Das Reich plante eine transkaukasisches Königreich

    These CXIX: Das Reich plante bereits 1914 einen neutralen transkaukasischen Staatenbund, der unter einem deutschen Fürsten zum Königreich werden sollte.

    Stimmt.
    Schon 1905 regte sich im Kaukasus der Widerstand gegen das Zarenreich. Zahlreiche Georgier, Armenier und Türken (Aserbaidschaner) planten die Errichtung eines transkaukasischen Königreiches, an dessen Spitze ein westeuropäischer Fürst stehen sollte. Die einzelnen Bestandteile dieses Königreiches sollten von selbstgewählten Oberhäuptern angeführt werden, die Armenier sollten ihr Oberhaupt wählen, die Georgier ihres und die Türken (Aserbaidschaner) den ihren. Um dieses Königreich gleichermaßen vor den umliegenden Großmächten zu schützen, sollte ein westeuropäischer, während des Weltkrieges ein deutscher, Fürst Staatsoberhaupt werden.
    Maßgeblich wirkte in diese Richtung der georgische Fürst Georg Matschabelli, der nach seinem Exil in die USA, 1921, sein Glück als Parfümeur fand.
    Daß die Reichsregierung an diesem Plan der Kaukasier nichts auszusetzen hatte und ihn unterstützte, liegt auf der Hand.
  • 24.10.21, 11:01
    aerolith

    These CXVIII: Sicherung des Ostens durch Pufferstaaten

    These CXVIII: Im August 1914 zielte die Reichsregierung auf die Insurgierung Polens und der Ukraine, um
    1. Kampfmittel gegen Rußland zu generieren;
    2. weil nach dem (siegreichen) Krieg Pufferstaaten die Sicherheit des Reiches und Europas erhöhen würden;
    3. Rußland müsse nach dem Krieg nach osten geworfen werden;
    4. Rumänien benötige zu seiner Sicherheit einen nichtrussischen Staat an seiner Grenze.


    Ich stimme dieser These Fischers zu. Derartige Überlegungen dürfte es in der Reichsregierung gegeben haben. Sie sind zwingend.
  • 10.10.21, 10:19
    aerolith

    These CXVII: Kurz nach Kriegsbeginn wurde die Befreiung Polens etc. initiiert

    These CXVII: Schon im August 1914 war sich das AA sicher, daß ein Sieg im Osten mit der Befreiung der "durch Rußland unterjochten Stämme" einhergehen müsse. Zu diesem Zwecke plante man die Errichtung von Pufferstaaten von Finnland bis zur Ukraine, um die Russen auf Moskau zurückzuwerfen. Um zu diesen Pufferstaaten zu gelangen, war es notwendig, den in den genannten Gebieten schwelenden völkischen Gedanken zu entfesseln. Aber das reichte Zimmermann, dem treibenden Sekretär im AA, nicht. Auch im Kaukasus sollten die unter russischer Herrschaft stehenden Völker aufbegehren und die Gegend destabilisieren.

    Ich stimme diesen Bemerkungen Fischers zu.
  • 03.10.21, 10:24
    aerolith

    These CXVI: Die Unterstützung russischer Revolutionäre im Krieg diente siedlungspol..

    paßte nicht in die obere Zeile, darum hier vollständig: Als These CXVI kann formuliert werden: Die Unterstützung russischer Emigranten und bolschewistischer Revolutionäre während des Krieges diente nicht nur der Destabilisierung Rußlands, sondern sollte auch siedlungspolitische Expansionsziele vorbereiten, auf die es der Reichsregierung ankam und die ein strategisches Kriegsziel bildeten.

    Dieser These möchte ich widersprechen. Das Reich besaß keine Ambitionen nach Osten, im Gegenteil. Kriegsziel war die Herauslösung polnischer Gebiete aus Rußland und die Schaffung einer Sicherheitszone von Finnland bis zum Schwarzen Meer (Ukraine) für das Reich. (Das wurde dann auch im heute zuunrecht vielgescholtenenen Frieden von Brest 1918 so beschlossen.) Im expansivsten Szenarium wurde über die Einbindung des Baltikums ins Reichsgebiet spekuliert, allerdings bestenfalls im konföderativen Sinne. Die Schaffung Polens war ein Kriegsziel. Polen sollte weiter nach Osten verschoben werden, nach Südosten, um es genau zu sagen, am Schwarzen Meer einen Zugang erhalten und so unsere Südostflanke als Pufferstaat decken. Im Norden sollte Finnland aus dem russischen Imperium herausgelöst werden und so St. Petersburg den einzigen Zugangsort zur Ostsee bilden, streng eingefaßt von nichtrussischen Gebieten, die allesamt deutsch kondominiert wären. Das war der Plan, nicht aber eine Ausdehnung Deutschlands bis Moskau oder ähnliches. Kein vernünftiger Raumpolitiker hätte so etwas angestrebt, zumal der deutsche Osten eher dünn besiedelt war, also Raum für Millionen abgab.
    Allerdings gab es natürlich ein paar Holzköpfe, die Alldeutschen, die am liebsten die ganze Welt deutsch gemacht hätten. Nicht einmal 2% im Reich. (Übrigens gehörte auch der berühmte Max Weber zu den Alldeutschen.)
  • 07.08.21, 13:01
    aerolith

    CXV: Ein türkisch-deutscher Vorstoß in Nahost scheiterte 1914

    These CXV: Die Briten verlegten 1914 zwei Armeen und verhinderten auf diese Weise einen türkisch-deutschen Vorstoß in Nahost (Ägypten und Irak).

