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Thema: Spaziergang am Strand - ein Wunsch

  1. #1
    in nomine Hannemannais
    Laufkundschaft

    Spaziergang am Strand - ein Wunsch

    Der Wunsch, vorgetragen im Jahre 2035 a.Chr., nach einem Spaziergang am Strand.

    Seit Anbeginn der den alten Herrschern bewussten Zeiten schlummerte die Insel still am Grunde des Meeres; einzig erhellt von Selene, der sanften geflügelten Göttin, die in ihrem leuchtenden Mondwagen, gezogen von vier weißen Pferden, über den Nachthimmel fuhr und dann, nach getaner Arbeit, mit ihrem Strahlen die versunkene Insel im Zyklus des Werdens und Vergehens regelmäßig besuchte.
    Selene, bleiche Blondine, hatte stark abgenommen; beileibe nicht aus Trauer um ihren ehemaligen menschlichen Liebhaber Endymion, für den sie zwar die Gunst der ewigen Jugend errungen, der jedoch dafür einen unverschämt hohen Preis zu zahlen hatte, nämlich bei Tag und Nacht in einer dunklen Höhle mit starr geöffneten Augen zu schlafen. Nein, das machte ihr scheinbar keinen Kummer - sollte doch der Schweinehüter pennen bis in alle Ewigkeit -, was sie schmerzte, was wirklich an ihr zehrte, das war die weibliche Sorge um ihre weich schimmernde Haut, die dazu verdammt war, ständig in den salzigen Schaumkronen der Ägäis zu baden. Und ihren Körper zu trocknen, wohlige Wärme zu ziehen aus goldenem Sand, der die Sonne eines gleißenden Tages für die stillen Stunden gespeichert hatte, das war der Göttin verwehrt, denn die Insel, das ihr bestimmte Heim, lag selbst trüb und naß auf dem kühlen Meeresboden.
    Verständlich, das stimmte Selenen, ein einziges Sehnen, ganz grauslig furchtbar traurig. Sie griff zu ihrer silbernen Harfe und sang ihre Klage, ihre erste Bitte, gegen den nachtblauen Himmel: „I bin reif, reif, reif, reif für die Insel. I bin reif, reif, reif, üh’berreif. Und i wunder mi, worum i no do bin, fürs Aufsteig’n bin i scheinbar zu feig!“
    Da stob wie ein roter Wüstensturm Lilith aus den Bergen Kleinasiens herbei, wo sie gerade 264 Muselmänner vergewaltigt, kastriert und so diese Glücklichen in viel gefragte, hoch entlohnte Eunuchen verwandelt hatte. Sie sah das Sehnen von Selenen, ihr Unglück über das jetzige Sein - vielleicht doch Frust-geboren wegen Endymion, dem Schnarcher, und daraus resultierend ein gewisses körperliches Unbefriedigtsein -, und das erste Weib, schieres wollüstiges Verlangen seit ihrer Erschaffung an, erkannte hoch erfreut sich anbietende neue, blonde erotische Möglichkeiten. Lilith nahm rasch das Gewand und die knabenhafte Gestalt der jagderprobten Artemis - Halali! Wo ist die Sau“ - und fühlte alsbald mit wollüstigen Schauern die heißen Küsse der vor ihr knienden schüchternen Blonden an ihren Füßen. Halali! Das lief ja wie am Schnürchen mit diesem blassen Härchen; ein reizendes Figürchen!
    Selene küsste und knutschte die staubigen Beine jedoch in bester ehrenwerter Absicht, und zwischendurch, nachdem sie Fontänen feiner Sandkörner aus den Ebenen von Lilanbeyle, bitter gewürzt mit dem Salz des Tuz Goly - für Nichttürken, der große Salzsee - in die blaue Ägäis gespuckt hatte, weinte sie, schluchzte sie den zweiten Wunsch zu ihrer vermeintlichen Schwester in Gott: „Sing Alohaoe. Alohalohaoe. Ich träume lange, schon viel zu lange von einer Insel im blauen Meer. Von weißen Schiffen und braunen Mädchen und noch viel mehr.“
    „Hey Blondie, Du griechisches Schnubbeltierchen, warum träumst Du von braunen Mädchen, wenn doch ich in Deiner Nähe bin?“
    „Heilige Göttin der edlen Jagd, das war nicht persönlich gemeint, dieses Lied lautet so. Ich träume nur von einer trockenen Insel, und dass mir jemand dabei hilft, mein nasses Elend... entschuldige, mein nasses Eiland in die Wärme der Sonne zu heben.“
    „Das, mein im Moment allerliebster Wonneproppen, schaffen allein die männlichen Götter, und wenn wir deren Glauben wecken wollen, dann müssen wir ihnen schon etwas zeigen. Komm, sei ganz lieb und küß mich weiter... aber etwas höher bitte. Berühre mich, fühle mich, wie Du es willst! Männer, Götter, sind Spanner, und für eine gute Peep-Show erfüllen sie Dir jeden Wunsch!“
    Zwei weiße Leiber zwischen den Wellen, rote und blonde Haare von den Wogen wonniglich gewogen. Zärtliche Hände fühlten die Formen, zärtliche Münder suchten das Fleisch.
    Apollo sah es als erster, rief unverzüglich Allvater Zeus zu seiner himmlischen Wolke: „Dad, komm schnell, Artemis und Selene treiben es miteinander!“ Und gemeinsam, Vater und Sohn Saubeutel... immer schon gewesen und sozusagen aus einer höheren Warte, genossen sie das erregende Spiel. Die rote Lilith, die das wohl bemerkte, verstärkte das verführerische Geplänkel und ihre Leidenschaft riss selbst eine Blonde mit. Das nun wild bewegte Wasser peitschte Tropfen zu Gischt, die Hitze der erregten Körper kochte für die neugierigen Blicke undurchdringbaren Dampf. Den Lurern, den Göttern, Vater und Sohn Schweinekramdenkern, war die Sicht genommen.
    „Scheiße, ausgerechnet jetzt so kurz vor dem Höhepunkt! Können sie nicht woanders vögeln?“
    Darauf hatte Lilith nur gewartet. Sie wehrte Selenen, die sich auf einmal aus roten Himmeln gerissen und noch etwas verwirrt zwischen siedenden Wellen wiederfand, und befahl ihr, die alte Leier... wieder in die Leier zu greifen. Beide Schönheiten sangen supergeil zusammen: „Ich will eine Insel im Sonnenlicht, das sich silbern und hell im Morgen bricht. Ich will auf der Insel flimmernden Sand, die weißen Hütten am Meeresstrand. Wo warme Sonne scheint, und wo meine Sterne steh’n, da kann man der Weiber Glanz und der Freiheit Licht aus der Ferne seh’n. O island in the sun...“
    Überzeugt, es geschah. Lelios tauchte aus der Tiefe des Meeres.

  2. #2
    Chefchen Avatar von aerolith
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    AW: Spaziergang am Strand - ein Wunsch

    Hannemanns Urtext fürs Flußbuch. Für 19 € erhältlich.

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