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Thema: die see

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    die see

    die see wird nun am ufer festgenäht
    damit's nicht stechen kann
    die klingen

    tau zerrt sie puls die menschen
    sagen wie sie rauscht
    und singen

    doch löst sich nie
    und abends
    körnig nah mollusken
    leckt sie den schorf vom strand



    [Diese Nachricht wurde von iodin am 04. April 2001 editiert.]

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: die see

    Deine Texte kommen nicht aus ohne Festigkeit. Du neigst zum Kompakten. Das könnte bedeuten, daß man eine Leselupe benötigte, was aber - gelinde gesagt - nicht der Fall ist. Das ist doch gut, mag jetzt Hans Beckmesser meinen, ich aber sage Dir, mein lieber iodin - und das sage ich Dir im Brustton festester Männerbuendigkeit -, Du mußt Dir mehr Leine geben.

    Ja, aber... (Das lassen wir jetzt mal außen vor.)

    Ich hab da noch ein kleines Beispiel, damit es nicht so überfliegerartig klingt. Es ist doch nur mein Leseeindruck.

    Das Apostroph in Vers zwei verschafft mir ein großes Problem. Vers eins ist grandios. Wie bist Du auf dieses Bild gekommen? Ich bin jetzt am Ufer, da ist ein Apostroph so rutschig wie ein Hase, der auf dem Sandberg Schlittschuh läuft. Es muß FEST sein, jetzt, nicht locker koordinieren, eine elitierte Vokalheit ist schnobrig.
    Vers drei bindet sich nicht an den vorigen, aber steht wieder gut für sich. Und dann ZERRT und SAGT und SINGT es. Das ist zuviel. Ein Verb muß weichen, oder eines muß sich nachordnen lassen.
    In der letzten Strophe findest Du einen Rahmen, nur warum sind die Achsen tatenlos im Sehnen? Der Abend findet sich im Weichtier (Allerleirau?), ein Oxymoron mit KÖRNIG NAH assoziierend? Bei mir nicht. Ich erwarte hier eine Bindung ans Lösen, da ist also keine Körnigkeit.

    Der Schlußvers ist wieder schön, weil die Handlung Ziel besitzt und dennoch ein Stillestehn möglich macht.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: die see

    mir gefällt's sammet apostroph. dieses die "erhabenheit" einschränkende ' erscheint mir sogar recht fein gesetzt. wie überhaupt das "setzen" der worte von bedeutung zu sein scheint. welche reihenfolge, welcher zeilenumbruch, welche gruppiert man nun zusammen, zwischen welche stellt man eine pause,...

    kann man sich verlaufen in dem muschelgang

    gruß
    andrea

  4. #4
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    AW: die see

    Also mal was zum Apostrophstreit: sag mal Iodin, hast Du wortgespielt und an "in See stechen" gedacht, alter Blaubärkäptn? Denn was würdest Du statt des Apostroph sagen wohl: damit es nicht...usw. Aber wer oder was ist "es" dann, frag ich mich.
    Könnte es nicht auch sein, dass Du erstmal heiter wortspielerisch begonnen hast und dann ein romantisches Thema ernsthaft konterkarieren willst?
    Auf jeden Fall gibst Du den Leserinnen und Lesern einige Nüsse zum Knacken, oder sind es molluske Muscheln? Geht ja auch noch im April...ist ein Monat mit "r"...aber da kennt Hannemännchen sich besser aus und empfiehlt dazu sicher einen edlen Riesling aus dem Rheingau, Eltville oder so, die von der Saale sollen aber auch nicht schlecht sein...
    Ach Iodin, hättest Du doch Deine Drohung wahr gemacht und endlich ein Liebesgedicht geschrieben ... dann würd ich glatt eines hinterher werfen, um den Robert zu fordern.

  5. #5
    rodbertus
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    AW: die see

    Man muß es sagen und hören.

    Und dann stellt sich heraus, daß es im Hören sich bricht. Ein Plätschern (Vers 1) wird eingeholt vom Landgang des Fisches (Vers 4).

    Ich komme mental an Vers 4 nicht heran.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: die see

    tau zerrt sie puls die menschen
    An der see zerrt der Tau, am menschen der Puls. Oder so.

    Andererseits, uis, kann man es auch als ein (wildes) Liebesgedicht lesen, lies mal laut:

    diese wird nun am ufer festgenäht
    damit's nicht stechen kann
    die klingen
    tau zerrt sie
    puls die
    menschen sagen wie sie rauscht
    und singen
    doch löst sich nie
    und abends:
    körnig nah mollusken
    leckt sie den schorf vom strand

    Na ja. Mit etwas Fantasie...