    Das ist wahrscheinlich eine richtige Behauptung/Vermutung.
    Im deutschen AA war man sich sicher, daß Rußland von Süden (Afghanistan) und Britannien in der Suez-Kanal-Gegend angegriffen werden mußten, um die deutschen Siegchancen entscheidend zu erhöhen. Es gelang den deutschen Agenten nicht, den gegen Rußland bereitwillig agieren wollenden afghanischen Emir zum Angriff gegen Rußland, Indien oder Persien zu bewegen. Mehrere in Bewegung gesetzte Agententrupps scheiterten mit diesem Vorhaben; sie erreichten schlichtweg ihre Ziele nicht. Einfacher schien die Lage in Ägypten zugunsten des Reiches auszuschlagen, aber die Briten konnten mutmaßlich erfolgreichen islamischen Aufständen vorbeugen, indem sie zwei Armeen schlichtweg neue Marschbefehle gaben:
    1. die ägyptische Armee wurde weiter nach Süden beordert, wo sie im Sudan den ägyptischen Erzfeind bearbeitete und das gern tat;
    2. sie schickten aus Indien eine indisch-englische Armee in die Suezgegend, die dort mit wesentlich höherer Moral ihre Aufgaben versah und nicht im Verdacht stand, sich einem (möglichen) islamischen Aufstand anschließen zu wollen.

    Die Folge dieser administrativen Entscheidungen war die Sicherung Ägyptens und eine Beruhigung in Nahost. Die geringen deutschen Kräfte hätten nur dann Aussicht auf Erfolg gehabt, insofern sie die islamischen Selbstbehauptungskräfte hätten anstacheln und aufwiegeln können. Die Türken waren zu zerstritten, als daß sie nun in Nahost hätten Einfluß nehmen können.
  • 30.07.21, 12:29
    aerolith

    These CXIV: Wilhelm II. sah sich als Schutzherrn von 300 Millionen Mohammedanern

    These CXIV: Der Kaiser sah sich als Schutzherrn über 300 Millionen Mohammedaner. (Damaskusrede vom 8. Dezember 1898)

    Da ist was dran. In Verkennung der politischen Inhalte des Islam glaubte Wilhelm II. wohl in der Tat, daß er mit der Hilfe der aufs Militärische erweiterten panislamischen Idee rechnen könne, falls es zum Krieg des Reiches gegen England kommen würde. Er übersah dabei, daß ein Moslem niemals einen christlichen Herrn anerkennen würde. Damals nicht - und heute auch nicht.
    Ob aus Ermangelung dieser Wahrheit Wilhelm II. den Krieg gegen die Entente begonnen hatte, eben als Prävention, bleibt unentschieden. Es mischt sich in seinen Zorn vom August 1914, als er England wüst beschimpfte, auch ein gut Stück Trotz, denn bis zuletzt hatte Wilhelm II. nicht an einen Beitritt Englands auf Frankreichs Seite gerechnet und mußte erkennen, daß er betrogen worden war. Dennoch, davon abgesehen, rechnete er schon mit einem Aufstand in den orientalischen Kolonien der Entente, also einer auch militärischen Fürsprache zugunsten des Reiches.
  • 23.07.21, 11:36
    aerolith

    These CXIII: Revolutionierung bei den Kriegsgegnern

    These CXIII: Die Reichsregierung setzte auf eine revolutionäre Lage bei den Kriegsgegnern und unterstützte alle innenpolitischen Gegner der Kriegsgegner.

