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Thema: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

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  • 25.02.20, 16:35
    resurrector

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Mittlerweile bin ich der Überzeugung, daß jeder Staat Machtmittel benötigt und diese auch einsetzt. Er ist auch moralisch dazu berechtigt, diese einzusetzen, allerdings nur bis zu der Grenze körperlicher Unversehrtheit. Item ist also nur, ob die gegenwärtigen Staaten moralische Machtmittel einsetzen oder die Macht über das Recht stellen, wie es imperialistische Staaten nun mal tun.
  • 14.04.13, 22:20
    man@word

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    "Haltet den Dieb!",
    hat gewisse Parallelen zu dem
    Ruf von Regierungswegen
    "Tötet die Terroristen!"
    Erstaunlich dass Frau Merkel in der Blüte ihres Lebens auf so wüste Art verscheiden möchte.
  • 10.11.02, 12:53
    aerolith

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Habe mir heute diesen obigen Text erstmals durchgelesen, nicht nur angelesen, wie es sonst bei der Vielzahl der eingestellten Texte der Fall gewest, und denke, daß der Beiträger ein oberflächlicher Mensch ist. Bodins Theorie fußt nicht auf der historischen Kritik einer Räuberbande, sondern ist durch und durch Vertreter des Absolutismus. Recht ist immer so durchsetzbar, wie es von Durchsetzern durchgesetzt werden kann. Der Staat steht neben sich, wenn er Kraft aus sich selbst beziehen muß, also rechtsgebunden bleibt. Er höhlt sich selbst aus, wenn er Terror mit Terror beantwortet. Andererseits bleibt im westlichen System auch keine andere Wahl: Man kann dem Staat die Mittel geben, die er zu seiner Verteidigung braucht. Diese Mittel werden nicht beschränkt, nur verklausuliert. Das hat Bodin gefordert, als er um 1550, im Zeitalter des aufbrechenden Souverän sagte: ...die Souveränität hat nur Bestand, wenn ein einziges Individuum ihr Subjekt ist Das ist der König, nicht ein Gesetz. Deshalb stand in Frankreich der König auch über dem Gesetz. Auf heute bezogen bedeutet das, daß es sozusagen abstrakte Werte gibt, die es dem Staat erlauben (sollen) Gewaltsam gegen Gewaltsame (Terroristen) vorzugehen. Und alles nickt oder würde nicken.
    Korrekt aber ist es nicht.


    Staat kann nur im Auftrag handeln des Volkes handeln. Das Volk muß also gefragt werden. Es wird aber nicht. Seine Vertreter sollen entscheiden. Das Problem: diese Vertreter sprechen quasi im Namen von hundert oder zweihundert Millionen Menschen gegen zwanzig oder zwei Milllionen. Sie sprechen dann von Krieg und Vertreibung und Umorientierung und Anpassung an das eigene Rechtsempfinden und so weiter. Und damit hätte Bodin recht, wenn er meint, daß der Staat auch nur eine Räuberbande sei, die ihr eigenes Rechtsempfinden dem Schwächeren überstülpe. Doch das führt jetzt zu weit.


    noch ein paar Gedanken Bodins, die hier ganz interessant sind:
    - fragt, wie weit der Souverän an die Gesetze gebunden ist --> solange die Entscheidung dem Volksinteresse dient
    - sprach sich für die Folter aus --> formulierte gegen WEIER die Forderung, daß Hexen und Zauberer erbarmungslos zu verfolgen seien - rechtliche Grundlage bildete bei diversen Prozessen das malleus maleficarum
    Sechs Bücher über den Staat 1576:
    - formuliert die Souveränitätslehre und macht sie zum alleinigen Kriterium für die Bestimmung der Staatsform
    - die absolute Monarchie ist die beste Staatsform
    - der Souverän ist die von allen Gesetzen entbundene permanente Gewalt über Bürger und Untertanen
    - erklärt das Reich zu einer reinen Aristokratie und zu einem Einheitsstaat, denn die Souveränität liege bei der Gesamtheit der auf dem Reichstag versammelten Reichsstände --> B. verkennt die tatsächliche Macht des Kaisers, der Beschlüsse dadurch verhindern konnte, indem er auf die Notwendigkeit einer einvernehmlichen Lösung pochen durfte
    - B. behauptet, der Kaiser habe nur noch Ehrenrechte, doch die Einheit des Reiches hänge an seiner Person


    Alles in allem kann ich einem Staatsterrorismus nicht zustimmen. Der Staat darf sich gegen Gewalt, die sich offensichtlich gegen ihn richtet, nicht wehren. Er muß das Volk fragen, wie er sich verhalten solle.
    Es ist auch schwierig festzustellen, ob sich ein terroristischer Anschlag gegen den Staat, gegen Firmen oder gegen Einzelpersonen bzw. Institutionen richtet...


