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Thema: Rache

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Wie heißt die größte deutsche Insel?

 

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Übersicht (Neuester Beitrag zuerst)

  • 01.09.17, 18:36
    aerolith

    AW: Rache

    Ein merkwürdiger, ja, ein skurriler Ordner. Der Ötzi wird vom Ordnereinsteller selber kritisiert, daß kein Auge trocken bleibt. Ein Querschießer will statt dessen auf andere einhauen. Das findet Unterstützung bei einem, der etwas Künftiges ankündigt, zugleich eine Leseleistung des Ötzis einstellt, die auf handwerkliche Meisterschaft schließen läßt. Doch am Ende gibt es keine Diskussion zum Thema des Ötzis, sondern darüber, ob man überhaupt darüber diskutieren sollte.

    Ausgesprochen bizarr und klassisch wolkensteinisch.

    Daß auch 2008 darüber gejammert wurde, früher sei alles besser gewesen, jedenfalls mit den Texten, hält denjenigen, der den Text hochholte und diejenige, die doch genug Einschußmöglichkeiten besaß, offensichtlich davon ab, sich am Gedeih des Ordners zu beteiligen.

    Wie gesagt: ein bizarrer Ordner.
  • 07.01.09, 09:48
    kassandra
    Hallo klammer,

    sicher habe ich auch Probleme mit Teilen der Geschichte, aber das ist nicht der Punkt, denn mein Widerspruch galt Deiner Darstellung vermeintlicher Geschichte.

    Wie einem gewissen Herrn Little genügt Dir offenbar das reale Grauen von Krieg und Massenmord nicht mehr, da Du Erdachtes dazusetzt und in diese Zeit projizierst, um Deine Geschichte daran aufzuhängen.

    DAS ist es, was mich stört, ebenso wie Deine leicht paranoid anmutende Vorstellung, Du seiest in Deinem Dorf von greisen Massenmördern umgeben.

    Ich wünsche Dir ein gesundes und kreatives Neues Jahr.

    Gruß
    K.
  • 06.01.09, 23:01
    xray
    mit der überschrift kann ich mich nicht anfreunden, klammer. welche rache?

    ich hab nochmal ein bisschen gelesen und bin hier hängengeblieben:

    Mann lautlos weinen. Er spendierte ihm einen weiteren Weinbrand.

    das klingt ungwollt komisch oder? lass ihn lieber einen schnaps trinken

    muss mal gucken, was das für ein text ist. melde mich nochmal.

    Ich fand damals diesen psychologischen Trick, mit dem Wegner seine Schuld auf das Opfer projiziert, nämlich es selbst hätte ihn gezwungen, zum Mörder zu werden, genial von mir konstruiert. Das reichte als Grund, ihn von Neuem morden zu lassen.

    das hab ich auch so verstanden, klammer. ist überhaupt nicht abwegig!!
    aber, wie gesagt, wieso rache? aus seiner sicht - wie ich den text lese - ist es ihre gerechte (todes)strafe.

    by the way: Welcher Text von mir gefällt dir denn so gut, dass du ihn auf deine Festplatte kopiert hast?
    den hier: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    aber, ich muss noch einen anderen haben. find ihn gerade nicht wieder. da gings um einen alten, der im sterben liegt.
  • 06.01.09, 14:30
    ala

    ein paar Sätze noch

    dir auch, klammer!

    bin ich der hüter deines textes? nein. trotzdem finde ich, daß du sehr selbstherrlich mit ihm umgehst: er ist mehr als du. ich sage das, weil du weiterschreibst.
    ein fiktiver text kann nicht lügen. ein happyend hat er nicht. der tod bleibt meister. die nemesis mögen wir mit unserem kleinen verstand für ungerecht halten, aber wir erkennen sie nicht. was dein text jedoch leistet, ist zu zeigen, daß sie nichts von außen kommendes darstellt. ein jeder trägt sie ausschließlich in sich. hier ist es ja nicht der banale autounfall, sondern das zweimalige unterliegen. so wie du den protag angelegt hast, ist das für ihn der schlimmste aller einstürzenden himmel. das aber ist die nemesis.
    gut, ein text muß auch mit seinem autor leben.