    Dieser These stimme ich zu.
    Während es im Reich eine weitgehende Zustimmung des Volkes zur Politik der Reichsregierung gab und man den Angriff auf Frankreich als Akt der Verteidigung begriff, war die Zustimmung zum Krieg weder in Frankreich noch England oder gar in Rußland einhellig. Es gab v.a. in Rußland eine starke Opposition gegen das Establishment, auch in Frankreich waren v.a. sozialistische Pazifisten stark in den innenpolitischen Diskurs eingebunden, während in Britannien noch die sichersten innenpolitischen Zustände herrschten, es aber auch starke Vorbehalte gegen die Notwendigkeit eines Krieges gegen das Reich gab. Kurzum, es wäre arg nachlässig von der Reichstregierung gewesen, wenn sie hier nicht tätig geworden wäre: subversive Kräfte beim Kriegsgegner unterstützen.
  • 17.07.21, 10:07
    aerolith

    These CXII: Die deutsche Öffentlichkeit wolte 1914 keinen Frieden

    Fischer behauptet auf Seite 107, daß die Regierung des Reiches angesichts der öffentlichen Meinung keinen Frieden hätte abschließen können, sofern sie ihn selber gewollt hätte, weil im Unterschied zu 1871 die öffentliche Meinung 1914 eine zu bedeutende Rolle gespielt habe. Zitat: "Die Regierung würde es im Interesse ihrer eigenen Selbsterhaltung gar nicht wagen können, auf seine, des Botschafters, zweifellos freundlich gemeinten Anregungen einzugehen."

    Die Rede ist von der Anregung des amerikanischen Botschafters, doch nun schnell Frieden machen zu wollen.

    Kommentar: Nun ja. Amerika war nicht unglücklich über den Krieg in Europa, denn so bestand Aussicht auf Tilgung eigener Schulden, Einfrierung des deutschen Auslandskapitals und letztlich Hegemonie in der Welt.

    Daß aber die Reichsregierung eine solche Angst vor der öffentlichen Meinung besaß, will mir nicht recht einleuchten. Auch glaube ich nicht, daß ein schneller Frieden im Reich auf viel Widerstand gestoßen wäre. Andererseits gab es starke Stimmen, die keinen Frieden hätten gewollt haben wollen, dessen Dauer kurz gewesen wäre, da doch die Kriegsgründe nicht beseitigt hätten werden können. Britannien hätte weiters auf seine Hegemonie zur See bestanden, Frankreich auf eine auf dem Festland bestanden (und aufs Elsaß) udn Rußland brauchte einen Siegfrieden, um die inneren Konflikte auszuhebeln. Kurzum, ein Siegfrieden des Reiches war politisch nicht möglich, kaum im Reich zu vermitteln, schon gar nicht bei unseren Gegnern.
  • 07.07.21, 08:38
    aerolith

    These CXI: Das Reich wollte keinen Separatfrieden, sondern einen totalen

    These CXI: Angesichts des nahen Untergang Frankreichs während der Marneschlacht 1914 fühlte der amerikanische Botschafter Gerard in Bärlin vor, wie es mit den deutschen Siegbedingungen aussähe und erfuhr vom Staatssekretär Zimmermann, daß ein status-quo-ante-Frieden nicht anzunehmen wäre, weil das Reich sich bald wieder im Krieg mit der Entente befinden würde; das Ziel sei ein dauerhafter Frieden, der nur mit dauerhafter Schwächung der Entente-Mächte einhergehen könne.

    Ich stimme dieser Auffassung Zimmermanns zu, nicht aber der Methode, die ich dem nahenden Sieggefühl 1914 zuschreibe. Fischer korreliert deutsche Wünsche bezüglich von Kolonien. Davon ist bei Zimmermann keine Rede. Die dauerhafte Schwächung der Entente und schwache deutsche Finanzmittel, auch die Nichtnotwendigkeit deutscher Kolonien zum perpetuierten Wirtschaftswachstum lassen einen deutschen Siegfrieden 1914 nicht unbedingt mit Landgewinn einhergehen müssen. Bethmann Hollwegs Septemberprogramm zielte vielmehr auf die Verdrängung wirtschaftlicher Kontrahenten im mittel-westeuropäischen Raum und die finanzielle Schwächung derselben.
    Dennoch ist gegen Zimmermann zu sagen, daß er den Geist Bismarcks nicht erfaßte, der wußte, daß längere Kriege keine Option waren, denn früher oder später würde sich die numerische Überlegenheit der Gegner des Reiches durchsetzen müssen. Ein status-quo-ante-Frieden wäre 1914 die richtige Option gewesen, auch auf die Gefahr hin, daß die Entente wieder einen Krieg würde anzetteln wollen.
  • 06.06.21, 15:30
    aerolith

    These CX: jüdische Bankhäuser standen der Reichsregierung nahe

    These CX: Die Bankhäuser Warburg, Bleichröder und Mendelssohn standen der deutschen Regierung nahe.

