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Thema: Der Mauerbau, 13. August 1961

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Wie heißt die größte deutsche Insel?

 

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  • 17.08.11, 06:32
    rodbertus

    AW: Mauerbau

    guter text, epiklord. ich glaube, genau das ist das, was mich eigentlich beschäftigt, die mauer in den herzen der menschen.

    "beschäftigungskultur" nehme ich mal als unwort des tages, abflußnutte. glück ist etwas langweiliges. du kannst nicht freiheit verneinen und zugleich die idee der freiheit bejahen. das ist eine c.i.a. - freiheit ist nur im denken möglich, allerdings nicht allen, insofern sie nicht die freiheit des willens aufbringen, etwas an sich zu ändern. wenn eine freiheit im handeln möglich wäre, hätten wir chaos. andererseits darf gefragt werden, ob die weltgeschichte starren regeln oder chaotischen einschüben ihr fortschreiten verdankt? war die maueröffnung ein akt der freiheit, zufall, eine folge zwangsläufiger entwicklungen oder nur eine gedacht-wie-getan-gelegenheit?
    umgekehrt ließe sich das gleiche für den mauerbau fragen.
  • 16.08.11, 22:15
    Epiklord

    Mauern-wenn "innere Freiheit" der äußeren nicht folgen kann

    Kleines INTERMEZZO


    Er hatte vergeblich versucht, Editha für das zu begeistern, wofür nun mal sein Herz schlug, für die Poesie und die bildende Kunst. Er verzagte, denn diesen Dingen gegenüber erwies sie sich als undurchdringliches Bollwerk, und so zog er sich mehr und mehr von ihr in sich zurück, während sie enttäuscht ihren Tagträumen von einem handfesten Kerl, den sie sich eigentlich gewünscht hatte, nachhing.


    Dann kam es zur überraschenden Grenzöffnung der DDR, dem Mauerfall. Am selben Abend noch fuhren sie in ihrem Trabi nach Berlin. Hermann und Editha erreichten problemlos das Westterritorium. Erst hier, im für sie exotischem Leuchtreklame-Flair, verloren sie alle Zweifel. Ihr Volk war wirklich frei. Und stürmisch fielen sie sich in die Arme. Eine viertel Stunde hielten sie sich fest umschlungen. Es war Monate her, als sie sich zuletzt umarmt hatten, und jetzt waren sie sich nahe wie nie zuvor.


    Später erinnerten sie sich häufig daran. Jedes Mal fielen sie dabei in ein ratloses Schweigen, denn sie trauerten um dies sofort wieder abhanden gekommene Gefühl ihrer damaligen Seelenverwandtschaft, um dies innige Miteinander-Einssein, um diese kurzlebige Blitzliebe im Angesicht des Brandenburger Tores. Und sie wussten, die Grenzöffnung wird sich nicht wiederholen. Aber vielleicht käme ja ein Krieg . . .


    Epiklord
  • 16.08.11, 20:21
    Abflußnutte

    Freiheit und keine Ahnung

    Zitat Zitat von rodbertus


    ... fangen wir doch erst mal an, den menschen ein wenig freier zu machen ...




    Das ist Ihnen ein zentraler Gedanke, Mensch und Freiheit. Sie meinen mehr Freiheit des Willens als Freiheit der gesellschaftlichen Hölle.


    Ich glaube nicht an diese gedankliche Freiheit. Wenn sie da ist, dann als Idee.


    Machen Sie fast Ihr - selbstverständlich vermeintliches - Glück vom Finden Ihrer Freiheit abhängig?


    Ich meine, das ist eine gute Beschäftigung, gerade längerfristig.




