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Thema: Das seltsame Wesen der Lyrik

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Wie heißt die größte deutsche Insel?

 

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  • 09.05.17, 19:42
    Richard

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Bodmer, Johann Jacob: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd.9. Zürich, 1749

    http://www.deutschestextarchiv.de/bo...=Poeterey&p=20


    „(...) Es werde daraus leichtlich zu ſe-
    „hen ſeyn, wie hoch ſich ſelbige vornehme Maͤn-
    „ner, ungeachtet ihrer adelichen Ankunft und
    „Standes, der Poeterey angemaſſet.„
    Opitz fand vornehmlich zwo Urſachen, welche
    die Deutſchen gehindert, daß ſie die Poeſie in ih-
    rer Sprache zu treiben, ſo ſchaͤndlich verabſaͤumet
    hatten. Erſtlich die Vorurtheile, von welchen ſie
    eingenommen waren, daß die Poeſie eine eitele,
    unnoͤthige und vergebliche Wiſſenſchaft ſey, welche
    uͤber dies mit mythologiſchen Grillen, heydniſchem
    Goͤttertand, verliebten Ausſchweiſſungen angefuͤl-
    let waͤre. (...)"






















    .
  • 04.05.17, 21:10
    Richard

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Beyer, Conrad. Deutsche Poetik. Handbuch der deutschen Dichtkunst nach den Anforderungen der Gegenwart. Zweiter Band. Stuttgart, 1883

    http://www.deutschestextarchiv.de/book/ ... l=die&p=38



    "(...) Freilich macht die Metapher nicht das Wesen der Lyrik aus; [Annotation]
    dieses liegt, wie im vorigen Paragraphen ausgeführt wurde, im dichterischen
    Jngenium, im gebildeten Gefühl des Dichters, in seiner quellsprudelnden
    Phantasie, wodurch er befähigt wird, im Geistesflug über die Erde und ihre
    Erscheinungen zur reinsten Ätherhöhe sich emporzuschwingen, bald hier das Auge
    an den lebensvollsten Erscheinungen labend, bald dort den Blick an den brillantesten
    Phantasiegemälden bezaubernd &c.


    § 11. Umfang des lyrischen Gedichts.


    Da das reine Gefühl nur Eine Grundstimmung haben kann,
    da ferner das lyrische Gedicht der Stimmung des Augenblicks entquillt,
    so erhellt, daß ein Abirren nicht gut möglich ist. (...)"


  • 19.02.17, 16:24
    Richard

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Hallo WSIB,
    ich habe den damaligen Autor dieser Zeilen von Dir gegrüßt. Er ist immer noch im Kettenhemd und besudelt es ständig mit Rotwein. Das Pferd schaut zu.
  • 19.02.17, 16:05
    Michael

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Ich finde es nicht selbstentarvend unlogisch, das Nichts sein zu müssen, um alles zu sehen.

    Es ist immer beides zugleich.

    Nichts und Alles ist eine Gesamtgleichung.

    Alles wäre ohne das Nichts nicht möglich.

    Auch ein lyrischer Text ist ja erstmal "nichts" auf dem Papier.

    Hinterher kann er durchaus alles sein.

    Eigentlich ist es immer beides.

    Zwei Seiten einer Medaille?



    Uff, muss jedoch wirklich zeitversetzend wirken, sich selbst vor 16 Jahren zu betrachten.

    Könntest Deinem früheren Selbst liebe Grüße schicken. Hätte der Autor damals bestimmt nicht gedacht, dass diese Zeitschleife aus vorherigem Nichts, dich später alles in Allem nunmehr einholen könnte...

    Und möglicherweise spürst du dann damals die Anwesenheit deiner eigenen späteren Präsenz...

    Wann aus nichts alles wird, ist vorher kaum sicher zu bestimmen.

    Wann aus allem nichts wird, ist hingegen scheinbar leichter absehbar.

    Darum ist wohl weniger manchmal mehr.


    Die Tiefen des alten Forums steigen aus ihrer früheren Asche.

    Vorher sahen wir nichts, jetzt schon etwas. Später vielleicht alles...
  • 19.02.17, 14:29
    Richard

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Danke. Der (dramatisch übersteuerte) Text ist 16 Jahre alt, man bedenke dies bitte. Selbstverständlich sehe ich heute vieles anders und hinterfrage (meine) Sprache bzw. Lyrik intensiv. Nicht hier, was ein reines Zeitproblem ist. Ich beschäftige mich andernorts u.a. sehr kritisch mit Texten.
  • 19.02.17, 13:03
    aerolith

    Lyrik als seltsames Wesen

    Zuerst einmal freue ich mich über diesen Text; er ist mit Liebe zur Sache geschrieben, also im besten Sinne dilettantisch. Ich werde den Text oben anpinnen, damit jeder Besucher des LYRIK-Forums früher oder später draufklickt und liest, was wir hier unter Lyrik verstehen.