    Eine nicht zu verachtende Behauptung, zu der ich mich indifferent verhalten möchte. Alle drei Bankhäuser sind jüdisch. Wenn diese Behauptung Fischers stimmt, dann meint er damit eine Einseitigkeit dieser Bankhäuser, was angesichts der weltweiten Verflechtungen kaum anzunehmen ist; es bedeutete, daß diese Bankhäuser die Milliarden an deutschem Besitz, die im Westen mit Kriegsausbruch eingefroren worden waren, doch in irgendeiner Weise für die deutsche Regierung offengehalten haben müssen, andernfalls wäre ein Nahestehen kaum anzunehmen. Andererseits aber gab es zweifellos Verbindungen zumindest zu Warburg und Bleichröder. Warburg finanzierte die russische (bolschewistische) Revolution mit, die die deutsche Regierung drei Jahre nach Kriegsausbruch endlich zuwege bringen konnte. Bleichröder galt schon zu Bismarcks Zeiten als dessen Hausbankier, hielt ihm in Zeiten der Haushaltssperre (1862 bis 66) finanziell den Rücken frei. Warum sollte er dieses Verhalten in Zeiten eines aufstrebenden Reiches unterbrochen haben? Aber das ist Spekulation. Bei Warburg kann ich mir sicher sein, zumal ich die Biographie Chernows las.
    Schließlich bedeutete das Zutreffen dieser These, daß eine zionistische Weltverschwörung gegen das Reich, wie sie linke und rechte Paranoiker angenommen hatten (Protokolle von Zion), nicht zugetroffen haben kann.
    Andererseits mußte die deutsche Regierung eine neue Finanzpolitik entwickeln, die eben nicht auf der alten Geldpolitik aufbaute, was sie nicht hätte tun müssen, wenn die genannten Bankhäuser ihr zur Seite gestanden hätten.
  • 10.05.18, 13:02
    aerolith

    These CIX. Affiliation mit Belgien

    These CIX: Bethmann Hollweg bejahte eine auf Dauer berechnete Affiliation Belgiens mit dem Reich.

    Dieser These stimme ich aus drei Gründen zu: Die Schaffung Belgiens 1830 würde sich in einem neuen Europa nach einem deutschen Sieg als für den Sieger ärgerliches strategisches Hindernis herausstellen. Belgien war einerseits als Pufferstaat zwischen Britannien und Deutschland, andererseits als einer zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen worden, zugleich sollte damit im Sinne Frankreichs Holland geschwächt werden. Das Reich wollte (überwiegend) keine Annexion Belgiens. Man schwankte zwischen einer Aufteilung des flämischen und wallonischen Teils, wobei der flämische mit Holland, der wallonische aber als Puffer zwischen Frankreich und dem Reich bestehen bleiben sollte, zugleich aber wirtschaftlich und finanziell mit dem Reich affiliert werden sollte, also in Abhängigkeit gehalten, neutral, doch auch mit Nutzungsrechten Antwerpens für die deutsche Flotte, und einer Beibehaltung Belgiens, wobei es fürderhin deutschen Firmen zuerst gestattet sein sollte, in Belgien Wirtschaftsinteressen nachzugehen, v.a. Rohstofffragen zugunsten des Reiches beantworten zu können. Im Fokus stand auch eine Zuweisung der belgischen Kolonie ans Reich.
  • 07.05.17, 20:35
    aerolith

    These CVIII: Bethmann-Holweg verfolgte das Ziel, Belgien zu annektieren

    Es ist eine Frage der politischen Strategie. Belgien war 1830 gebildet worden, um für Britannien einen Puffer zwischen sich und Frankreich zu bilden, zugleich Holland zu schwächen und einem möglichen politischen Zusammenschluß der deutschen Stämme ebenfalls geopolitisch zu begegnen. Die beiden letzten Punkte könnten angesichts der dato herrschenden politischen Verhältnisse ins Reich der Fabel verwiesen werden, allerdings aber hatte sich mit dem Zollverein bereits kurz nach dem Wiener Kongreß ein möglicher Konkurrent auf dem Festland gebildet, der irgendwann gegenüber der britischen Industrie in ein Konkurrenzverhältnis würde treten können. Also mußte man aus britischer Sicht vorbeugen udn bekam mit der Revolution von 1830 auch einen Anlaß geschenkt. Ein aus deutschem Hause stammender König gab den passenden Kompromiß ab, also witterten die Deustchen keine Gefahr und verstanden die Konstituierung Belgiens sogar als Sicherung gegenüber dem französischen Imperialismus. Ein Irrtum.

    Hundert Jahre später besaß Belgien eine ähnliche Funktion, nunmehr von der ersten Aufgabe entkleidet. Belgien war 1914 keine neutrale Mittelmacht, als die sie die Entente darstellte, sondern bereits seit 1904 im Angriffskonzept derselben verortet. Der deutsche Vorstoß über Belgien war die einzige Chance des Reiches, einem Vorstoß aus Belgien ins Ruhrgebiet zuvorzukommen.