    Lester

    Melodie hat es.



    [Diese Nachricht wurde von lester am 09. April 2001 editiert.]

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: die see

    Tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe.. schlechter stil, ich weiss. Ich hatte einfach keine lust mehr und habe mich eine weile aus sämtlichen foren rausgehalten. Aber jetzt bin ich wieder da, jedenfalls ein bisschen.

    aero: Mehr leine geben? Ja, aber das weiss ich selbst, und ich versuche es. Aber was dabei rauskommt, sind doch wieder kompakte texte, denn je mehr ich feile, desto mehr wird abgehobelt. So ist das nun mal. Aber ich probiere es weiter.
    Das apostroph in vers 2 ist nicht ganz richtig, stimmt; es müsste ja sowieso heissen, dass sie, die see, nicht stechen kann, und nicht es. Aber sonst finde, dass es ganz flott klingt. Ich lasse es so.
    Die achsen sind tatenlos im sehnen? Hier kann ich dir, wie so oft, nicht folgen. körnig nah mollusken bedeute überhaupt nichts, das stimmt, ich finde es nur ungeheuer suggestiv.
    es bricht sich? Ich habe es laut gelesen und fand das nicht.

    Andrea: danke. Ein lob von dir freut mich besonders, wo du doch so streng bist

    Uis: Du triffst den nagel auf den kopf. Das apostroph ist stehen geblieben vom meer, das ursprünglich in der ersten zeile stand, aber dann fiel mir ein, dass man ja in see sticht und keinesfalls ins meer.
    Ein Liebesgedicht! Ja, wenn das so einfach wär. Ich habe schon ein paar versuche in den papierkorb geworfen, aber ich probier`s weiter. Liebesgedichte finde ich die schwierigsten überhaupt, man müsste einen neuen zugang dazu finden;

    Lester: die idee mit dem liebesgedicht ist toll. Sollte ich eines geschrieben haben, ohne es zu merken? Vielleicht ist das der einzige weg

  8. #8
    Tino
    Laufkundschaft

    AW: die see

    Ich wohne am Meer. Was Du hier schreibst, kann nur einer schreiben, der im Land wohnt.
    Das zum Inhalt.
    Zur Form: Die Worte greifen ineinander. Das ist Dir gut gelungen. Besonders gefällt mir die letzte Strophe
    Zitat:doch löst sich nie
    und abends
    körnig nah mollusken
    leckt sie den schorf vom strand
    , und hier besonders der Einbau des Wortes "mollusken", weil die diesen Doppelcharakter haben, was diese Strophe schwabblig-fest an den Inhalt hängt. Nur frage ich mich gerade, was für "Schorf" Du am Strand findest.

    P.S. Wundere Dich nicht, daß ich Dein Gedicht wählte. Ich habe einfach auf "Letzte 100 Tage" gedrückt und mir dann ein x-beliebiges Gedicht genommen. Ich glaube, in diesem Forum kann man in Gedichten waten.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: die see

    Ja, Tino, müsste uns iodin mal sagen, was er mit "Schorf" meinte. Meinem Verständnis nach, wenn ich im Bild bleiben soll, ist damit all das gemeint, was auf dem Strand so zu sehen ist, die See kommt und spült es fort. Ich meine jetzt nicht Strandgut, sondern da ist auch Schaum, Reste von verkrusteter Gischt, weißliche Blasen schlagend, da ist lose getretener Sand, Touristenreste undsoweiter...all das wie Fremdkörper auf der Haut der See und doch ihr eigenes Leben. Ja, das bedeutet hier "Schorf" für mich.
    Naja, Tino, in Gedichten waten... ich glaube, es ist schon eine gute Mischung hier manchmal und wenn es mir zu bunt wird mit den Prosatexten, dann stell ich mal wieder etwas Getexte in Gedichtform von mir herein. Ich meine, dass es gerade in den letzten Monaten eher mehr Prosa gab als Lyrik.
    Wenn Du noch ein paar Gedichte hier reinstellst, mir soll's recht sein...allerdings hab ich in den nächsten vier Wochen erstmal Urlaub.

  10. #10
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    AW: die see

    tino: ich wohne an land. ich weiss aber trotzdem, dass das meer sich nicht so benimmt.

    der schorf: die wunden, das meer reisst sich, es reisst auf. "verkrustet" ist gut, wie uis sagte. so was in der art.

    danke für die späte reaktion, auch wenn es nur ein zufall war

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