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Thema: Meeresstille

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Wie heißt die größte deutsche Insel?

 

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Übersicht (Neuester Beitrag zuerst)

  • 15.09.18, 10:31
    resurrector

    AW: Meeresstille

    Nun, bigvögli, um Jünger besitzen zu dürfen, müßte man ein Messias sein, zumindest aber der Begründer einer Sekte o.ä. - ich bin weder das eine noch das andere und würde mir so etwas nicht einmal wünschen, denn am Ende wollen die Jünger ihren Meister doch nur verraten oder wenigstens doch übertreffen, was eine Vorstellung ist, die von vornherein nur tragisch enden kann. Ich aber will keine Tragödie, sondern eine Komödie, also ein "Ende", sofern möglich, mit Pauken, Trompeten und Kirchengebimmel. Eine Richtung, eine Tendenz will ich gern vorgeben, der man sich als Schreibender gern unterwirft, um dann doch, weil heilig, die Regeln bricht und eigene Wege findet. Nix Jüngerowitzschis.

    Leicesters Text initiierte seinerzeit die "Unworte"-Diskussion, die ich noch finden muß. "Meeresstilel" ist ein Unwort, was aber nicht bedeutet, das es resp. sie keine Existenzberechtigung in einem lyrischen Text haben dürfte. Man muß sich als Dichter nur im klaren darüber sein, was ein Unwort auslöst, nämlich einen fiktiven Bedeutungsrahmen.
  • 22.09.00, 18:53
    Bigvogel

    AW: Meeresstille

    je, nun, ed,
    bist du nicht manchmal etwas zu streng und apodiktisch zu deinen jüngern?

    man könnte auch anders sehen ...

    Meeresstille! Ihre Strahlen
    Wirft die Sonne auf das Wasser,
    Und im wogenden Geschmeide
    Zieht das Schiff die grünen Furchen.
    Bei dem Steuer liegt der Bootsmann
    Auf dem Bauch, und schnarchet leise.
    Bei dem Mastbaum, segelflickend,
    Kauert der beteerte Schiffsjung.

    Hinterm Schmutze seiner Wangen
    Sprüht es rot, wehmütig zuckt es
    Um das breite Maul, und schmerzlich
    Schaun die großen, schönen Augen.

    Denn der Kapitän steht vor ihm,
    Tobt und flucht und schilt ihn: Spitzbub.
    "Spitzbub! einen Hering hast du
    Aus der Tonne mir gestohlen!"


    Meeresstille! aus den Wellen
    Taucht hervor ein kluges Fischlein,
    Wärmt das Köpfchen in der Sonne,
    Plätschert lustig mit dem Schwänzchen.

    Doch die Möwe, aus den Lüften,
    Schießt herunter auf das Fischlein,
    Und den raschen Raub im Schnabel,
    Schwingt sie sich hinauf ins Blaue.

    nun, das ist von heinrich heine.

    und, lenau, blick in den strom ...
    ich saach ja nur.

    und gibt es vielleicht doch einige gründe, dieses "unwort" in lesterschen sinne wenigstens gelegentlich zu gebrauchen!

    bigvogel, schelmisch
  • 22.09.00, 10:10
    Lester

    AW: Meeresstille

    Ein einfaches Gedicht. Ich las es schon mal.
    Nun, Goethe schrieb, wenn ich mich nicht irre: 'Meeres Stille' und in dem Gedicht ist das Wort, das wohl hier gedacht war: -Totenstille-, Mendelsohn, der es vertonte (& Beethoven) hat vorgeführt, wie das gemeint. Meerestille ist nicht Ruhe, sondern: Angst (nicht Furcht). 'Glückliche Fahrt', auch Goethe, das Gegenteil der Stille: Aufbruch, Bewegung, Luft: Leben.
    Die beiden ersten Strophen,denke ich, sagen ähnliches mit unterschiedlichen Worten (auch eine Tautologie! - aber wohl Absicht). Japanisches Sprichwort?, ich kenne ein Haiku (?), geht etwa so (aus dem Gedächtnis): 'Ach, das man gehen muß, den Weg, gestern dacht ich nicht, ihn heut schon zu beschreiten'; auf deutsch: Unverhofft kommt oft.