    Es wäre von der politischen Elite des Reiches grob fahrlässig gewesen, wenn sie sich über die Ausschaltung Belgiens als wirtschaftlichem und militärischem Gefahrenherd für das Reich keine Gedanken gemacht hätte. Die Pläne einer wirtschaftlichen Einbindung Belgiens ins Reich bedeuten nicht, wie Fischer das assoziiert, eine koloniale Anbindung. Annexion bedeutet nicht zwangsläufig die Auflösung Belgiens als Staat. Sofern es zur Annexion gekommen wäre, so hätte diese die Brechung der französischen Vorherrschaft über Belgien bedeutet. Sie hätte eine Öffnung des belgischen Marktes für das Reich bedeutet und sie hätte angesichts einer (künftigen) deutschen Hegemonie einen Austausch französisch-belgischer zugunsten deutsch-belgischer Hauptbegünstigung bedeutet. Das hätte die "Annexion" durch das Reich für Belgien bedeutet.
    All das ist durchaus legitim und weder moralisch noch wirtschaftlich zum Schaden Belgiens und es ist das Recht eines Siegers, neue Richtlinien der Politik festzulegen.

    Was die praktische Umsetzung von Gedankenspielen allerdings betrifft, so ist das noch eine ganz andere Angelegenheit.
  • 18.03.17, 16:37
    aerolith

    Substanzthese: Das Reich plante den Weltkrieg von langer Hand

    Die von Fischer nicht ausgesprochene, aber mittenmang involvierend substantielle Hauptthese lautet: Das Reich habe durch die Auslösung des Krieges den Griff nach der Weltmacht gewagt.

    Dieser Hauptthese ist zu widersprechen. Die deutsche Rüstung, die sich auf einem Bruchteil der Entente-Mächte vor dem Krieg bewegte, war nicht auf Angriff ausgerichtet, sondern auf einen Verteidigungskrieg. Auch kurz nach dem Kriegsbeginn fehlte es bei offiziösen Verlautbarungen an programmatischen Parolen mit irgendwelchen Kriegszielen. Es fehlte eine innere Einheitsidee, unter der sich die Mittelmächte hätten versammeln können. Warum hatten sie die nicht? Weil sie keinen Plan besaßen, der zu erobernde Ziele fixierte.
    Sicherlich wußte man im Reich, daß es eine Auseinandersetzung mit Frankreich geben würde - früher oder später -, daß Britannien der wachsenden deutschen Seemacht wohl kaum würde ewig zusehen wollen und daß Rußland nach dem Baltikum und dem Balkan strebte, also auch da früher oder später ein Krieg würde Klarheit bringen müssen. Aber dann alle auf einmal? Damit hatte keiner gerechnet! Aus dato im Kontext augenblicklicher Überlegungen und heutigem Schuldkult einhergehende Kollationen sind nicht nur wissenschaftlich unredlich, sondern auch historisch unerweisbar. Aber sie sind konstruierbar. Da dies geschehen kann und das politische Establishment dieser Tage diese Infamerie fördert, bleibt die generierte deutsche Schuld Schuldkultung und ich sehe es als meine Aufgabe an, dies u.a. durch eine Analyse dieses Buches nachzuweisen.
  • 26.02.17, 11:36
    aerolith

    These CVII: Die deutsche Industrie begriff Britannien als den Hauptgegner des Krieges

    These CVII: Sowohl Erzberger in seinem Memo vom September 1914 als auch der stellvertretend für die deutsche Industrie stehende Thyssen in seinem Forderungskatalog an die deutsche Politik begriffen Britannien als Hauptgegner des Reiches.

    Richtig.
    Erzbeger formulierte als eines der wichtigsten Ziele des Krieges die Freiheit der deutschen Politik von der britischen Bevormundung. Thyssen ging in seiner konkreter gefaßten Verlautbarung vomSeptember 1914, die dann die deutsche Wirtschaftsverbände 1915 aufgriffen, territorial nioch weiter und verlangte als strategisches Ziel eine Landbrücke über Südrußland bis nach Persien, um die britische Vorherrschaft zu zerschlagen. Einig war man sich darin, daß Rußland von seinen nichtrussischen Bestandteilen befreit werden müsse, daß Polen als Königreich gebildet und vorerst unter deutschem Schutz stehen solle, daß Österreich sich bis in die Ukraine ausdehnen solle. Damit sollte der Frieden in Europa bis auf weiteres sichergestellt sein. Kolonialerwerbungen in Zentral- und Westafrika sollten die Rohstofffragen lösen und zudem Siedlungsgebiete für die deutsche Kolonisation abgeben. Umstritten blieb der Umgang mit den Pufferstaaten Belgien und dem Norden Frankreichs. Einige wollten die französischen Festungen in deutschen Besitz bringen, andere die Sprachgrenzen respektieren, dritte sogar Holland dem Reich einverleiben.
    Die deutsche Regierung nahm diese Denkschriften und Vorschläge an, konnte sich aber zu einer offiziellen Verlautbarung nicht durchringen.
  • 05.08.16, 12:23
    aerolith

    AW: Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht

    Ergänzung: Max Weber: Politische Schriften.

