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Thema: Letzte Worte

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  • 01.07.19, 20:11
    rodbertus

    AW: Letzte Worte

    Ja, Leicester, es sind die letzten Worte, die uns in Bewegnis bringen sollten. Aber auch der Anfang eines Ganztextes sollte aufmerksam machen. Von Brecht, den Du vielleicht nicht schätzen wirst, ist die Meinung überliefert, daß er immer den ersten und den letzten Satz eines Romans läse, das Buch aber erst dann mit mehr Interesse betrachte, wenn er zwischen beiden eine Verbindung herstellen könne.
  • 01.07.19, 13:00
    Lester

    Letzte Worte

    Romananfänge werden oft zitiert, meist der allererste Satz als ein Appetithäppchen, ein amuse-bouche, literarischer Gruß aus der Werksküche des Autors. Dass es die Romanfänge sind liegt wohl auch daran, dass manche Texte etwas dicklich geraten sind und der Leser das Ende oft nicht erreicht. Was schade ist, denn oft hat ist auch das Ende, das letzte Kapitel, der allerletzte Satz, merklich sorgfältig konstruiert, oft auch lyrischer als der ganze Text vorher. Hier sind einige Romanenden, die mir aufgefallen sind. Vielleicht machen diese „Rausschmeißer“ Lust auf das Buch.

    „Beim Gehen im See gerieten wir ins Wasser. Rasselnde Kiesel um die Knöchel. Wir hielten einander an den Händen: ein Kind; ein Mann unterwegs an den Ort wo die Toten sind; und sie, das Kind das ich war.“

    Uwe Johnson, Jahrestage (Seite 1891)


    “Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year recedes before us. It eluded us then, but that’s no matter – to-morrow we will run faster, stretch out our arms farther…. And one fine morning –
    So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past.”

    F. Scott Gitzgerald, The Great Gatsby (Seite 261)


    „Schneefall in ganz Irland. Schnee fiel überall auf die dunkle Zentralebene, auf die baumlosen Hügel, fiel sacht auf den Bog of Allen, und, weiter gen Westen, fiel er sacht in die dunklen aufrührerischen Wellen des Shannon. Er fiel auch überall auf den einsamen Friedhof oben auf dem Hügel, wo Michael Furey begraben lag. Er lag in dichten Wehen auf den krummen Kreuzen und Grabsteinen, auf den Speeren des kleinen Tors, auf den welken Dornen. Langsam schwand seine Seele, während er den Schnee still durch das All fallen hörte, und still fiel er, der Herabkunft ihrer letzten Stunde gleich, auf alle Lebenden und Toten.“

    James Joyce, Die Toten (Seite 63)


    „In den Käfig aber gab man einen jungen Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn fühlbare Erholung, in dem so lange öden Käfig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn. Ihm fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm schmeckte, brachten ihm ohne langes Nachdenken die Wächter; nicht einmal die Freiheit schien er zu vermissen; dieser edle, mit allem Nötigen bis knapp zum Zerreißen ausgestattete Körper schien auch die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo im Gebiß schien sie zu stecken; und die Freude am Leben kam mit derart starker Glut aus seinem Rachen, daß es für die Zuschauer nicht leicht war, ihr standzuhalten. Aber sie überwanden sich, umdrängten den Käfig und wollten sich gar nicht fortrühren.“

    Franz Kafka, Ein Hungerkünstler (Seite 10)

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