    Das Thema: Ätzend. Weil wahr.
  • 21.09.00, 21:21
    Mark

    AW: Meeresstille

    Eine ziemlich unprofessionelle Rezeption:


    Ich finde nicht den Zugang zur Aussage (nach der ich als Nicht-Lyriker wahrscheinlich instinktiv immer auf sehr prosaische Weise suche).
    Wenn ich den Inhalt ausblende und mich auf die Form konzentriere (die ja manchmal auch einen "Inhalt" besitzt), dann muß ich sagen: Es gefällt mir sehr! Es liest sich einfach gut... ist einfach schön... irgendwie...
    ... wie gesagt, eine ziemlich unprofessionelle Rezeption.
  • 20.09.00, 18:20
    Bigvogel

    AW: Meeresstille

    über das wort "stille" läßt sich trefflich streiten. ist "meeresstille" eine andere stille als "waldesstille"? ich halte dagegen, es als unwort aufzunehmen. was ist "kirchenstille"?
    bei meeresstille darf eine möwe ganz leise schreien, im wald tut es nachts auch ein käuzchen. und wenn einer betschwester in der kirche ihr taschentüchlein herunterfällt ..
    unterbricht das dann die kirchenstille?
    jetzt hab ich gar nichts zum gedicht gesagt.
    das ich übrigens vorzüglich finde. aber da sollte ich noch was zu sagen. demnächst.


    bigvogel
  • 20.09.00, 15:48
    aerolith

    AW: Meeresstille

    Wär es ein griechischer text, so gälte GRAMGEBEUGT. Das würd mir grad so passen. Aber es ist kein g.T., sondern ein beinahe beliebig klingender. Vielleicht ist es diese Verbindung von Asien und Europa, Geisteuropa, die diesen Text so dispariert. Ich glaube nicht an KONGRETATIVE Intension, an die Möglichkeit, sich ausschließende Denkmuster aufs vorzüglichste miteinander zu vereinen; sei es durch eine Tautologie wie WEIT ABSEITS, obwohl man da streiten könnte, ob es nicht auch ein "kurz abseits" gebe; aber, naja. Zoroaster also lachte. Jeder lachte, der auf die Welt kam, man will uns nur weismachen, es sei anders.
  • 20.09.00, 08:37
    Lester

    AW: Meeresstille

    tja, alter Knabe (!), diese Fingerübung, ein japanisches Sprichwort zu verbinden mit einem Zitat aus der Musikliteratur war wohl ein Versuch mit mäßigem Erfolg.


    Unverdrossen


    L.


    PostScriptum:'weit abseits', ich dachte, das hätte ich geklaut aus der Alt-Rhapsodie, aber Goethe war schlauer, der alte Schelm..., obwohl, der hat nie ein Wort auf die Goldwaage gelegt, wie hätte er sonst in vier Wochen den Werther schreiben können...


    Und 'Gramgefüllt', wie auch nicht:
    "De civitate Dei": Cham, der Sohn des Noah und Vater Zoroasters, des Magiers, war der einzige Mensch, der bei seiner Geburt gelacht hat. Und das hat der Teufel gemacht.






    [Diese Nachricht wurde von lester am 21. September 2000 editiert.]
  • 19.09.00, 19:36
    aerolith

    AW: Meeresstille

    Stolperstellen, die Verse 4 und der Übergang von 7 zu 8.


    4, weil weit abseits beinahe eine Tautologie ist, wenn nicht das, dann ein Oxymoron; widerspricht sich nur scheinbar, tatsächlich spricht beides einen Denkfehler aus. Der Übergang von sieben zu acht ist mit mir zu drastisch. Das aber wird nicht hinreichend motiviert, insofern sich das bei einem kleinen Neunzeiler sagen läßt.

    So bald oder zu bald?


    Schön getragen, aber ein wenig im Gramgefüllten stochernd.


    Meeresstille ist nicht. Als Unwort aufzunehmen. Aber Ungesagtes hebt sich manchmal in die Aura des Nebulösen und führt im Geiste fort.
  • 15.09.00, 15:47
    Lester

    Meeresstille

    Meeresstille


    Das war gedacht als späte Feier
    doch schon seit Jahren
    stehn die Krüge auf dem Tisch.


    Und dass der weit abseits
    gedachte Weg
    dann doch so bald zu gehen ist.


    Hier fallen Würfel, eisenhart.
    Jetzt nur noch Meeresstille,
    vorbei die glückliche Fahrt.

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