    Abflußnutte, ein wenig neidisch auf Ihre Beschäftigungskultur.
  • 16.08.11, 19:40
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    ich hoffe, es erschüttert dein kafkaesk-schablomatisches weltbild, wenn ich dir als nichtparteimitglied, nichtstasimitarbeiter, ungelernter hilfsarbeiter, geschaßter studierter und wohnungsloser, nichtzugelaßner und christ jetzt an den kopp knalle, daß ich mich durchaus nicht eingesperrt fühlte und dennoch höllisch darunter litt, daß mein vaterland gespalten war.
    ich fühle mich heute nicht freier als früher. erst gestern traf ich auf einer redaktionssitzung bei der kuratoriumszeitung der ulrichskirche die gleichen feinde wie früher: bretter, bretter, bretter, zensur, schablonendenken, mangelnde phantasie, wo sie nottäte, zu viel phantasie, wo sie zum schaden anderer eingesetzt wird...
    fangen wir doch erst mal an, den menschen ein wenig freier zu machen, bevor wir daran gehen, politische umstände gewaltsam einzurichten.
  • 16.08.11, 18:30
    Abflußnutte

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Zitat Zitat von rodbertus


    die DDR war beileibe keine permanente qual.




    Nein, für die Stasi-Mitmacher bestimmt nicht. Auch nicht für sonstige Systemmitmacher.


    Ich als Bürger von Westberlin habe gut schreiben, ich weiß. Ich war über 25 Jahre eingesperrt, dann konnte ich endlich dorthin, wohin ich wollte, ohne Scheiß-Kontrollen.


    Wenn man die DDR aus der Sicht von Blumenzüchtern oder Bahnhofswärtern betrachtet, war sie keine permanente Qual.


    (Außerdem meckern wir nur so gerne über den Osten, weil die Ostler sich immer noch darüber aufregen.)
  • 16.08.11, 12:24
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Zitat Zitat von Cotard-Syndrom
    Ich glaube nicht, dass man die DDR erst mit anderen Staaten vergleichen muss, oder man erst Grausamkeiten miteinander aufwiegen muss, um festzustellen, dass die DDR für ihre Einwohner eine permanent anwesende Qual war. Nur weil man das denkt, muss man doch nicht im gleichen Atemzug, die BRD loben...

    Verbrechen am Menschen gibt es überall und gab es doch auch schon immer und ich finde sie hässlich, egal welche Namen sie sich geben, egal welche Masken sie versuchen sich aufzusetzen. Manchmal geht es ganz schnell Staatsfeind zu sein, doch leicht ist es bestimmt selten.
    es geht nicht ums einander aufrechnen. ist es nicht vielmehr so, daß diejenigen, die dreck am stecken haben und frischfrommfröhlichfrei weiterwursteln und demagogisieren, am lautesten schreien? das muß man ihnen aber auch zeigen, daß sie heuchler sind, v.a. muß man es denen zeigen, die ihnen auf den leim gehen.
    die DDR war beileibe keine permanente qual. lies der DDR-ordner mit zahlreichen erinnerungen und darstellungen, dann wirst du eines beßren belehrt. sie war deutscher als die jetzige BRD, im guten wie im schlechten. das neue deutschland muß sich erst noch definieren. es ist auf einem guten wege, weil wir deutschen es immer gut machen, egal was wir machten, so sind wir jetzt das westliche modelland und machen auch das richtig gut, aber prinzipiell muß sich hier doch einiges ändern, denn, seien wir mal ehrlich: der kapitalismus kann nicht das ende der menschheitsgeschichte sein. da muß es doch noch andere konzepte geben, die gerechter sind.
  • 16.08.11, 12:04
    emily

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    überall ist eine hand drauf. lasst es nicht auf dem mund sein.
  • 16.08.11, 11:56
    bernouilly

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    dass etwas faul ist im staate dänemark hätte dir eigentlich bekannt sein müssen.


    dass auch private grenzen im staate deutschland faulig sein können, erfuhr ich letzten sommer. passt irgendwie hier rein:


    auf dem ehemaligen mauerstreifen gibt es durch und um berlin einen mauerweg. für fuss- und fahrradgängerinnen. welchen wir zur gänze abradelten. irgendwo im norden war dann der weg - wohlgemerkt, der hochoffizielle ausgeschilderte mauerweg - auf einmal abgesperrt. der mauerweg trennte an dieser stelle prächtige neureichenbauten und deren zugang zum wasser. wir hoben unsere räder über die absperrung und so ein bunt lackiertes frauchen zeitgleich ihre stimme an. dass hier privat sei, schrie die eine. darauf sei geschissen, meinten wir und kämpften uns durch weitere hundert meter unwegsam gemachten mauerweg, drohungen von wegen polizei und so im nacken. die dortige wegstrecke hätte gut auf einen militärischen übungsplatz gepasst, wo die männekens ja über hindernisse gedrillt werden.
    manchmal, sagte mein grossvater, muss man die lauten keifer kurzerhand übertönen.