    Fragt man hier aber weiter, würde das eine Umorganisation im gesamten Staatsaufbau nach sich ziehen, würde Macht verteilen und Kriege kleiner machen.
    Kriege und Gewalt aber sind wohl vorerst nicht zu unterbinden.
    Doch darüber denke ich jetzt nicht nach.
  • 25.05.02, 12:03
    Kyra

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Hallo aero,


    ich halte Möllemanns Äusserungen auch für falsch. Nicht weil er sich gegen Israels Politik wendet, sondern weil er immer wieder das Bild des hässlichen Juden durchblicken lässt. Die Angriffe auf Friedmann waren eindeutig antisemitisch. Da ziehe ich für mich eine klare Linie, ich kann "nein" zu der israelischen Politik sagen, vor allem unter Sharon. Aber, obwohl ich ja nur halbjüdisch bin und sowieso aus der Kirche ausgetreten bin, treffen mich dies Angriffe doch. Es ist vielleicht emotional, aber wenn ein Deutscher so etwas sagt, bekomme ich ein wenig Angst. Aber, um das klar zu stellen, ich finde Israels Politik falsch. Ich halte auch die Form, wie damals der Staat gegründet wurde für sehr problematisch. Es gab direkt von Beginn an schlimme Ungerechtigkeiten degen die Palästinenser. Ich bin für einen völlig freien Palästinensischen Staat usw.
    Trotzdem finde ich die Äußerungen von Möllemann vom Ton her falsch und verletzend. Weil sie über die Politik hinaus gehen.
  • 25.05.02, 08:29
    rodbertus

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Es liegt an uns, denen, die das Wort in ihr Recht einsetzen: Wir müssen uns Gewalt geben, um die zu stürzen, die das Wort mißbrauchen, Staat benutzen, auch wenn 94% gegen sie sind, damit wir ihnen widerstehen. Wie aber? Reichen wir ihnen die Hand, um sie hinabzustoßen in ihren faulen Pfuhl, den sie doch selbst nur abziehen von den Wünschen der anderen, die sie nicht sind.
    Heuchelei ist's, nur die zieht die Mächtigen in ihren Bann. Sie fühlen sich bestätigt, sind dann zu lenken und als ETWAS zu gestalten. Kyra, weißt Du denn nicht, daß sie an die Hand genommen werden wollen?

    Ist es nicht fürchterlich, ein Kesseltreiben, wenn jemand, der gegen die gegenwärtige Politik Israels scharfe Worte findet, jetzt von Staats wegen, aus politischer Vernünftigkeit, Staatsräson, political correctness... gefemt und verfolgt wird? Wie schlimm muß es eigentlich noch werden, bis die Menschen in Deutschland begreifen, daß sie kein bißchen frei sind, daß sie sehr enge Grenzen in ihrer Sprache und Wortwahl haben, um in diesem Staat ein Bein auf den Boden zu bekommen?


    Herr Möllemann, ich mag sie nicht besonders, aber hier haben Sie meine volle Unterstützung.
  • 11.04.02, 10:21
    Dickes Beh

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Hallo Kyra,
    immer hübsch im Hinterkopf die Stimme von Fox Mulder mit den Worten "Die Regierung zerstört systematisch alle Beweise" haben!
  • 08.04.02, 09:55
    Kyra