    ich wüßte übrigens keinen text, der n i c h t hier ins forum passen würde, außer vielleicht auf die länge bezogen. aber wer nicht will, der hat schon

    laß es dir gut gehen, klammer!
  • 06.01.09, 13:38
    Klammer

    ein paar Sätze noch

    Nachdem ich ein paar Tag offline war (neuer PC), schließe ich mal für mich die Diskussion um diesen alten Text mit ein paar Anmerkungen ab:

    kassandra:
    Deine Probleme mit der Geschichte sind grundsätzlicher Art. Sie haben mit dem Text selbst und seiner Message eigentlich nichts zu tun und gehen an der Diskussion vorbei, deine Einwände sind eine Themaverfehlung. Die Geschichte spielt nur im ersten, ganz kurzen Abschnitt in den tausend Jahren, die Handlung selbst ist in den 80ern angesiedelt. Wo du Lippenbekenntnisse eines "Gutmenschen" herausliest, ist mir schleierhaft, kls hat den Text nach oben geholt, weil er genau das nicht gefunden hat.

    xray:
    Der Text kann halt nicht die Massenmorde von Stalin (etc., die Liste ist leider lang, es kommen ständig neue Namen dazu) behandeln, denn ich bin kein Russe und das ist nicht meine Geschichte (auch ist mein Wissen zu begrenzt). Es gibt übrigens viel russische Literatur zu diesem Thema, die jetzt auch erscheinen darf.
    Mach den Text nicht besser, als er ist. Eine 4+ würde mir genügen. Thema erfasst, aber nicht ausgearbeitet. Der Titel muss bleiben, denn er ist das Beste an der Geschichte, er allein gibt dem Ganzen eine Deutung, die ohne "Rache" nicht zu entdecken wäre.
    Und der Text lügt, weil er ein Happy-End konstruiert, das es so nicht stattfinden kann. Die Nemesis, die Susanna erwähnt, gibt es leider nicht. Das Leben ist nicht gerecht.
    by the way: Welcher Text von mir gefällt dir denn so gut, dass du ihn auf deine Festplatte kopiert hast?

    susanna:
    Ja, die Nemesis (daher die Überschrift) wollte ich. Ich las damals viel E. T. A. Hoffmann, Gogol, Kafka und die Strugatzkijs, die mich deutlich bei den Texten meines ersten Buches beeinflussten. Ich fand damals diesen psychologischen Trick, mit dem Wegner seine Schuld auf das Opfer projiziert, nämlich es selbst hätte ihn gezwungen, zum Mörder zu werden, genial von mir konstruiert. Das reichte als Grund, ihn von Neuem morden zu lassen. Aber Schnobs hat schon recht: Schlüssig ist das in der Kürze des Textes nicht. Das ist Milchmädchenpsychologie wie aus einem schlechten Ami-Serienmörder-Krimi. Da hakt alles.
    Ich abeite seit längerem an einem Roman und denke nicht, dass er hier ins Forum passt. Und warum ich hier kaum mehr schreibe, haben ich (und Robert) schon oben erläutert.

    Ich wünsche allen Forenmitgliedern, aktiven wie vor langer Zeit gegangenen, ein tolles 2009.

    Gruß, Klammer
  • 01.01.09, 17:01
    ala

    AW: Rache

    das finde ich auch, xray

    und ja, kassandra, deshalb reden wir hier ja dagegen an und bringen alle unsere unterschiedlichkeiten voll mit ein
  • 31.12.08, 19:34
    xray

    AW: Rache

    ich finde, klammers text leistet ne menge gutes - z. b. dass wir hier miteinander reden!

    kommt alle gut rein
  • 31.12.08, 18:54
    kassandra

    AW: Rache

    Natürlich nicht vom Forum, aber vom Land, in dem ich lebe.
    Guten Rutsch!

    K.
  • 31.12.08, 18:20
    ala

    AW: Rache

    also, ich wundere mich.

    was kann ein kleiner text dafür, daß er zugleich etwas leisten soll, was tausend andere texte besser geleistet haben, und etwas nicht leistet, was noch kein text vor ihm leisten konnte?
    und wie kommt er dazu, daß er nicht in dem gewürdigt wird, was er tatsächlich leistet? nicht einmal vom autor, der ihn in der erinnerung färbt?

    die längste passage im text beschreibt die rachegedanken eines mannes, der sich an einer frau dafür rächen will, daß sie "ihn dazu verführt hat, sie zu vergewaltigen". oditamor. welche umstände ihm dies zusätzlich erleichterten, das zeitkolorit (etwas parasitär zur aufmöbelung mißbraucht), der anker in die geschichte - das ist an diesem text nicht bedeutend.