    Ich sehe die Welt nicht dual. Für mich hat ein Gedicht mehr als zwei Seiten; es hat unendlich viele. Jeder liest etwas in einen Text hinein, interpretiert ihn. Etliches wird einander ähnlich sein, aber es sind die kleinen Unterschiede, die dann Gespräch, Kommunikation oder auch geistige Innenauseinandersetzung ermöglichen. Zudem entscheidet auch die Tagesform. Deshalb sollte man ein Gedicht öfter als ein Mal lesen.
    Die mittleren Passagen entsprechen meinen eigenen Wahrnehmungen. Dann aber schreibst Du etwas vom NICHTS. Lyrik ist nie nichts. Sie ist immer ein etwas, gleichwohl sie zum Nichts führen will, zuweilen jedenfalls. Ein absurder Vorgang und durch die Intention schon selbstentlarvend unlogisch. Auch Deinen Begriff der Kritik muß ich konterkarieren. Kritik dient. Insofern ist nichts wichtiger als Werkkritik. Diese besteht meist aus einer Mischung: persönliche gefärbte Invektive trifft sachliche Auseinandersetzung. Zuweilen überbordet eine Seite.
    Der Schluß ist sehr schön.
  • 27.12.09, 19:00
    Paul

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    besser sind sie nicht. überhaupt besser - besser wie wer?
    jenseits von gut und böse spielt doch die musik.
    anders sind sie.
    dichter sind anders.
    oder sagen wir: fern.
    dichter sind fern.
  • 26.12.09, 12:50
    aerolith

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    manchmal ist lyrik arg kitschig. kitsch, dieses in szene gesetzte vulgäre und dümmliche, das auf die befriedigung des animalischen oder unter moralinsaure behaglichkeit gedeckeltes spießertum zielt und darin seine aufgabe findet. ich erkenne bei manchem lyriker muster, schemata, die immer wieder mit worten gefällt werden, die eben passend gemacht werden müssen, semantisch und vor allem syntaktisch. das bedrückt mich, weil sich die welt so wenig ändert und auch die dichter in ihr keine besseren menschen geworden sind. ist überhaupt ein fatum, daß dichter bessere menschen sein sollen.
  • 20.02.06, 22:12
    aerolith

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Was ist Lyrik anderes als die Verdichtung der Welt. Der Lyriker ist ein Metonym, ein geteiltes Wort ist ihm Anhaltspunkt zu neuer Einkehr.
    Als Anfänger stellt er nach, dann sucht er eigene Worte und Muster zu bedienen, am Ende stellt er wieder nach.
  • 04.03.05, 14:28
    Paula

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    lyrik ist
    eine hand
    eine zunge
    eine droge
    eine kette
    eine höhle
    eine heimat
    ein ritt
    ein jäger
    ein gefährte
    ein schmerz
    ein trieb
    eine lust
    eine gewalt
    ein rausch
    eine hingabe


    ...keine wahl
  • 04.03.05, 14:12
    Paula

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    LEIDENSCHAFT
    BESESSENHEIT
    FINDEN IM LASSEN
    LIEBEN
    GEBEN
    NEHMEN
    ALLES

    lyrik ist ...mein längster atemzug...


    ich freue mich
    hier zu sein
    mit euch
  • 03.03.05, 15:17
    Tigerlilie

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    es ist, als ob ich einen weiteren Kieselstein in die Welt lege
    den vielleicht niemand findet
    aber wenn ich einen in die Hand nehme
    einen der da liegt
    einfach so da liegt
    oder auch besonders
    ist es als ob sich Türen öffnen
    über seine Konturen und Dellen
    kann ich bis nach Amerika reisen
    oder nach Australien
    kann sehen wie sich das Fell sträubt
    einem Tier
    kann die Götter singen hören
    und die Erde atmen
  • 27.02.05, 15:37
    ala