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Ich fand den von mir zitierten Beitrag interessant, weil er weiter zurückblickte und damit diese einfachen Denklösungen...die sind gut...die anderen böse...durch eine Sicht auf die Geschichte in Frage stellt.
    Ich bin immer dankbar, wenn ein wissenderer Mensch meinen Horizont ein wenig weiter macht. Ich kann ja auch nur mit dem Wissen, was ich habe eine Meinung bauen. Die Geschichte sieht die Dinge immer in einem anderen Licht, als die Gegenwart. Ist es richtiger? Oder gar falsch? Geschichte befreit das Geschehen von Einzelschicksalen, wäscht rein, räumt auf und wird von Siegern geschrieben. Darum habe ich sehr gerne Bernt Engelmann gelesen "Einig gegen Recht und Freiheit" und "Wir Untertanen" die Geschichte des gemeinen Volkes. Aber er war ja auch Sozialist. Sonst findet man die Geschichte des Volkes höchstens in der Literatur - darum ist sie ja auch in diesem Bereich so wichtig.
  • 08.04.02, 08:00
    eulenspiegel

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    zitat: '... Recht dient hier ...' ... der durchsetzung des staatlichen machtmonopols.


    gerechtigkeit ist eine fiktion der mächtigen zur durchsetzung ihrer interessen,


    eule.
  • 07.04.02, 23:56
    rodbertus

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Nein, Bäuerchen. Der Stärkste ist am mächtigsten allein, sagt Schiller. Das müßte Dir eigentlich reichen, also in dem Sinne hinreichend sein, Dich von Deinem Irrweg abzubringen.

    Erklärung: Bestätigung durch Schwächere ziemt Eitlen, nicht aber dem Starken. Was kümmert's den, wenn der Hund bellt? der Starke ist stark durch das Bewußtsein SEINER Stärke, nicht nur stärker als die wie auch immer bezügliche Schwachheit anderer. Er IST stark.

    Wir müssen hier die Folge bedenken, Hannemann. Was kann ich dafür, daß in Deinem Denken ein Gestern nicht vorhanden ist?! Der Starke hat sich als der Stärkste herausgestellt. Comprende? Er weiß jetzt, nach langen Kämpfen, daß er in seinem Lebensumfeld der Stärkste ist. Das steht in meinem Text am Anfang. Jetzt sucht der Starke nach Sicherheit, damit - schließlich ist es anstrengend, sich immer wieder zu erweisen! - er mit möglichst wenig Aufwand seine Position behalten kann. Er delegiert Macht, scheinbar, benötigt einen Apparat, etwas Funktionierendes, das eben genau die Beibehaltung seines Status leistet. Das Recht(ssystem) ist eines dieser Instrumente.
    Der Starke sehnt sich aber nicht danach, es mit Gleichstarken zu versuchen, sich zu versuchen. Wäre es so, dann wäre die Welt in Ordnung, dann hätte sich das agon-Prinzip der archaischen Zeit noch gehalten. Aufstrebende Absolventen des Geistes reiben sich am System, haben aber keine Schangze; früher oder später werden sie subsumiert, gekauft und eingetaktet, um ihrerseits dem Starken oder einer Gruppe von Starken, die sich jeweilige Bereiche absicherten und nun verteidigen, zu dienen. Das ist doch alles ganz logisch, mein Lieber. Ich kann nichts dafür, wenn Dir diese geheimen Vorgänge in unserer Gesellschaft entgangen sind.
  • 07.04.02, 17:56
    Bauer Hans

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    " Der Starke benötigt Distanz gegenüber dem Schwachen."

    Damit bin ich nicht einverstanden, der Starke braucht und sucht geradezu die Nähe des Schwachen, um sich von jenem seine Stärke bestätigen zu lassen. Von wem auch sonst?
    Ein Starker versucht immer wieder, einen vermeintlich anderen Starken zu übertreffen, sich mit ihm zu messen, ihn schwach, schwächer erscheinen zu lassen. Letztendlich gibt es nur einen Starken, den Stärksten. Alle Anderen sind gegen ihn schwach, und für dieses Messen der Stärke braucht der Starke Nähe und nicht die Distanz.

    Es kann nur Einen geben!... und wieder und wieder den Beweis.