    und hier wird doch, wenn man so will, von einem ganz anderen opfer der geschichte gesprochen, dem mann, der zwar auf der geschichtlichen machtseite steht, sich aber dennoch zum opfer erniedrigt sieht. das treibt ihn doch um. nicht seine eigenen opfer, nicht die vielen, die er "täglich" getötet hat.



    kassandra, was ist denn mit dir? sprichst du von der bundesrepublikanischen wirklichkeit? vom forum? von uns hier?
  • 31.12.08, 16:39
    kassandra

    AW: Rache

    du sprichst auffallend oft von den oberflächlichen lippenbekenntlern. hat das einen grund?
    Schau Dich um, sieh in die Gesichter hinter all den wohlgesetzten Worten. Da ist nichts außer wieselflinken Blicken, die abzuschätzen suchen, ob das Gesagte auch Gnade findet vor den Ohren der Wortrichter, die darüber entscheiden, wer weiter mitspielen darf im Spiel der vermeintlich Mächtigen und wer zur Unperson erklärt wird.

    Es ist so ermüdend und würdelos.

    Dennoch Dir und allen Foristen einen Guten Rutsch und ein besseres Neues Jahr.

    K.
  • 31.12.08, 15:51
    xray

    AW: Rache

    gerade weil wir deutsche sind, schreit dieses thema doch nach den vielen schicksalen, die bisher nicht zu wort kamen, und dazu gehört eben auch der blick nach osten. finde ich
  • 31.12.08, 15:14
    ala

    AW: Rache

    hm.ich denke, wenn klammer ein russe wäre, hätte er stalin genommen.
    als deutscher muß man nicht auf fremdes zurückgreifen, das hätte hier dümmlich evasiv gewirkt.
    das ist aber nicht der punkt.
    die nemesis ist hier sehr gut charakterisiert und sie ists ja, die im mittelpunkt steht. ein sozusagen anonymes wirken greift in ein leben ein - und in welchem leben fände es keine schuld?
    das facettenreiche ergibt sich daraus, daß nur auf der oberfläche eine rache der frau im raum steht, eine rache aller opfer gar nicht angedacht sein kann, aber wie viel tiefer ist die rache des täters...
    einer also, der sich rächen will, einer, der angst hat, daß an ihm gerächt wird, einer, der durch all das rächt und doch sich alles nur in seinem hirn abspielt. die chance, vertieft zu verstehen und zu bereuen, vertan und schon greift ein banaler verkehrsunfall ein. der arme mann - so spricht die nemesis zum schluß.

    klammer, an die schreibtafel bitte, deine schöpferische pause war schon lange genug - bin gespannt, was du jetzt drauf hast...
  • 31.12.08, 14:16
    rodbertus

    AW: Rache

    Ich bin Deutscher (Bayer, Augsburger, Diedorfer, Krodel...) und zu meiner Vergangenheit gehören außer Heine und Hoffmann auch Hitler und Himmler. Seltsam, dass man mir vorwirft, über Dinge zu schreiben, die ich kenne und von denen ich etwas verstehe. Natürlich könnte Rache auch in Russland, in der Türkei oder meinetwegen auf dem Mars spielen, aber diese Mörder, die unsere Väter sind, leben hier unter uns in unserer Heimat, ihnen begegne ich täglich. Rache ist keine Ach-wie-böse-waren-doch-die-Nazis-Geschichte und auch keine Wehret-den-Anfängen-Geschichte, es geht eigentlich auch nicht um Juden und Nazis. Es ist eine Gespenstergeschichte, in der eine Schuld gesühnt wird - es ist Fantasy.
    ...
    Das alles weiß ich und doch ist das meine Geschichte, ein Teil meiner Entwicklung als Autor. Sie ist mir wichtig.