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    doch doch, bezieht nur ein, was lyrik vermag. es könnte der kern sein für das, was sie uns bedeutet.
    sie vermag einen selbst zu ordnen, sie vermag es, der welt einen spiegel vorzuhalten, sie vermag es, von den idealen zu zeugen. sie vermag es, in die seele eines anderen zu schauen und sie vermag es auch, sich dort mit seinen augen zu sehen. und und und ...
    dochdoch, das liegt schon in der fragestellung, ohne vermögen kein bedeuten - was jetzt nicht materialistisch zu verstehen sein soll. es ist tatsächlich der kern der frage.
  • 22.02.05, 09:54
    Robert

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Aus einem mir nicht näher bekannten grund mußte ich in den letzten tagen darüber nachdenken, was lyrik vermag. aber halt, das ist ja nicht die fragestellung. was sie bedeutet, soll beantwortet sein.


    ich glaube, sie bedeutet vor allem denjenigen, der sie schreibt, sie zeigt auf ihn und sagt der welt: da ist einer, der will die welt verbessern. ein poetisches gefühl ist noch immer daran geknüpft, an diesen idealismus, die wlet ein bißchen besser zu machen - und sei es nur, indem man sich selbst besser, will heißen seinen gefühlen und gedanken gemäß ordnet.
  • 27.01.05, 12:24
    aerolith

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Für Paul ist Lyrik Leidenschaft. Ich sage darauf: Leiden schafft. Gutes und Schlechtes. Aber ohne Leidenschaft wäre das Leben doch langweilig. Ohne Langeweile dagegen kann auch keine Höhe erklommen sein. Ruhephasen gibt es in jedem Gedicht, bei jeder Leidenschaft. Lyrik verdichtet beides gleichermaßen, denke ich, damit sie erfahrbar wird.
  • 27.01.05, 00:18
    ala

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    das hast du schön gesagt, Jones.
    und die durch dich aufgerissene parralele zum einzig geliebten menschen bringt mich weiter zu der aussage, daß es eine form von liebe sein muß, die ein gedicht in einem weckt: man verliebt sich darein, liest es, legt es weg, liest es. verwächst mit ihm. hier ist auch der sitz der leidenschaft. es erkaltet nicht, auch in der wiederholung nicht.
  • 27.01.05, 00:09
    Layla

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    ich als nichtlyriker habe lyrik eigentlich erst durch dieses forum kennen und lieben gelernt.
    selbst schreibe ich keine und bin eigentlich auch nicht sehr empfänglich und ich weiß auch warum. all eure beschreibungen bringen mich zu einer erkenntnis, die ich aber schon lange von mir selbst habe.
    ich bin ein sehr rationaler mensch, andererseits auch wieder sehr emotional. mir fehlt jedoch die fähigkeit, gefühle mit wenig worten in eine form zu bringen. jedesmal, wenn ich es versucht habe, sagte ich mir: "das ist doch total schnulzig" oder "sowas kann man doch nicht schreiben", obwohl es dinge waren, die aus meinem tiefsten inneren kamen. ich lasse solche offenen gefühlsausdrücke aber nicht zu, ich habe für mich entschieden, meine gefühle zu steuern und nach außen meinen verstand darüber zu stellen. das mag für einige jetzt kalt oder auch cool klingen, mag sein. aber so ist es. mir persönlich bedeutet lyrik also eigentlich nichts. und dennoch werde ich hier oft überrascht, verfange ich mich in ein gedicht, versuche, hinter die bilder zu schauen, bekomme eine gänsehaut oder einfach ein merkwürdiges gefühl von weite, ungreifbarkeit und dann wieder nähe. versteht das einer?

    nun ja, ich mag unsere dichter hier, ich bewundere die art, wie sie das leben in diesen kleinen bildern zum ausdruck bringen, wie sie den leser damit berühren oder in verwunderung bringen können. ja.
  • 26.01.05, 23:35
    Mr. Jones

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    sehe ich ein neues gedicht, so vergesse ich alle bisherigen.
    ja, so ließe sich ein gutes, wahres gedicht vielleicht beschreiben:
    als das gedicht, welches ganz für sich allein stehen kann, ohne beine, ohne boden, und welches seinen leser alle anderen gedichte, alle außer diesem einen, vergessen lässt - als wären all die anderen enthalten in diesem.
  • 26.01.05, 23:17
    ala

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    ja da sitz auch ich warm und an euch geschmiegt.

    mir ist lyrik ein kleinod, eine preziose, eine vignette, ein edelstein der sich aus fremdem in meine herzschatztruhe bohrt und dort tief fällt. von der schönheit eines verses kann ich zwei wochen leben. er trägt. die nähe von schönheit und traurigkeit verbindet sich über die tränen. da kann ein lustiges nicht mit. nicht so leicht. doch im realen leid sinds auch nicht die kindertotenlieder, die man hören kann. da ists vielleicht mozart und auch diese gedichte gibt es. die schweres vergessen machen. diesen dienst an den menschen. dieser nichtgedanke geschenkt für eine kurze weile.