    Ausführungen über den Durchmarsch durch Belgien, seine juristische und staatspolitische Berechtigung, die belgische Scheinneutralität und die Heuchlei der Entente.
  • 05.08.16, 12:12
    aerolith

    Die Behandlung Belgiens nach Bethmann Hollweg 1914

    Der Durchmarsch des deutschen Heeres durch Belgien war nach internationalem Recht gestattet. Allerdings betrachteten die Belgier das deutsche Heer nicht als neutrale Macht, die aufgrund eines militärischen Notstands gezwungen war, ihr Staatsgebiet zu durchqueren, sondern als feindliche Macht, obgleich Belgien formell nicht an die Entente gebunden war, faktisch aber seit 1907 schon. Dieses falsche Spiel, das angeblich den Anlaß für das britische Eingreifen auf französischer Seite abgab, führte dazu, daß v.a. belgische Heckenschützen (Franctireure) das deutsche Heer beschäftigten, da die Belgier sich keiner offenen Feldschlacht aussetzten. Das wiederum führte zu Erbitterung, denn nichts haßt der Soldat mehr als Heimtücke.

    Aufgrund dieser Erfahrungen gab es Überlegungen, Belgien als Pufferstaat aufzulösen. Bethmann Hollweg widersprach diesen Überlegungen und fixierte in seinem Programm, daß Belgien als Staat bestehen bleiben müsse. Gleichwohl wollte er Belgien bestrafen, also Gebiete abtrennen und die wirtschaftliche und politische Selbständigkeit Belgiens éinschränken resp. aufheben. Jedenfalls für kurze Zeit. Eine Bestrafung für den Rechtsbruch, den Belgien am Reich begangen hatte, als es trotz apostrophierter Neutralität die deutschen Truppen hinterrücks angegriffen hatte. Lüttich sollte Preußen angegliedert, imgleichen Luxemburg vergrößert werden. Belgische Kanalhäfen sollten besetzt werden.
  • 30.07.16, 18:33
    aerolith

    Bethmann Hollwegs Septemberprogramm: Behandlung Frankreichs

    Das Septemberprogramm Bethmann Hollwegs besitzt Richtliniencharakter. Es stellt anheim und besitzt keine dekretische Kraft. Zwei Gründe sprechen dagegen:


    1. Die darin formulierten möglichen Kriegsziele sollten immer im Kontext militärischer, politischer und wirtschaftlicher Fragestellungen von den jeweiligen Instanzen geprüft werden.
    2. Die Struktur der deutschen Reichsleitung beließ dem Kanzler keine Richtlinienkompetenz wie zu heutigen Zeiten, sondern sah in der Exekutive eine Art obere Verwaltungsbehörde des Reiches, die in ihrer Wirksamkeit vom Kaiser und Reichsrat bestimmt wurde, nicht aber in der Person des Reichskanzlers jemanden vorsah, der die grundlegenden Entscheidungen für das Reich zu fällen hatte.


    In Punkt 1 werden die von Bethmann Hollweg ins Auge gefaßten Pläne mit Frankreich formuliert. Es sind deren vier:


    1. Festungsschleifungen an Frankreichs Ostgrenze und Abtretung des elsässischen Belfort, das nach dem Krieg 1870/71 irrtümlicherweise in französischem Besitz geblieben war. Wichtig: das Militär sollte letztlich hierüber entscheiden, was es wolle.
    2. Zahlung einer Kriegsentschädigung durch Frankreich in einer Höhe, das dieses daran hindern solle, nach dem Krieg auf Revanche zu sinnen.
    3. Veränderung der Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und dem Reich. Frankreich muß sich der deutschen Industrie öffnen, zugleich seinen Haupthandelspartner England gegen das Reich austauschen. -> diesen Punkt halte ich für problematisch: Wollte Bethmann Hollweg hier staatsdirigistische Maßnahmen durchführen? Sollte Frankreich zu Handelsverträgen gezwungen werden? Wenn ja, welchen (langfristigen) Vorteil sollte sich das Reich davon versprechen können?
    4. Abrundung deutscher Gebiete in Lothringen (etw 200 km² um das Eisenerzgebiet Briey mit einigen tausend Einwohnern).


    Vergleicht man diese "Forderungen" mit denen, die Frankreich nach dem Krieg gegenüber dem Reich erhob, so erscheinen sie linde. Schließlich hatte Frankreich den Krieg gewollt und mußte bestraft werden.
  • 10.07.16, 08:46
    aerolith

    These CVI: Mittelafrika sollte eine ähnliche Bedeutung wie Mitteleuropa besitzen

    Eine Expertise des Staatssekretärs im Kolonialamt Solf soll als Kriegsziel eine Erweiterung des deutschen Kolonialbesitzes in Afrika formuliert haben. Dabei soll v.a. auf Kosten Frankreichs, Portugals und Belgiens deren Kolonialbesitz in deutschen überführt werden und so ein durchgängiges Reich von Südwest bis Nigeria entstehen, das eine ähnliche Bedeutung für die deutsche Wirtschaft haben sollte wie Mitteleuropa.