    Gruß, Klammer

    So alt bist Du nicht, daß Sie zu "Deiner" Vergangenheit gehörten. Daß Sie zur Geschichte dieses Landes gehören, ist unstrittig.
    das ist eine frage der identifikation, kassandra. ich nehme für mich auch in anspruch, auf goethes grab zu stehen, auf seinem wie auf kafkas und dem meines ss-großvaters, wie auch auf dem meiner spd-urgroßmutter... ich nehme das an. ich bin humanist und behaupte von mir, alles in allem zu sein. ich nehme das als geschenk, verpflichtung, als fluch und als herausforderung gleichermaßen. alles zu seiner zeit. und ich sehe das als einen tiefen und gewaltigen brunnen, aus dem ich bis an mein lebensende schöpfen kann. verbiegungen, lippenbekenntnisse? das ist was für mimosen (muschis, wie solche leute der magdeburger nennt), nichts für mich. aber mache das bitte jeder mit sich selbst aus. ich verachte leute nicht, die den einfachsten weg gehen, die karriere machen und ich verachte auch das politische system nicht, das sie sich gaben und geben. aber ich bekämpfe es. es ist der uralte kampf.
    ich hatte mal verachtung übrig für menschen, die nicht so tickten wie meinereiner. inzwischen nehme ich sie an. das bedeutet nicht meine unterordnung.
    und ganz abgesehen davon habe ich urvertrauen zu meinen vorfahren. das, was sie taten, wird einen grund gehabt haben. wenn mein ahne jemanden getötet haben sollte, wird er einen grund besessen haben. und ich werde den teufel tun, ihn als nachgekommener zu verurteilen. seit wann ist das küken schlauer als die henne? immer schon? na dann ist es auch egal.

    du sprichst auffallend oft von den oberflächlichen lippenbekenntlern. hat das einen grund?
  • 31.12.08, 13:50
    xray

    AW: Rache

    Ich habe nicht vor, hier noch einmal darzulegen, wie sehr für mich in den Achzigern die Vergangenheitsbewältigung als literarisches Thema im Vordergrund stand und ein Teil meiner persönlichen Auseinandersetzung mit meinem Vater war,
    das verstehe ich gut, klammer!

    aber diese Mörder, die unsere Väter sind, leben hier unter uns in unserer Heimat, ihnen begegne ich täglich.
    die meisten, auf die das zutrifft, sind längst tot.
    in deinem persönlichen umfeld ist es offenbar anders. dann müsste das aber auch präzise formuliert sein und schon hätte deine aussage eine ganz andere, nämlich authentische, kraft statt pauschal zu sein und opfer zu tätern zu machen.

    Diese Geschichte ist misslungen und moralisch zweifelhaft, weil sie das unsägliche Leid der Opfer dazu verwendet, Spannung zu erzeugen. Ihre Moral ist verlogen, weil da nie ein Rächer ist; sie ist sprachlich unreif, der Spannungsbogen hängt in der Mitte durch, der Plot mangels Fähigkeiten nicht ausgearbeitet.
    harsche selbstkritik. da muss ich im detail noch mal schauen, ob ich das auch so sehe. melde mich nochmal


    die geschichte ist in diesem teil misslungen, finde ich:

    Die Mörder, von denen die meisten die Kriegsgefangenschaft ohne Schaden überstanden, fanden in die neuen deutschen Staaten zurück, passten sich schnell den Verhältnissen an, hatten Familien und arbeiteten als kleine Angestellte auf ihre Rente hin. Selten hatten sie Alpträume. Wenn ihre Kinder nach ihrer Schuld fragten, wurden sie zornig.

    an dieser stelle hab ich beim ersten lesen nicht weiter gelesen.
    diese passage ist für die geschichte 1. belanglos, 2. spricht hier der autor und nicht der mörder = ich als leserin brauche keine belehrung oder politisch korrekte ansage. ich mag nicht bevormundet zu werden -> 3. fataler plot- und strategiefehler des autors.

    du reagierst emotional in deiner selbstkritik statt objetive kriterien des schreibhandwerks anzulegen. ich sehe das so:

    damit geschichten anklang finden - und das ist ja unser ziel als autoren! - brauchen sie u. a. einen spannungsbogen. der ist dir gelungen!
    ich drehe den spieß um - es ist moralisch verwerflich sich keine gedanken zum aufbau des plots zu machen, insbesondere bei geschichten, in denen es um leid geht, das menschen angetan wurde. grund: kein schwein liest so einen text. ergebnis: die opfer bleiben weiterhin ungehört.


    was du mit verlogener moral in bezug auch rächer meinst, verstehe ich nicht. wie meinst du das?

    ich finde, die überschrift passt nicht zum tenor des textes. insofern führt der titel mich in die irre. an deiner stelle würde ich einen anderen titel wählen.

    der plot ist aus meiner sicht nicht komplett ausgearbeitet. er ist unlogisch, denn der mörder hat ja seine vergangenmheit vergessen, wie du schreibst. warum kommt die erinnerung plötzlich zurück.