    die inhalte sind vielleicht austauschbar - ganz sicher sind sie das, denn in verschiedenen phasen empfinde ich verschiedenes als schön.
    dauerhafte schönheit sehe ich aber in der kunst, darunter verstehe ich das nichtmehrsichtbare handwerk. das dem ganzen dienende aller noch so winzigen details. in sich zu stimmen. das läßt sich nicht für jedes gedicht gleich lauten. das muß dem eigenen eben dieses gedichts folgen.

    sehe ich ein neues gedicht, so vergesse ich alle bisherigen. ich schaue nur dieses. ob es sich selbst erfüllt oder nicht. ob es substanz hat, oder nicht. es gibt viele "als-ob" gedichte. die sehen so aus wie gedichte, haben auch schöne wörter, sind vielleicht in einer anerkannten form - und dennoch steht nichts darin. luft. oder vakuum. da dient jedes element nur sich. nicht den anderen. dadurch ist es "als-ob".
    und es gibt gedichte, die bedienen meine sinne, weil sie brückenwärter einbauen. wenn ich aber die absicht merke, bin ich verstimmt und heiße dieses gemachte kitsch. es reitet auf meinen sinnennerven herum. es geht ihm aber nur um den effekt im affekt.
    und dann kommt eins und es funkelt ganz absichtslos und ich sehe ihm beim funkeln zu und vergesse alles andere. die kann man überhaupt nicht erklären, denen kommt man auch nie mit handwerklichen erklärungen bei. ob es sich aber um ein solches handelt, erkennt man nur, sobald man sich mit allem handwerk die zähne daran ausgebissen hat. mit diesem besonderen pokern alle, die ihre gedichte nicht erklärt sehen wollen. aber es ist gerade umgekehrt: erst die hilflosen erklärungssuchen zeigen diese besondere resistenz. erst in der feuerprobe der erfolglosen interpretation beweist sich diese besondere qualität.
  • 26.01.05, 22:21
    Richard

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    mein schwerer wintermantel möge auch dich wärmen!

    mfg, nihel (Richard)
  • 26.01.05, 22:13
    Paul

    zwote annäherung

    jau, äußerst schön, nihel (Richard) - wobei mich dein nam immer an nihil erinnert, aber das nur nebenbeiobst.
    ein wort fehlt noch, wenn ich mich besinn, neben lust und last: die leidenschaft!
    sucht und besessen mögen andere wege einschlagen, aber leidenschaft, womöglich in kombination mit unstillbarer sehnsucht -

    eine kleine vision, eine kleine utopie seien hübsches rankwerk, wilder wein... -
    leidenschaft aber wie brot, wasser, erde, zwiebel -
    fisch, wenn man will... -
    urtum.
    sprachtum.
    quell!

    sie fühlen sich zur falschen zeit am falschen ort?
    oh, mir deucht sie sind lyriker.
    und doch:
    am zahn der zeit.
    sagen wir ein mit ein wenig abstand betrachtetender.
    entrückt... .
    und doch mitten in der pfütze watend.
    gar noch wild darin hüpfend,
    weil das plitschplatsch klingt so schön... -
    kind?
    auch!
    (ob8 sei hier mit dem wort naiv geboten...).

    gestern sagte ich zu einem freunde,
    die kunst ist ein schwert.
    zweischneidig so oder so.
    dada sind wir uns wohl einig.
    man kann damit fuchteln,
    kämpfen oder
    harakiri.
    (IMMERHIN, es schimmert schön im mondenschein...)

    hier verfall ich erst einmal wieder ins grübeln...
  • 25.01.05, 00:05
    Robert

    AW: Das seltsame Wesen der Lyrik

    Schön gesagt, nihel (Richard).


    till möchte einen text über den unglücksraben, ich einen über die rabenmutter. und heute krächzte eine elster im schnee. das war kein übles bild. ich frug mich, wem sie wohl etwas gestohlen hatte.

    ste, den rimbaud-text kann ich nur partiell mögen. da schwappt doch vieles durcheinander. wer weiß schon, mit wem der knabe den nachmittag verbrachte und jetzt nachäfft. das aber könnte und kann mitunter schon der anfang von etwas sein.