    irgendwann einmal werde ich rechenschaft ablgegen müssen für die worte, die ich anderen in den mund lege.
  • 16.08.11, 11:21
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    aus sicht ulbrichts war ein mauerbau nicht geplant. seine aussage bezeugte, wie du selbst schreibst, nur, daß er nicht mehr die zügel inner DDR straff führte, sondern sein kronprinz hinter seinem rücken längst dieselben in stellung brachte. ulbricht war viel zu einfältig, um zu lügen oder zynismus entwickeln zu können, honnecker dagegen war aus anderem holz geschnitzt. abgesehen davon, bernouilly, hätte ulbricht auch dann nicht zynisch gehandelt, wenn er von einem mauerbauplan gewußt hätte, denn in seiner funktion mußte er eine mutmaßliche panik bei der vorankündigung eines mauerbaus unterbinden. was wäre denn geschehen, wenn der mauerbau sozusagen vorankündigt worden wäre?

    die staatsräson der DDR läßt einen momentanen mauerbau als etwas folgerichtiges erkennen. es soll jetzt auch nicht so getan werden, als ob es das in anderen ländern nicht gäbe. in israel oder amerika sind elektrozäune u.ä. zur absperrung ganzer stadtviertel gang und gäbe. wer sie überwinden will, wird auch schon mal erschossen.
    daß ich prinzipiell gegen grenzen und zäune bin, ist eine andere geschichte; allerdings weiß ich schon, daß zäune ihre funktion besitzen. in dänemark bin ich mehrere male wütend aus gebieten verjagt worden, die für mich nicht ersichtlich abgesperrt waren. ich dummerle hatte den waldesweg verlassen und war damit auf privatgelände gelandet. in deutschland weiß man, daß ein zaun privates absperrt, der rest aber frei ist. anderswo mußt du dich auf wegen bewegen und darfst die nicht verlassen, weil alles andere unfrei ist. was ist nun besser?
  • 16.08.11, 10:40
    bernouilly

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    das historische eis, auf dem einer steht, das den einen trägt, ist wohl immer ein dünnes, weil die essenz aus den untersuchten kategorien auch mit der eigenen meinung zusammengehalten werden, die auslegeordnung der fakten eine persönliche ist.
    geschichte schafft identität, sagt man. also steht die geschichtsschreibung in einer ständigen wechselwirkung mit den untersuchenden und interpretierenden identitäten. das historische eis wird nicht zwangsläufig dicker, nur weil grad einer draufsteht. und manchmal ist es so dünn, dass einer direkt laut werden will, um das brechen zu übertönen.
    dabei denke ich an mich. an wen sonst. trotzdem muss ich dir widersprechen, aerolith, hier und dort, von meiner eisscholle aus.


    dass die ulbricht-lüge tagespolitische vernunft gewesen sei, sagst du. das ist zynisch, denkt man auch nur an eine auseinandergerissene familie.
    aus ulbrichts sicht mag das richtig gewesen sein. ich bin aber naiv genug zu sagen: der freie wille des einzelnen hätte wenigstens ein letztes mal zählen müssen. wohl hätte es ein chaos gegeben, wohl kann man der verhinderung eines solchen verhältnismässigkeit attestieren, allein, wer weiss das schon. ulbricht wusste selbst nicht, wie die reaktion auf den honneckerschen stacheldraht ausfällt. die nicht-reaktion jedenfalls liess ihn zünftig mauern dann.
    chruschtschow gefiel das nicht. natürlich war es eine bankrotterklärung. gefördert hat russland dies aber allemal. mit dem 17. juni etwa. ein derartiger eingriff wirkt nach und vor, hinter eine einmal überschrittene grenze kann man ja schwerlich wieder zurück, gerade als ob nichts geschehen wäre. wie ja auch später die panzer immer schnell zur stelle waren. die grenzzieher sprechen von notwendigkeit, stülpen aber dabei bloss ihren willen über den gemeinen. wie darunter wirklicher freier wille gedeihen soll, wenn der reale sozialismus unter laborbedingungen vonstatten geht, erkläre mir.