    ich lese das so: er sieht eine reale frau auf der straße. etwas an ihr (was? das fehlt im text) holt seine erinnerung zurück. das könnte z. b. ihre stimme sein, eine geste, ein geruch, ... das müsstest du meiner ansicht nach einfügen, dann ist der plot rund.

    sprachlich finde ich nix zu meckern, das sich lohnte erwähnt zu werden

    hab ich gelernt aus deinem text?
    kleinigkeiten in ausdruck und stimmigkeit sind das zünglein an der waage. je brisanter das thema, desto genauer müssen autoren konzipieren + fabulieren

    in zensuren ausgedrückt ne 2 +

    guten rutsch wünsch ich dir, klammer! und ich würde mich freuen, wenn du hier wieder mitmachen würdest! das schreibt dir eine virtuelle freundin deiner texte aus längst vergangenen forumszeiten. einen habe ich sogar auf meiner festplatte gespeichert. ja, ja, sachen gibts

    lg
    xray
  • 31.12.08, 12:16
    kassandra

    AW: Rache

    Nein, Kassandra, ich habe sie nicht geschrieben, weil ich der Meinung war, man könne sie gut verkaufen. Ich habe noch nie eine Geschichte einem Verlag angeboten. Ich habe diese Geschichte geschrieben, weil ich mich dazu gezwungen fühlte und weil ich gerne anderen etwas erzählen wollte.
    Ich habe nicht behauptet, daß Du sie wegen des Verkaufens geschrieben hättest, wohl aber, daß es kaum möglich ist, eine derartige Geschichte offen zu kritisieren, ohne in den Ruch eines "Ewiggestrigen" oder "Unbelehrbaren" zu geraten.

    Ich bin Deutscher (Bayer, Augsburger, Diedorfer, Krodel...) und zu meiner Vergangenheit gehören außer Heine und Hoffmann auch Hitler und Himmler.
    So alt bist Du nicht, daß Sie zu "Deiner" Vergangenheit gehörten. Daß Sie zur Geschichte dieses Landes gehören, ist unstrittig.

    Seltsam, dass man mir vorwirft, über Dinge zu schreiben, die ich kenne und von denen ich etwas verstehe.
    Ich bin mir nicht sicher, daß Nachgeborene tatsächlich etwas von dieser Zeit verstehen, das über die reinen historischen Tatsachen hinausgeht.

    Natürlich könnte Rache auch in Russland, in der Türkei oder meinetwegen auf dem Mars spielen, aber diese Mörder, die unsere Väter sind, leben hier unter uns in unserer Heimat, ihnen begegne ich täglich.
    .
    Eben diese (unzulässige) Verallgemeinerung (Väter = Mörder) ist es, die ich in ihrer Selbstgerechtigkeit für unerträglich halte. Niemand bezweifelt ernsthaft, daß es Henker gab und gibt, die straflos davongekommen sind. Aber wie groß ist deren Zahl im Verhältnis zu der jener, die ohne eigenes (juristisches) Verschulden erschossen erschlagen, verschleppt, vergewaltigt oder vertrieben wurden? 1:100? 1:1000? Gewiß auch als Folge des verbrecherischen Krieges der Nazis, aber im Grunde ohne die Möglichkeit, dem Verhängnis durch eigenes Handeln zu entgehen. Diese Menschen sind aus unserer (offiziellen) Geschichtsbetrachtung herausgefallen. Man schämt sich ihrer mehr, als daß man sie bedauert. Das ist für mich unerträglich, denn wie kann man den Opfern der Nazis Empathie entgegenbringen, wenn man es den Angehörigen des eigenen Volkes gegenüber nicht kann? Weil man es verlernt hat, zu trauern? Ich behaupte: gar nicht. Was wir tagtäglich erleben, sind karrierefördernde Lippenbekenntnisse und das Absondern eingelernter Worthülsen ...

    Wenn ich allerdings gewußt hätte, daß Dein Text aus den Achzigern stammt, hätte ich nichts dazu geschrieben. Ich dachte, er sei neu. Und die Auflösung ist wirklich gelungen.