    für mich ist lyrik eher ausdruck von traurigkeit. die lustigen gedichte langweilen mich endlos. andererseits aber kann ich ernste witze nun gar nicht leiden, doch sollten die nicht versuchen, lyrische formen anzunehmen.
    meine lieblingsgattung allerdings ist das drama. da lebe ich richtig auf, ein dramatisches gedicht wie der "wallenstein" beispielsweise läßt mich die größe des menschen in allem tun und lassen erahnen, und ich kann gar nicht verstehen, daß schiller da überhaupt überlegte, dat ding in prosa zu schreiben.
  • 24.01.05, 22:27
    Richard

    Lyrik als seltsames Wesen

    die lyrik ist ein seltsames wesen. in dem augenblick wo ich dies hier schreibe, bin ich schon ein klugscheisser oder ich rede wahr. es gibt nur diese beiden möglichkeiten. ein gedicht hat auch immer zwei seiten: wie es tatsächlich dort steht und wie es wirkt. dieser gedanke ist gar nicht mal zu unterschätzen, es gilt ihn zu bedenken. durch sie kann die nacht blauer erscheinen. man kann in ihr zergehen, in sie eintauchen. sie kann ein lebendiges wesen sein. sie kann lieben, lügen, leiden und lachen. sie macht einen betroffen, sie regt zum nachdenken an. sie öffnet sich, sie verschließt sich. sie unterwirft sich trends und diversesten aspekten in der literaturgeschichte. sie gaukelt vor oder sie spricht wahr. manchmal ist sie blass wie ein morphiumgesicht und manchmal rosig, gesund wie ein kleines mädchen wenn es ein rad schlägt. sie ist rot, schwarz, grün, gelb, weiß und blau. sie zieht an und stößt ab. sie ist seele, herzklopfen. sie ist manchmal der erste gedanke am morgen und der letzte am abend. lyrik ist borniert, eitel und fett. lyrik ist zart, rein und weise. lyrik ist blume, grabstein und sonne, mond & sterne. sie ist nichts und alles. ein lyriker ist nichts und alles. er schreibt entweder sein alles oder nichts. eigentlich kann man sie gar nicht kritisieren und eigentlich sollte man es. sie ist warm, sie ist kalt. man versteht sie, man versteht sie nicht. ist es tag oder nacht?

    das wort ist die denke im kettenhemd. die zeit, dies getüm, poltert von unten an unser rot. ich weiß doch: nur eine sonne braucht die blume, nur die guten schmiede kommen in den himmel. so bringe ihm pferd und er bringt dir eisen. so gebe erde, dunkel und feucht. sei ehrlich, sei mutig, sei w a h r h a f t i g.
  • 06.10.04, 16:02
    ste

    Lyrik als seltsames Wesen

    Die Sonne war noch warm, doch erleuchtete sie kaum mehr die Erde; wie eine Fackel vor gigantischen Gewölben diese nur mehr mit einem schwachen Schimmer beleuchtet, so warf auch die Sonne, irdische Fackel aus ihrem Feuerkörper einen letzten und schwachen Schein, der aber gerade noch die grünen Blätter der Bäume, die kleinen verwelkenden Blumen und die gigantischen Eichen erkennen ließ. Der Wind frischte auf, das heißt, eine leichte Brise bewegte die Blätter der Bäume, die raschelten wie die silbernen Wasser des Baches, der zu meinen Füßen floß. Die Farnkräuter krümmten ihre grüne Stirn im Wind. Ich duselte ein, nachdem ich dem Bachwasser reichlich zugesprochen hatte.

    Rimbaud mit 10 Jahren. Da kriegst die Krise.
  • 06.10.04, 15:21
    ala

    killerworte

    da können wir uns die hand geben, Eule

    nur deine wunschwörter - da würde mir nie ein gedicht dazu einfallen - weißt schon, hoffnungsloser optimist. die würden bei mir vermutlich mutieren zu jack in the box, nornen, mutnarrentum und relaunch.
    gnadenbrot - nee, da geh ich lieber zu den grauen pantern, wenns soweit ist, oder werde sone portugieserhutträgerin, die schwarz vorm haus mit den andern schwarzen in der sonne sitzt.
    wäschespinne - ahhh! nix wie weg. die wäsche leg ich auf den kachelofen oder häng sie über die tür. da ist sie gleich trocken und glatt.
    unglücksrabe ist in sich selffulfilling programmierung. da programmier ich lieber um.
    teufelskreis reizt eh nur meinen ausbruchsgedanken, wär mir davon aber noch der entzündlichste startschuß für kreativität.
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