    ob es am 17 juni oder jemals in der freiesten der freien welten (oberbefreier mc carthy, rassentrennungen und und und) freier zuging? wohl kaum. oder anders. aber es ist beim betrachten des einen - hier der mauerbau - einigermassen müssig. war stalin schlimmer als hitler, etc.. es waren zwei arschlöcher, wofür man keine milchbüchlein-rechnung braucht. und ein vergleich dient allenfalls dem relativieren. ergo ist es für mich ziemlich uninteressant, welches "drüben" das bessere war.
    willst du diesen vergleich starten, wirst du relativieren müssen. ein unrecht wird dadurch nicht kleiner.


    einen nutzen aus dem mauerbau zog wohl allein was kreucht und fleucht. die unfreiwillig eingemauerten jedoch hatten wohl kaum ein gemeinwohl im sinn. zwinge einen zum verbleiben und er wird im geheimen gären, sagte mein grossvater.
  • 14.08.11, 19:50
    Cotard-Syndrom

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Ich glaube nicht, dass man die DDR erst mit anderen Staaten vergleichen muss, oder man erst Grausamkeiten miteinander aufwiegen muss, um festzustellen, dass die DDR für ihre Einwohner eine permanent anwesende Qual war. Nur weil man das denkt, muss man doch nicht im gleichen Atemzug, die BRD loben...


    Verbrechen am Menschen gibt es überall und gab es doch auch schon immer und ich finde sie hässlich, egal welche Namen sie sich geben, egal welche Masken sie versuchen sich aufzusetzen. Manchmal geht es ganz schnell Staatsfeind zu sein, doch leicht ist es bestimmt selten.
  • 14.08.11, 12:17
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    das hängt wohl ganz davon ab, was es für staatsfeinde sind. auch entwickeln sich die dinge. heute sind viele derjenigen, die in den 60er und 70er jahren noch als staatsfeinde galten, selbst zu trägern des staates geworden, einer soll es sogar bis zum ministerpräsidenten eines südwestlichen deutschen ländles gebracht haben.
    ich habe auch gar nichts gegen den selbstschutz des staates. ohne selbstschutz muß ein staat schnell untergehen, weil die kriminellen elemente das ausnutzen.
    in gefängnissen werden viele menschen gequält. das entspricht dem wesen und der funktion von gefängnissen, es sind strafanstalten. ob nun in gefängnissen der DDR oder der USA oder anderer kapitalistischer länder mehr menschen ums leben kamen, möchte ich nicht behaupten, wahrscheinlich ist, daß in den USA mehr menschen umkamen und es dort auch etliche poltisch-motivierte häftlinge gab, wie es sie in der DDR oder der BRD auch gab. andererseits ist das wohl heute auch nicht mehr so. vielleicht aber doch.
    die BRD hat aus den vorkommnissen an der mauer auch viel gelernt und verhält sich heute ganz anders als noch vor zwanzig, dreißig jahren. wenn wir also einen vergleich starten wollen, dann kann es bloß den aus der zeit zwischen 1945 und 1989 geben.
  • 14.08.11, 11:10
    Lene

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Zitat Zitat von rodbertus
    betrachten wir das einmal von der anderen seite: wie ging und geht die BRD mit staatsfeinden um?

    wo z.B. ist das Gefängnis, in dem sie sitzen und psychologisch, manchmal auch körperlich, gequält werden? wo sind die Freunde, Verwandten, Ehepartner, die rund um die Uhr notieren "dürfen", was der "Staatsfeind" sagt, liest, isst? wie GEHT denn die BRD mit Staatsfeinden um??
  • 14.08.11, 06:43
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    ...schreibt ein "Deutscher" namens "Athos".

    du bist aber platt. und das bei deinem namen! du gesellst dich bei der betrachtung des mauerbaus in den reigen derer, die da munter von entmündigung, bankrotterklärung und den toten an der mauer palavern und so gar nicht antithetisch argumentieren. sie meinen, daß die republikflucht ein kennzeichen des systems gewesen sei und sprechen davon, wie unmenschlich die DDR mit systemgegnern umgegangen sei.nun, betrachten wir das einmal von der anderen seite: wie ging und geht die BRD mit staatsfeinden um? wie viele menschen haben der BRD den rücken gekehrt und sind ins ausland gegangen? wie viele kriege führte die BRD, wie viele die DDR?