    Abgesehen davon, daß es Aufgabe eines Sekretärs für Kolonialwirtschaft ist, seinen Aufgabenbereich möglichst bedeutungsvoll zu inszenieren, ist das im ersten Abschnitt Wiedergegebene Fischers Interpretation und kein Tatbestand. Daß Abrundungen der deutschen Besitztümer in Afrika ein Thema für die deutsche Außenpolitik waren, steht außer Frage. Es gab diesbezüglich vor dem Krieg auch Annäherungen zwischen London und Bärlin, v.a. in puncto portugiesischem und belgischem Kolonialbesitz. Belgien hatte sich durch seine brutale Ausbeutungspolitik desavouiert. Portugal konnte wirtschaftlich keinen Nutzen aus seinen Besitzungen schlagen. Die Briten interessierten sich für Mozambik, die Deutschen wollten Angola. Das sah nach einer Verständigung aus.
    Ganz normale Vorgänge, die auf friedlichem Wege hätten geklärt werden können, aber weder die Potenz noch die Tatsächlichkeit für ein zu formulierendes Kriegsziel VOR dem Krieg abgeben konnten. Daß dann während des Krieges solche Ziele wenigstens als Denkoptionen durchgespielt und dank preußischer Gründlichkeit auch exemplarisch projektiert wurden, ist kein Beleg dafür, daß diese Möglichkeiten auch Präliminarien für den Krieg abgeben konnten.
  • 25.03.16, 13:16
    aerolith

    These CV: Das Reich führte Krieg, um seinen Kolonialbesitz erheblich zu vergrößern.

    Falsch an dieser These ist, daß das Reich um Kolonien keinen Krieg führte. Kolonialbesitz war kein Kriegsgrund.
    Richtig an dieser These ist, daß bereits im September 1914 der Zugewinn von Kolonialbesitz apostrophiert worden ist.

    Anmerkung: Bereits vor dem Krieg war zwischen Britannien und dem Reich vereinbart worden, daß im Austausch zu Deutsch-Ostafrika (Tangajika) das Reich ein zusammenhängendes Gebiet aus belgischem und portugiesischem Besitz erhalten sollte. Verhandelt wurde auch ein Zugang zum Indischen Ozean, der allerdings von deutscher Seite nicht zwingend gefordert worden war. Portugals Besitz (Angola) sollte mit Südwest verbunden werden, zudem sollte Belgien aufgrund seiner Verfehlungen im Kongo seinen Kolonialbesitz verlieren. Frankreich besaß Interessen an der Ausweitung seiner Besitzungen in Zentralafrika, das Reich würde von Kamerun bis Südwest Kolonialbesitz vorweisen können und damit saturiert sein.

    Das waren in etwa der Verhandlungsstand vor dem Krieg. Es ist kein Kriegsgrund erkennbar, auch keine NEUE Forderung durch das Septemberprogramm von 1914, wie Fischer das zu erkennen glaubt.
  • 13.02.16, 10:26
    aerolith

    These CIV: Das Septemberprogramm Bethmann Hollwegs...

    These CIV: Fischer behauptet, Bethmann Hollwegs Septemberprogramm sei ein alldeutsches Eroberungsprogramm gewesen, maßgeblich als Kriegszielprogramm.

    Eine halbe Wahrheit.
    Richtig ist, daß es starke Bestrebungen im Reich gab, eine mitteleuropäische Zollunion (Kernstück des Septemberprogramms) zu bewirken. Richtig ist, daß angesichts der wirtschaftlichen Stärke des Reiches dem Reich die größten Vorteile bei einer Zollunion zufallen müßten. Richtig ist, daß es starke imperialistische Kräfte im Reich gab, denen die Politik nicht schnell genug ihre Wünsche erfüllen half und denen der Krieg gerade recht kam, ein Katalysator ihrer wirtschaftlichen Ziele.
    Falsch ist, daß es den Krieg gab, weil diese Kreise jedes Mittel anzuwenden bereit waren, ihre Ziele zu erreichen, denn diese Kreise besaßen zwar Wünsche - wie alle anderen imperialistischen kreise rings um das Reich auch -, aber ihre politische Kraft war nicht groß genug, nicht einmal im Wirtschaftsmilieu selbst. Der Alldeutsche Verein zählte zu seinen ebsten Zeiten 40000 Mitglieder und hatte in der deutschen Politik relativ wenig zu sagen. Es gab unterschiedliche Vorstellungen auch in diesem Verein selber; er sprach keineswegs mit einer Zunge.
    Das Septemberprogramm wurde maßgeblich von Rathenau entwickelt und gab eine Stoßrichtung der deutschen Politik vor, die einerseits auf Stärkung der Kriegswirtschaft (das Reich war 1914 keineswegs kriegsbereit) und andererseits Überlegungen darüber anstellte, wie die Nachkriegsordnung aussehen müßte, damit es fürderhin keine weiteren Kriege in Europa geben könne.