    Gruß
    K.
  • 31.12.08, 10:59
    Klammer

    AW: Rache

    So, hat die Zeit also wieder einmal eine meiner alten Geschichten nach oben geschwemmt. Ich denke, es ist - auch gegenüber der Rache - nur fair, dass ich als Autor ein paar Dinge dazu sage.
    Ich habe den Text 1985 geschrieben, da war ich 22. Er war Teil meines ersten im Eigenverlag von mir selbst hergestellten Buches Blut geleckt mit der Wahnsinnsauflage von 50 Stück, die ich bei kleinen Lesungen verscherbelte oder verschenkte. Neben Rache fanden sich dort noch Eismanns Wille, Tradition und Eine andere Art der Liebe (diese Texte sind alle hier im Forum zu finden, wenn auch in teilweise stark veränderter Form). Dieses Buch markiert eine Art Anfang, denn mit ihm fand ich auch zum ersten Mal so etwas wie eine Öffentlichkeit und musste viel Kritik einstecken. Kleine Posse am Rande: Rache wurde verfilmt und tingelte durch einige Kurzfilm-Wettbewerbe. Ich besitze leider keine Kopie des Films, da ich mich mit dem Regisseur verstritten habe.
    Rache ist sicherlich die zweitschwächste Geschichte in diesem Buch und ich würde heute so ein Thema nicht mehr anpacken. Das hat jedoch andere Gründe als x-rays und Kassandras Überdruss.

    Zuerst einmal: Der Grund, aus dem ich hier im Moment nicht mehr schreibe, ist nicht meine Überheblichkeit, sondern die unqualifizierten, grotesk dummen Äußerungen mancher Forenmitglieder, die nicht den eigentlichen Text, sondern die Integrität des Autors angreifen wollen. Ich gebe zu, ich bin eine Mimose, wenn mich jemand, der mich nicht kennt, als einen nach Schweiß stinkenden Cordjackenträger bezeichnet. Das ist die Krux des anonymen Internets. Man haut schnell ein paar undifferenzierte Schlagworte hin, traut sich Dinge zu tippen, die man nie in einem normalen Gespräch benutzen würde. (In diesem Zusammenhang hat mich übrigens ausgerechnet Schnobs ausgewogener Kommentar, dem ich vollkommen zustimme, positiv überrascht)
    Ich habe nicht vor, hier noch einmal darzulegen, wie sehr für mich in den Achzigern die Vergangenheitsbewältigung als literarisches Thema im Vordergrund stand und ein Teil meiner persönlichen Auseinandersetzung mit meinem Vater war, der übrigens heute genau der gütige Großvater mit einem Alkoholproblem ist, den die Geister seiner Vergangenheit als SS-ler nicht loslassen. (wenn das interessiert, der möge die Texte von Kleiner lesen, unter dessen Namen ich Bruchstücke aus meinem ersten Roman Das Spiel ins Forum gesetzt habe.) Nein, Kassandra, ich habe sie nicht geschrieben, weil ich der Meinung war, man könne sie gut verkaufen. Ich habe noch nie eine Geschichte einem Verlag angeboten. Ich habe diese Geschichte geschrieben, weil ich mich dazu gezwungen fühlte und weil ich gerne anderen etwas erzählen wollte.
    Ich bin Deutscher (Bayer, Augsburger, Diedorfer, Krodel...) und zu meiner Vergangenheit gehören außer Heine und Hoffmann auch Hitler und Himmler. Seltsam, dass man mir vorwirft, über Dinge zu schreiben, die ich kenne und von denen ich etwas verstehe. Natürlich könnte Rache auch in Russland, in der Türkei oder meinetwegen auf dem Mars spielen, aber diese Mörder, die unsere Väter sind, leben hier unter uns in unserer Heimat, ihnen begegne ich täglich. Rache ist keine Ach-wie-böse-waren-doch-die-Nazis-Geschichte und auch keine Wehret-den-Anfängen-Geschichte, es geht eigentlich auch nicht um Juden und Nazis. Es ist eine Gespenstergeschichte, in der eine Schuld gesühnt wird - es ist Fantasy. Was ich heute noch mag, ist, dass dieser Handlungsclou Rache, nur in der Überschrift steht, die Rächerin selbst gibt sich keine Blöße, wenn man davon absieht, dass sich Anfang und Ende auffällig in der Wortwahl ähneln.
    Diese Geschichte ist misslungen und moralisch zweifelhaft, weil sie das unsägliche Leid der Opfer dazu verwendet, Spannung zu erzeugen. Ihre Moral ist verlogen, weil da nie ein Rächer ist; sie ist sprachlich unreif, der Spannungsbogen hängt in der Mitte durch, der Plot mangels Fähigkeiten nicht ausgearbeitet.
    Das alles weiß ich und doch ist das meine Geschichte, ein Teil meiner Entwicklung als Autor. Sie ist mir wichtig.