    ich war kein freund der DDR, weil ich immer groß-, ja reichsdeutsch (wahrscheinlich sogar anational) dachte und schon von daher mit dem rumpfstaat DDR nicht viel anfangen konnte, aber wenn man historische gerechtigkeit will, darf man nicht so argumentieren, wie es die medien den menschen in die köpfe prügeln, sondern muß antithetisch die angelegenheit angehen. erst dann entsteht die möglichkeit, ein gesamtbild zu zeichnen, das der wirklichkeit entspricht.

    p.s. ausländische namen waren für die meist einfachen eltern (du wirst kaum kinder der intelligenz finden, die cindy oder mandy heißen) ein zeichen des protests. sie gaben ihren kindern westliche namen und zeigten so an, was ihnen gefiel. das ist eine typisch (kleingeistige) deutsche form des protests.
  • 14.08.11, 01:52
    Athos

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    wir im osten blieben so deutsch.

    Da muss ich mal kurz lachen. Haha! In den 80ern arbeitete ich jahrelang in einem Einwohnermeldeamt in Westdeutschland. Jeder Mitarbeiter wusste sofort Bescheid, wenn sich folgendes Szenario abspielte: Bürger tritt ins Büro, JEANSjacke + JEANShose (wirklich sehr deutsch, absolut!), prallvolle Plastiktasche in der Hand - jau, wieder ein Bürger der DDR. Dann ging der Mund auf und statt einer freundlichen Begrüßung hörten wir nur in barschem Ton die Frage: Wo gibt's das Begrüßungsgeld???
    Bei den Anmeldungen schauten wir in die Pässe und lasen auffällig gehäuft ausländische Vornamen, meist italienische und französische. Als ich einmal eine Verwandte aus Weißenfels darauf ansprach, fand sie keine Erklärung für das Phänomen der undeutschen Vornamenswahl.
  • 13.08.11, 13:15
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    es wird immer wieder kolportiert, daß die mauer den freien vom unfreien teil der welt schied. da lache ich. man kann das auch wieder zur zeit in diesem forum verfolgen, daß freiheit von den wenigsten überhaupt akzeptiert wird. es gibt sie für viele menschen nicht. was sie meinen, daß ist eine form von mutmaßlicher freizügigkeit, die vornehmlich die im westen aufgewachsenen denen aus dem osten nicht konzedieren wollen. letztlich jedoch können sie das nicht beurteilen, weil ihnen die lebenserfahrung dazu fehlt.
    freiheit ist eine sehr vielschichtige angelegenheit. der einfache mann nimmt sie anders wahr als ein streber, der selfmademan anders als der dichter und der zynische versicherer anders als der gottesnahe. (kinder gottes sind wir allerdings alle und keiner soll glauben, daß er gott näher sei als der andere.)

    factum est: die DDR vermochte es nicht, alle menschen ihrem plan zuzuführen. die BRD vermag es nicht, aber sie kann es immer noch besser als die vormalige DDR.
    der bau der mauer war 1961 notwendig, wenngleich ein armutszeugnis, aber dieser bau war nicht mit dem verlust von freiheit verbunden. keiner durfte zudem annehmen, da? sie ewigkeitsanspruch besaß, schon mitte der 80er jahre wurde sie viskos. vielleicht ist die idee, die kürzlich in einem roman fröhliche urständ feierte, nämlich die DDR weiterzudenken, gar nicht so falsch für das ganze deutschland. es fehlt diesem land nämlich an freiheitswillen und -glauben, an charakter. wir verwestlichen und werden langweilig. wenn man der DDR jedenfalls eines konzedieren muß, dann dies: langweilig war sie nie. jedenfalls nicht mir. aber vielleicht ist das nur eine frage des alters. heute sind die spannungsmomente andere: auskommen, rechnungen, persönliche beziehungen. all das war in der DDR mehr oder weniger sicher. bis auf die persönlichen beziehungen. nun gut.
    ich feiere den bau der mauer nicht, als historiker jedoch sehe ich sie eher positiv als negativ, als katalysator. wir im osten blieben so deutsch. der westen dagegen. armer armer westen.
  • 13.08.08, 11:43
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Der Mauerbau ging nicht vom Westen aus, war aber eine notwendige und zwangsläufige Folge der Separationsbewegungen aus dem Westen und Süden. Die rheinländischen und bayrischen Separatisten sahen 1945 die Chance, ihren Staat zu gründen. Unter allerhand Bimbamborium setzten sie das auch durch. Der im Kriege besonders stark von den westlichen Aliierten zerstörte und fürderhin von den Russen ausgeplünderte Nordosten kam (natürlich) langsam wieder auf die Beine, konnte aber den Aderlaß nicht verhindern. Das mangelhafte politische System tat ein übriges. Wer in der DDR um 1960 einen Blick für Tendenzen hatte, der mußte diese Mauer bauen.