    Fischer konstruiert hier eine Kriegsschuld des Reiches, die schlichtweg nicht verfangen kann. Ich möchte gegenteilig behaupten, daß das Septemberprogramm ein Entwurf zur Friedenssicherung gewesen war, das bei dessen Umsetzunmg Vorteile nicht nur für das Reich, sondern auch für dessen Umwohner beinhaltet hätte. Leider wurde es nach dem Krieg nicht umgesetzt, sondern erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg, dann nur in dessen Intentionen, nicht aber in den Formen. Oder war die Westeuropäische Union nach dem Zweiten Weltkrieg etwas so Schreckliches, Herr Fischer?
  • 19.12.15, 09:31
    aerolith

    These CIII: Bethmann Hollweg faßte die Annexion Belgiens und Polens ins Auge

    These CIII: "Meine Andeutungen schlossen die Einbeziehung Belgiens und Polens in den Machtbereich Mitteleuropas ein, fürwahr kein kleines Ziel..." (Bethmann Hollweg) - Bethmann Hollweg verfolgte annexionistische Absichten.

    Falsch. Bethmann Hollweg wollte keine staatliche Auflösung Beölgiens und keine Annexion Russisch-Polens, sondern neutralisierte Friedenszonen, die dem mitteleuropäischen Zollunion assoziiert werden würden.- Das ist etwas völlig anderes als das, was ihm von Fischer untergeschoben wird, nämlich die Auflösung nationalstaatlicher Gebilde (Belgien war ein Kunstprodukt, das Britannien 1830 gegen Frankreich durchsetzte). Im Falle Polens gab es Überlegungen, einen polnischen Staat als Pufferstaat gegenüber Rußland zu konstituieren, allerdings nicht auf Kosten preußischer Gebiete, in denen mehrheitlich Polen wohnten. Zu dieser Einsicht, daß man hier den Polen entgegenkommen müsse, kam man erst 1917/18.
    Eines allerdings ist durchaus richtig: Der Status Belgiens war für das Reich unannehmbar geworden. Es gab vor 1914 KEINE belgische Neutralität, wie dies immer wieder behauptet wird. Belgien mußte als Bedrohung des Reiches militärisch ausgeschaltet werden und zugleich brauchte das Reich Zugang zu Finanzmärkten, was über das reiche Belgien durchaus erfolgen konnte. Also wirtschaftliche Assoziation (Zollunion) und Entmilitarisierung.
  • 20.10.15, 12:00
    aerolith

    These CI: Belege für deutschen Kriegswillen belegen Schuld am Weltkrieg

    Fischer listet etliche Belege für seine Hauptthese, die alle eins belegen, nämlich die Bereitschaft maßgeblicher Kreise im Reich, einen Krieg gegen Serbien zuzulassen, sogar zu fordern.

    Das ist richtig. Viele waren der Auffassung, daß den renitenten Serben die Grenzen aufgezeigt werden müßten. Daraus aber eine Bereitschaft für den Weltkrieg zu konstruieren, ist maßlos und falsch.
  • 05.09.15, 14:01
    aerolith

    These C: Die Deutschen übernahmen die Überfallthese deutscher Politiker.

    These C: Die deutschen Politiker pflegten nach dem Krieg eine Überfallthese, die von der Öffentlichkeit und den Zeitgenossen übernommen worden ist.

    Völliger Bockmist.
    Zuerst einmal haben die Kommunisten der Weimarer Republik keineswegs diese Überfallthese übernommen, sondern immer von einem Krieg imperialistischer Mächte gesprochen und auch dem deutschen Imperialismus die Rolle des Angreifers zugewiesen. Dann war es nicht die Überfallthese, die allen anderen voranstand, sondern die berechtigte Einkreisungsthese. Schließlich unterstellt Fischer hier den Deutschen der Nachkriegszeit Dummheit, als ob keiner klar denken könnte und dumm genug sei, sich nicht mit den Fakten auseinandersetzen zu können - parteiübergreifend.
    Vielmehr sollte Fischer darüber nachdenken, warum einhellig von links bis rechts Sturm gegen den § 231 gelaufen worden ist und auch etliche Ausländer dieser am Ende nur noch von Frankreich vertretenen These zustimmten. Alles Idioten?

    Erst mit dem Aufkommen der Nazikeule und den damit verbundenen Grundschuldzuweisungen erfolgte hier ein Paradigmenwechsel in der historischen Bewertung. Am Ende wußten die am besten Bescheid, die keine Augenzeugen oder Zeitzeugen mehr waren, sondern ihr "Wissen" aus den tendenziösen Argumentationen der linksliberalen Deutschhasser bezogen.
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