    Gruß, Klammer
  • 30.12.08, 22:40
    xray

    AW: Rache

    aber ich beabsichtige in nächster zeit auch die große diktatorentriologie abschließen. hitler und mao sind abgehakt. jetzt fehlt noch stalin als der letzte. der allerletzte.

    habe noch ein wenig geduld x-ray, kann 2.hälfte 2009 werden.
    ich bin gespannt, schnobs!

    was für ein bullshit, xray.


    so ist es doch aber. frag die, die sich einbilden, zu wissen, was richtig ist. sie werden dir sagen, dass hitler der schlimmste verbrecher aller zeiten ist. und wehe, du sagst, wieso?
  • 30.12.08, 21:01
    kassandra

    AW: Rache

    Ich bin dieser Art Geschichten einfach müde.
    Man kann wenig falsch machen dabei, weil sie schon allein durch das gewählte Sujet sakrosankt sind und den Autor als "einen von uns, die wir aus der Geschichte gelernt haben" ausweisen.

    Dabei hat niemand tatsächlich etwas gelernt, denn der neue Faschismus kommt gewiß nicht mit der Ankündigung "He, ich bin der neue Faschismus!" über uns, und er hat auch kein braunes Hemd an.

    Kein Verlag kann solche Texte guten Gewissens zurückweisen, setzt er sich doch sonst dem Verdacht aus, nicht an einer angemessenen Vergangenheitsbewältigung interessiert zu sein, selbst wenn dieser Vorwurf von niemandem anders erhoben wird als der eigenen Paranoia.

    Kurzum, ich bin dieser in Worte gegossenen Bekenntnisse der eigenen Empfindsamkeit und Rechtschaffenheit müde.

    K.
  • 30.12.08, 20:39
    Schnob van Quittenlauch

    AW: Rache

    da hast du nicht ganz unrecht, x-ray. hitler sonnt sich im licht der öffentlichkeit. und wer kümmert sich um stalin? niemand!

    tatsächlich ist stalin etwas in vergessenheit geraten. auch lenin mochte ihn postmortal nicht so recht. und so wurden stalins sterbliche grammeln wieder aus dem mausoleum entfernt.

    zwar habe ich in nächster zeit einiges vor. aber ich beabsichtige in nächster zeit auch die große diktatorentriologie abschließen. hitler und mao sind abgehakt. jetzt fehlt noch stalin als der letzte. der allerletzte.

    habe noch ein wenig geduld x-ray, kann 2.hälfte 2009 werden.

    aber dann werden wir den kerl kräftig durchorgeln. versprochen!
  • 30.12.08, 20:03
    rodbertus

    AW: Rache

    was für ein bullshit, xray. demnächst differenzieren wir noch in gute verbrecher und weniger gute und schlechte. was ist ein verbrecher? jemand, der um seinen vorteil willen andere übervorteilt. am schlimmsten sind die politischen, denn die benutzen menschen bloß als mittel. und genau das ist es doch, was bekämpft werden muß, menschen als mittel für irgendwelche zwecke zu benutzen. dabei spielt es für mich keine rolle, ob dies aus nationalsozialistischen, kommunistischen, kapitalistischen oder religiösen gründen erfolgte. am ende sind sie immer alle tot, die nicht die verbrecher sind.
    kann vertieft werden...
  • 30.12.08, 19:43
    xray

    AW: Rache

    schnobs, im gegenteil, ich fürchte, je nachdem, wer mein post liest, könnte auf die idee kommen, mich in die braune ecke zu stellen

    mir gehts eher darum, dass die nazi-opfer aufmerksamkeit bekommen, mitgefühl, etc. und die stalins von der breiten (deutschen) masse gar nicht erst wahrgenommen werden. warum ich so empfinde, liegt sicher in der geschichte meiner familie begründet und in der art und weise, wie die ns-vergangenheit in deutschland "aufgearbeitet" wird.

    ich muss das thema wohl mal selbst verschriftlichen ...
  • 30.12.08, 14:47
    Schnob van Quittenlauch

    AW: Rache

    zunächst ist karlchen zu danken, dass er den text aus den tiefen des forums gezogen hat. in der tat finde ich den plot spannend, wenn er auch nicht immer stringent ist. die sprache überzeugt über weite strecken.