    Ich verurteile Mauern, aber ich bin auch Historiker und erkenne historische Zusammenhänge.

    Daß Ulbricht diesen Bau leugnete, war ein Zeichen von tagespolitischer Vernunft. Was meinst Du wohl, was geschehen wäre, wenn er diesen Bau angekündigt hätte?
  • 17.11.07, 16:54
    kls

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Also ich hatte das alles noch völlig anders gelernt. Wieso ging der Mauerbau vom Westen aus? Was wurde damit geschützt? Logisch konnte Moskau nicht absegnen, wenn der Mauerbau doch vom Westen aus ging. Honnecker, aber der Ulbricht, hatte die Brücken in den Westen abgebrochen, nach Osten hatte er welche gebaut.


    Offensichtlich gibt es mehr Gretchenfragen in der Meinungsbildung zwischen Ost und West, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt. Wickidipeda behauptet folgendes: Der Plan zum Bau der Mauer in Berlin war ein Staatsgeheimnis der DDR-Regierung. Die Mauer wurde auf Geheiß der SED-Führung unter Schutz und Überwachung durch Volkspolizisten und Soldaten der Nationalen Volksarmee von Bauarbeitern errichtet ? entgegen den Beteuerungen des Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, der auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin am 15. Juni 1961 auf die Frage der westdeutschen Journalistin Annamarie Doherr geantwortet hatte: "Ich verstehe Ihre Frage so, daß es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, daß eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"
  • 04.10.07, 21:26
    ala

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    mich würde lebhaftest die begründung zu den eingangsthesen interessieren, weil ich hier zu wenig weiß, aber die gelegenheit besteht, euch zu fragen:



    1. wieso ging die spaltung vom westen aus? (wir lernten es so, daß sie durch die vom osten gebaute mauer entstand und durch diesen sich selbst so verstehenden zweiten staat, den die bundesrepublik nie anerkennen wollte)
    2. haben wir auch so gelernt. alle flohen in den westen und deshalb...
    3. wäre mir ganz neu. dachte, das sei und sollte ein einheitlicher eiserner vorhang sein...
    4. was für gründe können hier dahinterstehen? (das habe ich bislang noch nicht so gehört)


    meine fragen zu geckos gegenthesen:


    1. die spaltung ist in den meisten köpfen noch vorhanden.
    2.der abriss der mauer war eine maßnahme, die die deutschen völker überfordert.
    3. wer hat denn uns gefragt ? (ossies und wessies )
    4. wer war erich honecker ? oder sollte man fragen : was ...?

    wenn ich mich in bayern so rumhöre, ist nicht nur die spaltung, sondern ein sich regelrecht an den ausbezahlten renten entzündender bruderhaß vorhanden, der mich total entsetzt. da ist inzwischen noch sehr viel mehr kaputtgegangen, als eine reine spaltung allein vermocht hatte.


    ob das nun zwei völker sind? ist ja viel krampfhafte einigung dabei und war auch in vielen bereichen vielleicht gut, aber fehlte doch behutsamkeit, ein sich kennen- und vertrauenlernen. die westler haben die gutmütig vertrauenden ziemlich über den tisch gezogen wie bei einer kolonisierung. die klassik ist im osten lebendig geblieben, der freie sex viel früher unverkrampft dazugekommen, die anglisierung durch zynisches hat nicht stattgefunden. die religion, im westen am absterben, hat sich im osten als revolutionsträger eine eigene politische kraft erobert. da sind viele unterschiede. aber zwei völker würden sich mehr schwächen, als wenn sie trotzdem an einem strang ziehen. nur, wenn die einen nicht zum zug kommen?