    Robert, schreib Dein Buch um. Wenn Du willst, helfe ich Dir auch ein bißchen... auf die Sprünge.
  • 07.04.02, 11:31
    aerolith

    AW: Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Das liegt am Kapitalismus, vielleicht an der Moderne überhaupt, meine Liebe. Recht dient hier, ist nicht aus dem Gefühl erwachsen, sondern Machtmittel. Im Mittelalter diente Recht nicht, sondern war notwendendes Aggregant zur Organisation des Lebens. Ich habe mir darüber schon lange Gedanken gemacht, vielleicht deshalb hier zwei Auszüge aus den LEIDEN

    ein Gespräch zwischen einem Kapitalisten, Wolkenstein, und seinem Handlanger, Franz, der ein schlechtes Gewissen bekam

    Franz riß das Fenster auf, schnipste den Zigarettenstummel dann jedoch auf den getäfelten Boden und zermalmte ihn mit einem Stiefelabsatz: „Ich ersticke hier. Wolkenstein, ich halte es nicht länger aus. Verstehen Sie? Sie drücken mir mit Ihrem Gefasel die Luft weg..“, stammelte er. „Geben Sie mir doch nicht immer nach! Ich brauche Angriffspunkte. Sonst gehe ich vor die Hunde.“
    Wolkenstein blieb ruhig: „Ich bin nicht Ihr Feind. Tolerieren wir uns!“
    „Das ist Gelaber. Ich kenne keinen Menschen, der das auch wirklich ernst meint. Toleranz! Darüber kann ich nur lachen.“
    „Franz, glauben Sie nicht auch, daß wir uns gegenseitig nützen können, selbst wenn wir es vielleicht nicht unbedingt wollen?“
    Franz quälte ein hälsernes Lachen. Seine Miene blieb jedoch ernst: „Diese Ironie steht Ihnen nicht schlecht“, sagte er beinahe freundlich, „Ihresgleichen Freundlichkeit, die Könige und Recht im Amt läßt, um in wirklichen Entscheidungsmomenten dann doch vollends darauf zu pfeifen, was die anderen wollen. Sie sind die ordinärste Form von Aristokrat, Herr von Wolkenstein, erkennen keine andere Autorität an als die des Geldes, scharen sich mit anderen Geiern um die toten Leiber der Menschen, um Tatbestände zu diagnostizieren, die Ihnen in den Kram passen, nennen’s das Recht auf Freiheit und Gleichheit. Dümmliche Gesetzgebung, dümmlicher Geist, der Götter nur schafft, damit diese nicht aktiv werden..“
    „Ich bin der Geist, der stets das Gute will und doch nichts schafft“, lachte Wolkenstein, sein Wolfsgrinsen benutzend.
    „Was liegt Ihnen an mir?“ fragte Franz stutzend.
    „Sie erinnern mich an mich selbst, Franz.“
    „Das ahnte ich.“
    Sie schwiegen.
    Die Sonne war hinter trauriggrauen Regenwolken verschwunden, ein Wind blies in den Salon. Dann war es still. Kälte kroch durchs Fenster, an den Holzdielen entlang, verwirbelte sich eigenenwillens in den Körpern, erreichte die Herzen, um sie zu umfassen und das Leben wegzudrücken, umschloß das Hirn, paralysierte Denken, kettete Phantasie:
    Schau dich an, Wolkenstein! So warst du in deiner Jugend. Ein Dränger. Nichts konnte dir schnell genug gehen. Du schaffst und schaffst und fragst dich jeden Tag mehr, wem es geschaffen!? Schau dich an, Wolkenstein! Was willst du ihm sagen, du weißt doch, daß du es bist, der da mit dir redet?! Rede nicht nur, sag etwas! Franz wird wegrennen und in allem seinen Feind sehen. Wer hat dann gewonnen?
    Als das Schweigen unerträglich geworden war, ging Franz.
    „Sie hören von mir.“ Er sprang aus dem Fenster, landete weich auf dem Englischen Rasen und war kurz darauf vom Wolkensteinschen Anwesen verschwunden.

    hier noch ein zweiter Text aus "Herbstzeitlos" zum Thema Staat, Macht und Staatsgewalt