    Er erinnerte sich, wie er sie anschließend mit der Faust schlug, während er sie beschimpfte, diese dreckige, jüdische Hure, die es mit jedem trieb. Einer seiner Schläge rutschte ab, traf sie von unten an der Nase. Wegner konnte spüren, dass sie nachgab, brach. Der Kopf der Frau ruckte nach hinten. Weich fiel sie in die Arme des Mannes hinter ihr, der sie angeekelt zur Seite stieß, damit sie seine Uniform nicht mit ihrem Blut besudelte. Wegner hatte diesen Tod als Erlösung empfunden. Jetzt konnte er wieder zur Tagesordnung übergehen. Sie war endlich tot, die Hure, die ihn erniedrige, die ihn verführt hatte, sie zu vergewaltigen.
    da gehört klarerweise vorvergangenheit. wie auch in den anderen passagen, wo sie verwendet wurde.

    Er befürchtete, dass die Frau ihn verriet. Sie musste ihn doch schließlich ebenfalls erkannt haben. Es blieb Wegner nur eine einzige Folgerung: Er musste herausfinden, wo sie wohnte und sie noch töten. Er hatte sie endgültig zum Schweigen zu bringen.
    da passt der plot nicht. es gibt davor im text keine hinweis, dass wegener nicht mehr alle tassen im schrank hat. ein bisser mehr bier zu trinken als früher ist zu wenig. also musste ihm klar sein, dass es nicht die jüdin von früher sein kann. die sache spielt ja zumindest 25 Jahre später, rechnet man die zeit der kriegsgefangenschaft wegeners und die zeit, wo seine töchter noch im haus waren, zusammen.

    hier überdribbelte klammer sich selbst. wollte offenbar das konventionelle bild des braven, biederen familienvaters zeichnen, das kriegsverbrechern gerne umgehängt wird und hat dabei übersehen, dass die zeichnung wohl etwas anders vorzunehmen gewesen wäre, um den plot stimmig zu machen: nämlich stärker eine paranoia des protagonisten reinzubringen, damit die realitätsverschiebung einigermaßen plausibel wird. mit dieser unachtsamkeit hat klammer die geschichte für mich gekillt!

    Sie brachten sie dann vorsichtig zu den Öfen, die nie müde wurden, den Gefangenen ein Grab in den Wolken zu scharren.
    ein fürchterliches schiefes bild. Öfen, die ein grab in den wolken scharren! von celan hat es lediglich das grab in den wolken gegeben, immerhin auch eines, das geschaufelt wurde. aber nicht von öfen, sondern menschen.

    grab in den wolken das ist in der tat ein starkes bild. für die juden, die man durch die schlote geblasen hat. da sollte man nichts mehr hinzutun vor allem nicht grabscharrende öfen!

    celan ist eines. klammer ist ein anderes. wer die todesfuge gelesen hat, weiß, dass celan dem schrecken lyrisch kommt. durchgehend.

    klammer schreibt hingegen sehr nüchtern. und das tut seinen geschichten grundsätzlich gut. bei dieser passage aber wurden beide stile zu einem irgendetwas verhunzt, das wenig ansprechend ist.

    xray, ich halte es für nebensächlich, wo die geschichte verortet ist. hier würde ich keine politische symmetrie, korrektheit einfordern. arschlöcher gibt es überall!
  • 29.12.08, 23:09
    xray

    AW: Rache

    dieser geschichten gibt es viele. ich würde gerne mehr über die anderen opfer lesen, z. b. stalins opfer. im grunde gibts nur einen, der darüber geschrieben hat, nämlich alexander solschenizyn.
  • 28.12.08, 20:52
    rodbertus

    AW: Rache

    altersweisheit. er hat erkannt, daß schreiben eitel ist. und da wir hier diesen schritt, das zu erkennen, noch vor uns haben, müßte er sich zu uns herabbeugen. das aber ist einem, der erhaben ist, kaum mehr möglich.
  • 28.12.08, 10:54
    kls

    AW: Rache

    Bis auf die oben angemerkten Fehler, die ich persönlich aber gar nicht registrierte, muss ich uneingeschränktes Lob verteilen. Erinnert es mich an Borchard? Kinsley in der 'Der Tod und das Mädchen'? Ich weiß es nicht, aber dadurch, dass jegliche Betroffenheitsbekenntnis des Autors als Alibi seines Gutmenschenbeweises fehlt, macht die Geschichte spannend. Warum kommt von Klammer nichts mehr?
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