    plebiszit? den runden tisch gab es ja, aber wie hätte jemand in die zukunft schauen können? die geschichte überrollt gelegentlich, so wie der gesamte westen von der hausgemachten globalisierung überrollt wurde. da übernehmen die macher und fragen nicht lange. da bleibt einem nur die rolle des rodinsschen denkers.


    honecker soll zu udo lindenbergs rockerjackengeschenk tatsächlich gelächelt haben. kann die frage also nur so weitergeben: wer war er?
  • 13.08.07, 14:11
    rodbertus

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    heute jährt sich der mauerbau von 1961. so etwas ist immer eine bankrotterklärung, wenn ein staat oder eine stadt mauern baut, um die bevölkerung ein- bzw. auszusperren. das war/ist nicht auf die ddr beschränkt geblieben.
  • 26.08.00, 19:56
    Bigvogel

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    erstellt von aero:


    Thesen:
    1. Die Spaltung ging vom Westen aus.
    2. Der Mauerbau war eine für die DDR notwendige Schutzmaßnahme.
    3. Der Mauerbau ist ohne Absegnung aus Moskau erfolgt.
    4. Erich Honecker wollte alle Brücken hinter sich abbrechen.

    zu 1
    wird hier offensichtlich von niemanden ernsthaft bestritten. ich sehs genauso.


    zu 2
    diese behauptung - die ich absolut zu bestätigen geneigt bin - setzt natürlich einiges vorverständnis von dem entstehen der ddr voraus. dies könnte locker einige ordner füllen. jedenfalls konnte die ddr sich unter den verhältnissen vor dem mauerbau nicht halten. von vielen wird das mit der frage vermengt, ob das wünschenswert war, was aber wohl unzulässig ist.


    zu 3
    tja, möglicherweise. glaub ich aber nicht, denn 1961 war die ddr eine der hauptstützen des warschauer paktes und für extratouren sprach damals überhaupt nichts. gibt es zeitzeugen?


    zu 4
    im sinne von fakten schaffen wahrscheinlich. jede annäherung der systeme war für die partei gefährlich.




    bigvogel
  • 25.08.00, 20:45
    it

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    Robert,
    zu eins: ja.
    zwei: eine Schutzbehauptung, nachdem man mögliche Alternaitiven / Kompromisse verworfen hatte.
    drei: höchstens als vorauseilender Gehorsam, als selbständige Maßnahme schließe ich mich an.
    vier: in welcher Hinsicht? Verstehe die Frage in diesem Zusammenhang nicht.


    Zu geckos dritter Frage:
    ich sprach, Wochen vor der absehbaren Wiedervereinigung mit einem damals recht hohen Chefredakteur vom Spiegel. Meine These: es geht zu schnell und wird im Chaos, und ganz bestimmt nicht in blühenden Landschaften enden. Wißt ihr das nicht? Warum stellt Ihr Euch nicht dagegen?
    Seine Antwort: Du hast recht. Augstein sieht das ähnlich - aber er will sich nicht vorwerfen lassen, eine Entwicklung verpasst zu haben. Also marschierte einer dem anderen nach.
    Gecko, das war Geschichte. Ich denke nicht, daß sie je den Einzelnen fragt.


    it

  • 14.08.00, 20:05
    gecko

    AW: Der Mauerbau, 13. August 1961

    4 gegenthesen:


    1. die spaltung ist in den meisten köpfen noch vorhanden.
    2. der abriss der mauer war eine maßnahme, die die deutschen völker überfordert.
    3. wer hat denn uns gefragt ? (ossies und wessies )
    4. wer war erich honecker ? oder sollte man fragen : was ...?
  • 13.08.00, 11:41
    aerolith

    Der Mauerbau, 13. August 1961

    Thesen:



    1. Die Spaltung ging vom Westen aus.
    2. Der Mauerbau war eine für die DDR notwendige Schutzmaßnahme.
    3. Der Mauerbau ist ohne Absegnung aus Moskau erfolgt.
    4. Erich Honnecker wollte alle Brücken hinter sich abbrechen.

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