    Der Starke begreift sich als einzig Erkennenden des Außen und ordnet demgemäß die Umwelt dem eigenen Willen unter. So bildet sich nach Kämpfen der Schwache, der Schwächere heraus. Stark drückt somit ein Verhältnis aus: Der Starke benötigt Distanz gegenüber den Schwachen. Die schafft er sich über Definitionen des Guten, Wertvollen; Dinge, an die Schwache sich klammern können und über Gesetze einzuklagen glauben. Wir sehen, daß das Recht hierin Funktion besitzt, Funktion zwar, aber der Starke setzt sich über das Recht hinweg, das zeichnet ihn aus. (Der Zyniker meint hier: das zeichnet es aus.)
    Die Politik der Gleichmacherei stäupte den besonderen Menschentypus des Landes - manche Dichter behaupteten, daß nur gegen diesen Menschentyp die verheerenden Kriege geführt wurden! - in die Selbstherrlichkeit eines eingeführten Gemeinwesens. Ein importiertes Recht war es, was den Gerechtigkeitssinn von Jahrhunderten aushöhlte, aber der Import war sehr vernünftig und traf sich mit dem politischen Begriff des Rechtmäßigen. Und siehe: Die Politik verkleinerte das Land der Renitenten vergangener Zeitalter erst wirklich auf das Mindestmaß kontinentalen Ausgleichs der Machtsphären, drängte alles in jenes dumpfe Mittelmaß, das als Moral aus der Geschichte täglich in den Medien beschworen wurde. Demgemäß wäre es mit Wunderdingen zugegangen, wenn dieser Verlust der nationalen Unabhängigkeit nicht mit einem Absinken des öffentlichen Geistes und einem Überwuchern der Privatinteressen verbunden gewesen wäre. Die Sieger subsumierten historische Entwicklungslinien unter ferner liefen, begriffen solche alten Kamellen nicht, oder aber sie stellten diese gewinnbringend in den Kanon ihrer utilitaristischen Philosophie!
    Je länger man aber trotzigerweise darüber nachdenkt, um so klarer dürfte es werden, daß einst die Schwachen die Starken sein müssen, daß es Spiel geben muß, wobei fraglich ist, ob eine daraus folgende Umwertung der Werte die Frage der Schuldzuweisung neu bestimmte oder eben nicht!? Vielleicht gab es in einer Frage keine andere Antwort als die eine, daß man nämlich doch schuldhaft in den Jahrhundertkrieg geraten war, weil Städte wie die eigene keine geistige Heimat mehr schufen, die sich verengende Enge ignoranter Intoleranz keine Athmosphäre für Not wendenden geistigen Austausch bot, sich deshalb das Man selbst die Herrschaft usurpierte und befahl, was es dem unpersönlichen Es der Vielen zu befehlen galt... Dieser H. war kein Mensch; er war ein Anonymon!
    Die Sieger des letzten Krieges schrieben die Kräfteverhältnisse für unbestimmbare Zeit fest, so schien es, und Entwicklung blieb in engen Bahnen befangen. Die tieferen Gründe des Wandels von vormals geistiger Höhe zu geistlosem Festhalten an politisch grundierten Lehrmeinungen zu erforschen, wäre ein sicherlich lohnenswertes Ziel an der Universität gewesen. Aber die Forschung konzentrierte sich insbesondere auf naturwissenschaftliche Gebiete, forcierte diese gegenüber den Geisteswissenschaften, deren führende Köpfe sich darin gefielen, personengebundene strukturalistisch Nützlichkeitsfragen zu erörtern oder Anteil zu nehmen am Lebensgang bislang unbeachtet gebliebener Landeskinder der ferneren Vergangenheit. Die entscheidenden Stellen bei der Vergabe von Forschungsgeldern befriedigten somit persönliche Ambitionen, derweil allgemeininteressierende Fragen aus dem Blick verloren wurden. In die Geisteswissenschaften war ein Virus namens correctio vitiosa eingedrungen und befiel schon jahrzehntelang ungestört neue Wirte. Das Wesen des Geistes aber, frei sich den Gegenstand seiner Betrachtung zu suchen, wurde durch die willfährige Gewährung egomanischer Intentionen elementar pervertiert, denn eine Festlegung war allen Überlegungen, allen Absichten der einheimischen Denker durch die Sieger propädeutet, daß es nämlich in jedem anderen gesellschaftlichen System für sie nichts zu gewinnen gäbe. Und somit stand der politischen Herrschaftsform des Geldes, in der die thematisierten Landeskinder nunmehr leben mußten, die Forderung des Denkens nach Freiheit gegenüber.
    Die Herrschenden vergaßen durch diese Vorbedingung für jeden einstellungswilligen Wissenschaftler, daß der Geist vor allem Freiheit vom Gelde benötigt, um Geist sein zu können! Doch was verstanden die Sieger schon davon? Hatten sie nicht Kriege auf den Weg gebracht, um diesen Geist aus der Welt zu bomben?



    Aber ich bin noch längst nicht fertig. Das Thema ist zu interessant, zumal mein Onkel ein "republiksflüchtiger" wichtigtuerischer Oberstaatsanwalt ist.
  • 06.04.02, 12:32
    Kyra

    Terror - Staatsgewalt - Machtmonopol

    Ein Artikel aus der SZ von heute: Nimrods Erben


    Israel und die USA belegen ein Wort des Thukydides über den etwas zweifelhaften Ursprung der Staatsgewalt / Von Albrecht Koschorke


    Der amerikanische Karikaturist Pat Oliphant brachte es im November 2001 auf den Punkt. Er setzte dem Justizminister der USA, John Ashcroft, einen Turban auf und ließ ihn, versehen mit richterlichem Talar, vor einem Gericht präsidieren. "Mullah Ashcroft - der neue Taliban" stand rechts auf der Zeichnung, und links war zu lesen: "Ich kann dich 7 Tage ohne Anklage gefangen halten. Ich kann deine Gespräche mit dem Verteidiger abhören. Ich kann sogar verhindern, dass du überhaupt einen Verteidiger hast. Ich kann dir heimlich den Prozess machen und dich verurteilen. Ich kann dich ohne Berufung hinrichten." Ganz unten in der Ecke eine Sprechblase: "Aber das macht nichts - es gilt nur für Ausländer."


    [..]


    Terror versus Staatsgewalt


    Die jüngste Figur in dieser Reihe, die sich der staatlichen Souveränität im Weltmaßstab entgegenstellt, ist der global operierende Terrorist. Das Entsetzen über die begangenen Terroranschläge haben die Bedeutung, die dem Staat zuerkannt wird, gestärkt. Er gilt mehr denn je als Garant für Leben und Unversehrtheit seiner Bürger sowie als einziger verlässlicher Schöpfer von Gerechtigkeit. Gegenüber diesem gestärkten Staatsvertrauen wirkt die Erinnerung an das 20. Jahrhundert, das Staatskriminalität unvorstellbaren Ausmaßes mit sich gebracht hat, seltsam blass. Noch heute fordert weltweit der staatliche Terrorismus weitaus mehr Opfer als der Terrorismus einzelner Gruppen. Es ist daher fraglich, ob die Organisationsform staatlicher Herrschaft als solche eine natürliche Nähe zur Gerechtigkeit hat. In die von den USA geschmiedete Allianz gegen den Terror sind Länder wie Russland und China aufgenommen, die in ethnisch unruhigen Regionen einen erbitterten Krieg gegen ihre Minoritäten führen. Wo dort genau die Fronten zwischen legitimer und illegitimer Gewalt verlaufen, ist eine Frage der Perspektive. Wie bei allen Unterscheidungen muss man auch hier fragen: Wer unterscheidet?


    In einem ZDF-Interview am 17. September hat Joschka Fischer mit Blick auf Afghanistan die Ansicht vertreten, "dass wir unterschiedliche Sicherheitszonen" in der Welt "nicht mehr zulassen dürfen". Die Anti-Terror-Kampagne, in der sich eine Internationale der Staaten gegen international agierende Terrorgruppen verbündet, macht zum ersten Mal Umrisse eines Weltstaates sichtbar. Ein solcher Weltstaat hätte kein Außen mehr und folglich auch keinen äußeren Feind. Er hätte es, in Guantanamo zeichnet sich das ab, nicht mehr mit militärischen Gegnern, sondern mit Kriminellen zu tun.


    Dass die Ausbreitung des Staates als monopolistischer, Ordnung stiftender Kraft von heilsgeschichtlichem Elan (Stichwort: Kampf gegen das Böse) beflügelt wird, ist nicht neu. Ebensowenig neu, nur auf globale Ebene gehoben, wäre das Konstruktionsdilemma einer solchen Ordnung. Der Souverän setzt Recht, er macht sich zum Herrn über die Unterscheidungen, die den Raum des Politischen begründen. Aber wer bindet und richtet den Souverän?


    Der Autor lehrt Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz.

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